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Full text of "Schwäbisch-augsburgisches Wörterbuch"

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SOHWÄBISCH-AUGSBUEGISOHES 

WÖRTERBUCH 

HERAÜSZGEGEBEN 



VON 



DR. ANTON BIBLINOEB. 



IM VERLAG DER K. B. AKADEMIE DER WISZENSCHAPTEN. 



MÜNCHEN. 



IN COMMISSION BEI G. FRANZ. 

1864. 






>Auf gut verstentlich Augspurger Sprach, 
die da under andern deutschen Zungen ge- 
mainiglich für die verstentlichste genommen 
und gehalten wird.< 

Hansen Ottmar's Auszgabe von Tauleri 
Sermones 1508. Augsb. 



Druck Ton F. Stranb (WitteUbacherplatz 8). 



Vorrede. 



Das »Schwäbisch- Augßburgische Wörterbuch« 
^tbält Beiträge zu einem Spracbschaze derjenigen schwäbi- 
schen Lande, die jezt unter k. bayerischer Erone sind« Ge- 
nauer wäre die Bezeidmung »Beiträ.ge zu einem Spracb- 
schaze des alten Augsburger Bistumgebietes.« Die 
Gränzen des alten Bistums, die weit über. k. bayerische Mar- 
ken hinauszgen, sind, wenn Vollständigkeit erzilt werden 
will, genau einzuhalten. Man musz somit da und dort 
über die schwäbische Alb hinübergreifen, ja bis Gmünd und 
Ellwangen hin Gränzptäle auszstecken. Wie im Calwischen Ge- 
biete Speierische Einfiüsze in Sprache sich geltend machten und 
Jezt noch fort und iort erkennbar sind, so wirkte Augsb. Element 
beispilsweise auf die Gmünder Mundart. Esz ist noch nicht 
so lange, dasz die Gmünder ir Gelaraide auf der Augsburger 
Sdiranne geholt haben. Die wegen ires belebten Verkeres 
hochwichtige Strasze von Augsburg über Burgau nach Ulm 



IV 

und von da gegen Böhmenkirchen kan bei Sprachstudien nicht 
umgangen werden. Ich habe mich bei vorligender Arbeit, die nur 
ein bescheidener Beitrag genannt werden mag, zunächst an das 
Augsburger Gebiet im engeren Sinne gehalten. Die Stadt 
selbst sollte den Auszgangspunkt bilden; da aber, wie ich in 
der Mundart dargetan, altes Wesen in Sprache und Sitte nur 
auf einen kleinen Teil, auf die Jakober Vorstadt beschränkt 
ist, so war notwendig diejenige Gegend um Augsburg genauer 
zu durchforschen, welche mit der alten echten Augsburger 
Sprache am meisten stimmt: nämlich das Wertachtal, die »Strasze« 
und unmittelbar darüber die »Stauden« , eine waldige gegen 
das Mindeltal, die Eeischenau und das Wertachtal hin abfal- 
lende Landschaft, die fremder Eedeweise beharrlich Aufiaame 
verweigert. Disem kleinen Stücke Landes ist der Grundstock 
des Buches entnommen. Dazu sind fast alle bayer. schwäb. 
Landstriche bald mer bald weniger hereingezogen: selbst das 
alamanische Allgaü, das in der schwäb. Grammatik sorgfältig 
unterschiden und darum hier ferne gehalten werden musz, 
hat bisweilen Berücksichtigung gefunden. 

Wenn ich nach dem wirtembergischen Schwaben hinüber- 
grif, so war esz einmal der eben genannte sprachliche Zu- 
samenhang der alten Bistumsgebiete, sodann die Bekanntschaft 
mit der Mundart meiner Heimat, bevorab mit der Volkssprache 
des mittleren und oberen Necargebietes, das ich wiederholt 
nur Niederschwaben nannte. Dise Mundart, sowie die des sog. 
altwirtembergischen Gebietes stet von der Augsburgischen weit 
ab. Näher komt das Land von der Alb an, abgerechnet das 
sogen. Alamannische, das weder zu dem einen noch zu dem 
andern Zweige des Schwäbischen gehört. Mit Fug und ßecht 
ist die Waszerscheide des Necar's und der Donau auch die Gränze 
vom sprachlich verschidenen Ober- und Niederschwaben. Dahin 
ist Weinhold's Angabe »Oberschwäbisch«, wenn er von der 



Botweiler Gegend spricht, zu berichtigen. Eotweil ist die Gränze 
von Niederschwaben und dem echt alamannischen Gebiete, das 
zwischen dem Khein, Tuttlingen und Eotweil liegt (Schaflf- 
hausen, Waldshut u. s. w.) und bis herab an das Ende des 
Heuberges, bis Beuron reicht. Disz Gebiet vom Ehein bis zu 
dem Ursprünge des Necar's und der Donau und was in dem 
Winkel ligt, wenn van Eotweil bis Beuron -Möszkirch eine 
.schiefe Linie gezogen wird, mit dem ganzen badischen Seekreise, 
umfaszt echt alamannische Mundart. Von Sigmaringen, Scheer, 
Eiedlingen an begint Oberschwaben: Sprache, Sitte, Wuchs, 
Gesichtsbildung wird eine andere. Von dem Oberschwäbischen 
ist wieder gar ser die Sprache des Allgaü's verschiden: sie 
begint da, wo der Nasenlaut aufhört. Unter Oberschwaben habe 
ich im Wörterbuche innerhalb bayerischer Gränze das Gebiet 
des Illertales bis zum Lech verstanden : zu Mittelschwaben wird 
das Mindeltal und von da an mer oder weniger das Eiesz mit 
seinen fränkischen und oberpfalzischen Anklängen zu zälen 
sein. Die Strasze von Augsburg über Kaufbeiuren und die Augsb. 
Ulmerstrasze tragen verschidenes aber för sich gleichartiges Ge- 
präge. Auf einzelne Sprachinseln innerhalb all diser schwäb. 
Augsb. Gebiete werde ich nach wiederholten Nachforschungen ge- 
legentlich aufmerksam machen. Sie sind nicht selten. Bei des 
unübertroffenen Schmeller's Vorgang und den Anforderungen 
des heutigen Standes der Sprachwiszenschaft musz aber auch 
die Mundart, wiiB sie sich in Urkunden und verschidenen 
Schriftwerken einer Stadt, eines Klosters, eines Gerichtsbezirks, 
einer Provinz auszprägt, beigezogen werden. Disen Anfor- 
derungen einigermassen zu genügen, habe ich mir besondere 
Mühe gegeben, umsomer als mir bereitwilligst von Seite der 
K. Hof- und Staatsbibliothek die benötigten Quellen zur Ver- 
fügung gestellt wurden, darum überwigt auch das ausz Hand- 
schriften gesamelte Material. Das Gleichgewicht soll aber seiner 



VI 

Zeit hergestellt werden, da ich nimmer mein Augenmerk auf 
die lebende Volkssprache richten und bei meinen schwäbischen 
Wanderungen Gelegenheit finden werde, selbst zu hören und 
selbst zu sehen. Die älteren Schriftwerke, die ich benüzte, ge- 
hörten meist Augsb. Klöstern an; hie und da nam ich, aber 
Vorsichtig, einen zweifelhaften cod. d. h. einen von dem un- 
g«wis2 ist, ob er nicht von der Hand eihes bayerischen Mönches 
ta einem Bchwäbischen Kloster stamt. Hauptgewinn boten mir 
aie Zunfljordnungen in Augsburg, vor allen der Weber, sowie deren 
Aktenkästen. Das Fugger-Nordendorfscbe Archiv, jezt Eech- 
berg-Donzdorfisch, in Mickhausen, von dem man kaum eine 
Anung hatte, bot mir unschäzbares Material und birgt dessen 
gewisz noch mer als vil. Das Augsb. Archiv, die Bibliothek 
"des historischen Vereins und die Stadtbibliothek gewärten mir 
Manches; ich hoffe aber dort mit Beihilfe der betreffenden ge- 
Blligen Verwalter in Zukunft reiche Ernte zu halten. Seltene 
Augsburgisdie Drucke verdanke ich der Obemdorfer'schen Anti- 
quariatsbuchhandhmg dahier. Nidit zu missachten sind die 
Pfarrbücher der einzelnen Gemeinden: Beweise dafür finden 
sich im Wörterbuche. 

Was bisher an Beiträgen zu einem Wörterbuche far das 
bayerische Schwaben geliefert worden, ist ausz Schmeller und 
Schmid bekant. Ein leider zu früh für die Wiszenschaft ent- 
riszener Schüler und Freund Schmeller's, Professor Auerbacher 
dahiw, darf nicht vergeszen werden, sein Material soll jedoch 
Ihs auf einen Band, <ter ausz unverzeilicher Nachläsagkeit ver- 
loren gieng, in guten Händen sein. Wörterbücher zum Stadt- 
lechte von Augsburg sind vor 120 Jaren und zulezt von H(rf- 
fiiann v. Fallersleben in seinen Fundgruben und auf sie ge- 
stuzt von den Herausgebern des Mhd. Wbs. angestrebt wor- 
den: leider lag inen allen das Original nicht vor, denn die 
Texte bei Walch, v. Freyberg sind fast unbrauchbar. Den 



VII 

ältesten Anlauf zu einem Wörterbuche des Stadtrechts machten 
noit A die Beiträge zur kritischen Historie der deutschen Sprache. 
Leipzig 1732. 

Einen Versuch zu einem Augsb. Idiotikon machte zu Anfang 
dises Jarhunderts ein Herr von Aman zu Augsburg, dessen Ar- 
beit, mit Not der unbarmherzigen Scheere eines Buchbinders ent- 
riszen, manchen alten Auszdruck bewart hat. Ergibig sind 
die Arbeiten vom Herrn Prof. und geistlichen Bat Jocham in 
Preising, der selbst ein Allgaüer, bei verschidenen Gelegen- 
heiten seine gesunde Anschauung über die Volkssprache bewis. Die 
Localreimereien, die schwäbischen mitunter ser wertvollen Ge- 
dichte des J. G. Scheifele, und kleinere zu Memmingen und 
Kempten erschienene mundartliche Proben sind gute Hand- 
haben bei einschlägigen Forschungen. Die Werke von Baiser, 
Herberger, Greifif bieten eine Masse Stof für Kunde der 
Schwäbisch-Augsb. Mundart. 

Den Anstosz zur Herauszgabe dises Wörterbuches — das 
zum gröszeren Teil nur Stof zur Verarbeitung bieten soll — 
gab eine wiederholte Aufforderung von J. Grimm, der in seinen 
lezten Jaren der Mundart ungleich mer nachhieng denn früher. 
Er wünschte vor Allem das AUgaüische Gebiet und dann das 
ganze Land bis Nördlingen sprachlich genau dargestellt. Disem 
seinem Wunsche nachzukonamen war mir eflnöglicht durch die 
huldvolle ünterstüzung Sr. Exe. des Staatsministers Herrn von 
Zwehl und der k. Bayer. Akademie der Wiszenschaften; durch 
Dekret eines hohen Staatsministeriums des Innern für Kirchen- 
und Schul- Angelegenheiten wurde mir eine entsprechende Summe 
angewisen, die k. Akademie liesz die Vorarbeit als Anhang 
in iren Sizungsberichten drucken. Dafür spreche ich hier und 
dort meinen tiefgefülten Dank ausz. 

Esz erübrigt mir noch, meine Arbeit milder Beurteilung 
zu empfehlen. Jeder Anfang ist schwer, und ich halte es mit 



vm 

dem oben genannten Sanmüer v. Aman, der am Ende seiner 
Vorrede klagt: dasz man der Gefar zu irren nirgends leichter 
als bei Sammlungen diser Art auszgesezt ist. Möge der ge- 
neigte Leser ob der Menge des Stoffes, die wie schon bei 
andern vor mir, verunglückte historische Schreibweise ent- 
schuldigen. 

München, im September 1864. 



DEE HEEAUSZGEBEE. 



Schwäbisch-Augsburgisches Wörterbuch 



Dr Anton Birlinger 



Kurzes A. got. und ahd. & 
1) die Auszsprache ist in der 
Regel rein nnd gleich italieni- 
fichem a, erleidet aber Denan g 
in der Stammsilbe. So: vSder, 
bSch, schlag, drischlSg, 
wafel, spSget, waszerfSl, 
baden u. s. w., nas ahd. naz, 
nasz; fäs, ahd. vaz, fasz; sagh, 
Sack; klapf, batschappel, 
Klatschmaul , Schwätzer oder 
Schwätzerin; hamel, kamer, 
jSmer, schlampere, latsche, 
bätsche, dätsche, leber- 
spSza u. s. w. Vgl. YR). z. 
Volkstuml. S. 9. Die Gegend um 
Böhmenkirch und Gmünd weist 
Aehnliches auf. Schriftliche Denk- 
mäler bezeichnen dise Denung 
durch ein doppeltes a: bach- 
a a n g e r bei Gass. ; der Judenbrief 
V. 1299 bei Horm. 1834. S. 116 
hat baaden. Nur teilweise hat 
sich ä erhalten, wenn mehrere 
Mitlauterfolgen, was in der Ausz- 
sprache der leztem begründet 
ist. Der Niederschwabe kennt 
dise Denung überhaupt nicht. 

Wegfall der Endlauter b, g, ch, 
r hat im wirtemb. Schwaben all- 
gemein Denung des a zur Folge. 



In Augsburg ist dises sehr selten 
der Fall; man hört mader, gata 
für Marder, Garten; ab verliert 
das b in Sbreagla, azwalga u. s. w. 
b föUt noch ausz, wo schon die 
mhd. Schriftsprache vorangegan- 
gen ist; wie in der Abwandlung 
von geben; für ch vermag ich 
vorerst nur dernao (darnach); 
»ze wihennaten« MB. XXiV, 
S. 407. ad 1316 beizubringen. 
Vgl. Wb. z. Volkstuml. S. 9. 
üeber g vgl. unten. 

2) Vor m und n macht sich 
der Nasenlaut geltend und trübt 
die Auszsprache fast zu o: mo 
(Mann) wo (Wahn) zö (Zahn) ko 
(kann) ö (an). Die schriftlich. 
Denkmäler haben : m a j o r o n 
cgm. 601 f. 104b, Majoran, ama- 
racus, vulgo majorana. Frisch I, 
636 b ; monier, Kleiderbüchlein ; 
des TN. hat stets won (wann) 
u. s. w. 

3) die Neigung zu o begegnet 
auch vor 1, r: orsch (Ars)holta, 
(halten) wold, kolt, olt, solz, 
schmolz u. 8. w. Aber um ä 
zu bewaren, verdoppelten die 

'schriftl. Denkmäler, besonders 
Sender das l, z. B. in diebstall 
1* 



A. 



S. f. 145b wallzettel f. 173a 
Ballingen f. 369b, eine wirtemb. 
Stadt. 

Wie der Reutlinger Chronist 
Fi z io n Pforrer, Pforrkirch, Schor- 
mitzel, Stuttgort, bormherzig, ge- 
wolttätig u. 8. w. bringt, schreibt 
auch Sender schon Malvoseyer 
für Malvasier f. 157 b, podogra 
f. 397a; »alle cottember« 
Manuale f. 4a neben cottem- 
per, f. 9b u. quotember f. 
58 a, zem stadol MB. 23, 7a 363 
ad 1441. Ein Augsb. Yocabularius 
cgm.689, freilich mehr bayerische, 
denn schwäbische Heimat be- 
kundend, vom Kloster St. Ul- 
rich u. Afra, schreibt brasiare 
molzen, brasiator molzer, 
brasiatorium molzhaus u. s. w. 
Vgl. Gramm. I»,79. Weinhold 
alam. Gramm. § 83. Schleicher, 
Sprache S. 328. 

4) Aber echt Augsburgisch ist 
das Verharren bei gedentem a 
vor r: gara, faulgara, gära- 
sieder, Leipziger gara, ka- 
tara, bara, ära (arm) aren- 
prust, harenstein (cgm. 601 
f. 111 a) u. 8. w. Merkwürdiger- 
weise treffen wir disz wieder in 
Oberschwaben, ferner am Fusze 
der rauhen Alb, im Hertfelde. 
Schon das Ahd. gibt uns aram, 
halam, palam, Gramm. 1,3, 8 
und weist damit auf die Wirkung 
von 1 u. r. Dise Einschiebung 
ist auch in Kheinfranken üblich. 
Der Altbayer spricht ar als ge- 
dentes ar; der Oesterreicher u. 
Oberpfälzer als kurzes oar in 



uoar (Narr) boart, koarten statt 
karten u. s. w. 

5) Die — e n des Infinit, und der 
Substantive im plur werden bis- 
weilen wie reines a gesprochen; 
gangä, bloma, cläada, boä, lieba, 
beggärosz, reggla, kaarä, g^a- 
mera, duttla, elaboga; SchriftL 
Denkmäler deuten disz an: ela- 
boga, Regiomont. 1512. von danna 
cgm. 402 f. 74 b. Im Alamannisch- 
Lindauischen Gebiete gilt Glei- 
ches; in der Oberpfalz nur nach 
p, f, k, ch, m, n. 

6) Abschwächung des ä zu e 
und i in unbetonten Silben ist 
häufig: mönti^sonnti, wearti, 
aftermenti, uffert, (Auffart) 
Werderbruggertor (Wertach- 
bruckertor) bei S. oft. Atlisz 
(Atlas) » aus rotem gelem Atlisz« 
S. 533b U.S.W, derdurch cgm. 
402 f. 58 a. Vgl. Weinhold Alam. 
Gramm. S. 75. 

7) ä für e, Brechung von i 
»salb sibent« Horm. 1834. S. 
128 u. s. w. für wurzelhaftes u: 
leumand (hliumunt) Mindelh. 
Reformation; für ursp. ai: mit- 
anander cgm. 257. f. 10a 18b. 

8) Gegen das Gesez lautet a 
nicht um in: »dest baszerc Troj. 
Erg. 50a; baser 36; bader im 
Eleiderbüchl. 107, d a s d e r fraind- 
licher236b; schanken, schan- 
kung,trager (Vormünder); dur- 
s lachten cgm. 601 f. 104b nie- 
derschwäb. dür seh lacht; die 
Chronisten schreiben war z,L e c h- 
warz, gegenwarz. 

Ueber den Umlaut des asiehE. 



Langes A, ä got. e 

l)hat den bekannten tiefen, lang 
gedenten Laut, der näher dem o 
als dem a stet. Ich wäle wie her- 
kömlich das Zeichen k dafür. 

Diser Laut ist allgemein schwä- 
bisch, herrscht aber im Augsburg. 
Gebiete nicht vor; dafür tritt der 
Doppellaut ao, au, ou ein. In 
der alten Reichsstadt Augsburg 
selbst galt einst ao, ist aber wol 
unter dem Einflusze der Schule 
und der Reformation, welche 
sächsische und sächsisch gebildete 
Prediger sandte, dem nunmehrigen 
ä gewichen: schmalzwäg; äs — 
80 heiszt der Floh, der eben 
sticht — ätem, räthaus, bläter, 
brätisz, kläfter u. s. w. Luc. 
Rem schreibt goba, zur Hoch- 
zeit schenken, offenbar gäba. 
Aber gleich vor den Toren tritt 
ao auf und sezt sich imWertach- 
u. Mindeltale fort bis in das Ul- 
mer Gebiet; dernao (darnach) 
jaor, spaot, Schwaoba, ao- 
bet, braotisz u. s. w. Wieder 
in andern Gebieten des Bistums 
zerstreut wechseln au und ou: 
aubet, oubet; spaut, spout; 
brautisz, broutisz; der- 
nau, dernou; Schwauba, 
Schwouba u. s. w. So lautet 
die 3. pers. sing, der ahd. Zeit- 
wörter stän, län, gän, hau 

1) stät, lät, gät, hat augs- 
burgisch und wirtembergisch. 

2) staot, laot, gaot, haot 
im Wertachtal etc. 3) stout (oder 
staut) lout, gout, hout z. B. 
in der Altstadt Kempten. 



2) Manche schriftliche Denk- 
mäler des 14. 15. und 16. Jarhd. 
schreiben zwar gewönlich 6, wie 
esz auch jezt noch unter frän- 
kischen Einflusze im Kiesz ge- 
sprochen wird: schof, altor, 
wor (verus), a mol u. s. w. wie 
esz in der Lindauer Mundart 
gleichfalls gilt: »iazwett m. r go 
go, denn wenn's an a go go 
got, so got go allesc. So hat 
cgm. 99 strol, mol, wöge, 
schmöchet, obent, gewörcht, 
antloz, kemnöten, söhen, 
töten u. s. w. Ebenso cgm. 6. 
In den Ingolstädter Reimen des 
Buches Samuelis v. 1562 reimen 
strasz: grosz; da: froh; rät: gott; 
hän: tron; stät: not u. s. w. Am 
häufigsten erscheint in den codd. 
die nicht blosz Schwaben, sondern 
auch Schweiz, und elsäsz. Heimat 
bekunden au und ou. Teilweise 
schreiben sie au, ou, häufig setzen 
sie ein u oder ähnliches Zeichen 
auf a, wie Petrus Will ausz Neu- 
burg in seinem christl. Unter- 
richte: diser hat für ä und got. 
au entsprechendes äu diselbe 
Schreibung. Dr. Plieninger im 
Sallust 1514 hat immer ou. Aecht 
Augsb. codd. weisen stets au auf; 
so cgm. 97: schauf, genauden, 
gaut, staut, schaucher; cgm. 201: 
haut, maul, maus; ebenso cgm. 
287. cgm. 239: paubst, lauszen, 
palmaubent. cgm. 303: andern, 
blautren; oberostauder u. s. w. 
cgm. 310: ofifenbaurung , wauren, 
andaucht, fraug, waurzu u. s. w. 
cgm. 312 waug, gaust, cgm. 206: 



A — AB. 



anszent, Biraasz, fi'augten, staust 
cgm. 345: verlausz, nauch, wau- 
ren, rauthusz, aun underlausz etc. 
Aulbertus cgm. 234. bei S. 
Aufrengrab cgm. 257. 

3) Vor m u. n erhalten ä, ao, 
au, ou den Nasenlaut: ahd. han 
1L.B. w. wird ho, hao, hau, hoü, 
stao, stau, lau, gaü, ferner 
kromer, kroma, gottsnama- 
kromer, jömer, mosa, soma 
u. 8. w. Schriftliche Denkmäler: 
begann, gaund, haund,Aun- 
sorg u. s. w. im Manuale; fer- 
ner cgm. 92: haun, tüllen- 
säumen; cgm. 601: latuchensau- 
men, magöl säum, bös säumen 
säen; krumer,-lehen-hof imMa- 
nuale u. s. w. 

4) Neben ä, ao, au, ou er- 
scheint auch ä selbst heute noch 
im Yolksmunde, ob unter bayeri- 
schem Einflusze stet dahin: Naze, 
dabbeter Naze, dummer Kerl; 
spät, am spätesten. Schrift- 
liche Denkmäler schreiben s p a a t ; 
6ass.;aber >bei spätem abend« 
Feuerordnung, v. 1731 ; spraach, 
haar, fraaszbei Werlich u. s. w. 
Merkwürdig ist dabei die Schär- 
fung der darauf folgenden Conso- 
nanten wie schläffkamer, rät- 
ten (raten) cgm. 402. mall, Gast- 
mal; gemällt (pictus) Kleider- 
büchl. schäffhaut; hier hat 
Fränkisches u. Bayerisches sicher- 
lich eingewirkt. 

Dem Augsb. Gebiet fehlt also 
nrspr. reinee ä und wo esz sich 
findet, ist esz ausz der Fremde ein- 
gel&rt. Einer nahem Untersu- 



chung muiz esz vorbehalten biei* 
ben das Verhältnis dis. Angab. 
Laute, welche auch zugleich ober» 
pfölz. sind, zu got. e zu bestimmen. 
Sovil aber mag schon jezt sichtlich 
sein, entweder dasz ao, au, ou nicht 
ausz ä hervorgieng oder dasz 4 
nicht den heutigen Lautwert hatte. 

lieber den Umlaut des ä s. £. 

A^A ! Auszruf derVerwunderungc, 
des Eifers; a a! wie schön! 
Niederschw. neben a, a! ai, ai! 
a, ä! Apenzellisch sieh Tobler 
S. Ib. Wie die übrigen Yooale 
Auszruf bei geistiger Aufreg^ung ; 
hier der Ver- und Bewunderung, 
des Erstaunens, wie ääl des Ta- 
dels, Spottes, o, Ol des Wider- 
spruches, ei, ei! des Liebkosens 
und Yerwunderns ; a, a ! als Ausz* 
ruf des Schmerzes, scheint Ver- 
kürzung von ach, achl VergL 
hiezu Weinhold, Alam. Gramm. 
§. 327, Mhd. Wb. L, 2b. 

AA machen, seine Notdurft 
verrichten in der Kindersprache ; 
Weingartisch äämachen; sonst 
ga ga machen, lat cacare, frz. 
chier, faire caca; oberpfälz. apf 
machen; Münchnerisch bä bä 
machen. Ueber das alte Subst. 
aa, merda, excrementum vgl. 
Grimm Wb. I., 5. Der alte Augs- 
burger hat dafür noch bäle 
macha, hobbe macha. ä, äl 
ä pfrrr! Ansprache an das Kind, 
das sich so beschmuzt, Oberschw. 

AB praep. hat in der neuhochd. 
Schriftsprache seine alte Bedeu- 
tung verloren und mit von, so- 
wie hie und da, doch mehr mund* 



Ab — Abdanken. 



arilich^mit ansz getauscht. Die 
schwäbischen und alamannisehen 
Bdiriftwerke und die Mundarten, 
somit auch Augsburg, kennen ab 
mit seiner alten Bedeutung bis 
heutzutage. J. Grimm, der auf 
Sammlung der Beispiele dringt, 
2ält Wb. I., 7 die Fälle auf, in 
denen ab gebraucht ward: bei 
den Yerbis des Fallens, Gehens, 
Springens , Erschreckens, Ent- 
setzens, Grausens, Yerwundems, 
Yerdrieszens und Elagens. »Da 
nun also zu eszenszeit das Volk 
ab der gassen yerlauffen«, Dr. 
Georg Müller. »Disz Angesicht 
ist controfat ab einer alten Tafell 
zu S. Ulrich«, Eleiderbchl. 25. 
»Und kompt niemer ab der Strasz« 
Teufels Netz, 13, 362. »So er 
das flaisch ab den bain tut na- 
gen« a. a. 0. 9479. »Frucht ab 
dem Baume«, egm. 372 f. 194b. 
»Zwo Fert mit höwe ab einen 
wisen tuon«, Ulm. Urkd. 1410. 
In der Kiedl. Gegend: »s gät itt 
ab stett«, get nicht vom Platze, 
vom Flecke u. s. w. Ab in der 
Amtssprache: »ab seiner Schul- 
digkeit so und so vil entrichten« ; 
ferner: »ab dem und dem Tage«, 
von dem Tage an. »Von Stundan 
sind sie ab den Dingen entsezt«, 
Troj. Krg. f. 7b. »Entsezt ab dem 
Tod« a. a. 0. f. 33 u. oft. »Da 
taet er wuun und froed pflegen 
ab Gottes wunneberende Ange- 
sicht«, TN. 568 ff. »Du darfst 
didi ab nieman klagen a. a. 0. 
2780. »Ab Gotteslästrung ent- 
sitzen«, Mindelh. Reform f. 20 a. 



Fizion^s Reutl. Chronik hat S. 56; 
»Abscheu ab der päpstlichen 
mess« ; S. 57: Jedermann hat Ver- 
drusz ab ihm«. In Niederschwa- 
ben kennt das Volk: »a fraid, 'n 
schrecka ab'm hau«. 

ABAESCHERN, sich: 1 ) schwere 
ermüdende Arbeit leisten, one 
Hoffnung auf entsprechenden 
Lon; 2) kümmerlich wirtschaf- 
ten. Eigentlich: sich in Staub 
und Asche abarbeiten. Grimm 
Wb. I., 35. 

ABBAUEN, swv.: mit Je- 
mand den Umgang aufgeben; 
eigentlich eulturam remittere. 
Grimm Wb. I., 11. Von einem 
Kranken sagt man um Augsburg: 
»der baut scheint's ab«, wird 
schlimmer, nähert sich der Todes- 
stunde. SchmellL136. Oberpfälz. 
abbauern, abhausen. 

ABBEEREN, swv.: pflücken, 
z. B. Haidelbeeren. Immenstadt. 

ABBELLEN, sw.v.: 1) Jemand 
bellend und beiszend abweisen; 
2) instar latrantis canis recitare, 
etwas abbellen, herunterbellen, 
z. B. das Chorgebet. Grimm Wb. 
I, 12. 

ABPRUCHELICH, adv.: was 
nach und nach Abbruch erleidet. 
»Und man geb dem Kinde ab- 
pruchelichen zu8augen<. cgm. 
601 f. 105b. Vgl. abbrüchig 
b. Grimm Wb. 1, 17. 

ABDANKEN, swv.: >wann ein 
kranker Knappe oder Maister- 
sohn, der aus der Büx Aufleggeld 
geliehen bekam, geneust, muszer 
ob dem Pilgerhaus abdankenc 



8 



Abdecker -^ Aber. 



Knappen Ordg. Bekannt ist das 
allgem. schwäb. Abdanken bei 
Leichen n. Hochzeiten. A b d a n k - 
Sermonen verboten. Leich. 0. 
6rimmWb.I,19. Ab dan k enin vie- 
len Gegenden das letzte Aaszrofen 
des Nachtwächters. Der A b d a n k. 
>£8 möchte sich aber der Rat 
hierunter wol bedenken — ob 
nicht vnnützlicher und vnnotwen- 
diger Newerungen Lon und Ab- 
dank gemeiniglich aus göttlicher 
verhenknis eben dises were, das 
man vber frevelem tun, auch firevele 
Reden hören müsse«. Dr. Müller. 
Vgl. Volkst. n. 24. 866. 409. 410. 

ABDECKER, stm.: Wasen- 
meister, Schinder, der einem ge- 
faUenen Tiere das Fell, die 
Decke abzieht. > Die zu Lang- 
waid mögen sich s. h. eines Ab- 
deckers, woundwiesie wollen, 
l>edienen<. Vergleich v. 1670; vgl. 
Wb. zum Volkst. 10, Grimm. Wb. 
I, 19 ff. 

ABEN, swv.: recht abmagern, 
deficere , occidere. Weingarten. 
Grimm Wb. I, 22. 

ABENTEUER, das: Geschick, 
was einem zustöszt, begegnet, vom 
romanisch, adventura, aven- 
tura. Ueber das Wort sieh 
Gramm. I^, 404. In Augsburger 
Schriftwerken vom 14. Jarhundert 
herab begegnet aubenteur (ä, 
au) aufentiure, aubeteur u. 
ähnliche Formen des öftem; 
>gelück u. anbeten r< cgm. 312 
f. 33b. >aubentür< cgm. 206 f. 
226 a. >därumb schlahen, kriegen 
ist vns aufentiure« Astron. f. 



32 a. Vgl. hiezu das Ifhd: Wk 
I, 67—78. In Chroniken 
das Wort in folgendem Zu 
menhange unzäligemal: nach ge- 
schribenenAbentewren cod. 
Bav. 2517. lAbgeschribene Aben* 
teuren uffischieszen« a. a. O» 
>Ein Rat hie ein Ausschreiben 
solichs Schieszens u. Abentear 
haben ausgeschickt 400 pirmentai 
geschriben Brief«. S. f. 192a. 
>ünd in disem 1470 Jar, da war» 
fen die von Augsburg ain kost* 
lieh Abenteur auf, zu schiessen 
mit dem Armbrost«. Bei Hör* 
mayr, Tschb. 1834. S. 189. >Wm* 
ter hat man aufgeworfen ain 
abenteur, das waren 21 silberne 
Eleinotter« a. a. 0. S. 142. 

ABENTEURER, stm.: ein 
Weber, der auf bestellte Arbeit 
wartet; der auf gut Glück arbei- 
tet. >Der Lon von Abenteu- 
rern, item von einem Aben- 
teurer Werkh zwanzig Createer 
und einem Hausknappen 25 kr«. 
Weber Ordng. v. 1549. »Item 
Hans Hurscht der Abenteirer 
von Straszburg«. Ott Ruland S. 6. 
Grimm. Wb. I, 27. 28. SchmelL 
I, 10. 

ABENTEURISCH, adj.: >mir 
kann sunst kainer kain zur aben- 
teurischen Furm ains klaids 
aufbringen«. Eleiderbüchl. S. 14. 

ABER, iterum; got. afar; ahd. 
afar, avar, avur, mhd. aver. Grimm. 
Wb. I, 29ff. >Am28.TagAprilia 
ist aber ein groser Schnee ge- 
fallen«. Sender und alle Augsb. 
Chronisten gebrauchen disz Wort- 



Aberellen — Abgehen. 



Substantivisch gesezt, das Aber, 
Eckel , Widerwille ; allgemein 
schwäbisch. 

ABERELLEN, swm.: >in dem 
mänet des aberellen<, Falzblatt 
z. Augsb. Stadtrechte Ib. Gramm. 
V 682. 11,317. 

ABERYLEN, >der Hirsz tritt 
mit den hindern Fusz gleich. in 
den vordem, das sye ainander 
ebenstend gleich als es newr ain 
Fusz sei; etwen dritt er hinfur 
mit dem hindern Fusz für den 
vordem Fusz; das ist ausz der 
Moszen ain gut Zeichen: das zei- 
chen heiszt plendender Aber- 
yl en«. — >ünd ist es davon, wenn 
er den vordem Fusz mit dem 
hindern pl endet, wenn er mit 
dem hindern für den vordem 
drittet, davon heiszet er ylen<. 
Ggm. 289 f. 105 a; ylen, eilen. 

ABESZEN, sich: von einer 
Speise eszen bis zum Widerwillen 
und Eckel, bis sie widerstet, 
so dasz einen Jarelang nicht 
mehr darnach gelüstet; oberpfalz. 
an Jemanden abeszen, seiner 
satt werden , ihn nicht mehr mö- 
gen; urspr. von etwas herunter- 
esaen. Grimm. Wb. 1,35. aesza, 
Rottenb. Gegend ; dagegen a b e - 
esza, abhin eszen, hinab-, hin- 
imtereszen. 

ABFAHREN, 1) dem Tode 
nahe sein; 2) sterben, nicht echt 
volkstümlich. Grimm. Wb. 1,136. 

ABFETZEN, swv.: die Klei- 
ner hängen und »schlampen< 
laszen, zerfezt herumtragen. 

ABFRETZÜNG,die: 1) Abwai- 



düng ; 2) abgeribene Stelle. > Sehet 
die Eniebein des hl. Nidgarii, an 
welchen noch heutigen Tages von 
dem immerwährenden Neigen, Bie- 
gen, auf der Erde ligen — noch 
merkliche Abfretzung und lob- 
lichste Merkzeichen zusehen sind«. 
Ehrenfest a. 1699 S. 77. Schmell. 
I, 620. Vgl. abfretten, ab- 
fretzen, defricare, wund reiben, 
zu ab fr eszen gehörig, wie ätzen 
zu eszen, sitzen zu Sessel u. b^ w. 
Bayerisch sich durch fr etten, 
sich durchbringen, kümmerlich 
das Leben fristen, von Armen u. 
Kranken.GrimmWb.IV s. v. fretten. 
ABGEHEN mit laszen; l)von 
Geschützen gebraucht, loszlaszen, 
abfeuern. >Da hat man die groszen 
und auch handbixen all 1 a u s s e n 
abgän«. S. 535 b. >Bei groszer 
Herren Eintritt pfleget man die 
grosze Stuckgeschütz abgehen 
zu laszen«. Gass. J. Frischlings 
Hohenzoll. Hochzeit, meine Ausz- 
gabe S. 20: 

Liesz ab gen mit ein Wiederhall 
Auf einander sechzehen Knall. 
Vgl. Grimm Wb. I, 45. Wurm 
S. 21b, der ausz Mathesius eine 
Stelle anfürt. 2) Abgang, de- 
fectus, Mangel bei Getraide- 
Meszungen, Gilterhebungen häufig; 
so im Giltbuche von St. Ulrich 
und Afra cgm. 154: N. gibt vom 
Hof 3 rh. Gulden on allen ab- 
gangk f. 9b. >Gebent 6 höner, 
2 gäns und ain vasn achthon on 
allen abgangk< f. 16; femer: 
Abgang, Nachlaszen der Sinne 
und öfter cgm. 402 f. 58 a. 3) In 



10 



Abgewürgter Feiertag -*- Ablangrund. 



myHiscbeii IVmctaien: »dasz der 
mag erhebt werden zu Grott und 
göttbcdien Dingen on Abgang 
nnd on Yermiscbung«. cgm. 402 
f. 236 b. >Kun ist noch vil ein 
edeler u. g^szer Abgange des 
Gaistesi. Tauleri Serm. 1506. 
»Nu solt ir wi82en, welcker 
Mensche disen willigen ab gang 
durch Natur und Gaist geton 
hat a. 0. 4|) Abg&ngisch, ab- 
gangig von Brücken, Wegen in 
den Altwirtb. Gesezen öfters, z. B. 
¥. Land. Orig. v. 1Ö52. Reysoh. 
12, 220,4. 

ABGEWÜRGTER FEIERTAG, 
abgewirdigter, abgeschaffter, Ton 
Kirche und Staat aufgehobner 
Feiertag. Offenbar eine voDcs- 
tüml. Anlenung an würgen, ju- 
gulare, mactare. Zu Grinun Wb. 
I^ 155, Schmeller kennt esz auez 
AHbayern. 

ABKAMPELN, swv.: einen der- 
ben beschämenden Verweisz ge* 
ben. Rechtsaltertüml. von der 
Strafe an Haut und Haar benannt. 
Schmell. U, 801: abkämpeln. 

ABKAPPEN, swv.: abgipfeln, 
nrspr. etwas vorne abhauen, ihm 
die Spitze abschlagen ; sieh Kappe. 

ABKETZERN, swv: sich ab- 
aediern. Zu Grimm Wb. I, 160; 
wol zu gehetzen stehend, 
abg'hetzen, wie Einghirn 
g'heien; das Volk dachte an 
Ketzer, was keinen Sinn gibt. 
Anderwirts: sich abhetzen. 

ABKERBN, einem, swv.: prü- 
geln. »Ey du Schelm, du hast 
geemacht, dasz mir der Preceptor 



hat abkörreU. Kleiderb. S. 107. 

ABKÜNDEN, swv.: aufkuadeii. 
> Martin Franz dritte Pflicht; Jen- 
nerI539, uffain jar vor Abkin- 
den«. Lucas Rem S. 72. 

ABKOMMEN, mit Jemand über- 
einkommen, bes. von Witibem 
oder Witwen, die mit den Kindern 
voriger Ehe sich abfinden. »Sobald 
der Vater sich wiederum zu ver- 
heuraten im Begriff stehet, mves 
er vor allen Dingen mit seinett 
Kindern voriger Ehe wegen ihrM 
stütterlichen Gutes abkommen 
— • za welchem Ende die vorgeK 
stellte A b k m m p f 1 e g e r folgeil-* 
der Gestalt vergelübdet werden 
mUen«. Pflegerdg. v, 1779 §. 98 
«-35. «Doch müszen den Kim* 
dem vor allen Dingen Pfleg«» 
gesezt und durch dieselbe nlt 
der Mutter das Ausgemacht 
und Abkommen der Kinder 
berichtiget, der Abkommbrief 
gefertiget u. s. w<. Ratsdekret von 
1668, d. 27. März. »Abkommbnef 
aufrichten n. fertigen«. Pfleg« 
0. 1779. »Pflichten der Ab- 
kommpfleger< a, a. 0. 

ABKEILEN, swv.: sich amx 
Leibeskräften herumprügeln, tta 
Keile stehend. 

ABKOREN, swv.: Dispens zum 
Heiraten, ob affinitatem, einholen. 
€ranz Oberschwb.; akiara ehe- 
dem in Rottenburg. 

ABLANGRÜND, ac^j. : lÄnglicht 
rund. Grimm Wb. I, 60. »Das 
Hahnenei ist den 15. 25. Aprilie 
auch eröffnet und anstatt do» 
albuminis oder Eierweiszens, eine 



AblMz. 



11 



sehr zähe, klare, weisze u. durohr 
ncshtige Materi u. för den Dotier 
ein zusammengeballter ab lang - 
runder wuater, fauler u. rotziger 
zäher Sehleim gefunden worden«. 
Gockeliua S. 25. 

ABLASZ, Btm. — in des TN. 488 
abbaias — 1) indulgentia^ Nach- 
laszung der Sunden. In den Kir- 
ohenkalendem Augsburgs komt 
oft vor: der Seelenablasz, bei 
den Kapuzinern > eine bestimmte 
Andacht an einem bestimmten 
Monatsfionntage, auf deren Be- 
such so u. so vil Tage Ablasz 
verliehen wurde; d. h. wer die 
Andacht nach der Meinung der 
Kirche mitmacht, erhält 30, 50, 
100 Tage alter Kirchenbusze 
nachgelaszen. In der Domkirche 
•war an einem Monatsonntage der 
aog. Sibenaltärablasz zu ge- 
winnen. Oft, besonders in Alt- 
bayem heiszen die Kirchgänge an 
manchen Sonn- u. Feiertagen blosz 
Abläsze, >indenA. gen«,»zum 
A. gen«, weil an ihnen auf andäch- 
tigen Kirchenbesuch mit hl. Beicht 
und Empfang des Altarsakra- 
mentes A b 1 ä s z e verliehen waren. 
Vgl. auch »mit dem Ablisz 
gau< Wb. z. Volkst. 10. 11. 
Ein scharfes Licht auf den mit 
Abläszen verbundenen Kirchen- 
besuch und die Misbräuche wirft 
die Stelle in der 2. wirtemb. 
Landesordnung v. 10. April 1515 
bei Reyscher Bd. 12: So aber 
einzeohtig personen uff ein kirch- 
weihin zu seinen Nachbarn gehen 
wölten, in guter Meinung ablasz 



zu lösen — zum Wein oder 
Tanz gehen u. s. w.« 2) Zins* 
ablasz, abläszlich S. 110b. 
3) Lechablasz, der, in Augsb. 
seit uralten Zeiten in Krig und 
Friden eine grosze Rolle spilend; 
südöstlich von der Stadt, malerisch 
gelegen, mit 71 Wasserwerken^ 
durch welche dem Lech schon 
seit 1000 Jahren eine bedeutende 
Wassermasse entzogen ward za 
Nutz und Frommen Augsburgs. 
»In den Ablasz hinaufgehen« 
ward verpönt in einem Ratsde- 
krele v. 1634, 7. Okt. In eben 
disem Documente geschieht auch 
neu gemachter Abläsze Erwäh- 
nung. Im Vergleich v. 1596 stet: 
Solang als der Lech in disem 
Rinnsall verbleibt und solange 
sie durch obbemelte ihre Ablässe 
die Notdurft Wassers in ihren 
Floszbach führen und einleiten 
werden«. — Schmell. 11, 473 weisz 
von einem Hochablas z. Hoher 
Ablasz und Galgenablasz 
heiszen 2 städtische Waldungen, 
one Zweifel vom Lechablasz zu 
benannt. Früher kam Ablasz, 
in der Abläszin, auch bis 
heute braüchig, als Zeitbestim- 
mung vor. >In den Abläszen«, 
zur Zeit des Lechablaszes d. h. 
im Frühling oder Herbst. Die 
Bronnenmeisterordg. v. 1754 hat: 
Wann an dem vorderen, mittlem 
oder hintern Lech in Zeit einer 
Frühlings- oder Herbstab- 
las ze Feuersgefahr entstünde«. 
S. 21. In Zeit einer Abläsze 
S. 32. Die Feuerordg. 1781 hat: 



12 



Ablieben — Abmüttem. 



«zur Zeit der Abläsze« öfters. 
4) Grundablasz des Stadtgra- 
bens beim Lohstadel one be- 
stimmte Waszermenge. Ich schalte 
hier ein 5) Einlas z, der alte, 
ein mechanisches Kunststück sel- 
tener Art; auf Kaiser Max I. 
besondem Wunsch ward für 
seine Jagdleute ein kleiner Ein- 
gang in der Stadtmauer ange- 
bracht. 6) Ich füge ferner an: 
A b 1 a s z in der altwirtemb. Wein- 
gartnersprache mit Beispilen ausz 
alten Verordnungen. >Im Bindet 
oder Ablasz« (Ablasz des Wei- 
nes) Küferordg. vom 21 Juni 1560. 
Reysch. XIII, 560. »Ein Ab- 
laszen, Säuberung der Fasz« 
General-Reskrpt. v. 26 April 1706. 
»Ablaszbräuke« (brennta, Kü- 
bel, romanisch) allgem. Vorschrft. 
V. 12 Sept. 1787. Reysch. 16, S. 
875. >Von menigerlei Ringen od. 
Spänen im Herbst und sunst in 
abläszinen zubruchen«. Blaub. 
Klosterordg. 1558. Tleysch. Stat. 
R. 359. Abläszin I. ümgeld- 
ordg. vom 29 Mai 1565. Reysch. 
17. S. 75. »Im Ablasz zur Herr- 
schaft Wein< Rechnungsabhör v. 
27 Mai 1591. Reysch. 12, 473. 
7) Ablaszen, abschieszen. »Ich 
hab wol gesehen, dasz oft ein 
Schütz ablas zt hundert Pfeil 
von demPogen«. cgm. 601 f. 6 b. 
ABLICHEN, stv.: Waszer über 
gereinigte Gefäsze ablaufen laszen, 
zur lezten Reinigung durch 
Waszer ziehen. Grimm Wb. I, 74 
nennt esz ein ganz veraltetes Wort, 
mundare emundare und weist auf 



ahd. lichon polire Graff ü, 118^ 
was aber nicht stimt; esz gehört 
vilmer zu dem alten luhhen 
luere ;irluhhit luit b. Schmell. ET, 
462- Vgl. althd. luhjan, was ne- 
ben liuhjan dagewesen sein musz. 
Graff. IV, 145. 146 führt lüchen 
an; liehen, Tuchen, ablieben 
ist nichts anderes als ablaugen; 
Lauge dasselbe;nälichd;Biberach. 

ABLUCHSEN, swv.: verstol- 
ner, heimlicherweise etwas ab- 
sehen; abspicken in der Schüler- 
sprache. Vgl. Grimm Wb. I, 75. 

ABMACHEN, swv.: abkonter- 
feien. »Nicol. Zorn, ein ritter 
von Straszburg gewöst — vom 
alten Jörg Seiden a. 1508 abge- 
macht«. Kleiderbüchl. S. 91. 

ABMAUSEN, swv.: einen im 
Spile übervorteilen , einem abge- * 
winnen: der ist abgemaust 
worden; darf wol an abmauszen, 
vertauschen, abwechseln b. Grimm 
gedacht werden Wb. I, 77? 

ABMÜTTERN,swv. : derMutter- 
brust entwenen. »Als dann Galie- 
nus spricht, darum sol man das 
Kind abmüttem als ob die 
Saugamm sunst krank wäre « . cgm . 
601 f. 99 a. »Wenn die Amme 
krank oder schwanger ist, und 
man doch keine andere hat, so 
war nüczer, dasz man das Kind 
abmüttem soll, dann dasz es 
weiter sägte« a.O. f. 102 b. »Von 
Abmüttren ist ze wissen« a. O. 
Auch spricht Avicenna: »so man 
kind abmüttren will« aO. >Rau- 
den kommen den Kindern nach 
dem Abmüttem« f. 181b. 



Abnemen — Abschöpfen. 



13 



ABNEMEN, stv.: abtun, ab- 
schlachten besond. von Geflügel. 
Allgem. Grimm Wb. I, 80. 

ABPRÄGELN, 8WV.: abbrateln. 
»Rindeme abreaglete Wür8t< 
allgem. inAugsb. braüchig. Vgl. 
Wb. z. Volkst. S. 20. Schm. I, 
256. Frisch I, 124 a. 

ABRACKERN, sich: sich ab- 
äschem. 

ABRÄUMEN (aromma) swv.: 
wie hochd. 1) besonders wichtig 
war das Galgen abräumen bei 
festlichen Anläszen. Sieh Gal- 
gen. 2) Schutt abräumen bei 
Feuersbrünsten. Memming. Feuer- 
ordg. 1765. Allgem. schwäb. ist >d' 
Schueh an oim abutzo, är- 
o m m e € , verächtlich behandeln, 
näromme, auf die Gipsbänke 
hinabarbeiten,bloszlegen(Wurml.); 
endlich ist äromm9 Spätherbst- 
futterabmähen, schneiden. Subst. 
Arommede f. 

ABRÄUMEN, swv.: die Müch 
abrämen, sonst schwäb. abne- 
men. 

ABREDE, »dessen bin ich zwar 
keins wegs in Abrede, da in 
werendem kalenderstreit etliche 
sich auf die päpstische Seite ge- 
henket«. G. Müller. Vgl. Grimm 
Wb. I, 87. 

ABREDEN sieh abspanen. 
Vgl. Grimm Wb. I, 87. Frisch 
n, 99 a. 

ABRIFFELN, swv.: die Dienst- 
boten nach Wunsch u. Willen ab- 
richten. In Oberschwaben kommt 
vor: den Lein riffeln, den Hanf 
riffeln, den Flachs riffeln, durch 



eine Art Rechen oder Hechel zie- 
hen, damit die Bollen absprin- 
gen ; a b riffeln; abkampeln, schel- 
ten, Vorwürfe machen. Allgem. Vgl. 
Graff n, 497. Grimm Wb. I, 91. 
Schambach 175; f in riffeln ist 
ursprünglich. 

ABSAUGEN, »Saugammen, die 
2 oder 3 Kinder absaugend« 
cgm. 601 f. 990. 

ABSCHIESZEN,stv.: die Farbe 
wechseln, von hellen Stoffen. All- 
gem. Grimm. Wb. I, 100. 

ABSCHLARGEN, swv.: Schuhe, 
Pantoffeln abnutzen, so dasz die 
Fetzen wegfallen ; Schiargen 
pl., solche Schuhe. Vgl. das ab- 
schlerfen bei Grimm Wb. I, 
104. Tobler 12 a. 

ABSCHLOTZEN, swv.: ab- 
lecken, wie esz an dem Saugbeu- 
tel Kinder tun. Vgl. Schnullen. 
Schlotzer, Saugbeutel . Allgem. 
Oberpfälz. s c h 1 o t z e n, die Kleider 
achtlos beschmutzen. Schlotze, 
eine schmutzige Weibspers. engl, 
slut, slattern. 

ABSCHNEGELN, swv. : jemand 
schmeichelnd etwas ablocken. 

ABSCHÖPFEN, swv: denFaum 
oder Schaum, auch Fettstoff vom 
Fleischtopfe oben wegiiemen. 
Abschöpfi, die, eben das Ab- 
geschöpfte; Abschöpfet, das- 
selbe. »Im Jahre 1796 waren die 
Speisen in der Jacobspfründe 
Sonntag Mittag V« Pfund Fleisch 
nebst Fleischbrühe und Abschö- 
pfet«. Herberger, St. Jacobs- 
pfründe S. 49. Anmrkg. Wir 
haben hier 2 schwache Substan- 



14 



Abs^recken — Alxt^ien. 



tive; das erste gebildet von «kap- 
jan, wird skapeins, das zweite 
gebildet mit-itha; jenes stimt 
mehr zu dem alam. schwäbischen 
Gebrauche, dises mehr zum all- 
gem. auch niederschwäb. Idiome. 

ABSCHRECKEN, swv.: hohen 
Grad von Wärme oder Kälte 
mäszigen z. B. kaltes Waszer 
durch glühende Kohlen — heiszes 
durch Zugieszen von kaltem- oder 
kalten Wein, wie auf dem Lande 
in dem Ofen oder Hölhafen. Man 
achreckt ein kaltes Zimmer ab 
durch einen kleinen Feuerteufel 
im Ofen. Vgl. Grimm Wb. 1, 109. 

ABSCHRÖDELN, pl. üeberreste 
von Speisen, residuae mensae, was 
die Mundart im übrigen Schwa- 
ben baldmit lieber gl aus, bald 
Loibete übersezt. Abschrot, 
m. dim. Abschrötlein, segmen, 
resegmen, >jener aber richtete 
aus dem Abschrötlein wieder 
ein Frühstück«. Simpl. b. Grimm 
Wb. I, 110. Vgl. ahd. aleipa. 
»Schrotet ab vnnücz Holz — 
▼erwirf et all sine Storren« cgm. 
172 f. 43. Daher der Eigenname 
Schröter, norddeutsch Schrö- 
der, eigentlich Schneider, Ab- 
schneider Y. ahd. scrodan, scriat. 
Hornschröter, der gehörnte 
Schröter. Für Absch rodeln, 
residuae mensae, gebraucht der 
Augsburger noch Schmaringe- 
len und Üeberbleibselen. 

ABSCHWÄTZEN, swv.: lEs 
solle keiner dem andern seine 
Ehehalten als Knappen, Lehr- 
jungen od. Spueler, weder durch 



Biet noch Schankungen Ab- 
schwatzen und abdingen bei 
gleichmäsziger Straff aines Gkil- 
dens«. Erneuerte Web. 0. 

ABSCHWEISZEN, swv. abpFev^ 
sen, einem den Lidion abzieben. 
Grimm. Wb. I, 112. 

ABSP]IN. V. anom. »genzlick 
tod und absein« von Güten, 
Abgaben. Ulm. ürkd. 1440. 

ABSIGEN, einem, devinoere. 
»Als nun der schwäbisch Bund 
glücklich den Bauern hat abge- 
sigt«. S. 371a. Dafür alt: an- 
gesigen; Spec. eccl. »einem an- 
g es igen« cgm. 97 f 22 a. 

ABSPANEN, swv.: ablocken, 
abspenstig machen, z. B. Eh- 
alten, »dasz Niemand dem an- 
dern seine Ehalten geferlichen 
abreden noch abspanen soll«. 
Augsb. Poliz. 0. 1553. Ehalden- 
A b s p a n u n g. Web. Akten 18. Jhd. 
Vom alten spanan, spuon 
»gaspon« Heliand und mit Ge- 
spenst, abspenstig zusammen 
gehörend. Etwas ganz anderes ist 
abspannan, loszpannen. Grimm 
Wb. I, 121 ff. 

ABSPEISEN, swv.: höflich ab- 
weisen. Grimm Wb. I, 122. 

ABSPICKEN, swv.: abluchsen; 
sieh oben, wol von dem Blicke, 
den man pfeilähnlich dem andern 
in'sBuch fallen läszt oder in die 
Tafel, um etwas abzulesen oder 
abzuschreiben. Vgl. Spicker. 

ABSPRACHE,f.: Abrede. Grimm 
Wb. I, 124. 

ABSTEHEN, stv.: vom Pferde 
absteigen. »Von den Bossen sind 



Abstillen — Aeh, Ahh. 



15 



sie abgestanden«. S. 165b. 
»Da sind sie von ihren Pferden 
abgestanden« (o). »Dft sind 
sye 3 von den Rossen abge- 
standen« (o). 

ABSTILLEN, swv.: sedare, pla- 
care. Grimm Wb. I, 132. »Wel- 
cher Geschrey und Heulen ich 
best, so müglich gewesen, ab ge- 
stillet, meine Pfarrkinder ge- 
segnet«. Dr. Müller. 

ABSTRICKEN, swv.: zu Grimm 
Wb. I, 133, abziehen, abbrechen 
z. B. Schlüszel. »Die Schliszel 
zu den Stuben u. Kammern ha- 
ben sie abgestrickt«. S. 418a. 
»Hat dem Herzog das Geschütz 
abgestrickt«. Luz. ▼. Augsb. 
Tagebuch 1525. Leztes u. folgende 
Beispile weisen abstricken für 
verbieten, entziehenauf; die 
Ulmer Sittenpolizei v. 1574 hat das 
Wort amtlich für untersagen, 
verbieten sehr oft. Ein Herzogl. 
Wirtb. Erlasz v. 1556 bei Reysch. 
lY, 96: >doch hieneben soll kei- 
nem Kloster oder Spital abge- 
strickt sein — diejenigen Güter 
zu kaufen u. s. w « »Durch dise 
und dergleichen Mittel ist nicht 
allein alles vertrauliche Gesprach, 
ehrliche Gastungen und Kurtz- 
weilen abgeschnitten und abge- 
stricket« Dr. Georg Müller. 
»Dasz die Papisten der evang. 
Kirchen alle Mittel und Weg der 
euszersten Ausrottung uxkd Vertil- 
gung sich zu erweren schon all- 
bereit in disen nehsten Jaren 
abgestricket und benomen ha- 
bmn« a. a. 0. 



ABTRITT, stm.: in der Waid- 
mannssprache : »Und das mag ain 
Hinde nit getuon, sie tritt auch 
ab das Gras, das Zeidien heisst 
der Abtritt«, cgm. 289 f. ie4b. 
Die Grüne und Welke des abge- 
tretenen Grases ist ein Zeichen 
für den Jäger. Grimm Wb. I, 
144. Daneben komt Beitritt 
vor, >das ist der Hinterfiisz bei 
den Federn eben und gleich stet«, 
a. a. 0. Grimm Wb. I, 1406. 

ABTRÜMPFEN, swv.: abkam- 
peln, abkappen, oberpfalz. grob 
widersprechen, heimschicken. 

ABTÜRNIG, adj. adv.: abtrün- 
nig. »Welcher nicht Bürger zu 
Horuw ist, der mag kainen Bur- 
ger abtürnig machen«. »Wel- 
cher zu Horuw abtürnig ge- 
macht«. Horb. Herkomm. 14. saec. 

ABWALKEN, swv.: oben ab- 
keilen, verberibus subigere. Grimm 
Wb. I, 146. oberpfalz. walken. 

ABWASSER, der Abgang oder 
das Schlechte vom Wasser, aqua 
defluens ex alia. Grimm Wb. I, 48. 

ABWENDIG, abwärts, »die Ge- 
lider die dem Haupt zugehom, 
abwendig des Libes«. Astron. 
f. 14 a und cgm. 737 f. b. Zu 
Grimm Wb. I, 151. 

ABWISIG, adj.: »absanus, ein 
unsinniger oder abwisiger» 
cgm. 670. 

AB WICHSEN, swv.: einen 
durchprügeln. 

ACH, AHH: »die träge Ach« 
schon > pfalzbayerisch«, entspringt 
zwischen dem Pulvermagazine bei 
Lechhausen und dem Brunnen- 



16 



Ach, Ahh. 



bach, Branntweinbach u. Muhl- 
bach. Lindach bei Hader, urkdl. 
1831. 1378. Weilach neben 
Wila, Ortename; Affalterach 
Apfalterach, urkdl. 11. Jarhd. 
Flosa ach, bei Winzer in die 
Mindel. Vorgach, untergegan- 
gener Ort bei Agenwang. Alte 
Ortsnamen sind ferner : Y i s c a h a , 
Nifenaha MB. XXII, 3 ad 981, 
Maisahe a. 0. S. 11 ad 1179. 
Steinaha a. 0. S. 20 Ecchin- 
aha, Ilmina 10. Jarhd. u. s. w. 
Beispile ausz andern schwäbisch- 
alamannischen Gebieten: bi der 
Ahe, b. Ostrach. Urkde 1249. 
Die kleine Ach, die von Hei- 
ligenberg nach Ilmensee flieszt, 
erscheint urkundlich in Mone's 
Zeitschrift als Ahbiuge. Die 
Ach bei Salmansweiler, Mone, 
Ztschr. I, 315 Anmerkg. 3: rivus 
qui dicitur Ahe. DasAichach- 
geländ bei Erbstetten urkdl. b. 
Mone Ztschr. I, 339. Ahe im 
Hegau urkdl. 1301. Ein Hu- 
bertus von Aha und ein Ber- 
toldus de Aha urkdl. 1183. Mone 
Ztschr. I, 321. Die Fleischwan- 
ger Ach, die Altshauser Ach, 
die Mendelbeurer Ach, die El- 
meneyer Ach, die Ausnanger 
Ach, die Wurzacher Aach und 
dazu Aachtal. Die Ist räch. 
Hieher gehören Stoka, Stockach 
urkdl. 1283. 1307. Garta Gar- 
tach, Mone Ztschr. I, 107. 9. Das 
Wort Ach, gewönlich Aach 
geschriben, fuszt auf der got. Form 
ahva und dem lat. aqua, ahd. 
a h a u. bedeutet t o r r e n 8, flieszen- 



des, ausz mehreren Bächen gebil«> 
detes Waszer. Schon frühe be- 
gegnen wir dem Wort auwa u. 
ä; letzteres amnis, rivulus 
scheint nichts anderes zu sein 
als ah, welches h verlor u. dafür 
Denung erlitt, u. hauptsachlich ala- 
mannisch schwäb. Gebiete eigen. 
Vgl. Graff I, 18 und 504. auwa 
und aha sind 2 ebenbürtige For- 
men; in aha ist w, (vgot.) schon 
längst abgeworfen, darum ist a 
erhalten; in auwa scheint h in 
u, wie des öftern geschieht, über- 
gegangen zu sein od. haben wir 
den Auszfall des h anzunemen 
und in a u eine Wirkung des fol- 
genden w zu erblicken, dessen 
Einflusz in mehreren Wörtern 
geradezu unorganisch o, u er- 
zeugt: viko wocha, vaila wola. 
Was die Auszprache der heutigen 
Schwaben anlangt, so erscheint 
ah gedent, wenn esz allein stet; 
als Compositum wird ah gleich- 
sam als Anhängsel betrachtet a. 
gibt den Ton an die erste Silbe 
ab; wenn ah sein h verliert tritt 
ein zwischen a und e schweben- 
der Ton ein mit e bezeichnet: 
Buache, Eanz9, Laupa 
u. 8. w. für Buchau, Eanzach, 
Laupach. Neufra bei Riedlin- 
gen spricht das Volk N e u f r a c h ; 
ach sehr betonend. Eine schon 
in der üebergangszeit der ahd. 
zur mhd. Sprachperiode ein- 
reiszende Vermischung des aha 
aqua mit ahi lat. — etum, Graff I, 
111 macht sich häufig in schwä- 
bischen Urkunden und Urbarien 



Achaitzen — Ackerbrenngeld. 



17 



geltend. Vgl. mein Wb. z.Ydkst. 
8. 11; ahi bedeutet immer ein 
haufenweises Beisammensein von 
Pflanzen, Steinen, Gebüsch u. s. w. 
Beispile , auszeraugsb. grösten- 
teils, folgen hiemit: Salach, zu 
Augsburg gehörige Wismad. cgm. 
154 f. 45a. Aichachi querce- 
tum; forachahi Forenwald; 
salahahi Salweidich. Mone 
Ztschr. I, 324. 331. Munich- 
aichahea.a.O.I,331. Nassach- 
mühle bei Adelberg. Weidach, 
Er lach am Ufer. Herzogl. Ausz- 
schreibenv. 12 Jan. 1615. Reysch. 
Xn, 676. Hagenah dumetum, 
Wald, Mone Ztschr. II, 78 ad 
1263. Farn ah silicetum. Bir- 
kah betulium; Mone Ztschr, 11, 
79. Stangahawe Wald. MB. 23. 
S.507. Via. Birkach, ein Wald 
bei Ennabeuren. Arl-ach bei 
Leutkirch, ürk. 1404. Weiler 
bei Thannheim. As p ach, Rev. 
Reudem. Vgl. Förstemann, die 
deutsch. Ortsn. 1863. S. 61. lieber 
das mit ahi zusammengeworfene 
diminutive lach sieh L. 

ACHAITZEN, swv.: ächzen. 
>Die sie mit groszem — hew- 
len und wainen und schreien 
und toben, wüeten und wuffen 
achaitzen von sewfzen als war 
ain grosz ungewitter<. cgm. 581 
f. 140 b. Frommann's Ztschrft. 
III, 336. Schmell. I, 17. Unsere 
Form müszte einem gotischen 
aha t Jan entsprechen, das zu 
den 3 Verben lauhatjan, kau- 
patjan, ahmatjan gehörte. 

ACHAMBI, stuppa. Gloss. Aug. 



AGHELN, f. pl. : 1) steifstehende 
Spizen. 2) das Strohartige, die 
Bruchstücke verholzter Pflanzen- 
stengel, die Abfalle von Flachs 
und Hanf, beim Brechen oder 
Spinnen, aculei, zu acus gehö- 
rend. Anderwärts Agen, Ang- 
len, Egemen, Akamma. Wb. 
z. Volkst. 12. 

ACKERBRENNGELD, das. In 
dem Eemptißchen Hauptvergleich 
von 1737 fol. S. 21 heiszt esz: 
>Wird das bishero von der Herr- 
schaft geforderte Ackerbrenn- 
gelt aufgehoben und nachge- 
laszen; jedoch mögen allein die- 
jenige Äcker, bei welchen das 
Brennen solcher Gestalten nö- 
tig, dasz one selbiges das Feld 
nicht füglich ad culturam oder 
zur Fruchtbarkeit und baulichen 
Nutzen gebracht werden kann, 
mit wind dirren und abgestan- 
denen und sonsten unbrauchbaren 
Holz oder Reiser oder Entgelt 
gebrannt, hingegen der um das 
Brennen zu tuen verlangter An- 
frage halber (wovon zwar die 
Ruebäcker vorhin ausgenom- 
men und zu brennen erlaubt sind) 
bei dem auf instehendes Früjar 
zu durchgehen beliebten Weiden- 
fusz, der Augenschein, was von 
Aeckernzub rennensei, einge- 
nommen und unentgeltlich ge- 
stattet; auch ein Gleiches bei 
Gelegenheit des jeweils erneuerten 
Weydenfusz zur Erleichterung der 
Untertanen beobachtet, mithin sie 
der järlichen Anfrage* überhebt 
werden sollen«. 

2 



18 



Acht -- Aermlich. 



ACHT, >derachtent< d.h. dies 
octava, die Oktave. >An St. Jo- 
hannes des Täuffers achte nt 
hinweggeritten <. S. 287 a. Auf 
den unbeweglichen Festkalendern 
vorne in den Gebetbüchern und 
Psalterien des 14. uhd lö.Jarhd. 
heiszt esz stets: z. B. des hl. Hie- 
ronymi achtet; in acht augsb. 
codd. achtot, der achtote; die 
bayerisch, codd. haben ach tat, 
der achtate. Zu Grimm Wb. 
I, 169. 

ACHTER, m. 1) ein alter Tanz, 
den 8 Pare aufiFuren. Wb. z. 
Volkst. S. 11 2) Achterle, 
Achterloable, ein 2 Kreuzer- 
brot; esz gab runde und lange. 
Die Achterlen im Augsb. Do- 
minicanerkloster, die wolbekann- 
ten und heute noch erinnerlichen, 
länglichten waren die besten und 
gesuchtesten. Eine veredelte Gat- 
timg derselben war das Anis- 
achterle, ein halbweiszes sol- 
ches Brot mit Anis bestreut. 

ADERLASZ-WEIN. >ümb die 
vorgeschriben fuenf phunt Haller 
geltz sueln die Subpriorin und 
diu Schafnerin unserm Convent 
gemainclich älliu jar — uf Sant 
Michels Tag — zuo iru gewonlichen 
pfruend Win chauffen und geben 
ueber irn Tisch ze ir Aderlez< 
MB. XXIII, 2. 71 ad 1339. 

AEBICH, linker Hand, verkert, 
>datund sy die äbichen schlag, 
ainer vnder, der ander oben«; 
Thalhof ers Fechtbuch; >der bruch 
mit aeb'icher band um den 
halse« a. 0. ahd. abuh, verkert, 



daneben musz ein abih bestan-^ 
den haben. Das Wort bei Schmid 
S. 5. Weinhold Wb. 6 a. 

AEFERN, rächen, ulciBci, ahd. 
avaron, afaron. Mhd. Wb. 1, 7Sb. 
Grimm I, 181. >Und dammb 
wollen wir die ding nit wied«f- 
umb äfern von vrdritz wegen« 
cgm. 402 f. 51a. > Anden vnd 
äfern« cod. bav. 2517. Das Gon» 
Stanzer Rautsbuch v. 1458 schreibt 
immer äffern. >0b sich de» 
Verurteilten Jemand annemen 
und das gegen die Stadt und die 
Ihren äf f er nwolte«. 8.47. >ünd 
dazu nimmermehr zu äfern noch 
zu rächen« . Ravensb. Urkd. 1407. 
> Nit rächen äfern noch melden«. 
Ürkd. 1454. >ünd dis sach ge- 
gen ander niemer äfern sontc 
(sollent). Ulm. ürkd. 1410. 

AEFFEN, swv. : >swer aber ze 
amen tagen komen ist, laet sich. 
der aeffen (im Eegelspile), der 
habe den Schaden«. Augsbur^er 
Stadtrecht f. 51a Sp. 1. 

AELTELN, swv.: übel riechen, 
von altem Fleisch, von Speisen. 
Grimm Wb. I, 267. TN. 9355: 
>So git er dir Brot wieder hain 
Das altotat und ist klein«. 

AENI, der, Groszvater; Aene 
Groszmutter; Guggäni ürgrosz- 
vater; Guggäne ürgroszmutter. 
Kindersprache. A n h e r r oder 
Alteränicgm.601f. 76a. Grosz* 
anherr den etlich AI t er an i 
nennen von dem obersten ür- 
anen a. a. 0. 

AERMLICH, adj.undadv. : übel- 
schmeckend. 



Aeschenregele — Afraturm. 



19 



AESCHENREGELE, dim.: eine 
nach alter, altfränkischer Weise 
einhergehende Weibsperson, sei 
sie jung oder alt. An Ascnen- 
brödel darf wol schwerlich er- 
innert werden. Kegel wird als 
Rigel, Schleier, Big elhaube, 
ricinium zu nemen sein? 

AESER in AESERWALL, — 
Eck, auch blosz Esergeschriben. 
Der Aeserwall bildet die süd- 
westl. Ecke der StadtAugsburg. Bei 
Gass. komt »Esereck« vor. Die 
Bronnenordnung von 1734 hat: 
»Wann an dem Es er bei dem 
roten Thore oder an dem Spital 
herunter ■ — Feuersbrunst sich 
ergibet« u. s. w. >Das Wasser 
nimt seinen Lauf den Eserberg 
hinab« a. a. 0. Die Feuerordnung 
Y, 1731 >am Eser waren Lösch- 
werkzeuge«. Sollte das Wort mit- 
asz, pl. aeszer zu erklären sein? 
Ich zweifle kaum. Wie die Ort- 
schaften ihre Schelmenäcker, — 
Wisen, — Gräben, — Wasen, so 
hatte Augsburg seine Aszstätte, 
wohin die Ae s z e r geworfen worden 
sind. Ich erinnere hier an vallis 
hinnomi bei Jerusalem, t^eser, 
der Erbauer, 16. Jarhd. sagenhaft. 

AETSGH, in der Eindersprache 
Spott — Neckruf >ät8ch, ätsch« I 
wenn ein Kind etwas bekomt, das 
andere nicht. Niederschwaben : 
gätsch, gätschl 

AEWERE, das, in ganz Schwa- 
ben mit Umlaut; adj. >8 Elen^ 
äwerknisz tuchs« Wirtb. Tax- 
ordg. von 1425. Reysch. XII, 423. 
Ich bemerke zu dem Umlaut noch 



ähnliche Fälle : ä n s p i n , s. unten ; 
aeschwinge, Flachsschwinge. 
Vgl. dazu awirchi, awirchin 
rock, awirches, stuppa. Gloas. 
Schmell. 

AFFENBULLE, sw. f.: eine 
dumme alberne Weibsperson. 

AI^FENW-^D bei Augsburg. 
>Und ich bin nicht sehr darwi- 
der, dasz er vielleicht der Äff ra- 
wald heiszen ßollte< Werlich 16. 
>St. Affrawald, welchen Ort 
der gemeine • Mann «mit Aus- 
laszung des Buchstabens r den 
Affenwald nennet«. Gass. 103. 
Afrawald ist gang und gab, in 
der Volkssprache ein kleines en- 
ges Gässchen vom Milchberg zur 
Bäckergasse bergab fürend. 

AFRATURM, der, spute in 
Augsburg eine Rolle. >Eräuter 
in disen Turm gelegt waren ge- 
feit gegen alles Unzifer«. Die 
Apotheker machten sich das seit 
älterer Zeit zu Nuzen. Im Gilt- 
buche cgm. 154 f. 44 b erscheint 
auch »ein Mad bei St. Afra im 
Mosz oder wismad im Mosz<. 
Befindet sich als Hintergebäude 
der St. Afra-Apotheke (Hof) auf 
dem hohen Weg. Früher spukte 
esz da. St. Afra, welche im 
Jare 303 oder 304 den Feuertod 
zu Augsburg erlitt, ist vor ihrer 
Bekerung Repräsentantin des 
Heidentums und insbesondere 
heidnischer Unzucht im Dienste 
der Venus geübt, der kyprischen 
Göttin, wie denn ihre Voreltern 
selber ausz Eypem stammen; 
nach ihrer Bekerung das Vor^ 
2* 



20 



After — Ai, Ai. 



bild aller Sünder, denen die gött- 
liche Gnade sich zuwendet, um 
sie zu retten. Ihre Vererung 
ist ser alt; die uns überlieferten 
Akten sind zwar unächt; aber 
der Kern ist acht. Schon Yenan- 
tius Fortunatus f 609 gedenkt 
der Vererung ihre« hl. Leibes. 
Sie ist die berümte Stadtpatro- 
nin von Augsburg. Da sie so- 
wol dem Heidentume als dem 
Christentume angehöirt und bei- 
derseits eine hwvorragende Stel- 
lung erwarb, mag sich im Volks- 
munde noch Manches erhalten 
haben, was nicht aufgezeichnet 
ist. Augsburg ist reich an Sage, an 
Erinnerungen ausz der Heidenzeit. 
Dem Mythologen würde sich hier 
eine reiche Fundgrube eröffnen. 
AFT^R erscheint in after- 
mantag, Dienstag (Aftermönti), 
in den A. Akten durchausz. Ott 
Ruland: aftermentag. >aff- 
termontag«, G. Müller, »af- 
t er an w alt u. procurator« cod. 
bav. 2517. >aftergewalt<. 
afterling, eine mit dickem u. 
fettem Därmen denn sonst ge- 
machte Leberwurst. Augsb. all- 
gem. Ausz dem übrigen Schwaben 
teile ich mit >afterbergen<, 
Nachlese halten im Weinmonate, 
>da8 after bergen in den 
Wein- und Baumgärten verbo- 
ten<. Wirtemb. Herbstordg. v. 
10. JuU 1607. Reysch. XH, 612.7. 
>So solle Niemands dem andern 
in seinem Wein- oder Baumgarten 
afterbergen od. Laub straifen< 
Reysch. XVI, 213. afterrechen. 



swv. : auf frisch abgeheueter Wise 
nachrechen, Geschäft armer Leute ; 
davon der afterrechen, ein 
Rechen mit vielen Zänen, gröszer 
als der gewönliche ; a f t e r - 
rechet e, f.: das Ersammelte; 
afterrechere, f. die Weibs- 
person, die das gewönlich tut. 
After schlage, pl. »in Wäl- 
dern < n Forstordg. v. 22. April 
1540. Reysch. XVI S. 6. aftrea, 
hernach > und die soll er mir a£* 
tres zalen«. Ott Ruland S. 5. 
Aftertagzeit, »darauf mein 
ehrwürdiger Herr von Alb Abt 
Lukas samt seinem Convent be- 
gehrt ein Bedacht (Bedenkzeit) 
bis Morgen — es wäre nun At- 
tertagszeit« Herrenalb. BteL 
Akten 1535. 

AGALIZO, adv. obnixe. Gloss. 
August. Vgl. Graff I, 131. Mhd. 
Wb. I, 12b, agaleizzi impor- 
tunitas a. a. 0. agaleizze opor- 
tune a. a. 0. 

ÄGEN, pl. f.: Achehi, sieh 
oben. >Wann ainer ausgespon- 
nen, so soll er das Werkh, die 
Ägen und anders alsbald sauber 
hinwegräumen«. Sailerordg. 1687 
§. 31. Grimm Wb. I, 189. 

AGENWANG, Ortsn. urkdl. 
Agenwanch Agenwank 13. 
14. Jarhd. Ze den baiden Agen- 
wanch ürkd. 1291. Steichele I, 
12. Eine Urkunde von 1370 hat 
A g a b a n g , offenb. bayerischem 
Dokumente entnomen: b=w. 

AI, AI, 1) Eüsschen, >ai ai 
geben«. Einderspr. allgem. dazu 
gibt esz in andern Gegenden ein 



Akreftig — Ampel. 



21 



Zeitwort a i a i k e n , Eichsfeld. 
Bayern. 2) ai, nein! Göge. Jett- 
kofen. 

AKREFTIG, adj., wie ämech- 
tig gebildet. Die Vorsilbe ä 
in Zusamensezungen bezeichnet 
Trennung, Gegensaz. In Angsb. 
Denkmälern bis in's 16. Jarhd. 
hinein. »In der Sonnenstunde, 
wer krank wird, der überkompt 
ein stark Fieber und wird sehr 
akreftig Hitz halber«. Regiom. 
1512. Gramm, n, 705—7. 

ALBEG, engl, always, in alten 
Gebetbüchern »jezt u. all weg« 
nunc öt semper ; 1) i m m e r > zum 
ersten, so sollen sy sich verglei- 
chen, dasz albeg zwue in ainem 
Manghaus losieren«. Web. Ordg. 
1531. 2) sofort >in solcher 
Ordnung ist man allewegzu Al- 
taren zu Opfer gangen <. S. 287 a. 
>N. hat in allweg 1 fl. geben zu 
opfem< a.a.O. 8) ganz g^ewisz, 
mit der eifrigsten Absicht.. Vgl. 
Wb. z. Volkst. S. 11. Ueber den 
Wechsel von bund w sieh Laut- 
lere des B. Bayerisch- österrei- 
chische Denkmäler haben albeg 
oneAuszname, schwäbische nicht 
selten. 

ALD, ALDE, ALDER, oder = 
aut, erscheint zu Anfang des 16. 
Jarhd. noch in schwäbisch-Augs- 
burgischen Denkmälern. lieber 
dises echt alamannische Wort, das 
ahd. aide, olde lautet, vgl. 
Gramm. I, 211. 730. HI, 274. 
Grimm Wb. I, 203. des TN. hat 
ald durchausz. 

ALLET , allenthalben , echt 



Augsburgisch - schwäbisch ; gebil- 
det wi« vollet, vollends. 

ALLEWEIL; 1) in disem Au- 
genblicke; 2) continuo. Anzu- 
fiiren sind die mehr allgemein 
schwäbischen »all Buff, all 
Ritt, all Streich, jeden Au- 
genblick«. 

ALLOBATTERIE, volkstüml. 
für das spanische olla potrida^ 
Pastete oder Suppe, Eraftsuppe 
ausz allerlei Bestandteilen ge- 
braut, besonders ausz mereren 
Klöszarten und andern Ingre- 
dienzien. Zeitschrift II, 24. 16.. 

ALMUOSEN, Alenmuosen, 
Almosen. Almosenherren, Pfle- 
ger und Aufseher des A. städtische 
Behörde. Ordg. 1691. Ihr weiterer 
Name ist >Aeltern des Almo- 
sens« a. a. 0. Die Almosen- 
büchse durfte in keiner Taf eme^ 
an keinem öffentlichen Orte feien; 
im Bräuhause stand eine solche 
für die Spiler, deren Gabe von ■ 
1 kr. nach jedem Spile amtlich 
befohlen war. 

ALT, > alter Md<, eine am 
Rande des Frauenkleides von ün- 
gefär aufgeschlagene Falte ; ober^ 
pfälzisch Witwer. In München 
sagt man >tua dein Kleid hinun- 
ter, ein Alter läuft dir nach«. 

AM, praep.: auf dem >am 
Winter, am Ball«, scheint baye- 
rischen Ursprunges zu sein. 

AMMELEN, (— w) »lambere 
in podice«. 

AMPEL, swf.: groszer weit- 
bauchiger Bierkrug, in Klöstern 
gebräuchlich u. davon die Augsb. 



22 



Amt. 



Schelte > Versoffene Ampel«, 
für eine trunksüchtige und be- 
trunkene Weibsperson. 

AMT, stn. : 1) officium divinum, 
a) der Dienst des Priesters in 
der Kirche; b) officium, Pflicht 
der Ordensleute beiderlei Ge- 
schlechtes; c) Gottesdienst über- 
haupt. Lösz dein ewarten am- 
bacht cgm. 206 f. 219b. do hän 
ich hiute diz ambet getan. St. 
ülr. Leben v. Albertus, dovon 
sprich och der in dem hiutigen 
a m p t cgm. 6 f. 222 a Ein schwäb. 
alam. Ritual v. 14. Jarhd. cgm. 
168 hat: von wem das ampt si 
(officium des Tages): man sol 
merken daz man daz ampt durch 
allez jares, si tages oder nahtes, 
began von dem gezite zu allen 
ziten f. la. Wenn man aber daz 
ampt von dem gezite beget a. a. O . 
Begät man daz ampt als infesto 
dupl. f. 6 a. daz samszteglich 
• ampt f. 10b. doch nit nach der 
totenmesze ald ampt nach' fide- 
lium f. 13 a. sol die priorin daz 
ampt tun zu den ziten f. 26a. 
vom gemeinen, ampt eines bih- 
ters f. 26 b. vom gemeinen ampte 
der 12 poten f. 27b. totenampt 
f. 42 a. Am Palmtag abent gieng 
zum Thom zu 'dem Ampt im 
Chor der Cardinal S. 270. 2) sa- 
crificium; früher hiesz das Bre- 
viergebet und die unmittelbar 
folgende missa cantata zusamen 
ambt; als die Leutpriester allein 
entfernt vom Kloster celebrierten 
und vollends gar die Klöster auf- 
gehoben v^urden, blieb der Name 



Amt nur noch dem sacrifi- 
cium und ist so heutzutage ganz 
volkstümlich. — do er volpraucht 
daz gotliche ampt, dö erschain 
ez im die goteshand, gesegnet in 
und daz volk zu der hailigen 
messe. Bebenh. Legd f. 10b. da- 
hin koment patriarchen, byschoffe 
vnd pryester und volpringent daz 
loblich ampte f. 13 b. Und do 
er krank ward und daz jungst 
ampet volprächta. o. 104 a. Und 
ainsmäls an dem heiligen Oster- 
tag, do St. Mathäüs daz gotlich 
ampt volpracht f. 44b. darnach 
kam der byschof mit dem f)faffen 
und Schülern und mit dem volk 
und SU n gen da ein ampt f. 
97 b. Sender hat unzälige Beleg- 
stellen: zu St. Ulrich hat man 
ein Amt gesungen f. 270a. Wir 
wollen vor unserm Abschied hie 
das Amt bei jenen in St. Aira 
hören — und sol unsere Canterei 
— das' — singen und hat das 
ampt mit andacht gehört f. 
349 b. Item hat man gesungen 
2 Amt: bei beiden Amten sind 
die Bischoffen gegenwirtig gewe- 
sen f. 260 b. Der Bischof hat 
das Amt gesungen f. 189a. Nach 
dem Ampt, unter dem Ampt, 
das erst Ampt f. 173a. Das 
Ampt hören f. 284b. Das Seel- 
ampt singen f. 180a. 183a. 279a. 
Nach dem Seelampt, (o). des 
Kaisers Kanterey mit Orgien tu 
Trumethen hat das Ampt ange- 
sungen und der Bischof hat es 
angesungen f. 507 a. Die Bur- 
gundische Hochzeit Isenbergers 



An — Anblasen. 



23 



von Memmingen hat f. 8: das 
man ein herrlich Amt von der 
rainen Jungfrau Maria — mit 
sonderer christlicher Andacht 
gesungen. Mit was fürstlicher 
Herlichait das Opfer unter dem 
Ambt volnbracht ward, weise 
ich in Warheit nit zu beschrei- 
ben. In den Augsb. Kirchenka- 
lendern des 17. und 18. Jarhun- 
derts lesen wir von gesunge- 
nem Amt;— also sagt man von 
den Sängern und dem Gelebran- 
ten ein Amt singen und an- 
singen, — voneinemmusikali- 
sehen Amt, von einem gesun- 
genenLobamt, von einem figu- 
rierten Lobamt; von einem 
musikalischenHochamt, En- 
gel amt, von einemmusizi er ten 
Amt, von einem Choramt, Cho* 
ralamt, von Seelämptern, 
Hochamt (Gass.), von einem hl. 
Ampt (Kiszlegger Klosterrodel) 
u. s. w. 3) weltliche Behörde. 
In Augsburg gab esz ein Bau* 
amt, ein Steuer amt, Umgelt- 
amt, Hospitalamt, Ober* 
•pflegamt, Krigs- u. Provin- 
zialamt,Forstamt,Oberrich- 
teramt, Bürgermeisteramt, 
Stadtamtschreiber, Taxier- 
amt u. s. w. Der bischöfliche 
Hof hatte in der Provinz überall 
sog. Pflegämter; in Füszen 
war ein Probstamt, in Dilin- 
gen ein Rentamt, Stadtam- 
mannamt, Bräuamt, Hospi- 
talpflegeramt, Bauhofamt; 
in Augsb. ein Hofkastenamt, 
Wäg- und Fronzollamt, 



Steuerkassieramt, Pfalz- 
probstamt, Zollamt u. s. w. 
Amthof hiesz des Amtmanns 
Wohnung mit freiem Grundstücke. 
Der Ampthof erscheint im Gilt- 
buche, cgm. 154f. llb.Vgl.Förste- 
mann, 0. N. S. 106 ff. Grimm Wb. 
I, 281. Wann got. andbahtei 
am bäht ward u. wo zuerst, kann 
nicht genau festgestellt werden. 
Bemerkenswert sind die plur. 
Amt, dat. Ambten; Ämter, 
selten. Ich füre hier noch 
an in's Amt schenken, beim 
Antritt eines Amtes jemand be- 
schenken. >Meim Herrn Bruder 
Bischof von Kemsee, mit meyner 
Muoter, Bruoder.Endris u. Hans 
in's hochwirdig Amt geschenkt 
samt etlich kosten die ich hatt 
— 15 fl.< Luc. Rem S. 55. Das 
Wort Amt ist deutscher Wurzel, 
got. andbahts, Diener. Mit disem 
hat nach Dr. Glück das keltische 
Ambactus nichts zu schaffen, aber 
dem got. andbahts stet schon 
nordisches ambätt, Dienerin ge- 
genüber, was zu einem got. am- 
bahts fürt. 

ANAGIUÜRFIDO, iaculatione. 
Gloss. August. ZuGraffI, 1030 ff. 

ANBAMPFEN, swv.: unschön, 
mit vollen Backen eszen, sich voll 



ANBINDEN, stv.: ein Kalb zu- 
rückbinden um esz aufzuziehen; 
anebinda, Rottenb. Gegend, a n- 
hin, hinanbinden. Wb. z. 
Volkst. S. 12. 

ANBLASEN, stv.: in Felix 
Fabers E vag. deutsch f. 2a: >die 



24 



Anblärren -— Anger. 



Nacht hat hergebrochen, mit ih- 
rem dnnkeln Licht, Botzen was 
beschloszen, der Wächter sie an- 
blies. liebes, trenes Wächterli, 
Schleisz auf das Thor nnd lasz 
uns in, Wir sind ^md Bilgeri«. 
Die Blaser auf den Türmen 
spilen in den alten Stadteord- 
nungen mit den Turmwächtem 
eine Rolle. 

ANBLÄRREN, sWv.: anbellen, 
jemand grob und heftig anreden. 

ANBRECHEN, stv.: elucescere. 

ANDATSCHEN, swv: grob be- 
fülen, unvorsichtig eine Sache 
angreifen. 

ANDER, das, 1) monatliche Rei- 
nigung der Frauen ; 2) 's ändert, 
das 2. Lauten zur Kirche. »'S 
haut no Zeit, ma haut grad 's 
ändert gea<, sagen die Bauern, 
die noch vorher in's Wirtshaus 
wollen. Seh. 

ANDERTENS, 1) >zumAndem<, 
zweitenMale 2) >erste u. änderte 4 
V e s p e r < . Festkalender. Vgl. 
Grimm Wb. I, 813. 

A]p>EXJCHE, ANDÄUCHE, AN- 
DEICHE, pl. m.: die Kloaken, 
Abzugskanäle für den Unrat. 
>Und dann die gewölbte An- 
daüche under der Erden zur 
Ausfurung des Unflats. < Werlich. 
>die Andaüche sind zum Teil 
zur Ausfurung des Unrats ge- 
macht< a.a.O. Ital. doga. Gra- 
ben, franz. douve. Diefenb.,Gloss. 
43 hat waszerduch, — duche; 
Kehrein, Sammlung, fürt ausz 
dem Jar 1304 anduche an. Vgl. 
Weigand Wb. I, 235. 



ANDLIT, Antliz, bei Sender 
durchausz gebraucht. 

ANDRECHT, stm.: Enterich. 
^ ANERSTORBEN GUT , ein 
durch Erbschaft einem zugeko- 
menes Vermögen. 

ANFALLEN, stv.: einfallen, 
von der Witterung gebraucht. >l8t^ 
ein rawer kalter Winter ange- 
fallen« S. 299b. >Damach ist 
ein Regenwetter angefallene 
a. 0. Grimm Wb. I, 323. 

ANFAREN, stv. : — neque in ir» 
tua corripias me, — >noch anf ar e 
mich in deinem Zorne <. cgm. 82 
f. 16 b. 

ANGEL, stm.: Stachel des In- 
sekts: >hetten die mugken ein 
weiszen angel klain und spizig 
als die wefzen hand<, cgm. 206 
f. 72 a. Schmell. I, 78. 165. Vgl. 
die Angeln, verholzte Pflanzen- 
spizen, Bruchteile des Hanfsten- 
gels; Gerstenhaare. Wb. z. 
Volkst. S. 12. angin, aculeL 
Gloss. August. Sieh Agen. 

ANGER, stm.: Wisenplaz, un* 
bebautes, bisweilen zum Waide* 
plaz bestimtes Feld, got. vaggs^* 
oberpf. Ranger. Das Wort wird 
in Niederschwaben höchst selten 
gebraucht; in Rottenburg , am 
mittlem Neckar gar nicht. Desto 
häufiger in Oberschwaben; in und 
um Augsburg. Im Augsburg» 
Manuale komt vor ain angeir 
in dem Siczmunt f. 25 b. Im 
Giltbuche von St. Ulrich cgm. 
154 f. 32b: fronanger; enger- 
lin f. 38b. 47b; tagwerkan- 
gers f. 20b. 21b; toranger-^ 



\ 



>^ 



Angerichts-Bett — Ankönnen. 



25 



^\gilt f. 21b. In der Stadt selbst: 
d«5r Schwibogen - Anger; 
Kr e uz an g er"; die böurig oder 
Felberanger, Metzger Akt. 18 
Jarhd. > An die A e n g e r Schran- 
ken aufrichten« , Senatsdekret 
1632. Vom wirtemb. Schwaben 
kenneich >Im Anger< Böhmen- 
kircher Wald; den Anger ob 
Wisensteig; die Angergärten 
bei Saugart. Die erste Müle in 
Biedl. hiesz Anger müle. >Der 
natürlich geblüemtAnger<, Seu- 
se's Briefe. 

ANGERICHTS - BETT , voll- 
ständiges Bette. 

ANHABIG, zudringlich, anhal- 
tend, > die Franzosen sintt arbeit- 
sam, zu aller Not gedultig und 
anhebig«. Elucidarius Augsb. 
Auszgabe. Grimm Wb. I, 364. 

ANHANG, unehlicher Beisizer. 
Polizeiordg. 1553. Grimm Wb. 
I, 366. Die vilen Bekannten und 
Freundinen einer Magd heiszen 
heute in Augsburg > A n - 
hang«. 

ANHÄNGEN, >sich eins an- 
hängen laszen« auszerehlich 
eines Kindes schwanger werden. 
PfafiPs Eszling. 124 ad 1564. 

ANHEBEN, 1) >er wird ä h ebo 
schwach«, fängt an schwach zu 
werden. AUgem. 2) A n h e b e n d e r 
Mensch, ein mit der Rechtferti- 
gung anfangender Mensch; an- 
hebendes Wesen, derZustand 
eines solchen Menschen, cgm. 
601 f. 82 u. oft. 

ANHENKERLE, dim.: kleine 
Medaillen oder Münzen, worauf 



Christus und Maria abgebildet 
oder abgeprägt ist. Kinder und 
Erwachsene trägen sie um den 
Hals. In Niederschwaben, Rottb. 
Gegend Delen, ofifenb. ausz Me- 
daille. 

ANHÖRIG SEIN, anstellig, eine 
besondere Fertigkeit VilerM zu 
ordnen haben; sich in alles gleich 
zurecht finden können. 

ANIGELN, sw: stechend sehmer- 
zen an Fingern oder Zehenspizen, 
prickelnd schmerzen, den laufen- 
den Schmerz haben, was in vilen 
Gegenden schlechthin bizein 
heiszt. Da diser Schmerz im 
Winter bei schnellem Erwärmen 
der Fingerspizen am Ofen ent- 
stet, so meint man auch beson- 
ders und allein disen damit. >Man 
sol es auch halten in zymlichem 
Luft nit zu warm, dasz es on ig- 
le n, nit zu kalt, dasz esz wieder 
hineinslahe« cgm. 601 f. 112 b. 
In andern Gegenden Schwabens 
hörte ich aü negla, aü nergla, 
was auf ä, warscheinlich das ver- 
stärkende ä hinweist; in Wein- 
garten durnegeln. In München: 
's negelt mi o. Schmeller I, 
38 kennt anigeln, ainigeln 
und urigeln. 

ANKE, swf. : Nacken. 

ANKEN, swm. : butyrum >may- 
genanken isze nüchtern « Astron. 
6b. Grimm Wb. I, 378. Ein mehr 
alamannischen Mundarten eigenes 
Wort. 

ANKOMEN, stv.: esz übel 
treffen, anreden. >darmit kai- 
ner den andern möcht ankomen, 



26 



Anlaine — Anspin, Änspin. 



er wer ein Henkersknecht ge- 
wessen«. S. 548 a. > Damach ist 
der Eheim dem Mesmer mit hef- 
tigen, vnerlichen Worten anko* 
men<. S. 560b. Vgl. Grimm Wb. 
I, 384. 

ANLAINE, swf.: Lene, Anlene, 
reclinatorium. >Auch auf einem 
fireien Stul onAnlainen«. Horm. 
1884 S. 140. (Augsb. Chr.). 

ANLANGEN, das, Ansuchen, 
Bitten in Amtssachen. >Auf de- 
ren von Rindsmezgem gehorsa- 
mes Anlangen, Mezg. Akt. 1684. 
In der Sailerordg. dagegen heiszt 
esz >bittlich Ansuchen«. Zu 
Grimm Wb. I, 391. Anlangen, 
Geschaftstil in Weberakten. 

ANLEGUNG, — kaufmännische 
Sprache, — Beilegung von Waren, 
>tatt ain nutzliche guote An- 
legung mit Marokan«-; d. h. 
machte ein gutes Geschäft, iq 
Safran. L. Rem's Tageb. S. 7. 

ANMACHEN , stv. : >Michel 
Schneyd von Schongaw, Pfarrer 
zu dem heiligen Kreuz, hat einer 
Dienstmagt ein Kind ange- 
macht und darnach sie zu der 
£ genomen«. S. 380 a. Heutige 
Bedeutung: l)überreden; 2)an- 
einanderbefestigen; 3) Teig, Salat 
anmachen. 

ANNAB ARBERLE, dim.: kur- 
zer Schlafrock. (?) 

ANPÜMPELN, swv.: hinter's 
Licht gefiirt werden, übel an- 
komen, sich irren. 

ANSCHIEBEN, stv.: >Haben 
eye (das Heer) desselben Tages 



dem Kampffe angeschoben«. 
Trg. Krg. f. 27 b. 

ANSCHOPPEN, swv.: sich voll 
und übervoll aneszen. 

ANSINGWEIN, stm.: >Fürohin 
sol zu Nachts kein Ansing- 
wein, so der Preutigam und die 
Braut zusamen nidergelegt, ge- 
geben oder getrunken werden, 
bei Peen zweier Gulden; die nit 
allein der Preutigam und die 
Braut oder ire Eltern, die sol- 
chen Wein raichen, sondern 
auch eine jede Manns- oder Weibs- 
person, besonders so beidisem An- 
singwein erscheinen wurde, zur 
Pusz bezalen solle« .Hchzt.O.v. 1540. 

ANSPIN, ÄNSPIN, stm.; Wir- 
tel, Beschwerring der leeren Spin- 
del. >Du must auch spindel und 
ainen Änspin hän; die spindel 
ist von Holz als die Gungell. 
Das bedewt die geleichait, die 
wir haben mit Jesu Christi. Die 
Spindel bedewt dein edle Seel, 
die dir Got so clärlichen ein- 
goszen h^t und gepildet nach im 
selber. — Der änspin der ist 
erdin: d^s bedewt den leib der 
von erden ist gemachet, den dir 
Got gegeben hat, dasz du im 
stetiklichen dienen solt mit hitzi- 
ger lieb. Wann du nun also 
ein Weil gespinnst, so solt 
du den änspin abziehen und 
blosz mit der spindel spinnen: 
das ist, wann du deinem leib 
alles das abprichst was zeitlich 
ist« u. s. w., cgm. 480 f. 85a. 
(1446) Zu Grimm Wb. I, 465 ff. 
Schmell. Glossen haben änspin 



Ansprache — Apfelmann. 



27 



verti., bombus, vertigines, go aen- 
spin.AUgäuieispejObrpf.äsper. 

ANSPRACHE, swf.: Anspruch, 
in den Urkunden häufig; ahd. 
anasprähha Graff VI, 383. 
Kehrein, Sammig. 26 b. Stdtrecht. 

ANSTAL,8tatio,induciae,Grimm 
Wb. I, 472. >De8 andern Tages 
begerten die Griechen Anstal 
des Frids < Troj. Krg. 71 a. 
> Schickt er seine Botschaften zu 
dem Priamo, welche auf 3 Jar 
Anstal oder Fristung des Kri- 
eges begeren selten < a. 0, 71a. 
»Die Trojaner schickten Bot- 
schaften hin, begerten des Erigs 
Anstal« 74a. 

ANSTAND, Btm.: Amt, An- 
stellung. G. V. Ehingen Leben. 

ANTÄDELE , wol richtiger 
Aütädele, dim., auch nicht der 
kleinste Tadel od. Flecken, Fehler. 

ANTELER , stm. : Enterich. 
Antrechter (Burgau). Ant- 
vogel, Wildente; Erlasz 1609. 
Auch S. fürt Antvogel bei 
Schmausereien an. Heutzutage 
ist nur Entrich und Antrieb 
bräuchig. ahd. antrecho. 

ANTRITT, stm.: eine kleine 
Bretterstaffel , Erhöhung beim 
Fenster für den Nätisch. »Schön 
gefärbter Antritt«. Erenfest 
1699. Allgem. ist Antritt ein 
eingefridigter Plaz beim Hause. 
Frommann's Zeitschrift III, 331. 

ANTWORTEN, swv.: tradere, 
übergeben, »daz si (die Knechte) 
daz rint in die zvne nicht wider 
Äutwrtent«. Stadtreoht f. 10a; 
iwirt ein man herin gevangen 



vnd dem vogte geantwrtet« 
f. 21b. u. s. w. Allgemein. 

ANWALT, stm.: Geschäftsträ- 
ger, Sachwalter eines Bischofes, 
Abtes. Im Giltbuche v. Ulrich, 
cgm. 154 komt oft vor: der Abt od. 
sein Anwalt«. Grimm Wb. 1,515. 

ANWENDEN, swv. : sich nähern, 
sich zu etwas hinwenden: Felix 
Fabers Evag. deutsch f. 2a: 
Das Gebirg das band sie ange- 
wendt. Von Oesterrich dem 
Fürsten sinds komen in sein gländ. 

ANWERDEN, einer Sache losz- 
werden; spr. aiiweeda. 

ANZIEHEN, Gegensaz von a u f - 
gen, der erste gleichsam vorberei- 
tende Grad des Gefrierens, wenn 
feuchte Stellen eine Art fester 
Haut gewinnen. 

ANZWACKEN, Swv.: »Attüa 
bliebe so ein unleidenlicher Feindt 
des römischen Reichs, dasz er 
schier ganz Europa mit Anfallung 
ringsum angezwaokt. Es füget 
sich das Wörtlein anzwacken 
gar hübsch auf die Stette in Re- 
tien, seitemal dise Provinz gleich- 
sam als ein Schweiff oder Rand 
an Italien ligt«. Werlich 97. 

ANZ WEHREN, swv.: eineMilch- 
speise zubereiten. 

APER, eine voll angesponnene 
Spindel. Sieh Grimm Wb. 

APFEL in der Redensart »der 
hat me 'n Apfel verdruckt«, 
von einem in allen Waszern ge- 
waschenen Mensehen gesagt. Zus- 
marshausen. 

APFELMANN , der, Apfel- 
schmarren. 



28 



Äposteiserei — Arche. 



APOSTEISEREI , Apostasie. 
>So erzürnen wir Gott numen 
xnitunserAposteiserei«. Krchb. 
Ref. Akt. 1556. In Augsburger 
Schriften häufig. 

APOSTEL, >Apo8tel-u.Lasz- 
brief Instrument«* cgm. 2517. 
>Der Appellant Apostel- und 
Gerichtsakta begeren«. 2. Land- 
recht 1567. Reysch. IV, 179. 

APOSTELBROCKEN, gebackne 
Melnudeln mit Aepfeln und 
Weinbeeren gefüllt. * 

APOSTELGARTEN,Nameeines 
Gögginger Torgartens, in älterer 
Zeit Fugger'sche Reitban; spä- 
ter und bis 1857 Erholungsplaz 
einer Privatgesellschaft, schon im 
vorigen Jarhd. so genannt, weil 
dise Gesellschaft urspr. Statuten- 
mäszig nur 12 Miglider zälen 
durfte. 

APOSTELBIER , schlechtes 
Bier, von dem esz 12 Männern 
an 1 Schoppen genügt. Ehingen 
a. D. Die Apostel heiszen in 
Gmünd die 12 armen Männer, die 
am Gründonnerstag ihre Almo- 
senmnde machen. 

APOTHEKE, swf; in Augsb. 
gab esz eine Afra-, Engel-, 
Stern-, Marien-, Hlg. Kreuz-, 
St. Georgs- und St. Jacobs- 
Apotheke und ein Apotheker 
Gäszlein. ürkdl. Formen: Ap- 
pentegker, Ulm. ürkd. 1323. 
Appenteg a. 0. Appenteger 
Ravensb. Urkd. Appenteger, 
cgm. 201 f. 107. In Nieder- 
schwb. und Oberpf. spricht man 
Abbadaigger, in d* Abba- 



d a i gh u. s. w. Augsburg fürte das 
erste deutsche Apothekerbuch ein. 

APPEL, np.: v. ApoUonia, von al- 
bernen Weibspersonen gebraucht. 
Wb. z. Volkst. S. 18. Ab bei - 
haft , der Albernheit änlioh. 
Das Diminutiv Abbele ser 
häufig, wo das übrige Schwaben 
Ab bei hat. 

AR, altes, ex, unser jeziges er 
in erspringen, ersten, »Ghrosze 
Aufrur er sprun g en ist«. S. 169 a. 
>Sind allweg 3 neben ainander 
geritten, alle kostlich und wol 
erb uzt«. S.186b. Dises ar, mit 
abgeworfenem r undDenung des 
a, steckt sicherlich noch in mund* 
artlich ä gesprochenen und als 
ab vermeinten Zusamensezung«n. 
Vgl. Wb. z. Volkst. S. 9. Gramm 
V 91. Schmell. I, 90. Felix Faber, 
Evag. deutsch schreibt noch ar- 
messen f. Ib; arfochten f. 
8b;arkantf. 8b;arschrockeik 
f. 13b ; arstocket u. s. w. 
cgm. 359. Vgl. Weinhold, Alam. 
Gr. 18. §. 9, Ich verweise auf 
das Isidorische armarian, ar* 
chennan, arrahhon, araav 
ghan, arspringan, arwer- 
pan, ardriban, arflaugan^ 
ardhinsan, arkeban u. 6. vr. 

ARBAISZ, ERBISZ, Erbse in 
Augsburg, codd. erbiszbrü, 
cgm. 601 f. 99 b. In Nieder- 
schwb. aesch, stf. pl. aeschd. 

ARBEITO, invigilo. Gloss. Aug. 

ARCHE, swf.: ein in Holz 
eingefasztes kastenänliches Ge- 
rinne an Mülen und Teichen zum 
Ablaszen des Waszers. Grimm 



Arg 



Arras. 



29 



Wb. I, 545. SchmeU. I, IQS. 
»Mögen auch den Griesz zu Be- 
schüttung der Archen, wo esz 
unschädlich ihnen am gelegensten 
und dem Bau am bequemsten, 
nemen und abfuren<. Augsburger 
Confirmation 1596. »In dem 
Land waren auch Lampreden; 
der ain wag 160 Pfund; die £ng 
man in reiffen und bürden; die 
waren gemacht von kleinen Rip- 
pen der Helfenbain; wann was 
reyschen und Ablasz waren auch 
Hürd oder ander Arch sie mit 
vormachten; die fraszen dievisch 
und wurden all ledig darausz. 
Auch darum mueszt man die 
reyschen u. Aerch stark machen 
und vesten, dasz nicht die schö- 
nen Waszerweib — der gar yü 
da was, die leichtlichen zureiszen 
möchten<, cgm. 581 f. 129 b. Das 
starke msc. der Arch mit fal- 
schem Umlaute Aerch gehört mit 
arche stf. zu altem arca, schon 
bei Vitruv. 10, 8 (13) für Waszer- 
lade, Eiste, Waszerfang gebraucht. 
Woher Ealtschmid die Aerch, 
Saum, oberer Teil des Fischer- 
nezes hat, weisz ich nicht, jeden- 
falls ist esz merkwürdig. Das mhd. 
Wb. 1,56 weist arc, Schatzkam- 
mer neben arke und der arch 
auf. Am reichhaltigsten ist eben 
auch hier wieder der alte Frisch 
I, 32c. Die Wurzel, die sowol 
unsem verschiedenen Formen als 
auch dem lat. arca zu Grunde 
ligt, ist arh, ark und begegnet 
in griech. iQxtOy ihcto (umziehen), 
urspr. einschlieszen, einschränken. 



einsperren, arceo neben warb, 
wark u. mit Vorschlag-S svark 
(Sark); in arcus Bogen; ogxog 
(FoQxos) Eid, Band; i'gxogy Zaun, 
Fangnez; in urceus, urceola, 
Krug ; r k u s , die eingeschloszene 
Unterwelt; got. aurkeis, urceus 
u. s. w. 

ARG, adj. und adv., von Spei- 
sen, schlecht, ungenieszbar; an 
Masz und Gewicht leidend »von 
args brots wegen« fand das 
Schupfen der Bäcker statt 
in einem Augsb. Ratsdekret 1443 ; 
arge milch, cgm. 601 f. 105b; 
>da8 ergest plut« bei Schwän- 
gern, a. a 0. f. 99 a. 

AR AKT, tenacia. Gloss. August. 
Vgl. das Otfrid. thiu argi, culpa. 
V. 25, 63. 

ARGWAENIC, adj.: >der die 
burger, die danne vor gerichte 
waeren, arcwaenic dühte«. 
Augsb. Stadtr. 53 b; daz er in 
arcwaenic dunche a. a. 0. 

ARMBOÜGA, armilla. Gloss. 
Augustanae. Mhd. Wb. I, 178a; 
armbouch, braciale a. a. 0. 

ARMSPINDEL, f.: Armröre, 
tibia brachii. >Item ein partikel 
von der Armspindel des hl. 
Viti« , cgm. 2913. Augsb. Dom- 
schaz. >Und ein Spindel von 
dem Arm der hl. Maria Magda- 
lena« a. a. 0. Grimm Wb. 1, 560. 

ARRAS, Stadt in den französ, 
Niederlanden , wo das bekante 
leichte und geringe Wollenge- 
webe verfertigt ward, das in 
Deutschland und besonders in 
den Reichsstädten ser im Brauche 



30 



Arsch — Asche. 



war. > Leder, G ewandt vnd A r r a s < . 
Augsb. Frlasz 15S8. >50 Arras«, 
0. Ruland. >Gewa8zerten oder 
ungewäßzei ben Doppeldafifet, Ter- 
zenell, Seidenrupf, Seyden-Ar- 
r a 8 , gemuszierter Sammet« . PoH- 
zeiordg. >Arra8iZotten<, Klei- 
berbüchlein. 

ARSCH, podex-ärsch^-Arsch- 
krapfeiijArschbeller l)Stock- 
prügel der ehemaligen woUöb- 
lichen Stadtgarde; 2) Schläge auf 
den Xrsch überhaupt. E. v. Me- 
genberg: Afterpellen. Arsch- 
wisch, ein schlechter Aufsaz. 
Hai wasch, ein Augsb. Mez^er- 
spizname. Lahmäsch 1) Schelte, 
2) ein fauler, trager Mensch. 
Spiz und Asch spilen. Oster- 
spil der kleinen Buben u. Mäd- 
chen: sie picken 2 Eier mit Spiz 
und Stumpf Seite an einander: 
wessen Ei zerbricht, hat's ver- 
loren. Vgl. Wb. z. Volkst. Zu 
den 14 Arschbacken hieszdie 
alte Augsb. Tafeme zu den 7 
Hansen. Im Anfang dises Jarhd. 
als die alte Linde bei der Wirt- 
schaft >zur schwedischen Linde« 
von Obrigkeitswegen gefiült ward, 
erboste darob das Volk ser und 
nannte dafür Jarzehnte lang be- 
sagte Wirtschaft vor dem Wer- 
tachbrucktor >zum nackten 
Arsch«. Lackierter Kinds- 
arsch, Spottname für Erwach- 
sene, die Kindereien treiben. 
Arsch heiszt auch das Nadel- 
öhr. In Adorf (Bayern) nennt 
man die den Boden streifende 
untere halb gewölbte Seite der 



Sense beim Mäen Arsch. Re- 
densarten: du Arschkerl, ver- 
ächtlicher Mensch; du Arsch - 
krot, für einen streitsüchtigen 
zwergartigen Menschen. Arsch- 
g s i c h t , mit überhängenden Wan- 
gen; der hat einen Zorn^ 
dasz er eineNusz mitdem A. 
aufbeiszen möchte, wenn man 
den höchsten Grad von Zorn hat. 
In Bettringen (Wirtemb.) heiszt^ 
esz : Kannst mich im A. 
lecken! der andere erwidert: 
esz kann nicht sein, ich 
hab's schon einer andern 
Sau versprochen. Oberpfalz.^ 
kann nicht sein, ich leck 
keine Sau. Plur. Arsche; — 
mundartlich äsch, — »so mach- 
tent in die Müs frat, dasz ir- 
keiner uff den Ärschen gesitzen 
mochtent von dem Biszen daa 
jenen die Mens hettent getane 
cgm. 206 f. 189 a. 

ARSTOCKEN, swv.: stocken, 
verstecken. Grimm, Wb. IH, 117. 
»Wirstundent ganz arstocketf. 
Felix Fab. Evag. cgm. 359 f. 13 b. 

ARTOLLERI, — ei, >ein Zeug- 
diener von der Artollereic. 
Ärztl. Berichte 1641. Augsb. 
Lazar. Haus. >Artlerei«, Hohent- 
wiler Akten 1564. 25. April. 

ASZ, vgl. Aeszer. >'S sticht 
mi wie Asz« von einem bösen 
Flohstich. >Denn das sind lua* 
drisch kecke Aus er«. Seh. 

ASCHE, swf.: cini8,got. azgo, 
ahd. azca, mhd. asche: >vnz 
daz der eschensegen hat 
ende«, cgm. 168 f. 32a; >die 



Aschloch — Au. 



31 



kustrin sol berait hän die e s chen 
mit wihem waszer« f. 52 a. So 
der daz ampt tut, die es che be- 
sprenget, 80 sol er die es che 
knüwende emphähen< a. 0. An 
die eschigen mitwochen f. 
16b. 18b; die eschig mit- 
woche 25a. 47a. Grimm Wb. I, 
578. 579. Aschenkerer und 
Abgötterer war eine Schelte auf 
die Katholiken in A. der Reli- 
quien halber. EhrenfeHt 1699.' 
S. 19. >In der Aschen sitzen« 
von einem niedergebrannten Klo- 
ster, ürkdl. >Also lit der Arm 
zwifalt smerzen, Und lit ihm die 
Sach in der Eschen« TN. 3780. 

ASCHLOCH, »die Sägamm soll 
meiden — Aschloch, Knoff- 
loch, Zwifel, Senif, Gren.< cgm. 
609 f. 101a. 

ASCHWINGE, fast immer mit 
dem Umlaut >Ae schwinge«, 
verholzte Wergabfölle, stuppae. 
VgL Gramm. 11,707; &gla (Riesz) 
äksma (Ehing a. D.) altb. aga. 
Weiszenhorn : Kuder. Wb. z. 
Volkst. S. 1^. 

ASSBET , n. : kleiner Teller ; 
assiette, franz. 

ATEILO, exsors.Gloss. August. 
Otfrid hat öfter adeilo. 

ÄTTE, Vater, in der Kinder- 
sprache; got. atta, ahd. atto, 
mhd. atte one die Lautverschi- 
bung des t in sz. Niederschwäb. 
oft Vater überhaupt; sonst nur 
Judensprache. 

ATZEL, stf.: Perücke, scherz- 
weise; sonst für Elster. 

ATZEN, got. atjan, zu eszen 



geben, itmn, eszen; >sie ward 
auch so swach vnd krank, daz 
sie weder hend noch füesz gc 
rurn mocht und man muszt bI 
nur atzen«, cgm. 164 f. 39a. 
Mhd. Wb. I, 760. Diemer's Genesis 
1862; aezzen, 82, 15. Nur von 
Vögeln gebraucht und jenen Orts- 
armen, die in der Gemeinde zur 
Kost herumgen, nach der Reihe 
bei allen Bauern eszen, >ru- 
maezd«. 

AU, die, sieh bei Ach. Wie 
der Natne Anger, so ist Au in 
und um Augsburg und auf dem 
Lande ser häufig. Alte urkdl. 
Belegestellen sind: Chleninawa 
(Klenau) ad 843. Mindelowa 
(Mindelau) 1175. Mergartowe 
1249. In Murnawe, abgeg. Ort 
ad 1316. Reiszenowe 1293. 
Richsenaw 1357. Auwe in 
derReischenaw a.O. Rische- 
naw 1322. Prtinnen derRichs- 
naw u. s. w. Die Reischenau 
ist jener Strich, der von Seifrids- 
berg herunter zu beiden Seiten 
der Zusam bis gegen Dinkelscher- 
ben sich ausdent. Der Ortsname 
Aunberg hat sicherlich Zu- 
samensezung mit Au erfaren. 
Berümt war und ist noch das 
Mezgergut: dieMehringer Au, 
Waideplatz, >churpfalzbayerisch«, 
femer die Haustetter Au. Die 
Gersthofer Auen komen in 
Erlaszen öfters vor, besonders 
sollten da keine Gerten ge- 
schnitten werden; desgleichen 
gab esz Verbote für die Bi- 
schofsau. Auen hieszen mehre 



32 



Auf — Aufligen. 



längs des Lechufen ligende 
Wäldchen. In der Au Holz ho- 
len, verbieten Dekrete von 1634, 
7. Oct. und andere. Die Krö- 
ten au lag bei Augsb. Die be- 
rümte Au ün Lech erwänt Wer- 
lich : »Und ward im Augsb. Gebiet 
hierzu vor alten Zeiten die Awe 
in dem Lech, ausz welcher noch- 
mals ein fest eben Land worden« . 
Ausz dem wirtemb. Schwaben ist 
mir bekannt die Engelau bei 
Herbertingen (Lagerbuch). In 
Auen, ebendas. Auvorstadt 
hiesz ehedem die Altstadt Rott- 
weil. 

AUF, praep.: der Augsb. sagt 
immer »lachen aufeinen<, »auf 
einer Masz Bier sizen<, bei e. 
M. sizen. In den Weberakten 
häufig zu finden. Auf's Haupt 
etwas vernichten, penitus, mit 
Stumpf und Stil. 

AUFDAMEN, swv.: einem sein 
Unrecht vorhalten, hart zusezen. 

AUFERZUCHT, swf.: Erzie- 
hung, ahd. zuhti. 

AUFGABELN, swv.: zufällig 
etwas auftreiben. 

AUFGEN, 1) >Kai8er Sigmund 
— ein frawenmann, der esz aber 
tapfer mit sich aufgenlisze« 
Gass. 172. 2) Aufgen laszen, 
kostbar leben. 3) >Auch so Kind 
volkumen seind vnd die zen hart 
aufgeend, so erlamen sie zu 
Zeiten groszes schmerzens wegen <. 
cgm. 601 f. 106b. »Von auf- 
geend zend« f. 107 b. >Zend 
gend etlichen kinden leicht auf, 
so aber die zend hart auf gend 



und mit smerzen u. s. w«. 
»Wann die spiz zän auf gend« 
f. 108 a. Heute ist eine Redens- 
art im Brauche: er hat auf- 
ganga läsza, er hat einen 
streichen laszen. 

AUFGELEGT, part. pass.: ge- 
wisz, unfelbar, in folgd. Beispüe : 
»Er hat das Amt aufgelegt«, 
haVg gleichsam schon schriftlich 
im Sack. Femer im Kartenspü 
»einen Matsch, ein Brand auf- 
gelegt<, gewonnen haben. 

AUFHABEN, swv.: etwas gut 
haben, herauszbekommen. 

AUFLAGE, Gesellenauf- 
lage, Einlage der Weber-Alt- 
gesellen in die Jnnungskasse des 
Zunfthauses, was in eigentüm- 
licher Art geschah; esz wurden 
mit Kreide Kreise auf dem Tische 
gezogen; mit noch allerlei klei- 
nern Förmlichkeiten geschah die 
Einlage. 

AUFLASZEN, stv.: >eineKuh 
auflas zen«, belegen laszen. 

AUFLEGEN, swv.: sein her- 
kömliches Quatembergeld in die 
Büchse der Weberzunft legen; 
sodann auch Strafgeld bezalen. 

AÜFLEGGELT ward bisweilen 
kranken und armen Knappen ausz 
der Büchse geliehen, sowie 
Maistersönen, die »daneben ihr 
Quatembergelt treulich vor die 
Büchse gelegt haben«. 

AUFLEINEN, swv: auftauen, 
vom Eise und Schnee gesagt. 

AUFLIGEN, stv. : sich im Bette 
wund ligen. AUgem. 



Auflasen ■— Aufruj^en. 



33 



, AÜFLÜSEN, swv.: sich an- 
Btrengen Heimliches zu hören. 

AUFMAISTERN und VER- 
MAISTERN, aufeszen; über Spei- 
sen Herr werden; derkräftö, bayr. 

AUFMÜZEN, swv.: vorhalten, 
tadeln. AUgem. 

AUFREIBEN, stv.; 1) auf- 
krazen, eine gewisze Art Tücher 
von Wolle aufkrazen. »Den 20. 
Febrer 1Ö36 aufgriben Dnch, 
die örmel mit Samat brembt«, 
Kleiderbüchl. 77. Esz ist ofienbar 
eine Art Plüsch, Femer : »Ebner 
gestalt seind jnen die seydine 
Strimpf, wie auch die Schuech 
mit aufgeribenem Cordawon 

— abgeschaflFfc. « Erneuerte Zierd- 
und Eleiderordnung von 1668. 
»Item der schwarzen Schuech 
von aufgeribenem Cordawon 

— bemüBzigen« a. o. 0. 2) coire. 
>0 Lieber, gang hin und reib 
die Magt wol auf, wol lauszt 
sie sich so gerne aufreiben; 
ich tue sie nit aufreiben, ich 
furcht sie sag es meinem Weib. 
Das tet der Beck darum , er 
forcht die Magt wurd traget; so 
geb sie mit glympfen das Kind 
dem Knecht. Also ging der 
knecht hin und rieb die frawen 
auch auf und vermaint auch, es 
war die Magt<. Sender 815b. 
Ein Seitenstück ist in Boccaccio's 
Decamerone; ebenfalls indenGe- 
samtabenteuem zu finden. Im 
mhd. Wb. II, 681a fand ich 
riberin 1) Reiberin im Bade; 
2) Hure. Ferner ribe, prosti- 
tata, ahd. hripa. Graff lY, 1146. 



Im Nithari: losiu hofribe. Am 
fruchtbarsten für Erklärung von 
reiben, aufreiben, wird die 
Herbeiziehung des romanisclien 
r i b e r (altfrz.) sein = Weiber ver- 
füren, bei Diezj etymol. Wb. II. 
Auflage. 1, 348. Nicht unbeachtet 
darf das griech. rqißäg bleiben, 
das ein Weib bedeutet, welches mit 
sich selbst oder ires Geschlech- 
tes Unzucht treibt (PassdUr); fer- 
ner füre ich terere an, das 
harscharf aufreiben wieder- 
gibt. Plautus cpt. 4,2, 108: Boius 
est, Boiam terit. In ganz glei- 
cher Bedeutung findet sich me- 
iere, per mo lere: Horaz hat 
alienas permolere uxores, Sat. 
Is, 35. Petronius 23: super in- 
guina mea multumque frustra 
moluit (von einem Cinaedus). 
Auson. Epigr. fl, 7. ibid. 90, 3. 
Theocrit 4, 58: ro ys^ytioy ^ g' 
irt fjivXkti Tr^vity xav xvayofpgvy 
i^wTi&u — permolit anucam u. s. w. 

AÜFRÜLPSEN, swv.: lautes 
Aufstoszen des Magens in Folge 
schnellen Eszens u. s. w. 

AÜFRUPFEN, swv: vorwerfen, 
aufmuzen. > Nacht und Tag 
tranken die alten Teutschen; die 
Trunkenheit war keinem ver- 
argt, nachteilig, noch ein Auf- 
ropfung«. Augsb. Druck des 
Elucidarius 1543. Diso Stelle 
fürt Grimm Wb. 1,716 ausz Seb. 
Franks Weltbuch an. > Sprecher, 
die den Leuten ihre Laster auf- 
rupfen, seind schier wert, dasz 
man sie henke <. Hauszucht und 
Regriment. XVH. Jarhd. 
3 



34 



Aufsagen — - Augsburg. 



AUFSAGEN : 1) aufkünden ; 
P) etwas Gehörtes wiederholen, 
hersagen , bekennen , gestehen. 
>D» hat der Mann zu ir gesagt: 
so du mir nit wilt aufsagen, 
so sich ich wol, dasz du bist 
hinter d'Schul gangen <. S. 386 a. 
Grimm Wb. I, 717. Heute nur 
noch Schulauszdruck, >ausz- 
wendig hersagen <. 

AUFSENDEN, swv. : das Lehen 
dem Lehensherm aufsenden. 
>Her Marquart von Laugingen, 
Hern Volkwins Tochtermann hete 
an dem zaehenden ze Altheim 
von Herren Heinriche von Stau- 
fen, das sin Lehen was von dem 
Abte von Aelwangen , dasz er 
dasselbe lehen bi uns uf ge- 
sandt hat unserm Herren dem 
Abte«. MB. XXm. 1, 147 ad 
1280. -»Gaben wir im denselben 
zehenden auf, als sitlich und ge- 
wonlich ist sogetaniv lehen uf- 
gegeben und hat derselb Herr 
Ulrich unser Herre sich derselben 
Lehenschaft verzigen vnd vfgeben 
und oufgesandt, als sitlich und 
gewonlich ist nach des Landes 
Recht< a. a. 0. S. 518. Allgem. 

AUFSEZEN, swv.: 1) insti- 
tuere, inducere. >Umgelt auf- 
sezen«. S. 170 a; im Gegensaze 
zu absein, »dasz alle newe Um- 
gelt sollen abseyn<. S. 170b. 
2) auferlegen, z. B. eine Busze. 
>Er sol sein puesz, sein tagzeit 
und was ihm aufgesezt ist wor- 
den von seinem peichtvater, mit 
vleis volpringen<. cgm. 601 f. 
83 a. 



AUFSCHÜSZELN, swv. : jemand 
mit Eszen und Trinken herrlich- 
versehen, reichlich bewirten. 

AUFTREIBEN, stv.: 1) ausz- 
findig machen. »Adi 11 April 
kam ich mit meinem Herrn An- 
gelo Cosalo, den mir Herr Stefan 
Krösz adi 29. Marzo nächst ver- 
gangenen zu Botzen auftriben: 
hat, gen Verona«. Kleiderbüchl. 
S. 111 ff. 2) >Esz sol auch mit 
Auftreibung der Richter den 
Rechten gemäsz gehalten werden ; 
und so der, so ain oder mer- 
auftreibt, sich der andere 
Richter nit begnügen laszen wölt, 
so sollen die Aufgetriben auf 
des Auftreibers Kost ersezt 
werden«. Mindelh. Reformat. 

AUFZWACKEN, swv.: »AUein 
bin ich erst in meinem Exilio- 
berichtet worden, dasz die Pa- 
pisten etwas scheinbares ausz* 
einer meiner auf 9. Feb. 84 ansz 
dem Ev. Math. 8 vom SchifPlin 
Christi getaner Predigt aufge- 
zwacket und mir auf dise Mei- 
nung fölschlich und böslich ver- 
keret haben«. Dr. Müller. 

AUGSBURG , die alte Ajigusta 
Vindelicorum »in pago Ouges- 
gowe, in pago Augu8ten8e<, 
Der Augstgau (urkdl. bei Stei- 
chele 1,303) erstreckte sich nacb 
der alten Gaueinteilung über degp 
Bistums grösten Teil und reichte, 
sovil kann jezt schon sicherge« 
stellt werden, bis an denAmmer^ 
see. Sprachvergleichenden Unter- 
suchungen wird wol am meisten 
Erfolg zur Seite sten. Forste-- 



Augustiner — Auszbecheln. 



?5 



manB II, 132 bringt für den Gau die 
Nainen:AugU8tgowe;~gawe; 
Ogesgowe, Owesgowe. Für 
die Stadt: Augustburg; Ou- 
gistburgh; Ougisburch; in 
einer deutschen Tradit. ürkd. c. 
1050, vorne in einer Münchner 
Hdschr. 4^ (Augustinus super 
Johannem). Augusburk, Au- 
gesburk; Osburc u. s. w. Vom 
13. Jarhd. ab ist Auspurg, wie 
auch das Stadtrecht hat, die häu- 
figste Form. Die heutige Ausz- 
sprache ist Aogschburg; — st: 
s c h. - Bekant sind die A u g 8 b ur - 
ger Pfenninge, die schwarze 
oder Augsburger heiszen; z.B. 
im Stadtrechte oft: m^t zehen 
phunt Rotwilern oder mit sehs 
phunt Auspurgern u. s. w. 
Der Monat August heiszt schlecht- 
hin >Aug8t« im Ängsten; das 
Eleiderbüchl. hat Agust, Agost, 
in Agosto: >anno 1500 im 
Agosto hat er die besenEinds- 
blatern« S. 20 u. s. w. So auch 
im wirtemb. Schwab . > z u m i t t^e n 
Augsteni, Baknanger Stifts- 
lagerbuch 1501. Reysch. 123. 
Ravensb. Mezg. 0. 14. Jarhund. 
Augstfalg a. a. 0. »Der Äng- 
sten« Ernte. Zeitwort: ernten; 
^iberach (Wirtemb.). 

AÜGSTER (HausL I, 326) und 
AIGSTER (Mögglingen) werden 
für >Bliz< gebraucht, besonders 
vom Wetterleuchten an warmen 
Sommer abenden. Zeitwort : esz 
augstet; aigstelet. 

AUGUSTINER, Münze. »Und 
darnach hiesz Augustus g u 1 d e i n 



Pfenning schlahen, der war 
zween als schwer als ein guidein 
jezo ist und die nannt er Au» 
gustiner, der Stadt Augoßta 
zu eren<. cgm. 259 f. 5 a. >Mu8t 
jedüchsainen Augustiner brin- 
gen ein die Hauptstat der Pro- 
vinz« a. a. 0. 

AUN (au): neinl Riesz. Nörd- 
lingen. 

AUNSER ; stnoL : loculuS} Speise- 
sack zum Umhängen, was got. 
m atibalg 8. »Und da sprach 
Jesus zu im: Da ich ew sandt 
on Sack und on Aunsar 
und aun geschüch, geprast ew 
da nichtz<. cgm. 226 f. 59 b. 
>Da sprach er zu in: welcher 
nun hat ain Sack der nem in 
und alsam ainen Aunsar< a. a. O. 
Schmell. I, 116 fürt ausz dem 
Vocab. 1445 aser an. In Hun- 
dersingen bei Riedlingen ist 
aus er Brotsack für Feldarbeiter. 
Hebel hat oser, Büchersack. 
Tobler 355 a. Stalder wird wol 
richtig verglichen haben ^ da er 
äsz, itan herbeizieht. 

AURJ&, AURfi ! rufen die Buben 
in Munderkingen u. sonst für >ausz 
dem Weg« ! beim Bodenschlitten- 
faren. Oberpflz. aure, hinausz; 
hier sicherlich noch altes r für s. 

AUSZ, praep.: »Mein Schwecher 
Jörg Echain ist geboren ausz 
Jörg Echain und Clara Relin- 
gerin«. »Mein Schwiger Anna 
selig ist geboren ausz Hans En- 
dorf er und Bärbel Greslerin«. 
Luc. Rem, S. 2. 

AUSZBECHELN , swv. : ein 
3* 



36 



AuszbreiteD — AusEnemen. 



schwächliches Kind u. s. w. sorg- 
föltig pflegen ; obpf. au fb schein. 
Nieder Schwaben : ufbecherla. 

AÜSZBREITEN, swv.: glän- 
zend machen, polieren. 

AUSZDUMPELN, swv.: Butter 
auszruren. Dumpelfasz, Hert- 
feld, Wertingen. 

AÜSZFÖRSCHELN, swv.: ausz- 
forschen, auszfrägeln; bayerisch 
fratscheln. 

AUSZFREZÜNG , Abtrieb ; 
»Auszfretzung des jungen 
Gehau«. Augsb. ürkd. 

AüSZGESTOCHEN^part. pass.: 
noXvTQonog, versutus. 

AÜSZHEIRATEN, swv. : dotare, 
auszsteuem, auszstatten. »Und 
hat jm darzu ein Tochter a u s z- 
geheiret«. S. 310b. Grimm 
Wb. I, 884. AUgem. 

AÜSZHÖLDERN, swv.: ausz- 
hölen, auszboren. E. von Me- 
genberg :auszhölern, excavare. 

AÜSZKLAUBEN, swv.: ausz- 
lesen, eligere. »Auszklaubt's 
wolgerüst's Volk«. S. 249 a. 
»Auszklaubts starks, werlichs 
Volk«. S. 145 b. >ünd waren 
etwas bei 100 auszklaubter 
böser Buben«. Buxheimer Chronik 
29a. 17. Jarhd. in Frauenfeld. 

AÜSZLASZEN, stv.: Butter 
anszsieden, Speck, Fett, ün- 
schlit auszsieden u. s. w. 

AÜSZMACHEN,swv.: l)auBz- 
puzen, £. B. Wonungen; >ge- 
welb auszmachen«. S. 265b. 
»das gwölb auszgemacht<. 
cgm. 567 f. 211. 2) einen Ver- 



weisz geben, ausezanken. S) sei- 
nen Pflichtteil auszscheiden (von 
Eltern), Leibding festsezen. Ausz- 
machen , Auszgemächts : 
»Wenn auch gleich die Kinder 
— nicht mehr in der Eltern 
Unterhalt sind, soll dem Vater 
doch die Nuznieszung des Ausz- 
gemächts nicht entzogen wer- 
den«. Pfleg. 0. 1777. §. 36. 
Vgl. abkomen a. a. 0. §. 43: 
>Da sich auch öfters gezeigt, 
daszAeltem, welche bei irer an- 
dern oder weitem- Verheiratnng" 
iren bereits ehlich erzeugten Kin- 
dern als väterlich oder Müt- 
terliches auszgemacht ha- 
ben, hernach aber, und zwar 
manchmal länge Zeit hernacli, 
sich die Reue ankomen laszen, 
uud unter dem Vorwand, als 
wenn entweder gar nichts oder 
nicht sovil Väter- und Mütter- 
liches vorhanden gewesen, als 
auszgemacht worden, um Auf- 
hebung der Minderung desselben 
eingekomen sind, — dasz auf 
dergleichen Vorwand und Ge- 
such nicht geachtet, sondern esz 
bei dem Ausgemacht lediglich 
gelaszen werde«. Dekret v. 1726. 
15. Jan. 

AUSZNEMEN, stv.: 1) ex- 
cipere. »Welches todter Leich- 
nam über das Gebirge nach 
Augsburg gefuret , daszelbs 
auszgenomen — und also zu 
Aach begraben worden«. Gass. 
2) intelligere, begreifen, ver- 
stehen, mit Gesicht und Gehör. 
>Von wem er sprach, könnt ich 



Aa8zpat8Chen — Auszschnsz. 



37 



nicht au8znemen<. Auszne- 
met, adv. eximie. 

AUSZPATSCHEN, swv.: ötwas 
auszposaunen , Schwazereien ma- 
chen. 

AÜSZPICHT , > einen a u s z - 
pichten Magen haben«, einen 
Magen haben, der Alles verdauen 
kann; auszpichen, auszkleben, 
besonders vil Getränk einnemen, 
zumeist von Biertrinkern gesagt, 
sie einem auszgepichten Bierfasz 
vergleichend. 

AUSZPLAZEN, swv.: erum- 
pere. Zu Grimm Wb. I, 924. 
»Derhalben ist Pandarus der erst 
gewest, der zu dem Tor her- 
auszgeplazt ist«. Troj.Krg.18a. 
Vgl. >Die Barbarier herein- 
plazende< a. a. 0. >Wie aber 
der Menelaus on Gefar des Ale- 
xandri ansichtig wurde, ist er 
mit ganzer Macht ihn ange- 
plazt« a. a 0. »An demselben 
Tage wäre alle Schifif angezün- 
det und vertilget worden, wann 
nicht die Nachte der Arbeiten- 
den Zuflucht hineinplazende 
die Feind von irem Fümemen 
getriben hätte« a. a. 0. f. 35 a, 
»Und alle Dinge, wo der Feinde 
eingeplazt wäre, mit Waffen 
erfüllt worden« f. 36a. »Sind 
die Trojaner mit groszer Macht 
hineingeplazt« f. 41 a. ff. 
>D6 der künig sach, daz sy 
plazten an in gächleich«. cgm. 
300 f. 52 b. 

AUSZRICHTEN, swv.: sich 
empfehlen, grüszen laszen. 



AÜSZ8CHAFFEN, swv.; auf 
der Stör arbeiten, wie Schneider 
und Schuster tun. Oberschwb. 

AÜSZSCHANZEN,swv.: >anno 
1584 auf 9. April habe ich einen 
frommen und gottseligen Herrn, 
80 entwann ein Ratsverwandter 
gewesen, aber unlängst mitwun- 
derbarlicher Kreiden ausz dem 
Rat von dem Papisten auszge- 
schanzet worden«. Dr. Müller. 

AÜSZSCHLAGEN, stv.: Ausz- 
schlag bekomen, >feng an ausz- 
schlagen.« Luc. Rem. S. 26. 
»Also dasz ich wieder ausz- 
schTug« a. a. 0. Der Au'sz- 
schlag. 1) »Wie esz aber mit 
disem Augsb. Fürsten endlich 
auch einen Ausz schlag gewon- 
nen habe, ist meniglich nicht 
unbewuszt«. Dr. Müller. 2) an 
Kleidern > Ausz seh lag u. Kra- 
gen«. Kldrord. 1668. >über das 
sollen sie zu iren Kleidern und 
Mänteln, bevorab zu den Ausz- 
schlägen u. Kragen kein Fueter 
von Zobel — gebrauchen a.a.O. 

AÜSZSCHLIZEN, swv.: ausz 
der Nat gehen, auszreiszen. Rock- 
sohliz oder Schliz schlechthin, 
am Frauenkleide. Ahd. sliz, 
herisliz, bayuw. Geseze. 

AUSZSCHODLEN, swv.: sorg- 
faltig auszsuchen, in Speisen wä- 
lerisch sein. 

AÜSZSCHÜSZ, stm.: aroora. 
Erker. 8' über der Erde; 1*/» 
Mauerstein in die Reichsstrasze 
ragend: 8' breit. Bauordnung. 
»Auszgeschoszen kreuzfen- 
ster«. Frank. 



38 



AaszsteuerY Auszsteaem — Axt. 



AÜSZSTEÜER , AÜSZSTEÜ- 
ERN, 8WV.: >und »int diu alliu 
üz gehistiuret« ; >hät ein Man, 
wib unde chint unde der chinde 
einz oder zwei üz gehiustiu- 
ret« unde sind alle üz gehis- 
tiureti.Stadtr.f. 60b 63a U.S.W. 

AÜSZSTEN. 1) tolerare, sei 
man zu- oder abgeneigt. 2) ausz 
dem Dienst gen. 

AUSZWARTEN, swv.: pflegen: 
>plib allda bis22. Agosto in En- 
dris Imhof Haus — da mir on 
alles Masz ganz überausz triu- 
lich — ausz Lieb und Fleisz 
auszgewartt war von Frau 
Agnes Imhof« Luc. Rem S. 22. 

AUSZ WENDIG. 1) adj.: ausz- 
wärts wonend. >Alle auszwen- 
digen Mezger« S. 101. »Ausz- 
w endig gestorben« f. 314b. 
Zu Grimm Wb. I, 1014. 2) adv., 
got. utana, ahd. üzan; >üzwen- 
dig der osterzit«, cgm. 168 f. 38 a. 
»üzwendig dem Köre« f. 40b; 
im Gegensaze zu »inwendig 
unser Frauen Octave« f. 49 b. 
»Inwendigs und auszwendigs« 
adv. cgm. 480 f. 114a. 

AÜSZZÜG, stm.: feinstes Mel 
von Waizen, Roggen u. s. w. 

AVE MARIA, gewönlich >'s 
Betläuten«, das 3 malige tägl. 
Gebetläuten U. L. F. zu Eren. 
»Nach Ave Maria's Zeit« S. 
262 b. > Solcher Streit hat geweret 
— bis man das Ave Maria hat 
geleyt« S. 205 a. In Tüb. &V9 



mergö; Alb: aüvö mSrg^a; 
Rottb. 'sava merg9; inDeg^in- 
gen im Gaisztäle ist eine Ava- 
mergdkirch. 

AWASEL, stm.: ein Tier, das 
durch Schuld eines Menschen um- 
kam. Vgl. mhd. Wb. I, 74. cgm. 
510 f. 67: der abas, den abäsen. 
»Unde ist der ä wasel des, der da 
gebezzert hat < ; Stdtr. der a w o r s e, 
aborse, den aborsen cgm. 21 
f. 88. >Vil sein nachtpawren vih 
darein (in die Zisterne), er must 
ims gelten, und der aborse 
bleib dem des dew cistettie was, 
— so ist dir der abars wider- 
varen«. cgm. 632 f. 78. abars 
vel verwürfling» a. a. 0. f. 2 a. 

AÜUIRCHI, stuppa. Glosa. Au- 
gust, und Stadtrecht. 

AXT, die, im Stadtrecht »ein 
mezzer, ein axes, ein speer« f. 
45a; »akkest in einis Zimmer- 
manes hant« cgm. 172 f. 34 a, 
ein akkest die ein maister 
nutzet« a. a. 0. cgm. 581 hat 
für Beil immer »Mordaxten« 
f. 73 a. »Da im Kampfe der Vin- 
delizier gegen Varus mechst du 
gesechen han, was das rheinisch 
swert und die swäbisch Axt 
gegen einander tetten« f. 86 b 
cgm. 570. Die Gloss. Schmell. 
füren folgende Beispile ausz dem 
ahd. auf: achus, riut achus. 
acchussi secures; helmakes 
= spata u. s. w. 



B. 



»9 



B. 



B lautet allgemein, wie im Ro- 
manischen und stet genau goti- 
Bchem b gegenüber. 

1) Im Anlaute ist esz von dem 
Geseze der Lautverschiebung un- 
berürt geblieben und weder ausz 
gotischem f hervorgegangen noch 
AUSZ ahd. p durch Rücklau- 
tung zur Geltung gekomen. Mag 
Hl altdeutschen Handschriften 
auch gar oft p sten, wo sp|,ter- 
hin wieder b erscheint, so haben 
wir vorerst nur einen Wechsel 
der Lautzeichen und esz drangt 
sich vor allem die Frage auf, ob 
ahd. Zeichen p auch den Laut- 
wert des heutigen p hatte. 
Ist doch in gleicher Weise b an 
die Stelle von w in der Schrift 
getreten. Kach disem Vorgange 
kann also p auch den weichern 
Laut des b vertreten. Ich werde 
an einem andern Orte mich ein- 
.gender hierüber äuszem und will 
hier nur bemerken, dasz die Mund- 
arten in Schwaben, Bayern, Oester- 
reich und Oberpfalz heute noch 
kein echtes p kennen, sondern 
dafür eine Schärfung des b in 
bb, wie umgekert eine Erweichung 
des b in w aufweisen. Sowie 
got. f. im Anlaute sich der Laut- 
verschiebung entzog, so auch got. 
b; p scheint das gotische als An- 
laut gar nicht zu haben. Die 
Lautverschiebung erstreckt sich 
mithin auf die anlautende Reihe 



b p f nicht und die heutige süd- 
deutsche • Mundart stet für dise 
auf derselben, Stufe mit dem Go- 
tischen. Dagegen« ist b als In- 
und Auszlaut teils gleich goti- 
schem f. teils wieder gleich b. 

2) Ausz Vorstehendem get her- 
vor, daszb einen dreifachen Laut- 
wert habe: 

a. den reinen natürlichen Laut 
des romanischen b zu Anfang 
und Ende des Wortes; 

b. einen zu bb verschärften, 
welcher den romanischen p Laut 
vertritt, im aber nicht ganz ent- 
spricht; worüber unten bei p; 

c. einen in w erweichten, zwi* 
sehen 2 Selblautem, sieh w. 

Da disz auch allgem. schwä- 
bisch ist, so vergl. die Beispile 
im Wörterbüchl. zum Volkstüm- 
lichen S. 14 ff. 

3) Wie w und m wechseln, so 
auck b und m. Das Kleiderbüchl. 
S. 140 hat »in Erbl geschloffen«, 
= Ärmel, manica, oberpf. »irbl«, 
ahd. armilo, Graff I, 426. Mhd. 
Wb. I, 57 b; bei Hans Sachs 
Erbl. Grimm Wb. I, 557. Mer- 
bel, Merbelspil; Gemürbel 
S. 143 a: »da ist ein Geschrei und 
Gemürbel auferstanden«; >on 
wider Mürblung« TauleriSerm. 
1508 f. 212b; pfulm für pful- 
ben, »do leget er den man ain 
pfulm« f. 220b; >sich an mich 
arbent saeligen« cgm. 45Q f. 



40 



ft. 



36 a; >meine arbentsaelig- 
keit< f. 43 b; »mine eilend ar- 
bentsaeligkeiti f. 44b. 

4) Als In- und Auszlaut fallt 
b öfters ab und veranlaszt da- 
durch Denung des vorhergenden 
Selbstlauters, wie in Umstands- 
wörtern; vorsstLglich bei ab, — a 
sieh ä, — aber auch bei Zeit- 
wörtern z.B. in der Abwandlung 
von hö — haben, gea — geben 
i(i u. s. w., was allgem. süddeutsch; 

femer in bleiben: er bleit. 
Seh. 116. Landschaftlich. In Leb- 
zelten fällt b nicht nur immer 
ausz, sondern esz wird sogar 
sinnlos »L es zelten«? u. volks- 
tümlich angel^it »Leckzel- 
ten«; S. 389 a und oft. Vgl. 
Weinhold, Alam. Gramm. S. 119. 
TGrimm Wb. I, 1084. 1054. 

ö) Umwandlung von bh in pf, 
wie sie im Bayerischen erscheint, 
z. B. in pfüet Gott! Pfalter, 
pfeben, »ear pfebt se bös = 
tut weleidig; pfab, behäb kent 
Augsburg nicht so auszgedent 
als die Landschaft. Bemerken 
will ich das Yorkomen von 
bulgen und pfui gen. 

6) Ebenfalls dem Bayerische^ 
änlich weist die Augsb. Mund- 
art den Antritt des b und p an 
in auf, sowol da, wo esz ahd. 
Brauch, als auch da, wo esz ledig- 
* lieh Gewonheit des Yolksmundes 
ist und keinen Sinn hat. Wein- 
hold, Alam. Gramm. 120. 121 u. 
116. 

a. Wampe, Imbisz, EampeL 
Lamb, Lämblein, Lamp, 



Lemplin (der hl. Agnes) cgm» 
257 f. 6a; Osterlamp cgm. 402- 
f. 139a. Wämbstler, eine Klasse 
von Mezgem, die Eingeweide der 
Tiere reinigen und verkaufen, 
z. ahd. wamba; krump u. «. w. 
b. >Wirmb<, W. im Kopf, 
Horm. 1834, S. 147. Breuti- 
gamb, Leichnamb, Köhrbe^- 
samb, Leutenampt, Ober- 
ünderleutenampt, bei Wef- 
lich 61. »Sumptag Laetare«. S. 
299a, »am Sumptaghatder Rat 
20 fl. geben« a. a. 0. 330«. 
Ermblen Horm. 1834, S. 14»; 
genembt (namnjan), Bis tumb, 
Werl. 19. Erdpidump, ^e- 
zimpt, unberümpt, sieh Insiff- 
nia 75. Demptv. dämmen (1477) 
Augsburger Druck. MagtumbS; 
Reichtumbs, abgefaimbter, 
lamp (lahm) cgm. 257 f. 6a; 
usnempt, nampten in cgpn. 
787 f. 15 b. III praes. aing. von 
nemen. cgm. 736 f. 15 a. Eigen- 
tümlich ist auch der landschaltl» 
eonditionalis i theab, ich täte. 
Seh. 59. >I moi i theab ial^ 
wittra«. >Ja, theab ear schreia 
wia ear will«, a.a.O. 60. >Bekaniit 
ist die Geneigtheit der schrifb* 
liehen Denkmäler des 16 — 18. 
Jarhd. und noch heute des Vol- 
kes in ganz Süddeutschland, b 
und p ebenfalls ungehörig votr 
T und D zu entfalten, d a h e i mbd, 
frembd,Ambt, sambd<u.8. w. 
in Grimm's Wb. II, 1054. 7. e. 
Von d Hagens Germ. HI, 101 
— Corssen: üeber Auszspracbe^ 
Yocalismus u. s. w. I, 57 macht 



B. 



41 



auf den Yermittlangslaut p zwi- 
schen m und folgenden Zungen- 
lauten, aufmerksam in emptus, 
redemptus, comptus, sump- 
tus, contemptus, contemp- 
nere, hiemps, eine Schreib- 
weise, die weder etymologisch 
noch phonetisch einen Sinn hat. 
cgm. 6 hat sompnus. Ueb^ 
bayerisches um und umb, für 
ung an einem andern Orte. 

7) b far V und f. Abentei- 
rer, Abenteuer und Aufen- 
teuer; Kurbe und Kurf (in 
der Müle); Schwefel u, Schwe- 
bel ; Zwibel und Zwifel; 
Salbai und Salfai; doch ist zu 
bemerken^ dasz ältere Marktord- 
nungen , Zunftordnungen lieber 
Zwifel (Sail. Ordg. 1687), Sal- 
fagion schreiben: »din drank si 
ab Salfagion blumen von rut- 
ten<; >ab salfai gen <, Astron. 
f. 7 b. Sb ; ebenso lieben sie 
Knofflauch, Knoflach für 
EnoblaiNsh, cgm. 601 f. 140. Das 
Wort Hefamme für Hebamme 
ist im Augsburgischen und im 
Riesz, fast im ganzen bayerischen 
Schwaben, bräuchig. cgm. 257 f, 
36a hat Tifer oder Tiber. 
Täbere: Tafeme >als er eines 
Morgens au|iz der täberen zu 
haus wolt gen« cgm. 601 f. 57 b. 
Ich erinnere an Heben u. Hefe, 
schnauben und schnaufen; 
Hebel und Hefe, »brotanhe- 
bel, geheblot brot«, voc. opt. 
Schraube und Schraufe, Pö- 
fel und Pöbel, Kaffanetle 
imd Kabinetle. Unzibercgm. 



402 f. 76a. Josua und Galef f. 
127b. Vgl. Grimm Wb. H, 1068. 
d. 1054. 8. Zabern, Zabergau, 
Zaberberg und Zavelstein 
(Kalw), Bauballen und bau- 
fallen, Rebental und Befen- 
tal (refectorium) u. s. w. 

8) Allgemein süddeutsch ist 
die Verhärtung des alten w 
zu b im In- und Auszlaute; 
wo aber auch b fast gänzlich 
abhanden gekomen, wie bisweilen 
im sog. heutigen Hochdeutschen, 
da hat Augsburg in schriftlicheii 
Denkmälern und im Volksmunde 
esz gewart. Albeg^ allweg cgm. 
601 f. 98b; 1531, sieh oben. Vgl. 
mhd. Wb, lU, Ö87. Gramm. lU, 
140. Schmell. 1, 42, riebig, grie- 
big ruhig, S. 583; gerubig^ 
geryebig, Begiom. 1512; rüe- 
big leben, S. 171a; von ahd. 
ruowa, ruowen; schmirben, 
S c h m i r b e , schmieren ahd. 
smirwa, smiruwa, Graff VI, 
832. >Den ganzen Leib schmir- 
ben« Begiomont. 1518; spei ben, 
«uch im Oberschwäb. f. speien, 
augsb. gbaibo, got. sbeivan, 
ahd. sbiwan, mhd. spiwen und 
spien, Gramm. I^, 97. Astron. 
»sbiwen«; schnaiben, 's 
schnaibt zu got. snaivs, 
Schnee, ahd. sniwan, schneien. 
Graff VI, 852; melbeln, nach 
Mel riechen, von ungesottenen 
Speisen, zu ahd. m i 1 w a gehörend ; 
J u b e 1 e n , Juwelen, Poliz. 0. 1 735. 
»Mit Jubelen besezte Uhren« 
a. a. 0. >Silberkramer und Ju- 
bilier« Gass. S.802b. Wibelei 



42 



B — Bach. 



böser Finger von ahd. wewo. 
Allgem. schwäbisch ist ebbisz, 
etwisz, ebbmehi, et-wahin, zum 
Besuche in die Liechtstube gen; 
öbbern, acc. Seh.; femer Fel- 
ber zu ahd. Felawa gehörende, 
>Felberbrunnen«, emalsinder 
hl. Ereuzgasse; Hans Felber 
hiesz ein alter Augsb. Werk- 
meister; Thoman Velber, ein 
Giltmann von St. Ulrich, cgm. 
155 f. 5 b. Daher gehört auch 
das mer allgemein vorkomende 
Flexions b in grabes gen. von 
gra; plabes, nom. plä, heute 
grab und grä auch im Nomina- 
tiv. In' Erbse wechselt b und 
w: arbiszgarten cgm. 154 f. 
39b; erwysen cgm. 28 f. 35b. 
Grimm Wb. I, 1054. 8 b. Wein- 
hold, Alam. Granun. 120. Lau- 
chert S. 17. 

9) Wol zu unterscheiden ist 
der Wechsel vo'n b und w auch 
im Anlaute: wesunder, bar- 
mer trunk, bomboll u. s. w. 
— cgm. 601 — was entschieden 
bayerisch-österreichisch u. 
den Venediger Alplern eigen' 
ist. Die oodd. der k. Hof- und 
Staatsbibl. laszen sich auf den 
ersten Anblick erkennen, ob sie 
von Augsb. oder ausz bayerischen 
Klöstern; oft herrscht bayerische 
und schwäbische Lautlere neben 
einander, was von den Schreibern 
herrürt, die sich in beide Stämme 
teilten. Eine besondere Abhand- 
lung hierüber behalte ich mir 
far eine Darstellung der baye- 
rischen Lautverhältnisse vor. Ver- 



gleiche Grinun, Wörterbuch I, 
1054. 8 a. 

BAI BAI häszlich, abschealich; 
Abmanruf an Kinder. Vgl. GMDim 
Wb. 1, 1055 : > Auszruf verdroeze- 
nen, gleichg^tigen, abweisenden 
Staunens.« 

BABETTE, Barbara, seit eini- 
gen Jarzehnten im Brauche ; B a r- 
bei cgm. 92 f. 27b — ebenso bei 
Luc. Rem 54 und Kleiderbüchl. ; 
St. Barblen cgm. 97 f. 128a — 
scheint beliebter Name im alten 
Augsburg gewesen zu sein. Ober- 
pfälz. Bärbl undWaberl; EU- 
wangisch B ä r m e 1 e ; nieder- 
schwäb. Babel, Bäbele und 
Bärbel, Bärbele; Bäbe und 
> B e b e « häufiger auf dem 
Lande. Bei Jeremias Gotthelf ist 
Babi ein einfältiges Weib; im 
Thurgauischen, Frauenfeld, gilt 
Babele für Puppe. Babeles- 
buben = Sektierer, latte Katho- 
liken. 

BACH, stm. in und umAug^b. 
komen vor: der Hauptstadt- 
bach, Neubach, Stadt-, Säg- 
mtil-, Herren-, Rändelmäl-, 
Leclimeister- , Proviant-, 
Durchlasz-, Hanrey-, Ab- 
kehr-,Ei8-,Fichtels-, Schäff- 
ler-, Ueberwaszpr-, Walk- 
bach-, Sohauerbächlein, 
Loch-, Oel-, Wolfs-, Kauff-, 
Mittelbrunnenbach; Jäger- 
bächlein, Ochsenbächlein; 
Sibenbrunnen-, Hauptbrun- 
nenbach, Spitalbächlein; 
Malvasier-, Weisel-, Pfer- 
seer-, Bxunnenbach; Het- 



Baohe — Bachen. 



48 



ten-, Hessenbach, Senkel- 
bach, Siechenbächlein, He- 
-xenbächlein.>AafdemBach<, 
Wirtschaft vor dem roten Tore 
an der Strasze nach Fridberg, 
■wo die Floszleute vom Lech mit 
Holz für die Stadt landen. Der 
Bacher-Anger, eine Bastei. 
Werlich S 2. Das Stadtrecht 
hat: >unde bringet ein gast halz 
her in dise stat, ez si in den 
obern bach oder in den ni- 
•dern« »wer mit holz knmt in 
die bäche, ez si nidere oder 
obene< u. s. w. Im Augsburger 
Gebiete: Tinzelbächlein bei 
Eglingen ; Schmiechenbach 
bei Merohing; Steinbach und 
Finsterbach zwischen Mer- 
ohing und Möringen. Urkundlich: 
Fernopach 784. Muninpach 
a. a. 0. Galmanopachv 823. 
€hiupaoh 1011. Snaitpach 
Orts. N. bei Aichach. Scem- 
bach, Schembach, Schäm- 
bach, Schönbach, (16. Jarhd.) 
Salenbach, Gabelbaeh, Hu- 
renbach, Dachspach, (1322) 
«bgegang. Ort, Werinespach, 
(1404) Schaidbachmann, ein 
Geist in Phronten gegen Jung- 
holz hin. (Vilstal). Bach, ahd. 
bah, altsächs. biki, in welch 
lezterer Form esz in den nieder- 
deutschen Zusamensezungen auf- 
tritt. Vgl. Förstemann, die deut- 
schen Ortsnamea, S. 33 ff. Alb. 
Schott 1863, S. 36 a. Weigand 
Wb. I, 90. Grimm Wb. II, 1057. 
BACHE, swm. 1) porcellus. 
2) Mastschwein. 3) Speckseite. 



Das Augsb. Stadtrecht f. 6 b, 9 b, 
21b U.S.W, »von ainem bachen, 
der ains phundes wert ist zwen 
phenninge < ; »von ainem bachen 
einen helbeling«; »ein bache 
ainen helbelinch«; >ze bachen 
(under keufel sin)' u. s. w. Im 
Memminger Stadtreohte : ein ge- 
schnitten Bachen, im Gegen- 
saze zum ganzen Bachen. »Sie 
ziehend all vaiste Bachen, das 
mugen wir Tüfel wol gelachen«. 
TN. 1745. >So kUmpt «r un- 
ders Dach, und wirft herab Wurst 
und Bachen« a. a. 0. 13255. 
Vgl. ahd. pacho bei Graff HI, 
29. Mhd. Wb. I, 76. Grimm Wb. 
I, 1061. Ich erinnere an das 
bayerische Fack, Fackerl, an 
porcus, farch, barg, ebenso 
an Bracke, die jedenfalls zu- 
samen einem Stamme angehö- 
ren. Sollte am Ende nicht auch 
Speck sich davon herleiten? 
S wäre Vorschlag wie in lecken, 
schlecken u. s. w. Backel 
>von einem backel darnach 
und esz grösz ist«, Stadtrecht 
f. 17 a. Weigand Wb. I, 90. 

BACHEN, stv.: backen. Ab- 
bachen, > sei ein ganzes Jar alle 
Wochen in die 25,000 Laib ein 
jeden von 4 pf unden abgebachen 
(worden) < . Anti — Müller. B a - 
che In, swv.: nach Backwerk 
riechen. > B e c h < , Backwerk, 
>Bech und Brot«, Augsb. Ge- 
traidekaufordg. 1535. Im Burgau 
ist Bech eine Traget Brot: 
niederschw. B a c h e t : sovil Brot, 
als man auf eiamal bächt. Vgl. 



44 



Bachtafel — Back, Beck. 



Wb. e. Volkst. S. 15. »Und die- 
weil mit alter Herkomen und 
noch an viln Orten gebreuchlich 
ist, das neue Jar, item Martins- 
nacht und Fasnacht zu halten, 
damit dann dise alte Personen 
zur sollichen Zeiten auch ein Er- 
gezlichkeit haben mögen, so soll 
esz zur Weihnachten, allermass 
wie zuvor der Gebrauch gewest 
ist, gehalten und nemblich ein 
Pech brots, halb von Korn halb 
von Kern gebacken und jedem 
Pründtner und Pfründtnerin da- 
von ein Brot, desgleichen dem 
Saurbecken, der esz becht, 
auch ains gegeben, auch zur sol- 
chen lange Wecks gebachen und 
zue einem neuen oder gueten Jar 
alles ungewogen gegeben und für 
kein Wochenbrot gerechnet 
werden solle <. Jac. Pfründordg 
1543. Bacherei, das Brotbachen : 
>ihau heit abacherei imzuig« 
Immenstadt, Sonthofen. Schmid 
85.54. Bachtafel, pala: Brett 
an einer Stange zum £in- 
adbieszen des Brotes , sonst 
auch in Niederschwaben Bach- 
8 oh auf el genannt, Grimm Wb. 
n, 1()68. Bachhaus, pistrina, 
Grimm Wb. II, 10G8. >Der 
Bat hatt eine eigenes Bach- 
haus, das er einmal bei groszer 
Theuerung zu gemeinnüzigem Ge- 
brauche hergab*. Werlich 101. 
Bachofen, eine emalige Bastei 
am Wertachbruckertor. Werlich 
S. 2 sagt vom Bachofen nicht 
ganz genau: >das Wertach- 
bruggertor, so vom gemeinen 



Manne der Bachofen geneuni' 
wird«. Bekant ist »das Ein- 
fallen des Bachofens«, Nie- 
derkunft der Frauen. Bildl. >Wir 
sollen darum in keinen brennen- 
den Bachofen schlieffen.« Ba- 
form. Akt. 1526. Backofen, ein 
Geschüz »darin man pecht bqsz 
brot« cgm. 856 f. 149a. G«- 
baches, das, >die Saugamm aal 
meiden hert grob fleisch, Ge- 
baches. Tisch, Käs« u. s. w. 
cgm. 601 f. 99. >Meid BachaM 
f. 109b. »GenNachteinBachena« 
Pfründordg. 1543. neben >ein 
Pratens«. Bildlich: da was im 
daz gewand in die wunden ^e- 
pachen und verhertei was, sam 
ez mit laym eingelegt war. Qgm.^ 
402 f. 136 b. >Dk zogen sie m 
sein rock ab, der da was angf^ 
pachen in die wunden« a, a. Q. 
138 a. >Aber in lusten wird die 
seile verpachen in dem leibe 
und ertrinket«, cgm. 603 f. 2b. 
>Daz in daz haes in die schin- 
pain ist bachen«, TN. 68d2. 
Grimm Wb. II, 1065, 2. Nett- 
bachen, Neuling; ironisch: >di- 
sem von Argon als einem neu- 
gebachenen Edelmann« €rasa^ 
Altbachener Mensch, ein« 
altfränkischer Mann. > Einem* 
eine hinbachen«, beorfeigen^ 
>Humsa bacha« dasselbe Sch^ 
142. 

BACK, BECK, stm. In Angab. 
gab esz einen Galgenbecken in 
der Jakober-Vorstadt; einen Gra- 
benbecken, einen Torbecken^ 
Plazbecken, Hofbecken^ 



Backenbrennen — Balg. 



4& 



^aumarktbecken, Theater- 
becken; Saurbecken S. 467b. 
Beohin, Bäckerin, Becken- 
Nudeln, Romudeln. cgm. 92 
f. 26b. Beckenrosse hieszen 
Mietpferde, >derlialben sich Stadt- 
pfeiffer, Böckenross und Wei- 
berschlitten wol muesten leiden« 
Kleiderb. S. 140. Beckenschlit- 
ten, bekante Schlitten im alten 
Augsburg für 2 und 4 Personen. 
Bildlich: des ist a Beckahiz, 
eine ser grosze Hize. In der 
Kempter Confirmation S. 21 wird 
ein Beckenschuz von Seite 
des Stifts erwänt. >l8t von d«r 
Hochfürstlichen Deputation die 
fernere Erläuterung wegen der 
Beckenschut z,Hucklerei,Kalch- 
und Branntweinbrennens Ver- 
willigung gegeben worden, dasz 
vor eine alte Beokenschutz- 
gerechtigkeit der Herrschaft 
alle Jar ein Pfand Pfenning oder 
Häller, wie esz hergebracht man 
treibe gleich das Handwerk oder 
nicht, gereicht werde ; wann aber 
einer den Beckenschutz wie- 
der aufgibt oder solcher wegen 
järlicher Nichtbezahlung heim- 
fällt, selbiger nicht weiteres zu 
geben haben solle«. 

BACKENBRENNEN, das, in 
Augsburg häufig angewendetes 
Brandmarken der Diebe an 
Wangen«. »Und hat man 5 schön 
Frauen durch die Backen 
brennt«. S. 407b. das Stadtrecht 
erwänt des >durch die Zähne 
brennen«. In Rottenburg, wie 
in der ganzen Grafschaft Hohen- 



berg war das Backenbrennen 
üblich. Ygl. Osenbrüggen, Alam. 
Strafrecht S. 95. 

BAD, stn. : esz gab ein Mauer- 
bad, Neu's Bädlein, Gasa.; 
Burgerbädlein , Neidbäd- 
lein u. s. w. 

BÄGGEN, BACKEN, AÜF- 
BÄGGEN, andicken, aufschlagen, 
so dasz ein Bigg, Bick (TN.) 
darauf entstet. Vgl. Wb. zum 
Volkst. 15. 

BÄHEN, BÄEN, swv.: rösten, 
> b ä t e Schnitta« , geröstete Weisz- 
brotschnitten; »wolgebets« brot 
cgm. 601 f. 109a. »Mit peen 
ob warmem waszer« f. 111b. In 
Pfeiffers Arzneibüchern II, llc 
12b. 15d. 16d. stet baen, er- 
wärmen, z. B. den Bauch, das 
Haupt. In der Tuttl. Gegend 
hiesz das Speckdrehen so: Hir- 
ten und Rossbuben brieten Speck 
an Hölzlein gestecktob dem Feuer. 
Gebäht ist = biscotto, biscuit, 
überbacken, zum zweytenmale 
gebacken; bayer. bacherl, warm; 
Bähe, Wärme habend; stet zu 
lat. fax. Mhd, Wb. I, 78 b. 
Schmid 37, Grimm Wb. II, 1076. 
Grein, Ablaut u. s. w. S. 58. 
(fovere, tpiaysw). 

BALG, stm.: 1) Haut, Pelz, 
Hasen-, Fuchs-, Maulwurfspelz. 
Stirbt der Fuchs, so gilt der Balg, 
Lebt er lang, so wird er alt, 
Friszt er vil, so wird er dick 
und zulezt gar ungeschickt. 

Kinderreim. 
2) Getraidehülse, »4 Pfund an 
Balg u. Roggen«. Augsb. Erlasc 



46 



Balger — Bande. 



1642. 8) Schwertscheide. >Swer 
auch dem andren in siniu venster 
stozet, mit sinem swerte, ez si 
mit blozem swerte oder mit 
balge<. Glosse z. Aogsb. Stadt- 
recht. 4) Schimpfwort auf Kin- 
der und Weiber angewendet, echt 
altaugsburgisch. Man sagt F r e s z- 
balg, Freszsack von Kindern — 
in der Obpf., weil sie viel eszen 
und nichts oder wenig arbeiten 
u. verdienen. Lasterbalg, Con- 
lin. Grimm, Wb. I, 1085. 4. 
BALGER, der, Raufer zu 
BALGEN, sich, raufen, herum- 
prügeln. >ünd (haben) mit ein- 
ander auf ihren Stuben grewlich 
mit bloszen Wehren gebalgetc 
Gass. 198. >Diser Markgraf Alb- 
recht von Brandenburg, von Na- 
tur ausz ein überausz strenger, 
heftiger Mensch und ein rechter 
B a 1 g e r gewesen < a. a. 0. > Sollen 
zwei ausz dem gröszern Bat glei- 
ches gewalts gewälet werden, 
welche die Gemein in der zucht 
hielten und sonderlich die Bal- 
ger, Erenschänder< a. a. 0. Vgl. 
Grimm Wb. I, 1086 ff. 

BALIEREN , swv. : polieren, 
glätten, acht augsb. Grimm Wb. 
I, 1058. >Mes8er und Gablen 
balieren« in den Weberhaus- 
akten häufig. >Und Alexander 
was komen in Ciliciam an ain 
grosz waszer, das — was gar 
ein hübsch schönes waszer durch- 
leuchtig und sichtig als ain ba- 
lierten cristal« cgm. 581 f. 34b. 
Einer Bali er- und Schleifmühle 
wird gedacht anderEgen bei Laui- 



gen, in Neuburg- Augsb. Akt 1742^ 
Auch Augsb. betasz früher xne* 
rere Schleif- und B alier mö- 
len. Grimm Wb. II, 1088. >Tu- 
balkain, der dritte Bruder, der 
ward ein Palierer in aller Mei- 
sterstücken, ärzs und Eisens« 
Elucidarius 1543. Augsb. 

BALIER, stm.: Aufseher ^on 
parlare. >Beede Balier« bei 
Maurern u. Zimmerleuten, »Bal- 
lier und Zimmermann < Augsb. 
Feuerordg.1731. »Brunnenmeistery 
Balliere u. Waszerleut< a.a.O. 
Jezt gibt esz einen Brunnenba- 
Her bei den Brunnenwerken der 
Stadt. 

BALL , stm. : — Bai gespro- 
chen — > Tanzen und nach 
dem Bai springen«. TN. 5581. 
>Spil hinfür mit den Kindern, 
deinen geleiohen und schimpl 
mit dem bal< cgm. 581 f. 25br 
Ahd. pallo, m. und palla, f. 
Mhd. bal, gen. balles. VgU 
Grimm Wb. I, 1090 ff. 

BALLONSPILEN. »Hat Gustav 
Adolf s^mpt etlichen Fürsten auf 
dem Fronhoff bei öffentlicheaa 
Zusehen der Burger den Ba- 
lohn geschlagen. Weilen aber 
ein unverschambter Burger in 
das Balohnspil — sich eintrin- 
gen wollen — hat man aufgehö- 
ret«. Denkwürdigkeiten 21. 

BANDBRETT, stn.: Werkzeug- 
des Wundarztes. >Ein Junge, so 
dem Barbier das Bandbrett 
nachi^agen musz<. Laz. Ordgr. 
1632. Zu Grimm Wb. I, 1098. 

BANDE, stn.: >In Banden«, 



Bängien — Barcfaet. • 



47 



alte herkomL Augsb. Gerichts- 
sprachefür »in Ketten«. Grimm 
Wb. I, 1097. 2. 

BÄNGLEN , swv. : herzen, 
küszen ; Eindersprache, vgl. nudla, 
vemudla. Schmid 40. 

BANK, stm. In der Augsbni^. 
Mezgersprache Bpilen die Bänke 
eine grosze Rolle. Die Fleisch- 
bänke in der Stadtmezg werden 
järlich verloszt und besteuert. Die 
schlechter gelegen sind, heiszen 
die unbesteuerten Fre[ibänke 
armer Mezger, welche auch unter 
dem Tarif verkaufen dürfen. In 
der Schmalbank ist Fleisch von 
Jung- und Kleinvieh zu haben; 
ein solcher Mezger wird in Mün- 
chen Jungmezger genannt. 
>Die guten und die bösen 
B ä n k e, d. h. die besteuerten u. un- 
besteuerten, abgelegenen« komen 
in den Mezgerakten oft vor. Bildl. 
letwas auf dem unrechten 
Bänkle finden«, stelen. Ked. 
Art: »Und wenn ma sie heart, 
sind sie krank; ja freili uff der 
gfreszna Bank«. Seh. 146. 

BANKLEN , swv. : drängen, 
pressen, »wie lasz it so bankla 
und sei do au gscheidt Narr! 's 
ischt ja koi Brauscht it, es glimt 
nu a Scheit«. Seh. S. 118. Zu 
Grimm, Wb. I, 1110. 

BANN, BANNEN: in der alten 
Reehtssprache »bannig waszer<. 
Stadtrecht f. 72 a. »Bännische 
Menschen«, gebannte Menschen. 
Mindelh. Reform . »Gebannte 
Feiertage«, kirchlich festge- 
stellte Feiertage. »Esz ist von 



Altem her hie Recht (gewesen),, 
an gebannen vir tagen deehai- 
mupfiemdhienit sol vergantnen«. 
Memmmger Stadtrecht. »Noch 
an deheinen andern gebannein 
virtag«. Ulm. Urkde 1410. VgL 
Grimm Wb. I, 1115 ff. mhd.Wb. 
I, 85 b. 

BANTSGHBN, swv.: 1) mit der 
flachen Hand auf den Hindern 
schlagen. 2) schlagen überhaupt 
(Schiller). 3) in Flüszigkeiten 
herumarbeiten, hin u. her gieszen, 
daher Bier bantschen, Bier 
mit Waszer fälschen; guter augsb. 
Auszdruck. Fidlabaiki|ioher, 
Schulmeister, spöttisch. Ge- 
bantsch, das, >bringt kaum 
Suppa auf da Tisch, geschweiges 
denn a guets Gebansch«. Seh. 

BAOLE, m.: Kater: in der 
Augsb. Gegend häufig gebraucht; 
dagegen Bäle, Bole, dummer Kerl, 
Schelte. R a o 1 e,verb. r a o 1 s.Staud. 

BARCHE, BARCHA, Farzeug. 
KleiderbüchLvomital.barca. »Auf 
Septenbris waren wir oberhalb 
Tiachi in einem groszen Nebel, 
hetten Zeitung ausz einer B a r c h a, 
die wir fanden bei den Milinen 
de la Zafalonie«. Augsb. Flugbl. 
1538. Grimm Wb. I, 1133. 

BARCHET, m.: dichtgewobe- 
ner Baumwollenzeug mit rauhen, 
gekartetschten Sailen, d. h. 
mit gefärbten Leisten oder Strei- 
fen. Der Barchet (Barchent) 
konte auch zur Hälfte leinin 
sein. In den Weberhausakten 
komt vor »Geschnürter und 
ungeschnürter Barchet«, 



48 



Bftre — Barmen. 



»braite u. schmale Barchet- 
Waaren«, >Grätisolier Bar- 
chet mit 4 Tritt; Kittelbar- 
ch et mit 3 Tritt«. DerMaister- 
stiick -Barchet bestand in 3 
Stacken: jedes Stück wurde an- 
ders geschlagen: 's erste guet, 
's zweite mittelmäszig, 's dritte 
ganz gering; letzterer galt branch- 
bar för ünterfutter und Fnr- 
mannskittel. Der neugedingte 
Iierjung hatte neben dem »Auf- 
leggelt« von 3 fl. in >einer 
Wochen 3 Barchettüchlein 
oder Bombasinien zu,wirken<. 
Neuvert{«|zerte Weberordg. 1748. 
»Ein jeder, der Meister werden 
wollte, muste zuvor einen Bar* 
chetwepfen zettlen«. a. a. 0. 
Das so wichtige G es chau zei- 
che nbeimBar che t-Tuch durfte 
nicht ausz* sondern inwendig 1 ^ 
oder 2 Spannen von den 2 Enden 
entfernt angemerkt werden a. a. 0. 
Der breite Barchet muste ausz 
einem zwei und zwanziger, wol 
mer aber nicht weniger gewirkt 
werden von >guter Wo 11 und 
wullen blauen Leisten ausz 
dem weid gefärbt« a. a. 0. 
»Den Barchetstul feiern 
laszen« a. a. 0. Der Bettbar - 
chet war der stärkste u. gröbste. 
Barchetstul, Stul auf dem 
Barchet gewebt wird. Barchet- 
überellen, verworfene, bei der 
Geschau als zu lang befundene 
Stücke. Barchanter, Bar- 
chantner, Barchetmeister, deren 
eaz in A. vor dem 30jährigen 
Kriege 6000 gab. Schmell. I, 194. 



Schmid 42. Das Wort bat eckon 
im Mhd. n auMBgeworl^n unA 
komt ausz dem mittellat. par- 
canuB, parchanus, eigentlich 
barracanus, Art Zeug aus« 
Kameelhaaren, Camelot; der Naane 
gtamt ausz dem (schwerlich) 
Arabischen barracän, Art lan- 
gen Gewandes tob fckwanrnr 
Farbe. Weigand I, 105. 

BARJC, die, Sark. Barhütt«, 
» dieBär niedergesezt unter einB ä r- 
hitten«.. S. 182a. Barhütten 
oder Barhäuslein hieszen auf 
den beiden protest. Gottesäckern 
die kleinen gemauerten Bitten, 
worin die Tragbaren, Schaufel, 
Gerätschaften aufbewart wurden. 
»Und wurdt die vierdt Grub ge- 
macht gleich neben dem Bar- 
heuszlein in dem Eckh«:. 
Chronik bei Horm. 1834. S. 1^^ 

BARINEL, ein kleines Rudar- 
schiff. L. Kerns Tagebuch. 

BAKN,swm. ahd. pamo; Bar a- 
schalter in den Stauden: Schuz- 
brett beim Dreschen unter dem 
Scheuertor. In der Dillinger 
Gegend heiszt esz von einem un- 
brauchbaren Menschen »du hast 
alle Ufarm, wie 's Juda Fülle, des 
hat in Bän gschisza«. 

BARLIS, das, paralysis, Epi- 
lepsie; »daz vom Lauszen körnend 
böse natüren und daz parlis«. 
Astron. 26 b. »daz perlis« f. 97b. 
»das perlis schlagt ein< f. dOa. 
>in dem schlaff u. parlisen« 
f. 39a u. s. w. 

BARMEN , swv. : zunemen ; 
in der Immenstadter, Sonthofer 



B«rt *-* B%Een. 



4« 



Gegend; besonden dicker, fetter 
werden: »kz brav, dann bar- 
mest de reacht«; stet wol zu 
barme, f. engl, barm, dänisch 
baerme, Hefb, von baren: trag^i, 
steigen machen, wie Hefe von 
heben , — daher barmen, zu- 
nemen, wachsen. Schmid 44. 
Grimm" Wb. I, 1184. 

BART. >Da fieng ich an den 
Bart zu ziehen«, sten zulassen. 
Kleiderb. 

< B ABTHAUBE, weisz, nüt Rosen 
an den Oren herab, das .Gesicht 
fast verdeckend mit steifen Spizen. 
Abgegangen. 

BARTBL und BARTLE, nie- 
derschwb. Bd,tle, Bartolomeus. 

BASA, amita. Gloss. August. 
Graff ÜI, 215. 

BASCHELE, das. Nachttischlein. 

BASSELTANG TREIBEN,Kurz- 
weil treiben, ausz franz. passer 
le temps. Vgl. Schmid 46. 

BASTEL, Sebastian; nieder- 
schw1i>. Basche; Bäschele dim. 
Oberschwb. Baschte. cgm. 154 
schreibt öfter Bastei, bayerisch 
Wastel. Bagtiaü, Mindeltal. 

BATSCHI, BOTSCHI (altbaye- 
risch), einfaltiger, gutmütiger 
Mensch. Bei Jeremias Gotthelf 
Baschi. VI, 224 

BATTIER, >der Schilt schwarz, 
darin ein gelbes Battier«, cgm. 
92 f. 16 a. 

BÄZE, swf.: Hündin; jezt 
Fez genannt. Grimm Wb. I, 
1159. Vrgl. Bazel, Bozel, 
Schwein. Bazel, dim. von B äz e, 
wirtemb. Hausl. 1, 327. Schmid 51. 



BÄZELE, Bodensaz der ausz- 
gesottenen Butter. 

BÄZNER, BÄZENER, eine 
Art Schmuck, den die Weiber 
emals am Halse trugen. >Ein 
B ä z n e r oder ^ erzine Hauben c : 
Polizeiordg. »Wie auch die ser 
thewere Bäznerhauben mit 
daraufgesezten perlinen-guldenen 
oder silbernen Gestücken, oder 
güldenen Knöpfen, Spizen und 
Borten, sie seien gut oder falsch, 
hiemit ganzlich verbotten sein«. 
Polizeiordg. v. 1668. »Ein Bäz- 
nerhauben aber über siben oder 
8 fl. nicht kosten solle« a. a. 0. 
— >Deszgleichen eine erzene Hau- 
ben zw^ischen 6 u. 7 Gulden, vnd 
ein Bäznerhauben one Sammet 
auf 4 oder 5 fi.« a. a. 0. 

BAZEN, der; bekant sind 
allgemein die 8 und 6 Bäzner: 
>An Maxdor und 5 Bäznern 
verloren«. Weberrechnungen. In 
den Mezgerhausakten komen die 
halben und ganzen Schwei- 
zerbazen vor. 17. Jarhundert. 
Bazle, Geldstück überhaupt, in 
der Kindersprache. B a z e n - 
Schmelzer, Goldmacher. Ba- 
zenlippel, ein flegelhafter 
Mensch. >Der hot Baza wie 
Heu«, ist reich; ächtAugsb. >Du 
mueszt oane nema die Baza 
hat«, reiche Heirat machen; er 
gilt seine Baza. In der Saulgauer 
Gegend schneuzt der Bauer auf 
den Boden u. sagt: >Dä Spilmä 
ha§t 3 Baza«. >Warten bis 
d'Kuh einen Bazen gilt«. 
Schlafen bis d'Kuh einenBazen 
4 



50 



Bazig -rr Baorentanc. 



gilt, ad calendas graecas, in 
ganz Süddeutschland. 

BAZIG, adj. adv. 1) stolz, 
gebieterisch, »sich bazig ma- 
ebene. 2) Vom kotigen, schmuzi- 
gen Wetter sagt man, »esz ist a 
bazig 8 W.< Wirtemb. Haosl. I, 
327. Schmid 61. Weigand I, 111. 
Grimm Wb. I, 1160. Vgl Paz. 

BAUCH, stm. : > einen g r o s z e n 
Bauch haben«, schwanger sein. 
»Aber seinWeyb liesz man ausz: 
denn sye hett einen groszen 
Bauch«. S. f. 300a. Bauch- 
stecherlen, pl. gedrete, oben 
und unten spiz zulaufende Nu- 
deln, welche in Schmalz u. Eiern 
gebacken werden; Schmell. 1, 145. 
Oberpf. geschuzte Nudeln. Im 
übrigen Schwaben Schupfnu- 
deln von schupfen: abstoszen. 
Vgl. Wb. z. Volkstüml. S. 84. 
Bauchstöszig heiszt in der 
Saulgauer Gegend ein gailer 
Mensch. 

BAÜCHHAUS, stn. : die Wasch- 
Stube oder Küche, in der die 
Wäsche abgelaugt wird. Bauch- 
haus spilt in den Augsb. Chro- 
niken eine hervorragende Rolle. 
Gass. «»d and. >Soll auch nie- 
mands in den Hüsem laugen oder 
buchen«. Adelberg. G erichts- 
Ordnung 1602. Reysch. S. 9. Im 
TN. 2545 sagt der Teufel: 
Da will ich si sicher waschen 
Ane Laug und ane Eschen 
B ü c h e n u. kelten, slahen u. treten. 
Im wirtemberg. Orte Wilferts- 
weiler heiszt bauchen: Tuch 
ssusamenrollen; in andern Ge- 



genden: Bohgarn siedeB u. ia 
Lauge waschen, in Ueineii ni- 
samengrebundenen Rieken oder 
Schnellern. Das Wort ist also 
nicht erst im 16. Jarhd. (Ghrimm 
Wb. a. a. 0.) in Oberdeatsehbuid 
üblich, sondern schon im Anfiuige 
des 15. Jarhd. Schmid 48. SchmelL 
1, 145. Ich möchte bauchen, mhd. 
>pouchan in heri pouckan«: 
schlagen, herziehen, wie denn 
das Geschäft des >Wä8cliebaiK> 
chens« nichts andere« ist als die 
mit Lauge übersehüttete 
Wäsche einstoszen; in mere» 
ren Gegenden geschieht ess mit 
einem Dümpfel. lieber pouohan 
vgl. Gramm. II, 160. Wb. z. Yolkst 
16. Bayerisch heiszt das Gesehftit 
>sechteln«. An bäen zu den- 
ken, wie schon geschehen, gienge 
sachlich an, nicht aber lantlicdi, 
denn das Yerfaren von aha und 
auwa findet auf ein etwaiges 
got. behjan, ahd. bägjan luid 
p o u c h a n keine Anwendung. 
Grimm Wb. I, 1166 weist auf 
romanische Abstammung, auf itaL 
bucata, span. bugada, franz. buee. 

BAUER, vgl. Söldner. 

BAUM, stm.: boumohti, ne- 
morosa. Gloss. Aug. Baumfal* 
ter, stm. papilio. »So waren 
auch der Raupen und Baum- 
f altern den ganzen Sommer 
über so vil« u. s. w. Gass Grimm 
Wb. I, 1191. PapiUon u Mini- 
maler komen heute noch vor. 
Baumfidela, swv. coire; fidl6 
podex. 

BAURENTAKZ hiesz ein altes 



Baoseh — Begeind. 



51 



Augsb. Wirishaiu von dem Ge- 
mälde an der Auszenwand, das 
eine Hochzeit Torstellte, volks- 
tümlich so benannt, weil die 
Braut tot gegen den Bräutigam 
hinsinkt, eine Geschichte, die in 
eben dem Hause vor Altem sich 
ereignet haben soll. In der Bron- 
nenordnung von 1764 wird des 
Bauerntanzes erwänt, >unten 
am Berg da die Feuerkessel an- 
gefüllt werden müssen«. In Aichach 
ist ebenfalls ein Baurentanz. 

BAUSCH, stm.: FaU- oder 
Polsterhut ausz Tafifet den Kin- 
dern aufgesezt, >damit sie beim 
Falle nicht beschädigt werden«. 
>UBd peuschlach von zartem 
Tuch darin g^negt, die pind ihm 
über seinen Schlaf«, cgm. 601 f. 
105 b. Pen schiin a.a.O. f. lila. 
Hanfpeuschlin a.a.O. Grimm 
Wb. I, 119a 

BAYER,, spr. Bajer, heiszen 
eine Art Schweine ausz Bayern, 
alljärlich nadi Schwaben zum 
Verkaufe hereingetrieben vom 
Bäjermä. Saub&jer, rohe 
Schelte für Freszer und Saufer, 
wobei der Yolksname aber ganz 
und gar abhanden gekomen ist; 
b&ira, r'umbäira, vagari, be- 
sonders aber von Kindern ge- 
braucht, die im Kote sich wäl- 
zen; im Kote, in Lachen ir Spil 
und ire Freude haben. Hoi 
soul frisz da bäjer! heisztesz 
auf der schwäb. Alb in Baach, 
wenn jemand rülpst; oder ho ho! 
d& springet d'Bäjerweiber 
mit da Soukübell >da Bäjer 



stech a«, da und dort f&r >den 
Abtritt säubern, ausztragen«. 
Bäjernudla heiszen die fetten 
Kartoffeln in der Biedlinger Ge- 
gend. Sollte beim Worte Bajer, 
Schwein der schwäb. Lautlere 
zum Troze villeicht ausz Abgang 
des Yerständnisses volkstümlich 
nicht eher an bei er, ahd. ber, 
per, Graff 3,102; mhd. bör, Wb. 
1, 104, Zuchteber zu denken sein? 
>Unum verrem i. e. bei er pa- 
scere« bei Kehrein, Sammlung 
U.S.W. S. 3 b. Schmid 83. »Baye- 
rische Rüben« in den Augsb. 
Marktordnungen. Ygl. Schmell. I, 
161. In den Weberordnungen 
komen eigene Yerordnungen über 
die bayerischen Wepfen vor. 
>Esz sollen auch die ungesigel- 
ten bayerischenWepfenvon 
den verordneten Messern abgezält 
und gemessen werden, und sollen 
70 Leinwath Elen an der Länge 
u. an Zal 1100 Fäden haben«. 1549. 

BECHEN, swv.: Pech krazen, 
bayerisch pechein, ein dem 
Wald schädliches Geschäft ge- 
wiszer armer Leute, welche den 
Baum rizen und nach einiger 
Zeit das Harz abnemen. In alten 
Yerboten oft vorkomend. >Item 
wer in den Bannhölzern u. auch 
in den gemainden bechet, der 
verföUt zu Peen und Busz zehen 
Pfund Heller«. Mindelheimer Re- 
formation. 18 a. 

BEGEINE , langweilige , un- 
freundliche Frauensperson von 
den bekannten und berüchtigten 
Nonnen hergenomen; über deren 
4* 



52 



Behftb — Beheimiscli. 



AuBzariimg seien von den vilen 
Stimmen nnr einige wenige hier 
genannt: >So närrisch, so spizig, 
80 apostnzlerisch, dasz kein Yogel 
ihnen entflien möge, der nicht 
eine Feder laszen mü8ze<, sagt 
Eberlin bei Schmid 53. >Apo- 
stenzler oder Begein Hör«, 
Cgm 4f6 f. 6b. — >Begeynen 
und alle die sich meinen gaistlich 
zu sein, die ander vertaylen (ver-» 
urteilen) u. ains hofißrtigen spizi- 
gen Gaists sind«, cgm. 603 f. 22 a; 
etwas anderes ist oberpf. Bogau- 
ner, böhmische Schweine, weisz, 
mit langen Borsten. Bagauner- 
hu9r, Mindeltal. 

BEHÄB, oder acht augsb. g h ä b, 
genau anpaszend, anschlieszend. 
cod Bav. 2517. Grimm Wb. I, 
1831. Dafür auch >gheif<. 

BEHEIMJSCH,böhmisch. l)Klei- 
dungsstücke, Tücher von Böh- 
men oder nach böhmischer 
Art gemacht und gewirkt, er- 
scheinen oft in den Weberhaus- 
akten und Eleiderordnungen. 
>Beheimisch, Barchanttuech«, 
cod. av. 2517 f. 21b. »Falsche 
Böhmisch strimpf«. S.f. 90b. 
> Ingleichen mögen sie sich zu 
denen Böhmischen- oder Pol- 
nischen Hauben zwar wol der 
Zobel bedienen, jedoch dasz die- 
selbe all zu unförmliche Höhe 
durchgehends abgestellt und ver- 
botten, auch ein polnische oder 
Böhmische Hauben bei derma- 
ligem des Pelzwerks hohem Werte 
über 24 fl. nicht wert sein«, 
Polizeiordg., Zierd- und Kleider- 



ordg. 1668. >I>en6n Weibsper- 
sonen insgemein in disen dritten 
Stand, sollen die hohe Böh- 
mische und polnische Hauben 
mit Zobel und g^t glatt samme* 
tinen Böden, wie auch die ser 
teure Bätznerhauben Terboiten 
sein« a. a. 0. >Darbei aber wer- 
den denjenigen Weihen u. ]>ö<di- 
tem, deren Männer und Yftter 
namhafte Gewerb, Handthienm* 
gen, Eramereyen oder thewref 
Waren füren oder künstliohe u. 
reputirliche Handwerker crind, die 
Böhmische oder Polnische 
Hauben zwar erlaubt, jedoch mit 
disem Unterschid, dasz die Böden 
an solchen Hauben, allein von 
geblümtem Sammet u. gef&rbten 
Mader sein yndein Böhmische 
Hauben über 10 oder 12 fl., und 
ein polnische über 8 oder 9€Kd« 
den< a. a. 0. >Die andern sohlech- 
tem und gemainern Handwerks- 
weiber sollen der Böhmischen 
und Polnischen Hauben diuroh- 
ausz müszig sten und allein er- 
zene Hauben tragen < a. a. O. 
2)Münzen. > Und gab ym einer ein 
guten Böhmischen Groschen, 
so gab jm der Wirt aine gute 
Malzeit darumb und gab jm 
darnach 30 oder 40 Pfenning 
herausz an dem Böhmisch oder 
Piapart«. >£s gelt ain gutter 
alter Behmischer grosch oder 
Piapart 50 oder 60 Pfenning 
(= ein Paar Schuhe). Horm. 
Taschenb. 1834. ^. 180. >Dem 
Priester bleibt sein Opfer, ausser 
dasz er dem Pfarrer zu Gdggiii- 



Beichel — Beisohle. 



&3 



gen alle Quatember 1 OrtUngrisch 
and -Böhmisch geben musz«. 
Vorgleich von 1412. Anno 1399 
verkauft Hans Hsung seine zu 
Wilmannshofen gelegene Holz- 
mark der Stadt Augsburg um 
50 fl. Ungar und Böhm gut an 
Gold und schwer an rechtem Ge- 
wichtet. Urkunde, Copie 18. Jar- 
hundert. Schmell. 1, 140. 3) »Böh- 
mischBier« S.543. Behmisch 
und Sachsisch Bier« a. a. 0. Pur- 
gier auf Behemer Art, Er- 
brechen wegen YoUtrinkens. S. 
386a. 4) Böhmisches Geschirr 
in den Marktordnungen neben 
dem Lützelburgischen. 5) Be- 
heimische Drischel, auf der 
Wagenburg; Kriegsbuch cgm. 356 
f. 192b. »Mit derbehemischen 
pleyden« f. 172. Allgemein ist 
Böhmaggenför böhmischeLeute. 

BEICHEL, das. >Schlug in der 
raiszig knecht mit ainem Wurf- 
beichel binden an den Kopf«. 
Horm. 1834. S. 147. Belage- 
rungsbeichel, cgm. 356 f. 
192b. FloBzbeichel. 

BEILICHEN, >beim B.< adv., 
ungefar, beiläufig. Schmell. I, 
164 Schmid 53. beiliche, f., 
Nähe. Grimm Wb. 

BEIN, stn.: spr. bol, boe, 
woher die Schreibung bonlin- 
gen erklärlich = bainlingen, 
das Fell, Hautstück^ ober dem 
Kniegelenke abtrennen, u. beim 
Hammelschlachten üblich und ge- 
bräuchlich. In einer Mezgertafel 
der Zunftstube stet folgende Vor- 
schrift für den Jungen: 



Den Hammel gleich dameben 
Muszt du bonlingen tun, 
Und den Beschauern furheben 
Auf dasz du möchst besten. 
Grimm, im Wb. I, 1387, kent 
wol Bainling aber kein bain- 
lingen. Beinschrot, Bein- 
schröte f., laesio, incisio ossis, 
>dasz hinfür der Vogt alle Bein- 
schrott, esz seien fiieszende 
Wunden oder trockene Straiche, 
auch die flieszenden Wunden, so 
gemaiszelt werden und daher eine 
Lähme entstet und hingegen das 
Domcapitul alle andere flieszende 
Wunden und trockene Straiche, 
so nicht b eins ehr Ott sind, sie 
werden gemaiszelt oder nicht und 
daher keine Lähmin entstet, — 
im Dorf Gerschhofen zu strafen 
und büszen haben sollen«. Augsb. 
Privileg, und Verträge, Copie v. 
1706. >Esz seien Würfen, Stiche, 
Stösze, Schläge, Lähmin, Bein- 
schröttin oder flieszende Wun- 
den«. Privileg, v. 1516. > Welcher 
den andern bainschrott, lid- 
tief, hafiPtend, maiszlend, wunden 
oder lahm schlecht, der ist dem 
Gerichtsherren zu Pusz 10 Pfund 
Heller verfallen«. Mindelh. Re- 
formation f. 12. Vgl. ferner MB. 
XXin, VIb, S. 512. Vgl. Grimm 
Wb. I, 1388. Boäheisle, dim. 
heiszt ein ganz abgemagerter 
Mensch, für das Beinhaus reif. 
Schmid 54. >Der Boinig«, der 
Tod: >do haut scho der Boinig 
zwea Anstifter gholt«. Soh. .132. 
BEISCHLE, dim.: spr. augsb. 
Baischle, Zuwage beim Einkauf 



54 



Beisis — Berg. 



von Schaffleisch, ztuneist in den 
edlem Eingeweiden, wie Lunge, 
Leber, Nieren u. b. w. bestend. 
Oberpfalzisch ist B e i s c h e r 1, Ein- 
geweide der Fische. Bei S. Helb- 
ling ebenfalls Beiscberl. Vgl. 
mhd. Wb. I, 102. 

BEISIZ, stm.: unelicher B. 
concubitus. >Ebz will auch ein 
ersamer Bäte als une liehen B. 
ernstlich verboten haben<. Poliz. 
Ordg. V. 1553; dazu unelicher 
Beisizer, concubinarius. Grimm 
Wb. I, 394. Beisizer, Insasze, 
der kein Bürger ist. Beisizgeld, 
was dieB eisizerzu steuern hatten. 

BEISZEN (baisza) in A. nur 
von Hunden gebraucht. 

BEKLOT, BEBX.ET, BEGGLET 
partic? >desz wappen Goszenbrot 
ist der Mann in rotes beklott 
schlapweisz und schwärze, cgm. 
92 f. 18b. 

BELAUF, stm. Der Gesamt- 
betrag verschidener Summen. 
Grimm Wb. U, 1438. 

BELZEN, PELZEN, swv.: 
zweigen. »Baum peltzen<, Re- 
giom. 1512. »In Gerten arbeiten, 
Baum peltzen« a. a. 0. »Beiz- 
schul der Gärtner<, Fund. BüchL 
1645. Belzmüle, Malmüle am 
linken Ufer des Oelbaches. C. 186. 
Belzmiller, Sailerordg. 1687. 
Pelzung. >Uud also (die Vin- 
delizier und Römer) gleichsam 
als ein geschlachter Baum durch 
Pelzung aufgenomenc. Werlich 
21. Grimm Wb. H, 1456 S. 

BEMALIGEN, swv.: maculare. 
»Des Antenoris und Anhise Heuser 



sind unberürt und nnbemaligt 
gebUben«. Troj. Erg. f. 82b. a 
stet hier für ai. Weinhold, Alam. 
Gramm. 587. 

BEMÜTEN. >Und jm flieaden 
nachgeeilt durch l)ayde f&ew ge- 
troffen und jm zum lezten gaiie 
b e m ü t e n erschlagen« . Troj. Krg. 
41a. 

BEREIT, baar. Beraitgelt, pß- 
cunia parata, Baargeld. Auer s. 
Stadtrecht von München 306 a- 
>Unde git unen koufbchate ymb 
beraite phenninge«, Aiigiib. 
Stadtrecht. Schmell. lU, 166. 
Grimm Wb. I, 1498. 

BEBEN, BÄREN, BAR« awf.: 
Traggestell, Tragbare. >DarnaGh 
die Menschen die jn in perea 
tragen hatten, namen in u. b^ v.4 
cgm. 402 f 63 a. >Ward getcar 
gen von den andern in einer 
Bereue a. a. 0. Vgl. Sdimell. 
I, 189. 

BEREDEN, swv.: beweisen, 
meist nur vom Beweise mitJßid 
gebraucht. Auer z. Münchner 
Stadtrecht 306 b. Schmell. III, 5a 
>So soll unser, aintweder oder 
unser Oehein ainer der vorg^e- 
nannten bereden zu den Heili- 
gen, dasz das guot, da wir mit 
Wiederkaufen unser aigenliche 
guot si, wer aber, dasz wir oder 
unser Oehain bi dem Lande nicht 
enwaren oder verfuren, so sol 
esz unser und unser Erben, der 
Oberst Amptmann bereden zn 
den Heiligen«. MB. XXIII, Via. 
354. Zu Grimm Wb. I, 1493 ff. 

BERG; in Augsburg gibt ess 



Bern — Besefaeiseen. 



55 



einen Milohberg, Prediger- 
berg, Putzenberg (soll, von 
einem Italiener Pozzo, der einen 
Garten da hatte, benannt sein), 
Hnnoldsberg, Jadenberg, 
Eisenberg, allwo das uralte 
Stadtgefangnis war ; Steinberg, 
Scbmidberg, Saubergle, 
Mauerberg mit den Hüner- 
stafifeleinf Schw^denberg. Der 
Hauptberg ist der Perlachberg, 
der in einen vordem und hintern 
giBteilt wird. Im Giltbuche zu 
St. Ulrich cgm. 154 komt vor: 
auf demWeinsperg f. 39a, am 
Dornberg f. 39b. mad im 
Byessenberg f. 42b; esz schei- 
ilen dise Berge in der Umgegend 
zu ligen. Im bischöfl. Augsbur- 
gischen Gebiete begegnen : Eden- 
bergen, Oedenbergen, als 
Ortsname urkdl. 12. 13. «Tarhd. 
Bergen (ze den); Battenberg 
bei Fischach; Ochsenberg am 
Wege von Bayersried nach Urs- 
perg. Hauchenberg zwischen 
Diepolz und Waltrams; dort 
ist esz nicht geheuer (Palastfrau.) 
Rimenberg, ebenfalls dort, jezt 
abgegangen. In der Nähe finden 
wir den Buscheiberg und 
Schalkenberg bei Wolmets- 
hofen. Gerwigsberg bei Werlis- 
wang (1418). Burgberg im 
Maisachtale u. s. w. Vgl. mhd. 
Wb. 1, 105 a. Kehrein, Sammlung 
37. Berg, Name des Ulmer Kin- 
derfestes auf dem Michelsberg. 
Sieh Schmid 56. 

BERN, >Berner Tuch« (Ve- 
rona) fürt L. Rem S. 46 als Hooh- 



zeitsgeschenk auf »10 Elen swarz 
berner Tuch zu einem Mantel 
9 f. 10 kr. >Berni8ch Biret< 
Kleiderb. S. 51. 

BEROSSUNG, die, bei L. Rem 
S. 32. Zu Grimm Wb. I, 1527. 

BESAUEN, swv. : verunreinigen, 
beschmuzen. Grimm Wb. I, 1542. 

BESCHÄCHTUNG. >So solle 
auch furohin vermög der Verträge 
zur Beschächtung des Lechs 
Schwabseits, die weitere Notdurft 
auBz den nicht gar zu weit ent- 
legenen Gehölzen auszgezeigt und 
abgegeben werden«. Vergleich 
V. 1699. Zu Grimm Wb. I, 1542. 

BESCHAID tun, vom andern 
trinken oder doch dergleichen tun, 
als ob man trinke (Zünfte). Be- 
schaideszen, das. > Hiemach 
ward allhie das stattliche Pauket, 
so die Burgermeister u. Herren des 
Rates järlich vmb Fasnacht zu hal- 
ten und davon hin und wieder Ge- 
richt u. Bescheideszen ausz- 
zusdiicken pflegten von dem Rat 
abgeschafift<. Gass. Grimm Wb. I, 
1558. 

BESGHÄZZERIN von Schaz? 
>Swa aber ein man eins biderben 
mannes wibe ein hure heizzet 
oder eins biderben mannes nif- 
tetn oder siner beschezzerin 
oder sust einem biderben frewe- 
lin, der ist schuldic u. s. w.< Augsb 
Stadtrecht f. 50 a. S. 1. Glosse. 
Sonst >beschazen<, ein Löse- 
gelt auferlegen? Städtechroniken I 
(Nürnberg) 32,11. 368, 15. 

BESCHEISZEN, stv.: 1) be- 
flecken, beschmieren. >Wir ha- 



56 



BesdilMiit — BMemi. 



bend dein Rock mit Lanmierbliit 
beschiszen<. GeistL Josef 1608. 
2) >be8chiszen8ein<, denAosz- 
schlag im Gesicht haben; oberpf. 
somerflekig sein. 3) lügen, he- 
trögen; daher: Beschisz, stm. 
List, Betrag; > damit der Feind 
den Beschisz nicht merket <. 
Troj. Krg. f. 37 b. Aecht Augsb. 
vom Eartenspile hergenomen ist: 
Der Beschisz 
Komt auf den Tisch. 
Im TN.: Wenn du ietz din Sei 
tuost masgen und beschiszen, 
So dust sin moment wieder wiszen. 

V. 899. 
Wer ist komen min wiszen, 
Mich hatderTüfel bes<;hiszen. 
V. 895. Grimm I, 1560. 

BESCHLACHT, ntr.: ein mit 
eingeschlagenen Pfölen yerwartes 
Ufer. Grimm Wb. I, 1570. Sonst 
Schlacht und Gschlacht. 

BESCHLAG,stm. U.BESCHLÄG, 
stn.: Schlieszhacken am Buche, 
besonders an Gebet- u. Gesang- 
büchern, womit die reichen alten 
Augsburgerinnen oft ser groszen 
Aufwand machten; endlich heiszt 
B schlag, Schlieszhacken über- 
haupt an Türen, Toren und 
Schränken. Vgl. Beschlacht. 

BESCHLOSZEN. »Ain ander 
clayd schikt St. Ulrich gen Kemp- 
ten ainem frumen beschloszen 
und lamen Kann, Namens Rozzo«, 
cgm. 402 f. 81b, 

BBS(JHNALLKN, twv.: 1) Je- 
mand unvmrmuiM> zu Red« stellen, 
hart anfareri w^en Unarten. 
ü) einen um tfimu foMr«dm, h^ 



sprechen, wms imWirtembJBc^Ewab. 
braffeln heiazt. Zu GnmmWb. 
I, 1586. 

BESCHNARCHEN, smr.: bere* 
den, aufatechen, z. B. emes aie 
dem Fekr; im WirtemK S^Kwa- 
ben bschnarchla. >DiogeiMS 
derWeltbeschnarcherf.Ebpen- 
fest 1699. Grimm Wb. I, 1606. 

BESCHNOTTEN, »dv.: 
zurdchend, karg. 

BESCHBEIBEN, stv.: a 
aufnemen, ansz^ndoi. >I 
die Schuldner gen Augsburg nad 
lieszen all sein Hab und Gut wr* 
bieten und besehreiben maf 
disen Tag, da dear Hof ammtar 
Freundschaft war«. Horm. 1884. 
S. 131. Zu Grimm Wb. I, 1593. 

BESEHEN, stY.: des KmdM 
warten^ davon Beseherin. >Uiid 
solicher Ding aller sol die Be- 
seherin des Kinds warnianeu«. 
cgm. 601 f. 96. Im ganzen Ober- 
schwaben ist besehen, bsefi, 
Fachauszdruck für >Hausscifcam 
halten«, die dem Heiratatage 
im Hause der Braut yoranget, >iiff 
Bschaob«, sonst. In der ofoem 
Donaugegend bedeutet bseha, 
dem neugebomen Kinde Ge- 
schenke bringen, femer die 
Wöchnerin besuchen, wie 
Verwandte tun (Mengen). Zu. 
Grimm Wb. I, 1611 ff. 

BESEZEN, swY.: den Hemd- 
saum am Halse einfaszen, darzn: 
das Bsez, dise Einfaszung. In 
rechtsaltertüml. Formeln komt 
¥or: »An Besuchtem und Unbe- 
•«ebte», Erbauens und Uiiei> 



Bmagea — Besteok. 



87 



banens, Besezes und Unbe- 
seztes, Benennts und Unbe- 
nennts n. s. w.< Cod. Bav. 2517. 
Grimm Wb. I, 1619. 4. Besez- 
tes, Beseszenes. 

BESINGEN, Btv.: Trauergottes- 
dienst abhalten, exequias celebrare. 
AUgem. »In der Fastwuchen 
(ward) Pfalzgraf Philipps seinen 
G^nachel, Frau Margaretha, H^- 
zog Jörgen von Bayern Schwester 
besungen gar köstlich«. S. f. 
900 b. Besinknus, exequiae, 
Trauergottesdienst mit Hochamt, 
gesungener Messe, oberpfalz. das 
Singets. >Damit hat sich dise 
Besinknus geendt<. S. 183b. 
>AnSi Marxtag ist die Besink- 
nus des Cardinais begangen 
worden«. S. 180b. >Dise sind auf 
der Besinknus gewesen, des 
Pabsts Botschafter«. S. f. 265 a. 
»Auf Kaiser Fridrichs Besink- 
nus«. S. 254b. >Wie der Kin- 
der Alexandri Besinknusz ge- 
halten worden«. Troj. Krg. 46a. 
Der Tod Gustav Adolfs 1633 ward 
durch eine >feierliche Be- 
sinknusz« bei St. Anna öffent- 
lich betrauert. Grimm Wb. II, 
1621 ff. 

BESTÄTEN, swv.: bestätigen. 
Grimm Wb. I, 1615 ff. mhd. be- 
staeten. »Kaiser Sigmund hat 
sye ayme Rat das Umgelt von 
dem Wein best*^tt, das davor 
nit bestett ist gewessen«. S. 93. 
Güterbestätten, Bestatter, 
ordentliche Bestatter, in der 
Hallordg. 1785 öfter. Mit be- 
statten, sepelire zusamengewor- 



fen ist bestätigen, vgl. Grimm 
Wb. 1,1658. »Zur Erde bestet- 
tigen«. S. f. 77a. Die Blau- 
beurer Klosterordnung hat >den 
Wein einlegen und bestatten. 
Reysch. St. R. S. 35a 

BESTAND, stm.: Miete, Pacht, 
wieallgem. Verb 's tan den, ver- 
pachten und pachten. B 'ständ- 
ner, Pächter. Bestandsmann, 
Kemptner Reform. Bestands- 
briefe a. o. 0. Grimm Wb. I, 
1652. 4. 1653. 

BESTECK, stn.: Messer, Gabel 
und Löffel. Wolhabende Bür- 
gersfrauen trugen sie einst, in 
ein silbernes Futteral gesteckt, 
am Gürtel — den bayerischen u. 
teilweise auch den schwäbLnshen 
Bauern und Burschen stecken sie 
noch jezt in der äuszern Hosen- 
tasche am Oberschenkel. >Item 
seind ihnen — dergleichen Mea- 
serschaid oder Bestock zu 
tragen erlaubt, oder wann sie 
die silberne Gürtlen ganz weisz 
tragen wollen, solle das Loth 
über 1 fl. oder 16 Batzen nicht 
kosten, auch ein solche Leibgürtel 
über 24 Loth und die Messer- 
schaid oder Bestock über 24 
Loth nicht wögen«. Eleid. Ordg. 
1668. »Gegoszne Messer- 
schaid« a.a.O. »Hingegen aber 
ist den Weibspersonen one Vnder- 
schid vergundt, die silberne Fla- 
schen- oder Banzer-, wie auch die 
Gusz- oder Riemengürtlen sambt 
einer geraiffleten Messer- 
schaid oder Bestock doch 
beede Stück zusamen nioht über 



58 



Betnobbel — BetUl 



25 oder SO fl. wert, zu tragen 
bei Straff der Uebertrettung 6fl.* 
a. a. 0. Vgl. Grimm Wb. I, 16Ö4. 

BETNOBBEL, f. : Betschwester, 
scherzhaft, verächtl. Allgemein. 

BETLEHEM, spaszhaft >nach 
B. gen«, zu Bette gen; besonders 
in der Eindersprache. In einigen 
Gegenden Wirtembergs hat der 
arme Orts- oder Stadtteil, meistens 
abgelegen, den Namen Bethle- 
hem; ich erinnere mich an den 
bergigen Teil der Altstatt -Rot- 
weil u. s. w. 

BETHENBROT , BETTEN- 
BROT, Botenbrot, die erste Bot- 
schaft von einer glücklichen Nie- 
derkunft. «» 

BETT, >das Bett auf den 
Kopf geben <, ausz dem Dienst 
entlaszen. Dr. G. Müller. 

BETTRIS, paraliticus, krank. 
>Der ich vom 7. Nov. 1656 bis 
21. Mertzen 1567 ain böttrisz 
was«. Kleiderbüchl. S. 120. >In 
denselben Zeiten war ain bött- 
risz gefurt gen Augsburg, der- 
selb böttrisz war getragen in 
die Kirch«, cgm. 402 f. 62. >d6 
kam ein bette rise und ruft da 
Sant Jacoben an«, cgm. 257. f. 
73. >Al80 dasz er betrisz lag 
wol 20 Wochen«. Augsb. Ausz- 
gabe von Tauleri Serm. f. 220 a. 
a. 1508. ahd. pettiriso, Graff 
n, 541. Grimm, Wb. I, 1788. 
Pfeiffers, Arzneibücher 11, 16 d. 

BETTSTATT, ewige, hiesz 
in der Augsb. St, Jaoobepfründe 
ein Freiplaz, eine Freikammer. 
A. 1367, d. 28. Juni kaufte Jo- 



hannes, der Goppolt und vob 
den Goppolt'schen Erben Christof 
Rehlinger vonHorgau eine solche 
ewige B. Eline zweite ewige 
B. hatten schon in frühester Zeit 
die Herwarte eigen und eu ward 
inen am Aftermontag nach St. 
Johannistag diso Gerechtigkeit 
erneuert. In einem Ratschlage 
vom Ende des 15. Jarhd. ist toü 
8 solchen ewigen Bettstätten 
die Rede und dise besten aiudi 
gegenwärtig noch nur mit dem 
Unterschide, dasz die Herwartawdie 
jezt von der Stiftungspfl^^ be- 
sezt wird, da die Familie selbst 
in Augsburg auszgestorben ist; 
die dritte Freikammer ist die 
Imhofsche; a. 1567 zum ersten- 
male erwänt. Sieh Herberger, 
die St. Jacobspfründe, S. 6. An- 
merkung. Bettscheere, swf.: 
Bettzange von Holz zur Eingrto- 
zung und Zusam^ohaltung des 
Oberbettes. Landsch. Adam sagt: 
Und lasz a maul dei Zung in Buah 
Sust schlag imitderBöttscheer 
zua! Seh.- 
BETTEL. >Bettelherr<^ter- 
minierender Klosterbruder. Bei- 
telmanns-Umker, ein Ort voll 
Unordnung und Unreinlichkeii, 
und wo nichts zu finden und xm 
haben ist. AUgem. schwäb. ist 
>Bettelmannseinker« ^ wo 
etwas zu haben u. zu finden ist. 
Häufig von zweideutigen Häusera 
gebraucht Die Polizeiordnungea 
kennen: sich auf Bettel legen, 
dem Bettel Kinder nach- 
schicken u. 8. w. 



Beug, Beig--^B6inte, Bmmde, Baindt. 



60 



BEUG, BEIG, 8wf.: Holzfitosz; 
beugen im Wirtemb. Obwschwb. 
gefraszig tun, vil eszen oder trin- 
ken >dear ka beuga< vom Holz- 
beigen hergenomen; ahd. pigö, 
piga, Graff III, 32. mhd. bige, 
Wb. 1, 117. Schmell. L 158. Grimm 
Wb. 1, 1871. Kebrein, Sammig. 88a. 

BEÜNTE, BEÜNDE, BAINDT 
ist ursprünglich jeder einge- 
fangene, umhegte Wisgrund, 
der später auch dann jenen Na- 
men behielt, als die ümhegung 
fiel. Ich vermute sogar, dasz B. 
in den frühesten Zeiten die ganze 
eingehegte Flur um den Hof be- 
griff; so heiszt in ürsendorf jezt 
noch jedes Ackerland beim Hau^e 
B o i n t, ebenso verblieb demHaus- 
gärtchen hinter dem Hofe in der 
Oberpfalz die Benennung Point. 
Die Ableitung ist schwierig, wenn 
auch oft versucht. Ich halte esz 
zu dem Stamme bah, welches zu 
fak sich verhält, wie fairguni 
zu Berg, und verweise auf das 
lat. fundus und funis, dem 
biunda nach dem Lautverschie- 
bungs-Geseze entsprechen musz. 
Die heutige Auszsprache im baye- 
risch, und wirtemberg. Schwaben 
69 und 6e, gotischem äi mit fol- 
genden m oder n entsprechend, 
läszt sich mit eu ausz altem iu 
umgelautet, nicht vereinigen und 
dasz die Mundart in disem ur- 
schwäb. Worte felerhafb sei, läszt 
sich nicht wol annemen; Graff 
III, 842 und Schmeller I, 288 
ziehen angels. pyndan herbei; 
dises aber müaste süddeutsch 



>pfünden< lauten. Nemen wir 
geg^i die Mundart Beunte an, 
so müszte im vihner ein goti- 
sches biundj 6 entsprechen. Wir 
müszen wol 2 Wörtw desselben 
Stammes vorauszsezen, auf denen 
unsere erhaltenen Beispile beru- 
hen ;einbiundjou. einbaindjo. 
Die MB. XXn, S. 725 haben: 
pongarten, an p e u n t e n, an egem, 
anangem. S. 81: Tunebiunton 
0. N. S. 50: Wato de Gengin- 
biunte. S. 54: Ruox>reht de 
Pholespiunt u. s. w. (Augsb. 
Urkunden.) «An Angern, Egerden 
und Baindten« cod. Bav. 2517. 
Als Flurname kenne ich ausz dem 
wirtemb. Schwaben : B u n d e >eine 
Wiseinder Bunde«, Bebenhaus. * 
Urkd. 1319 bei Schmid, Pfabs- 
grafen 404. »Zu Stetten in der 
Bundtflur N. im Mülheimer 
(a. D.) Urbar S. 59. »Wegen des 
Hafenmeyrs Baindl im Stift«. 
Kempt. Gonfirm. 71. Boad heiszt 
eine eingehegte Wise bei 
Niederhof en; Boit ist in der 
sog. Göge. Bei Jeremias Gott- 
helf ist Bäunde eine Hanf- 
pflanzung. Vgl. Schmid 58, der 
an binden erinnert. Gramm. I,^ 
190. 190. 192: wo Grimm fragt, 
ob piunt nicht zusamengezogen 
sein dürfte und an das dunkle 
bijands (Gramm. HI, 127) er- 
innert. Förstemann, die deutsch. 
Ortsnamen S. 80: »Der Acker 
wird gebaut und zum Bauen ge- 
hört ahd. piunt«. Eehrein Samm- 
lung 40. Grimm Wb. I, 1747. 
Mhd. Wb. I, 181a. Stadtechro- 



60 



Beutel — Beweren. 



nikl, (Nürnberg) Wb. 482 b. Wei- 
gand Wb. 1, 145. Ich kann nicht 
umhin dem aUgem. schwäbischen 
verboint, verboet seine Stelle 
hier anzuweisen. Das Adj. bezeich- 
net eine Person oder Sache, die 
einem unzugänglich, verschloszen 
ist, sei esz bei Personen die we- 
gen Falschheit oder Ueberklug- 
heit durchat»sz nicht unserem 
Wunsche entsprechen, bei Sachen, 
die uns unerreichbar oder erreich- 
bar aber ungenieszbar sind, etwa 
verpönt. Dem Fuchse in der Fa- 
bel ist die zu hoch hängende 
Traube >verbaint<; dem Jun- 
gen ist seine Gaiselsohnur, die 
zu lang, in selbst ins Gresioht 
trift >verbaint«; dem Nebel- 
mann am Federsee ist das Nebel- 
glöcklein des Grafen Stadion ver- 
baint, weil esz in beim Lauten 
an den Kopf schlägt, wenn er 
schaden tut. Volkstum! . I, 360. 
No. 580. Wbl. S. 88. Schmell, I, 
178. Pfeiffers Germania IV, 44. 
Ich erinnere an >verfeimt< und 
Vehme: die Wörter sten sicher- 
lich zu einander. Ein Beispilbei 
Gass. >Und demselben trotzigen 
verbeinten Bischof solchen jren 
Abschid durch jre Abgesandten 
alsbald zu wissen getan < u. s. w. 
S. 158. Bei Conlin: >das ver- 
bainte, Erabschneiderische und 
nicht weniger Rachsälige Weib«. 
Das Volk lente sicherlich schon 
frühe an B a i n an, wie bei Schmell. 
a. a. 0. zu ersehen und wie auch 
Conlin >stainig und verbaint< 
zusamensezt. 



BEUTEL, stm: ein wollener 
Sack in der Müle, durch welken 
der Meistaub geschüttelt wird, 
mittellat. buletare, frans, blater; 
der Beutel selbst buletehur, Irai- 
tellus, franz., bluteau. Grimm Wb. 
I, 1751. >B6utelBcheib am 
Müleisen befestigt, 6 Zapfeii, 
welche man Beute Ikropfen 
oder Beutelkammern nennt« 
J. Fanlhabers Haus- und Hand- 
mülin 1617. Augsb. bei Frank. 
>Under sich gekert, da jeder swen 
zoll lang ist, die sehlagen im Um- 
treiben an die Beutel zun gen 
oder den Elopffer des Bentel- 
steckens am aichin Welbenm» 
lin, welches uf dem Beuteleteg 
eingezapft ist« a. a. 0. Vgl. 
mhd. Wb. I, 190a; ahd. b4til, 
Graff ni, 86. 

BEUTELN, spr. baiteln, zu 
Beutel, Baitel: durchprügeln; 
auch altbayerisch üblich. 

BEUTEN, swv.: berauben. >ünd 
weil er ihn beuten wolt, kam 
Achilles darüber«. Troj. Krg.73a. 
>Diser Beuterich ein Gauner«. 
Gass. 124. Grimm Wb. I, 1758 ft 

BE WARTEN, stv.: abwarten. 
>Auch sol man die Kinder be- 
w arten vor fallen, darum man 
nit einig laszen soll«, cgm. 601 
f. 98 a. Zu Grimm Wb. I, 1767. 

BEWEREN, swv. armare. Grimm 
Wb. I, 1776. >ünd vom gesam- 
ten Rat vor notwendig erkannt 
wurde, dasz die Bürgerschaft 
weiter bewört werden solle, so 
solle eine Gleichheit in Ausstei^ 



Bdwcnran^ -^ Bier. 



61 



lüng des Gewörs sein<. Akten 
18. Jariid. 

BEWERUNG, f.: Bewaffnung. 
> Vogtbare Gilt- und Zinsleute 
sollen bei Bewerung der Un- 
tertanen, one des Kats Consens 
damit nicht beschwert werden«. 
> Gleichheit der Bewerung der 
Bürgerschaft«. Akten 17. 18. Jarhd. 
>Bei furzunemender General-Mu- 
sterung und Bewerung der Un- 
tertanen < a. a. 0. 

BEWEINEN, sich, swv.: sich 
betrinken. Der Pfiründenmeister 
Reszler ward von seinem Amte 
entlaszen >in Ansehung, dasz er 
sich nit allein vbel beweint, 
sondern auch der evangelischen 
predig und leer äuszert und dem 
Pabsttum anhängt«. Herberger's 
St. Jakobspfründe S. 19. Grimm 
Wb. II, 177. Beweinung, die 
1) Trunksucht; 2) Trunkenheit. 
>ünd wer Anzeigung und Schein 
der Beweinung, esz sei mit 
Worten oder Werken, von ihme 
gibt, der sol on mittel in das 
Narrenheuslin gefürt werden <. 
Der Stadt Augsb. Beruf 1541. 
f. 3a. Ueberwinen, beweinen, 
sich. Offenburgisch, alamannisch. 

BIBER, stm.: wälscher Hahn, 
»wie ein B. so rot« über und 
überrot. Vgl. Schmell. I, 291. 
Als wie a Biebhenn steigt er 
hea. Seh. 204. 

BIBELHÜSAR, scherzhafte, oft 
abweisende und spöttische Be- 
nennung dessen, der für jeden 
Fall Bibelsprüche hersagt. 

BIBER, volkstüml. furBibur g, 



0. N. urkdL Biberin, Bibern 
1178. Bibertäle, ebendaselbst. 

BIBRACH, bischöfl, Augsb. Ort- 
schaft »Bibracher Feld«: »Da 
man dann den 12. Augusti auszer- 
halb der Statt bei dem Galgen^ 
auf dem Bibracher Felde, 
daher man's noch den Bibrachi- 
schen Zug heiszet, reich und 
arm durchgen laszen<. Gass. HI, 
56. Ueber die Ortsnamen mit 
Biber — sieh Förstemann, S. 145. 

BIEGEL, BIEGELE, Winkel, 
Ecke, zu biegen und Bug. »Die 
Elayder seiner Tochter, die er 
in einem piegel oder Winkel 
behalten hatte«, cgm. 252 f. (60. 
»In Winkhein und schlupf- 
büegelln<. I Hand. Ordg. v. 20. 
Juni 1601. R. XII, 566. Esz gibt 
einen Stubenbiegel, Kam- 
merbiegel u. — ele, Kuche- 
biegele. Schmid 67. 

BIENE, f : Bühne, »auf einer 
hohen Binnen im Tanzhause«. 
S. f. 197 a. Mhd. Wb I, 277 b. 
An den Stall reihet sich beim 
oberschwäb. Hause der Tennen*^ 
an disen der Schopf, auch Un- 
terbinn genannt mit der Binn 
(Heueinlage) darüber. 

BIER, das Augsb. B. spilte 
einstens eine grosze Rolle; noch 
zu Anfang dises Jarhunderts be- 
sasz die Stadt Augsburg 90 — 95 
Bierbrauereien, von denen wol 
noch */8 Teile an Zal existieren. 
A. 1817 machte ein Weiszbier- 
brauer König den Versuch mit 
Haberbier, aber nur kurzeZeit 
und esz gieng im wie dem 



S2 



Bieten — Bild. 



Waizenbierbraaer, der an- 
fangs der dreisziger Jare anf- 
tanchte und bald wieder sein 
Geschäft aufgab. Bier gehörte 
einntens zu den stenden Abgaben 
an das Kloster St. Ulrich und 
Afra; das Giltbach cgm. 154 f. 
8 b und öfter tut dessen Ei^Krä- 
nung. Als Arznei oder als ge- 
sunden Trank überhaupt empfiehlt 
eine alte schwäbische Vorschrift 
Astron. f. 9 b. > Trinke nit vil 
Wins, esz sige den frischer 
Bier oder Mett maktu tirinken«. 
Biermalzeiten werden hin u. 
wieder angefart: »Solle ein Pf alz- 
pr^fost für sich und die Seinige 
zu seiner Notdurft Bier ein- 
legen, und davon seinen an- 
körnenden Gästen neben dem Wein 
auch begeren ein Bier auftragen; 
wie auch sonsten pfalzfahige Bo- 
ten und Diener auf der Malzeit 
ebenfalls mit Bier abspeisen dür- 
fen, aber Niemand Biermalzei- 
ten gebenc. Vergleich v. 1642. 
Gewallenes Bier komt auf dem 
Speisezettel der St. Jacobspfründe 
nach der Ordnung v. 1642 vor. 

BIETEN, B^.: vorladen, Ge- 
richtssprache, was nhd. entbie- 
ten ist; befehlen, heiszen vom 
Richter; im Augsb. Stadtrechte 
komt vor: enbieten >vnde sol 
ieme enbieten , daz er dar 
chome« f. 32 a. >er welle im 
recht bieten< a. a.O. für wieder- 
farenlaszen,of ferre; fürpieten 
a. a. 0. Biet gelt >dem Waibel 
etliche Bietgelt, »dem Mailing 
Bietgelt«, Lon für das Vor- 



laden, Bieten, noch heate in A. 
Bietbazen. In den Ifesg^er- 
akten komt ein Bfteth&ntfel 
vor, was wol zu Hut, behüten, 
bhüeten, nicht aber zu bieten 
sten dürfte. In der mittlem Ne- 
kargegend heiszt esz: >deam hit 
ma bota«, »der Sdbüts h&t Hn 
bota«, der Schuhisz h&t im bota 
u. s. w. Praes. ind. i bftt, da 
büt§t, ear büt, mier biete u. e.-w. 
>In die piet nachkomen: ao< 
tor debet sequi forum rei. »Wer 
jemand wil m^it dem rediten xa- 
sprechen der sol d^tn aber-, dem 
er zuspricht nachkomen ia' die 
piet oder für den Bichteri, cgaa. 
345 f. 2a. Grimm Wb. 11, 6 ft 
BIGLE, BÜGLE zu Bug ge- 
hörend und an dessen Stelle alt« 
augsb. gebräuchlich: das vordere 
Viertel des Kalbes. 

BIHEIZZUNGA, oonjuratio. 
Gloss. August. 

BILD , in Zusamenseznng 
Mannsbild, Weibsbild, iia 
guten wie im bösen Sinne dareh 
ganz Süddeutschland üblich, baye- 
risch vorherrschend im bösen 
Sinne. »Doch verendrent sie eich 
und verlaszen Kind so in ir Ka-> 
tur wächst als Frauenbllden 
die Brust u. Mannspilden der 
part«, cgm. 601 f. 106a. >Siiif 
der so in ir Natur wächst als 
Frauenpilden ir Kranklieit 
und Mannspilden der pait^ so 
verlaszt das OBrenrinnen die Eind 
von im selbs« f. 116. »Unter 
allen Mannsbildern (St. Jo- 
hannes) die bishero von Weibom 



Bilerle — Bistal. 



6S 



geboren«, Erenfesi 1699. >Afra 
war zwar ein Weibspild aber 
von kdnigl. Geblüt« a. a 0. 
>Franenbildenkomentzairem 
Alter um die 12. Jar, Manns - 
pilden um die 14. Jar«, cgm. 
601 f. 116b. üeber die Verbin- 
dung des Adj. weiblich, männ- 
lich mit Bild, früher häufig, 
vgl. Schmid Wb. S. 67. Grimm 
Wb. II, 11. SchmeU. I, 170. Red. 
A. >dan wead's it üble Bildle 
tra'i, üble Folgen haben. Seh. 

BILERLE, dim. zu Biler, das 
eben herauszstoszende Kindszän- 
cfaen. >So soll die Hebamm dem 
Eand greifen in seinem Mund und 
soll ein Rosenhönig oder sonst 
ein Honig an den Yinger strei- 
chen, damit sie dem Kind die 
pücheler, den Gaumen und die 
Zungen beraiten soll«, cgm. 601 
f. 96 a. >So gab man im dester 
mer Musz, doch merk, dasz man 
dem Kind die püler nit mit. 
heiszem Musz yerprenn; wann 
von den heiszen Muszen gewin- 
nen die Kinder in dem alter bös 
zan« a. a. 0. f. 102 a. >Nun so 
z^id wellend anfigan, so statt 
Kinden manigerlai zu als ge- 
schwulst und die püchler und 
den Hals; auch werden sie gern 
durchpruchig und so die 
puchler anvahoid zu schrinden, 
so sol man's den Kinden reiben 
mit Salz und Uönig, wann esz 
nimt im die we und kräftiget 
die püchler. — Und später sol 
man die püchler inreiben mit 
Uasenhim< a. a. 0. f. 108«. 



»Wenn die piler swerend«, cgm. 
317 f. 6 b. >Esz werden auch 
von den Weibern der Kinder 
Bühler und Zahnfleisch, mit 
Hahnenhirn gerieben, damit sie 
desto leichter zahnen«. Gokelius 
S. 24. In München: Zahnbi- 
ler, pilar, bilar. Pfeiffers 
Arzneibücher II, 7 c. 12 c. Schmid 
105. Schmoll. 1, 168. InBauchert's 
Rotweiler Mundart ist bilger 
S. 18 aufgefiirt mit unorgani- 
schem g, was unrichtig: g ist 
vilmer ursprünglich, weil die 
Wurzel balh zu Grunde ligt. 
Der Zusamenhang mit Bille, 
Flachhaue für Müle und,, mit 
Beichel ist klar am Tage; nur 
musz mer als eine Grundform für 
einzelne süddeutsche Landstriche 
angenomen worden. Vgl. Grimm 
Wb. II, 24. 25. 

BILLIGKEIT, Wolfeilheit >der 
B. nach«, Kleiderbüchl. 

BIBZEL, stm.r Steisz bei Vö- 
geln, in dem die Schwanzfedern 
stecken. 

BISEN, swv.: durch Zischen 
rufen. Vgl. mhd. Wb. I, 168 a. 
In Oberschwaben wird noch ganz 
der mhd. Sinn damit verbunden 
und sonst keiner : schreiend, lech- 
zend springen vom Vieh, das mit 
aufgerecktem Schwänze Schatten 
und Waszer 43uchend, daherläuft, 
besonders aber geplagt wird von 
Bremsen. D^rra, Oberschwb. 

BISTAL, stn.: Türpfosten, 
Vorderhaus. >Swer dgn andern 
sagt — slet er nach im in daz 
bistal oder in die tüf<, Aug«b. 



64 



Bit — Blater. 



Stadtreeht f. 47 a. Bei Jeremias 
Gotthelf: Fensterpfosten bei 
der altem Bauart, die je 2 nahe- 
stende Fenster durch einBistal 
schied. 

BIT, stn.: 1) der Saft, den ein 
Insekt beim Zertreten oder Zer- 
quetschen von sich gibt, bayerisch 
Baz. 2) der Saft, der beim un- 
ordentlichen Eszen ausz dem Mund 
läufb; niederschwäb. der Driel, 
die Drielete. 

BIZE, swf.: Liebkosewort for 
Kazen; Bizele, ebenso häufig. 

BLÄEN, swv.: blauen, blau 
machen, von der Wasch. 

BLÄHE, swf.: 1) grobe Lein- 
wand über Wagen und Schiffe. 
2) Wagen, Für selbst. Grimm 
Wb. n, 60. >Er sol auch nemen 
von ainer blähen salze» vier 
phenninge«. Stadtr. f. 6b. >In 
win faszen ald in blähen«, Mem- 
ming. Stadtrecht. 3) Bodenteppich. 

BL AIGHE, die, spilt bei der alten 
Weberzunft eine grosze Rolle; esz 
gab eine oberen, untere B 1 a ich ; 
einen Blaichmeister, einen 
Blaichschreiber, Blaich- 
knecht, Blaichumgelt, eine 
Abgabe an die Stadt ; das B la i ch- 
zeichen komt in den Weber- 
hausakten vor; esz gab eigene 
selbiges betreffende Vorschriften. 
Auf beiden B laichen waren 
Blaich Jungfern die weiblichen 
Bediensteten, welche die Lein- 
wand in Empfang zu nemen, mit 
zu registrieren und bei der Ab- 
holung herzugeben hatten. Beide 
Bleichen sind jezt eingegangen. 



BLANGEN, BELANGEN, «k^ 
Verlangen haben, >iB b laufet'«« 
allgem. oberschwab. »Jerosaleni 
do blangt sy hinc. FelixFabar 
f 3b. >In Orient stat die gr^gni, 
zuder fast b lange teuoh«. f.8b. 
»Vns planget ser vfifo Lande f. 
24a. »Und wenn die Mättre» 
planget, so ir Kind nit pald 
gend, wellent, so tiede mait-8tett< 
gel«, cgm. 601 f. 115. >plangea 
tut mein herz«, >mioh planget 
nach« u. s. w. Hatzlenn I, 52. 
1. I, 15, 67. 

BLANTSGHEN, pL: 1) Süber- 
barren, »Etliche B. Silber wMä 
Gold«. Gass. 2)8ohwaEen; snbst. 
Blantscherin. MindeltaL 

BLÄSTIG, adj.: ichwerfilllig, 
körperlich unbeholfen. Im Troj. 
Krg. Bl. 68 a, stet >NeoptolemiM 
grosz, giftig, plastig, schlur» 
kend«. Schmid 73. Im Mhd. 
öfters vorkomend. 
. BLATER, ahd. plädara. Blir 
terhaus, an der Oblaiertor- 
Mauer hinter der St. Mazkirohe 
zur Aufiiame von Blatterkninken 
bestimt, ward im 1. Zehent 
dises Jarhd. aufgehoben «nd^ist 
jezt im Privatbesize. UrkuidL 
erscheint Bladerhaus (Fe»i- 
kalender), Platherhaus. »Hye 
im Platherhaus sind gegen 
100 armer Menschen, die hat 
ein Rat versechen, bis sie wieder 
sind gesund worden«. S SOSbw 
Bei Gass. »Blatterhaas oder 
Brechhaus. Red. Art: ^Hemit 
redt' ebber von mier, iez ist 
mein Zung vola Bl&tara<^ 



Blftttle — Blizgen. 



65 



BLATTLE, ntr,: wie aUgem. 
das Lokaltagblatt. 

BLATTER, 8tn. pl. : viereckigte 
bunte Schnupftücher. Kleiderbchl. 

BLÄTTER8EZER, nach den 
Weberhaasakten eine znr Weber- 
znnft gehörige Klasse von Arbei- 
tern, welche die Messingblättchen 
zum Einschlag der F&den für den 
Webstnl zu verfertigen hatten. 
Emals waren esz ital. Schilfblätt- 
chen. 

BLÄTTER-EID: »Item jr wer- 
dend globen das jr nyeibandvon 
Eurentwegen in khain Webstat, 
Markht oderFleckhen khain Ge- 
schirr, plat noch khannen, so der 
Angsburger Geschan an praitin 
und anZal gleich und gemes sei, 
nit machen wollend; dasz jr auch 
alle Fneszarbeit wollend machen 
rechteMaisterpraytin n.die geerb- 
ten Ziechlin Geschnüerlin rechte 
gewürfelte Ziechprftytin«. 1549. 

BLAU, >b lauer Montag«, für 
>guter Montag«, ist mir in den 
Akten einmal, wol aber hie und 
da im Yolksmunde vorgekomen. 
In einem Erlasz Kaiser Josefs U, 
von 1772 an Augsburg ist der 
> b 1 a u e Montag« auszdrücklich ge- 
nannt.Blau Himmelamt, gehei- 
mes Strafamt bei Reichsstadtszei- 
ten. Da musten die auszer der Ehe 
Geschwängerten nach Verhältnis 
ires Vermögens eine Geldstrafe 
erlegen; der Name blieb ver- 
schwigen; darum geheimes 
Straf amt. Bläe, Stichelname 
der Meitinger. Blau sieder 
heiszen die Dinkelsbühler. 



BLAUNK , a^j. : furchtsam, 
scheu. >Do ear it blaük und 
kurzweg bsonna«. Seh. 246. 

BLEANK, swf.: stets unzu- 
fHedene Weibsperson. 

BLECHEN, 8WV.: unfreiwillig 
vilesGeld erlegen müszen; neuds 
Wort. Schmoll. I, 284. 

BLECBJSN, swv.: weinen. 

BLERCHE, swf.: >krütble- 
archft4 die Deckblätter dea 
Krautkopfes. Sonthofen. Immen- 
stadt. Bletscha, Niederschwab. 

BLEZ, stm.: 1) Fleck, Lappen, 
Flicklappen; auch bildlich von 
unbedeutenden Dingen. >Da nun 
des Cardinais Diener sahen, dasz 
nu altes Blezwerk da was«. 
S.SdSa. 2) Fladen, Zelten. 8) Lax 
mit Schnürband, farbiger Brust- 
fleck unter dem wollenen Mieder ; 
ältereWeibertrachtauf dem Lande. 

BLICKEL, stm.: Fensterladen, 
auchAugenlid, »Augenblickel«. 
> Madie tua da Bl. neiU Liebs 
Muetter Go ttesle dua de! Blickele 
aufl Stauden. Vgl. A. Bauordg. 
1740. Augsb. u. ganzmittelschwäb. 
Schmid 76. Schmoll, bluckel. 

BLICHI, fulmina. GL August. 

BLIND, in »Blindkuh- und 
Blindmäuslespilen«; oin be- 
kantes Kinderspil, wobei eines 
mit verbundenen Augen das an- 
dere erhaschen musz. Blind- 
tuch? > Reiten durch das Blin d- 
tnch«. S. d26a. 

BLINZLINGEN, adv.: mit ver- 
schloszenen Augen; bei Jeremias 
Gotthelf blinzlige. 

BLIZGEN, blizen mit altem 
5 



Blaaae. — Blume. 



organ. überlieferten g; siek Laut- 
iere y. G. hauptsächlich der ka- 
tholisdien Bevölkerung der ui^ 
tem Stadt eigen. >A. 1499 am 
Donstag nach der escherin Mit- 
wuchen hat esz hye in der 9. 
Stund in der Nacht last feindlich 
plizget und durnet und hat ein 
Fewrstral in den hohen Thnren 
Luginsland geschlagen«. S. 803, 
der das Wort oft gebraucht. 

BLOANE und BLAUNE, sivf.: 
dsr Boden über d. Schenertenna 
BLÖCKISCH, BLECKISCH, 
bauerisch, roh ; v. bl eck e n; »die 
Zane, Zunge hei:z^gBn<, Spott, 
Verachtung. 

BLOCH; stm.: bildlich hie und 
da f&r einen ungelenken^ stör* 
riechen Menschen gebraucht. 
»Luz am Block« hiesz eine alte 
Augsb. Wirtschaft. 

BLÖD, adj.: 1) schwach, be- 
sonders von Frauen wärend der 
Menstruation. Grimm Wb. II, 
ISQj 5. >Darum sol man das 
Kind abmüttern als ob die 
SanguBun sunst krank wäre und 
so ein Sangamm blöd von ir 
selbe ist, je minder ^e dann das 
Kind saugt, desto nüzer esz dem 
Kind ist«, cgm. 601 L 99a. >Der 
Frauen Blödigkeit«, Hauszucht 
und Regiment. 2) von Krankheit 
beideriei Geschlechter. >Siiicaplän 
also wartet z' Venedig blöd und 
krank«. Felix Faber £ a6b. >de8 
Leibs Blodigkeit«, Alters- 
schwäche, Univws. Ordination 16. 
Sept. 1661. R. XI, 147. 3) abge- 
tlMgen, ftuienschanig nm Klei- 



dern, Strümpfen u. s. w. ge- 
braucht. 4) in Fäulnis &ber|eeBd^ 
>blöde Fisch«, Marictordg-. ▼. 
1785. 8. 11. 

BLONZE, swf.: bildHoh e»e 
kurze dicke, unförmliche Gen 
stalt. Bekant ist der StiohdiUMaa 
Blonzen für die Lautnger 
u. s. w., die eine übergroM» 
Wurst im Strudel und BrandüBf 
der Domau warmen woHien, w«il 
sie das Waszer für siedend hiel*^ 
ten. In der Baar ist Bio na e 
eine grosze Schafsblutwnrst. >Mm 
mözget u. wuftot im ganze land, % 
geit übrall p lun zo u. leaberwftfkc« 
Seh. blozafen^ter , ser finater. 

BLOSZIG, spr. bl&as&g, bloM. 
Landschaft. 

BLOSTEN, swv.: FeiadMlig- 
kmt, Verdrusz mit Jemand haben. 
KindersjHradie. 

BLOST WINKELE, wohinei^en- 
sinnige, unfolgsame Kinder mar 
Strafe gestellt werden, bis ne 
abbitten. 

BLÜHE, die, Blute fios. Orimi 
Wb. n, 1&4. >Der hat alle Blye 
der Bäume verderbt«. Blühe »de 
Vesper sieh Vesper. & S84b. 

BLUME, f.: >Der Byfoa ist 
gut den Frowen zu irem sieek- 
tagen, der da heiszet meoa^rw^^ 
esz haiszent die artzat ain bim* 
men von als ein bom on blnme« 
nit Frucht geber^i mag, aM 
mag onch ein wib nit <m die 
pluomen ein Kind gebenn^t^ 
cgm. S84 f. la. >Ist er ir aber- 
weitter, dann zween Gulden ffSgp 
die Kindbött imd ein Paar l 



Blumenbetttoh ^- B«ck. 



•T 



für iren Pliimen «offeben nkkt 
cMskukUg, sie helt*^ dftnn ein S^iiid 
von im geboren«. Uhner Sitt. 
Ordg. 1574. Ueber den Magtnm 
and Blumen vgl. Osenbrfiggen, 
alam. Strafrecht S. 276. 

BLÜMENBESIICH, der, pas- 
ouum, pastio peenaria. Orinmi 
Wb. n, 158. Schmell. I, 286. 
>Doch one präjudiz de« gemaih- 
sehaftlioben Waidwerks und eines 
jeden hergebrachten Yiehtriebt 
and Blumen besä chs4. Augsb^ 
Ywgleich ▼. 1670. >Doch dasz 
den Bierbrauern ir laut Vertrags 
V. 1602 in der BischofiB-Au ge- 
btbrende Viehtrieb und Blu- 
m^nbesuch verbleibt« a.'a. 0. 
>Der Blumenbesuoh in der 
Mehringer Au zu Waidung des 
Bindviehesi. >Blaimgeburo 
tenx, >8chier gar erstorbene Bl. 
erfrischen«. »Mit Farben abwech- 
selnde Bl.« ? Klimmacher Predigt- 
budi. 

MiüNDER, PLUNDER, stm.: 
Gepft«^, Habseligkeiten, Hausge- 
räte. >Fünf Pfimd HaUer, was 
€^ewand oder Plunder« im Ge- 
gensaze zu den Rindern, Rossen 
und Silbergeschirr, die 10 Pfd. 
Heller bezalt. Memminger Stadt- 
recht. >l8t aber esz Gewand 
oder ander Blunder< a. a. O. 
Der Kiszlegger Klosterrodel S. 
38 hat: 2 guett Mentell und sunst 
memgerlei guots Blunder 2 
Ballen in das Haus geschenkt«. 
»Ander Blunder mer« a. a. 0. 
yUnd sunst noch vil guts Blun- 
der« a. a. 0. Des TN. 7301: 



Die Pferd die tuond si lade» * 
Mit dem blunder der da ist 
und lärend trog und Eist -» 
Vgl. mhd. Wb. 1, 218 k Schmid 7». 

BLUTRÜSTIG, eruentus; eine 
Verwundung, so da«s Blut eat 
Erde tröpfelte, wenn eine be*' 
stimte Busze statthaben solltei.^ 
>Da8z siebeyde blutrusiig wur* 
den«. Gass. Blutrünstig ini' 
Stadtr., blutrünsz in der lifin- 
d^h. Reformat.; ahd. ploiruns, 
Graffn,221. Mhd. bluotrunst, 
Wb. II, 721. K A. 62». Eehrein, 
Sammig. 4 b. Osenbrüggen, alam. 
Strafrecht S. 832. 234. 

BLUZGER, stm : >Dreiviertels- 
kreuzer oder sog. Bluzger«. 
Mezg. Akt. 18. Jarhd. Schmeü. 
I, 340 hat >Pluzer, auazgehdlto 
K«^bis, Melone. GrimnrWb. U, 198. 

B0ARHAU6E, f.: aH«r N»me 
für die Rigelhaube (oa:d). 

BOCHSELN, swv.: pulsare. 
Grimm Wb. II, 200. Sdimid 80. 
>daz sie nit furbaz lese, ^ daz 
dei' stule bo c h s e 1 n ein ende habe 
(in der Kapelle), cgm. 168 f. 3b. 

BOCHSTEIZLEREI, STEISZ- 
LEREI. >Dise ^. nam sich dar-^ 
nach an Bochstcizlerei un^ 
grosze Gleisnerei und nam aüe 
Wuchen das hodiwirctig Sacra- 
ment«. S. 228 a. 

BOCK, stm.: »und sobald so- 
liohs besc^cht, so fidlen dent- 
selben andere Oonfeesionisten, 
wann sie schon zuvor etwas än- 
derst dekretim und stimen hel- 
fen, mit einer guten Anzal bey, 
da get dann der Back an, da» 
ö* 



68 



Bock — Bodea. 



Gewiszen musz allenthalben, zu- 
▼orderat in acie sten«. Anü- 
MüUer. >£uien Bock 8chieszen<, 
MeiL Allgem. >In ein Bocks- 
horn jagen (Gass) beengen. Vgl. 
T.. d. Hagena Gennania I, 131. 
Gemein schwäbische Redeweisen : 
Bock, Bocksblut, Bocks- 
krös, Bock sinn ge waren ehe- 
dem Constanzer Flüche. Marmor 
166. Sie hat den Bock, ist stuzig. 
Ehing. Bock, Ortsstichelname. 

BOCK, ein noch nicht mann- 
bares Madchen, daher >8ie hat 
den Bock verkauft«, ist zu 
irenJaren gekomen. >Den Bock 
heimreiten«, ein Mädchen 
Nachts vom Tanzboden heim- 
füren. Bocksreiter, Teufel. 
Bockssprung, agilis in sublime 
saltuB. Im Liede vom geistlichen 
Josef, Basel 1608, Schröter: 
Er ritt dorther gleich wie ein 

Bock 
Und ist stolz über d'Maszen. 
Beizebock, ebenfalls Teufels- 
name, cgm. 345 f. 77a. Book- 
stein, Beutelbock sieh WbL 
S. 19. Holzbock, Augsb. Fa- 
milien Name, Luc. Bern S. 13. 
Bockisch, adj.: widerspenstig, 
stuzig, >bockisch, stolz und 
eigenwillig gewest«. Luc. Bem 65. 
Vgl. Schmid 83. 

BOCKELN, swv. : eine Art Kar- 
tenspil, wobei ein Brett mit läng- 
licht ovalen Vertiefungen ge- 
braucht ward, über die einige 
Namen des Spiles eingeschnitten 
sind und in die ein beliebiger 
Einsaz gelegt wird, den jene 



ziehen, welche die «hgebtUtottH 
Blätter erhalten haben. V|^ die 
ansifurl. Beschreibg. b. Schmid 83. 
BOCKELHAUBEN, die> gehör« 
ten zur alten Tracht ä&t tclioiieii 
Augsburgerinnoi, sind aber seit 
den dreisziger Jaren rerichvnin- 
den. Bei Beichen von Qoldj bei 
Geringern und Dienstboten von 
Silber, zur Trauer von Stahldrst. 
Die Katholischen begnügtön aiok 
mit kleinem Maschen als die 
Evangelischen, imer aber giengon. 
3 Spizen tief in's Ge9icht herei^pu 
»Und dann sollen inen die schöne 
gestrickte Buggelhaubea bei 
Straff 1 £1. abgeschafiBt, diejenige 
gestrickte Hauben aber, so in, 
40 kr. oder 1 fl. gelten, : erlaubt 
sein«. Kleid. Ordg. 1668. ^hxnelL 
berürt das Wort 1, 152. Schmid 9B^ 
BOCKELMANN, eine viUeioki 
nie existierende Persönlidüceii, 
erscheint in Tänzen ; so sehlieeiit 
einer : (vielleicht ist d.Tod gemeint) 
Wann i doch nett tanza kSn 
Tanz i mit 'm Bockelmi» 
BODEN, hie u. da noch alter- 
tümlich Bodem als Dimin. am 
mittlem Necar, Bödämle, vrie 
Lädemle, Fädemle, Gädemle 
u. s. w. 1) der Haubenbodtou 
meistens gestickt. >Die hohe Bö- 
mische und Polnische Hauben mit 
Zobel u. gut glattsametnen Bö-« 
den<. Kleid. Ordg. 1668. »D%am 
dieBömische oder Polnische Hau- 
ben hiemit zwar erlaubt, jedaoh. 
mit disem Underschid, das« die 
Böden an solchen Hauben, allein 
von geblümtem Samet und ge« 



Bbdawo^st — Boii 



färbtem Mader sein« a. a. 0. lii 
Mederscliwaben jezt schlechthin 
Haubenblez geheiszeni in Ulm 
gab esz etuals Bodenhauben 
mit einem Wulst, hinten mit einem 
Neze überzogen, im Gegensaze zu 
<len Hauben, welche das Haar 
-nicht völlig bedecken. Vergl. 
Schmid S. 81. Bekant sind die 
Häubchen der Rieserinnen mit 
-dem oft silbernen und goldenen 
Bödele. 2) Flosz, >siebenzehen 
Boden mit Holz, mit Dilen, 
Bruckstück, Laiterbäm, Bretter 
nnd Latten geladen«. Donau- 
wörtsche Urkd. 1450. Schmid S. 
SO. 3) der untere Mülstein. 
>Der untere Mülstein, sonsten 
der Boden genant, uff dem ge- 
heusz also um|^ mächet > dasz er 
nicht weichen kann; in demselben 
ist das Müleisen durch einen 
Buchs (wie man^s nennet) satt 
und drang gend gemacht, da- 
mit man den obem Mülstein 
wagrecht richten und perpen- 
dikulariter einspingeln u. spannen 
könde«. J. Faulhabers Haus- u. 
Handmülin. Augsb. 1617. Frank. 
4) Böden heiszen die obersten 
unter dem Dach befindlichen 
Hausräume , Getraideschütten. 
> Geistliche B.< Bodawurst, kleine 
iintersezte, dabei aber kräftige 
Person. >£inen neuen Boden 
legen«, neues Gesinde eintun. 
AUgem. Schwab, und Augsb. ist 
bodabösz, ser bös, schlimm. 
Bodaggen, Kartoffeln. 

BOFEL, BOFFEL, stm.: Pöbel, 
bayerisch Päyel. >Dem mürmü- 



reten BoTel<, cgm. 581 f/ 88b. 
»Weil das Handwerksvolk und 
der Boffel ob dem Tisch ist g«- 
seszen«. S. 362 a. >üeber ain klains 
Weyllin hat sich unter dem Bof> 
fel< u. 8. w. a. a. 0. >ünd sahea 
durch die Fensterklegk hin- 
ausz haimlich was der Boffel 
tet a. a. 0. 365 a »Da ist der 
Boffel das drittemal wieder für 
ein Rat gegangen« a. a. 0. 365 b. 
Vgl. Bafel, verlegene, auszer- 
modische Waare. Schmid 87; 

BOGEND, von Wunden >mit 
scharfem Ort«, >stet aber lernen 
den andern mit cholben oder mit 
schitern oder mit swibin er in 
slet, daz ez ein bogen diu 
wunde heizzet<. Stadtrecht f. 
45 a. Vgl. mhd. Wb. I, 220b. 
Schmoll. I, 158. Schmid 82. Im 
Bayerischen Landrechte ist esz 
eine Stech wunde. Osenbrüg*' 
gen, alam. Strafrecht 233. Auer, 
Glossar z. Stadtrechte von Mün- 
chen. 

BOHNEN, pL: Hausgerätschaf- 
ten von Nuszbaumholz. 

BOI, m. one pl. pannus. viUo- 
sus, vilis, lockergewebter Wollen- 
zeug, deutsches Wort. »Sonder- 
lich aber wird denen von der 
Gemaind insgesamt aller Boy u. 
Crepon zu ganzen Kleidern oder 
Klagmänteln zu gebrauchen ver- 
boten«. Poliz. 0. 1683. S. 128. 
Ital. bajetta. Grimm Wb. 1, 229. 
>Der andern Sort sind gleiche vil 
Als Engelsat, Boy u. Grobgran 
Spint und läszt weben Jedermann . 
Erhard Cellius. 



^0 



Boler — Bombatin. 



Frnch I, 123 b. a^j. bayen, nie- 
derdestech die baje, engl. bay. 
We%and I, 167. Boyweber, 

BQLEB , Schleuder , Wurf- 
maschine. Vgl. ahd. bolom, swy.: 
ttache aufspringen. Mhd. Wb. 
I, 118 a. »Sie hetten auch Schlin- 
gen und Boler, damit sie wür- 
fen gross und klain Siain«, cgm. 
681 f. 67 b. Grimm Wb. I, 230. 
Sohmell. I, 169. Grölet ist ett 
holet Sprichwort. 

BOIiL , swf . : unausEsteliche 
Weibsperson, >eine eade Bell«. 

BOLLE, swf.: Bollen swm.: 
ein runder Körper, überhaupt 
gleich YÜ ausz welchem Stoffe, 
daher Bossbollen (£xcremente) 
Kuhbollen, an den hintern 
Oberschenkeln; Kartoffelbol- 
len, die grünen Kapseln nach 
der Blüte; Eichelbollen, »£i- 
•<shelb ollen und gleien haben 
die dem Hungertod nahen Leute 
im SOjärigen Krige gegeszen«. 
Chronik des Kl. Maria Rosengar- 
ten, Wurzach. Vor allem für Lein- 
same nbehälter: Bollen, Bollen- 
blag, (Blähe, Tuch z. Bollen- 
sonnen), worauf die oberschwäb. 
Redensart get, wenn man einen 
faulen Menschen bezeichnen will: 
»dearma lieber gar nix tun, aaz 
BoUa hüta«. YgL J. Frischlin's 
HohenzoU. Hochzeit. S. 134 ff. 
Bollenmel, AftermeL Schmell. 
I, 280. Bo Ilahammel, unge- 
lenkige, eckige Person. BoUi, 
KttoUi, abgekürzte Schelten u. 
Stiehelwörter für die Weber, ge- 
wönlich»Weabersbolla<. Eine 



Frau, die, wie eez aUgemein Süto 
war, eine Puppe z«m Eri^gfgMfi 
am Christtag in der Früh müb- 
nam, fand die Kirche von Wabere- 
leuten so überfüllt, da» sie wie- 
der fortgieng; aber zudarPupfM^ 
welche das Qoristkind danteUen 
tollte, sagte sie^: »Komm hekß 
Jesiskindle, la» dier die We»* 
bersbolla auf die Kiroliweili 
koma<! Der Name Bolla, vie 
das beigefügte Knolla ist er- 
klärt, wenn manauf dieWeJbev- 
schlichte achtet. Bellet, «41* 
dick, unrein, besonders vem 
Flachse gebraucht, wenn er nicht 
sauber gehechelt worden ist. 
»Bellet und knollet« ist eebt 
augsburgisch. 

BOLSTEHIG, adj.: krank, mr 
Ton Hünem, Vögeln und andern 
Hausgeflügel gebraucht. 

BOMBASIN (spr. bommasa - w). 
1) bombycinium, lana miztewi; 
ital. bombagino. Grimm Wb. 
n, 236. Von d. Hagens Gen». 
I, 309. 2) Baumwolltücher warn 
disem Stoffe; der Einschlag bama- 
wollin die Kette linnin. Ge- 
bleichte, breite B. komen in 
den Weberhausakten oft vor. 
Bommasinle, pl. dim. wav mti 
volküblichsten. >Wann der Lev- 
jung in ainer Wochen 3 BarelMMt- 
büchlein oder Bombasinlen 
würkt, ist man im schuldig 6 kr. 
und Yon vieren 10 kr., von or- 
dinari Schnurtuch oder V* 
oder 7^ breiten Bombaain "VW. 
dreien 8 kr., von vieren 16 kr., 
vom ordinari einschnürig. Sdunui- 



Bonz, Bonzen — Borze. 



71 



tnch aber von zweyen 12 kr., 
Ton dreien 20 kr., detgieieiien 
auch Ton denen breiten Bom- 
baain*. Web. Ordg. 174?. Der 
Augsb. B m b a s i n wa^* in der fi^ 
gel sechs oder sieben Yiertel breit. 

BONZ, BONZEN, swm.: eine 
Art Kübel, Banz, bayer. > Le- 
derne Eimer, Kessel, Brennten, 
Bonzen, Leitern, Hacken« . Fener- 
Ordg. 1731. S. 19. Bei Schmid 
106: Schmalzgefäsz yon Holz; 
WeinföBzclien, Fleischbonz. 

BORGSPIL, zu Grimm Wb.II, 
241. >Wa jemand mit dem An- 
dern auf Kreiden oder Borg- 
spilen würde, dasz der ver- 
lurstig solch auf die Borg ver- 
spilt helt, zu bezalen nit schuldig 
sein soll«. Poliz. Ordg. 1553. 
Borgs: auf Borg, auf Zuwarten, 
»und tuet im ain ein umb 5 Schil- 
ling län 
Die muBz man borgs umb siben 
hän«. TN. 9211. 

BORTE, swf. : 1) ein starkes, ausz 
Seide und Goldfaden gewirktes 
Band. Mhd. Wb. I,223a. In der 
Augsb. Kleid. Ordg. werden die 
Borten oft erw&nt. Bortle, 
das, mhd. bortelin, erscheint 
eben so oft. Die Borten komen 
in Verbindung mit silb. od. gol- 
denen Spizen, Galonen, Schlin- 
gen und Knöpfen; mit gesdimei- 
digen Spiz und Borten« u. s. w. 
»Spiz und Borten von gfutem 
und falschem Gold«. >Mäntel 
ynden mit seydinen geschmeidi- 
gen Borten 8 oder 4 fach Ver- 
brämen laszen«. >Auch sollen 



die Brüstten alkon mit seyde- 
nen Spizen oder Bertlen ge- 
brfanbt, auch an denen Söhnüer^ 
midem und Brustflecken, dasver* 
brämen mit güldenen Spizen und 
Borten, sie seien gleich guet 
und fklich«. Kleid. Ordg. v. 1868. 
»Kleine Spizlen oder Bärtlen« 
a. a. 0. > Bortenwirkerspizlen 
oder Bärtlen« a. a. 0. »Mit 
seidenen Bertlen verbr&mbt« 
a. a. 0. 2) Schmuziger Rand am 
Kleide. St. 

BORZE, 1) trirgulta, Reisaoh* 
bündd und Reisach überhaupt. 
2) kleine, eine Hand voll oder 
etwas mer umftiszende Reiser 
zum Anzünden des grobem, des 
Seheitholzes im Ofen. »Holz und 
Porzen«, Gass.' »Am Freienstul 
Tor der Porzen gelegen, cod. 
Bav. 2517. Ein Fueder Bu e ch e n- 
borzen 1 fl. 18 kr. Alte Web. 
Rechnung. »Ein Schober Bor- 
zen aufzien 2fl. a. a. 0. >Bor- 
zengeholz« war eine alte Ab- 
gabe des Stifts an die Stadt- 
knechte. Vergleich von 1602. 
>Ein Fuder Borzenholz und 
ein Fuder Wegholz« a. a. 0. 
>Der Herr Herzog von Baiem 
(hat) jnen alles das hierzu be- 
nötigte Porz- und Tannen und 
Rauchhblz jederzeit auszzeichnen 
und unbezalt folgen laszen«. 
Confirmation von 1596. In den 
Augsb. Händeln des Dr. G. Müller 
wird erzalt, wie der pabstische 
Bürgermeister Dsung bei den 
evangel. Bürgern »einen spöt- 
lichen Nachnamen (erhalten) und 



72 



Börzel — Bofsen. 



wird der Borzenmacher; ge- 
nennet«. Femer > Welcher ver- 
nünftiger und bescheidener Bie- 
dermann hat im das gefallen 
laszen? Gleichwol hatte diser 
Bürgermeister ziemliche Ursach 
geben. Denn da er yme die 
Borzen und das Reisholz wol 
hette anf einen andern Tag kön- 
nen füren und hacken laszen — 
und da er einen Hof im Haus 
gehabt, allda das Holz hette kön- 
nen gehacket werden, verordnet 
Br, das esz auf der Gassen und 
fast auf mittlem Perlach oder 
HermipQarkt gehacket werden. 
Darüber Hon mit spot ist abge- 
lonet u. im der Borzenmacher 
Name gegeben worden«. >Darauf 
sagt man mit kurzem; der rum- 
pelkarren vnd porzen seien 
nit wert, das man derselben bei 
sollichen wichtigen Handel ge- 
denke«. Anti-Müller. Vgl. Grimm 
Wb.II, 247. Schmell. I, 240. 

BÖB2EL, stm.: eine Steisz- 
krankheit? zu Bürzel, burzeln 
gehörig. >A. 1387 um Liecht- 
mesz ist zu Augsburg ain Krank- 
heit auferstanden, die hat man 
den Pörzel geheiszen«. S. 39b. 
»Dise Krankheit nennt der ge- 
meine Mann Bürzelen«, Gass. 
>Da kam eine gemeine Plag und 
Bürzel unter die Leith« . Horm. 
1884. . S. 131. cgm. 407 fürt 
>dreierlei purzel des Pferdes« 
f. 62 a. Ich erinnere an dasCon- 
senbergische borzeln, boazla, 
den Hinterleib nachschleppen, 
eine Krankheit der Schweine; in 



derselben Gegend . auch bir- 
hammig geheiszen u. su altem 
hamlichen, hinken gehörig. 

BOSGHEN, swm.: Busch, Blu- 
menstrausz. Burgauisch. Feder- 
bo sehen bei S. öfter f. 533b. 
Augsb. Busch. Mhd. Wb. I, ^23 b. 
Schm. I, 214. Böhmenkircli. Bo- 
schahuet. Landschafbllok. Boa- 
cum, Busch. Mhd. Wb. I, 228. 
Kehrein, Sammig. 4 b. »Nee. nou 
inter villam Nawe et Blint hain 
sitas-quae contingunt in terris, 
agris, pratis pascuis, nemoribus, 
silvis viis et inviis, in Bosco et 
in piano, aquis, aquarum decurei- 
bus« MB. XXm, VI, 88. »In 
prato et in agro, in silvis et in 
cetis, Bosco et piano« a. a. O. 
ad 1274. Boschenwisen, Bohr 
menkirch. Mrkg. »Tam in husch 
quam in pelano«. Bebenhaus. ürkd. 
1271. Gramm. H, 277; romanisch 
bosco, bois. Förstemann, Orts- 
namen S. 58. 

BÖSERN, swv.: verschlimern, 
zum Bösen keren, deteriorem red- 
dere; in pejus ruere. Grimm Wb. 
n,256. Mhd. boesen, mhd. VTb. 
I, 226 b »Und hat der abgesezt 
Abt das Kloster gebeszert um • 
14,000 fl.« Horm. 1834. S. 129. 
»Dasz er der Rechte wartend 
war auf die Chirchen ze Mager- 
bain; auch ist gerette, dasz disiu 
Teidinge twedem tail siniu recht 
bösem noch beszem sulen an 
der zvevert«. MB. XXHI 6a. 
S. 471 ad 1323. 

BOSSEN, 1) Possen. »Allerlei 
Bossenwerk ausz sonderlicher 



Boszieren — * Brit. 



TS 



Andacht machen«. Gass, Grimm 
Wb. II, 265 ff. >Garacalla steUet 
sich also in Bossen, als wollte 
er der andere Sylla werden«. 
Werlich 64. 2) Halbstifel, frana. 
bottes. »Hab vergebens anch 
zam Anfang, wie man sieht, zue 
der Jugent ettlich Bossen ma- 
chen laszen, als was zuer selben 
Zeit für Freud unter der Jugent 
gewöst ist«. KleiderbüchL 8. 14. 
Schmell. I, 211. 

BOSZIEREN, swv. fingere, bil- 
den. >A. 1320 ist Niclaus Zorn 
ein Ritter von Straszburg gewöst, 
ligt zu St. Margret dasselbst, 
diser Gstalt bosziert von Jörg 
Seiden a 1508 abgemacht«. Klei- 
derbüchl. S. 91. Boszierung, 
Welser, Antiq. 45. Grimm Wb. 
I, 266. Noch jezt werden die 
Waohsarbeiter »Wachsboszie- 
rer« genannt. Steinbozila, 
lapides ceciderunt. Gloss. August. 

BOTEGE, swm.: rundes Fasz, 
Bottich; »von aime botegin 
einen helbelinch«. Stdtrcht. ahd. 
botaha. Graff IH, 85. Mhd. Wb. 
I, 227. 

BOTSCHEN, pL: Pantoffeln mit 
oder one niedergetretenem »Hin- 
lerquartier« . 

BOTTER, Rosenkranzkügeleiu, 
j(pater noster). 

BOZEN, die Stadt. »Swelch 
burger silber kaufen wil, des er 
bedarf, hinze kerlin gen ze Fran- 
ke% ze Bozen oder Yenedie 
u. s. w. Stadtrecht f. 26. »Zwainzig 
mark und nicht mer hinze Bo- 
zen« a. a. 0. Bekant ist ausz 



Attgsb. Urkd. Bozanicum vi- 
nam, Bozner Wein. Konrad 
V. M^enb. 195. 25. »Der B o z n e r 
Fastenmarkt«. EleiderbüchL 110. 
Vgl. mhd. Wb. I, 227 a. 

BRABANDERLEN, pl. : hieszen 
in A. die allerorten bekanten 
schmalen aber um so längere Ellen 
meszenden Brabanter Tücher; ne- 
ben den Brabantischen Spizen vil 
verbreitet. Vgl. Frisch I, 123 b. 

BRAND, l)als Flurname für ur- 
bar (mitFeuer) gemachte Waldstel- 
len, ser verbreitet. Mein WbL S. 20. 
prand, Giltbuch, cgm. 154 f. 40 a. 
»Brandu. Brunst, wie Schlag 
und Schlacht geben Zeugnis 
vom Tilgen des Waldes«. Forste- 
liiann, Ortsn. 79. 2) Rausch, all- 
gem. 3) Hochgesteigerte Fieber- 
hize. Der gemeine Mann sagt 
von schwer Kranken, die über 
groszen Durst und Hize klagen, 
>der hat 'n Brand im Leib«. 
Oberpfälzisch ist: das hat den 
Brand, bietet unerwartete Hin- 
demisse. In der mittlem Necar- 
gegend: »des ist a Brand«, das 
ist arg, herb. Brandhütte, f.: 
»Brandhütt«. Urkd. 1662; vor 
dem Jacober Tor; Eigentum der 
Mezgerzunft. Brandsteine, röm . 
Auszgegrabene Zigelsteine. 

BRÄNZELN, swv.: ustionem 
redolere : > die Suppe bränzelt«; 
oberpfälz. brünzeln. 

BRÄT, ntr. 1) das weiche Fleisch 
one Bein. »Mezgfleisch, Brät 
und Wurst». Polizeiordg. 1683. 
»Verbotene Fleisch, Brät und 
Wurst« a. a. 0. S. 61. DasVer- 



74 



Braten — Braut. 



kaufen und Kaufen von >Fl€ifeh, 
Brät und Wurst« unterlag der 
strengsten polüeilichen Aufsicht. 
2) Gehacktes Fleisch Mhd. daz 
brät und braete, Schleicher, 
Sprache 181. Bratmez ger sieh 
«nten. Brat stück, »ein Rind 
oder Schwein oder Brat stück«. 
Akten. 

BRATEN, stv. Davon sind ge- 
bildet: Brätle, beliebtes Augsb. 
Wort; der echte Augsburger 
kent u. verlangt nur >a Brätle 
und a Salätle< , nie Braten und 
Salat. Dem See zu »Brätli«, 
JBräter, Bi atenwinder. »Der in 
der Küche vom Waszer getribene 
Brät er«. Rechenmeist. Bei Jer. 
Gotthelf >ein altes, der Form 
wegen ausz der Mode gekomenes, 
doch noch brauchbares, aber nach 
den jezigen Begriffen zu groszes 
Stück Hausrat«. XVIII, 47. Brä- 
tes, Brätisz, Gebratens, Brä- 
tis kar und Brätlisz kar, 
Schüszel z. Braten; prattes, 
ogm. 601 f. 110a. Bratmezger, 
eine besondere Unterart bei der 
Mezgerzunfb, was in der Reichs- 
stadt Rotweil ehedem der Käl- 
bermezger hiesz. Ruckgaber 
1,191. 6. Bratvieh, >von einem 
Stück Bratvieh oder Schwein 
6 fl. Poliz.O. 1683. 8.62. Brat- 
ling, der eszbare Schwamm 
agaricus lactifluus L. Brätela, 
halbgedorrte Birnen (Immenstadt). 
Brätle fGbr Teufelsbraten, ein 
loser Vogel, stets mit Schwänken 
und Schnurren bei der Hand.' 
Bratspiesz, scherzhafte Benen- 



nung für Degen, inli<di wie 
Krautmesser für Ibfaitterie- 
Säbel. Vgl. mhd. Wb. I, 288b. 
8ohmid89. LiechtbratOB, sieb 
unter L. 

BRÄUAMT, »da« solches dM 
Salzamt nicht vertrüge, £e Ab- 
stattung bei dem Bränasit 
Mehringen zu tun wäre«. Ter- 
gleich V. 1609. 

BRAUCHEN, swv.: Arznei bo- 
men, >er braucht imer«, aügeni. 
Schwab. 

BRÄUGER, stm: BräatigMtt. 
Vgl. unter P. Bräugerkr^sen, 
swm.: Korb, in dem die Bramt 
dem Bräutigam nach Yermdgen 
Tags vor der Trauung Gesobenko 
Übermacht: Hut^ 2 Hemden, Mmm^ 
schetten, Knöpfe an Hemden, eil- 
beme Halsschnallen, HalstlMier, 
Nastücher, 2 Paar seidne Strümpfe, 
Handschuhe und 2 goldne Ringe. 
Bei Dienstmägden stet die bis- 
herige Frau für die Kosten ein. 
Im Kleiderbüchl. erscheint Br i gl- 
meister, >da was ich Brigl* 
meister in der Brautstttben« 
u. 8. w. S. 67. Ob Beiständer? 
Aufseher? Schmid 92. Sieh P. 

BRAUT in: Brautsehafi, 
Brautpaar . B r a u t s c h u h, Reofats» 
altertum: »Es sol auch kbainer 
khain Brautschuah geben, 
dann in seinem und der Braut 
Haus, bei Peen zween Güldene.. 
Horm. 1884. S. 183. Braut- 
stücke, Geschenke andasBüüit- 
paar. >Die übermachte sogeiL 
Brautstücke an Geld oder EM» 
düngen, so bei Verheiratung von 



Breaiii;|reii, Brenzgen •*- Brente. 



T5 



4en«a yerlobten Personen oder 
iren Eltern, deren Dienerin, Ejiedi- 
ten und Mägden pflegen geg^eben 
SU werden, verboten und abge- 
stellet, und sollen selbige bei de- 
nen vom 1. Stand nieht höher 
als auf 15 fl., von dem andern 
12 fl., vom dritten 8 fl^ von dem 
vierten 4 fl. und von dem fönften 
auf 8 fl. EU sten komen, bei so 
vill Grulden Straff als darwieder 
excediert worden«« Augsb. Polis. 
0. 1735. S. 19. Brautfrauen, 
Hochceitsordg. 1668. S. 115. >Sie 
hatten die Braut in das Haus, 
ausz dem Haus; in's Wirtshaus, 
um wieder h«mzugeleiten. 

BR£ANZG£N, ]^ENZ0£N, 
swv.: anhaltend seufzen, weinen, 
weinerlich, klagend reden, mur- 
ren: breanzgist imerfottt >Mit 
deim Breanzga«! 

BRECHE, f. : Ruhr, epidemische 
Krankheit. >Yon wegen des gro- 
ssen Brechens, die Crott über 
dieWdt liesz g4n, dasz dieLeut 
unrichtig wurden«. Horm. 1884, 
S. 118. Brechkaus, Gassar 199. 
Blaterhaus oder Brechhaus a. a. 0. 
118. In jenen Zeiten wurde fEur 
die der Seuche Erlegenen der 
äuszere Gottesacker auf d^n jezi- 
gen Pfannenstil gegründet, der 
a. 1685 mit aller Umgebung von 
den kaiserlichen und bayerischen 
Belagerungstruppen verwüstet 
ward. 

BRKIGOFF, Geschenk der Braut 
an den Bräutigam vor dem Trau- 
ungstage. >Darvon hat sie kauft 
2 girtlen zu der Hochz^t bei 



90 fl. *— idn atkflz Unterrock, 
irem Schneider suis und alfts 
sah, auchmeiuBreigoff 2Heift- 
der, Badsack« u. s. w. L. Rem 
45 »Sie betten aber mir, meim 
Weyb eerliche Breygoftstuck 
nach ir Manier gesdienkt«. S. 58. 

BREIT in BREITFELB, eine 
jenseits der Wertach, dem Lech- 
feld änliche Fl&che, die Waszer- 
scheide zwischen Lech xu Schmutz 
ter, eine durch das Wertachtal 
unterbrochene Fortsesung der 
erstem. Die Orts- und Flurna- 
men mit Breit zusamengesest 
oder das Subst. Breite allein 
sind ser zalreich in ganz Schwa- 
ben. »In der gebreittun«. Sa- 
lemit. Urkd. 1262. Mone, Ztschr. 
II, 78. Breitenbronn, urkdl. 
alt. Braittenbrunn, Praitten- 
brunnen u. s. w. Vgl. Förste- 
mann, Ortsn. 81. >Das Substan- 
tivum Breite planities nimt be- 
kantlieh oft auch den Sinn eines 
Acker- und Wisenstückes an«. 

BRELLEN , swv. : schreiend 
beten; spöttisch. 

BREM, BERÄM, das, eine Art 
Schleifen auf den Kleidärmeln; 
sddechthin gleich Rand, Ein- 
faszung. Das KleiderfoüchL hat 
Atlasz-Brembl. Mhd. brem, 
stm. ^infaszung von Samet oder 
Pelzstreifen. SchmelL I, 25a 

BRENTE, swf.: vom roma- 
nischen brenta; erst seit Rosea- 
blut von Grimm Wb, II, 872 nach- 
gewisen. Weobs^ von k und t 
im Wirtembergischen brenke 
und Brente. Wbl.21. 1) Futter- 



76 



Brentlebier — Breefe. 



troglein, länglichtes hölzerne«, 
i&r das Hausgeflügel. 2) Waszer- 
geschirr ist neben Eimer, vil- 
leicht mit 2 Handheben versehen, 
in der Fenerordg. oft erwänt v. 
1731. S. 20. 3) Waszerkufe über- 
haupt in der Immenstädter Ge- 
gend. 4) Todtenume für T o d t e n- 
asche, im Troj. Krig ser oft ge- 
braucht. >Und hept die weil in 
den schosz die P r e n t e n mit den 
Beinen des Patrokli« f. 30 b. >Den 
Memnonem habend sie auf einem 
Ort von den andern verbrennt, 
und was überbliben in ein bren- 
tele eingemacht und bei des Kö- 
nigs Freunden in das Vaterland 
geschickt« f. 36b. >Dieweil ha- 
bend die Grecier des Achillis 
Bain in ein Brentele oder Ge- 
schirr eingemacht und zu des 
Patrokli Bainen getan« 39a. Die 
Kempt. Confirmatio fürt ein von 
Alters herkömliches Viertel oder 
Brenntenmasz an. S. 60. In 
der Augsb. Bräuer 0.:Brennten 
(Malz) versieden ; Brennten- 
messer (Aufschläger) u. s. w. 

BRENTLEBIER, das, altbaye- 
risch Stand er ling zum Unter- 
schide von Schöps, Nachsud, 
Absud des Bieres ist das höl- 
zerne Gefäsz, welches beim 
Anzapfen und Auszschenken des 
Bieres unter den Hauen gestellt 
wird, um den Abfall, das Tropf- 
bier aufzunemen. 

BRETT; allgem. Schwab. >an8 
B. k o m e n«, die Reihe trifft einen. 
»Brettspilc, Besteckbehälter. 
»Einem ein Brett ziehen«, sieh 



buzen (2). Echt «diwib. isi die 
uralte angebrochene Form- B r i 1 1, 
Brittle. 

BREZGE, die, spUte im. alt. 
Augsburg eine Rolle; die lang- 
licht runden hieszen Fasten- 
brezgen; die gewonlichen, die 
man das ganze Jar haben konte, 
hieszen Kesselbrezgen. See- 
len brezgen schenken die Paten 
iren Täuflingen, änlich wie am 
mittlem Necar die Saila. a,u8Sr 
getragen und geschenkt werden. 
Ein merkwürdiger Brauch, noherr 
lieh Ueberrest der alten Todteil- 
Opfer ist das Herumhängen 4er 
Seelenbrezgen an den Gottes- 
ackerkreuzen und Steinen; mit 
denen natürlich über Nacht saur 
her aufgeräumt wurde. So in der 
Wertachgegend bis nach Bayern 
hinüber. Brezgen müssen auch 
als Geschenke gut aufgeuomen 
gewesen sein. Der jungefk^hwars 
(Kleiderbüchlein S. 101) eraalt 
uns: >ich gab zum Einstand ain 
jedem Schüler ein Brözen; da 
ward ich vom Preceptor, seinem 
Weib und auch den Bueben, — 
mit heelen und guten Worten 
empfangen«. Vgl. Sohmell. 1,278. 
274. Das Augsb. Stadtreoht hat 
Braezte. Mittelal. bracellna 
dim. V. brachium breoita, 
crustulum est genus panis. oleo 
oonspersus in medio concavus et 
tortus. precitella panis qood 
inter manus colliditur. Schmell. 
Gloss. Ms. Die Auszsprache ist 
bald Brägzet, (Necar) Bräxet 
(anderwärts) Brezget, (Aug^b.). 



Bridceo^ Brücken '— Brot. 



TT 



BRICKEN, BRÜCKEN nennt 
der Augsb. die Art Fische, Neun- 
augen sonst geheiszen. 

BRIETEN, ein Kinderspil; ur- 
alten Entstebens. Der junge 
Schwarz (un Eleiderb. 8. 104) 
bemüt sich mit einem yermittelst 
des Daumens fortgestoszenenKnip- 
oder Schnellkeulchen ein anderes 
in einer gewiszen Entfernung 
ligendes Kügelchen zu treffen. 
Dabei stet: »Esz gilt 12 auss 
und die 3 lezte mit Brietten«. 
Jezt heiszt das Spil in A. und 
sonst spicken und Spanen^ 
stechen und spanen. Ein 
Knabe wirft seinen Gluck er 
ausz; der andere sucht mit seinem 
Schuszer dises auszgeworfene 
Marmorkügelchen entweder so zu 
treffen, dasz esz durch den Anstosz 
vemembar und sichtbar ausz sei- 
ner Stellung fortgetriben, d. h. 
gespickt od. gestochen wird, 
oder wenigstens so nahe an daff 
auszgeworfene Kügelchen zu ge- 
langen, dasz er den Raum zwi- 
schen beiden Schuszem mit seiner 
auszgespanten Hand zu decken, 
d. h. zuspanen vermag. Lezteres 
mag wol unser brietten sein. 

BRINGEN, stv.: einen dahin 
bringen, dasz u. s. w. »Bracht 
mich, (die Krankheit) dasz nur 
Haut und Bain an mir, gar kein 
Fleisch, Blut was«^. L. Rem 16. 

BRISILLENSPÄNE, pl. stm.: 
Brasilienspäne Färbeholz. »Bri- 
siller Toback«. Vergleich v. 
1707. »Zum Blaufärben allein 
Endich one Röt, P r e s z i 1 1, Waid- 



plumen genomen werd^ic. Färb. 
Ordg. 1647. »Aüsz Preszill rot 
Färbenc a.a.O. In derWirt^nb. 
7i ZoUordg. bei Reyscher 17, 234 
komt als Einfur- Artikel Brisil 
vor. Die Häzlerin 11, 68, 86: 
brisiligen rot. 

BROT, esz gab probierte 
Brote; ein Dekret, dasz die 
Becker das Brot nach einem ge- 
wiszen Gewicht backen und ver- 
kaufen sollen, ward erlaszen, 
»welches Brot man zur selbigen 
Zeit probierte Brot genenet 
hat«. Gass. Ein beliebtes Brot wahr 
das Süeszbrot (Gass.) das noch 
jezt unter dem Namen Ulm er 
Brot bekant ist. Kustbrot, 
d. h. geschautes brot, komt im 
Stadtrechte öfter vor. Mhd. Wb. 
1, 264b. »Args Brot<, schlech- 
tes, besonders unter dem Gewicht 
gebackenes brot, wegen dessen 
die Bäcker geschupft wurden. 
Mein Wbl. s. v. s c h u p f e n. In der 
Kemptiscli. Confirmatio bekomt 
»der Tambour 3*/« Laib von dem 
sog. Schreiberbrot, ein Ge- 
meiner 8 V> Laib vom gemeinen 
Brot«. S. 44. Gottesbrote 
komen häufig vor = Almosen, milde 
Gabe >gotberaut<. Man. f. 26a. 
Vgl. unter G. Brothaus hiesz 
urkundl. und mundartlich das 
Beckerzunfthaus ; esz gab ein un- 
teres und ein oberes B. Vergleich 
V. 1682. Brotkarren; in einem 
Recesz v. 1682 heiszt es: »Sollen 
sich dise Becken des weiten 
Glais mit iren brotkarr en 
enthalten u. kein weiszes Hoffen- 



78 



Broxm<»U6 -*- Bnntk. 



bvot foien. Mögen sie in dem 
chorbayerisohen Territorio Tor 
igt Brotkarren bis aivcLieLech* 
brncken, so tÜ Pferd spanen, 
ftle sie wollen; von daran aber 
wnA bifl auf den brotmarkt in 
A. nicht mar als 1 Pferd brau- 
^len und was sie von Brot damit 
fören könen, erlaabt sein; aueb 
einander durch Schieben an den 
Bergen oder auf andere Weise 
nicht helfen sah poena certa«. 
Brotmarkt hiesz bis zum Jare 
1807 der untere Teil der jezigen 
HbximiUansstrasze, weil in der 
Hungeraeit Ende der lezten 70er 
Jare dort fremdes Brot verkauft 
werden durfte. Auf dem Brot- 
markt spilten die Lechhauser 
und Fridberger Brote eine 
nicht unbedeutende Rolle; von 
Fridberg kamen 6, von Lech- 
hausen 2 Becken. »Weiszes Hof- 
fe nbrot< durfte nicht eingefiirt 
werden. >Um das Brot sin- 
gen<, eine bekante Schülersitte 
älterer Zeit. Der junge Schwarz 
erzält (Kleiderbüchl. 23) »ich sang 
um d as Brot zu Hochstat, Hun- 
delfingen , Schmaiten , Bolayc 
B. s. w. >Gebröte Diener, ehe- 
dem und heute noch üblich; = 
Untergebene, die in Lon u. Dienst 
sten<. »Der ganzen Glerisey ge- 
bröte Diener«. »Darin solle 
einem Rat auch gegen der Clerisei 
gebrödten Dienern allen zn 
handien gebüren und zusten<. 
Erlasz v. 1582. »Unter den ge- 
brödten Dienern nur diejeni- 
gen und keine andern zu rer- 



sten seien, welche auf dato 
Jar bedingt und betoldei und, 
auch vollkomen in des Herrn 
Musz und Brot nck wiritfieh 
befinden«. Bischofl. Jagdordg. ▼.. 
18. Jarhd.. »Das Brote«Eatt4 
heisxt auf de» Lande d*8 aog^ 
Neunbrot der Arbeiter, beutend 
in Most und Broft% oder ¥Wa 
(Leiren, Bier) nnd^Brot. 

BROXMOLLE, swm.*. eia liart- 
kopfiger, starrsinniger Memoli. 
BRUCH, stm. 1) hemia, vamex. 
Frisch I, 14te. >8o di« Kbid 
krank sind, dieweil man sie mui-- 
get, so sol sich dieSagaun had^ 
ten als ob sie die Krankheit veäih 
hette und ob die Milich Brneb. 
hätte«, cgm. 601 f. lOtm. 
»Bruchlach koment dteKatdar 
von übrigem Weinen n. Sckreien 
oder von groeaem Hasten« t lila. 
2) Bruchsilber, zerbrocAcelte» 
Silber, Brucksalz. Ott Bnlmd. 
Schmoll. 1, 418. 8)Fadenbri)L«lfe, 
ruptura, ruga telae, Bruch imCte* 
webe in den WeberordnuageB, 
ein strafbarer Feier. »Wa^m 
der Fädenbrüch aber sol mm 
folgender Gestalt gehalten wee^ 
den, dasz nemlich, wann einer 
über 15 Elen Fadenbrüeh oder 
falsch Drit hätte, das BtiSuck 
verfallen sein; was aber unter 
15 Elen Fädenbrüok oder 
Falschtrit sich befinden wor- 
den, solle denen jedera'eili^en 
Greschaumeistem von jeder Elea 
6 kr. zur straff besalet u. s. w. 
Web. Ordg. 1748. VrgL Grinnn 
Wb. ni, 1284. 



Brkkig — Briut 



t9 



BRÜCHIG, adj. 1) mit dec Bohr 
bakafbet, ogm. 601 f. 114>b. 2).fo6di* 
i^ragus, »brückif aneiii<em<,ogm. 
581. »Welcher aber in dem Allem 
l^rüchig erfimden«. SaiL Ordg%. 
f.2a. GrimmWb.II^2.8) >durck- 
brüchig« von den Kinderzänen, 
cgm. 601 f. 108a. 4) Gebreche* 
zisoh. Mhd. Wb. I,244b. »Stürbe 
Aber das anbrüchig vor dem 
Brtobigen, so «ol die Teilung 
be8€hechen<. Ulm. Ordg. 1574. 
Sigelbrüchig (Anti-Müll^). 

BÜÜCHLER, 8tm.: Leinwand- 
Händler, ein Augfib. barg. Gewerbe*^ 

BRÜCKEN gab esz: die Frid- 
berger Brück, die Lechhau- 
ser Brück, die Wertaeb- od. 
Bettelbrück, die Pferseer 
Brück, das Sinkelbrücklein 
vor dem Wertaehbruckertor muste 
Tom Stift unterhalten werden. San- 
brück, B rillbrück. 

BRÜDER, in BRUDERÜBRIG, 
ein Mensch, dessen man leicht 
antraten kann, überzäliger 
Mensch. Bruder haut heiszt 
em Flurname im bischöfl. Gebiete 
Augsburgs seit dem 15. Jarhd.; 
was urkundl Briederhang lau- 
tet. Steichele 1,446. Stulbrüder, 
sieh StuhL Jacobsbrüder s. J. 

BRÜHE, swf.: >ein Brühle 
über etwas machen«, etwas ver- 
tuBchen, beschönigen. Die Astron. 
sc^eibt b r ü g e, wie sie überhaupt 
eher auf Lindau und Bregenz als 
auf Augsburg weist. 

BRUMELN, swv.: unverständ- 
lieh, meistens unwillig vor sich 
iwireden. B r u m e l»u pp e, Schelte 



in A., auch bei Jerem. €k>tthelf 
mislannige Person. Br u m h u «> 
meler. 1) die Humel, apis teF' 
restris. 2) mürrische Persoa« 
Wirtemb. Hausl. 1,327. Sdunid 102. 

BRUNNEN, der, in Yerbindoni^ 
mit Galgen, in Galgbruanen, 
lautet Galbbrunna« wie allgem; 
schwäbisch. Em Galgbrunnen 
ist auch im Troj. £rg. (2 a auf- 
gefmrt. In Augsburg gab esz 
folgende Brunnen: Herkules- 
brunnen, Merkursbrunnen^ 
Augustttsbrnnnen, Nep- 
tunsbrunnen, St. Georgs- 
brunnen, Yogeltorbrunnen. 
Bis zum Jare 1868 gab esz auf 
dem St. Ulrichs- jezt Schrannen«* 
plaz einen Schertlinsbran- 
nen, mit der Marmorstatue Beb. 
Schertlins, die jezt im Schlosz- 
hof e zu Burtenbach stet. Sieben- 
brunnen war ein ehmaliger £r- 
holungsplaz für den Augsburger 
mit einem Bad, 5 Viertelstunden 
von der Stadt entfernt in der 
Mehringer Au. A. 1811 hörte 
das Bad auf. Brunnengelt, 
Abgabe des Weberhauses an dia 
Stadt, Brunnengeltsamlung. 
Vgl. Brunnenkreuzer in Rot- 
tenburg. Wb. zum Volkst. 32. 
Ueber Flurnamen, Kehrein, Samm- 
lung 39b. Förstemann, die deutch< 
0. N. S. 36. 

BRUNSTIG, verhebt. Füszen; 
spr. braufitig. 

BRÜSLEN, pl. dim.: Kalbe- 
milch, Brustdrüse, siehBrües 
b. Schmeller. 

BRUST, sieh Wolkenbrust 



80 



Brftstlen — • Beb. 



BRÜSTLEN, dim. pl.: Beldei- 
dnng der weibl. Brust. Gnsim 
Wb. n, 446. 4. >Zu Wammas^n 
und den Brüstlen — sol Atlass 
«nd ' Damast «n tragen erlaubt 
•ein«, cgm. 1681. Akten. > Denen 
Weibspersonen dises Standes wer- 
den die Brnstlen nickt mit 
Kegel sondern allein mit seidinen 
^ Spizen gebrämt«. Poliz. Ordg. 
»Dock mögen sie die Fürfleck, 
wie auch die Himschläpplen — 
brämen laszen — und zu iren 
Kleidungen, esz seien Mäntel, 
Rock, Brüstlen oder andere 
Stuck, keinen Scharlacli tragen«. 
Poliz. Ordg. V. 1668. »Itefi solen 
ihnen die Brüstlen, Müederund 
Fürtüecher von schlechten und 
wolfailen Zeugen und Materialien 
zu tragen erlaubt sein« a. a. 0. 

BRÜSTFLECK, von seidenem 
Zeug oder Samt. >So sollen 
inen auch keine Brustfleck 
von seidenem Zeug, Sammet oder 
öbberürt verbotenem Tuch, we- 
niger selbige mit goldenen oder 
silbernen Spizen zu verbad<. Poliz. 
Ordg. 1683. 

BRUSTTUCH, stm.: InSettem- 
brio 1622. »Das Wammes was 
samatin, ein gefalten Brusttuch 
vor dem Hemt«. Kleiderbücbl. 
S. 60. 

BÜß, twm. 1) jed«r etwM er' 
wacbsene Kfiabe; diät Bti«$1e za 
kleinen Kind4nii geMift Verjnnff^ 
Schwarz imgi »da hui» Uih^ ^ 
B tkh enlffh^n ton m^rf^4fWfftim4, 
K]mä*frhrmhl 7K Kr wW n^tittm 
U«b«rirHi im \mmfimsit^n Hng- 



lingsalter beididiiien. 8) Die 
Augsburger Landschaft hmagt 
jedes m&nnliche Famüieiimitglied 
»Bua«, sei er erwulwen oder 
jung, sei er wessen StMüdea er 
will: er ist bei Eltern und Ge- 
schwister »ausör büo«. 3) iki 
schlimmer Bedeutung, oneRtele- 
sieht auf Alter. >Dann die Lanr- 
bnoben (2 Wegelagerer) w iirdm 
von dem Kaiser und seinen lUb- 
ten vertragen und verricht< . Gluro- 
nica V. 1612—26 bei GreüS^ L. 
Rem S. 101. Li den Müller'aoiieii 
Händeln wird der Lakai eine* 
Reichsfursten, der Spektakel wa- 
rend der proteet. Predigt machte 
>wälscher Bub< genannt. 
Poschtbua, Postknecht. Soli.99r 
Der Poschtbua samt der Extra» 
schös. >£in Erzbub u. Land- 
betrüger«. Gass. 1119. A. 1899 
hat man die Kezer in A. doch 
allenthalben als die ärgsten 'Bu- 
ben lebendig verprannt< a. a. #. 
4) Stadtkuecht. >Da auch eiiVor 
bey den Bürgermeistern mur 4 
Stadtknecht, welche man vor ZdK 
ten die Stadtbuben genennt^ 
nun aber Schergen heiszet — - 
aufeuwarten hatten. Gass. II, 86u 
6) Lerbursch, Lakai. 6) Buben- 
Schinder hiesz zur Zeit des 
Bockelregimentes der streng den 
Stock handhabende Schulmeitter. 
Bna wird in lebhafter Rede bot 
Beteuerung eing^&rt »i ho « 
Katz, Bua, dial d. h. wenn du 
ffi« «iheH würdest du staunen 1 
I M «bbiffz bei miar, Bua, dMt 
iftfTmiUi baal ja da h&it^s enatai. 



'Bndt -^ Büdue. 



61 



Am merkirGurdigsten ist die doch 
mer der Landschaft eigene Ab- 
wandlang von bua? wie ein 
BvaÄi bua, bnat; plur. buans, 
buant, >de8 ist schee gwea, bu- 
ant«! Standen. Vgl. das mhd. 
Wb. 1,278 a. SchmeU. 1, 141. Der 
G^ist Eschenmann in Eschaoh 
zwischen dem lUer- und Bottale 
ruft den Leuten: 

Mier zue, mier zue 
I bin der Wirtsbue! 
Bubensamat, »kein Bremin von 
Bubensamat oder änderst nit<. 
Ulm. Sitt. Ordg. 1574. 

BUCH, in YÜen bischöfl. Augsb. 
Ortsnamen: Raitenbuoch,prae- 
diumll26. 1179. Buch beiKutzen- 
hausen, urkdL Buch und baye- 
risch klingend Bouch. Buch- 
schorn, Buochscorro, prae- 
diom in Buochscorn 1179.1129. 
Curia in Puhsperge 1280. Vgl. 
Wbl. 22. 

BÜCH£R£S£L wurden irom 
Volke etliche Bücher-Antiquare, 
die am Weberhause und in der 
N&he des Sohmidberges feil hat- 
ten, genannt. Der lezte, weldier 
disen harmlosen Namen trug, war 
L. Windprecht, ein Warzeichen 
A's. durch seine Laune, seine Bü- 
cherkunde und den feinen Tast- 
sinn, womit er, obwol blind, sein 
Geschäfb, das noch blüt, auszübte. 

BUCKEL, stm. 1) Rücken one 
Auszwuchs. 2) Haarlocke, franz. 
boude, bayerisch Wugl, Haar- 
wugl. Von dürren, langen 
Personen pflegt man zu sagen: 
'Langer Buckl und a Loch<. 



Schmalzbuckel, ein breit- 
schultriger, wol genärter Mann; 
änlich dem Speckbuckel, eu- 
gleich eines Tübinger Lonkut- 
Sehers Beiname. 8)^ st. u. swf.: 
Metallbeschläg, goldenes Beschlag, 
überhaupt Beschlag, in der Augsb. 
Eleiderordg. häufig: »Und auch 
seien sie keine güldene oder per- 
line Ketten, B u g g^ 1 e n, Armband, 
Medeyen zu tragen befugt sein«I 
Kleiderordg. 1668. >Ingleichen 
solen sie sich nit understen, hart.» 
güldene B u g g 1 e n , Stefft, Armb-*, 
Kehl- und Halsband zu tragen< 
a. a. 0. »Doch würdet den Jung- 
frauen Yon der Kaufleutstuben 
zugelaszen, oben auf dem Baret, 
ein güldene Buggel oder Kosen 
zu haben c a. a. 0. >Die Jung- 
fern mögen zwar wol perlene 
Haarband u. mit Gold und einer 
dargleichen Bug gel oder Rosen 
gezierte Baretlein, Kränzlein oder 
Aufsatz tragen« . Polizeiordg. 1683. 
S. 83 

BÜCKEN, ABBUCHEN, swv.: 
abbiegen, biegen. Immenstadt. All- 
gem. »Und bücken ds und bie- 
gends war sie wend< >ichwil sie 
bücken, biegen und brechen« 
a. a. 0. TN. 8648. 4393. 

BÜCHSE, swf.: 1) Zunfblade, 
bes. Zunftkasse. Esz gab einen 
Büxenpfleger, Büxenmei- 
ster; eine Färberbüxse, 
Schwarzfärberbüxse u. s. w. 
In der Knappen- und Gesellen- 
ordnung spilt die Büchse eine 
Hauptrolle; in den Akten stet: 
zue der Büx bringen; in die 
6 



82 



Bulen — Burgfeld. 



Büx den Quatembergroschen le- 
gen. >Vor der Büx musten 
alle fremden Knappen und er- 
seszene Lerjungen ire Lembrief 
oder guete Zeugnisse irer Lemung 
an der nechsten Quattember nach 
dem Auslernen oder Herkomens 
auflegen und fürbringen«. Web. 
Akt. »In die Büxen gestrafft 
werden« nach Befund des Ver- 
brechens. »In die Ratsbüx zu 
legen, gestrafft werden«. Alle 
Quatember wurden die Namen 
der unredlichen Knappen >vor 
der Büx< auszgerufen. 2) Ein 
Frauen - und Männerschmuck. 
»Ebenfals solen die Manns- und 
Weibspersonen keine Sehlieffer 
oder Büxlen von gutem glattem 
Samet, sondern allein von gemo- 
deltem Tripsamet tragen«. Klei- 
derordg. v. 1668. 3) Weibsperson, 
besonders eine Schwäzerin, >du 
Sohnetterbüx«! Augsb. Fü- 
szen. > Du bigt sa leabta a S c h n e t- 
terbüx gewesa< a. a. 0. Büch- 
senschlecker, Spottname für 
den Apotheker. Bildlich: in die 
Büchsen blasen , consentire. 
»Etliche Ketzer aber, so den 
Bichtern in die Bixen blie- 
sen (d. h. bestachen) namen sie 
in der Still zu Gnaden auf«. 
Gass. 137. 

BÜLEN, swv.: öffentlich verliebt 
tun. >Im Gesicht bulen, wie 
ein Esel um ein Bund Heu«. 
Kleiderb. 130. Oberpßllz. > ver- 
liebt sein, wie der Esel in 
ein Bund Heu«. 
BÜLHERD, stm.: Platte von 



Gnazeisen in dem Stubenofen, um 
Feuer darauf zu schüren. 

BULLE, zu Grimm Wb. H, 518 ; 
villeicht Bollen? > Item ein Haupt 
ser schön geziert auf einem gful- 
denen Kussle mit schönen ganz 
gülden u. geschmelzten Bullen 
oder Buckhlen«, cod. Bav. 2913. 
>Vier kleiner messener Bullen« 
a. a, 0. 

BÜMBEL, f.: kurze, dicke Per- 
son, beiderlei Geschlechtes. 

BÜNDEL, stm.: Felleisen. 

BUNKIS, das, klein gehackte 
Rübenspeise, echtes Augsburger 
Gericht; warscheinlioh gebildet 
wie Brätis. Schmid 107. Von 
einem Zeitwort b unken, schla- 
gen, stoszen, zerhacken beiSchmell. 
I, 287. Weigand I, 193 

BÜRGEL, allgem. Walpurga. 

BÜRGFELD, in einer ürkd. 
1316: acker auf Burchvelt bei 
Augsb. mit einem Ziegelstadel. 
Mittig. der deutschen Gesellschaft 
zu Leipzig 1,202. Gassarus kennt 
einen Burgschlag oder Burg- 
feld. Für Burgstal, so häufig 
in ganz Schwaben, stet Büschel, 
Public, des Histor. Vereins für 
Schwaben und Neuburg I, 1836. 
S. 14. Vrgl. die mer norddeut- 
schen Formen Burstel, Bur- 
schel und das Isenhagische 
Beedenbostel, urkundlich 
15. Jarhundert für Baginburg- 
stall. Förstemann, Oiisnam. 90. 
Burggraf, der, von Augsburg, 
comes castrensis. Grimm Wb. II, 
543. Sein Amt war in Augsburg 
das des Richters. Sdimell. 1,08. 



Bürling — Burschat, Bursat. 



83 



Nach dem Stadtrechte lag im 
folgendes ob: >ein jeglich burg- 
gräfe sol rihten dem armen unde 
dem riehen unde sol auch niemen 
cheinen gewalt tun, esz si umbe 
gulte oder umbe lipnar unde stät 
auch sin buzze nit hoher danne 
ze fiunf Schillingen unde sol auch 
cheinen Satz setzen über die lip- 
nar, an die rät geben noch auch 
sie an in, unde swen unser herre 
der bischof därzu git. Swa er 
des niht entaete, so hat der burg- 
gräve unde di rätgeben den 
gewalt, daz si der stete raten daz 
beste, daz si wizzen umbe di lip- 
nar unde swes er unde die rät 
geben mit einander uberein cho- 
ment: daz sol er in staete haben 
unde rihten unde swa er in daz 
braeche unde des niht enrihte, daz 
sol in der bischof rihten hinz 
im«. Sodann komen die Pflichten 
gegenüber den einzelnen Ständen 
und Zünften. 

BÜRLING, der: kleiner Heu- 
haufen, in der Grösze, dasz eine 
Person in zu tragen vermag, 
oberpfölz. eine Bür Heu oder 
Gras, d. h. sovil als eine Person 
auf dem Bücken oder auf dem 
Kopfe herein tragen kann — ver- 
kürzt ausz Bürde, Last; gehört 
zu got. b a i r a n, tragen. Bei Jerem. 
Gotthelf Birlig, für Schöchli 
VIII, 253. 

BURREN, der, swm.: Hügel, 
Anhöhe, in Schwaben ser häufig 
vorkomend; vgl. Wbl s. v. Da- 
her der Giltmannsname v. St. ül- 
lioh >Biirrenhauser<, cgm. 154 



f. 30b; mit bür, Wonung hat 
esz nichts zu tun, wol aber stet 
esz zuburjan extollere, erigere; 
wozu das Schwab. Bussen zu 
stellen sein dürfte. In der Dorf- 
stechersprache im Ulmer Ried 
heiszenkl.Erhöhungen>T o rf bur- 
ren<, >T. abstech en< , >nacher 
angelegene B u r r e n < . Martin 
Müller 34. 98. Schmid 107. 

BURSCH, die, erscheint münd- 
lich und schriftlich in der alten 
Augsb. Stadt- und Landschaft- 
sprache. > Unserer Geschlechter 
junge Bursch«. Gass. >Ich ent- 
schlug mich der jungen Bursch 
(Eleiderb. 117) und gesellet mich 
dann zu den ehrbaren und für- 
nemen Leuten« sagt der junge 
Schwarz. Vgl. das Lied von S. 
Mauriz, Viktor und Urs. Constanz 
1692. 

Mauritius Viktor und Urs, 
Die tatens dapfer wagen. 
Der Bischof tet die ganze Burs 
Von newem zu Rittern schlagen. 
An die hergebrachte Erklärung 
von bursa, ausz dem bügt, 
bügtle, bürstl, werden sol, kann 
ich mich nicht anschlieszen , esz 
wird wol an Kopfhaar (Bürste), 
capillatura, zu erinnern sein und 
Bursche urspr.d.Knecht m. gescho- 
renem Kopfe bedeuten, den Leib- 
eigenen und Hörigen. 
BURSHOF, Elmanswanger Land- 
gut b. Vischach. 

BURSCHAT , BURSAT , — adj. : 
burschatin, — eine Art halbsei- 
dener Zeug > Satin de cypres«. 
>Da8 Wams war burschatin«. 
6* 



84 



Burz — Baz. 



Eleiderb. 51. xlas Böckle yon 
Barschat mit Kehlmeder gefil- 
tert <. 80. >pu rächet«. 80. Schmid 
109. 

BüRZ in BÜBZSTENGELA, 
SWY.: einen Burzelbaum machen. 
Immenstadt, allgem. >Du haust 
denn Hüpf gmacht wie a Floah, 
undPuzagtengel obadrei<. Seh. 
Niederschwäb. schurabuzla und 
Büzgtengel macha. Burzer, 
B ü z e r 1) e. zwergart. Mensch, ver- 
hüttet. 2) ein gewiszes Zeichen 
am Hirschfasz. Waidmannsspra- 
che, cgm. 289f. 105b. Burzen- 
hofer hiesz ein Giltmann zu St. 
Ulrich, cgm. 154f. 20 a. Schmid 
109. 

BUSZMEISTER der Weber- 
zunft, 4 an Zal, waren eine 
Art Aufseher, Inspectoren, so 
von der Zunft aufgestellt wurden, 
die Aufrechthaltung der Zunft- 
ordnung zu bewachen, Mäugel 
und üebertretungen zur Anzeige 
zn bringen. Besonders lag inen 
ob, auf faule Gesellen und Ler- 
ner Obacht zu halten und bei den 
Meistern die gesezliche Zal der 
Stüle zu controlieren. Wer falsch, 
d. h. über 6 Zäne wirkte, den 
musten sie anzeigen. 1 Zan 
bezalte nichts. Zwei Zäne büsz- 
ten 6, 3 Zäne 12, 6 Zäne 
90 Pfennige. Femer lag inen 
an, ob keine gemeinen Weibs- 
leute >in den Winkeln ho- 
cken« oder die >Wolle strei- 
chen ;< ob keine Brüchler oder 
Barchethändler Ueberellen ver- 
kaufen, d. h. Tuch one ordent- 



liches Geschauzeiohen. Von der 
Busze bekam der BtiBzaieister 
Vs oder V« des Geltes. Sohmahun- 
gen gegen sie büszten ungleich 
härter. 

BUTTE, swf.: Tragkorb, Ru- 
ckenkorb, in dem die Landleute 
ire Erzeugnisse far Küche zu 
Markte bringen. Butte^ dolium: 
»und hiez in setzen in ein b Ott e- 
nun siedendigs Öls«; cgm. 257 f. 
17 a. darnach warf man sy gebun- 
den mit henden und mit Füssen 
in ein bittenun vol kaltes Was- 
sers«, f. 66 b, cf. putina, Graff 
in, 87 Grimm, Wb. H, 679 ff. 
Vgl. Botegin, Mhd. Wb. I, 286a. 
Schmid 104. Frisch 1, l^idc. 

BÜTTENMANNSKAPPE, swf.: 
eine landschaftliche Tracht alter 
Weiber, eine niedere Pelzhaube von 
Marder- oder Otterbräm mit grü- 
nem oder blauem Samtboden und 
gekreuzten Samtschnüren, die 2wi- 
schen Hut u. Yisir getragen wird. 

BUTTER, stm.: RedrA. »wie 
B. an der Sonne dasten« 
ertappt sein Yergen bekennen. 
Butternoggelen pl. disL »mit 
Butter abgetriebene Mehlklös9Ee<. 
Butterw eiber. Mrktordg. 1735. 

BUTTRICH. >Er samet die 
waszer des meres als in einem 
buttrich«; cgm. 82f. 82a. 

BUZ, swm.: larva, Popans, 
Einderschrecken. >Wenn wir dem 
Butzen die Larven vom Ange- 
sicht reiszen<. Augsburger Ref. 
Schrift. 152 s. (491 h.). Busen- 
bercht, — mann, mummel 
nebst Knecht Ruprecht, Pelsmivtei 



BuEen *— P. 



85 



Schwarsevmann, Wanwau, sind 
echt augsb. Schreckgestalten. Im 
Riesz gilt Buzenberch und 
Bnzenwubele, welche, als 
steinalte Personen, bes. Weiber, 
die groszen Taschen voller Kinder 
haben. Buzen-Nigele oder 
_^ Buzle heiszt ein kleines kurz- 
gewachsenes Kind. Bnz, Im- 
menstädUsch, ein böser unartiger 
Bube. Mhd. Wb. 1, 287. Schmid 111. 
BÜZEN, sw. m. 1) Kernhaus 

^ der Aepfel u. Birnen. Heraldisch : 
ein blauer Schildt, die zwen 
Spitz samt den Rosen darob weiss 
mit gelben buzen. InBignial23. 
2) Der Abfall d. brenn. Dochtes. 
8) De^ Grund eines kölTöerlichen 
üebels, eines verborgenen üebels; 

t und davon bildlich in vilen Fäl- 
len üblich. 4) Verhärteter Na- 
senschleim der Kinder >be8under 
80 die Kinder den atum hart 



haben und schnudrent durch 
die Nasen wann esz erwaicht die 
p ü t z 1 e i n und wendet die Flusz 
zu der Nasen heraus.« cgm. 601 f. 
97a. Schmelll,230. 5) Schnee- 
flocken >Aprilabuz.« »Thund d' 
Wolke Buza falla lau.« Seh. 189. 
BÜZEN, swv. 1) Omare. >wol 
gebuztes und gestafflertes Volk. « 
Gass. >mit wol gebuzten Hau- 
fen« a. a. 0, bes. also von wol ge- 
rüstetem Heere. Einbuzen, 
eine Leiche zieren und einlegen 
in den Sark; Geschäft der Seel- 
nonne. B u z a w e g , Scharfrich- 
ter. Buzung, >Buz und Säu- 
berung der Wisen«, >buzte 
Gans« Mrktordg. 1735. Kempt. 
Confirm. 2) perdere >man lasze 
nun Gott hinter sie , der kann sie 
butzen und izt da, denn dort 
einen vom Brett rücken. < Dr. 
Müller. 



i^ 



P. 



Der Schwabe wie det Süd- 
deutsche überhaupt vermag den 
Laut des p wie in die Nord- 
deutschen und die Romanen ha- 
ben, gar nicht wiederzugeben. 
Will er p auszsprechen, so tut er 
esz nur mit eigentümlicher An- 
strengung, um nicht mit einem 
starken Hauch zu enden, gleich 
als wollte er bei pf anlangen. 

AuAH^rach«: Im Anlaute wie 



b, b — h, p — h; im Inlaute p-^h; 
bb — h; bb. Im Auszlaute bbh. 
Beispile: a)Brobst, Boledden 
Balmtag,cgm. 168. Balmesel, 
Babst, Briester, Botter (pa- 
ter noster), Bilger, Bilgram- 
schaft,Poliz.0.1553.Bein(Pein), 
altes Messbuch; Bredig, Ban- 
zer. Baten (Patene a. a. 0.). 
breisen, Brimzeit, cgm. 480 f. 
64b.Bombbermetten) Budel^ 



86 



P — Palmefel. 



Budergottti.s.w. b.Däbbeler, 
altersschwacher Mensch, D eb- 
be, geronnene Milchteile, da- 
her Dobbönudla, Dobbakäs; 
deckte Ribbh, Stücke der 
Brust, Mezgersprache. Nobben, 
zum Kapaunen machen; Wibbe, 
Faschine, Dibbida bbh, Tölpel; 
Klagkabben; stibben, mit 
Hand oder Ellbogen einen Stosz 
geben; Krotaschnabber, i. e. 
schlechtes Schnappmeszer; Baz- 
z a 1 i b b . 1 (Philipp) roher Mensch ; 
Bobbarädle, Mezgerstiohelna- 
me ; A b b e r, eine voll angespon- 
ene Spindel; Knabben, Haus- 
knabben sieh K.Schäbberle, 
Brusttüchlein, Schmuzlappen für 
Kinder; g robbet, rauh, uneben; 
Dobbeldaff et; hobbs, schwan- 
ger. Abbel (ApoUonia) u. s. w. 
c. ho bbh! (jucken, auf einem 
Fusz springen, hüpfen), zabbh 
(Chagrin) u. s. w. Ueber den 
Lautwert von P sieh mein Wör- 
terb. zum Volkstum!. S. 14. Ueber 
wirkliche und gestörte Lautver- 
schiebung a. a. 0. 29 und unten 
bei F. Disz ist ebenso allgemein 
schwäbisch , wie Augsburgisch. 
Angleichungen von p, t, u. s. w. 
wie z. B. in Nobburg fiirNot- 
purga, Settember f. Septem- 
ber, Klei derb. S. 80 finden sich 
in schriftlichen Denkmälern nicht 
selten, sowol in bayerischen als 
schwäbischen, wo auch Salt er 
und Psalter, Salmen und 
Psalmen üblich sind ; cgm. 168 f. 
25 u. oft. Die Schreibung p oft 
geradezu noch für b in Prot 



u. s. w. ist echt bayerisclien Denk- 
mälern eigen, weniger den schwä- 
bischen. 

PALM, PALMEN, der, ein 
Büschel Palmweiden, die am Palm- 
sonntage kirchl. gesegnet werden, 
meist V. Kindern geschnitten, ge- 
bunden u. zur Kirche gebracht. 
Nach altem Brauche steckt man 
einen Palmzweig in den Eren- 
plaz der Stube, in das Gmzifix- 
eck und bei Bliz und Donner 
vor das Fenster. Ueber das An- 
zünden der Palmzweige bei G^e- 
wittem, über die oberschw&b. 
Formen der Palmbüschel und de- 
ren Aufbewarung sieh mein 
Volkstüml. II, 73 ff. Die heilige 
Handlung heiszt Palmweihe; >man 
weihet den Palm«, >die 
Palmweyh« Festkalender. Die 
Käzchen der Palmweide heiszen 
in Augsb. Palmmulle, amenta 
Salicum L. 

PALMESEL. Ueberall in Schwa- 
ben war der Palmesel volk- 
tümlich. So auch in Augfsborg. 
Das Jareinmal hati 
Wenn Ostern bald heran will 

komen. 
Wird der Gebrauch in Acht ge- 

nomen, 
Dass auf den Ostermarkt man geh 
Und ja den Palmesel seh; 
Die Kinder auch darauf läszt reiten. 
So g'schiet's Jar einmal; was 

solPsbedenten? 
Dieser Palmesel war eine höl- 
zerne Eselsgestalt mit Christus 
dem Herrn darauf sizend, gefer- 
tigt von einem Ulmer Künstler. 



Paltrock -^ Passauer. 



87 



Seit 1436 ward er in der St. ül- 
riohskirche heramgefört , vollauf 
▼on Kindern besezt, weilesz Pa- 
ten u. Eltern für die^ Kinder als 
eine grosze Ere hielten, wenn sie 
am Palzntage auf dem Palmesel 
reiten durften. Jedes Kind muste 
einem Aufseher 1 Kreuzer beza- 
len. Dieszheiszt Gass. das Palm- 
eselfest halten S. 47. Bald 
hörte die Sitte auf ^ dafür wur- 
den kleine hölzerne Eselein den 
Kindern verkauft. Paul v. Stet- 
ten berichtet in s. Erläuterungen 
S.71 von dem Herumfüren des 
Esels als noch järlich vorkom- 
mend. Cgm. 302 f. 17 schildert 
eine Augsb. Palmtag-Prozession: 
»Damach segnet St. Ulrich die 
Palmen; darnach ward ein kost- 
lich Prozession von Pfaffen und 
Laien gehept mit creutzen und 
fanen und dem heiligen Evangel* 
voran pildnusz vnsers Her- 
ren auf einem Esel sizend 
vnd jedermann palm in Henden 
tragend vnd gieng die Prozession 
von S. Afra bis auf den P e r 1 a c h . 
So khomen der procession entge- 
gen die Chorherm vnd Pfaffen 
von vnser Frawen vnd mit inen 
die purger von der statt, die in 
der Stadt belibend und nett bei 
Sant Ulrich warend und bei in 
vil anderleut von den Dörfern 
und Weilern zu dem fest chomen 
wäre. Daselbs ward lobgesang 
volpracht, die palmen gewor- 
fen imd die claider gesträtnach 
des fests gewonhait. Damach 
thut St. Ulrich ^in predig vnd 



verpracht St. Ulrich darf Ampt 
der Mess. Darnach jedera[iann 
heim.< In Homo Simpl. heiszt 
esz: »Ein rechte züchtige Jung- 
frau musz sein wie der Palm- 
esel, der läszt sich im Jar nur 
einmal sehen. < 

PALTROCK, >Um 4 Elen ob- 
stends tuech zu ain Paltrock< 
6 f. 12. L. Rem. S. 44. 

PANTOFFELSTAFFETTEN, 
pL, Weibemeuigkeiten. Scherz- 
weise. 

PANTSCHMÜLE, f., Walkmüle. 
zu bantschen s. v. B. Sieh 
Nikolai's Reisen 8. Bd. Beilage 
S. 83. 

PÄPPELE, dim.; Milohbrei, 
Kinderbrei. 

PÄPPELET, adj.: weichlich. 

PAPPELN, unverständlich oder 
vil reden; besonders von der an- 
hebenden Kindersprache. 

PAPPERLE, dim.: Papagei. 

PAPPET, adj.: eifrig, schwär- 
merisch in seiner Religion. 

PARR, alt Parra,ein moosig. 
Grund b. Schiosze Kaltenberg. 

PARTITENSPlLER, Betrü- 
ger. Schmell. I, 296. >diserkomt 
durch das Hörensagen den Leu- 
ten in die Mäuler als seye er ein 
Partitenspiler, ein gewiszen- 
loser Wucherer«. Homo Simplex. 
»Wollte Gott solche Partiten- 
spiler wurden auf dieser Welt 
exemplarisch abgestrafft< . a.a.O. 

PASSAUER Wein und Ae- 
pfel erscheinen häufig als Fein- 
heit und Lecker biszen, auch als 



88 



PMMUer --« Pili.' 



Anneil möglich, dasz wirklich 
Passaner Gew&chs yentanden 
ist, oder hat das Österreichißche 
über Pas san eingefürte Erzeug- 
nis als Passauisches schlecht- 
hin den Namen bekomen. Pas- 
sau lag an der Hauptstrasze. 
>Ein wolgesmachs suesz pier 
zimpt ir (der Saugamme) gesaen 
und getrunken. Ein Passauer 
oder sunst süszer Wein, da- 
raus sie vnderweil ein Brot esze, 
ein gerstenreysz oder Hyrsch 
(Hirse) in Milch gekocht ir nütz.« 
cgm. 601f. 100. >Oder ein Pas- 
sauer öpfel oder Österrei- 
cher öpfel vnd tu den grucz 
daraus«, cgm. 317 f. 23a. üeber 
die Passauer Kunst d. h. He- 
xerei, sieh Schmid. 46. Passauer 
Klingen. »Er biegt sich zu- 
sammen wie ein Pas sau er 
Klingen: er schreit wie ein 
Nachtwächter, er schwizt wie 
ein Postklepper«, Conlin. >Der 
gedultige Narr musz sein wie 
ein Paussauer Kling, die durch 
lauter Bücken und Biegen ir 
Prob zeiget«, a. a. 0. Die Passauer 
werden von den Schwaben, zum 
.Teil von den Oberpfälzern insge- 
mein damit aufgezogen, dasz sie 
kein 8 sprechen können. Der 
Neckreim heiszt oberpfälzisch: 
bidd denn du au a Baddaua? 
bidd denn du äü a Daldad? 
traudt di niad affi af d* Maua 
traudt di niad eini in d'Dad. 

PASSAUER DÖLPEL scheint 
eine Art L&lle, ein Städtewar- 
Mi<^eft zu sein. >Waimft werden 



(Maulaffen) ftirt^etoMK,' ele f9> 
ben gleichwol nicht tteiewn 
die Mftuler auf nnd bleiben aaek 
gleichwol stehen. Diese vergleiche 
ich PassauerDölpeleOeiehl 
Wie das in Paseau ist nocb tif* 
lieh anzusehen«. Nstüvliche Zm^ 
berei t. Rudolf Lang von Auge* 
bürg 1740. 8. Heft. 49. 

PASSDSRLICH, adj.: »der Voll- 
mond im Widder yerspficht win- 
dig sonst passierlich Wet- 
ter« Augs. Hof- u. Kirchenkalen- 
der 1751. 

PASTEI, wie hochdenisch; 
in A. gab ezs solche bergftr- 
tige Vorwerke bei dem Ba- 
cher Anger, bei dem Wasser- 
tum, nahend dem roten Tor; 
bei dem Gänseck des Göggingrer, 
in den Judengottesacker bei dem 
Wertacher Tor; bei dem Lu- 
ginsland und dem roten Tum. 
Werlich S.2. 

PASTERNAT, Pastinak, pesU- 
nacia sativa. L. 

PASTETE f. Klnbb, Gesellschaft; 
>die ganze PastSt« die ganse 
Gesellschaft, wie sie beisamen 
ist. 

PAUSE; cgm. 168 f 4^ b. iL 
oft hat >mit Pausen«; »swo 
pausen f 49a. ü schon zu a«. 
PÄZ, swm.: 1) Pfüse, Kot, 
Sumpf: >d6 hupfHt dy ehret ein 
den tiefen Waszergraben, dawae 
ir p&zc; ogm. 269 f. g.b. Mer 
bayerisch. 2) Pfta ntr. komt ui U- 
turg. und myst. Büchern vor ale 
Friedenskussyon pax Tobi*. 



FlMMsbilioYii ^ P«tell. 



89 



PAZGINHOYA^ ai7.: Bskaea* 
hofen.TJrkdlcdaS. Holdes Passo. 
Spftt«r: Pass^nhova, PasEeühoyen. 
BazzenliOTeii. 18. Jark. Ba* 
taenhofen. 

PECHFISEL, msc: Schuster, 
sotor; scherzweise, im übrigen 
Schwaben Pechfidla. 

PMCK? >al8o waren die Schwei- 
zer zu gech und paugketen auf 
— item sie löseten aus der peigk 
1300 fL< Frank, Annal. >Helfen 
ein peigk gewinnen.« a. a. 0. 

PEL2n:G, adj.: krampfartig, er* 
schlaffend. 

PBRLACH, Perlaohberg, 
Perlach stieg in Augsburg, in Chro- 
niken Perlacher Plaz (Gass. 
125). Yolkublich: 

PERLENBEBG. SiehUrk. in d. 
Public, der deutschen Gesellschaft 
zu Leipzig 1, 167 : B er 1 a i ch Den 
yilen der abenteuerHehsten Er- 
klärungen besonders auf Seite der 
Bomanomanen können vorerst nur 
die ältesten urkundlichen Belege 
entgegengdialten werden. 

In Augsburg gibt ess folgenden 
Sohnellsprechyers : 
Welcher Beck becht die besten 

Brezgen? 
Den B er laber g auf und ab? 
Und hängts beim hintern Fenster- 
laden Nagel nab? 

PEST in Pesthaus, Pest- 
kirchhof,PeBtoapelle; >durch 
wen, und wie das zum Pest- 
kirehhofu. Häusern geschenkte 
surerwenden«. >Erriohtung eines 
P«stkir«hhof8 am gesunden 



Zeiten in der Stadt w^Ai den 
Ptarem nicht rac. >Gapelln 
zu errichten in Pesthäusern 
ist unverwert< u. s w. Akten. 
>Ein hitzig pestelenzials Fi» 
ber« L. Kern. S. 7. Flurnamen 
kenne ich folgende: Pestacker 
V* Std. V. Seibranz. Grabstätte für 
Pesterlegeno und Hingerichtete. 

PESTKREÜZ. 1) bei Röttin- 
gen OA. Nersheim. 2) bei Horb 
an der sog. Talstrasze. Pesti- 
lenzholz, bei Breitingen (Ulm) 
u. s. w. Pestgottesacker bei 
Wemsbofen. 

PESTH und OFEN leben noch 
ausz dem Türkenkriege in ober- 
schwäb. Kiuderreimen: 

Uraxdax und Shureschä 

Pesth und Ofa Wereschwä. 
PETER, ein gutmütiger 
Mensch von geringerm Verstände 
und wenig Klugheit. Kinderreim: 
Der Peter und der Paul 
Die schlaget einander aufs Maul 
Der Peter ist so keok 
Und wirft da Paul in Dreck, 
Der Peter lauft davon 
Und sagt i habe nett thon. 

(Augsb.) 
Ich fcbe hier auch den schwä* 
bischen Kirschenpeter an; 
ein Fest, bestand in Kirschen» 
besuch und nachher (Belage, bei 
Plochingen bis Bottwar und Heü- 
bronn hin am Peter und Pauls- 
tage. 

PETELL, der, »So ein Vogts- 
geding auf der Phallenz zu 
Augsb. gehalten wird, so solder 
Reichsvogt daeselbe Yogtsgeding 



90 



Peterling — Pfeflb. 



betitsseft und von dem P et eil 
den Stab nemen und richten.« 
Vrgl.v.l456. 

PETERLING, der, Petersiüe. 
In Wurml. und Umgegend Pai- 
terling; im Eichsfeld Paet er - 
sillie, swf. Mhd. peterlin. 
Wb. in, 372 b. Schm. 1,301. »Und 
wer Juden, ald Essenmaoher 
oder iemand anders zu kouffent 
git peterlin ald was in den 
garten wachst, wann an offen 
Markt, der verfallet 5 Schilling 
als dick er das tuot.< Memming. 
Stbch. Ueber die mit -ling ge- 
bildeten Aepfel- u. Schwämmena- 
men. Vgl. Gramm. HI, 372. 376. 782. 

PEÜTINGER, erhalten in dem 
Peutinger- oder Jesuitenholz, 
der Holzmarke Kehlbach zwischen 
Rumoltsried, Willishausen, Ocken- 
hof u. Biburg. 

PFAFFE. l)>Pfaffengä88- 
c h e n gibt esz in Augsburg 3 : das 
untere, mittlere u. obere.« 
Pfaffenhäuslein bei St. Pe- 
ter, Gassarus 91: «Verpranne 
sampt den nahendten Pfaffen- 
häuslein zu St. Peter auf dem 
Boden hinweg.« >Die Pfaffen- 
jungen < a.a.O. >den Pfaffen 
mitder Kutte eszen« Redens- 
art: groszen Hunger haben. Be- 
kannt sind die auch in Augsb. 
brauchigen Pfaffenschniz- 
lein, das Brustäeisch d^ ge- 
bratenen Gans. Pfaffenkeller 
b. d. Reitschule. Adj.pfäfflich 
>Dasz ist, swer einen pfaffen be- 
raubet uf des riches sträsze, der 
gewihet ist vnd pfä fliehen ri- 



tet oder gät One w«r«.' Augsb. 
Stadtb.f. 8 a. Sp.2. Mhd^Wb.IU, 
475. Ausz andern T^mi Schwa- 
bens kann das Wort Pfaffe be- 
sonders in Zusamenseeungen 
in folgenden Bedeutungen nach- 
gewiesen werden : P f a f f en g a 8 s e 
1) b. Kolbingen. Mülh. ürb. 30. 2) 
in Riedlingen. Pfaffenbexg, 
Wurml. Weinberghalde. Pfaffe- 
nau, Rottenb. >duo jugera pra- 
torum in der Pfaffenau <. De- 
script Carm. Pfaffental l)bei 
Ueberlingen, 2) bei Villiiiigen 
(Baden), 3) bei Wehingen (Wur- 
temb.). Pfaffeneichenrain, 
Grundelbach. Waldname. Pfaf- 
fenäcker bei Hohentwil. Pfaf- 
fensee bei der Solitude. Pfaf- 
fe n b r a n d b. Möhringen, e. W&ld. 
Pfaffenwald bei ReinerlEaa 
(Freudenstadt ). P f a f f e n s tei m 
unterhalb der Sehilzburg im lia«» 
tertal. Pfaffenhölle, Klb- 
sterhölle Schlucht beim Mooa- 
berg im Lautertal. Pfaffen^ 
bauerhof, Ulm. Ob. A. Bd- 
schrbg. S. 218. Pfaffen -w4,ge, 
Mone-Ztsoh. I, 202. Phafinwisi, 
Madacher Flurname. Mone-Ztsoh. 
1,329. Pfaffenriedertal od. 
Ober-RoUal. b. Leutkirch. Pf äf- 
fen röhr lein, dens Leonis, bei 
Hirschau. Pfaffenhöl«, Ober- 
dorf. ImPfäffinger,a.a.O. Un- 
terdemPf äff enholz,a.a.O»Pf äf- 
fe nhölzl ein >näch8tbei Sohep^ 
pen gelegen«. Pfarrbuch v. Wal^- 
ringen. 2)Pfaff,Pfaffenmil.oh9 
die zusamengesottene kasartige 
Substanz der Erstlingflmüch der 



Pfal — Pfonne. 



9t 



Kühe nach dem Kälbern in Her- 
bertingen, Bins wangen; K n a p r i e; 
ster sonst; Büetsch in Weingar- 
ten. >Der Pfaffasackhotkoin 
Boda<, übörall. Zu den Flur- 
namen vgl. Förstemann, 0. N. 
S. 165. 

PFAL ; in den Stauden galten 
einst, jezt selten mer, Pfale als 
Markzeichen. »Ein Pfal am 
Graben , auf der Leitin , ein Grueb 
und ein Pfal in ürb. oft. Eine 
Pfalung vomemen. Eine Pfa- 
lung8handlg.<.1567MickhAkt. 

PFALZ Die bischöfliche 
Pfalz in Augsburg spilt in Ur- 
kunden, Chroniken, überhaupt in 
der Geschichte Augsb. eine grosze 
Rolle, besonders in den oft ser 
ernsten Kämpfen des Krumm- 
stabs mit den Bürgern, bis die 
lezten die Pfalz zerstörten. Das 
Stadtrecht hat die alte Form 
Phallen z, »vnd sol auch den er- 
sten tag rechten üf der phal- 
lenz vnd sweme das dinch üf 
der phallenz verboten wirt, 
Bwer danne dahin nicht chomen 
ist€ u. 8. w. f. 58 b. Sp. 2 Die Chro- 
niken schreiben > Pfalz«. Ga8S.244: 
>der bischöfliche Pallast die Pfalz 
genannt«. Mhd. Wb. III, 476. Gram. 
I,39f. Die Hofstatt der ehe- 
malig abgetrag. Pfalz komt in 
den Akten und Verträgen öfter 
vor. Ebenso erscheinen Vogts- 
geding auf der Pfalz gehal- 
ten« a. a. 0. Otfrid I, 5, 17: pa- 
linza; 4, 20, 6: palenzhüs. 
Sohmell. Glossen : f a 1 a n z a, aula ; 
phalenzlicher palatinus, pa- 



lazgravium, magistratus, pha* 
lanza, zi, ad praetoria u. s. w. 
Die Erinnerung an die alten 
Pfalzen erhielt sich noch da und 
dort in Münzen und Flurnamen. 
P f a 1 z g r af heiszt Reutlingens 
beste Weinbergshalde. Vrgl. 
Schmid, die Tüb. Pfalzgrafen S. 
139. Pfalzhalde heiszt noch 
jezt der südliche Abhang von 
Hohentübingen. Pfalzgräfer, 

e. Münze. >18 gemeiner leichter 
Pfennig, so man Pfalzgräver 
nennet.€ Mülheimer (a. D.) Urbar 

f. 8. Aenlich hat sich noch der 
Feldemame Markgraf in mei- 
nem Heimatorte erhalten für we- 
nige Jauchart Ackers, offenbar 
von den Hohenberger Grafen her 
benannt, die hier zalreiches Gut 
und vil Land und Leute besaszen. 
Oder von den Tübingern? 

PFANNE: in dem Fuggerschen 
Inventarium zu Hardt von 1691 
werden >Messene Pfannen, 
eiserne Pfannen, Pfanneisen 
u. s. w. erwänt« »A Ff an die 
machen« allgemein : das Gesicht 
zum Weinen verziehen, wie Kin- 
der tun. Pfannzelten, Pfannen- 
kuchen: > desgleichen sol man je- 
dem pfründner und pffündnerin 
des Spitals in der Tasten alle 
Wochen zwen pfantzelten, 
nemblichain amMontag, ain an der 
Mitwoch; dorzu ir jedem als 
quatember ain pfantzelten, 
nemblich an der mitwochen, an 
den 3 Donnerstagen nechten vor 
wichennächten genant dieknöpf- 
linsnecht auch ir jeglichen ain 



92 



Pfarrig — - PÜBlseti 



pfandzelten geben; derselben 
p fantzelten ainer ain halb 
Pfand wegen 8oL< Erneuerte 
Pfründordnung v. 19. März 1462. 
>Statt der 8 pfandzelten sol- 
len; zwo Hennen gegeben werden. < 
Pfründe - Ord. V. 1543. In den 
Stauden ist Pfannzelter Fami- 
liename. (Mickhaus. Akten.) 

PFÄRRIG sein, schuldig, ver- 
pflichtet sein, offenbar v. P f a r r e 
ursp. zu der und der Pfarre zehn- 
den, Gilten bezalen müszen. In 
dem Altenstaiger (Sohwarzwald) 
Lagerbuch v. 1660 bei Reyscher, 
Stat. Rechte 81 kernt das Wort 
auch vor: >ünd Beyren dahin 
pfärrig gemacht. >ImPfärrle« 
eine Ortsbezeichnung in Augsb. 
Bronn. 0. 17b4. In der Pfarrei 
heiszt volktümlich seit Alters der 
Bezirk Horgau. 

PFAÜSEN ; vom Vileszer heiszt 
esz bei Regiomontanus 1512: >da6 
ain Mensch schwer undtr&gwirt 
nach dem Eszen vnd den Atem 
tief holt und pfauszet, das sein 
natürliche Wirmeist geschwechtc 
Gehört wol das pauszenin einer 
herzogl. wirtb. Verordg. v. 81. Jan. 
1561 bei Reyscher. Samlg. Xu, 314 
auch daher: >übermäszig pan- 
kettieren, Gastungen, Schlemmen, 
Paussen und Prassen.« 

PFEFFER, in Hasenpfef- 
fer, Ganspfeffer, imwirtemb. 
Schwaben so volküblich, kennt 
Augsb. auch; in der Pfiründner- 
ordg. V. 1462 : > Am gailen Mäntag 
zu Imbis die gewonlichen pfrönd 
und an dem Nachtmal einen pfef • 



fer mit Zungen und Eiter und 
ain Milch dasu«. >Aii.8t. Mar* 
tinstage zu Inbis die gewonlichen 
Speis, darzu ain pfeif fer: Vieren 
ain gans, jedem einseidlin Weins«. 
Die Ord. v. 1543: ilteni auf Mar- 
tini gen Morgen soll man einem 
jeden Pfründtner oder Pfründt- 
nerin zue sambt dem so ime sonst 
gebürt gegeben werden ein P fef - 
f e r , darinnen Zungen und Eiter« . 
Nicht kann ich esz für Geschenke, 
wie in meinem Volkstüml. IE. 112 
und öfter esz vorkomt, nack'weiiaa. 
Vrgl. mein Wb. z. Volkst. ß. t. F. 

PFEIFE, die, »Er dappet bicilt 
blind unbedachtsamb drein, da* 
mit er nicht, wie man feu sagen 
pflegt, ein Ross umb eine 
Pfeiffe vertausche«. Homo 
Simplex. 

PFENNIG, »Münchner pfe* 
ning« sowie von den schwabiubkeik 
Reichsstädten benannt, komen tu^ 
zäligemali. d. Akten vor. Pfen un- 
wert, was 1 Pfennig wert ist, 
Schmell. 1, 816« cgm. 2517 £1 26 1^. 
Schulden nnd Pfenn werten 
S. 487 b. Pfenniggilt ti^ 
Eisengilt. Pfennigmeister 
und Partitenmaoher hiessen 
Kaiser Karls V. Geldauffcreiber. 
Gassarus II, 78. Gastwirt und 
Pfennfertkrämer» 

PFERDELN, den Pferdegeruch 
an sich haben. 

PFEZEN, zwicken, drücken, 
»mitglühendenZangen pfetzen«* 
Gass. n, 122. Mhd, Wb. HI, 498 bt 
pheze, swv. : vellioare, zwidcen, 
kizeln; ital. pizzioare . 



PfifferKng "^ Pflote. 



»S 



PFIFFERLING, wie hochd. d. 
Schwamm, Erdschwamm in Augsb. 
aach Kot und bildlich eine 
wertlose unbedeutende Sa- 
che, anlich wie Judenheller. 
Schon Abt Peter von Salem sagt 
>Sie waren von dem Ossa (30jä- 
rig. Krieg) Also verordnet tind 
hielten auf die Salva Quardianit 
einenPfifferling<. Urk.b. Baa- 
der, Farben I, 65. Dasz von 
Pfifferling, dem Erdschwamm, 
Flur- und Waldnamen herkomen, 
wie z.B. PfifferlingshauRev. 
Ringgingen u. andere, ist ganz na- 
türlich. Rosspfifferling. Swd. 
PFIPFI , hartes Zungenspiz- 
Hautlein b. Geflügel, auch P f i f f is. 

PFISIG, >ja ist dieSägamvol- 
kumen und rottenhaft, so sol^ 
man ir laszen zu der Adern, war 
sie aber plaich und pfisig vil- 
leicht bedärft sie Säuberung <; 
cgmTeOi f. 103 a. In den Stau- 
den heute noch bräuchig: fett, 
wol auf. 

PEITSCHE PFATSCHE NASZ, 
adj. ganz durchnäszt. 

PFLADER, >die Mülenander 
Pfladerlachen«, Gass. 126. 
Vrgl. pflätsehen, pflätsch- 
gen, pfladern und zabeln (im 
"Waszer), cgm.581 f., 112 b. Esz 
gab eine Pfladergasse. 

PFLÄNDERN, »herumpflän- 
d e r n < , herumreiszen 

PFLASTERZOLL, v. K. Sigis- 
muBd (1416) d. Einfürung erlaubt; 
bif ehöfl. u. capitlische Untertanen 
teilweise befreit. Wegen dieses 
8oU (1602) die domstifbische Cle- 



risei dem StadtzoUerer järlich ein 
gut Fuder Holz geben. 

PFLATSCHGEN, swv.: stark 
regnen; Pflätsch, N&sze, in 
Folge verschütteten Waszers ; 
dann das flieszende oder stende 
Waszer auf Straszen bei Wolken- 
brüchen , starkem Guszregen. 
Pflätsehen swv., stark mit der 
Hand ins Waszer schlagen; im 
Waszer spilen wie Kinder tun. 

PFLEGÄMTER waren in allen 
bischöfl. Augsb. Städten und be- 
deutenden Orten. Im Fuggeri- 
schen Schiosze zu Mickhausen gab 
eszeinePflegkuchin,einPfleg- 
badstübiein. 

PFLEMPFEL, lümmelhafter 
Mensch. 

PFLÄZ, das, der Hofraum. 
»Auf das pflez ausgeschidt vnd 
zerriszen«. S. 151 b. >Herunden 
auf dem p f 1 S z der Kirchen < . (a. a. 
0.) >Der Götz fiel von der Höhe auf 
das Pflez nicht one Schrecken 
des Pöbels <. Gass. II, 114, Der 
Altbayer spricht Flez. In an- 
dern Gegenden Schwabens P f le z. 

PFLODERN. Von Kassandra 
heiszt esz im Troj. Krg. 24 a.: >In 
einer newen und barbarischen 
Klaidung angelegt mit pfloder- 
tem Haar«. Das flodrizen 
in dem bayer. cgm. 254 f. 4 b. 
scheint dasselbe zu sein. Vom 
Fuchse, der sich vor dem Raben 
tot stellt, heiszt esz : >mit vercher- 
ten Augen, mit niedergefallenen 
Kinpachen mit gestrackten Fäu- 
sten, mit geflodriztemSwanz<. 

PFLOTE, swf.: unreine Hand. 



94 



Pflug — - PftOgan. 



Pflote schreiben, unleBerlich 
schreiben. Vgl. Schmid s. v. 

PFLUG umziehen, ein altes 
Augsb. Frülingsfest zu Eren der 
Zisa (Nerthus) wird in einem > Be - 
rufumbFasnacht< v. 1510 ver- 
boten, >Ain ersamer Rat diser 
stat Augspurg vnd des hailligen 
reich 8 YOgt daselb schaffen vnd 
gepietten, das weder man noch 
frauen, alt noch jung, gaistlich 
oder weltlich die fasznacht vnd 
zu äugender fasten weder tags 
noch nachts in diser stadt auf 
des reichs straszen kain schen- 
bart vor sinem angesicht tragen. 
Es sol auch niemand an der esch- 
rigen mitwoch vnd die tag dar- 
nach den andern weder fahen 
noch nötten zum wein zu gän. 
Man sol auch an bemelter e s c h e - 
rigen mitwoch des vmzie- 
hens mit dem pflüg milssig 
steen, alles und jedes bei der 
straff die darauf gesezt worden 
ist unablössig zu bezallen — dar- 
vor sich menigelich wiss zu ver- 
bieten.« Hans Hector Mairs 
Rathsdieners (1501 — 1587) Me- 
morialbuch 86 b. Augsb. Archiv. 
In e. solchen Beruf v. 1567 heiszt 
esz ausfurlicher: gleicher gestalt 
wil auch ein ersamer rat das 
pflugziehen und tragen in 
die waszertrög ernstlich ab- 
gestellt und verboten haben«, 
f. 151 a Sieh Herberger's Burg- 
und Batfeld LXXXIX. 

PFLUM, der, Flaumfedern, 
pluma latein. Mhd. Wb. sv. 

PFit£NG£N,pfrangte, in die 



Enge bringen. Mhd. Wb. III , 815. 

Schmell. 1. 332. >Si6 (die Frawen) 
legen iren leyb in einen engel- 
notstall des Bawmwolienrocks 
gepfrengt und gepryien; md 
der es yn zu busz säst: eye tra- 
gen es nit«, cgm. 311 f. 49 b. >Da 
bist erlediget worden durch eein 
hilf von deinen sonden, die du 
getan hast und um die du dich 
also gepfrengt mit den cysinn 
zirklen hast« ; cgm. 402 f. 61 b. 

PFRAUMIGEB Fr eitag heisst 
in den Stauden der Freitag tot 
der Fasnacht; gehört mit pfro- 
mig zu bromig, brämig T.brftme 
Kot, Schmuz. 

PFUI Hast beliebter Angebiir^ 
ger Abweisungsruf. 

PFBÜNDE: eez heiszt der äl- 
teste Spital Ja kobspf runde; 
einige Zeit auch Barfüsser- 
pfrün de ; die Nuznieoer sind die 
Pfründner; die Ordnungen die- 
ser Pfründe sind ser alt. Her- 
berger's Monografie. Das Verab- 
reichte im Pfrün degeb&ude 
hiesz ebenfalls Pfründe, daher 
Weinpfründe und trockene 
Pfründe. Herberger S. 20. »Am 
gailen Montag zu Jnbis die 
gewonl. Pfründ«, öfter. PMnd. 
Ordg. 1432. Esz gab einen Pfr&n- 
demeister. Die sog. reichen 
P f r ü n d e n kamen erstl73a— 1740 
auf. 

PFULGEN, swm.: Kissen, bee. 
Kopfkissen, gröszer denn andere 
Kissen: wirtemb. Pfulben, Pfnl* 
benziech; besonders hieszen in 
Augsb. wie im ganzen Mittelalter 



FliMtfftQ ^ Plast 



95 



ItUerwärts Pfui gen tind Balgen 
ledernene Saoke für Beiseefiek-^ 
ten, überhaupt für Kleider, Klein- 
odien. In den alten Weberhaus- 
reohnungen komt oft vor >den 
Pfulgen in der Tuchs chee- 
rerstub' «uszubeszem 30 kr.< 
>]>em Herrb Baumann für die 
zway Pfulgen lfl.< u. s.w. In 
seiner ersten Bedeutung erscheint 
das Wort im Backnanger Stifts- 
Lagerbuch von 1501 bei Rey- 
scherStat. 3. S. 125: >Item Eeder- 
wath bedarf man nit verdritayln ; 
es were denn, dasz einer federn 
hett, die noch nit gefaszt weren, 
weder in Betten noch Pfulgen; 
dieselben Federn müszen verdri- 
tayla < In dem Hardter Fugger- 
schen Inventar v. 1491 werden auf- 
gezält >Angerichte Ehehalten — 
Pettstatten. jede mit Ober- und 
Unterbett und Pfulben, 11 üb- 
rige u. vorrätige Leilacher nebst 
Pfulbenziechen«. f. 28b. 

PFUZGEN und pfuchzgen 
1) kichern, 2) winseln vor Schmerz. 
In andern Gegenden laut auf- 
schreien bei plözlich entstande- 
nem Sclnnerze; von Gegenstän- 
den: die Schnecken in der Brair 
pfanne pfuzgen; das siedende 
Schmalz pfuzget u. s.w. Einen 
Pfuzger nauszlaun. 

PIGKEL, die unten spizige 
Haue mit langer Handhabe (Helm), 
in pickelhart, adj. so hart, 
dasz man den Gegenstand nur mit 
einer solchen Hacke zerschlagen 
kann. 

PIPPEN, >disem alten Vogel 



p i p p e n die Jungen nd.Qh< . Ersn- 
fest 1699 S. 30. 

PIREN, Pinen, die, heisztin 
den Chroniken das Augsb. zirbel- 
nuszartige Stadtwarzeichen. Bei 
Gass. (4) stet: t^»ynd der ge- 
meine Mann, da er solt sagen 
der Stadt Pinen spricht er mit zä- 
hem Teutsch der Stadt Piren.« 
S.28: Stadtpyr (Obsbiren) von 
pyramo (Boetius), ein runder 
zugespizter Markstein.« War- 
scheinlich ist das Zeichen nichts 
anderes als das jeder röm. Colo- 
nie eigene Stadtabzeichen. Ge- 
wagter dürfte sein, die Pyren 
als Ueberbleibsel des phönikischen 
Phalluskultes anzusehen, wie schon 
geschehen. 

PISTOLE laden, eine Pfeife 
Tabak einstopfen. Scherzweise. 

PITSGHE ; die , einmasziges 
Trinkgeschirr mit Handhabe 
und Deckel. Butschen, Büt- 
sehen bei Schmell. 1,226. 

PLÄNKELN, swv. Von Neop- 
tolemus heiszt esz im Troj. Krg. 
58b.: »Damach aus Wildigkait 
des Ungewit^rs ist er sehr hin 
und her auf dem Waszer ge- 
planklet worden«. Mit Um- 
laut komt plenkeln, schleu- 
dern, werfen, bei Schmell. I, 387 
vor, der das got, usbliggvan ver- 
gleicht. 

PLAST, der, Blähung. »Und 
haben die vileszenden Kinder vil 
pläst des Leibs vnd höchsend 
daron«. cgm.601f. 101 b. »Auch 
kumbt die Grossy des haubtes 
von groben plästen vnd tem- 



0« 



Plapipurt — 



pfen, weleh die hur des kaobts 
aufbömend«. f, 104 b. »Oder 
Ton p lösten erkent man also, 
wann so man in die wessrigen 
geswulst greift, so beleibt ein 
Teil, welichs «it geschieht, so 
geswulst von p 1 Ö s t e n ist <. a. a. 0. 
Sieh oben bei B. 

PLAPPART inKueplappart, 
eine Schelte: »dasz ein Burger 
von Costanz mit einem von Lu- 
xem, mit Würfeln gespiltvndda 
er das Geld, so er gewunnen hatte, 
einzöge, einen Bernerischen 
Plappart ein Kueplappart 
grenenet«. Grass. 195. loh erinnere 
hier auch an den historisch merk- 
würdigen Ruf Euhgaüer,Euh- 
gayer ausz dem schwäb. Stadte- 
krieg, als die Schweizer in den 
Hegau hereinzogen. Die von Ran- 
deck riefen inen zu,dajeneTor- 
beigiengen: m*n,mä, Kuhgyer! 
Die Schweizer zerstörten Randeck 
a. 1499. Vgl. T. Härtens, Hohent- 
wil 19. IldefonsY. Arx II, 438,welch 
lezterer ergözlioher, sonderba- 
rer Weise gir, delectatio camis 
als Erklärung dazu gibt. In 
der Mikhauser Dorf-Ordg. 1532 
erscheint der Piapart als Ab- 
gabe an den Vogt und als 
Strafe. 

PLASSE, swf . : weisser Flecken. 
»Ein Eueh mit einer weiszen 
Plassen«. Mickhaus. Akt. 1642. 
»Und Tomen an der plassen 
des Rosses ist des Grafen Wap- 
pen gewesen angfehefb«' S. 279. 

PLATTE, 1) tonsura, corona. 
>Aber die Eron des priesters, die 



in grobem Deuiadi 
platten.c Angab. Moi^ImIil 4 b. 
»Und dammb, so nenet die ge- 
schrift im Latein die blatten 
ein Erone; darum so loldöh^er 
Priester der blatten oder JEron 
nit schämen«. »Also naeh dorn 
Tode Sanct Petri, do Heu dor 
babst vnd die Bischof aUett Brift» 
•tem blatten scheeren« 6n. 
2) WaldsteUen, kalo PlftM tm 
Leitaberg, 8) Waldnaao fibor- 
haupi. Stauden. 

PLAZ in Ajigsb.wieallerwirie 
gab esz diese Lokalbenenming: 
»auf dem Plazle bei dem Bo* 
ckenhaus<.Bronn.0.1784 »ObAoM 
Plazle onfiam dem B.c am 8t. 
Stefanspias, St. Ulrieha- 
plaz, St. Gallenplas, '• Gdg^ 
ginger TorpUsle. PUzlo bei 
der Brillbrücke. Piaswirt- 
schaften gab esz und gibt oea 
noch inerare. 

PLODRIMENT, »Und diM 
geschieht absonderlich wann man 
alle Schwäzerei und Plodri- 
ment leichtHch glaubt und fiür 
die gründliche Warheü autdirai* 
tet«. »Vil reden und ploderiic. 
Homo Simplex. Yolkübliohkaiuk 
mer; eez ist auch blooe eine an- 
dere Form für plaudern, Pia«- 
derung; worüber Schmdler ^ 
883 nachgesen werden kann. 

PLÜMPFEN, mit Gerimik 
fallen. »Und ward Acbillee der 
Polixena besichtig, da plnm*> 
pfet sie in sein Hers vnd bnb 
an sie vbermaszen lieb zu haben«. 
Troj. Erieg 74. 



Pluttirljflffiü --S Porte. 



9T 



PLÜDESmOSEN: >ein altes ab- 
geschabenes zerranseltes Weib, 
80 mehr falten in ihrem Gesieht 
hatte als ein altes schweizeri- 
sches Paar Pluderhosen«. 
Homo Simpl. 

POL ACE ; der Rest Taback in 
der Pfeife. SchmelL I. 280. Best 
im Glase. Poläckle, ein ge- 
scbniitenee Hon. 

POLDERER, GEPÖLDER zu 
polder^ >da vor disem zween 
des Rats darzu verordnet gewesen, 
vor welchen dieselben Pol der er 
ihr Verbrechen persönlich ausz- 
sagen und bekennen müszen«, 
Gass. 131. »Den 28. Martii hir- 
nach wurde verbotten, die papi- 
stischen Pfaffen, wann sie das 
Sacrament mit den vorleuchteten 
Laternen und Glöcklein, den 
Kranken über freie Gassen tra- 
gen, weder mit Gelächter, nicht 
pfeifen, noch handbatschen oder 
sonst anderem Gepölderzu ver- 
spotten«. Gass. 

POLES, eine Art Gebäck ausz 
feinem Mel. Inserat: > Heute Mon- 
tag den 16. Nov. frischgeba- 
ckene Poles im Eafeestübchen 
am hintern Perlachberg <. Ahd. 
bolla f. feines Mel, lat. pollis; 
mhd« p o 1 1 e schwm. Wackemagel 
Wb, 4. Aufl. 42 a. 
POLITTEN hieszen ursprunglich 
Zettel, die man sonst vom amtie- 
renden Bürgermeister abholen 
muste, um nach dem Torschlusz 
ausz der Stadt zu komen. Spä- 
ter hatte jeder Reisende disen 
Zettel auf der Polizei zu holen. 



Sodann hieazen alle kurse schrift- 
liche Begläubig^ngszeichen so 
bei Fure^, beim Mautamt. >Dasz 
sie keine Person, one Fürweisung 
einer Politen entweder vom Ja- 
cober oder Wertachbrucker Tor 
einnemen, sondern diejenigen, 
so gar keine Politen, ausz- 
schaffen und fortweisen«. Poliz.-O. 
In e. Vergleich von 1601 dürfen 
»die Fuhrleut, die für Geistliche 
fahren, nicht im Spilhaus aMaden, 
noch um die Politen etwas 
geben <. Esz gab ein Amt der 
Politenauszgeber. 

POMPERMETTEN. »Am Mit- 
woch (i. d. Charwoche) Nachmittag 
haltet mandie erstePassionmetten, 
insgemein bei Volk die P o m p e r- 
metten genannt <. Festkalender. 

POMPERER, der laut hörbare 
Fall eines Dinges. In Nieder- 
schwaben sagt man vom groszen 
Geschüze >'8 pomperet«. Vgl. 
den alten Reim:Rompede bomp 
bomp u. s. w. 

PÖRTNER, «diePörtnerge- 
schl echter« in Augsb. Gass. 4. 
>Es hat auch Imbricius a 1070 
das Kloster und Kirch St. Mar- 
tini für die vermumbten Nonnen, 
dazu dann die Geschlechter, 
Pörtner genannt, ihr Haus zu 
sunderem Gottesdienst geben, auf- 
richten und weihen laszen«. a. a. 0. 

PORTE, die, erscheint in H. 
Ottmar'schen Drucken (1499. 1509) 
in folgender Verbindung: die 
sieben Porten oder Fest der 
Mutter Gottes : > die erst a ü s z e r- 
lieh port der Mueter Gotes 
7 



98 



Post — FlMy^sr« 



bedent das Fest irer liailigen em- 
pfahung« u s. w. Ebeno gab esz 
bis ins vorige Jarhundert herein 
sog. Himmelsp|orten, askei. 
Flugblätter and kleine Erbauungs- 
büchlein. 

POST, Nachricht. >Er kundt 
kaum reden mehre, die poscht 
gfiel im nicht wol<. In einem 
Morhardt'schen fliegenden Blatte 
(Augsb.): Lied von Todt und jun- 
gen Mann. Postmichel, Brief- 
träger. 

PRANGEN, um den Vorrang, 
zu rechter oder linker Hand gen 
zu dürfen, streiten. Prang- 
st übe, Staatszimmer. Prän- 
gisch: >die Burger und In- 
wohner dieser Stadt seind je 
und allwegen zur Arbeit geneigt, 
freundlich und eines ehrbarn ein- 
gezogenen Wandels und Lebens 
gewesen; Mrie auch noch bevor 
ab die Weibsbilder von Gestalt 
schön, an Kleidung prächtig, mit 
Eszen und Trinken köstlich, in 
Worten und Wandel prän- 
gisch, in Handlungen geschickt, 
an Geberden auszlendisch , die 
fremden Nationen alles nachtun 
wollen vnd von wegen ihrer Reich- 
tumb und altem Herkomen vil 
von sich selber halten <. Gass. 2. 
Prangerin für Brautfiirerin, ist 
in einzelnen schwäbischen Gegen- 
den noch üblich. 

PRASCHELN swv. »ich höre die 
Flammen bereits praschlen die 
glühende Kolen schnalzen < . Eren- 
fest 1699. Praszehi sieh S u. Sz. 

PREIS, der, 1) Dachziegel 



2) In der Red. A< »£• wurden 
keinem seine Güther Pveis ge- 
macht, jeder bei seiner Frcäiatt 
gelassen«. Gam.85. 

PREISKETTE, «Ubmie Kette, 
die unter die Gollerkette ontdes 
»Leib stück« herom geÜMwird. 

PRESZREUTERN, einei ge- 
waltsam zur Arbeit »abelten, 

PRETTLINSKNEGHT: «Redkr 
oder P.< Gass. Pritsohenkiiedit. 

PREÜSZICSH: >nao%welchem 
das Lechhauser oder Jaeebertor 
auf angebung einet teatM^en 
Herrn auf diePrevsEisckeArt 
und Form mit einer Paatey 
gleich in disem Monat, werüeher 
zu machen angefangen worden«. 
Gass. 203. Bis zum Aufhörender 
Augsburger Reichsunmittelberkeit 
bestand da ein preussiseliet 
Werbecommando, welches «ich 
im Prinz von Uranien befand. 
»Ein Gesicht als v. rotem pren- 
szischem Leder übenogen«. 
H. S. 

PREYGER, Bräutigam. >Prey- 
gSr< S. 345 b. >Nach flolicbem 
sagt der Kaiser vor dem Altar 
zu dem PreygSr«. a.a.O. Der 
PreygSr ist in Mitten detKu^ 
sers und Pfalzgraf Ludwigs ge* 
ritten«. »Nach d«n Naefataud 
hat man ain Danz gehept und 
darnach disselbe Nacht hat man 
den PreygSr und Braut m- 
sammengelegt und haben bei 
einander geschlauffen und den 
schwäbischen Brauch gelial* 
ten«. S. 346 a. »Urbannm den 
Preyger« S.385a. 



Briauseit. 



099 



Anmrkg. Diser «Ittcbwibi 
Eeehtfftltertamliahe Brauch heisEt 
>mit der Decke /beschlagen^. 
>Wenn am ersten Hochzeitstage 
die Nacht herankam, ward die 
Bramt von den Eltern oder Yor* 
münderü und dem Bratttforer 
und der Brautfi^u, oft aber von 
der ganzen Gesellschaft in die 
Bratttkammer geleitet und dem 
Bräutigam übergeben^ Sobald 
eiile D^cke das Paar be- 
«chlug galt die Ehe als rechts- 
gillÄg angetreten und die Braut 
war nunmehr Ehefrau; daher war 
die öff^tlidbe Beschreitung des 
Ehebettes zur gesezlichen Bedin- 
gung erhobea Das Yerlezende, 
was £^ die jungfräuliche Braut 
darin lag^ ward in jüngerer Zeit 
gewönlich dadurch gemildert, 
dasz beide si(^ völlig angekleidet 
niederlegten und es also eine 
blose Förmlichkeit war. AU^ 
disz war eben jüngere Milderung; 
in früherer Zeit blieben die Braut- 
frauen so lange im Gemache, bis 
die Braut entkleidet dem Arm 
des Bräutigams vertraut war«. 
Weinhold, deutsche Frauen S. 268. 
269. Grimm, Rechtsalt. 440, 1. 
Ueber die rechtsaltert. Sprichw. 
davon sieh: Simrock, deutsche 
Spriehw. 1014 1516. Eisenhart 
132, 133. Hükbrand 123. 124. 
Pauli, Abhandlungen auszd. Lü- 
beck. Recht U, 1. J. Frischlin, 
Hohenzoll. Hochzeit (meine Ausg.) 
S.143. 144. TextS. 64 Hier get 
das ganze G^olge, mit Trompeter 
vomedrausz; der Bräutigam legt 



■einen Schmuck ab: alles stund 
im Zimmer, im Brautgemaidie: 
Die zwen Brautfürer traten her. 
Die Gsponsz sie brachten höflich 

sehr, 
Und legten sie hinein ins Bett 
Dir weisze Kleider noch anhett. 
Dann legten sie den Bräutigam 
Zu seiner G^i>onsz also zusam. 
Die Docken überschlagen 

theten, 
Bis SM ein weil gelegen hetten. 
Gar bald sie wiecbr au^gestandmi, 
Die Fürsten, Herren seind ver- 
banden, 
Wünscht jeder da für seinen Teyl, 
Dem Bräutigam und Braut vil 

Heilj 
Vil Glücks und guten Segen reich, 
Damach lugt jeder dasz er weich. 
Die Mickh. Fugger'schen Rech- 
nungen des 16. u. 17. Jarhds. er- 
wänen wiederholt eines Einnem- 
geldes >vmb Preutleuff< 1676. 
>Adi 9. Sept. empfieng ich von 
Hansen Spazen --- wegen seines 
Preytlaufs 1 fl.« >Adi22.Febr. 
zalt mir Jörg Hafner, Afra Göz^ 
fridin Sohn seinen Preutlauff 
1 fl.< u. s. w. 

PRIMZEIT, prima horarum ea- 
nonicarum : früh um 6 U. Die baye- 
rischen Codd. haben dUrchausz 
preimzeit. Allgem. Sitte war esz 
nach den Hören auch im alltäg- 
lichen Verker zu rechnen. Ich 
füre statt der vilen Beispile nur 
einige ausz dem Stadtrecht an: >Es£ 
sol auch kain f ueteraer vor p r i m e - 
zit kein hew kauffen. Swelcher 
das prichet, daz er vor prime* 
7* 



100 



Professoner *-* Puttan. 



zit kaufiet hew, der ist dem 
vogte schuldie fanf Schillinge<. 
f, 65 a. Sp. 2. >l8t daz ein fueteraer 
stät bi hewe vor prime zit — 
kaufet aber ein fueteraer hewvor 
p r i m e z i t u. s. w. Vgl. Schmell. 
I, 343. 

PR0FE8S0NER: 1) InvaUde. 
2) Nach PfafifsEszl. S.4: hieszen 
Provißioner Adelige, die ein 
Werbgeld erhielten, für welches 
sie mit einer bestirnten Anzal Rei* 
siger Krigsdienste tun musten«. 
Vgl. Schmell. I, 346. Wirtemb. 
Hochz. 87: 

>Bevelch8 und Krigsleut da er- 
schienen, 
All Provisoner neben inen, 
Die in den Erigen man kan nüzen< . 
PROPST, Aufseher. »Ein 
Pfalzprobst < im Wirtshause 
auf der Pfalz. Poliz. Ord. Korn- 
probst, Kastenknecht, Kasten- 
auf seher, der zur Weberzunft in 
engem Verhältnisse stet. Die 
Eornwalistdie Wal des Korn- 
probstes, ein Weberzunftfest. 
Der Gatterer muste zur Kom- 
wal ansagen, wofür er ein An- 
saggeld von 30 kr. erhielt. In 
den Web. Akten komt oft vor: 
den abtretenden 2 Kornpr ob- 
sten gibt man so vil u. s. w. 
>Als die neuen Kornpröbste 
geschworen«. »Verordnet ge- 
weste Kornpröbst<. Der 
Probstkeller zu St. Ulrich«. 
Akt. 1582. 

PROZESS, die, Bittgang, Um- 
gang, Pozession: >dem ist alle 
priesterschaft hyn in einer pro- 



ces8 engegen gtngeiH. 8. 179 a. 
>a. 1340 ist zu A. «m a Muroni- 
tag die Litanei und pro eectbiik- 
l&Bzig gehalten worden«. 8.S5a. 
>Zu Valents saoh dM tnioiqKflkdi 
St Sebastian* und sonder St. Tm» 
cenz Procesz, das ain fibflnuiBt 
schon kostlich wesen ist«. Luc. 
Rem. S. 8 

>Als sie sich betten thon bereitMi 
Mit der Prozess in d' Kirch 

zu leiten. Wirtb. Höchst S. 182. 

PRUDELN, rauschen, von sie* 
dendem Waszer; wie wo dein; 
Prudel und Wodel: >warm6r 
Dampf, Wärme im Zimmer, 

PUDELN, alle mögUche Moh 
schmuzige Arbeit tun; Pudel, 
eine Person, die solche Arbeit 
verrichtet Vgl SchmelL 1, 278. 

PÜDERGOTT, Friseur. Pu- 
derquaste Puderstäuber. 

PÜFFEN. Von den Hungern 
hdszt esz im Augsb. Eluoidarins: 
>Ihr har puffen und pflansen 
sie, mit einem leinin Hütlin be- 
deckt«. 

PULBRETT: »da ist des Kö- 
nigs Caplan zu dem Pulbrett 
gangen und hat das Evang^en- 
buch genomen«. S. 288 b. »Ilt 
das Evangelibuch von einer pco^ 
son von der andern empflmgen 
auf das Pulbrett tragen wor- 
dene. S. 289 b. (Lettner). 

PULLE, dim.:l) kleines Htm, 
2) unerfames kl. Mädchen. 

PUMPF GROB, acU.: übwalle 
Maszen grob. Vgl. pum wisig, 
aberwizig. Schm. 1, 283. 

PUTTAN, die. In Herretebofeii 



Puzelnbaoh -^ D T. 



101 



land am Fasnachtmontage eine 
Art Haberfeldtreiben statt. Sonn- 
tags vorher erschien in Baben- 
haosen ein Trupp Reiter und lud 
ein. Ein Mann ¥rurde in weib- 
liche Kleidung gesteckt und hiesz 
Pütt an, ward zum Tode ver- 
urteilt als Hexe. »Hüte dich oder 
du komst in die Puttan!« war 



eine Drohung. Ital. putta, put- 
tana, schlecht beleumundete Per- 
son, franz. putain. lieber 4^e 
Sitte vgl. d. Sulzb. Kalend. 1865. 
PÜZELNBACH, O.N. urkundUch 
neben Puozilnbaoh, bayerisch 
Pouzellibach 1126 und 1179; 
ist zum heutigen Bieselbach 
geworden. Steichele I, 72. 



C sieh K 



D T 



1) Das schwäbische wie über- 
haupt das oberdeutsche D ent- 
spricht genau gotischem D; nach 
dem Geseze'der Lautverschiebung 
wäre T gefordert. Das schwä- 
bische D = got. D ist Tat- 
sache. Hiefür bedarf esz keiner 
Berufung auf eine gelerte Auto- 
rität, nur auf ein gesundes Or. 
So gewisz dise Erscheinung, so 
unsicher stet esz mit irer Er- 
klärung. Allgemein wird ange- 
nomen , dasz bei den Oberdeutschen 
ursprünglich auch die zweite Laut- 
verschiebung von got. D in alth. 
T eingedrungen, aber im späteren 
Mittelalter durch den Einflusz 
mittelhochdeutscher Schriftspra- 
che wieder zurückgegiangen sei 



Damach bestände für die Ober- 
deutschen neben dem Geseze der 
zweiten Lautverschiebung, 
einfacher gesagt Lautvor schie- 
bung, noch ein besonderes 6e- 
sez, das der Lautrückschie- 
bung. Eine solche läszt sich 
aber ebensowenig in den ober- 
deutsehen Mundarten geschicht- 
lich nachweisen, als sie über- 
haupt möglich ist. Wer sie be- 
hauptet, kent warlich das Volk 
nicht. Der gemeine Schwabe, 
Bayer, Oberpfälzer sollte in jenen 
als finster bezeichneten Jarhund- 
erten, wo esz nur selten Hand- 
schriften, keine Sündflut von ge- 
druckten Büchern gab, wo nur 
der Gelerte lesen konte, das Volk 



102 



D T 



aber one Schalen war, dem Ein- 
flasze der Schriftsprache, die er 
nicht lesen konte und nicht zu 
lesen bekam, sich geöffnet haben, 
wärend er in unserem Jarhnnderte 
des Geistes , nachdem er zehn Jare 
in der Schale für eine im fremde 
Sprache, das Hochdeutsche, ge- 
drillt worden, mit dem lezten 
Schritte ausz der Schule sogleich 
wieder zu jener Sprache zurück- 
kert, die er von der Mutter er- 
lernte, zur Mundart? Man prüfe 
den Schulmeister und man wird 
finden , dasz er ebenso wenig als 
sein Schüler ein echtes p, k, t, 
wie esz Niederdeutsche und Ro- 
manen im Munde füren, auszzu- 
sprechen vermag. Man frage 
in, was im die meiste Not beim 
Rechtschreiben derKinder schaff'e ? 
Doch nur die p, k, t. Seine Bu- 
ben schreiben auch in der Tat 
ganz nach dem obersten Rechts- 
saze der Rechtschreibung gerade 
nur wie sie sprechen. Allein 
sie kenen eben kein p, k|, t und 
am allerwenigsten im In- und 
Auszlaute, sondern nur ein b, g, d, 
bei Schärfungen bb, gg^ dd. Ich 
habe schon längst den Saz auf- 
gestellt, dasz der Oberdeutsche 
im In- und Auszlaute für got. 
b, g, d die zweite Lautverschie- 
bung überhaupt niemals angenom- 
men habe, damit also zurückge- 
blieben sei, femer dasz d. Schrift- 
sprache auch in den frühesten 
Zeiten der Volkssprache vorausz- 
geeilt sei, bei den Deutschen im 
8.Jarh. nach Chr. so gut wie 



bei den GrieekeB im 8. Jferli. r^t 
Chr., dasz man also nidit imer 
und überall von jenen snf dise 
znrüekschlieszen dürfe. Im lieu- 
rigen Sommer habe ieh inSehmel- 
lers Naohlasze eine Bemerkani^ 
vorgefunden, wörtlich latit«iid: 
>Die in- und auszlantenden 
d des bayerischen, ober- 
pfälz. und frank. (?) Volks- 
dialekts, scheinen eine 
Fortfürung der ältesten 
Sprache: stad, rod, blned, 
guld, God< u. s. w. Ich siehe 
sonach mit meiner Behauptung 
nicht mer allein, sondern habe 
eine gewichtige und anerkannte 
Autorität für mich. 2) Noch mer: 
bei volktümlichen Schriftstellern 
des Mittelalters wigt d, dh, 
dd, th vor, insbesondere seit dem 
14. Jarhundert, wo althochdeutsch 
reines T stet, z. B. bei Geiler etc. 
Wol wird nach 1, m, n, r auch 
oft T gefunden, aber nnr weil 
der Oberdeutsche nach disen 
Lauten den Zungenlaut sch&rftw 
3) Im Anlaute : D äe r (Tor, poria), 
Daddelfist sieh unten; Denn» 
(Tenne), Malzdenna; D«»d, 
Däedögribel, sieh unten; u, BW. 
Im Inlaute: Gadder (Gatter), 
Gadderer sieh G. Badder, 
Badderliederle (Pater-Lied«r* 
lieh, liederlicherMensch), S c h 1 o d- 
der, gestockte Milch, Schlpd- 
dermill; noddle, an den Ha- 
ren schütteln; hoddla, hotto* 
spilen, Kindersprache a. s. w. 
Im Aosvlaute imer dh, th, dd* 
wie denn auc^ die schrifbUohea 



D T. 



108 



Denkmäler esz aufWelBen: seith 
(ettis), vorgenanntli, Leith 
(Leute), Orth u. s.w. siehHorm. 
1834. S. lieff. Weinhold. Gramm. 
§ 181 b, c. 4) Yor allen andern 
Consonanten ist dem d u. t das 
Wegbleiben, wo ©sz organisch 
und der An- und Eintrit, wo 
esz unorganisch ist, eigen, eine Er- 
scheinung , die weit über die ober- 
deutsche Gränze hinauszget. Vgl. 
Wrtb. z. Volkst. 23. 24. Mhd. Wb. 
ni, 1 b. a) Unorganischer 
Abfall des d n. t meistens bei 
Anänlichungcn, um desto leich- 
tere Auszsprache zu bewirken. 
Liechmess (2. Febr.) mündlich 
und urkundlich: Lichmess, 
Man. f. 3 a. (14. Jarhd.). Haup- 
gut für Hauptgut, im Stadtrechte. 
Haupkerle, volküblich. Eripp 
(Krypta) cgm. 4D2f, 13b. Rei- 
peitsch, Reitpeitsche. Lynisch 
duch (Lündisch, von London), 
8.279b. Fluch, (Flucht), cgm. 
402 f. IIb. Pulprett, Pultbrett 
in der Kirche, worauf Epistel und 
Evangelium verlesen ward; ser 
häufig S.288b. Leipriester, 
Leypriester, Liupriester, 
Stdtrecht f. 31 b, für Leutprie- 
ster, plebanus, Ezcurrentpriester. 
Ser oft findet sich Leihkauf 
für Leitkauf, vom got. leithus, 
geistiges Getränke, sieh L. Wir 
müszen wol eine volkstüml. An- 
lenung an leihen in den meisten 
Fällen uns denken. Wie Lei- 
priester findet sich in schwä- 
bischen Schriftwerken, so im cgm. 
436: Lückilch, Leutkirch, wir- 



temb. Oberamtsstadt. Schönbar 
(Schönbart). S. 141. Späge, 
Spagat; ital.s paghetto, Schmoll • 
111,668. Anlyt, Antliz >vor sei- 
nem anlyti. S. 289. Anta- 
schung, Antastung. ,Troj. Krg. 
8 a. Senfmutigkeit, cgm. 402. 
f. 72. F e 1 k i r ch , Feldkirch , Vor- 
arlbergisch, cgm. 436 f. 56 a. Ser 
häufig ist das bayerische Mark 
für Marktf; Milchmark, S. 34. 
W. 32. 34. Gass. Markmeister 
ein städtisches Amt sieh M. Ob 
Nor kau in den codd. f. Nord- 
gau und Nörlingen für Nörd- 
lingen mit unorg. d stet, musz 
vorerst dahingestellt bleiben : denn 
einem Nordgau musz ein Südgau 
entsprechen und wo wäre der? 
kun für kund >daz haun ich ew 
kun getän< , cgm. 437 f. 113 a. 
lichiklichen, leicht, Astr.27b; 
ölst >sinem ölsten sun<, cgm. 
436 f. 8a. Der ölst f. 56a. Ganz 
in Schrift und Volksmund über- 
gegangen ist Gferschh'ofen für 
Gersthofen, Ortsname. Ausz lat. 
obstihatus hat sich volktüml.' 
obsanat eingebürgert. Anän- 
lichung wie h ä b b m © r , hätten wir, 
u. hamm9r, hebbm'r, heb mir, 
haben wir. Amma, Amtmann. 
Lammenz für Landmünz, Erb- 
bera, Erpole sindbekant. Re- 
gelmäszig erscheint noch ned- 
mo. Niemand, im Volksmunde, 
ebenso ornen, ornung,S.212b* 
Abgwirgt f. abgewürdigt sieh 
A. b) Weit zalreicher sind die 
unorganischan- oder einge- 
flickten d und t, an 1^ r, n, 



104 



DT. 



z, 8, k, ch, vor Suffixen, Flexio- 
nen; nach Präfixen und in Zusa- 
mensezungen. Sender schreibt 
imer: Dänemarkt, Steier- 
mark t f. 202. 209. Dazu komt 
das übermarkten, mit dem 
Markstein in eines andern Acker 
faren, Akt. von 1682 (Augsburg). 
Senft 1602; der Burggraf hatte 
vom Senft, Eszig u.s. w, IMasz 
Abgabe zu erheben. Klaffert, 
Holzklafter. Web. Akt. Seucht, 
Seuche, Gass. Winstockt, cgm. 
487 f. 112b. Dunsttag a. a. 0. 
f. 121 b. Das Markt, im Ge- 
bein, cgm. 402 f. 122 a. Sippt 
(Sippe) 1574. ülmer Urkunde. 
Leichtnam, > Fuggers abgestor- 
bener Leichtnam<. Mikh. Akt. 
1579. Ein Ellendt lang für 
Elle *S. 144 b. Sinkelt, Sinkel, 
Bach b. Augsb. P. v. Stetten,Erl. 
90. Ob t nicht organisch und 
Sinkel falsch ist? Trugnust, 
cgm. 345f.3a. Erlaubtnusse 
a. a. 0. f. 36 a. Aptgötter in 
bayerisch, und schwäb. codd. ser 
häufig. Geheimten, der ge- 
he im de Rat, in Augsb. Akten 
des 17. 18. Jarh. gewäptnet, 
cgm. 448 f. 131 a. d6 spracht 
der herr, cgm. 437 f. 125 a. aus- 
höldern bei S. herübert, Paul 
V. Stetten, Erl. 55. drüb er t; end- 
lich: weaga deinat, mündlich; 
oberthalb, Astron. 15 b; inert- 
halbe f. 8 b. allwegent, cgm. 
168 f. 3 a. 29 a. innrenthalb 
a.a.O. f. 4b 80 b. er enthalben, 
W. Ehrentreich, Karl v, Bur- 
gand, in Isenbergers Hochzeit. 



dennacht, Horm. 1884 .selb- 
ert, Troj.ErigOa. dskeimat 
S. 805 a. gestert 8.312 a. ogm. 
601 hat für terere imersertrai- 
ben statt zerreiben, ander ttwa 
S. 333 b. u. oft. Wie esz mit Snd- 
er, ainder, eader f&r eher 
stet, kan hier nicht eing&nglioh 
erörtert werden^ erindern, er- 
innern. Memming, Stadtrecht. 
Ganz der Volkssprache gemiu 
schreibt cgm. 736 f. 17 a. : M ent- 
schen; denn nach n wird s sehftrf 
angeschlagen, als ob esz tc wfire. 
Allgem. schwäbisch ist Trostel 
für altes T r o « s e 1 sieh unten. Fal- 
sches t in Obszt, Obaztner hat 
die Sailer-Ordnung und andere 
Augsb. Schriftwerke nicht. Orga- 
nisches t und d der IH p. Bing. 
praes. begegnet noch bis sum 
Schlusze des vorigen Jarhd. ne- 
ben unorganischem im praet. IH, 
plur. Organisch ist das vilfach ale 
unorg. verschriene d inKandel 
(Kanne), S c h r a n d (SchranneX 
Zend in cgm. 106 f. 108 n öf- 
ter; in Mand pl. für Männer, in 
den Stauden, oberpf. mandda 
und villeicht auch in Man die, 
Mandel u. s. w. Dem Man 
musz urdeutsch ein manth ent- 
gegengestanden haben, denn nor- 
disch gilt mädhr dafür; nnkann 
nicht ursprünglich sein. Was die 
t in folgenden Zeitwörtern bedeu- 
ten: an einem andern Orte: vert- 
lau (verlaszen) vertsch eiche 
(verscheuchen) vertwirno (zer- 
stören), vertriebt© (verrichten), 
vertwischo (verwischen, erwi* 



T&ber — T&cher. 



105 



sehen), 5^ rt lauf d, vertwermo 
(erwärmen), verzw&zlo (vergen 
▼or Sensucht oder Weh), vert- 
welo(verwelen, erwärmen) Yert- 
hebö (verheben), vördoönaira 
(veruneren) u. e. w. Ist ent« u. 
der- V er - im Spile ? Das Fugger- 
sche Inventar seztDamas kimer 
für Damast, hie und daBrenke 
für Brennte. Vgl. hiezu Schlei- 
cher, Sprache 211. Mhd.Wb. III, 
1 b. Rumpelt, Grammat. IßO fF 
Meine Auszgabe v.J. Frischlings 
Hohenzoll. Hochzeit 137. From- 
mann's Ztsch. III, 105 fif. Bekant 
sind gottig und gotzig, gei- 
tig und geitzig u. s. w. 

TÄBER, der, fester Ort, La- 
ger, Wagenburg. Die Wörter- 
bücher, bevorab Schmell. I, 423, 
leiten das Wort vom ungarisch 
böhmischen tabor ab. Frank's 
Annalen 100: >da henkt man zu 
Wien 150 Dieb die 2 Tag, die 
hätt man auf einem Tab er ge- 
fangen«. Mhd. Wb. in, 1 b. 

TÄBERE, swf., warscheinlich 
zu T aferne gehörig, komt cgm. 
601 f. 57 b. vor: >al8 er eines 
morgens ausz der täb^ren zu 
haus wolt gen«. Wechsel von f 
und b: sieh Lautlere v. B. 41. 

DACH, die, monedula: »die 
tach oder hetz<, cgm. 312 f. 40a. 
Ahd. taha, thä. Wb. z. Volkst. 
27. Schmell. I, 860. 

DACH, stn.: 1) Sonnen- und 
Regenschirm überhaupt one Zu- 
saz. 2) Kopf, Schädel; pöbelhaft: 
>'8 Dach um6chlä< eine Orfeige 
geben. AUgem. 3) Wie hoohd. 



Dach des Hauses; davOn: Dach- 
loch, Dachöflfnung, Dachfenster. 
Daehlicht in der Memminger 
Feuer Ordnung 1765 S.37^ »Fen- 
ster oder Dachlichter«. Dach- 
troffe. — Vgl. Oraflf V, 530. 
Grimm. Wb. III, 670: — >dasCa- 
pitel sol in der Mülen zu Gersch- 
hofen und zwar nur in deren 
Hofraitin und Einfang, auch so- 
weit, der Dachtroffen gehet, 
gleiches Recht und Obrigkeit wie 
innr beeder Ettem haben <. Ver- 
gleich von 1582. — 4) Fenster- 
dächlein u. Ladendächlein 
komen in der A. Bauordnung wie- 
derholt vor, weil ir Hinauszragen 
in die Reichsstrasze oder in die 
Gassen nach Länge und Breite 
amtlich festgestellt war; desglei- 
chen ire Entfernung vom Erd^ 
boden. Die Ladendächlen 
musten der Reichsstrasze zu wenig- 
stens 8' erhaben sein und durf- 
ten höchstens 5—6* in den Tag 
hinauszgen. Gleichen Vorschrif- 
ten unterlagen die >Dachblat- 
ten< und die kupfernen Regen- 
dächlein über den Fenstern; 
leztere sollten nicht über 10 Zoll 
haben. Dachlatte, ein dummer 
Kerl, den man überall zum Nar- 
ren hat. 

DACHELE , dim. : Hund, in der 
Kindersprache, neben dem Wu- 
wu, Nachbildung des Naturlau- 
tes. Vgl. Dockele. Schmid 114. 

TÄCHER, Groszverkauf, nach 
Schmid 115, >Ez ensol niemen 
— besunder verkauffen, wenn in 
die krame bi dem täoher«. 



106 



Dachtel — Tag;. 



Stdtr. 14 b. >dem mag er wol ge- 
hen ze kaufenne, swa« er wil,ez 
si bi dem t ach er oder anders«, 
a. a. 0. »unde ob ein armiu frowe 
oder ein gartellin, die lichte eins 
t ich er 8 niht verlegen mohten«. 
a. a. 0. 

DACHTEL , die , alapa, Orfeige ; 
wol bayerisch. Grimm, Wb. ÜI, 
669. >Denn, Bua, dau hammer 
dachtla gfanga«. Seh. 

DÄCHTNÜS, die, Gedächtnis. 
Allgem. in d. Schriftwerken, >in 
frischer dächtmus« > aller 
hochseliger Dachtnus<. N. 
Frischlin, Wirtemb. Hochzeit, 
Beier, S.42 u. 63. Grimm, Wb. 
ni, 66o. Eingedächtig. >Alle 
Haubtleute, die der Tugenden 
Ayacis eingedÄchtig warend<. 
Tr.Krg. 52 a. Bedacht, Bedenk- 
zeit. >B. bis auf d. andern Tag«, 
a. a. 0. 

TADEL, Feier, wunde, böse 
Stelle: >wann aber diekindAysz 
haben, so boI man den Tadel 
nit aufreiszen«. ogm. 601 f. 
112 a. 

TAFEL, die, 1) ein hölzernes 
Werkzeug statt der Glocke, in 
Klöstern und sonst in der Kar- 
woche üblich. Die Ritualien ausz 
den Nonnenklöstern, in das 14. 15. 
Jarhundert gehörend, bringen un- 
zäligemal die tävel, womit das 
Zeichen gegeben wird. >S6 die 
yeeper ende hätunddyetavelle 
geslagen wirt«. cgm. 168 f. 60 b. 
>am stillen Fritag früje, so 
sol man die tavel slahen« a. a. 0. 
f. 58 b, >die tävel anderwerb 



(iterum) slahen«. Ritual 15. Jmrh. 
>wenn eine swester genalieh su 
dem töd nechet, denn sol die ti- 
vel geslagen werden in einxigen 
siegen in dem creucgange und 
in andern steten, ob ez not wird«. 
cgm. 78 f. 12 a. Stellen ausi baye- 
rischen wie schwabischen codd. 
sind überausz zalreich. Schmel- 
1er und Schmid, ebenso das mhd. 
Wb. m, 18 b füren diso Bedeu- 
tung des Wortes nicht auf. In 
der Gegend von Tübingen, Na- 
ckaraufwärts, lebt in den katol. 
Ortschaften noch D & f e 1, ein Brett 
mit beweglichen Holzklaj^em, in 
der Karwoche statt des Laäiens 
benüzt; davon heiszt das Zeitw. 
d a f 1 a ; eine Ortsschwäserin nennt 
man da fleggadafel. 2)Fri- 
denstäfel, die, ward in A. bei 
öffentlichen Festen umhergetra- 
gen; die Tafel, Lobsprüche und 
Krigsrüstung befanden sich bei- 
samen. 3) Wildbanntafel, in 
Akten von 1620 als Grenztafel 
gebraucht. 4) Die Wertaohbpu- 
ck«r Zolltafel komt in den Ak- 
ten oft vor. 

TÄFER und TAFEL, coptig- 
natio; das griech Ros im Troj. 
Krig heiszt f. 49 b.: >ein getä- 
fert Ros«. Wb. z. Volkst. 24. 

TAG, wie hochd. >in den Tag 
hinauszbauen, hangen, sten« 
komt in der A. Bauordnung vor 
und war ser üblich. Taghau- 
ben > hingegen aller Haartouran 
und reichen Band, wie auch der 
Taghauben zu enthalten und 
sich allein der glatten sogenann« 



DaluiiAb — Dammein. 



107 



t«n Kaohtsea^ Eti bedienen ha- 
ben«. Poli«. 0. 1736. Sil. Tag. 
schein >das Feuer oder Tag- 
schein« Tr. Krg. f. 7 a. 

DAHINAB, der berümte, my- 
tische. Durch das engeGässchen 
am St. Gallnskirchlein, zeigte 
der Teufel dem Dr. M. Luther den 
Weg zur Flucht vor dem Kardi- 
nal (1518) mit den Worten: > da- 
hinab!« Ein Beispil, wie eine 
uralte Sage, erst in Teufelsfrazen 
übertragen, zulezt auf eine jün- 
gere historische Persönlichkeit 
übertragen ward. Ein altes 
Bild amGalluskirchlein ein- 
gemauert hat man schon im 14. 
Jarh. für den Teufel erklärt u. 
das nahe Pfärrle aufdie Hölle 
gesezt: daher die Uebertragung 
auf Luther einen tiefen myt. 
Kern offenbart. Vgl. Herberger, 
Burg- und Batfeld 81. 

DAIGAFF, eine geistig und kör- 
perlich verweichlichte Persönlich- 
keit. Schmid 118. 

TAL, TALE, eine Augsburger 
Stadtteilbezeichnung. >üeber den 
Säwmarkt und die Gassen, die 
man's imThällin nennet« . Gass. 
2. In andern Städten, z. B. in 
München ist das Däj (1) in Ehing. 
a. D. 's Krotental u. s.w. Das 
ahd. Dim. belegt Schmell. in s. 
Glossen: talili (valliculus) ta- 
lille; telili u.s. w., dazu ta- 
londi vallatione, talohti, val- 
lata. 

DALKET oder dalkisch, baye- 
risch dikjgget. 1) nicht ausz- 
gebacken, was allgem. schwäbisch 



ist. 2) dumm, tölpelhaft, neben 
Dalk und Daliwatsch, aber 
nur spurenweise in Schwaben 
volküblich. In München heiszt 
esz: >am Mitwoch betet man in 
der Kirch für de D&jggöte«. 

D ALLEPATSCH , Tollpatsch : 
sieh Dachlatte oben. 

DAMASK, Damast. Im Fug- 
gerschen Invent. komen vor: »von 
kurzem Tamaschgg genaehte 
kleine Tischtiechel, zur Morgen- 
suppe aufzudecken«, >12 von klue- 
gem Tamaschgg ge worchene 
Tischfacanet « , > i gelb T a m a s c h- 
ggen Rockh mit einem gelben 
gertel prämbt«. >Von schwarz 
Tamaschgg mit Seidenporten 
prämbten Frauen- Jangger one 
Erbl mit Keel Mäder« u. s. w. 

DAMASPIL. >Aber wenn man 
mich solte fragen, was Christus 
an dem Kreuz mit dem Tod für 
ein Gspil getan, würfe ich das 
Losz auf das Brettspil oder Da- 
maziehen, wie man's zu nennen 
pflegt. Wer in diesem Gespil er- 
faren ist, der brauchet einen Vor- 
teil und List; gibt seiner Gegen- 
partei freiwillig oftermalen einen 
Stein zu freszen, auf dasz er dem 
andern 2 oder gar 3 könne hin- 
wegnemen, und wo der andre 
nur ein Sprung, tut er 2 oder 3«. 
Homo Simplex. 

DAMISCH, adj. : sinnenverwirrt, 
zerstreut, neben damisch mit 
Umlaut. >I schlä dl, dasz de da- 
misch wirst«. Ausz Altbayem 
eingebürgert. - 

DAMMELN, swv.: modricht, 



TOS 



Dftmmer «- Dannest 



snmpficht riechen. Schmid 119; 
wie mosolö, von Fischen: nach 
Moos riechen. 

DÄMMER, Schwelger, Schmell. 
I^ 371. »Schlemmer und Dem- 
mer< neben Banchbruder. Homo 
Simplex. Dammern, swv : auf 
ein Brett schlagen. Ein Rätsel 
in den Stauden heiszt: A helPs 
Zimmer, a lant's Gedammer 
und a boineme Wis? (Kirche. 
Glocke. Kirchhof.) Schmid 124. 

DAMPES. >Esz ist nichts 
Neues, dasz oft ein kleines Bu- 
tzenmändel eines groszen, unge- 
schickten Dampes über einen 
Haufen geworfen und ihme Stösz 
angehenkt«. Homo Simplex. 

DAMPF in der Bäckersprache : 
>'s Dampf machen <, Hefe mit 
Waszer vermengen und verdün- 
nen, was anmachen anderwärts 
heiszt. Nachdem >*s Dampf« 
gemacht, komt's ürbet, d. h. 
der erste Taig wird ausz dem Mel 
geschlagen. 

DÄMPFEN, swv.: schwizen; 
dämp ficht schwül, windstill. 
Auf Kopfkrankheit deutet cgm. 
317 f. la.: dempfig v. Haupte, 
Bei Pferden bedeutet das Wort 
sovil als er steckt; wie die 
mhd. Sprache sich auszdrückte; 
unser jeziges versteckt. 

DAMUS LAMUS heiszt scherz- 
weise bei den Alten Augsb. das 
Te Deum laudamus; ob vil- 
leicht ausz der Reformationszeit? 

TÄNDLER , die , halten auf dem 
Graben feil, vorschriftmäszig nur 



Montags und Freitags, und haben 
nur altes Gerumpel, Messer ti. s. w. 
Gegenüber dem E auf 1er war 
die Sippe der Tändler ser be- 
schränkt. Die niederste Art T. 
sind die sog. Dreckkäufler, 
Erdkäufler, die ireWaarenur 
auf ebenem Boden auszbreiten 
dürfen und iren Verkauf splaz auf 
dem Saumarkt neben derFugge- 
rei haben. — »Dändel- oder 
Jarmarkt« stet in den Schuster- 
zunftakten. 

DANGEL in Dangelmann 
der pickende Todanzeiger in dem 
Getäfelwerk, ein Wurm, ist im 

Volksglauben ser gefürehtet; 
doch trägt er in der Augs. Land- 
schaft denNamen Erdschtaidle, 
was das wirtemb- Schwaben nicht 
kent. Dangellaib, Abgabe 
an den Dorfschmid, wol urspr. 
nur für das Sichel oder Sen* 
sen dang ein, d. h. für das Schär- 
fen auf dem Ambosz. >üm disen 
ebengenannten Lon und Tan- 
gellaib solle der Schmid einem 

jeglichen Bauern schmiden«. 
Mickhaus Dorf-Ordg. 1532 u. 1536. 
Tangelzeug z. Sicheln u. Sen- 
sen dangein, im Harter Inventar. 
Schmid 119. 

DANKNEM, dankbar. »So 
müszen wir sehen, dasz wir Gott 
danknem seien«, >wir mAssen 
auch danknem sein in aller Wi- 
derwärtigkeit«. Augsb. Messbch. 
f. 7 b. Grimm Wb. HI, 738. 

TANNENKÜHE, Tannenräpfen, 

Tannenwädel, Tannenzweige. 

DANNEST, dennoch. Tr, Ktg. 



TanE Tanzbaus Dünzelwoohe 



109 



f. 44 b. Dennest sonst in Ober- 
schwaben. 

TANZ. TANZHAÜ8. DÄNZEL- 
WOCHE. In. Augsburg, wie über- 
all in Schwaben hieszen die echt 
volktümlichen 4 zeiligen Liedlein^ 
seien sie von einem oder mere- 
ren gemacht, meist uralt, schlecht- 
hin Tänze. Das mit Händebe- 
wegung und taktm&szigen Klat- 
schen veranstaltete Tanzen, 
hat wol seinen Namen von eben 
disem Klatschen: das ursprüng- 
liche war das Lied (vgl. Leich,der) 
mit Fusz- und Händebewegung, 
welch lezteres jezt noch allein 
Tanz heiszt. One Lied gab esz 
keinen Tanz, aber one Tanz war 
das Lied üblich. Echte alte 
Augsburger Tänze sind: der Dre- 
her von der entsprechenden Be- 
wegung; der Achter, sieh oben; 
das Wennawetle (Menuette); 
der Kisselistanz von der Sitte 
des Kissenzuwerfens ; der Bal- 
bierertanz, weil dabei beim 
Latemenschein rasiert und der 
Boden auszgefegt wird; der Kut- 
scher, wovon das Lied heiszt: 
Butsch hin, rutsch her, 
Rutsch mit der Magd ins Fe- 
derbett. 
Femer musz ich nennen den H a - 
nentanz, wobei stark in die 
Hände geschlagen wird, der Vie- 
rer, der Sechser, der Achter 
hatte seinen Namen von der An- 
zal Paare. Auf den Schlusz der 
Tanzzeit get der Reim: 
* Auf Kathrei 

D& ^t der Tanz ei 



Soweit die volktümlichen Tänze. 
Anders musz esz bei den Qe- 
schlechttänzen hergegangen sein. 
Vorerst werden erwänt Nacht- 
tanze. > Nach selbiger gütlicher 
Vergleichung villmal Turnier u. 
Na cht tanze gehalten worden«. 
Gass. 141. >Und ward das ander 
Gebäw widerumb mit züchtigen 
Tänzlein und erlichen Kurzwei- 
len an Sankt Michaelis des Erz- 
engels Kirchweyhe eingeweyhet« 
a. a. 0. 166. >Und ward ir zu 
Gefallen auf irem Tanzsoler ein 
Nachttanz gehalten« a. a. 0. 
170. Die Chroniken strozen von 
Nachrichten über festliche Tänze 
in A. Das Tanzhaus (Gass. er- 
wänt, dasz man den Tanzplan 
von neuem höher baute, 166) 
war da far die groszen Bälle der 
Geschlechter und Genossen, sowie 
tva^ den anwesenden fremden Adel 
und stund anfangs zwischen dem 
Rathause und Perlachturm, her- 
nach verlegte man esz auf den 
Plaz bei der St. Morizenkirche 
und erst a. 1632 ward esz abge- 
tragen. Zum Tanz bedurfte esz 
der Erlaubnis des Rates. Einige 
jungen Leute ausz den Geschlech- 
tem musten einladen; die Klei- 
der derselben waren uralter Sitte 
gemäsz auffallend: ein rot car* 
mosin atlaszines Wammes, rote 
Hosen mit rotem Doppeltaffet 
durchzogen und mit rotseidenen 
Schnüren verbremt; dazu kam 
ein kleiner rotwollener Mantel, 
der bis auf den Gürtel gieng, oben 
mit einer seidenen Schnur zu- 



110 



Tus TmoMktu» Dimeliroehe. 



mmeügAn&fh; miif der rpchten 
war er offen und hieng um den 
Leib; femer ein mit goldenen 
Sdinören nmwondener Kranz. 
Die Herren und Frauen trugen 
bei Tänzen eine Art Maakenldei- 
der. Auf der Stube war gemein- 
•amea Mittagessen. Solche fner- 
licke Tanze waren 2mal in 
der Fastnacht und bei Anwesen- 
heit groBzer Herren. Die ältesten 
Geschlechtertänze, deren die 
Chroniken gedenken, fidlen in's 
Jar 1813, als dem Kaiser Albrecht 
und S.Gemahlin zu Eren ein solcher 
▼eranstaltet ward. A. 1418 galt 
ein Tanz dem Kaiser Sigismund, 
bei welcher Gelegenheit er den 
Frauen goldene Ringe auszteilte. 
A. 1577 war der lezte Geschlech- 
tertanz. Religionsrerhältnisse 
scheinen die Ursache des Aufhö- 
rens gewesen zu sein. Ueber^e 
bei den Tänzen üblichen Hof- 
narren sieh unten s. ▼. N. Vgl. 
femer den Freimütigen 1804. 
n.Bd. S. 102. 108. Einen alten 
Geschlechtertanz in Noten auf 
einem Gemälde von 1522 fort 
Paul von Stetten an, Erläutemn- 
gen S. 86. Eine Hauptrolle bei 
den Zünften spilte die Dänzel- 
woche; esz ist eine Jaresfest- 
woche der Gesellen. Voran stet 
wie billig die Weberdänzel- 
woche in der sog. Lorenz- 
woche. Schon Erhard Cellius 
sagt von den wirtemb. Webern: 
>Sie halten Dans und Fre wden- 
spili. (10. August). Vor dem 
7. August durfte keine Zunft ire 



Dänzelwoehe hOtaa; am Wa- 
ber hielten sie in der YhhImIhbiI 
Der Tag began mit Frocemon 
der C^esellen zu St. Aura nd^on 
da zu St. Georg, wo der QaUm- 
dienst mit Hochamt giahahwi 
ward. Bei der MagiBtraishenm 
Hauser hielt man und dar Kaap- 
penknecht tat den ^roek 
Die Meister waren alle 
Von dem MagistnA am 
ein Dq[»utierter, der gn&digar 
Herr von den Anweaendeii be- 
titelt werden mnste und doo 
Erenplaz «nnam. Aadi «m 
Umzug geschahen beeondere Sis- 
ladungen. Grotzartig waren Mal 
und Tanz, wo auf Gesundheit 
des gnädigenHerm und dcrMeister 
Yorgeher getrunken ward. ISbb 
gab auch 2 Nachdiaiel: etwa 
Afterfeste, blaue Montage. 
Von der WeberdänzelwoelM 
an namen auch die übrigen eine 
nach der andern iren Anfang. 
Am heitOTsten gfieng en eohon 
da her. Die Weberreeknraigen 
weisen so c. 23 — ^90 fl. aui^ was 
die Kasse, die alles bestritt, sa 
bezalen hatte. Das Angab. Jar- 
einmal: 

Auch tut man wie ich hör' und seh 
Des Jar's einmal dem Geldreeht 

weh, 
Da viel Handwerker kostbar 

dänzlen; 
Und ob die Jungfern ire Krüaslen 
Allzeit heim bringen unyerlezt, 
Bleibt hier die Antwort aussgeaeni. 
A.1760 ward das Weber-Jubiläoa 
festlich gehalten zur Erinnerung 



Tanz Tanzhaas Danzeliroohe. 



111 



an die Hnnnenschlaoht >da ge- 
schah der völlige Auizng am 
Tänzelmontag«. Web. Umzug 
8.85. Umzug 1760: > Der marsch 
gehet erstlich bei denen Herrn 
Stadtpflegem vorbei, wie auch 
bei denen Herrn Deputierten des 
Weberhandwerks, allwo jederzeit 
vor iren Hausem ein Fähndrich 
um den andern seine Exercitia 
mit der Fahne macht. Sodann 
marschieren sie vor das Weber- 
haus, allwo inen durch die Herrn 
Beysitzer aus iren hebenden Po- 
calen ein Trunk gereichet wird. 
Von da gehet der Marsch nach 
St. Ulrich in dem Hof, allwo die 
Fähndriche abermalen ire Exer- 
citien machen. Von St. Ulrichen 
marschieren sie durch die Becken- 
gassen hinab auf ire Herberg, 
allwo sie eine Malzeit halten u. 
die Herren Beisitzer und Büch- 
senpfleger dazu einladen. Inmit- 
telst wird die Fahne zu einem 
Fenster hinausgehänget. Den än- 
derten Tag ziehen sie weiter vor 
derer Herren Beisitzer u. Bixen- 
pflegffl* ire Behausungen, allwo 
inen ein Trunk gereichet wird. 
Endlich begeben sie sich nach 
vollendetem Zug auf ihre Her- 
berge , augsb. Confess. Den Zug 
bildeten ein Hauptmann (Mei- 
sterson), 2 Lieutenants, 2 Fänd- 
riche; sodann die Professionsvor- 
steher, 4 Altgesellen katol. Teils, 
1 Ladenschreiber, ein Knappen- 
knecht, 4 Altgesellen, protest., 
"1 Ladenschreiber, 1 Enappen- 
knecht. Die Reihenfolge: 



1) 2 Enappenknechte mit rot u. 
gelbem Kleid, Schuh mit einem 
roten imd gelben Absaz, mit einer 
dergleichen 2farbigen Duseggen 
und machen Bahn. 2) Ein Chor 
Musicanten. 3) Die Stadtpyr 
oder Wappen, daneben 2 Kna- 
ben, jeder 1 Adler tragend, ne- 
ben inen 2 Gesellen mit Degen; 
4) Der Hauptmann mit dem Spon- 
ton in geförbter Kleidung, inen 
folgt ein Knab in weiszer Klei- 
dung mit rot und gelbem Band, 
einen Lorbeerkranz tragend. 5) 
2 Feldwäbel. 6) Die 8 Altgesel- 
len in roten Kleidern sampt Hut 
mit Federn, gehen unter einan- 
der nach dem Rang. 7) Der Will* 
komm von beiden Laden, neben 
inen 2 mit blossen Degen. 8) Die 
4 Bixenpfleger, in schwarzer Klei- 
dung, Mantel und Degen. 9) Die 
Taffei vom Weberhaus mit dem 
Wappen, die a. 1660 getragen 
worden. 10) 4 Trommelschläger 
und 1 Pfeifen. 11) Drei Knaben 
mit der gnädigen Herren Depu- 
tierten vom Weberhaus, ire ade«* 
liehen Wappen tragend, neben 
inen 2 Gesellen mit blossen De- 
gen. 12) Der erste Fändrich mit 
den neuen Fahnen und 2 Vierer; 
disen begleiten einige Gesellen 
in roten Westen und gelben Auf- 
schlägen mit blossen Degen. 18) 
Die erste Tafel von der Schlacht 
von einer Bedeckung zweier Ge- 
sellen mit blossen Degen, nebenzu 
folgen einigein Cniras. Der halbe 
Teil von der Gesellschaft 4 u. 4 
zwischen eingeteilt die Lobsprüch 



112 



Tanz TanzhatiB Dänxelwoche. 



und Friedenstaffel, auch Eriegs- 
rüstnng, neben inen 2 Gesellen 
mit blossen Degen ^ auch einge- 
teilten Knaben oder Meistersö- 
nen, welche wol aufgebuzt, in 
Hut und Federn mit einer Leib- 
binden und Degen, Bogen und 
Pfeil, worbei von einigen Gesel- 
len, der halbe Teil der Schenk- 
kannen getragen werden. 15) Der 
2. Chor Musikanten. 16) Bildniss 
von Kaiser Otto und St. Ulrich, 
auch Weberhauswappen von Kna- 
ben tragend, neben inen 2 Gesel- 
len mit Degen, 17) 6 Sechser, 
3 und 3 gehen in schwarzen Klei- 
dern, Hut mit schwarzen Federn 
mit rot und gelbem Fuszband, 
auch gelben Absaz tragen die 
Pocal vom Weberhaus und 4 Ge- 
sellen neben inen mit blossem 
Degen. 20) Die Taffei von der 
Wappen übergab an Kaiser Otto 
darneben 2 Gesellen mit blossen 
Degen und einige mit Cuiras. 21) 
Der andere halbe Teil von der 
Gesellschaft mit blossen Degen u. 
Knaben eingeteilt; auch zwischen 
inen die Fridensfaffel und Lob- 
sprüch und Kriegsrüstung einge- 
teilt, wobei von einigen Gesellen 
der andere halbe Teil der Schenk- 
kannen getragen werden. 22) 4 
Trommelschläger und 2 Pfeiffer. 
23) 2 Lieutenants. 24) 2 Leib- 
schüzen. Alle Gesellen tragen 
gelbe und rote Maschen. Den 
Beschlusz machen einige von der 
Meisterschaft in Harnisch zu Pferd 
welche zerschidene in dem hoch- 
Ipbl. Reichsgotteshaus zu St. Ul- 



rich und Afrft allhier bu «ikero 
aufbehalten waren«. In der näm- 
lichen Beschreibung heuxt esz S. 
82: >i8t den Wetam ¥nn einem 
hochedlen Magistrat yerstattet 
worden, in irersog. T&niel Wo- 
chen järlich einen öffmtlieben 
Auf- und Umzug mit Ober- and 
Untergewer, fliegenden Fanen, 
Trommeln und Pfeifen Bolenniter 
zu halten. Welchen freien Zng 
im Anfang eine lange Zeit, so- 
wol Meister als Gesellen beige- 
wonet haben, hemachmalt aber 
von den Meistern denen Grel- 
len allein überlaszen, bis endlich 
mit eingefallenen schweren Zei- 
ten (jedoch one Vergebung aol- 
cher erworbenen Freiheit) ermel- 
dter Zug von einer Zeit zur an- 
. dem eingestellet und auf verhof- 
fende Besserung verschoben wor- 
den. Wie dann noch järliehdnr^ 
gewisse dazu verordnete Bfiehaen- 
meister vor Amt auf demWebor- 
hause entweder dem nftchaten 
Siz vor od. nach St. Ubriohstag an 
erscheinen und darum anzuhalten 
pflegen, welcher aber seit a. 1660 
nicht mehr gehalten worden, ob 
zwar wol gleich hierauf im Jare 
1666 solcher wiederum durch die 
Herren Deputierte vergönnet, aber 
wieder eingestellt worden bis 
1760< u. s. w. Auch in Kauf- 
beuren gab esz einDänzelfest, 
über dessen Ursprung man indes« 
nichts Sicheres weisz, als dasa 
esz ein Schulkinderfest schon 
frühe gewesen sein musz. Urknnd- ' 
lieh a. 1567 wird es^ als >tb* 



Dap -— Dat, Daetle 



113 



licher Dänzeltagder Schul- 
kinder« bezeichnet. An dem 
öffentlichen Umzüge mit Trom- 
meln und Fanen des Vormittags 
erschienen die Knaben in militä- 
rischen, die Mädchen in verschie- 
nenartigen Costümen und zogen 
Nachmittags in das Hölzchen: das 
Fest dauerte 3 Tage. Red.-A.: 
>Also zergieng der Tanz< d. h. 
die Sache. Frank S.117. Tanz, 
berg am westl. Ende v. Mazz- 
sies ligender Hügel. 
Den Augsb. Baurentanz (s. B) 
soll Johannes Holzer ausz Kloster 
Marienberg bei Meran in Tirol 
gefertigt haben. 

DAPjdun.:Daeple u. Daiple 

Pfötchen; scherzweise >'s D. 

•geboi bei Kindern. Schmid 114. 

>Jazt thua miar nu glei 's Dai- 

pla gea«. Seh. 

DÄPPELN, swv.: in kleinen 
Schritten gen; Däppeler, der 
ausz Altersschwäche in kleinen 
Schritten marschiert. Däp- 
pelispolka, ein Tanz in solcher 
Weise. Tapp in 's Mus, der, 
oder Tapp es, ungeschickter 
Mensch; > du schmalk'scht 'n Käs 
wie a Tapp ins Muasz«,(Sch.) 
was sonst tappig auszsagt. 
Schmid 114. 

DAPPER,Gang. »I thua mein 
alta Dap per gau«. 

D ARNE DENNA ! ist's doch so ! 
Verwunderung, wenn etwas, was 
man ante, eintrat, darnach? 

DARRE, die, Dörrofen, Dar- 
rete (Wurml.) 

TARTSCHE, swf.; ein kleiner 



Schüt, pelta. Mhd. Wb. HI, 116, 
117. >DieTart8chenfürzuwerfen 
sind sie so geschwind, dasz sie Wurf 
und Pfeil, so sie die ersehen, auf- 
halten«. Elucid. 1543. >Tart- 
schenund Armbrust«. Fizion51. 

DAS, stn. in den Stauden die 
Streu ausz Tannenreisem, wie esz 
dort bräuchig; überhaupt Tannen- 
reisach. >Die Eichen und Ahorn 
aber nach vorherigen Anfragen 
bei dem Forstherm zu hauen; 
sodann auch die Abheilung des 
Daaszes und Holzes ausz dem 
Wald inner der verbotenen Zeit 
— (soll) unentgeltlich concediert 
werden«. Kempt. Confirm. S. 28. 
Verb, d a a s e n. Vgl. Schmid 115. 
Schmeller I, 352. 

TASCHE, die. >Nach altem 
Herkommen ist besonders eine 
eheliche Gemeinschaft des Ver- 
mögens bei den Wein- und Bier- 
wirten, Becken und Mezgern und 
Huckem hergebracht, die daher 
die exempten Handwerker 
odervon der offenen Tasche 
genannt werden«. Anschlagzet- 
tel 1681 bei Huber. 

DÄSIG, adj.: ruhig, degenmä- 
szig, furchtsam. »Begab sich dann 
enher, dasz entweder der Adels- 
genossen in Frei- und Reichs- 
städten Regierung das ig er und 
eingezogener wurde«. Insign. 

DAT, DAETLE, dim.: Fach, 
Schublade, Fächlein. »Nicht 
uneben sind vormals dise wertiste 
Heiltumb, doch one sondern Zier- 
rat in iren absonderlichen Thät- 
lein«. Ehrenf. 1699. »Kägtdenn 
8 



114 



Datsche — Damnen. 



leaba von der leera Daut?< 
Seh. Am mittleren Necar allge- 
mein. Schmid 115. IIB. 

DATSCHE, 8wm.: 1) ein mit 
Obst belegtes k u c he n - oder fla- 
denartiges Backwerk, wie 
Zwetschken-, Apfel-, Weich- 
seldatsche n. s. w. Beliebte 
Angsb. Speise. 2) Ein misglück- 
tes, sei esz wegen mangelhafter 
Hefe oder wegen unpraktischer 
Behandlung misratenes Back- 
werk, eine unförmliche Masse. 
3) Bildlich: ein dummer, träger 
Mensch, der, gleichsam oneHefe 
und rechte Behandlung, esz zu 
Nichts brachte. Hingegen heiszt 
ein an sz gewirkter D. bildlich 
ein raffinirter Mensch , ein homo 
versutus, astutus, weil das Aus z- 
wirken des Augsb. Backwerkes 
seine Güte bedingt. Ich halte das 
Wort ursprünglich nach seiner 
Auszsprache für bayerisch. Der 
Grundlaut da t seh ist Nacham- 
ung des Naturlautes, der ent- 
stet, wenn mit flacher Hand oder 
mit flachem Instrument auf einen 
Gegenstand eingeschlagen wird, 
besonders auf Taig, der breit 
geschlagen wird. Das a ist 
ursprünglich kurzes a und erhält 
die bei A, in der Lautlere S. 
3 a. berürte Denung, die der Stadt 
und dem unmittelbar gegen die 
Mindel und Wertach hin ligenden 
Lande eigen ist und nicht mit 
Unrecht bayerisch-schwäbisch ge- 
nannt werden mag. In der Tü- 
binger und Rottenburger Gegend 
komt dötsch vor far Pfann- 



kuchen, dStsoho, Pf. backen. 
Vom nicht durchsäuerten Taige, 
sagtman»eristzemmadäischt< 
mit Umlaut und zwar in Nieder- 
schwaben allein mit Umlant. YgL 
Schmid 117. 

DATTEL, die, Puppe in irer 
2. Metamorphose. Dattelfürst, 
ein alter Mezgerspizname in A. 

TAUBE in TAÜBENJACKEL, 
Taubenhändler und Taubenlieb- 
haber. Taubenkobeln, ein 
Spil der Buben in den Stauden. 
Irgendwo auf freiem Felde, in 
Garten oder Scheuer macht man 
ein Zil d. h. einer stet in weni- 
ger Entfernung von dem Haufen 
und ruft 

Tauba 'rousz kobla 

8 oder 9 

Gheart all eine meil 
ImAugenblicke verläszt der T a u b- 
enkobler sein Zil und springt 
auf den Haufen Buben (Tauben) 
losz und wen er fangt, der musz 
an^s Zil; bekomt er keinen, so 
get's wieder von vorne an, er 
musz wieder 's earstei sein. 

TAUF, stm.: in Pfingst- 
tauf, Ostertauf, das an den 
Vorabenden der Yierfeste ge- 
weihte Waszer. Der Augsb. Fest- 
kalender hat dafür >Hochtaaf<. 
>Bei St. Morizen pflegt man das 
Feuer zu weihen um 7 Uhr und 
nach dem die Osterkerze und 
Hochtauf«. 

D AULEN, allgem. oberschw.: 
bedauern: >du doulascht mi, 
i käs it sä«. Seh. 21. Schmid 121. 

DAUMEN, swm.: pollex, ahd. 



Tanset — Depshofen. 



115 



dümo; >den gerechten dümen<. 
Stdtr. f. 50 b. »Also dasz man 
sol sin begraben unz an den na- 
bel; und sol er in siner hant ha- 
ben ainen aichinen stap, der sol 
ainer dümellen lanch sin<. f. 
30 a. Eed. A. den >D aumen aufs 
Aug 1) drücken«, durch die Finger 
sehen. 2) moralisch nötigen. 

TAUSET in Verwunderungs- 
reden: >Ünd aufbuzt ischt sui, 
tausetnei! Seh. 

DÄZELN, ein Augsb. Kinder- 
spil. Die Buben schlagen ein 
viereckichtes Holz in den Boden, 
legen auf das Stözlein einen Zwäo- 
ring oder Pfennig, was teuer 
oder wolfeil tun heiszt. Von 
einer kleinen Entfernung wirft 
man mit Ziegelblättchen nach 
dem Holze; am liebsten nemen 
die Buben Solenhofer Steinplätt- 
lein. Wer trifft d. h. wer so an's 
Holz wirft, dasz das Geld herab- 
fällt, läuft mit den andern hin 
und schaut ob Münz oder Wap- 
pen gefallen ist. Je nach Ver- 
abredung gilt das eine oder an- 
dere. Das Wort scheint bayeri- 
schen Ursprunges. 

TÄZLEN, Hemdspizen, Man- 
schetten. Schmell. I, 465. »Hand- 
täzlein mit oder one Spiz<. 
Poliz. 0. >Ein Halstuch, sowie 
den Handtäzlen und denen 
Kragenbändem mit oder one 
Spizen über 15 f. nit wert sein«, 
a. a. 0. In dem Fuggerschen In- 
ventar komt vor; »8 par Täzl 
mit merlei Seiden auszgeneet<. 
>25 par T äz el mit und one Spiz«. 



DECKE, »unter einer Decke 
mit einander ligen< häufig in 
Augsb. Akten >conspirare<. Be- 
decken, »betreten oder bede- 
cken laszen« von den Hennen. 
Gockel. 11. 

TEFERDINGEN, 0. N. heiszt 
urkdl. V. 1288: Tenfridigin- 
gen, V. 1408: Tenferdingen 
und Däferjdingen. 

DEIL, DEILUNG, hölzerne Ca- 
näle, das Waszer in^s Haus zu 
leiten. Schmid 123. Teyhel- 
fürer in der Feuer-O. 1731. 

DEINSELER,der,Kropf.Sch.l24. 
verb. deinseln, davonschleichen. 

TEMPERFASTEN, allgemein 
in den schwäbischen Schriftwer- 
werken des 14. u. 15. Jarhd. >in 
der tempervasten des adv^nts«. 
(Quatemberfasten.) cgm. 157 f 2 a. 

DENN »und denn< beliebte 
Uebergangsworte von einem Saze 
auf den andern. Mindelheim. 

TENNEN, swm.: Vorplaz des 
Hauses, Hausgang selbst. »Ain 
tännen und ain sumerlauben«, 
»der tännt, daz allemydrest vn- 
danan dem tännen«. allgm. cgm. 
625 f. 284 b. u. ff. In der wir- 
temb. Hochzeit: »Ein hoher lan- 
ger weiter Tennen, da man tat 
etwa stechen rennen.« Aufgestellte 
Thännenmeisl/er, Memming. 
Feuer-O. 1765. 

DEPSHOFEN, 0. N., urkdl. 
1241:Tebeshofen; 1364: Tepz- 
h o f e n ; unwarscheinlich auf einem 
alten Tepizo u. s. w. beruhend. 
In D. ist esz nicht ratsam zu fra- 
gen, warum der Schimmel 
8* 



116 



Derzel — Dignen. 



lachte Sie sollen, wie ander- 
wärts esz auch erzält wird, einen 
Schimmel den Kirchturm hin- 
aufgezogen haben, um das Gras 
dort abfreszen zu laszen. Bereits 
oben, bleckte er noch vor seinem 
Ende die weiszen Zäne, wobei 
die Depshofer schrien: jezt 
lacht er! 

DERZEL, der, eine Art klei- 
ner Falken; mittellat. tertius, 
tertiolus. Mhd. Wb. III, 32 b. >Ist 
es ein Habich, das ist ein sy, 
so ist eins ein Derzel oder klein 
Habich, das ist der er<. cgm. 
289 f. 108. 

TERZIANA, Febris tertiana 
in Akten, Chroniken ser oft. — 
Luc. Rem. S.7: >am hineinreiten 
stuos mich einFieber terzanaan«. 
TEUFELSPEITSCHE, eine 
Schelte für bösd Frauen. >T., 
Schindbeitsch«. Homo S. 

DIBES (- u) Rausch.^ >Du hast 
'n dibesi; >deam guckt der di- 
bis zu8 doogeröusz!« ganz was 
Dames und Dusel. Schmid 115. 

DICHEN, swv.: schleichen, leise 
gen. Schmid 123. 

DICKET, die, Dickicht. 

DICKORET neben dosä9r9t, 
taub, übelhörig, 

DICKPFENNIG in einem Ver- 
gleiche von 1508. Die Stadt A. 
ist befugt > silberne Münz und 
Dickpfennig zu ganzen und 
halben Dugaten in der Münz zu 
schlagen«. Der Dickpfennig 
galt 20 kr. Schmell. I, 314. 
Grimm Wb. H, 1083. Kehrein. 
Sammig. 22 b. Augsb. Pfen- 



ninge sieh A. Rotweiler Pf. 
sieh R. Esz gab auch >trackne 
Pfenninge« Akt. Vergl. 1368. 
Dicktuch, eine besondere Art 
Tuches: bei dem Maisterexamen 
hatte ein Weber 1) ein grobes, 
2) ein dickes und 3) ein Kron- 
tuch zu weben. 

DIECH, stn. femur, Oberschenk- 
el beim Menschen und bei Tie- 
ren ; seit dem 17. Jarhd. m. u. f. 
gen. Vgl. Mhd. Wb. I, 324 a. 
Grimm Wb. H, 1098. >Wer ein 
diech verkauft; sol sein nierstal 
darin laszen«. cgm. 290 f. 76 a. 
>Der Schütz, das Zeichen, hat an 
dem Menschen die hifft und die 
Dyech«. Reg. 1512. >Auf die 
Diech für alle Gebrechen« a. 
a. 0. »Der Schütz betütet die 
Die che«. Astron. 30 a. »Man 
sezt die Köpf auch an die Die- 
cher< 39 a. »S Mittel im 
Diech« ein Mezgerfachauszdruck 
für das Kreuzstück am Hochbalg. 
Liddieoh sieh unter L. 

DIENSTLER, wer in wel- 
cher Art imer von der Obrigkeit 
für niedere Dienste verwendet ist. 

DIGNEN, swv.: Schweinefleisch 
räuchern^; ver dignen, Kraft 
und Saft herauszbraten. Dig- 
n e s, geräuchertes Schweinefleisch: 
>ir sult auch nit t igen s fleisch 
eszen, wann ez hertet den pauch<. 
cgm. 223 f. 5. »Sie sollen mei- 
den alle wolgesalzene Kost und 
Salzes und diges fleisch«, cgm. 
601 f. 101. Digne Wurst, ge- 
räucherte Schweinswürste in A. 
beliebter Auszdruck. Schmid 126. 



Tilgerle — Docke. 



117 



TILGERLE, beim, eiae alte 
Wirtschaft in der Bäckergasse. 

DILLE, DÄLLE, ein einfälti- 
ger Mensch, mit dem Scherze ge- 
trieben werden. 

DINGELER. ein groszer unbe- 
holfener Mensch; dingelaere, 
oberschwäb. eine vierschrötige, 
nnbehilfliche Weibsperson. 

DINGEN, häufiger ist der Fach- 
auszdruck auf dingen bei Hir- 
tenbuben im Brauche. Stauden. 

DINGLACH, Habseligkeiten : 
>der hat dem Marschalk sein 
Dinglach gefeiert«. S. 267 a. 
>Den andern Wagen mit 4 Ros- 
sen hat ein Rat bestellt, der hat 
der andern Edelleut Dinglach ge- 
fuert<. a. a. 0. üeber lach sieh L. 
DINKELSCHERBEN, O. X. 
heiszt urkdl. 1217. 1220 Ten- 
chelserun; vom 14. Jarhd. ab 
Dinkel Scherben. 

DIPPEL, plur.: Zuglöcheram 
Backofen. Als Schimpfname für e. 
dumm.Men8chengUtH iradippeL 

TISCH: >ze tische stän< fefl 
haben: >86 mag ein burger, der 
wahs hat wol ze tische stan dri 
tage vor vnd sol in des niemen 
irren«. »Ez sol auch kain kra- 
mer, der ze krame stat kein wahs 
nf deheine tische noch niender 
verkaufen, wan in siner kräm<. 
Stdtr. f 13 b. Tischen, Mal- 
zeit halten; vgl. das züricheri- 
sche >verti8chgelten« in einer 
Familie zur Kost gen. Ti Sch- 
afotte, dim. Serviette. Siben- 
tischwald ein Augsbarger ema- 
liger Yergnügongsort. 



DISOrST, stm.: >Im HbmBei 
ist lauter Freud, in der Höll ist 
lauter Leid, im HrmmfJ ist lau- 
ter Lust, in der Höll ist laater 
Disgust<. Conlin. 

DISSELE, das. Lm^nf fir 
Küchlein. Sieh Anhang. 

DITSCHE: 1) rericlitlidier 
Hut. 2) Orfcige. >Eva: Ah %ej 
iax do it gar so ead! Dacz 
's Uebel H no ärger wead: da 
bauscht schoa oft ''n Dittcha 
thaO; dmm schimpf i an «ad la« 
mi gau«. Soh. 18. 

DOBHABER. stm- >Em T»h^ 
besonders an der Hoehftrx«z« vm 
Bobingen soliebem Haber, d^ti r^ 
Döbhaber neiineii mzd 4em 
Treffxg im Eo«ken aimkgia^ 
ist. Wer Ton flokh<ai Bro*:od<^ 
Mel asze. warde in dr^m K.zi 
ganz dumm, hat tu Sdufaü^rz^ti«, 
Reinhartshaof. Vfxn^jm^ V^l 
Dippelhaber. Sehand 125 
TOBDi. 6fT. gewa«MTVT T»äK: 
le tabif. fnaz^züi^hino^tZikL: 
thctabby.eßgL >AtUM. Tob;?». 
Taffet< oft in Akum. bi*!««4en 
Kleiderordnmgen, Vi^ir:^^!akh^r^^ 
Hochzeit: 

In weissem Sanat wiifT^T^r^/ir«» 
Mit goldenem Tfrbia tksir^LU^ 
gen u, s w. 

DOCKE. LliheiWaÄzerfcMitear 
kurze dieke S^nie a»z 2 C/ii^ii^4- 
zem in Pnj/pem^em^: tht dÜMn 
Geländer von holen «a^ f^^f^r^h- 
ten Doekes oder Sforretk metkr- 
mahretfe veffertifl^* Heimfi- 
mngsbegangBin 4^. >T#v?i «ie» 



116 



Derzel — Dignen. 



lachte Sie sollen, wie ander- 
wärts esz auch erzält wird, einen 
Schimmel den Kirchturm hin- 
aufgezogen haben, um das Gras 
dort abfreszen zu laszen. Bereits 
oben, bleckte er noch vor seinem 
Ende die weiszen Zäne, wobei 
die Depshofer schrien: jezt 
lacht er! 

DERZEL, der, eine Art klei- 
ner Falken; mittellat. tertius, 
tertiolus. Mhd. Wb. III, 32 b. >Ist 
es ein Habich, das ist ein sy, 
so ist eins ein Derzel oder klein 
Habich, das ist der er<. cgm. 
289 f. 108. 

TERZIANA, Febris tertiana 
in Akten, Chroniken ser oft. — 
Luc. Rem. S.7: >am hineinreiten 
stuos mich einFieber terzanaan«. 
TEÜFELSPEITSCHE, eine 
Schelte für böse Frauen. >T., 
Schindbeit8ch<. Homo S. 

DIBES (- u) Rausch.^ >Du hast 
'n dibes<; >deam guckt der di- 
bis zu9 daog9röusz!« ganz was 
Dames und Dusel. Schmid 115. 

DICHEN, swv. : schleichen, leise 
gen. Schmid 123. 

DICKET, die, Dickicht. 

DICKORET neben do säe rat, 
taub, übelhörig, 

DICKPFENNIG in einem Ver- 
gleiche von 1508. Die Stadt A. 
ist befugt > silberne Münz und 
Dickpfennig zu ganzen und 
halben Dugaten in der Münz zu 
ichlageni. Der Dickpfennig 
galt 20 kr. Schmell. I, 314. 
Grimm Wb. H, 1083. Kehrein. 
Sammig. 22 b. Augsb. Pfen- 



ninge sieh A. Rotweiler Pf. 
sieh R. Esz gab auch >trTiokne 
Pfenninge« Akt. Vergl. 1S68. 
Dicktuch, eine besondere Art 
Tuches: bei dem Maisterexamen 
hatte ein Weber 1) ein grobes, 
2) ein dickes und 3) ein Kron- 
tuch zu weben. 

DIECH, stn. femur, Oberschenk- 
el beim Menschen und bei Tie- 
ren ; seit dem 17. Jarhd. m. o. £ 
gen. Vgl. Mhd. Wb. I, 824 a. 
Grimm Wb. H, 1098. >Wer ein 
diech verkauft, sol sein nierstal 
darin laszen«. cgm. 290 f. 76 a. 
>Der Schütz, das Zeichen, hat an 
dem Menschen die hifit nnd die 
Dyech«. Reg. 1512. >Auf die 
Diech für alle Gebrechen« a. 
a. 0. »Der Schütz betütet die 
Die che«. Astron. 30 a. »Man 
sezt die Köpf auch an die Die- 
cher< 39 a. »S Mittel im 
Diech« ein Mezgerfachauszdmek 
für das Kreuzstück am Hochbalg. 
Liddiech sieh unter L. 

DIENSTLER, wer in wel- 
cher Art imer von der Obrigkeit 
für niedere Dienste verwendet ist. 

DIGNEN, swv.: Schweinefleisch 
räuchern^; ver dignen, Kraft 
und Saft herauszbraten. Dig- 
n e s, geräuchertes Schweinefleisch: 
>ir sult auch nit tigens fleisch 
eszen, wann ez hertet den pauoh<. 
cgm. 223 f. 5. »Sie sollen mei- 
den alle wolgesalzene Kost und 
Salzes und diges fleisch«, cgm. 
601 f. 101, Digne Wurst, ge- 
räucherte Schweinswürste in A« 
beliebter Auszdruck. Schmid 12d. 



Tilgerle — Docke. 



117 



TILGERLE, teim, eine alte 
Wirtschaft in der Bäckergasse. 

DILLE, DÄLLE, ein einfälti- 
ger Mensch, mit dem Scherzo ge- 
trieben worden. 

DINGELER. ein groszer unbe- 
holfener Mensch; dingelaere, 
oberschwäb. eine vierschrötige, 
nnbehilfliche Weibsperson. 

DINGEN, häufiger ist der Fach- 
auszdruck aufdingen bei Hir- 
tenbuben im Brauche. Stauden. 

DINGLACH, Habseligkeiten : 
>der hat dem Marschalk sein 
Dinglach gefüert<. S. 267 a. 
>Den andern Wagen mit 4 Ros- 
sen hat ein Rat bestellt, der hat 
der andern Edelleut Dinglach ge- 
füert<. a. a. 0. Ueber lach sieh L. 
DINKELSCHERBEN, 0. N. 
heiszt urkdl. 1217. 1220 Ten- 
chelserun; vom 14. Jarhd. ab 
Dinkelscherben. 

DIPPEL, plur.: Zuglöcher am 
Backofen. Als Schimpfname für e. 
dumm.MenschengiltH ir a dip pol. 

TISCH: >ze tische stän< feil 
haben: >8Ö mag ein burger, der 
wahs hat wol ze tische stän dri 
tage vor vnd sol in des niemen 
irren<. »Ez sol auch kain krä- 
mer, der ze krame stät kein wahs 
üf deheine tische noch niender 
verkaufen, wan in siner kr^m«. 
Stdtr. f 13 b. Tischen, Mal- 
zeit halten; vgl. das züricheri- 
sche >vertischgelten« in einer 
Familie zur Kost gen. Tisch- 
afette, dim. Serviette. Siben- 
tischwald ein Augsburger ema- 
liger Vergnügungsort. 



DISGUST, stm.: >Im Himmel 
ist lauter Freud, in der HöU ist 
lauter Leid, im Himmel ist lau- 
ter Lust, in der HöU ist lauter 
Disgust<. Conlin. 

DISSELE, das, Lockruf für 
Küchlein. Sieh Anhang. 

DITSCHE: 1) verächtlicher 
Hut. 2) Orfeige. >Eva: Ah sey 
iaz do it gar so eadl Dasz 
's Uebel it no ärger wead; du 
bauscht schoa oft 'n Ditscha 
thau, drum schimpf i all und lasz 
mi gaü«. Seh. 18. 

DÖBHABER, stm. >Esz gäbe 
besonders an der Hochstrasze in 
Bobingen solichen Haber, den sie 
Döbhaber nennen und dem 
T r e f f z g im Rocken nit ungleich 
ist. Wer von solchem Brot oder 
Mol asze, wurde in dem Kopf 
ganz dumm, hat vil Schmerzen<. 
Reinhartshaus. Pfarrbuch. Vgl. 
Dippelhaber, Schmid 125. 
TOBIN, der, gewäszerter Taffet: 
le tabis, franz.; il tabino,ital. ; 
thetabby, engl. >Atla8z, Tobin, 
Taffet« oft in Akten, besonders 
Kleiderordnungen. Wirtemberg. 
Hochzeit : 

In weissem Samat unvertrogen 
Mit güldenem Tobin durchzo- 
gen u. 8 w. 

DOCKE, 1. l)bei Waszerbauten : 
kurze dicke Säule ausz 2 Querhöl- 
zern in Puppengestalt: >In dises 
Geländer von holen und gedreh- 
ten Docken oder Sparren mehr- 
mal weise verfertigt«. Heimfü- 
rungsbegängnis 49. »Von den 
Eichen abgangen, welche man zu 



110 



TanB Tanzhaas Dänselwoohe. 



Baiatiigeknüpfi; auf der rechten 
war er offen und hieng um den 
Leib; femer ein mit goldenen 
Schnüren umwundener Kranz. 
Die Herren und Frauen trugen 
bei Tänzen eine Art Maskenklei- 
der. Auf der Stube wargemein- 
•ames Mittageszen. Solche feier- 
liche Tänze waren 2m al in 
der Fastnacht und bei Anwesen- 
heit groszer Herren. Die ältesten 
Geschlechtertänze, deren die 
Chroniken gedenken, fallen in's 
Jar 1813, als dem Kaiser Albrecht 
und S.Gemahlin zu Eren ein solcher 
veranstaltet ward. A. 1418 galt 
ein Tanz dem Kaiser Sigismund, 
bei welcher Gelegenheit er den 
Frauen goldene Ringe auszteilte. 
A.' 1577 war der lezte Geschlech- 
tertanz. Keligionsverhältnisse 
scheinen die Ursstche des Aufhö- 
rens gewesen zu sein. Ueber^e 
bei den Tänzen üblichen Hof- 
narren sieh Unten s. v. N. Vgl. 
femer den Freimütigen 1804. 
n. Bd. S. 102. lOS. Einen alten 
Geschlechtertanz in Noten auf 
einem Gemälde von 1522 fürt 
Paul von Stetten an, Erläuterun- 
gen S. 86. Eine Hauptrolle bei 
den Zünften spilte die Dänzel- 
woche; esz ist eine Jaresfest- 
woche der Gesellen. Voran stet 
wie billig die Weber dänzel- 
woche in der sog. Lorenz- 
woche. Schon Erhard Gellius 
sagt von den wirtemb. Webern: 
>Sie halten Dans ondFrewden- 
spili. (10. August). Vor dem 
7. August durfte keine Zunft ire 



Dänzelwoohe halten; die We« 
her hielten sieinder VordorliMid. 
Der Tag began mit Prosesd^n 
der Gesellen zu StAfra und von 
da zu St. Georg, wo der Golt«s- 
dienst mit Hochamt gthalten 
ward. Bei der Magistraitehemen 
Häuser hielt man und der Kna p * 
penknecht tat den Sprueh. 
Die Meiste waren alle gdad«B. 
Ton dem Magistrat anss erseliien 
ein Deputierter, der gn&dig«r 
Herr von den Anwesetiden be- 
titelt werden muste und den 
Erenplaz einnam. Auch warn 
Umzug geschahen besondere Ein- 
ladungen. Groszartig waren Mal 
und Tanz, wo auf Glesundlirit 
des gnädigenHerm und derMeister 
Yorgeher getrunken ward, 
gab auch 2 Nachdiazel: 
Afterfeste, blaue Momtag e. 
Von der Weberdänzelwoebe 
an namen auch die übrigen eine 
nach der andern iren Anfang. 
Am heitersten gfieng esz schon 
da her. Die Weberreelnangen 
weisen so c. 23 — ^90 fl. auf, irms 
die Kasse, die alles bestritt, an 
bezalen hatte. Das Angab. Jnr- 
einmal: 

Auch tut man wie ich hör' und seh 
Des Jar's einmal dem Geldreoht 

weh, 
Da viel Handwerker kostbi» 

dänzlen; 
Und ob die Jungfern ire Knuulen 
Allzeit heim bringen unverlezt, 
Bleibt hier die Antwort auszgesesi. 
A.1760 ward das Weber-Jabilänitt 
festlich gehalten sur Erinnenmg 



Tanz Tanzhaag Danzeliroohe. 



111 



an die Hnnnenschladit >da ge- 
schah der völlige Auszug am 
Tänzelmontag«. Web. Umzug 
8.85. Umzug 1760: > Der marsch 
gehet erstlich bei denen Herrn 
Stadtpflegem vorbei, wie auch 
bei denen Herrn Deputierten des 
Weberhandwerks, allwo jederzeit 
vor iren Häusern ein Fähndrich 
um den andern seine Exercitia 
mit der Fahne macht. Sodann 
marschieren sie vor das Weber- 
haus, allwo inen durch die Herrn 
Beysitzer aus iren hebenden Po- 
calen ein Trunk gereichet wird. 
Von da gehet der Marsch nach 
St. Ulrich in dem Hof, allwo die 
Fähndriche abermalen ire Exer- 
üitien machen. Von St. Ulrichen 
marschieren sie durch die Becken- 
gassen hinab auf ire Herberg, 
allwo sie eine Malzeit halten u. 
die Herren Beisitzer und Büch- 
senpfleger dazu einladen. Inmit- 
telst wird die Fahne zu einem 
Fenster hinausgehänget. Den än- 
derten Tag ziehen sie weiter vor 
derer Herren Beisitzer u. Bixen- 
pfleger ire Behausungen, allwo 
inen ein Trunk gereichet wird. 
Endlich begeben sie sich nach 
vollendetem Zug auf ihre Her- 
berge, augsb. Confess. Den Zug 
bildeten ein Hauptmann (Mei- 
sterson), 2 Lieutenants, 2 Fänd- 
riche; sodann die Professionsvor- 
steher, 4 Altgesellen katol. Teils, 
1 Ladenschreiber, ein Knappen- 
knecht, 4 Altgesellen, protest., 
"1 Ladenschreiber, 1 Knappen - 
knecht. Die Reihenfolge: 



1) 2 Knappenkneohte mit rot u. 
gelbem Kleid, Schuh mit einem 
roten imd gelben Absaz, mit einer 
dergleichen 2förbigen Dnseggen 
und machen Bahn. 2) Ein Chor 
Musicanten. 3) Die Stadtpyr 
oder Wappen, daneben 2 Kna- 
ben, jeder 1 Adler tragend , ne- 
ben inen 2 Gesellen mit Degen; 
4) Der Hauptmann mit dem Spon- 
ton in gefärbter Kleidung, inen 
folgt ein Knab in weiszer Klei- 
dung mit rot und gelbem Band, 
einen Lorbeerkranz tragend. 5) 
2 Feldwäbel. 6) Die 8 Altgesel- 
len in roten Kleidern sampt Hut 
mit Federn, gehen unter einan- 
der nach dem Rang. 7) Der Will* 
komm von beiden Laden, neben 
inen 2 mit blossen Degen. 8) Die 
4 Bixenpfleger, in schwarzer Klei- 
dung, Mantel und Degen. 9) Die 
Taffei vom Weberhaus mit dem 
Wappen, die a. 1660 getragen 
worden. 10) 4 Trommelschläger 
und 1 Pfeifen. 11) Drei Knaben 
mit der gnädigen Herren Depu- 
tierten vom Weberhaus, ire ade* 
liehen Wappen tragend, neben 
inen 2 Gesellen mit blossen De- 
gen. 12) Der erste Fändrich mit 
den neuen Fahnen und 2 Vierer; 
disen begleiten einige Gesellen 
in roten Westen und gelben Anf- 
schlägen mit blossen Degen. 18) 
Die erste Tafel von der Schlacht 
von einer Bedeckung zweier Ge- 
sellen mit blossen Degen, nebenzu 
folgen einigein Cniras. Der halbe 
Teil von der Gesellschaft 4 u. 4 
zwischen eingeteilt die Lobsprüch 



112 



Tanz TanzhatiB Dänxelwoche. 



und Friedenstaffel, auch Kriegs- 
rüstung, neben inen 2 Gesellen 
mit blossen Degen, auch einge- 
teilten Knaben oder Meistersö- 
nen, welche wol aufgebuzt, in 
Hut und Federn mit einer Leib- 
binden und Degen, Bogen und 
Pfeil, worbei von einigen Gesel- 
len, der halbe Teil der Schenk- 
kannen getragen werden. 15) Der 
2. Chor Musikanten. 16) Bildniss 
von Kaiser Otto und St. Ulrich, 
auch Weberhauswappen von Kna- 
ben tragend, neben inen 2 Gesel- 
len mit Degen, 17) 6 Sechser, 
3 und 3 gehen in schwarzen Klei- 
dern, Hut mit schwarzen Federn 
mit rot und gelbem Fuszband, 
auch gelben Absaz tragen die 
Pocal vom Weberhaus und 4 Ge- 
sellen neben inen mit blossem 
Degen. 20) Die Taffei von der 
Wappen übergab an Kaiser Otto 
darneben 2 Gesellen mit blossen 
Degen und einige mit Cuiras. 21) 
Der andere halbe Teil von der 
Gesellschaft mit blossen Degen u. 
Knaben eingeteilt; auch zwischen 
inen die Fridensfaffel und Lob- 
sprüch und Kriegsrüstung einge- 
teilt, wobei von einigen Gesellen 
der andere halbe Teü der Schenk- 
kannen getragen werden. 22) 4 
Trommelschläger und 2 Pfeiffer. 
23) 2 Lieutenants. 24) 2 Leib- 
schüzen. Alle Gesellen tragen 
gelbe und rote Maschen. Den 
Beschlusz machen einige von der 
Meisterschaft in Harnisch zu Pferd 
welche zerschidene in dem hoch- 
Ipbl. Reichsgotteshaus zu St. Ul- 



rich und Afra alUiier bis ankero 
aufbehalten waren«. In der näm- 
lichen Beschreibung heiszt esz S. 
32: >i8t den Webern von einem 
hochedlen Magistrat verstattet 
worden, in irersog. Tinielwo- 
chen järlich einen öffeniliehen 
Auf- und Umzug mit Ob«r- und 
Untergewer, fliegenden Fanen, 
Trommeln und Pfeifen solenniter 
zu halten. Welchen freien Zug* 
im Anfang eine lange Zeit, so- 
wol Meister als Gesellen beige- 
wonet haben, hemachmals aber 
von den Meistern denen Gesel- 
len allein überlaszen, bis endlich 
mit eingefallenen schweren Zei- 
ten (jedoch one Vergebung sol- 
cher erworbenen Freiheit) ermel- 
dter Zug von einer Zeit zur an- 
- dem eingestellet und auf verhof- 
fende Besserung verschoben wor- 
den. Wie dann noch järlich durch 
gewisse dazu verordnete Büchsen- 
meister vor Amt auf dem Weber- 
hause entweder dem nächsten 
Siz vor od. nach St. Ubriohstag au 
erscheinen und darum anzuhaltoi 
pflegen, welcher aber seit a. 1660 
nicht mehr gehalten worden, ob 
zwar wol gleich hierauf im Jare 
1666 solcher wiederum durch die 
Herren Deputierte vergönnet, aber 
wieder eingestellt worden bis 
1760< u. s. w. Auch in Kauf- 
beuren gab esz ein D an z elf est, 
über dessen Ursprung man indess 
nichts Sicheres weisz, als dase 
esz ein Schulkinderfest schon 
frühe gewesen sein musz. Urkund- ' 
lieh a. 1567 wird es^ ak >üb* 



Dap — Dat, Daetk 



113 



licher Dänzeltagder Schul- 
kinder« bezeichnet. An dem 
öffentlichen Umzüge mit Trom- 
meln und Fanen des Yormittags 
erschienen die Knaben in militä- 
rischen, die Mädchen in verschie- 
nenartigen Costümen und zogen 
Nachmittags in das Hölzchen: das 
Fest dauerte 3 Tage. Red.-A.: 
>Also zergieng der Tanz< d. h. 
die Sache. Frank S.117. Tanz, 
berg am westl. Ende v. Mazz- 
sies ligender Hügel. 
Den Augsb. Baurentanz (s. B) 
soll Johannes Holzer ausz Kloster 
Marienberg bei Meran in Tirol 
gefertigt haben. 

DAPjdim.-.Daeple u. Daiple 

Pfötchen; scherzweise >'s D. 

•geboi bei Kindern. Schmid 114. 

>Jazt thua miar nu glei 's Dai- 

pla gea«. Seh. 

DÄPPELN, swv.: in kleinen 
Schritten gen; Däppeler, der 
ausz Altersschwäche in kleinen 
Schritten marschiert. Däp- 
pelispolka, ein Tanz in solcher 
Weise. Tapp in's Mus, der, 
oder T a p p e s , ungeschickter 
Mensch; > du schmalk'scht 'n Käs 
wie a Tapp ins Muasz«,(Sch.) 
was sonst tappig auszsagt. 
Schmid 114. 

DAPPER,Gang. >I thua mein 
alta Dap per gau«. 

D ARNE DENNA ! ist's doch so ! 
Verwunderung, wenn etwas, was 
man ante, eintrat, darnach? 

DARRE, die, Dörrofen, Dar- 
rete (Wurml.) 

TARTSCHE, swf.: ein kleiner 



Schüt, pelta. Mhd. Wb. m, 116, 
117. >DieTart8chenfürzuwerfen 
sind sie so geschwind, dasz sieWurf 
und Pfeil, so sie die ersehen, auf- 
halten«. Elucid. 1543. >Tart- 
schenund Armbrust«. Fizionöl. 

DAS, stn. in den Stauden die 
Streu ausz Tannenreisem, wie esz 
dort bräuchig; überhaupt Tannen- 
reisach. >Die Eichen und Ahorn 
aber nach vorherigen Anfragen 
bei dem Forstherm zu haue^; 
sodann auch die Abheilung. des 
Daaszes und Holzes ausz dem 
Wald inner der verbotenen Zeit 
— (soll) unentgeltlich concediert 
werden«. Kempt. Confirm. S. 28. 
Verb, d aasen. Vgl. Schmid 115. 
Schmeller I, 352. 

TASCHE, die. >Nach altem 
Herkommen ist besonders eine 
eheliche Gemeinschaft des Ver- 
mögens bei den Wein- und Bier- 
wirten, Becken und Mezgern und 
Huckem hergebracht, die daher 
die exempten Handwerker 
odervon der offenen Tasche 
genannt werden«. Anschlagzet- 
tel 1681 bei Huber. 

DÄSIG, adj.: ruhig, degenmä- 
szig, furchtsam. »Begab sich dann 
enher, dasz entweder der Adels- 
genossen in Frei- und Reichs- 
städten Regierung däsiger und 
eingezogener wurde«. Insign. 

DAT, DAETLE, dim.: Fach, 
Schublade, Fächlein. »Nicht 
uneben sind vormals dise wertiste 
Heiltumb, doch one sondern Zier- 
rat in iren absonderlichen Thät- 
lein«. Ehrenf. 1699. »Kägtdenn 
8 



114 



Datsche — Daumen. 



leaba von der leera Daut?< 
Seh. Am mittleren Necar allge- 
mein. Schmid 115. IIB. 

DATSCHE, swm.: 1) ein mit 
Obst belegtes k u c he n - oder fla- 
denartiges Backwerk, wie 
Zwetschken-, Apfel-, Weich- 
seldatsche u. s. w. Beliebte 
Augsb. Speise. 2) Ein misglück- 
tes, sei esz wegen mangelhafter 
Hefe oder wegen unpraktischer 
Behandlung misratenes Back- 
werk, eine unförmliche Masse. 
3) Bildlich: ein dummer, träger 
Mensch, der, gleichsam oneHefe 
und rechte Behandlung, esz zu 
Nichts brachte. Hingegen heiszt 
ein auszgewirkter D. bildlich 
ein raffinirter Mensch, ein homo 
versutus, astutus, weil das Aus z- 
wirken des Augsb. Backwerkes 
seine Güte bedingt. Ich halte das 
Wort ursprünglich nach seiner 
Auszsprache für bayerisch. Der 
Grundlaut da t seh ist Nacham- 
ung des Naturlautes, der ent- 
stet, wenn mit flacher Hand oder 
mit flachem Instrument auf einen 
Gegenstand eingeschlagen wird, 
besonders auf Taig, der breit 
geschlagen wird. Das a ist 
ursprünglich kurzes a und erhält 
die bei A, in der Lautlere S. 
3 a. berürte Denung, die der Stadt 
und dem unmittelbar gegen die 
Mindel und Wertach hin ligenden 
Lande eigen ist und nicht mit 
Unrecht bayerisch-schwäbisch ge- 
nannt werden mag. In der Tü- 
binger und Rottenburger Gegend 
komt dotsch vor für Pfann- 



kuchen, dötsche, Pf. backen. 
Vom nicht durchsäuerten Taige, 
sagt man»er ist zemmadätscht« 
mit Umlaut und zwar in Nieder- 
schwaben allein mit Umlaut. Vgl. 
Schmid 117. 

DATTEL, die, Puppe in irer 
2. Metamorphose. Dattelfürst, 
ein alter Mezgerspizname in A. 

TAUBE in TAUBENJACKEL, 
Taubenhändler und Taubenlieb- 
haber. Taubenkobeln, ein 
Spil der Buben in den Stauden. 
Irgendwo auf freiem Felde, in 
Garten oder Scheuer macht man 
ein Zil d. h. einer stet in weni- 
ger Entfernung von dem Haufen 
und ruft 

Tauba 'rousz kobla 

8 oder 9 

Gheart all eine meil 
ImAugenblicke verläszt der T a u b- 
enkobler sein Zil und springt 
auf den Haufen Buben (Tauben) 
losz und wen er fangt, der musz 
an's Zil; bekomt er keinen, so 
get's wieder von vorne an, er 
musz wieder 's earstei sein. 

TAUF, stm.: in Pfingst- 
tauf, Ostertauf, das an den 
Vorabenden der Vierfeste ge- 
weihte Waszer. Der Augsb. Fest- 
kalender hat dafür >H och tauf«. 
>Bei St. Morizen pflegt man das 
Feuer zu weihen um 7 Uhr und 
nach dem die Osterkerze und 
Hochtauf«. 

D AULEN, allgem. oberschw.: 
bedauern: >du doulascht mi, 
i käs it sä«. Seh. 21. Schmid 121. 

DAUMEN, swm.: pollex, ahd. 



Tanset — Depshofen. 



115 



dumo; >den gerechten dümen«. 
Stdtr. f. 50 b. >Al86 dasz man 
sol sin begraben unz an den na- 
bel; und -sol er in einer hant ha- 
ben ainen aichinen stap, der sol 
ainer dümellen lanch sin«, f. 
30 a. Eed. A. den >D aumen aufs 
Aug 1) drücken«, durch die Finger 
sehen. 2) moralisch nötigen. 

TAÜSET in Verwunderungs- 
reden: >ünd aufbuzt ischt sui, 
tausetnei! Seh. 

DÄZELN, ein Augsb. Kinder- 
spil. Die Buben schlagen ein 
viereckichtes Holz in den Boden, 
legen auf das Stözlein einen Zwäe- 
ring oder Pfennig, was teuer 
oder wolfeil tun heiszt. Von 
einer kleinen Entfernung wirft 
man mit Ziegelblättchen nach 
dem Holze; am liebsten nemen 
die Buben Solenhofer Steinplätt- 
lein. Wer trifft d. h. wer so an's 
Holz wirft, dasz das Geld herab- 
fällt, läuft mit den andern hin 
und schaut ob Münz oder Wap- 
pen gefallen ist. Je nach Ver- 
abredung gilt das eine oder an- 
dere. Das Wort scheint bayeri- 
schen Ursprunges. 

TÄZLEN, Hemdspizen, Man- 
schetten. Schmell. I, 465. »H a n d - 
täzlein mit oder one Spiz<. 
Poliz. 0. >Ein Halstuch, sowie 
den Handtäzlen und denen 
Kragenbändem mit oder one 
Spizen über 15 f. nit wert sein<, 
a. a. 0. In dem Fuggerschen In- 
ventar komt vor; >8 par Täzl 
mit merlei Seiden auszgeneet<. 
>25 par Täzel mit und one Spiz«. 



DECKE, »unter einer Decke 
mit einander ligen« häufig in 
Augsb. Akten >con8pirare<. Be- 
decken, »betreten oder bede- 
cken laszen« von den Hennen. 
Gockel. 11. 

TEFERDINGEN, 0. N. heiszt 
urkdl. V. 1288: Tenfridigin- 
gen, V. 1408: Tenferdingen 
und Däferjdingen. 

DEIL, DEILÜNG, hölzerne Ca- 
näle, das Waszer in's Haus zu 
leiten. Schmid 123. Teyhel- 
fürer in der Feuer-0. 1731. 

DEINSELER, der,Kropf.Sch.l24. 
verb. deinseln, davonschleichen. 

TEMPERFASTEN, allgemein 
in den schwäbischen Schriftwer- 
werken des 14. u. 15. Jarhd. >in 
der tempervasten des advfents«. 
(Quatemberfasten.) cgm. 157 f. 2 a. 

DENN »und denn< beliebte 
Uebergangsworte von einem Saze 
auf den andern. Mindelheim. 

TENNEN, swm.: Vorplaz des 
Hauses, Hausgang selbst. »Ain 
tännen und ain sumerlauben«, 
»der tännt, daz allernydrest vn- 
danan dem tännen«. allgm. cgm. 
625 f. 284 b. u. ff. In der wir- 
temb. Hochzeit: »Ein hoher lan- 
ger weiter Tennen, da man tat 
etwa stechen rennen.« Aufgestellte 
ThännenmeistTer, Memming. 
Feuer-0. 1765. 

DEPSHOFEN, 0. N., urkdl. 
1241:Tebeshofen;1364:Tepz- 
h o f e n ; unwarscheinlich auf einem 
alten Tepizo u. s. w. beruhend. 
In D. ist esz nicht ratsam zu fra- 
gen, warum der Schimmel 
8* 



116 



Derzel — Dignen. 



lachte Sie sollen, wie ander- 
wärts esz auch erzält wird, einen 
Schimmel den Kirchturm hin- 
aufgezogen haben, um das Gras 
dort abfreszen zu laszen. Bereits 
oben, bleckte er noch vor seinem 
Ende die weiszen Zäne, wobei 
die Depshofer schrien: jezt 
lacht er! 

DERZEL, der, eine Art klei- 
ner Falken; mittellat. tertius, 
tertiolus. Mhd. Wb. III, 32 b. >Ist 
es ein Habich, das ist ein sy, 
so ist eins ein Derzel oder klein 
Habich, das ist der er«, cgm. 
289 f. 108. 

TERZIANA, Febris tertiana 
in Akten, Chroniken ser oft. — • 
Luc. Rem. S.7: >am hineinreiten 
stuos mich einFieber terzanaan«. 
TEUFELSPEITSCHE, eine 
Schelte für bös^ Frauen. >T., 
Schindbeitsch«. Homo S. 

DIBES (- u) Rausch.^ >Du hast 
'n dibes«; >deam guckt der di- 
bis zu8 deogerousz!« ganz was 
DamesundDusel. Schmid 115. 

DICHEN, swv. : schleichen, leise 
gen. Schmid 123. 

DICKET, die, Dickicht. 

DICKORET neben do säe rat, 
taub, übelhörig, 

DICKPFENNIG in einem Ver- 
gleiche von 1508. Die Stadt A. 
ist befugt > silberne Münz und 
Dickpfennig zu ganzen und 
halben Dugaten in der Münz zu 
schlagen«. Der Dickpfennig 
galt 20 kr. Schmell. I, 314. 
Grimm Wb. H, 1083. Kehrein. 
Sammig. 22 b. Augsb. Pfen- 



ninge sieh A. Rotweiler Pf. 
sieh R. Esz gab auch >truokiie 
Pfenninge« Akt. Vergl. 1368. 
Dicktuch, eine besondere Art 
Tuches: bei dem Maisterexamen 
hatte ein Weber 1) ein grobes, 
2) ein dickes und 3) ein Kron- 
tuch zu weben. 

DIECH, stn. femur, Oberschenk- 
el beim Menschen und bei Tie- 
ren ; seit dem 17. Jarhd. m. u. f. 
gen. Vgl. Mhd. Wb. I, 324 a. 
Grinmi Wb. H, 1098. >Wer ein 
diech verkauft; sol sein nierstal 
darin laszen«. cgm. 290 f. 76 a. 
>Der Schütz, das Zeichen, hat an 
dem Menschen die hifft und die 
Dyech«. Reg. 1512. >Auf die 
Diech für alle Gebrechen« a. 
a. 0. > Der Schütz betütet die 
Diech e«. Astron. 30 a. »Man 
sezt die Köpf auch an die Die- 
cher< 39 a. >S Mittel im 
D i e c h < ein Mezgerfachauszdnick 
für das Kreuzstück am Hochbalg. 
Lid diech sieh unter L. 

DIENSTLER, wer in wel- 
cher Art imer von der Obrigkeit 
für niedere Dienste verwendet ist. 

DIGNEN, swv.: Schweinefleisch 
räuchern^; verdignen, Kraft 
und Saft herauszbraten. Dia- 
nes, geräuchertes Schweinefleisch: 
>ir sult auch nit tigens fleisch 
eszen, wann ez hertet den pauch<. 
cgm. 223 f. 5. >Sie sollen mei- 
den alle wolgesalzene Kost und 
Salzes und diges fleisch«, cgm. 
601 f. 101. Digne Wurst, ge- 
räucherte Schweinswürste in A. 
beliebter Auszdruck. Schmid 126. 



Tilgerle — Docke. 



117 



TILGERLE, beim, eine alte 
Wirtschaft in der Bäckergasse. 

DILLE, DÄLLE, ein einfälti- 
ger Mensch, mit dem Scherzo g:e- 
trieben werden. 

DINGELER. ein groszer unbe- 
holfener Mensch; dingelaere, 
oberschwäb. eine vierschrötige, 
unbehilfliche Weibsperson. 

DINGEN, häufiger ist der Fach- 
auszdruck aufdingen bei Hir- 
tenbuben im Brauche. Stauden. 

DINGLACH, Habseligkeiten : 
>der hat dem Marschalk sein 
Dinglach gefüert«. S. 267 a. 
>Den andern Wagen mit 4 Ros- 
sen hat ein Rat bestellt, der hat 
der andern Edelleut Dinglach ge- 
füert«. a. a. 0. lieber lach sieh L. 
DINKELSCHERBEN, 0. N. 
heiszt urkdl. 1217. 1220 Ten- 
chelserun; vom 14. Jarhd. ab 
D in kelsch erben. 

DIPPEL, plur. : Zuglöcher am 
Backofen. Als Schimpfname für e. 
dumm.MenschengiltH iradippel. 

TISCH: >ze tische stän< feil 
haben: >s6 mag ein burger, der 
wahs hat wol ze tische stän dri 
tage vor vnd sol in des niemen 
irren<. »Ez sol auch kain krä- 
mer, der ze krame stät kein wahs 
üf deheine tische noch niender 
verkaufen, wan in siner krüm«. 
Stdtr. f 13 b. Tischen, Mal- 
zeit halten; vgl. das züricheri- 
Bche >vertischgelten« in einer 
Familie zur Kost gen. Tisch- 
afette, dim. Serviette. Siben- 
tischwald ein Augsburger ema- 
liger Vergnügungsort. 



DISGÜST, stm.: >Im Himmel 
ist lauter Freud, in der HöU ist 
lauter Leid, im Himmel ist lau- 
ter Lust, in der HöU ist lauter 
Disgust«. Conlin. 

DISSELE, das, Lockruf für 
Küchlein. Sieh Anhang. 

DITSCHE: 1) verächtlicher 
Hut. 2) Orfeige. >Eva: Ah sey 
iaz do it gar so ead! Dasz 
's Uebel it no ärger wead; du 
bauscht schoa oft 'n Ditscha 
t h a u, drum schimpf i all und lasz 
mi gaü«. Seh. 18. 

DÖBHABER, stm. >Esz gäbe 
besonders an der Hochstrasze in 
Bobingen solichen Haber, den sie 
Döbhaber nennen und dem 
Treffzg im Rocken nit ungleich 
ist. Wer von solchem Brot oder 
Mel asze, wurde in dem Kopf 
ganz dumm, hat vil Schmerzen«. 
Reinhartshaus. Pfarrbuch. Vgl. 
Dippelhaber, Schmid 125. 
TOBIN, der, gewäszerter Taffet: 
le tabis, franz.; il tabino, ital. ; 
thetabby, engl. >Atlasz, Tobin, 
Taffet« oft in Akten, besonders 
Kleiderordnungen. Wirtemberg. 
Hochzeit : 

In weissem Samat unvertrogen 
Mit güldenem Tobin durchzo- 
gen u. s w. 

DOCKE, 1. l)bei Waszerbauten : 
kurze dicke Säule ausz 2 Querhöl- 
zern in Puppengestalt: >In dises 
Geländer von holen und gedreh- 
ten Docken oder Sparren mehr- 
malweise verfertigt«. Heimfü- 
rungsbegängnis 49. »Von den 
Eichen abgangen, welche man zu 



118 



Dockele — Tod. 



den Docken in Hart verbraucht 
hat«. Mickhaus. Akt. 16. Jarhd. 
>An den Schwebdocken«, 
1567. >Ich hab die 3 Gräben 
vor den Docken gefischt«. 1570. 
Vgl. Wb z. Volkst. 26. 2) Kinder- 
puppen. In dem Leben der Eli- 
sabetha Bona, Reimerei vom 17. 
Jarhd. heiszt esz: 
Als dasz sie in ihrer Kindheit 
Mit den Docklin vertrieb die 

Zeit. 
Docken werk, Puppenspil für 
Kinder. Dockenküche, in der 
Alles, was zu einer Haushaltung 
gehört, im Kleinen aufgestellt ist. 
In Augsb. trieben Vomeme esz 
soweit, dasz eine solche Docken- 
küche oft auf 1000 fl. zu sten 
kam. Sogar Bräute hatten noch 
ir Spil mit Do|ckenhäusern. 
Darum werden auch des öftem 
KÜDstler und Docken kr am er 
mit einander auf gefürt (Gass.). 
Im Homo Simplex komt das Wort 
in folgendem Zusamenhange vor: 
>Präsentiert die falsche Welt dem 
Geilen, Unzüchtigen allerhand 
Docken, Saitenspil , Ueppigkei- 
ten des Fleisches« u. s. w. >Wie 
manche schön aufgebuzte, ge- 
schmückte, gezierte, angestriche- 
ne, mit Balsam und Ambra über- 
fimieszte Docken wurde ausz- 
sehen wie ein häszlicher kohl- 
schwarzer Teufeli u. s. w. a. a. 0. 
>Macht eine Gleichnus unter eue- 
rem und euerer lieben Voreltern 
Aufzug und Kleidertracht, da wer- 
den sich manche spompenadi- 
Schn eider, manche Aufpflanzerin 



und Popendocken schämen 
müszen«. >Get eine sauber geklei- 
det ist sie eine hofPartige Spreis- 
serin, eine Hofdock«. Puz- 
d ecken, früher allgem. 
Die Eava steiget wia a Dogg 
Und 's Mannsbild haut fleack am 
Rock<. Seh. 

DOCKELE, dim.: Hund. »Dog- 
gele, Doggele, sä, sa!> Hnnderof 
und Locken bei Kindern. Bir- 
kach. Stauden. Sohmid 130. 

DOCKELMAUSEN und Dü- 
CKELMAUSEN, swv: heimüch 
eine List auszfüren. >Geht sie 
schlecht daher,ist sie eineSchlamp- 
lin, ein sv. Mistfink; redet sie, 
ist sie ein Buhlerin, ein Ehebre- 
cherin; schweigt sie, ist sie ein 
Dockelmauser in, in der nichts 
guts steckt«. Homo Simplex. 
Schmid 131. Duckmausen. 

TOD, >Tods verscheiden«, 
sterben, allgem. in Augsb. Schrift- 
werken. Toadaschlaile,nralter 
Name für eine Filiale hinter Si- 
gertshofen in einer Art Bergto- 
bel. Todagrübel, Todtengra- 
ber, Mindelheim und sonst. Ein 
Klopfanlied in Mindelheim 
heiszt: 

Holla, Holla, Klopfertag 
Schüttelt d' Bim und Aepfel r&, 
Schmalz im Kübel 
Ist au itt übel, 
Bhüet uns Gott vom Toada- 

grübel. 
>Vil Schmalz im Kübel, 's ischt 

au it übel« 
Und a langa Ruah voarm Toa- 
dtagrübel<. Seh. 10. 



Dod Dodle — Doppelweib. 



119 



Red. A. >Er ist gut den Toad 
z' ho IIa«, er nimt sich zum Gen 
^eit. >DerTod ist mirüber'e 
Orab gelaufen«, esz schauert 
mich. >Esz ist zum Todschie- 
szen«, wo man sonst zu sagen 
pflegt: esz ist zum Tod lachen. 

DOD, DODLE, Pate, in Nie- 
derschwaben Dött. Doden- 
p fennig, Pat engeschenk, was 
als Kleid am Palmsonntage oder 
sonst gegeben wird, und in WurmL 
Dottaschüz; in Rottenburg 
Dottagschäft hiesz; in Aar- 
au Kindstrossel genant. >Von 
Konrad Rechlinger meines T o d t s 
wegen«. Kleidb. >Doch bleibet 
hernach einem jeden solchen Kin- 
dern und Dotlen Guts zu tun 
unverwert«. Poliz. 0. Schmidll6 

DOLENSTEIN: >dann darvor 
ist jedermann ain gemainer Durch- 
gang durch dises Haus gewesen, 
und hat geheiszenD ölen stain«. 
S. 58 a. Esz war eine Müle bei 
dem Steffingertor. 

TOLLFUSZ, schiefgewachsenes 
oder gar hölzernes Bein. 

TÖLPELSFELS, alter Name 
des Eisenberges. Gass. >Zum T.« 

DOM, stn. : in der Augsb. Land- 
schaft, Stauden, kurz gesprochen. 
Red. A. >Mit dier könnt ma z' 
Augsburg 's D omm nei rumpla 
voar lauter Dumme« von einem 
dummen Menschen gebraucht; zu- 
gleich Wortspil. Ein Rätsel 
in den Stauden heiszt: 
Zu Weiszenburg im Dom 
Da ist a gelbe Blom, 
Und wer die Blom will haben, 



Musz Weiszenburg zerschlagen. 
(Ei) 
R.A. Domherrn-Arbeit tun: 
müszig gen und Geld dabei ein- 
nemen. 

DONNERSTAG, der alleinige 
Name für den 5. Wochentag. Bald 
schreiben die Denkmäler D o n r s-, 
tag, cgm. 168 f . 9 b und öfters; 
bald, wie noch im Volksmunde 
üblich, Donderstag; ganz so 
schreiben die Kalender von 1500 
— 1518 des Regiom. Dons tag 
komt auch oft vor, selten aber, wie 
in Bayern, Pf in z tag. Der 
halb Augsb. cgm. 740 f. 31 b 
hat: Domstag oder Pfinztag. 
Ott Ruland hat auch Pfinztag. 
In Niederschwaben D a ü g t i g ; 
Oberschwb. Donstig. Bekant 
ist der gumpige D. sieh G. 

TOPP undt6(pp), esz gilt; ein 
Mann, ein Wort! 

TÖPPEL, emals die Büchse, in 
die beim Schieszen der Mitschie- 
szer seinen Einsaz legt. Schmid 
129. Jezt in A. nicht mer 
lebend. >Das ander nimpt man 
usz dem Töpel, sovil sich den- 
nocht geburt« cgm. 2517. >So 
soll der Töppel auch ainander 
heben« a. a. 0. >Bis der Töp- 
pel gar uffgät« a. a. 0. 

DOPPELGLUFE f., Haarnadel. 

DOPPEL WEIB zu Grimm, Wb. 
II, 1275. >Etlich haben den Acker- 
mann, den Edelmann (im Spile) 
den Wucherer, den Pfaffen, das 
Doppel weib, den Ryffian, den 
wirt vnd gewint je ains dem an- 
dern ab, dem Edelmann der Wu- 



120 



Toppanudla Toppastrizel — Dorsche. 



cherer, dem Wucherer der Pfsflff, 
dem Pfaffen das Doppelweib, 
der Ryffian dem Ryffian, der wirt 
dem Wirt u. s. w. cgm. 311 f. 47 a. 

TOPPANUDLA und TOPPA- 
STRIZFL, bayerisch Dopfa-. 

TOR. Die Tore spilten in A. 
»eine grosze Rolle; die Himels- 
gegenden, die Wan^erschaftslän- 
der wurden nach dem Tore be- 
zeichnet. Die 4 Haupttorewaren: 
> Gegen Westwindtund Bayrlandt 
das Jacobertor; gegen Ost und 
dem AUgäu das rote Tor; ge- 
gen Sudwindt und Schwabenland 
dasG eggin gertor;gegenNordt 
und der Thonaw das Wert ach - 
brugertor. Und über diese 4 
noch 6 kleinere als das: Vogel- 
törlein,Schwybogen-, Klen- 
ker-, Fischer-, Steffinger- 
und Oblatertörlein«. Gass. 
Walkertörlein. a. a. 0. Das 
Klenkertörlein komt in der 
Almosen-Ordg. oft vor als einzi- 
ger Einlasz für fremde Bettler, 
bewacht von den sog. Gassen- 
knechten (1694). >Au8zerdem 
dardurch man die Leuthe zu 
Nacht vmb ain genanntes Geld 
ausz- und einläszt (Einlasz törle 
genannt), welche kleine Törlein 
an Feiertagen unter der Predigt 
oder so sich sunsten etwas Wi- 
derwertiges und Unglückliches 
zuträgt, nicht aufgemacht wer- 
den, sonsten aber werden sie so- 
wol als die 4 Haupttor mit einer 
starken Quardyverwöhret«. Gass. 
2. Das rote Tor hiesz ehedem 
Hauptstettertor. Gass. 143. 



Red. Art: zum Tor hinausz- 
komen, zu rechter Zeit fertig 
werden. Die Torschreiber in A. 
wurden zur Reichsstadtzeit T o r- 
wart genannt. 

DO RE, Dorothea. Dourathea 
sonst. 

DÖRE, DÖRRE, die, Krank- 
heit der Vögel, die in einer Art 
kleiner mit Eiter aufgelaufener 
Bläterchen am Steisz entstet. 

DORGLEN, von Berauschten, 
krumm, unsicher gen, hin- und 
herwanken, taumeln. Er hat 
schon wieder einen Dorgler 
gemacht, sagt man gewönlich. 
Im Homo Simplex: > Mancher hü- 
tet sich das ganze Jar vor Sund u. 
Laster, sovil er kann, aber zur 
Zeit der Fasnacht dorg-elt er, 
als ein blinder Narr in die Sund 
hinein>. Vgl. Mhd. Wb. III, 149 b. 
(tarc) Frisch H, 377 b. 

TORKEL, die, torcula, Wein- 
presse. >Wein, der do gelesen ist 
von den Weinreben lauter und 
klar auszgetorkelt vnd ge- 
druckt und nicht agrest Wein 
noch Confektwein<. Augsb. Mssb. 
Dises fremde Wort erscheint 
schon im Ahd. b. Graff. Mhd. Wb. 
HI, 52 a. 

TORMENT, ser grösz, furcht- 
bar. >Nach Mitnacht kam ain 
torment Sturmwind an uns«. 
Luc. Rem. 10. 

DORSCHE, eine Kohlart, deren 
Strunk oder Stock zu Lichtstöcken 
dient. >0 heil.Thosso! diebren- 
nende Lieb Gottes in deinem Her- 
zen ! fürwahr, diesen deinen Lie- 



Dosohen — Träger. 



121 



besflammen, welche die Kotz 
uiid Dorschen in deinen Hän- 
den hat angezündet, gehört das 
Lemma des heil. Pauli« u. s. w. 
Erenfest 1699. 

DOSCHEN, swm.: 1) Quaste. 
2) wirtelstandige Dolde. >Eine 
doschete und doschigeEuh« 
was der Oberland. Schwabe g s t o- 
cket, bodenmäszig, auf brei- 
terGrundlage stendheiszt. »Kurze 
Klagbinden als von schlechtem 
Flor oder Zendel zu malen one 
Doschen oder Rosen tragen sol- 
len«. Poliz. 0. 1688. IndenSchu- 
sterbruderschaftsrechnungenkomt 
oft vor: vor die Doschen, vor 
ein Spagen u. s. w. zur Zierde 
der Fane. 

DOSEN (Wurml. dessen) 1) hor- 
chen in der Stille. 2) schlum- 
mern, dosäoret, übelhörig. Vgl. 
Mhd. Wb. I, 386, dose, ich ver- 
halte mich still. Ebenso III, 155. 

TOXENFLACHS komt oft vor 
in Fuggerisch -Mikhaus. Rech- 
nungen, wol zu Docke, Hand- 
voll, Büschel. >GedoxtenFlax<. 
1671. 

TRACHTER. stm., d. Trichter. 

TRAGE, swf., sovil man auf 
einmal tragen kann. Im übrigen 
Schwaben: Traget, Tragete. 
Tragbär Tragbahre. 

TRAGEN, fructum dare, ge- 
braucht V. ainem äckerlin. cgm. 
154 f. 39 a. ein äckerlin, trag es 
oder nit«. f. 39 b. 

TRAGER, der, 1) Helfer, Ver- 
walter, Vorsteher. »0 Herre schick 
den Trager der E über sy<. cgm. 



^f. 22 a. Von Gott heiszt esz: 
>0 Herr unser richter vnd unser 
Eetrager«. cgm.345f.4b. 2)cii- 
rator. Pfleger, Vormünder; esz 
scheint ein Auszdruck abgefallen 
zu sein; das ahd. sorgentragil 
dürfte hiehergezogenwerden: >vnd 
ist der sundersiechen trager«, 
cgm. 154 f, 11 a. Auf erbare Trä- 
ger soll in alter Form geliehen 
werden. Vergleich von 1602. 
Das Memminger Stadtrecht hat 
folgende Erklärung: >ümb Tra- 
ger zu gebeut. Wir habentauch 
gesezt und sigent mit dem ailif- 
ten ze raut worden, dasz jeglich 
burger und burgerin hie ze Mem- 
m i n g e n iren Kinden wol mugent 
Trager geben bi gesundem und 
siechem lib oder an dem Todtbett, 
wa sie wend, die auch hie Burger 
sind, es sigend friund oder ander 
lüt, dasz sye niemandt davon irren 
mag ; wer aber seinen Kinden nit 
Trag er gibt, der von Tod ab- 
gaut, so sol der Rat denselben 
Kinden Trag er geben, die dem 
raut nutz und gut dunkent und 
zu jeglichem Trag er geben, dri 
oder zwen von dem Raut, dasz 
kain Trag er nichzit versetzen, 
verkauffen oder mit der Kind Lieb 
und Gut, der Trager sie sint, 
nichtz tuon u. s. w. Vgl. Mhd. 
Wb. HI, 79. Ich erinnere an das 
ahd. tragon b. Ofrid: sich nä- 
ren; mhd. sich tragen, betra- 
gen, sich nären; wol zu unter- 
scheiden von trägen mit ä: mich 
betraget etwas: mir ist etwas 
langweilig. 



122 



Tragheim — Treiber. 



TRAGHETM, abgegang. Ort b. 
Hader, urkdl. 1296 Tragheim. 
Eine Flurmarkung nördlich von 
Lindach heiszt noch das Trag- 
heimer Feld. 

TRAIDSÄCK (Troidsäck) Sti- 
chelname der Burgauer. 

TRAINEN, blühen; der Train, 
Blüte. Kaufb. Schmid 135. 

TRALLIQUATSCHEN, reden 
wie einem der Schnabel gewach- 
sen ist. (Nicht Augsburgisch.) 

TRÄM in ÜEBERTRÄM, üeber- 
balkenwerk. >Also da man die- 
selben auf die vberträm und 
Balken legen musz<. cgm. 402 f. 
37 a. >St. Ulrichs Grab war 
auch mit Balken und Tr am ver- 
fallen«, f. 43 a. Vgl. Mhd. Wb. 
I; 391 b. »Getrembs« unter dem 
Kornboden. Akt. 1585. 

TRAMPELTIER, Dromedar, 
e. volkstüml. Anlenung an tram- 
peln, schwerfallig {iiXinovg) ein- 
bergen, latschen. Bildlich zu 
einer schwerfälligen Weibsperson 
gesagt, e. Schelte. Schmid 135. 
Im Mhd. Wb. III, 83 stet tram- 
ple, trete stark auf. 

TRAUBE hiesz die beste Gat- 
tung Barchet mit dem Trau- 
benstempel; esz gab rohe 
Trauben neben den feinen. In 
Ulm hiesz die beste Gattung und 
die erste des besten Barchents 
Ochs; die zweite Low; die dritte 
Traube; die vierte Brief. Eben- 
so in Nördlingen und Basel. Vgl. 
Schmid Wb. 413. 

DRECK, assa foetida, in den 
Redensarten: »Du verstehst 



da Dreck, du muetzt aHäf- 
ner wera< scherzende unwillige 
Rede zu einem dummen Menschen, 
der etwas hinterfor anfaszt. >D& 
hägt da Dreck, was gilt der 
Butter < heiszt esz, wenn einem 
etwas hinabföllt, z. B. zerbrech- 
liche Geschirre. >Aber sie — die 
Wasserburg belagernden Ulmer 
— gewunnen ein Dreck«. 
Frank S. 108. >Bald kommscht 
derhea wie d' Sau im Dreck«. 
Seh. 

DRECKELN: 1) im Dreck d. 
h. Kot oder Lem arbeiten: >Und 
dreckla mea im Hafherloim«. 
>An etwas herumdreckala«, 
spilend an etwas arbeiten, one 
Ernst. 2) Schmuzig sein. 

DRECKSCHÜZEN: scherzweise 
Bezeichnung des Volkwizes in 
A. für die ersamen Mitglieder der 
Handbogen- und Armbrustschü- 
zengesellschaft daselbst, weil sie 
auf Scheiben von feuchtem Lem 
schieszen. 

DRECKSCHWALBEN, Maurer. 
Scherzweise. Hennadreck bei 
Vergleichungen : nichts. 

TREFFER in der Judenmez- 
gersprache im Gegensaze zu k a u - 
scher: die Lunge wird geblasen 
und hat sie nur den kleinsten 
Feier, so heiszt sie t reff er. 
> Sollte aber der Oxt reff er wer- 
den, so selten die Juden dem 
Mezger den Schnitt bezalen<. 
Mezger-Akt. 17. Jarh. 

DREHER, ein alter Tanz ; sieh 
Tanz. 
TREIBER: >damit nicht sie auch 



Treibmittel — Tresorier. 



123 



«Is Treiber und Verfechter dis- 
es Streites beschuldiget werden<. 
Dr. Müller. 

TREIBMITTEL. »Wenn die 
Wehen feien oder ausbleiben oder 
langsam und kurz sind, deszwe- 
gen nicht Treibmittel brau- 
<^en, noch die Gebärende über 
Macht oder vor der rechten Zeit 
an- oderübertreiben«. Augsb. 
Hebammen-Ordg. 1750. S. 44. 

DREISZGERLE, das, kleinstes 
Melmasz. Stauden. >Zum 19. in 
einer jeden Mihi soll ein ganzer 
und ein halber Metzen, einVier- 
ling und V* Vierling, auch ein 
Dreyszg erlin, so ganz beschla- 
gen und zu Augsb. gericht ist« 
u. s. w. Sigertsh. Mülord. v. 1598. 

DREISZIGST, der, der Tag 
der dritten Seelmesse, Dise Mes- 
sen wurden bes. in der Augsb. 
Gegend streng eingehalten und 
vor der lezten, dem sog. Dreiszig- 
sten, darf kein Erbe an Empfang- 
name von der Hinterlaszenschaft 
denken. Am Begräbnistage wird 
sogleich die Legmesse — Be- 
gräbnismesse ; sodann die Bseng- 
nusmesse — Einsezungsmesse 
gehaTlen. Den Schlusz bildete in 
früherer Zeit der Dreiszigst 
nach 80 Tagen. So heiszt aber 
Äuch der lezte Tag der Wallfar- 
ten wie z. B. auf dem Kobel. 
Dise Wallfart dauerte volle 
30 Tage, fangt den 15. August an 
und endigt den 13. Sept mit dem 
Dreiszigsten. S. hat f. 380 a. 
>den treuszigost nach seinem 
tode«. Vgl. auchA. v. Buchners 



Werke 4, 216. In Augsb. nicht 
mer gebräuchlich. 

TRENDELN, TRINDELN, in 
der Müle abstoszen. Mhd. Wb. 
■III ,. 86. > Ain Vierling u n g e - 
trindlet Erbis, ungetrind- 
let Gersten«. S.542a. »Am 30. 
October 1683 sind zu mei- 
ner gnedigen Herrschaft Hofhal- 
tung an getründelter Tafel 
Gesund sgersten geliefert wor- 
den«. Mikhaus, Akt. 1683. Die 
Drentler komen in der Bräuer - 

0. oft vor. Schmell. I, 492 S, 
TRENDLEREI, die, b.Gass. 

>Und alsbald nach Abschaffung 
des Grümpelmarkts ward di- 
selbe wöchentliche Trend- 
lere i für das heilige Kreuzertor 
verwisen«. 
DRESCHERIN sieh Mockel. 

DRESKEN (dresga). 1) schwer 
und laut atmen 2) in Folge des- 
sen langsam und schwerfällig gen, 
(Wurml. dreser, dresa) Subst.: 
drensger. 3) sich lange besin- 
nen, mit Verdrusz etwas unter- 
nemen, zögern. 4) vor sich hin- 
brummen. Schweiz, auch weiner- 
lich etwas verlangen, etwas Ver- 
zögertes inständig erbitten. Ich 
erinnere an mhd. drast, ahd. 
dräsod. 1) Hauch, Duft. 2) Niesen, 
draese swv. niese. Mhd. Wb. 

1, 386. Dränsgen. Seh. 

DRES, das, Bodensaz von der 
auszgesottenen Butter. Pfaffen- 
hausen. 



TRESORIER, 
L. Rem. S. 6. 



Schazmeister. 



124 



Dreszel — Drischüfel. 



DKESZEL, tornator. cgm. 685. 
f. 180. 

DRfiZEN, jemand gierig ma- 
chen; zornig machen. Buben- 
trezerle, Haarlocke im Gesicht. 

TRIBENLEHNER. > Wenn man 
an St. Georgen Tag die Lämmer 
zusammenbringt, soll sie der Tri - 
benlehner hüten, damit sie der 
Bischof, wenn er käme, haben 
könnte <. Herbergers Schwab- 
münchen. S. 21. 

TRIEBTRÜNKE: > dessentwegen 
sollen die Hebammen die krei- 
stende — die Wehen nicht wei- 
ter verarbeiten lassen, noch we- 
niger zum Arbeiten antreiben, 
noch auch Triebtrünke einge- 
ben<. Hebamm.O. 49. 

TRIEBLEN, ein Kinderspil. Der 
junge Schwarz kniet mit dem 
rechten Fusz auf der Erde in dem 

emstlichsten Bestreben ein 
Stücklein Holz mit dem Stock in 
die Luft zu prellen. Triblen, 
frequent. v. treiben; engl, drive; 
niedersächs. driwen; bei trib- 
len stet egg eti. Schwarz 104. 

TRIBULIEREN, quälen. >Wie 
verhengest du, dasz die auszer- 
weltest aller Welt, ein spigel der 
clarheit so getribuliertwird«. 
cgm. 448 f. 103 b. 

TRIEGEL, das, Trog, Sautrog. 

TRIELEN, wie Kinder eszen, 
das Eszen vertragen, in Gesicht, 
Kleider »Und hinkt do it da 
ganza Tä, wie d' Kandel Roz 
und Trieler rä<. Seh. 35. 

TRIMEL, Balken (Trümel), ahd. 



dremil GrafF V, 531. Mhd. Wb. 
I, 391 b. »Mit einem Trimel 
zu tod schlagen«. S. 2) »Die Eü- 
nigin ist in disem Trimel(yer- 
wirrung) in ein Winkel geflohen«. 
S. 381 b. 

TRINKIG, adj. >Er sol auh 
niht lihen üf cheinblutik gewant 
noh üf chain nazzez gewant oder 
anderiu phant: esz sinhflte od^ 
swaz esz ist, ane daz trinkig gut 
ist«. Augsb. Stdtr. f. 42 a. Sp 1. 

TRIPPEL, gelbe Erde; trip- 
peln polieren, messingne Schlö- 
szer glänzend machen. 

TRISCHACKEN, e, Art Kar- 
tenspil. >Oder aber, mein An- 
derea, haben sie villeieht tri- 
schackt, welches ordinari ein 
rauhes und teures Spil ist. Ja, 
sagt er, sie haben trischakt, 
rauch und teuer gespilt«. Homo 
Simplex. 

TRISCHEL, wie hochd. >neue 
T.< Invent. Hart. Schmell. I. 416. 
Eine beheimsche Drischel mit 
eisenen Zinken (auf der Wagen- 
burg) cgm. 356. Feuerbuch. 

DRISCHLAG oder Drisch- 
lack, tölpischer, eckiger, grober 
Mensch. 

DRISCHÜFEL , TürschweDe. 
Schmell. I, 416. >Stet er näh im 
in daz bistal oder in die tur, oder 
in daz drischüfel oder in daz 
vbertur«. Augsb. Stdt.R. f. 47 a 
Sp. 1. »Und die Wasser und die 
Dr i seh übel des Erdrings« cgm. 
300 f. 117 b. »Lauftet aber er hin 
in vber daz drischüfel mit ge- 
waefenter haut«, a. a. 0. ahd. 



Troaschen — • Trunkenpölz 



125 



driscüfili,driscüfli. GraffV, 
266. Mhd. Wb. I, 396. Die 
Schineller'sche Glossensammlung 
hat driisouflem, driiscufli, 
limen. Driscupil limes, trü- 
schnbl, limen, driscuvili, 
driscufel, drisgufli u. s. w. 

TROASCHEN. >Oder man gab 
im in der obgeschribnen prent- 
ten kugeln ains oder ain halbs 
(Arznei), das da genennet wirt 
Troaschen in Rosensirop zer- 
triben«, cgm. 601 f. 109 b. 
Schmid 137. 

TROPFEN, swm.: ein groszer 
Brillant, gefasste Perle. 

TRODLEN, swv., ungleich, grob 
spinnen. 

TROG, >zum leeren Trog- 
wirtshaus«, alte Schenke. 
Bronn.O. 1754. S. 32. Trog- 

s c h e e r e , Backtrogscharrer. 
Stauden. 

TROLLET wie SOLLET, ein 
Ding wie der andere: ganz gleich. 
Stauden. 

TROSSEL. 1) »Wie Achüles 
das gesehen, dasz die Barbarier 
hinzwischen kamen, ist er inen 
entgegen gangen und des feindts 
Trossel vor dem Schilt ent- 
blÖ8zt<. Troj.Krg.36a. 2) Träo- 
stel mit unorg. t, allgem. Stand. 
8) Schmuzigie Weibsperson (a.a.O.). 
4) unheilbare Pferdekrankheit, 
dreifache Gelbsucht, a. a. 0. 

TROSTKNECHT hieszen im 
Augsb. Bläterhause im 30järigen 
Kriege >die in Abwesen der 
Geistlichen den Sterbenden zue- 
sprechen und alle Tage sowol 



Morgens als Abends in allen Stu- 
ben das Gebet fleiszig verrichten 
müssen«. Laz.O. 1632. Nachdem 
Westphäl. Friden waren 2 Trost- 
knechte im Amte, >doch sollen 
in Sterbensläuffen mehr ange- 
nommen werden« Ber. v. 1649. 

TROTTELN, in A. l)unsichem 
Ganges einhertraben. 2) über- 
haupt gen. >I trottle numma 
'nausz voar Tür«. Seh. 

TROTTLEN, Fransen, Quasten. 

TRÜBELN in »Krigstrou- 
beln«. Hof- und Kirchenkalen- 
der 1751. AUgem. 

DRUCKEN, >eindrucken«, 
in den Calendem oft. >Aries ist 
ain intrukhendes zaichen, wann 
er intrukhet«. Astron. f- 14 b. 

DRUCKSEN, hinken an der 
Zunge wie lurken. 

TRUILE, treulich; gelts Gott 
truilel echt Burgauisch. >Hau 
truili schoa am earschte gnuac, 
sagt Adam. Seh. 

TRÜMPFEN: >a. 1547 muest 
ich in die lat. Schnell trum- 
pfen: ich tets gern oder nit«. 
Schwarz 101. 

TRUMPSEL, stm.: Taumel, 
>Dusel«;Ztwort. trumpsein, in 
halb berauschtem, sinnverwirrten 
Zustande herumgen. >Er macht 
lauter Kreuzsprüng (d. besoff. Spi- 
1er) bis er endlich als ein blinder 
Narr an eine Wand hinan t r u m b - 
seit und den Kopf verstoszt«. 
Homo S. 

TRUNKENPÖLZ, stm. , Trun- 
kenbold. >Und damit die 
Trunkenpölz, so täglich in 



''-fr 



126 



Trappel — Dult. 



den Wirtshäusern ligen, das 
gelt ynnütz verschwenden soll 
kain Wirt gestatten« u. s. w. 
Der Stat Augsb. Beruf 1541 bl. 3 b. 

TßUPPEL? >Aber sprach der 
Richter: das sind truppel mer<. 
cgm. 402 f. 77 b. 

TRÜZENHEIT cgm. 82 f 23 a. 

DRUTSCHEL und DRUTSCHE- 
LE, gutmüt. Spottname für dick- 
beleibte Weibspersonen. 

DUCKS, DÜCKES, was Verder- 
ben, Untergang bringt. >Auff 
V Antonii Aeliani Grabstein wird 
ein. Kirchen gedacht ; da man aber 
nicht wissen kann, was disselbe 
für eine gewesen, dann der Name 
sampt irem Geschmuck und Herr- 
lichkeit durch widerwärtige Zei- 
ten und Zustände in Duckes 
gangen«. Werlich 33. Grimm 
Wb. n, 1496. 

DÜELE, swf., ein starker Ein- 
druck eines Schlags auf hölzerne 
Geräte oder metallne Gefösze, 
Vertiefung. >M a 1 und D u e 1 e n< 
Erenfest 1699. 

TÜLLE. 1) Wand oder Zaun 
von Brettern, sieh oben Dille 
Schmell. I, 442. >Mit ainem 
Tüll und guten Graben wurde 
Augsb. umgeben«. Küechlin, Her- 
komm. 1373. 2 b. >Zaun im Thier- 
garten: Dill<.Mickh. Akt. 1610. 
»Welcher nur fiirbasz nachtes über 
die Mur oder 'Getülle yn oder 
vszklymet«. Memminger Rechtsb. 
»Welcher Nachtz vber der stat- 
mur ald vber getüll vsz 
oder je klimmet«, a. a.O. >Mit 
Tüllen und Mauern« die abge- 



broch. Stadtmauer ausbesz. Vrtrg. 
V. 1456. Vgl. Mhd. Wb' 1, 321 a. 
St. u. swf. III, 127 b. SchmeU. 
Glossen: dilo pluteus, tabula pa- 
rietis. Dil planca ima,pars na- 
vis, dillum aream, gidillota 
instraverat pontes (XU saec.) 
dhridilli, tristega trisoame- 
rata. 2) »Der alt Hofdill«, Ab- 
zugskanaL Reinhardshauser Pfarr- 
urbar. Zu Deil. 

TÜLLE. 1) die Pflanze, Tille, 
Dille, ein Teil der Familie 
der Umbelliferen, Juss. ; darunter 
die Gruppe der Angeliceen. Koch. 
>Wa8ser darin Tillensaumen«, 
101a. Tillenöll04a.ahd.tilli, 
tiUa. Mhd. Wb. III, 37 b, 2) Di e 
Dill, Rosdutte »des ist ascheas 
Dill«. Stauden. 

TÜLMEZ, interpretator. >ünd 
er liesz mir sagen, durch mein 
T u 1 m e z < . Ilsungs Reise b. Paul 
V. Stetten, Erl. 49. 

DULT, bisher blosz in baye- 
rischen Codd. und in d. Sprache 
des bayerisch. Volkes heimisch, 
finde ich im alam. sohwäb. cgm. 
168 oft; ich gebe hier c. V* ^^^ 
Belegstellen des cod. >Phylippi ei 
Jaoobi tult, des heiligen orü* 
zes tult, unsers herren cronen 
tult, cgm. f. 2 a. f. 5 a. 6 a: St. 
Thomas tult, nach St. Thomas 
tult, Stefans tult, St. Jo- 
hannes tult 8 a, St. Fabiani u. 
Sebastiani tult. 10 b. 11 b. St. 
Fab. et Seb. tult began, St. 
St. Ignatien tult, 24b. ;anvnser 
frawen tult, 25 a, an St. Bla- 
sien tult, 25 b; in der hL tult 



•/' 






Dumpelfasz — Dupf. 



127 



Yedaste et Amad., 25 a; an St. 
Scholast. tu lt. St. Petri tult 
25b. St. Ambrosien tult, 26b; 
an des heiligen crüczes tult; an 
St. Dominicus tult 28a. Ander 
siben bruder tult, 30 b., an St. 
Marthae, an St. Ypoliti tult32 a, 
an aller heiligen tult u. s.w. von 
vnser fro wen tult ze mitten og- 
sten 70 a; an der hl. quatuorco- 
ronator tult, 76 b.; an ains ald 
me zwelfpoten tult, 37a. > Wurden 
alle Häuser (von den Schweden) 
ausgeraubt und ist mit den ge- 
raubten Gütern hernach etliche 
Tag zu Augsburg stattliche 
Dult oder Markt gehalten wor- 
den«. Denkw. S. 34. üeberDult, 
got. dulths, ahd. tuldFest, vgl. 
Hpt.Zt8chrft V,224ff. Mhd. Wb. 
I, 403 a. Schmellers Glossen : an 
dera hera dultaga, duldhi- 
dago (festus), tuld(solemnitas), 
tuldi (festus, natalitia), — tul- 
din (exequiis) u. s. w. 

DUMPELFASZ, zu Grimm II, 
1522. >In einem Dumpelfasz, 
darinnen man Butter pfleget ausz- 
zurürent. Gass. 

DÜMPELZAUN? Fugg. Invent. 

DUMPER, zwischen Tag und 
Dunkel. >Wenn8 dumper ist«, 
in Rottenburg: zwischen den 
Liechtern. AUgem. 

TÜMPFEL, gurges; Gumper 
sonst, ahd. tumpfilo. »Diesel- 
ben man fürten sy dann so lang 
um, bis sye kamen in die tew- 
fen tümpfel des Wassers, da- 
rin teten sy die man ertrenken«. 
cgm. 581 f. 129 b. 



TÜNCH; in e. ürkde. vom 11. 
Sept. 1448 verordnet der fromme 
Stifter, >da8 man die Capellenzu 
St. Bartolome, zu St. Ulrichskir- 
chen nach dem besten Tünichen 
und in nassen Tu nni ch wol ma- 
len laszen solle«. Herberger, Ja- 
cobspfründe. 

DÜNGERST, dennoch, gleich- 
wol, doch, e i n e w e g (o nnaweag). 

TUNKE, stf., die unterirdi- 
sche Weberspelunke, Werkstätte, 
textrinavel textrinum bei SchmelL 
I, 385. Mhd. Wb. HI, 130. Wa- 
ckernagel in Hpts. Zeitschr. VII, 
128. Weberstunken, Gass. 
>Durch Jacobervorstadt die Häu- 
ser Weberstunken wurden 
überschwemmt«. > Wegen der 
Weberdunkfenster: so in de- 
ren respective Keller und Werk- 
stätte gen, hat es, weilen darin- 
nen mer Liecht als in andern 
Kellern erforderlich ist, bei dern^ 
alten Herkommen sein ferneres 
Verbleiben. — Esz sollen aber 
die Weber schuldig sein, über je- 
des dergleichen Dunkfenster 
eine Falle oder Blickel zu ma- 
chen«. Bauordnung 1740. >Die 
Dunkfenster zuhalten«; >ein- 
mauern« u s. w. a.a.O. Tunk, 
Dunk, die, Brühe. Im tyroleri- 
schen Zillertal (von Moll) ist 
Dunk der zarte schmackhafte 
Schaum, der im R€rkübel nach 
einigem Umrüren der Sahne ent- 
stet, ein groszer Leckerbiszen wol 
zu dünken, eindunken stend. 

DUPF, ein Punkt; davon Z wi- 
ckeltüpfle n, Spizen z. Stricken 






128 



*Durchel — Turm 



für Strümpfe punktieren. >Was 
tut Jacob? Er schneidet Ruthen 
oder Stecken ab, macht sie ge- 
sprengt oder gescheekig mit 
schwarz und weiszen Dupfen; 
legt sojche in den Canal oder 
Wassertrog, worausz die alte 
Schaf musten trinken. Wann sich 
dann alsb die tragende Schaf in 
disen dupfeten Ruthen in dem 
Trinken ersehen, haben sie lau- 
ter gesprengte und scheckige 
Lämmer auf die Welt gebracht«. 
Homo Simplex. Red A. >üfs 
Düpfle und ufs Hairle waur«. 
Seh. 

DURCHEL, adj.: blöde, durch- 
löchert , ahd. durrihhil, durahhil, 
durhil. »Aber die 'Ketten mach- 
ten ihn so dürchel, dasz man 
im an maniger stat sein plosz 
pain sach<. cgm.402f. 132 a. 

DURCH- und FARWEG. Akt. 
16. Jarh. Durchläsze durch 
Wuren. Vrgl. 1301 wegen der Flö- 
szerei. >Der Pfarrer zu Stocke 
solle an 8. Mülin e. Wur und e. 
Durchlasz ewiglich bauen und 
machen« u. s. w. 

DURCHSCHLAGEN, durch ein 
Sieb reiben, drücken v, gekoch- 
ten Erbsen. In der Pfründner- 
Ordg. V. 1543 : »Am Samstag gen 
Morgen ein Erbissuppen, die Er- 
bis seien durchgeschlagen 
oder ganze. 

TÜRKENANLAGE heiszt in 
einem Vergl. v. 1 578 die R e i c h s - 
türkens teuer. Rotes Türkisch 
<Jam. Wb. Akt. Türkische 
Teppich. Függ. Inventar. ^ 



DÜRLIZEN, Corneliuskirschen. 
TÜRM, augsb. Düren, Dura, 
der. Die Türme waren: 1) der 
Hauptturm, 2) der kleine 
Turm, 3) der Spitalturm oder 
Kastenturm. Disz sind die 
Haupttürme gewesen, der obere 
und untere, Jacober Brunnen- 
turm sind Nebentürme der fe- 
sten Stadt. In der Feuer Ordg. 
V. 1731 werden folgende Türme 
genannt, von denen ausz die 
Türmer die Notzeichen geben 
musten: der Perlachturm, 
der Heilig-Kreuzturm, Un- 
ser Frauenturmundder Paar- 
füszerturm. S. 28. Esz gab 
auch ein Turmgässchen. Der 
Turm-Michele spilte eine 
Hauptrolle. Im Augsb. Jar ein- 
mal heiszt esz: 
Gewisz musz man an den Per- 

lach gen 
Den Turm-Michelidazusehen, 
Auch zeigt sich jezt nebstanderer 

Burst, 
Gemeintlich Waldmann's Hans 

Wurst. 
Den 29. September am Michaelitag 
Morgens von 6 Ur bis Abends 
6 Ur trat das Bild des Erzen- 
gels Michael ausz einer Of&iung 
des Perlachturmes hervor; stach 
nach der Stundenschläge Zal den 
Drachen durch. Alles Volk stet 
da am Eisenberg. Von 1806— 21 
aufgehoben, nach 1821 wieder 
bräuchig. P. v. Stetten in sei- 
nen Erläuterungen S.97 sagt: 
Um Volk herbeizulocken, hat 
man an Michaeli Eirchweih die 



Durnen — Tutte Datiß. 



12» 



sinnreiche Maschine des Turm- 
michel erdacht und ihn seine 
Exercitien machen laszen, das in 
den alten Zeiten grosze Bewun- 
derung erregt haben mag, heut 
zu Tag aber den Kindern ge- 
föllt. Yilleicht ist er sonst auf 
dem alten Kathause gestanden, 
ehe das ürwerk auf den Perlach 
gesezt ward. Seine Geschichte 
ist nochnicht genug untersucht,ich 
will auch nicht der erste sein, der 
sich daran wagt<. A. 1526 soll 
der Perlachturm auf die Hälfte 
abgebrochen und höher gebaut 
worden sein. Am Michaelis- 
tage, so heiszt esz in der Mo- 
nografie, bei Rösle gedruckt, 8 S., 
sei statt des alten Gözen St. Mi- 
chaelisbild angebracht worden, 
a.'l616 auf Magistratsbefehl von 
Christof Murmann verfertigt. Der 
geschickte Urmacher Hans Schlym 
wüste das Bild mit seinem Ur- 
werke zu verbinden. Ich erinnere 
an eine Volkssitte in Brüssel, bei 
der eine Bubenfigur auf hohem 
Brunnen zu einer gewiszen Stunde 
piszt; wozu alles Volk zusamen- 
läuft. Duramull, scheue, wenig 
umgängl. Weibsperson. »Die Turn 
mitTurn Vätern versen<. Akt. 
17. Jarhd. 

DURNEN, donnern. 

DURST, >dasz sye wolten zu 
Durst ersterben<. S. 250 a. 

DÜS, eingezogen, stille, obpf. 
dusig, sonst dausig. 

DUSÄCK, m. u. f. slav. Tusak, 
ein breites säbelartig geki*ümtes 
Schwert, dessen sich emals die 



Klopffediter bedienten. Grimm, 
Wb. II, 1189. >Ain schwan te- 
xisch Haet mit Födem;ain te- 
xischen schwarzwullin Mant4 
— ain behaimischen Dateggen 
an der Seiten c Schwan 127. 
Beim Weberjubiläum 1760 lOg 
man am Tänzelmontag aan: 
> voran gehen die 2 Knappen- 
knechte in einem rot and gelben 
Kleid, Schuh mit einem rot and 
gelben Absaz, mit einer derglei- 
chen z weif erb igen Das seken, 
und machen Bahn<. Umzug 8. 
35. »Wurde mit allen Fecht- 
gewehren, Schwertern, Rappieren, 
Dolchen. Helleparten, Stangen o. 
Duszhäcken gefochten< . Heim- 
fürung S. 35. >Ain gemeine Prob 
des Fechtens zum wenigsten in 
drei wöhren: nämlich imSchwert, 
Dussegkhen vnd Stenglin ge- 
tan <. Von den Meistern des 
Schwerts und Freifechter 16. Jarh. 

DUSCHEN, heimlich löschen. 

DUSEL, swf. Orfeige; abdn- 
seln, Vrb. >Sie kamen endlich 
doch soweit, dasz sie einander 
brav mit trucknen Fäusten »b- 
tuselten<. Homo Simpl. 

DUSEM, still. »Ischt alles 
ganz d u s e m und zitterig g^ea < . 
Seh. Zu düs. 

DUSTER, finster. 

DUTTENKNÖPF (landschaft- 
lich J, die Knopfreihe an Lende;i- 
westen. 

TUTTE, DUTTE, swf. 1) mam- 
ma, Brustwarze. > Welcher Magd 
I Anna Mpllin beiden Mammen oder 
9 



128 



"Durchel — Turm 



für Strümpfe puiiktieren. >Waa 
tut Jacob? Er schneidet Ruthen 
oder Stecken ab, macfit sie ge- 
. sprengt oder gescheekig mit 
schwarz und weiszen Dupfen; 
legt solche in den Canal oder 
Wassertrog, worausz die alte 
Schaf musten trinken. Wann sich 
dann also die tragende Schaf in 
disen dupfeten Ruthen in dem 
Trinken ersehen, haben sie lau- 
ter gesprengte und scheckige 
Lämmer auf die Welt gebracht«. 
Homo Simplex. Red A. >üf s 
Düpfle und ufs Hairle waur<. 
Seh. 

DÜRCHEL, adj.: blöde, durch- 
löchert , ahd. durrihhil, durahhil, 
durhil. »Aber die 'Ketten mach- 
ten ihn so dürchel, dasz man 
im an maniger stat sein plosz 
pain sach<. cgm.402f. 132 a. 

DURCH- und FARWEG. Akt. 
16. Jarh. Durchläsze durch 
Wuren. Vrgl. 1301 wegen der Flö- 
szerei. >Der Pfarrer zu Stocke 
solle an b. Mülin e. Wur und e. 
Durchlasz ewiglich bauen und 
machen« u. s. w. 

DURCHSCHLAGEN, durch ein 
Sieb reiben, drücken v, gekoch- 
ten Erbsen. In der Pfründner- 
Ordg. V. 1543 : »Am Samstag gen 
Morgen ein Erbissuppen, die Er- 
bis seien durchgeschlagen 
oder ganz<. 

TÜRKENANLAGE heiszt in 
einem Vergl. v. 1578 die R ei ch s - 
türkens teuer. Rotes Türkisch 
^am. Wb. Akt. Türkische 
Teppich. Fugg. Liventar. . 



DÜRLIZEN, Corneliuskirschen. 
TURM,augsb. Düren, Dura, 
der. Die Türme waren: 1) der 
Hauptturm, 2) der kleine 
Turm, 3) der Spitalturm oder 
Kastenturm. Disz sind die 
Haupttürme gewesen, der obere 
und untere. Jacober Brunnen- 
turm sind Nebentürme der fe- 
sten Stadt. In der Feuer Ordg. 
V. 1731 werden folgende Türme 
genannt, von denen ausz die 
Türmer die Notzeichen geben 
musten: der Perlachturm, 
der Heilig-Kreuzturm, Un- 
ser Frauen turm und der Paar- 
füszerturm. S- 28. Esz gab 
auch ein Turmgässchen. Der 
Turm-Michel e spilte eine 
Hauptrolle. Im Augsb. Jarein- 
mal heiszt esz: 
Gewisz musz man an den Per- 

lach gen 
Den Turm-Michelidazusehen, 
Auch zeigt sichjeztnebstaüderer 

Burst, 
Gemeintlich Waldmann's Hans 

Wurst. 
Den 29. September am Michaelitag 
Morgens von 6 Ur bis Abends 
6 Ur trat das Bild des Erzen- 
gels Michael ausz einer Öffnung 
des Perlachturmes hervor; stach 
nach der Stundenschläge Zal den 
Drachen durch. Alles Volk stet 
da am Eisenberg. Von 1806— 21 
aufgehoben, nach 1821 wieder 
bräuchig. P. v. Stetten in sei- 
nen Erläuterungen S.97 sagt: 
Um Volk herbeizulocken, hat 
man an Michaeli Kirchweih die 



Durnen — Tutte Dattß. 



129 



sinnreiche Maschine des Turm- 
michel erdacht und ihn seine 
Exercitien machen laszen, das in 
den alten Zeiten grosze Bewun- 
derung erregt haben mag, heut 
zu Tag aber den Kindern ge- 
fallt. Yilleicht ist er sonst auf 
dem alten Kathause gestanden, 
ehe das ürwerk auf den Perlach 
gesezt ward. Seine Geschichte 
ist nochnicht genug untersucht,ich 
will auch nicht der erste sein, der 
sich daran wagt<. A. 1526 soll 
der Perlachturm auf die Hälfte 
abgebrochen und höher gebaut 
worden sein. Am Michaelis- 
tage, so heiszt esz in der Mo- 
nografie, bei Rösle gedruckt, 8 S., 
sei statt des alten Gözen St. Mi- 
chaelisbild angebracht worden, 
a.'l616 auf Magistratsbefehl von 
Christof Murmann verfertigt. Der 
geschickte Urmacher Hans Schlym 
wüste das Bild mit seinem Ur- 
werke zu verbinden. Ich erinnere 
an eine Yolkssitte in Brüssel, bei 
der eine Bubenfigur auf hohem 
Brunnen zu einer gewiszen Stunde 
piszt; wozu alles Volk zusamen- 
läuft. Duramull, scheue, wenig 
umgängl. Weibsperson. »Die Turn 
mit Turn Vätern versen«. Akt, 
17. Jarhd. 

DURNEN, donnern. 

DURST, >dasz sye wolten zu 
Durst ersterben<. S. 250 a. 

DUS, eingezogen, stille, obpf. 
dusig, sonst dausig. 

DUSÄCK, m. u. f. slav. Tusak, 
ein breites säbelartig gekrümtes 
Schwert, dessen sich emals die 



Klopffechter bedienten. Grimm, 
Wb. U, 1189. >Ain schwarz se« 
xisch Huet mit Födern;ain se- 
xischen schwarz wuUin MantqH 
— ain behaimischen Duseggen 
an der Seltene. Schwarz 127. 
Beim Weberjubiläum 1760 zog 
man am Tänzelmontag ausz: 
> voran gehen die 2 Knappen- 
knechte in einem rot und gelben 
Kleid, Schuh mit einem rot und 
gelben Absaz, mit einer derglei« 
chenzweiferbigeuDusseken, 
und machen Bahn<. Umzug 8. 
35. »Wurde mit allen Fecht- 
gewehren, Schwertern, Rappieren, 
Dolchen, Helleparten, Stangen u. 
Duszhäcken gefochten« . Heim- 
fürung S. 35. >Ain gemeine Prob 
des Fechtens zum wenigsten in 
drei wöhren: nämlich imSchwert, 
Dussegkhen vnd Stenglin ge- 
tan <. Von den Meistern des 
Schwerts und Freifechter 16. Jarh. 

DUSCHEN, heimlich löschen. 

DUSEL, swf. Orfeige; ab du- 
seln, Vrb. >Sie kamen endlich 
doch soweit, dasz sie einander 
brav mit trucknen Fäusten ab-« 
tnselten<. Homo Simpl. 

DUSEM, still. »Ischt alles 
ganz dusem und zitterig g^ea<. 
Seh. Zu düs. 

DUSTER, finster. 

DUTTENKNÖPF (landschaft- 
lich J, die Knopfreihe an Lende^- 
westen. 

TUTTE, DUTTE, swf. 1) mam- 
ma, Brustwarze. > Welcher Magd 
Anna MplUn beiden Mammen oder 
9 



130 



Tuttier — E. 



Tütten on einig Aufhören in 
solche grösze erwachsen <. Gass. 
II, 104. 2) Euter am Vieh. 3) 
Sauglämmlein d. h. ein glä- 
sernes cylinderförmiges oben mit 
silb. oder zinnernen Horchen ver- 
sehenes Trinkgefäsz für Kinder. 
>ünd man sie her dann nemen 
wil, so geh man in aus ainem 
tütlin oder krieglin ze trin- 
ken ain Gaiszmilch«. cgm. 601 
f. 102 b. Dazu gehört auch 
Tnzel, Tuzel, sonst Schnuller. 
Vgl. Mhd. Wb. III, 154. 

TÜTTLER in Zututtler und 
-erin, erscheint in dem halb 



bayer. halb schwab. cgm. 102 öf- 
ter=Schmeichler, -erin. >Abepdie 
zuredend tugend, die da ist Bi- 
wandlung des Lebens ; die da nicht 
ist eine zututtlerin noch ain 
vmblaufferin<. vgl. f. 23 b. a. 
»Wan die in Wirdigkeit gesezt 
sind, die habend vil zututtler. 
f. 51 a Aber sollichs sind zn- 
tuttler und nicht besorgend.« 
f. 71 a. >ünd als Aristoteles spricht, 
daz sie gebund bussen ynd zn- 
tuttlern. 201 f. 45 a. cgm. 650 
f, 17 b:adulator,Smaicher, Zu- 
blaser; adulatio Smaichnng, 
Zututlung. 



E 



1) E, der Umlaut des kur- 
zen a, wird fast allgemein schwä- 
bisch als reines e, wie franz. e, 
gesprochen :B er e, Bett, Wette, 
Schrecken, £sch, Beck; in 
den adjectivischen Steigerungen 
41ter, kelter u. s. w., in 
den nhd. ö geschribenen schwe- 
ren, ergezen u. s.w. Wird das 
a in Subst. wie Bläd, Saz, Eaz 
u. s. w. besonders gedent, so er- 
scheint natürlich auch das e, sein 
Umlaut, gedent. So spricht die 
Augsb. Landschaft nicht Bled- 
der, wie esz allgem. schwäbisch, 
sondern Bieder u. s. w. Die 
Yolktüml. Schriftwerke vom 14. 
Jarh. ab schreiben disz reine e, 
zum Unterschide von dem gebro- 



chenen, mit ö : cgm. 402 hat gr öb- 
nisz f. 30 b. tund so ir böst 
mugt. a. a. 0. höben f. 46 b. 
Zu den grobem f. 55 b. ge- 
störkt f. 87 b. verdorben f. 
9 b. verdörbt f. 13 a. docken 
f. 14 a. cgm. 436 hat imer er- 
wöllen. Gewöret. Augsb.Po- 
liz. Abschröcken, Markt O. 
1735.cgm.567: pflöstretf. 211 b. 
reichsstöt a.a.O. gerödret f. 
212a. Schlögelkrieg a. a. O. 
Mazzenföls a. a. 0. Mözger- 
knecht a. a. 0. cgm. 450: be- 
döck mich f. 96 a. gemostet 
f. 68 a. Gesöllschaft f. 11 a. 
Sonst in Akten: Göst, löszif^, 
Eindbött, Nögel, geschö- 
digt u. 8. w. Mindelh. Ref. Ueber 



E. 



131 



dise Schreibweise im Neuhochd. 
vrgl. Schleicher, Sprache S. 179. 
Das Augsb. Stadtrecht gibt den 
Umlaut regelmäszig mit e, sel- 
tener mit ae, d. h. ä. Esz gibt 
aber imerhin Fälle, die zu den 
ünregelmäszigkeiten der Schwab. 
Sprache gehören, wo umgelautet- 
es e wie ä gesprochen wird. Lau- 
chert hat in s. Rotweiler Mund- 
art schon darauf hingewisen S. 5. 
Ich füre an: Halm zu Halm; 
Bälg zu Balg; Bach zu Bach; 
esz wird wol der fränkischen 
Grenze zu mer der Fall sein, denn 
im mittlem Schwaben. InGrosz- 
aitingen auf der sog. Strasze, am 
Fusze der Stauden, ist esz, wie in 
der ganzen Nachbarschaft, Kegel: 
»sprich alle Umlaute von a wie ä 
und alle Brechungen von i wie 
e: äsel, alle (Elle) u. s. w.< Ist 
die Nähe der Lechgränze Ursache? 
Die Stauden haben dise Eigen- 
tümlichkeit nicht. 2) E Bre- 
chung von I. Jac. Grimm sagt 
Gramm. P S. 228 ff.: Nicht nur 
die schwäbische und öst- 
reichische Volkssprache, 
sondern auch diewestphäli- 
sche pflegt den Urlaut des 
kurzen i häufig in 2 Vocale 
zu spalten<. Der alten Bre- 
chung ai entspricht a) landschf. 
augsb. und gemeinschwäbisch ea: 
Meal, Stean, Earde, Heard 
(Herde), Schmear, Bearg, 
Neabel, Gearsta, Weasa, 
Pfleager, Fleack, Fürf- 
leack, Kneaht, Gschear, 
G'schearei (Schur), Weaber, 



Reaga, Schmeaz, Fearsch'm 
(Ferse),Feagsand, Beatelhan- 
nis (Bettel), Leaderöpfel, 
Pfeascha, Pfersee 0. N. bei 
Augsb. Gsteaft (Stift), Feal 
(wunde Stelle am Fusze), Ea- 
gat, Eeasper (Kirsche), Ea- 
gama, Heaz, Steag; ferner 
gleart, geal, grea und gre- 
acht, neabli, vergeaszlich, 
feardig u. s. w. Zeitwörter: 
seacha (sehen), greachta, rea- 
gala, neabla , beatla, ver- 
geasza; eata (jäten), measza 
(messen), überhaupt alle von den 
oben aufgezälten Subst. abgeleit. 
Yerba. Endlich: derneaba (dar* 
neben), deam, dear, rean^, 
de an 9 (herrüben und drübenjf^^ 
nean9, nedmad, hednd und 
de9n9 u. s. w. Die Zal der ea 
des alten Bistumsgebietes v. Augs- 
burg verhält sich zu derdeswir- 
temb. Gebietes wie 3 : 5. Lez- 
teres sezt vile ä, e statt des rich- 
tigeren ea. Ist die Scheidung 
des Umlautes und der Brechung 
in der sog. höfischen Sprache all- 
mählich trüber geworden und in 
der nachhöfischen Zeit vollends 
ganz in ein wildes Chaos gera- 
ten, so hat die Mundart daran 
keinen Teil; sie scheidet noch 
ganz wie die sog. althochdeutsche 
Sprache scheidet. Darum dürfen 
wir ea als uralt annemen und die 
Schreibung mererer Denkmäler 
des lÖ.Jarhd. ganz grammatisch 
sicher als Zeugnis for die Echt- 
heit der Mundart anfüren. Der 
cgm. 637 hat weaga f. 17 b. 
9* 



132 



£. 



3mal, wealt, schweart, wea- 
nig f.21. wearfenf.22a, gea- 
ber; kum geaber der gäbe f, 
23 b. u. s. w. Damit stimmen die 
alamann. Schreibweisen geand, 
geaba, bargealt, weader, 
freavijkneacht, weagu. s.w. 
ürkd 1497. Somit gewinnen wir 
auch Aufschlusz über das alam. 
Schweiz, a für gebrochenes i. Der 
Schweizer spricht ebenso ea wie 
der Schwabe, nur eilt er zu rasch 
dem 2. Vocale zu, dasz dem Frem- 
den die 2 Laute wie einer ausz- 
gesprochen erscheinen: har, h ar- 
bringen, ha rüber. Felix Faber 
in s. Pilgerbüchl. und eine Zal 
von andern mir bekanten Schrift- 
werken sezen a. Wie bei dem 
Umlaute erscheint auch bei dem 
gebrochenen i bisweilen ä für ea, 
jedoch musz man hier wieder 
die gröszere Zal von Fällen in 
das obere Neckar- und Donauge- 
biet verweisen. Ich füre wenige 
an: Näst,Mäs8er, bäta(beten), 
Fläz, Bläch u. s. w. In den 
Stauden ist ea üblich, aber auf 
einmal spricht eine Ortschaft wie- 
der ä, so Burgwaiden, das frei- 
lich ein ganz anderes Volk als 
das der Stauden zu sein scheint. 
In Münster hört man auch wie- 
der ä für ea. b) Ferner entspricht 
dem gebrochenen i, und das ist 
so eigentlich und echt Reichsstadt 
Augsburgisch, reines, helles e, als 
ob esz umgelautetes a wäre. Bei- 
■pile: Leber, Besä, Schefa, 
M61, Zederlesupp, (Trapf- 
pappe), gel, gesza, Kr^za 



Nest, Bretle, F^sa a. s. w. 
Sieh die oben 2, a angeforten 
Wörter, die alle so gesprochen 
werden. Die Spracheigenheit 
kan ich für die Straszenort- 
Schäften ausz eigener Erfarong, 
für andere kleinere od^ gröszere 
Striche ausz zuverläszigen Mit- 
teilungen hier geben. Diser 
Sprachunterschied ist selbst den 
Bewonern der Stauden aufEallend: 
sie machen sich gerne den Spasz: 
wia weit gaotderNeabel? Ant- 
wort: bisz an' Leitaberg: drauaza 
wird's a N e b e 1 . Die von Fischach, 
Schönefeld, Hart dagegen sagen 
— bisz an Sandberg, dort 
fangt der Nebel an. Leita- 
berg und Sandberg ligen in 
einer Linie ; Sandberg ist nur der 
jenen Ortschaften bekantere 
Name . Um Kempten gilt M e a 1 , 
in Kempten wieder Mel: gana 
genaue Abgrenzung dürfte nicht 
unwichtige Winke für die Ge- 
schichte des Volkes geben. Auch 
dise Eigenheit belegen sohriftl. 
Denkmäler, sie geben je ö oderee 
dafür. Stadtweesen, See- 
sen, Weegs. HaU. Ordg. 1735. 
Moser, Messer, cgm. 567 f. 311 b. 
hotteten, cgm. 448 f. 134 b. 
Schmeer, Feuer 0. 1751. Lee- 
der, Poliz.0. 1733. Peerhafte 
baüm, Fischach. Stat. Löael- 
ten (liba), nöblig, Regionu 
Weinlösin. beeten, TaiiL 
Serm. 1508. Weeg, etc. Wee- 
sen, Unweesen (sieh oben) auch 
in der Poliz. 0. 1735. Das Klei- 
derbüchlein Bohreibt durchansa: 



E. 



133 



allwögen, gewösen, erlöben 
(leben), brözen, schöllig, Lö- 
der. Im Stdtr. imer ae für e. 
8) Widerstand gegen den Umlaut, 
der alamannischen Mundart eigen, 
zeigt sich auch im Schwäbischen : 
Schankung, schanken, ge- 
sazt, verdackt sieh V. ver- 
darbten cgm. 402 f. 13 b. 
Schammel f. Schemmel und 
vor Allem das im Augsb. Stadtr. 
so häufige galtnusse. Auf 
der andern Seite wuchern auch 
wieder falsche Umlaute: Fäne 
(Fane), Pflätter (Fladen, Kuh- 
fladen). Ascha (Asche), Ps el- 
ter (Psalter), cgm. 311 und vile 
andere. 4) E in Folge nachläszi- 
Auszsprache ausz i, sogar ausz al- 
tem ei, mhd. i, besonders in Di- 
minutiven, entstanden, ist allge- 
mein schwäbisch; ebenso das e 
vor m und n statt i. Sieh I. 
Ueber die nicht eingetretene Bre- 
chung des i in e: a.a.O. 5) Ge- 
dentes reines e erscheint a) als Zu- 
sammenziehung von altem agi, 
egi, ei in gset gesagt, ander- 
wärts gsät u. s. w. b) Femer ausz 
altem ai entstanden, in Flesch, 
Fleschkazen; ausz umgelaute- 
tem au in Fred, landschaftlich 
hie und da Fräd. c) Reines e 
spricht man häufig für den Umlaut 
des ä: hei ahd. häli, sonst hael, 
schlüpfrig; moralisch >a hei er 
mo;< stet, sogleich; Strell 
Kamm; Herle, Herrlein, wech 
ausz ahd. wähl u. s. w. Doch ist 
der Landschaft, besonders den 
Stauden eigen, den Umlaut des 



ä, (au ao, gesprochen,) alsaian- 
zusezen: Straiszle, v. Strausz, 
Strasze; Hairle v. Här, Haur; 
Jairle von Jar, Jaur, Altairle 
von Altaur, Altar; Bairle von 
Bare, Baor; jaimeren von jä- 
m ern , jaumem u. s. w. Gemein- 
schwäbisch und auch in Burg- 
waiden schon (Stauden) erscheint 
a e : Sträszle, Altäre, Bärle u. 8. w. 
6) Gotischem Doppellaut 
äi, ahd. e vorh, r,w — entspricht 
gemeinschwäbisch wieder ai, d. 
h. die Fortfürung uralter Lautver- 
hältnisse findet auch hier durch die 
Mundart statt. Schwäbisch-augsb. 
aber erscheint dafür ea, gleich 
als ob eine gotische und altdeut- 
sche Brechung des i zu Grunde 
läge. Beispile: Sea, Seamacht, 
Schnea, Klea, Seala, Seala- 
b'rezga, -zöpf, -wegga, z'eas t, 
Peater, Pasteat, Apotheak, 
Lisabeat, Peaterling, Pla- 
ne at,Komeat,z'we an i;Doa- 
raschlea (Schlehen)^ Eahalta^ 
Seafelba|um, earle (erlich), 
Reah (Reh), Fazeale und so 
vile andere. Das Schlagwort ist 
meja, mer, gemeinschwäb. mai. 
Disz wird in der Strasze, in den 
Stauden, ungemein häufig ge- 
braucht, ja sogar hie u. da durch 
die Nase gesprochen : m e a : i will 
no mea bräöt, sing mar n& 
mea oins^ i woisz no mea oins, 
d. h. ein Lied. 7) E vor r und 
auch 1 wird ser gedent gesprochen, 
weil die beiden Halbvocale dise 
sonderbare Wirkung haben. Sieh 
L und R. Denung in Folge Ausz- 



134 



Ebischbaum — Egert. 



falles von r komt oft vor, aber 
bei weitem nicht so häufig, wie 
im wirtemb. Schwaben. SiehWb. 
z. Volkst. 28. 3. 8) lieber die 
stummen und tonlosen e in 
der Abwandlung des Zeitwortes 
behalte ich mir anderwärts etwas 
beizubringen vor. Wie allgem. 
schwäbisch, so ist auch in Augsb. 
Denkmälern das ganz wertlose e 
an starken Ztw. bes. im praet. ser 
häufig: stunde, stande,bliebe, 
starbe, träfe, stale u. s. w. 
Dagegen das e des Artikels feit 
wie gemeinschwäbisch, in den be- 
kanten Fällen. 

EBISCHBAÜM, vel wis ch er- 
lin g, ebenus. cgm. 685 f. 51 b. 
Luther übersezt: Hebenholz. 

ECKLEGEIST, eine Art wilder 
Jäger am Auerberge. Eck, Egg, 
als Wald- und Burgname von den 
Felsen- oder Bergvorsprüngen be- 
nannt, ist häufig : Grannegg, Wol- 
fegg ; > nemora in E g g e , < ürkde. 
1169 (Heiligenberg). Ho is egge, 
Mone Zt. I, 330. 

ECKÄCKER, Wilmatshof. Flur- 
name. 

£EBÄLDEST, sobald als nur 
imer möglich, 

£ELEIBLICH , legitimus im 
Gegensaze zu spurius. 

EFFERLE, dim. Euphrosine; 
änlich S e f f e r 1 e , dim. v. Josefine. 
Die Verkleinerungsformen bei 
■weiblichen Personennamen sind 
echt schwäbisch; desgleichen in 
einzelnen Gegenden auch bei den 
Mausnamen. Der Käs perle; 
bayerisch Kasperl, der Josefle, 



der Endresle, der Hannisle 
U.S.W, findet sich in einer Dori- 
Schaft oft mer denn einmal. Nicht 
zu verkennen ist, dasz das Volk 
mit seiner Verkleinerungsform 
manchmal den Charakter einer 
Person auszdrücken will: so heiszt 
im Dorf e einer bald Sepp, Sep- 
per, Josef und Seffle, Jo- 
sefle; der leztere stet dem rau- 
hem, villeicht rohen Sepp, S e f f 
gegenüber durch sein stilles ein- 
gezogenes auch braves Benemen. 
EGERT, eogat, f. ödligende 
unbebaute, wiewol fruchtbare 
Flur; absichtlich öd gelaszene 
Felderabteilung. Allgem. schwäb. 
alam. >Der Geyringer Acker Ju- 
chert, das ain Egart gewesen 
iaU. Giltbuch v. S. Ulrich cgm. 
154 f. 18 a. >Ein Wismad genant 
Egartach auf dem Lechveld«. 
a. a. 0. f. 35 b. >Ein Jauchert 
Ackers, so ungebaut zu Eg ar- 
ten ligt<, oft in Mickhauser Rech- 
nungen. 18. Jarhd. Egertach, 
ein Complex von Egerten. Schmell. 
II, 71; ahi, etum sieh Ach. >In 
der Leutkircher Gegend heiszt 
Ergat ein Ackerfeld, das auf 
unbestimte Zeit als Waideplaa 
oder Gras- und Heuplaz ligen 
gelaszen wird; derErgat-Ösch. 
So auch gen das Allgaühin. Die 
Form Ergat begegnet mir auszer- 
augsburg^sch in >Lange Ergat« 
Ravensb. Flurname, Vertrag von 
1537. Eben, 277. Lange Er- 
get und Ergetsweiler; lange 
E a g e t , G öszling. Markung ; £ r - 
getin Hau, Herbert. Lagerbuch 



Egge -- Ei. 



135 



179. Dazu fuge ich: E gerdun, 
Urkd. von Tüb. 1340. >InE ger- 
din« Flurname bei Erbstetten. 
MoneZtsch. 1,339. »Ex3jugeris 
vinearum vulgo: E gärten vel 
Oeckersbalden«. Descript. Car- 
mel. Rottenb. 36. > Allenthalben 
Wald vnd Eegarten umreuten« 
IV. wirtemb- Landes Ordg. 1. Juni 
1536. Reysch. XII, 111. »Dieweil 
nur diser gart sogar vergangen 
gewesen, das er schier einer 
Egerten gleich gesehen <. Mülh. 
Urbar 21. Hafneregart, Wald- 
Rev. Thomashart. Vgl. Wb. zu 
Volkst,28. Schmid 12, In den 
Stauden hörte ich auch Ead- 
gärta: Ödgärten. [Durch eine 
zufällige Mitteilung meines Freun- 
des Rudolf Baron von Reischach, 
welchen ich im Herbste 1863 am 
Fusze des Hohentwiel nach langer 
Zeit wiedersah, bin ich im Stande, 
hier eine aufklärende Note anzu- 
reihen. Heut noch heiszt näm- 
lich im Hegau, in der sogenan- 
ten Bar das Gemeindeland, 
die Almende, egerte d. h. 
e-garten; egert (zusamengesezt 
wie Wingert), war also ursprüng- 
lich gesezlich gemeinsamer Grund 
und Boden eines Dorfes u. s. w., 
disen liesz man gewönlich zur 
Viehweide oder sonst unbebaut 
ligen ; daher dann die abgeleitete 
Bedeutung, wie sie im obigen 
sich kund gibt, und die verän- 
derte Schreibung des alten merk- 
würdigen Worts, welches man 
wol seit langem nicht mer ver- 
stand. Vgl. Grimm-Ehefade. Tho- 



masj.Darnach wäre altes a i v 8,ahd. 
ewa, e im Spile, was die gemein- 
schwäbische Mundart kaum be- 
stätigt: sie fuszt mit irer Ausz- 
sprache aufe, gebroch. alt. i, ai. 

EGGE, >in der Egen<, 
alte Wirtschaft in A., Botenein- 
ker; warscheinlich dasselbe was 
>zur eisernen Eggen« hiesz. 
Das Wort Egge lautet landschaft- 
lich da und dort Egde. Vgl. 
Schmid 155. Schmell. I, 37. 88. 
Eggten, Mickhaus. Rechng. 

EGGER in den Stauden: Eg- 
gerhof bei Klimmach. Egger- 
bauerngut u s. w. 

EI, das, spr. äi. (Stauden), ao 
(Niederschwb.) Eieramt im Klo- 
ster Niederschönefeld umfaszte 
die Besorgung der Lebensmittel, 
die dazu notwendige Erhebung 
der Gefälle; die esz versah hiesz 
>Eierkellerin«. Eierbögeln, 
in den Stauden eine Kindersitte 
an Ostern. Esz werden 2 Gerten 
im Bogen hart nebeneinander an 
einem abhäldigen Orte in den Bo- 
den gesteckt und in der so ent- 
standenen Rinne die Eier von 
Oben hinabgelaszen : trifft das 
ganz unten angekommene Ei ein 
vom Vormanne schon hinabge- 
laszenes, so ist disz gewonnen; 
und zwar gewinnt esz alle Eier, 
die esz berürt. Trifft keines, 
so get das > Bögein« wie- 
der von Neuem an. Eierpol- 
ster, Eierkuchen. Augsb. Eier- 
inschmalz. >Soll erlegt wer- 
den bei dem Ayrnschmals. 
Mickhaus. Rechg. 1626 u. S. 



136 



Eichenlaub — Eidsteuer. 



EICHENLAUB, ein Augsb. Wald. 
>Da jetzund St. Johannes Capel- 
len stet im Eichenwäldlein, 
welches man im Eichenlaub 
heiszet<. Gass. Eichenberg, 
Eichäcker Flum. in den Stau- 
den. Eichekäppele zwischen 
Mindelheim und Mindelau. Sa- 
genhaft. 

EICHHALM, msc. Eichhörn- 
chen. Vgl. Schmiß. Grimm, Wb. 
III, SlhatEichermel. »9 oich- 
halm hat ma gseeche«. Stauden. 
EICHTEN, swv. amtlich Masz- 
geschirre abmeszen und den Stem- 
pel eindrücken. Eichtmeister. 
Akt. 17. Jarhd.: »der Stadel- und 
Eichtmeister .< In Augsb. gab 
esz 2 Eichtherren und einen 
fiichtgegenschreiber. »Ob- 
rigkeitl. geeichtete Brenten«. 
Bräuer Ordg. >Der auf gebrau- 
ten Eicht nach<, >der Eicht 
halber übereinstimmen«, a. a. 0. 
Eichenund Eichung wird auch 
gebraucht: >Die Eichung und 
Besichtigung der Maasz, Mäsz, 
Ellen, Gewicht sollen beeden Ob- 
rigkeiten fürzunemenbevorsten«. 
Die Mezger musten alle Jare ire 
Wag und Gewicht in der Fasten 
und vor Ostern durch die geschwo- 
renen Eichtmeister eichten 
laszen. Mzg.-O. 1532. Confirm. 
1582. In der mittlem Necarge- 
gend komt eichen bald schwach 
bald stark vor; g'icho, aug'- 
eicht: lezteres galt als Ueber- 
name für einen Kapuziner in Rot- 
tenburg a. N. wegen seiner gro- 
8zen Fertigkeit in der Kunst des 



Bier- und Weintrinken«; ältere 
Leute erzälen noch heute vom 
> Aug'eicht9€. Ahd". eichon, 
eihhon, mhd. eichen, zueig- 
nen, widmen hat keinen Bezug 
hieher; unser heutiges eichen 
ist warscheinlich zu lat. icere 
zu stellen: stoszen schlagen, ein- 
schneiden,iwelches der alten Waid- 
manssprache entnomen sein 
dürfte. Grimm, Wb.ni,80. Wei- 
gand Wb. I, 23. 

EID, stm. komt in den Akten 
des modus procedendi inA. vor: 
Eid des groszen Rates; Wal- 
eid u. s. w. Das Eidbüchl^in, 
ein Formular und zugleich Ein- 
tragbuch der vorgekomenen Eide. 
»Eidgesell< Fraukes Annal. 114. 

EIDSTEÜER. »SovU die her- 
kömliche herrschaftliche järliche 
Kamersteuer betrifft, ist die Sache 
dahin verglichen worden, dasz 
die gesamte Landschaft sotane 
järliche Kamersteuer wie vor Al- 
ters auf den Eid 3 Jar von Zeit 
des errichtenden Weydenfuszes 
anzurechnen, prästieren wolle, 
nach deren Yerflieszung aber esz 
auf die merern Stimen des gan- 
zen Landes ankomen solle, ob 
esz lieber die altübliche von 3" 
zu 3 Jaren erneuernde Eidstener 
beibehalten und erwälen, oder 
solche Steuer entrichten wolle — 
gestalten esz — zu verbleiben 
hat, dafem nun von dem Land 
die Wiedereinfürung der Eid- 
steuer erwält und beliebt wer- 
den würde.« Confirm. Kempt. 8. 
>Betre£fend aber die Unkosten^ 



Einbeszem — Einbringep. 



137 



80 auf die Beschreib- und An- 
legung der Eidsteuer nfit 
Einschlusz der Hab an Ros und 
Vieh verwendet werden mÜ8te<. 
a^ a. 0. >Die Eidsteuer ver- 
lassen, aufheben«, a. a. 0. »Eine 
Steuer auf den Eid umlegen, 
ausschreiben«. a.a.O. 

EINBESZERN, swv. propfen, 
oculieren > Junge Bäume, die 
hab ich auszgewechselt und ein- 
gebeszert«. Mickhaus. Rech- 
nungen 1770. 

EINBIETEN, amtlich zusamen- 
komen laszen. Oft in Augsb. 
Akten. Bei dem >Brech< bot 
der Bürgermeister alles Volk auf 
die Reichsstrasze ein. Frü- 
her hatten die Stadtknechte, 
später eigens bestellte Personen 
solche »Ein bot« bekant zu ma- 
chen. Die >Einbiet< verrich- 
ten. Ordgen. 1647. 

EINBILDEN, swv. einprägen, 
vor Augen halten, imprimere. 
>Dise Worte sind fast bei keiner 
Predigt auszgelaszen und disselbe 
alle Zeit mit sonderlichem Eifer 
den Zuhörern auch mit erhobener 
Stimme eingebildet worden«. 
Dr. G. Müller. Vgl. Bild. Grimm, 
Wb. III, 150. In der mittlem Ne- 
cargegend hört man allgemein: 
»i hau mer's einbildt, ich habe 
mirs gedacht. « > Vo dor E i n b i 1 - 
ding leba«. Vgl. Schmid 68. 
69. 

EINBINDEN, stv. einschärfen, 
injungere, mandare. >Wie esz 
ein Rat zu halten und demselben 
trewlich nachzukomen ernstlich 



eingebunden undbefolenhat«. 
Sail. 0. 1 a. Vgl. das wirtemberg. 
General-Reskrpt. v. 1609. Jänner. 
Reysch. VIII, 303: »Alles emsts 
einbinden und auferlegen«. 
Vgl. Grimm, Wb. III, 153. 8. In 
Ehingen a.D. gilt einbind'en, 
ein Patengeschenk dem Täufling 
geben; ursprünglich ward esz 
schon in der Kirche zwischen die 
Windeln eingelegt. 

EINBLÄTTELN, swv. sich ein- 
deckein, gleichsam wie die Schne- 
cken, pedantisch zurückgezogen 
leben one dabei wie man zu sagen 
pflegt zu > versauren«. 

EINBLAÜEN, swv; rein: je- 
manden durch Schläge oder sonst 
nachdrücklich ein Wissen bei- 
bringen. >ünd das Aergste ge- 
wesen ist den Regenten ins 
Gewissen eingeblewet wor- 
den«. Dr. G. Müller. Ma wead 
di bluia mürb und lindl Seh. 
Und blui iahn sammt seim Büf- 
felgrind, Da Hintra wia aMaasz 
so lind. a. a. 0. Schwäbische 
Auszprache ist blaio und bluio, 
a b 1 u i 9 : abprügeln, durchprügeln; 
durebrügl9,durbrüglo;Blui- 
müle, wo das Werg gebleut d. h. 
gewalkt wird. Dem Worte ligt 
die Wurzel blahv zu Grunde u. 
esz gehört zu der Klasse von hriu- 
wan (hrahv), briuwan (brahv), 
kiuwan (kahv); gotisch müszen 
wir ansezen bliggvan, hrigg- 
van, briggvan, kiggvan. 
Vgl. Grimm Diphtonge 1845. 

EINBRINGER oder Sprachmei- 
ster hiesz der Geselle, welcher 



138 



Einbrocken — Einlegen. 



«inen ankörnenden fremden Ge- 
sellen zum Meister füren — ein- 
bringen — muste. Vgl. Ein- 
sagen zu Grimm Wb. HI, 157. 
158, Das Einbringen hieszin 
den Fischadler Stat. das Eintrei- 
ben des Vibes von der Herbst- 
weide. >Zur Bedingung des Hir- 
tenlones, der Khüe, Kälber und 
Sewbirten mit ainander 1 fl. und 
zum Einbringen 30 kr.< 

EINBROCKEN, swv. ursprüng- 
lich interere. Bildlich : »Dasz sie 
mit erenrürigen, schmachhaftigen 
Worten antasten und zugleich das 
Predigtamt mit einbrocken«. 
Dr. Müller. Zu Grimm, Wb. 
in, 158. 

EINFALLEN, stv. »Ist esz 
doch dem Statvogt befolen wor- 
den alle halbe Jar einzufallen« 
d. h. zum Kanten eichten un- 
vorhergesagt erscheinen. Akt. 

EINFANGEN, swv. und atv. 
umhegen, umzäunen. Einfang 
stm. »Ferner soll das Domcapi- 
tel in der Mülin zu Gerschhofen 
und zwar nur in deren Hofrai- 
thin und E i n f ä n g gleiches Recht 
iiaben«. Confirm. 1582. > Wegen 
des Plazes zum Einfang des Zoll- 
hauses wird ein Tausch getroffen«. 
Vertrag von 1662, Vgl. mhd. in- 
vanc. Wb.m.210. SiehBaindt. 

EINFAREN, arretieren, in's Ge- 
fängnis abfüren. 

EINGANSZEIT der Malzauf- 
schäger und Biergeschauer. >Esz 
sollen auch die Biergeschauer ire 
Gang unterschiedlich abwechslen, 
abteilen, damit kein Bräu der 



Eingangszeit versichert sei«. 
Bräuer Ordg. 

EINHEIMLT^G, die, >derWach- 
telbaysz soU erst nach Ein hei- 
mung des Wintrigen abgewartet 
werden«. Vergleich von 1609. 

EINKOMEN, stv. erscheinen 
vor dem Gericht: sieh Finger. 

EINLASZ, der alte, sieh Ab- 
lasz; auch in Ulm ward a. 1480 
in der Stadtmauer ein Einlasz 
angebracht. Ob A. Beschreibung 
81. Unter den städtischen Aem- 
tem erscheinen die beiden Ein- 
laszer wiederholt; sie konten 
nur vom geheimen Rate gesezt 
werden. 

EINLASZGULDEN, der, eine 
'bischofliche Abgabe. >Ueber das 
solle das Domcapitul altem Her- 
kommen gemäsz den Einlasz- 
gulden von den Hausgenossen 
und Bewonern auf iren eigentüm- 
lichen und grundzinsbaren Gü- 
tern nemen, so aber jemand aus 
der Landvogtei zu schaffen, solle 
esz durch die Landvogteiliche 
Obrigkeit geschehen, jedoch dem 
Domcapitul unbenommen sein ire 
Untertanen ires Gefallens anf- 
und abzustiften«. Conflrm. 
1582. 

EINLEGEN, swv. 1) incendere. 
>Da ward ein altes Weib gefan- 
gen, die hat solches Feuer ein- 
gelegt«, Horm. 1834. S. 124. 

2) nominare, beilegen, e. Namen 
>disem Stern wurden vil Namen 
eingelegt oder gegeben«. Re- 
giom. 1512. Zu Grimm, Wb. a.a.O. 

3) in Eisen leg^n; S. gebraucht 



Einmummeln — Einschlagen. 



139 



«inlegen neben »in die Eisen 
legen«, »in die Eisen füren«. 
Zu Grimm, Wb. a. a. 0. 4) Bier 
«I. 8. w. einlegen. >Solle ein Pfalz- 
probst für sicli und die Seinige 
zu seiner Notdurft Bier einle- 
gen und davon seinen ankom- 
a&enden Gästen auftragen«. Yer- 
gleich von 1642. 

EINMUMMELN, sich, sich ein- 
fiiummen vor Kälte, neben ein- 
b u m p f e n. Grimm, Wb. III, 235. 

EINNÄHEN, swv. insuere ca- 
•davera. Todte in die sog. Lein- 
tücher einnähen; eine in Schwa- 
ben seit Uraltem herschende, jezt 
«bkomende Unsitte. >Esz ist 
auch ein Näherin bestelt, so die 
Abgestorben einnehen müszen; 
hat von jedem 4 kr. zum Ein- 
nähen gehabt«. Laz. Ord. 1632. 
Vgl. einbuzen s. v. buzen. 
Zu. Grimm. Wb. III, 236 ff. 

EINNEMER, EINNEMERAMT. 
Nach dem Recesz von 1636 mus- 
ten den E. alle städtischen Ein- 
namen, wes Namens sie auch wa- 
ren, eingeliefert werden; davon 
hatten sie den Beamten ir ge- 
wönliches Wochengelt und Qua- 
tembergelt zu verabreichen. Sie 
waren verpflichtet über Alles Red 
und Antwort zu geben, d. h. hat- 
ten strenge Rechenschaft von irer 
Verwaltung abzulegen. Beson- 
ders lag inen ob, ire Untergebe- 
nen, den Stadtcassier, den Ein- 
namschreiber und Gegenschrei- 
ber in Buchfürung zu controlie- 
ren. Nach einer Confirmatiou 
Karls Y. von 1518 sollen die Ei n- 



nemer nur ausz den Geschlech- 
tern genomen werden. 

EINRISSER. >Item die Ayn- 
risser, so nit mer dann ein 
Ross haben, sollen dem Schmid, 
so zwen zusamensezen, einen hal- 
ben Tag zu Akher gän«. Mickh. 
Dorfordg. 1532. Dem Einrisser 
stet fast ebenbürtig der Zwi- 
rössler in den Stauden; esz 
sind disz nur Halbbauern und 
Leerhäusler. 

EINSAGEN, swv. ansagen, an- 
melden, bei der Weberzunft ser 
üblich: >dasz denen fremden auf 
anherokomenden Webergesellen, 
one dasz diese vorhero durch den 
Knappenknecht ordentlich bei den 
Meistern wären eingesagt wor- 
den«. Straf buch des Web. Hau- 
ses von 1785. >0b er bei dem 
Altgesellen ordentlich eingesa- 
get«. »Einem jeden einge- 
sagten Webergesellen sollen 6 kr. 
verabreicht werden« a. a. 0. Zu 
Grimm. Wb. III, 362. 

EINSCHICHTIG, adv. einzeln. 
>In den strittigen Fällen, da das 
Vieh von selbsten und ungetri- 
ben, einschichtig oder herden- 
weis auf den Gablingischen Ze- 
hentäckern zu schaden gen würde« . 
>Ein einschichtigs kleines 
Gütl«. Vertrag von 1618. Klim- 
macher Pfarrbuch. >5 ain- 
schichtige leinwantene Küsz- 
ziechen mit Seiden abgeneet«. 
Fugg. Inventar, 

EINSCHLAGEN, stv. >E8Z 
solle auch gemelter Krautgarten 
jedliches Jar uff Jacobi einge- 



140 



Einschlauf — Einstandsrecht. 



schlagen und verboten werden, 
dasz hinfüro kainer darein gen 
8oll<. Fischach. Stat. 

EINSCHLAUF stm. 1) Anzng 
überhaupt > worein man schlüpft < . 
2) Sterbehemd: »adi 20. Junio 
1619. >Dr. Conrat Peutingers 
dochter Felix im einschlaf<. 
L. Rem. 53. Vgl. Schliefer, 
schliefen u. s.w. Schmid 466. 
Peutinger's Tochter starb als 
Mädchen. 

EmSCHÜSTERN, swv. detri- 
mentum facere, an Vermögen ein- 
büszen, verschuldet oder unver- 
schuldet«. Grimm Wb. III, 287. 

EINSIZEN, stv. übel ankomen. 
»Also secht ihr junge Leut ofter- 
malen, wie sich im Heiraten diser 
oder jener so schändlich verbrennt 
und so grob eingeseszen<. 
Homo Simplex. 

EINSPÄNNIGER, gregarius, 
berittene Stadtwacht, bestund nur 
ansz einigen Mann. »Ist die 
Abschaffung des Einspänni- 
gers accordiert, doch dasz dem 
jezigen anoch eine Pension oder 
nur die Besoldung ad dies vitae 
gereichet werden«. Confirm. 
Kempt. 106. In der ülmer Hoch- 
zeitordnung komt vor: >dem 
Einspänniger für das Hoch- 
zeitladen 1 fl Hausl. II. 225. 14. 
Vgl. Grimm, Wb. III, 801. In der 
Sammig. v. Ordnungen von 1647 
komt neben dem E. der Stadt- 
kn echt und der Gassenknecht 
vor. Beim Auszschicken hatte 
der E. von gemeiner Stadt halbe 
Ordonanz 24 kr., der Stadtknecht 



10 kr., der Gassenknecht 8 kr. 
Nach denselben Ordnungen f. 88 b. 
ist die Zal der E. auf 10 oder 12 
angegeben. Etwas änliches wie 
das E. Amt war das der reiten- 
den Söldner. 

EINSTANDSRECHT ist das 
Recht der Verwandten bei Ver- 
äuszerung eines Gutes um den ge- 
botenen Preisz vor andern Kau- 
fern einzusten, d.h. das Gnt der 
Familie zu erhalten, weil nach 
altem Rechte die Schwertmagen 
bei jeder Veräuszerung von Ghnxnd 
und Boden Einspruch erheben 
konten. Den Markt anlangend 
ist Eins tandsrecht das Redht 
der Zunftgenossen, auf den Markt 
gebrachte fremde Artikel, die ins 
Handwerk einschlugen, vorweg zu 
kaufen, one dasz sie dem öffent- 
lichen Kaufe unterstellt wurden, 
oder wo disz schon geschehen, 
statt jeden andern Käufers ein- 
zusten. > üebrigens hat esz bei 
denen jeden Orts hergebrachten 
confirmierten Marktfreiheiten der 
Burger, in denen Flecken ratione 
des Zoll- Wäg-, Mäsz- n. Stand- 
geltsbefreiung nebst dem gewön- 
lichen Fürkauf- und Ein- 
standsrecht sein Bewenden«, 
confirm. Kempt. 19. > Und darbet- 
nebens (die Augsb. Weber), das 
Anfall - undEinstandsreoht 
bei dem Gamverkauf sowol in 
als auszer denen Märkten gegen 
die inn- und auszländisehe Kan- 
derer und Schneller, Fürkänffler 
zu genieszen haben<. a.a.O. »Fahl» 
aber gnädigste Herrschaft die an- 



Einung — • Eisen. 



141 



gezeigte Kälber verlangt, so sol- 
len die Untertanen solche behal- 
ten (3 — 4 Wochen); von denje- 
nigen Kälber aber, so auszer Lan- 
des kommen, nicht mer denn 2 kr, 
Zoll von jedem Stück von dem 
Eänfo gegeben werden, jedoch 
solle denen Untertanen des An- 
falls- oder Einstandsrecht 
gegen Fremde allemal vorbehal- 
ten sein«. a.a.O. 20. Laut Ver- 
trags von 1389 hatte der Abt von 
St. Ulrich bei Verkaufung dorti- 
ger Zinsleben das Einstand- 
recht. 

EINÜNG, wlie Einung zu 
der Strausz< hiesz in der Mitte 
des 14. Jarhd. ein Bündnis Augs- 
burgs mit den Gemeinden an der 
Strasze über Schwabmünchen u. 
8. w. gegen die bayerischen Frei- 
berger, die zu Angelberg iren 
Landsiz hatten (1568). Herber- 
ger's Schwabmünchen S. 13. 

EINWÄLEN, swv. hinein-, in 
den Rat wälen. > Erstlich wie 
die Wal auf dem Rathause f(ir- 
gen und bei gemeiner Stadt Nie- 
mand für einen Ratsherrn zu hal- 
ten sei, denn welcher heutiges 
Tages ordentlich eingewehlet 
werde; ebenso also solle die Ober- 
keit im Herzen einen jeglichen 
gewehlet und was nunauf dem 
Rathaus eingewehlet worden 
-— für ordentliche Oberkeit ge- 
achtet werden«. Dr. Georg Mül- 
ler. Zu Grimm, Wb. IIl, 337. 

EINWANDERN u. AUFWAN- 
DERN, swv. sich stellen vor dem 
ersamen Handwerk, dasz man 



rechtmäsziger Gesell ist. Zunfb- 
sitte. Stauden. 

EINWICKELN, swv.» daszsich 
beide Teil auch mit heiraten stets 
in einander eingewickelt zu 
gemeinen Gevaterschaften einan- 
der gebrauchet <. Dr. Georg 
Müller. 

EINZÄUNE, swf Einzäunung. 
Landschaftlich. >I kriag ja bei 
der uszreEinzaü duszzumwea- 
nigst feunfthalb Metza Nusz<. Seh. 
EINZEN, adv. singulatim. 
>die mugent ir mezzer wol ver- 
kaufen einzen vnde sament<. 
Stadtrecht bl. 13 a. >diu mag er 
wol verkaufen einbeinzenunde 
sament<. a. a. 0. Enbeinzen 
dürfte en-bi- einzen sein. Otto- 
car V. Homeck hat beinzigen 
statt bi- einzigen, mhd. Wb. I, 
425 a. Graff I, 330: z einigen 
stucken. Vgl. auch einzaehtin, 
»der sol daz obez einzaehtin 
verkaufen«. Stadtrecht f. 45 b. 

EINZIEHEN, stv. ins Gefäng- 
nis füren; sieh Gewölblin. 

EISEN, die, am Tollenstein, 
Augsburger Gefängnis am Eisen- 
berg, ans Rathaus angebaute 
reichsstädt. Fronfeste. Wie esz 
sich mit Eisen- und Zisen- 
berg verhält, musz einer mytho- 
log. Untersuchung vorbehalten 
bleiben. Vgl. Burg- u. Batfeld 
LXXIX. > Sobald nur einiger von 
den Herrn Ambtsburgermeistem 
in die Eisen verschaffet 
wird, so solle alsbald die Anzeig 
auf die Kanzlei getan werden«. 
Recess v. 1636. »Auff solichsist 



142 



Eisen — Eilend Herberg. 



er williglich in die Eyssen 
gangen«. S. 159 a. Fürten ihn 
in die Eisen<. 397 a, Eisen- 
straf, in der Eisen, mit der 
Eisen verfaren, komt in den 
Poliz. Ordnungen vor. Die Auf- 
seher heiszen bei S. 899 a. 
Eisenmeister; alt ist aber 
ebenfalls Eisenvater, die 
Frau Aufseherin: Eisenmutter 
und der Knecht: Eisenknecht. 
»Sollen die Herren Burgermeister 
auch die Gefängnussen, als die 
Eisen mit Eisenväter und die 
Turn mit Turn Väter versehen<. 
Recess von 1636. In Passau kom- 
men diselben Benennungen vor. 
2) Eisengilt, eine feste unab- 
änderliche Abgabe, gegenüber der 
wandelbaren. >Besezte E is en- 
gl lt<. Mickhaus, Rechgen. 1576. 
>Hinter8tellige Eisengilt« a.a.O. 
iVerseszene Eisengilt« a.a.O. 
>Er8tlichen thuen die besezten 
Eisengülten zu M. samt der- 
selben zugehörigen Dörfern, ain- 
zigen Stuckhen, Höfen, Güetem 
244 fl.« Heute noch ist das Wort 
in Stiftungsrechnungen und Ka- 
tastern allgemein üblich in den 
Stauden. Im deutschen Privat- 
rechte komt die E. auszfürlich 
erörtert vor. 3) Ein Kinderspil, bei 
dem sich Hand in Hand ein Kreis 
von Mädchen dreht, fangt an: 
Eisen klar 
Wie ein Haar 

Hat gesponnen 7 Jar, 7 Jar 
Um und um; 

Fräulein N. kert sich um, 
Frlnlein N. hat sich umgekert 



Und der Jungfrau Kranz bescheert. 

Eisen ist hier myth. als Göttin 
zu nemen. In Schmiderechnungen 
komt Eisen einfach für Hufeisen 
vor. »Erstlich 38 neue Eisen 
für ains 4 kr.< Mer 55 alt Eisen 
für ains 2kr.< u. s. w. Im Homo 
Simpl. heiszt das Weib oft »Zank- 
eisen, Fegeisen<. Eisen. 
swv. Eis aufhauen. Eisenzeug 
»Allerlei alter Ros- und Eisen- 
zeug«. Fugg. Inv. 

EISPERBERE, swf. Johanis- 
beere, ribes rubrum ; sieh Falle. 

EITEL, adj. 1) vacuus, Grimm, 
Wb. m, 383. >DieErd was eitel 
und leer und dieFinstemus warent 
auf dem Abgrund der Wasser«. 
Regiom. 1518. 2) Der Pfleger zu 
Aychach gibt von ainer Mulin 
eiteliger Häller III Pfund«, 
cgm. 154 f, 18 a. 

EITERHAFT, adj. venenatus. 
»So wird das Wasser wurm- und 
eiterhaft«, Elucid.1542. Grimm, 
Wb. HI, 392. 

ELLEN, die falschen, komen 
in Verträgen, in Web. Akt. oft 
vor. Das Ellenschreiben, ein 
Geschäft des Kellermeisters in 
der Weberzunft. 

ELLEND HERBERG hiesz in 
A. das längst verschwundene Pil- 
gerhaus ; ein Stein ist noch kent- 
lich in dem sog. gegenüber ligen- 
den Baurentanz, der trägt die 
Worte: >das hüs ist ain eilend 
herberg, und sol zu ewigkeii 
beleyben<. In Ulm heiszt ein 
b. Hospital ligender Garten £1* 
lendhänser. Jäger. 460. 86. 



Elmau — Engel weihin. 



ua 



Eine Walfart zum eilenden 
Herrgott soll auf der Schwab. 
Alb seiÄ. Im Fugger'schen In-, 
yentar komt >ain klains Täfele 
mit dem öllend Christi« vor. 

ELMAÜ >die gefreite Gemeinde- 
waldung in der Elmau.< Zu 
Schwabmünchen gehörend seit 
uralten Zeiten. Drei Fräulein, eine 
Sage nennt 3 Fräulein. Fugger, 
was zu spät, da die Sage vil äl- 
ter, hätten der Gemeinde d. Wald 
geschenkt, änlich wie in Wald- 
kirch, wo 3 Fräulein der Gemeinde 
den Wald schenkten. Der grosze 
Wftld mit den alten Keltenhügeln 
zwischen Biburg und Aystetten 
soll den anligenden Ortschaften 
von 3 Fräulein geschenkt worden 
sein. 3 Heilrätinenkomenals 
Schenkerinen vor zu Igling,im 
WiBsterholz, zu Ettringen 
u. s. w. Sieh Herberger's Schwab- 
münchen S. 6 ff. 

ELSASZ. »Elsäszer Weine« 
im alten A. bis zu Anfang dises 
Jarh. ser beliebt; Elsäszer 
Branntwein war erlaubt, >da8z 
derselb von kainem, dann der je 
ausz dem Elsasz herbringt, 
verkauft werde«. Poliz. 0. 1553. 
Ich mache hier auf die Redens- 
artenaufmerksam: >ichhab gmeint 
ich seah's Fuir vom Elsasz«, 
wenn einem die Funken vor den 
Augen fliegen, von e. heftigen 
Kopfschlage oder Stosze. Aarau. 
>Der Blunder vom E]sasz< 
von einem erwarteten Erbe. 
Alb. 

EMPFEHLEN, stv. beerdigen, 



sepelire. >Ihr wiszt wol des Men- 
schen leib dem Erdrich zu em- 
pfelchen< cgm. 402f. 30b. >In 
seiner Befelchnus< f. 31 b. Got. 
gafilhan, begraben, gafilh, 
stn. Begräbnis. 

EMPHORGEBEN, stv. >An 
Sumptag hat der rät 20f. emp f or 
geben«. S. 330 a. »die hat ein 
rät empfor geben«. S. 324 a^ 
>Gab ein Rat 20 f. ennpforen«. 
327 b. ; ent vor= zum Voraus, mhd. 

EMPORGEHEN, stv. 
>Wie's in der Welt jezt get em- 
por, 
Wer ist so alt und der zuvor« u.s.w. 
Weberhaus-Inschrift, 

ENBRESTFN, stv. sich der 
Anklage und Inzicht vor Gericht 
entschlagen, sich rechtfertigen. 
»Vnde wil sich entslahen der an- 
spräche: daz mag er wol tun 
mit sinen zwain ungern vnd ist 
damit dem clager vnde dem vogte 
enbrosten«. Stadtrecht, bl. 
32 b. ferner 34 b. 39 a. 40 a. 43 a. 
45 a. 45 b. u. s. w. 

ENDRIS, Andreas bei S. üblich 
z. B. bl. 151 a. »Der lang En- 
derle« bei Gass. Endris bei 
L. Rem. 33. 

ENGEL. »Engel ausz der 
Holzkam er«, ein Stück Volks- 
wiz , spöttisch, wenn man das Ge- 
genteil vom Engel angeben wilL 
Schwanzengele, Teufelchen. 
Allgemein ist »pfauszbacket wie 
Posaunenengel«. 

ENGELWEIHIN in Augsbur- 
ger Rechnungen von 1390 und 
1494. >Zu St. Michaels Kireh- 



144 



Englische Tücher — Erb. 



weyhin als Engel weyhin was<. 
Burg- und Batfeld LXXXIII. 
Merkwürdig ist das auf dem wir- 
temb. Heuberge übliche Wort 
Engelsgsind für das wilde 
Heer. (Wehingen). 

ENGLISCHE TÜCHER werden 
oft erwänt in den A. Schrift- 
werken. 

^ ENGSTER, vel 1 a s z k o p f, 
angustrum. Cgm. 685 f, 8 b. 

ENKEL, stm. 1) Kindeskind, 
>de8 Herkules Enkle< pl. Troj. 
Krg. f, 9 a. > Ausz Blangnus des 
Aenkles« f. 38 b. 2) Fuszknö- 
chel. >Der sei lauszen an den 
enkeln obwendig den Fuszen«. 
Astron. 33 a. >die zwo ädern an 
bayden enkeln sind gut gelau- 
8zen<. 38 a. >man sezt die Köpfe 
uff die enkeln der Füszen für 
die bülen«. 39 a. >ünd stund in 
seinem eigen plut bis vber sein 
enkel< cgm. 402 f. 132 b. ön- 
kel f. 149 a. Vgl. Weigand 1,291. 

ENSCHELT, stn. Unslit. S. 
unstlit; »Ein altes abgerunnenes 
K erzen- In slet< Homo Simpl. 
Niederschvvb. Aügliggh, ntr. 
Aügligghkezi. In A. gab esz 
einen Unschlitschreiber und 
4 ünschlitgeschauer. 

ENTE. >Zur blauen Entec 
alte Augsb. Schildwirtschaft, die 
jezt noch in der Wintergasse 
fortbestet. 

ENTENGRAISCH,Augsb.Markt- 
name für Entenjung (bayer.), 
Kopf, Magen, Flügel, Leber u. s.w. 
der Ente susamengebundflii; 



änlich Gansgrairch, bayerisch 
Gansjung. 

ENTNICKEN, stv. >IcliW^ ge- 
schlafen vnd was entnickQi und 
bin aufgestanden«, cgm. 528 f. 2a. 

ENTSCHLICHTEN, swv. >Man 
meinte die Sach wäre schon ent- 
schlicht und die Gemüter ver- 
einiget«. Denkw. 1653. 

ENTSIZEN, stv. >der Bischof 
die frowen forschet, ob sie je- 
mand entsasz, das man in nit 
zueliesz«. cgm. 257 f. 4 a. 

ENTSPENEN, swv. entwenen. 
» So gilts du mir als dem e n 1 8 p e n- 
ten von seiner Mutter«, cgm. 
422 f. 9 b. 

ENTWÄREN, swv. >Esz sol 
Niemand dem andern abhawen, 
abprechen, nemen, noch ent wä- 
ren weder in- noch auszerhalb 
der Stadti. Mindelh. Reform. 16. 
>Oder dem Gefangenen ob er 
gleich Gericht und Recht anrüffte, 
abzuträngen und zu entwären«. 
f. 22 b. 

ENZWERCHS. >Entzwerch» 
durch die Erde gehend Löcher«. 
Elucidarius. Augsb. Druck. »Wie 
komts, dasdie Sonn entzwerch 
lauft an dem Himmel ?« a. a. 0. 

ERB in ERBSCHLAISZWEG, 
Servitute , in der Wilmats - 
hofer Dorfordnung. »Item sosol- 
len nach altem Brauch und Her- 
komen nachfolgende: Erb- 
se h 1 a i s z w e g, Tribluckhen^E r b- 
stcig und Stigel gehalten wer- 
den u. 8. w. >yor den linken 
gässlein in Gemaindt ein Erb- 
schlaiszweg«. a. a. 0. Erb- 



Erbieten — Erkiken. 



145 



b lacken, eine, »am Clafferloch,! 
>ein Brbluckhen und ein Sti- 
geUMben Tribluckhen. »Ein 
Erbfltigel gegen Fischach hin- 
ab.» a. a. 0. 

ERBIETEN stv. >Indeme be- 
nebens über die allzuh arten Stra- 
fen bei einigen Pflegämbtem 
Beschwerden vorgekomen, als ist 
die gnädigste Herrschaft des Er- 
biethens die billige Remedur 
Yorzukeren« u.s.w. Confirm.Kempt. 

ÄRBEL, die, Erdbeere. Beh- 
lingen. 

ERBOREN haben = durch Ge- 
burt angeerbt. >So er verheirat 
und er boren hat.< Mickhaus. 
Rechg. 1665. 

ERCHTAG komt in den Schrift- 
werken, die von A. oder Umge- 
gend stamen , ebenso in der 
Zuchthausordnung von Buchloe, 
17. Jarhd. zerstreut vor: After- 
montag ist häufiger, lieber 
Erchtag und Zeinstag, — ig, 
beide echt schwäbisch, wäre eine 
mytholog. Untersuchung von gros- 
zem Werte. Einen Versuch machte 
Herberger, Burg- und Batfeld 
LXXVIII. Erichtag, cgm. 740 
f. Sl\ 

ERD ALUMP, du! rohe Schelte. 

ERDE , »vnd sol der vogt den 
hof oder das hüs üf die erde 
8 1 a h e n, < rechtsaltertüml. Stadtr. 
38^ Die >schwarze Erde< bei 
Lechhausen. 

ERDELEN, nach Erde riechen. 
Erdkäuflere, die, handelte auf 
dem sog. Saumarkte mit altem 
Gerumpel, das sie nur auf der 



Erde, auf keinem Tische feil haben 
durfte und auch nur Gegenstände, 
die nicht über 6 fl. wert sein 
mochten. Ursprünglich scheint das 
Geschäft blosz Witwen und zwar 
12 katholischen und 12 protestan- 
tischen gebilligt worden zu sein. 
Laut Magistratsbeschlusz vom 
6 Aug. 1862 ward diso Handel- 
schaft freigegeben. 

ERDSCHMIDLE heiszt in den 
Stauden das sog. klopfende Dan- 
gelmändle. Sieh D. Der Name 
zieht sich bis Oberbayern herein. 
Schmeller kent in nicht. 

ERESBURG,ERENSBURG, ab- 
gegangener Ort bei Altenmünster. 
Burg- und Batfeld LXXVIH. 

ERGEBBRIEF: >dieweilen das 
in dem Memminigischen Vertrage 
de 1526 Art. 10 bemerkte Sigel- 
gelt von 2 Kreuzern, so vor den 
Ergebbrief einer aus anderen 
Herrschaften in das Land sich 
verheirateten fremden Personen 
entrichtet werden müszen, vor- 
längsten sambt denen Ergeb- 
briefen in Abgang gekommen.« 
Confirm.Kempt. 1732—37. Art. VI. 

ERKIKEN swv. 1) trans. Todte 
auferwecken, beleben, in codd. 
häufig, 2) erholen , sich erkiken, 
reflex. >Aber nach wenigen Ta- 
gen, wie sich die Fürsten er- 
kiket hatten nach der Mühe des 
Wachens ~ ward das Heer in 
das Feld gefürt.« Troj. Krg. 27»>. 
3) > Nachmals wie der König den 
Atem ein wenig erkikt hett, 
ist er auf die Knie gefallen.« a. 
a. 0. 8R 

10 



146 



Erlag — ErzauBzen. 



EBLAG stm. Erlegung : >9) wol 
zu bemerken, dass weilen bis- 
weilen die arme und bedürftige 
Leut aus Mangel des Geldes eini- 
ges Gespunst oder Anderes bei 
den Hucklem gegen Victualien, 
Liechterodersunsten vertauschen, 
dergleichen Tausch ohne Erlag 
einigen Zolles erlaubt seye u. 
8. w.< Confirm. Kempt. > Jedoch, 
dasz sie auch zur ewigen und 
immerwehrenden Zeiten zu solchen 
erdeuten järlichen Geltertrag 
von 9000 fl. verbunden und ver- 
pflicht sein sollen. < a. a. 0. S.95. 
> Binnen Monatsfrist einen ergi- 
bigen Erlag tun.< Doc. Buch 
V. Hart.< 10». 

ERLINDERN swv. >Und wie 
sie in etlich stunden sein Begird 
gemeret hett, und das Herz nicht 
erlindert ward.< Troj. Krg. 24*. 

ERREITEN stv. durch Reiten 
einholen. »Der Knecht hat mich 
aber bald erritten.«Denkw 1653. 

ERSATTEN swv. »So werden 
wir dich nicht sehen in einem 
spigel der Geleichnus, sunder von 
Antlucz zu Antlucz, in dem alle 
unser Begird ersattet wird.< 
Büchl. V. d. himml. Braut. 1475. 

ERSCHIESZEN stv. ahd. irscio- 
zan, ersprieszen. »So esz dann 
yn Zeit und die Axt eigentlich 
an den Pawm gelegt ist, der Kir- 
chendiener Stym und Predigt nit 
dermassen erschieszen will — 
80 erkennt sich ein ersamer Rat 
u. 8. w.< Der Stadt Beruf, 1541. 
>Fuor aus dem Wildbad — er- 
sehe ss das Baden onmaas wol 



an im.« L. Rem 24. Grimm Wb. 
m, 961. 

ERSCHNEIDEN stv. ziwchnei- 
den. >Ich hab sunst gemainiglich 
all Schnitt an Hosen, Wammes, 
Schuech und Kappen selbs erdicht, 
auch mermals die schuech selbs 
ersnitten.« Kleiderb. 14, 

ERSIZEN, seine Lerzeit ausz- 
hal ten ; oft. Ersizjare= Lerjare. 
Vom Lerbuben der entlaszen oder 
entlaufen : »hat der ausgestandene 
Weberlerjung aber die erseszene 
Zeit verloren und wird angewisen, 
daz Handwerk von Neuem anzu- 
fangen.< Web. 0. IS.Jarhd. »One 
Abbruch der erseszenen Ler- 
zeit,< a. a. 0. >Die3Ersizjare.« 
a.a.O. >Wann ein Meister einem 
Knappen die eingeschribenen 3 
E r s i z j a r mit Arbeit oder in an- 
der Weg — nicht befürdem könnte, 
solle solchem Knappen alsdann 
ein anderer Meister zu deren yölli- 
gen Ersizung zugelaszen wer- 
den.« a. a. 0. 

ERSTECKEN swv. suffocare. 
>Wir leben in der neuen Zeit, 
Die alls mit Schnee bedecket, 
Es trägt das Feld ein weiszes Kleid, 
Das Kraft und Safft erstecket. 
Handkalender 1745. 7^ (J ä n n e r.) 

ERTATTERN swv. stupere. 
>Der Bischof aber fieng an za 
beten — darüber Afra — aller 
erschrocken und ertatternd zu 
erkundigen begundte.« Gass. 68. 
— Volküblich: verdaddrd, in 
der Kälte sten und frieren. 

ERZAUSZEN swv. »Das Baden 
erzauszet, ersuochat mich on 



Ürzen — Ewigen. 



14t 



mas gnach, al am und um<. L. 
Rem, 23. Grimm Wb. III, 1079. 

ERÄEN »Er< sprechen. 

ERZIGELN von Fischen im 
Weiher: hegen. Mickhaus. Akt. 
1580. 

ERZOBELN, prügeln: »rotteten 
sich die Barsch und weiten mich 
gar erzoblen, wie dann zur 
Zeiten geschähe.« Kleiderb. 112. 

ESCHAI, ESCHHAI, swm. Feld- 
hüter, Flurschüze, Wächter: >er 
sei auch (der hofmaier) kainen 
eschaien nemen, wann mit ir 
räte.-c Stdtrecht. bl. 10». >Und 
dasz die Stifitischen und andern 
Aeker durch denOeschaien — 
gegen leistender Gebür, wie solche 
▼on Alters Herkommen beobachtet 
und Schaden bewaret werden 
sollen.« Vrtrg. 1670. Got. atisk 
stn. Saatfeld; ahd. ezisc; hai, 
haie, heie, Wächter, mhd.hien, 
he igen = schüzen, bewachen, 
hegen. 

ESEL, Red. A. »UfiP dea muesz 
ma da Esel b&ore,« von einem 
recht dummen Menschen. (Behlin- 
gen.) In den Stauden fragt einer: 
Wie fangt man im Oberland die 
Esel? und nimt den Ratenden 
bei der Hand. 

ESZEN das. DieHochzeit-0.1632 
hat für Gerichte : 2, 3, 4 E s z e n an 
der Tafel. Eszenpf&n der durf- 



ten über 3 Tag nicht aufgehalten 
werden Ordgen. v. 1647. 
ESZLINGER EIMER: >160Eich- 
masz ist 1 Eszlinger Eimer.< 
cgm. 740 f. »213 schenkmasz ist 
ain Eszlinger Eimer.« a a.O. 
Neben dem Nördlinger, ülmer, 
Haidenheimer Eich häufig in 
codd. August. 

ETSCHWEIN komt neben dem 
Malvasier, Rheinfall in den 
Augsb. Chroniken und Akten ser 
oft vor. Bei der Einfur hatte 
von jedem Fasz der Burggraf eine 
Masz. Statt Etschwein erscheint 
der Auszdruk >Wälschwein< 
nicht selten. 

ETTERGERTEN. >Ein Fueder 
Ettergerten 1 fl.< Mickhaus. 
Rechg. 1770. >Dem Pfarrer ein 
Fueder Rau- und 1 Fueder E 1 1 e r- 
gerten.< a. a. 0. (Zaunruten.) 

EWIGEN swv. »Zum Regieren 
immutabiliter perpetuirt und be- 
ewigtsein.« Dr. Müller. Ewige 
Bettstatt sieh unter B. Ewige 
Messe, Frühmesse, häufig. Ewig- 
gelt, — Zins, Zins von einem 
anfügenden Kapital, das entweder 
für imer unablöslich ist, oder 
vomDarleher nicht aufgekündigt 
werden kan. Yrgl. hiezu Schmell. 
n, 42 ff. >Ewiggelt auf Ab- 
lösung setzen.« cgm. 2517. 



lO* 



148 



F V 



F V 



1) Gotisches F bietet keine 
Schwierigkeit. Anlautend ver- 
bleibt esz unverändert im Schwä- 
bischen wie allgemein im Ober- 
deutschen; ebenso in- und ans z- 
lautend, wo esz unrein ist. 
Fuszrfotus, fünf:fimf, Luft: 
luftus, Zweifel: tvifls, Not- 
durft: thaurfts, Hefamme 
zu hafjan, heben stend u. s. w. 
Ferner eilf und zwölf: ainlif, 
tvalif. 

2) Echt gotisches P feit im 
Anlaute. Die damit beginnenden 
Fremdwörter wandeln esz statt in 
f in pf: z. B. in paida bayerisch- 
schwäbisch Pfoat und Pfoit, 
welches Wort im wirtemb. Schwa- 
ben nicht vorkomt, also von Bayern 
über den Lech eingewandert sein 
dilrfte. Pflaum, latein. pluma; 
platja got. augsb. Pflez und 
Flez; pund, Pfund; Pfriester 
schreibt eine Biberacher Chronik 
far presbyter. Das Stadtrecht hat : 
phunt, phunt2oll,phenning, 
phingsten, phefer, phaffe, 
phennwert, phant, kupher 
u. s. w. Im In- und Auszlaute 
unterligt esz der Verschiebung 
in f, d. h. die Spirans überwältigt 
p. Z. B. vairpan: werfen, 
greipan: greifen, sliupan: 
schliefen, sleps: Schlaf, 
thaurp: Dorf, kaupon: kaufen, 
sieh die weitem Beispile in B. 



V. Raumers Gesammelt. Schriften 
(Aspiration etc.) S. 66 § 58. 

3) Dabei fragt sich: wie verhält 
sich F zu PF? Die Zeitwörter, 
welche den gotischen auf — jan 
entsprechen (die schwachen) schei- 
nen p f zu lieben und zwar mund- 
artlich mit gleichzeitigem teil- 
weisen Fernehalten des Umlautes ; 
so besonders skapjan: sche- 
p f e n neben einemZeitw.s k a p a n : 
schaffen; raupjan: rupfen 
neben einem raup an: raufen; 
afslaupjan: auszschlupfen und 
sliupan: schliefen; sogar hrop- 
jan: rufen; dazu liesze sich die 
Form vorrupfen ziehen; ir 
würde vrohjan: rügen in der 
Bedeutung von vorrucken zur 
Seite sten und zu hlaupan: 
laufen einhlaupjan: springen 
machen, lupfen, treten können. 
Die schwache Form wirkt auch 
auf die Zungenlaute schärfend, 
wenn man hatan: haszen, hat- 
jan: hezen, natan: naszen, 
natjan:nezen, niutan: nieszen, 
nutjan: nuzen u. s. w. neben 
einander sezt. Die Mundart selbst 
bietet eine Menge Beispile: Stä- 
pfele u. Staffele, >dieHeana- 
stäpfelen« in A.; schürpfen 
und schürfen, eine Art Glucker- 
spil in Oberschwb. mit Nägeln; 
schnupfen und schnüffeln, 
schloipfa u. schloiffa: schlep- 



F V 



149 



pen, gaffen undgapfen, wozu 
die Bergvoraprünge Eapf und 
Gapf, von wo ausz man Umschau 
halten kan, gehören; Hefe und 
Hepfe, Knauf u. Knopf, trau- 
fen und tropfen, hoppen 
und hupfen; Dümpfel, Rür- 
stange und d u m p e 1 n , Butter 
auszrüren, Dumpelweib; Heu- 
stempel und Heustempfel. 
Schippel und Schipfel (nur 
bayerisch) für Kopf. Ziehe ich hie- 
her: p und ph mit der Spirans 
Bten hier einander gegenüber. Auch 
das Stadtr. hat Belege: »ge- 
stempfet sin, diu gestempf- 
ten geloete zu Stempeln hochd. 
und Stampf, Stampfbogen, 
stend ; s c h u p f e n oberpf. schuzen, 
Subst. Schuphe, in die Seh. 
werfen, die bekante Gieszhübel- 
strafe für Mezger und Bäcker in 
Augsburg. P ist ganz in der 
Spirans aufgegangen in zawn- 
schlüfflin für Z aunschlupfer, 
Zaunkönig im cgm. 312 f. 30*. 
Vrgl. hiezu Weinhold, Gramm. S. 
123. 204. 205. Nach Rumpelt S. 
308, 4 stände nach langen Voc. 
nur f , was mir nicht genügend 
dünkt zur Erklärung obiger Er- 
scheinungen. 

4) Die oberdeutschen Mund- 
arten lieben überhaupt die Ver- 
stärkung ires an- und inlauten- 
den f in pf, z.B. Pflegel: Fle- 
gel; Pflegelhenkin uralt in 
Schriftwerken und allgem. schwä- 
bisch; Pfladern, Pflader- 
gasse, Pfladermüle in A. 
neben fladem, warscheinlich dem 



plätschernden Naturlaut im Was- 
zer nachgebildet; pfizzen und 
fizzen swv. das Streichen mit 
Gerten, wie die Kinder um Nüsze 
und Kuchen den Alten am Kind- 
leinstag tun (Burgau,Donauwörth); 
PföundFö, Fönwind(Allgäu), 
pfätschen und fätschen (zu 
fasces) einpfätschen, Pfät- 
schenkind. Fragneru.Pfrag- 
ner (cgm. 290 f. 87»), Pfleader- 
mausu.Fleadermaus; pflan- 
na und flau na, weinen neben 
p f 1 e n n a und f 1 e n n a. Oberschwb. 
DasStadtr.hatphinnigflaisch 
was neben mundartl. und schrift- 
deutschem finnig einherget. 

Besonders haben gerne pf die 
Zeitwörter, die aller Wahrschein- 
lichkeit nach von Interjektionen 
gebildet sind: Pfnisel undFni- 
sel, pfnurren und fnurren, 
p f u z g a nord. fasna. Vrgl. Wein- 
hold Gr. S. 122. Ich reihe an: 
Gogelhopf neben Gogelhof, 
Backwerk in Türkenbundform; 
Augsb. pfipfi neben schwä- 
bisch, pfiffis, sieh oben 93»; 
pflodernundflodern, flodri- 
ment, was allerdings auf altem 
p und nicht f zu beruhen scheint; 
pfusel- und fuselnacket; in 
Oberschwb. hörte ich: 
Der Hopf 
Ist a Tropf. 

ö) Wenn mundartliche Formen 
auftreten, wie das sc-hwäbisch- 
augsburg. W e r f t i g (zu werben), 
Werktag(werken), f u c h z i g, f u ch- 
zehn. fuchsgmaol, fünfzig 
u. 8. w. , so darf man diselbon 



150 



F V — Fabulieren. 



nicht als durch Lautwechsel ausz- 
einander hervorgegangen erach- 
ten, sondern musz vilmer zwei 
nebeneinanderstende gleichbedeu- 
tende Formen darin erkennen, 
wovon die eine den Lippen-, die 
andere den Gaumenlaut festhielt; 
ebenso wenig ist s a c h t ausz s a n f t, 
engl, soft hervorgegangen; esz 
stet vilmer die Form sach neben- 
jener von saf, wie saugen (suk- 
keln) neben saufen u supfen. 
Esz hängt hier gar Ii/Ianches von 
der Hinneigung des Volkes zu 
einem der Laute, wie denn die 
Hollander den Kehllaut lieben, 
die Engländer oft gh als f 
auszsprechen. Ausz got. auhns 
ist unser Ofen geworden; im Ahd. 
haben wir soc, soch, sieh heu- 
tiges Saft. Vergl. Schleicher, 
Sprache, S. 327 unten. 

6) In- und auszlautend stet pf 
wie gemein mhd. und ahd. nach 
m, n, r: Hampf, xdyyaßi^^ Hanf; 
Seempf, Senf;scharpf, Harpf, 
Harpfanist; sampft. Beson- 
ders erscheint für entf-, entv- 
gerne und ganz natürlich e m p f : 
Hampfl, HandvoUI emphahen 
cgm. 810 für entfähen. Bei 
Sender erscheint noch das mhd. 
empfor für entvor: vorher, zum 
Vorausz, sieh oben bei E. S. 143*>. 
Rumpelt, Gramm S. 904. 4 sagt: 
>der Grund hievon ist, dasz die 
Laute m und f Nasal und Frica- 
tiva physiologisch zu ungleich- 
artig sind, um sich unmittelbar 
mit einander zu verbinden. < Vgl. 
Reimnitz, Leitfaden 11, Anmerkg. 



2. Diselbe Erscheinung haben wir 
bei den Zanlauten; nach den 
flüszigen schlägt die Zunge scharf 
denZanlaut an, so dasz man so- 
gar ein t vor der Spirans zu 
hören meint, wie in Mentsch, 
homo; vrgl. Häntschet, Hand- 
schuhe, Günt-zburg, Günzborg. 
Das Stdtr. behält enph-. 

7) In dep Wal, ob f oder v zu 
schreiben, schwanken die Augs- 
burgischen wie überhaupt die 
altern deutschen Denkmäler. Das 
Stadtrecht hat vor den flüszigen 
und vor Vocalen überwiegend f 
im Anlaute. Eine Regel ist schwer 
darausz zu ziehen. Im Inlaute 
nur f, ff, got. p entsprechend oder 
got. f im Inlaute, sind nicht eben 
seltene Fälle. Eine Lautiere, wol 
von bayerischer Feder am 15. Jar^ 
hundert gefloszen, die ich ander- 
wärts mitteile, sagt: Item das v, 
das sol in miten nit sten, nur im 
Anvang eines wortz: Vater, Vet- 
ter, Vleisz u. s. w. Vrgl. Schleidier, 
Sprache l40. 

8) Gleichem Schwanken unter- 
liegen die schwäbisch -«ugflburg. 
Urkunden bezüglich der Schreib- 
ung von ph und pf. Das Stadt- 
recht schreibt beharrlich ph. Esc 
ist auch das ältere und leitet den 
Uebergang von p in f ein. Die 
Mundart wollte von p nicht lassen 
und bezeichnet dessen Vorschrei- 
ten zu f, bei dem esz doch nicht 
anlangt, erst mit ph, später und 
ganz natürlich , da auch ph 
nicht mer genügte, mit pf. 

FABULIEREN swy. fobokri, 



Fach — F&higr. 



151 



einfaltiges Zeug reden. >Auch 
in den Heusern alles Zehrens, 
Zechens, Spilens und unnützen 
Fabulierens ganz undgarent- 
auszem.« Poliz. 0. Mhd.Wb.llI, 
199^ Grimm Wb. 111, 1217. Schm. 
L 507. 

FACH stn. Waszerschwelle : 
Fachbretter oder Läden in den 
Lechen in der Bau 0. 1740. II, 
58. >Es sollen auch die Eicht- 
pfäle , von denen einige geschla- 
gen werden müszen, ingleichen 
die Wuhrbäume, Wasserbetten, 
Wasserräder, Kröpfe, Fachbret- 
t er, Rinnen und dergleichen all- 
zeit in den vorigen Höhe, Breite 
und Länge verbleiben.« Fach- 
bretter legen hieng vom Gut- 
achten des Rates ab. a. a. 0. 
Mhd. Wb. III, 200. Grimm Wb. 
III, 1221. Schm.I, 507. 

FACKELBRENNEN ist das in 
ganz Schwaben übliche Schei- 
benschlagen; ursprünglich 
heiszt aber nur der Zug zum Seh. 
so. Das Einsamein des Holzes 
bietet in der Augsb. Gegend nichts 
besonderes dar; der Reim beim 
Seh. lautet in Oxsenbrunnen : 
Scheib ausz Scheib ein, 
Scheib wieder darein 1 
Die Scheib, die Scheib soll der 

N. sein! 
Dabei pflegt man dem oder der 
eine Schandscheibe, jemand 
andern eine Erenscheibe zu 
schlagen. 

FACKELN, herumfackeln, 
swv. verdächtige Wege gen. Zu 
Orimm Wb. III, 1228. 



FADEN. Alt ist und auf dem 
Lande ser üblich Fadem; in der 
mittleren Nekargegend haftet m 
nur im dim. Fädemle wie in 
Lädemle, Gädemle. Im cgm. 
312 f. 40»> komt ein Fädemlin 
als Loszvogel vor: 
Das saget dir das Fädemlin 
darunter, so lausz dein groszes 

Trinken sin. 
Die Schwab, codd. des XV. Jarhd. 
haben allgemein noch altes m 
statt des späten n. Falsche Fä- 
den komen in Weberakten oft 
vor: esz war grosze Busze auf 
deren Verfertigung angesezt. Fäd- 
ung scheint eine gewisze ai^e- 
nomene Fadenlänge gewesen zu 
sein. In der Sailer-Ordg. stet: 
>Ein breiter oder Hinterstrang 
soll haben IV« Klaffter ungefär- 
lich 12 Fädung.« >Item ein 
langer oder Vorderstrang soll 
haben zwo Klaffter, 12 F ä d u n g. < 
f. 2^3». Faden wichser, scherz- 
weise für Schneider. 

FÄHIG erscheint wie im hochd. 
h o f f ä h i g, bischöfl. Augsburgisch 
in pfalzfähig, — Fähigkeit, 
was die Befilhigung, die Erlaub- 
nis auszdrückte in der unmittel- 
bar an der bischöfl. Residenz li- 
genden Wirtschaft >zur Pfalz< 
einzusprechen, welche Wirtschaft 
noch bestet. Pfalzfähig war die 
gesamte Geistlichkeit der Diöcese, 
bevorab die Augsburgische, die 
bischöfl. und capitlischen Räte, 
deren Beamte und Diener, femer 
alle die mit dem Bischof und den 
ebengenannten Räten in Geschäfts- 



152 



FaistoBg — Fane. 



yerbindnng oder sonst in be- 
sonderen Beziehungen standen. 
Einförung von Fremden konte 
Btatfinden , aber nur mit beson- 
derer Erlaubnis. Der Pfalz ge- 
rechtsame gemäsz durfte man 
Speise und Trank verlangen oder 
nach Hause holen laszen. Der 
Wirt hiesz Pfalzpropst. Ganz 
änlich verhielt esz sich mit der 
Gerechtsame der beiden Stuben: 
bald heiszt esz st üben fähig, 
bald stubenmäszig. In den 
waidmännischen Vergleichen des 
Bischpfes und der Stadt komt 
steckensfähig vor, d. h. be- 
fugtj Wachtel- und Lerchengame 
auszustecken. Vrgl. 1642. K eil er- 
fähig sieh E. 

FAISTÜNG, adeps. cgm. 683 f. 
>Rodi8gutu.fai8t.< cgm.736f.71». 

FÄLBELE, dim pl—en, lange 
farbige Streifen an Frauenklei- 
dern, gefilltelter Besaz am Wei- 
berrocke. Romanisch: falbala, 
Diez, Wb. 2. Auszgabe S. 170. 
Grimm, Wb. III, 1267. Frauen- 
zeitung von 1787, VII. Juli S. 
602. In der Gmünder Gegend heiszt 
F. die Chorhemdkrause der 
Gaistlichen. Lautern. 

FÄLGEN swv. den Boden auf- 
hackein, leicht umgraben, beson- 
ders wucherndes Unkraut weg- 
schürfen, im Gegensaze zum Um- 
reuten, tiefem Umgraben des 
Grundes. In der Nekargegend 
one Umlaut: falgen,Falghaue 
im gleichen Sinne. In Heilig- 
kreuztal (Wirtb.) ist fälgen das 
Ackern zur Somersaat im Frü- 



jare. Das Eaufbeuerische ausz- 
fälgen, Holz aufbeugen, gehört 
nicht hieher. Vrgl. mhd. Wb. 
ra, 215»». 

FALLE, dim. Fälle, kleine 
länglichte Oeffnung mit einem 
Türlein zum Auszgeben der Spei- 
sen von der Küche in's Woir- 
zimmer. 

FALLHUT. »Wie die Kinder 
anfangen zu gehen , rnusz man 
ihnei^ den Kopf mit F allhat en 
verwaren.< Kleine ''ZvLge über 
Denkungs- und Lebensart der 
Augsburger. Frankf. n. Leipzig 
1784. Grinmi Wb. s. v. 

FALLENSEZEN in der Bau- 
Ord. oft: »Wann einer gegen sei- 
nen Nachbar, der mit einem Gre- 
bäu, Garten, Mauer oder Thill 
seinen Grund gar eingefang^i, 
Eis perbeer oder Würz- und 
anderes niederes Gewächs pflan- 
zen: item Fallen sezen will, 
so soll er das Erdreich, unten 
auf seinem eigenen Grund nnd 
Boden seine Fallen einlegen 
— dagegen mag einer an sein 
eigen Thill — auch die Fallen 
anbauen.« Fallen heiszen end- 
lich die Blickel oder Läden an 
den Weberdunkenlöchem. Ban-Q. 
1740: >E8 sollen aber die Weber 
schuldig sein über jedes derglei- 
chen Dunkfenster eine Falle 
oder Blickel zu machen. 

FANE, die. In der Burganer 
Weberzunft-0. heiszt esz: »Ems 
solle keinem fremden Meister ver- 
gönnt sein im Kaufen solang n. 
sovil zurückzusten bis die Fän- 



Falliten — Fan«. 



158 



lein nach Gewonheit des Hand- 
"Werks allerdings zuvorderst ge- 
zogen worden sind, beiStraff 
von 2 Pfund Wax.« »Item solle 
nach altem Gebrauch zur Er- 
lanbung und Aufrechthaltung des 
Garns der Markt bei N. N. Be- 
hausungen durch Aufsteckung 
von 2 Fäulen erlaubt werden 
und sonst anderstwo nirgends.« 
H a n d f a n, der, in alten Bitualien 
für manipulus, ein Weiser, dasz 
der Manipel' nicht am Oberarm, 
wie jezt häufig zu geschehen 
pflegt, sondern am Vorderarm 
getragen werden musz Ueber 
das Wort habe ich in Dr. Schwarz 
und Laib's Eirchenschmuck 
(Metzler Stuttgart) IL Heft 1863 
auszfurlich gesprochen. Ritter- 
fane in der Schüzen-0. von A. : 
»Damit jedoch auch Schüzen, 
welche aus besondern Ursachen 
mit der Zal auf das Haupt zu- 
rückbleiben, ein ehrenvolles Zei- 
chen zu Teil werde, so ist für 
diese eine Extrafane, nemlich 
die Ritter fane bestimt. Esz 
werden daher, nachdem alle Schü- * 
zen auf das Haupt abgeschoszen 
haben, die 6 wenigst schieszenden 
aufgeschriben und Abends mit 
dem 6 Schlag zu Rittern auszge- 
rufen: jeder hat sodann den Stech- 
schusz zu tun mit der gleichen 
Armbrust.< Schüzen-0. 4. 1819 §43. 
FALLITEN, F a 1 1 i t e n-0 r d n g. 
V. 1668 : >Dasz dergleichen f ür- 
sezliche oder muetwillige 
Falliten samt den jhrigen — 
zu ihren Kleidungen und Trach- 



ten insgemein — sich keiner an- 
dern und beszem Zeug, Waaren 
und Materialien gebrauchen sollen 
und zugelaszen ist. Den andern 
Falliten aber — solle ein Meh- 
reres nicht vergunnt sein, als den 
gemeinen Dienst ehalten.« 

FALSCH in der Webersprache, 
sieh bei Faden. In der Web.-O. 
heiszt esz: >Vom Falsch. Item 
welcher einen Falsch würkhte, 
es sei an Schmele oder Zal, der- 
selbe hat jme und seinem Weib 
des Handwerks Gerechtigkeit ver- 
wirkt.« 1634. Einen Gang falsch 
umschlagen.« Weber-Sprache. 
Falschtritta. a. 0. >Wegender 
Fädenbrüch aber, soll esz fol- 
gender Gestalt gehalten werden; 
dasz nemlich, wenn einer über 
15 Ellen Fädenbrüch oder 
Falschtritt hätte, das Stück ver- 
fallen sein. Was aber unter 15 
Ellen Fäden brüchoderFal sch- 
trit sich befinden wurden, solle 
den jeweiligen Geschaumeistem 
zur Straff bezalt werden.« Akt. 

FALZ, der, Fuge, beiGass. öfters 
> mit erhabenen Falzen.« u. s.w. 

FANZ für Kerl , Bursche , one 
gerade eine böse Nebenbedeutung 
einzuschliezen. 

»Dear arbetz'Ulemufder Schanz 
Und ist a rotziger kleiner F a n z.« 
Seh. 35. 

Ungefanzt, unordentlich: 
I will di schoa zwifla du uu- 
g'fanzter Schwanz. Seh. 124. 
A Geigla nach deam Alles tanzt 
Und sei*s aüglimlet u. aüg'f anzt. 
a. a. 0. 



164 



Färber — Vater. 



FÄRBER, die, spilen in den Akten 
der Weberzunft eine bedeutende 
Rolle. Sie musten allen Augsb. 
Barchent und Leinwat, den sie 
zum Färben annamen an die 
Schwarzgeschau bringen und 
gut beiszen laszen. In iren Mang- 
häusem durften sie nichts anne- 
men noch mangen laszen, das 
nicht in irer Werkstätte behand- 
elt worden ist, sondern hätten 
solches an die vom Rate verord- 
neten Manghäuser zu schicken 
bei Straf 1 fl. in die Ratsbüchse. 
Endlich hatten sie den Mang- 
gesellen den Schwur der Treue 
abzunemen. Die Bau - 0. 1740 
handelt auch vomFärb er kes sei, 
vom Färbertollen, Färber- 
rechen oder Hanken: weil alles 
disz von des Rats Gutachten 
abhieng. In A. gab esz ein Fär- 
bergässchen und ein Färb- 
höflein. 

FART, die, in Auf- und Ab- 
fart. 1) Der Auf- oder Abzug 
vom Lehengut, vom Pachtgute; 
2) das in Folge dessen zu ent- 
richtende Geld, das in der Regel 
10 Procent betrug. >N. zalt als 
er von mir dieMüllin bestanden 
alltem Brauch nach Auf fart 6 R. 
und von wegen seines Verkaufers 
Abfart 6 R.< >Auf- und Abfart 
bezalt worden.« Alte Mickh. Akt. 
Das Adj. auf- und abfärtig 
komt oft vor. 3) Dienstf arten 
1681. Akten. 4j Verte, Wallfart 
>Swelich man in Gottes verte 
faren will, über mer, ze Rome, 
ze St. Jlcobe u. s. w. Stdtr.« 



FASANDEL, die, zweideutige, 
herumziehende Weibsperson. 

FÄSIG, mangelhaft, feiend. Seh. 
Drum dank i au meim Schöpfer mei 
denn sötte Fäll tund fäsig sei. 
Do, ma sotts frei wäger gar it 

moina, 
's Geld sei fäsig, wenn ma 
d' Pracht betracht.a a.O. 

FASNACHT, j u n g e od. Aacher- 
mitwoch. Eleiderb. 63. In der 
Pfründe-0. v. 1462 komt eine 
Herren- und eine rechte Fasnacht 
vor. Dieleztere heiszt sonst auch 
B au renfas nacht. 

FASTEN in Fastengesicht. 
>Da gibts saure, finstre Fasten- 
gesichter ab.< Hom. S. Fa- 
stenknecht, Abdeckersknecht. 
Fastenmärlein, noch im lezt. 
Jarhd. in Oberschwaben bräuchig. 
Fastentuch, blauer Vorhang? 
»zur Aufziehung des Fasten- 
tuches um ain Saillen u. s. w.« 
Mickhs Kirch. Rechg. 1676. 

VATER hiesz der Aufseher im 
Kranken-, Pilger-, Waisenhauae 
und Geföngnisse >üeb€r das 
Blaterhaus war Vater u.Mueter 
verordnet. > Laz.-O. Der Pilger- 
vater im Pilgerhause hatte das 
ihm von den Herren Aeltem des 
Almosens anbefolene Geld wö- 
chentlich auszzuteilen. Bekant 
ist der Eisenvater, sieh E. In 
der Memm. Feuer-0. von 1766 S. 
45 heiszt esz : >Bei Feuersbrünsten 
soll sich der Ca pell- oder Spi- 
tälins-, itemZucht- u. Kinds- 
und Seelvater bei und in den 



FätsoHen — Fechtmeister. 



166 



ihnen anvertrauten Stiftnngshäu- 
tem Aufsicht tragen. < 

FÄTSCHEN, swv. »Die Kind 
vetschen und pinden;€ >fet- 
gchen und einpinden.« cgm. 
601 f. 97». Die Fätschen, Klei- 
derb. 19.Fetschenkind, -Tisch 
in Bchriftl. Denkm. öfters. Sieh E. 

FAZINETLE, das, Sacktuch; 
dim. von Fazinet, ital. fazzoletto. 
Im Fugger'schen Inventar komen 
vor: Tischfazenet mit plaben 
leisten, geeiglet, mit klökleten 
Porten, von Damaschg, leinwatne 
und mit gewisleten Strichen, mit 
Zwilch gefranslet und einer 
Steppe, mit Spizlen u. s. w. An- 
dere Formen: Tischfacilet, 
Mickhaus. Rechnungen 1610 Fa- 
solet, Hom. S. Facelin, 0. Ru- 
land. In den Weberakten stet 
von 1638. 1650: >Dieweil bisher 
etlich Weibspersonen, so der We- 
ber Gerechtigkeit nit haben, — 
da Schlayer und Facelewür- 
khen in langem Brauch gehabt, 
und noch, soll den Weibern solch 
Schlayer und Facelewürkhen 
mit 2 Stüelen ihr Lebenlang zu- 
gelaszen werden. < — >Da ent- 
gegen sollen sie nichts als Schlayer 
und F.acele würkhen.« 

FAZPIL , das , poszenhaftes 
Spil;fazen, cavillari. >Fazspil 
und Gaukelei* hMszt Gass. II, 25 
die an Christi Auffartstag emals 
üblichen bildlichen Vorstellungen 
in den Kirchen. Schmell. I, 579. 

FAUL adj. zähe vom Straszen- 
kot, wenn die Räder herb von 
dw Stelle gen. Im Troj. Krg. 



40^ komt die Adjektivbildnng 
unfeulklich vor. Faulgara, 
— sieder siehG. Faule Fische, 
leere Auszreden. 

FAÜM, faumen für Schaum, 
schäumen ist fast nur bayerisch- 
schwäbisch ; in Niederschwaben er- 
scheint dafür Schomm, äschom- 
ma, abschäumen, eine Bildung 
wie romma, äromma von ab- 
räumen. Im Harter Inventar stet 
F o m b 1 ö f f e 1 ; in Mikhaus. Akten 
FaimblöffelnebenFaimbkell 
>5 Faimbköllen<. Grimm Wb. 
m, 1377. Schmell. I, 530. 

FAUST, wie hochd. in bayer. 
und hie und da in schwäb. Akten 
und Urkunden erscheint F a u n s t. 
> Mit Faünsten abgeschmieret. < 
Mickhaus. Strafbuch 1681. »Mit 
der Funst.< Thalhofers Fecht- 
buch. Vrgl. Schmell. 1 , 575. 
Fausthammer, >denStoszdegen 
auf dem Rucken, den F. in der 
Hand.« Chronik bei P. v. Stetten, 
ErL91. EinFausttollichkomt 
in dem Fugger'schen Inventar in 
Mickhausen oft vor. 

VECH, Vechwerk, Grauwerk 
von dem Rücken des Hermelin's. 
>Zobel, Marder und^alle Vech- 
werk.* cgm. 2517. >Zu denen 
Ausz schlagen und Kragen weder 
Zobel noch Edel- sondern allein 
Kehlmäder und Vech gebrau- 
chen.« Poliz.-O. Im Kleiderb. >mit 
Vech füttern* öfters. >Nempt 
man war, wie junkfrauen Vech 
und Seiden tragen « cgm. 311 f. 
49*>. Mhd. Wb. HI, 285. 

FECHTMEISTER , Barbier 



156 



Feder — Fein. 



scherzweise , neben B e o k e 1 e- 
bantscher. Altaugsburgisch. 

FEDER. F e der f echter und 
Fedeskilreiter emals ser üb- 
liche Namen für Advokaten. F e- 
d e r r i t e, die, 1) farbige, auf einer 
Seite harige Leinwand. 2) Zu 
Betten benüzt: der ünterüberzug, 
in dem die F e d e r n sind, worüber 
erst der Oberüberzug kömt. In 
der Weber -0. gab esz eigene 
Vorschriften bei Verfertigung di- 
ser Art Leinwand geltend: >0b- 
wolen auch ein jeder Burger zu 
seiner Selbst eigenen Hausnotturft 
Kelsch undFederritenwürken 
zu laszen erlaubt ist, so solle 
doch ein jeder Meister vor Un- 
terrichtung solcher Arbeit schul- 
dig sein, solches denen verord- 
neten Herren des Weberhauses 
anzuzeigen, damit man wisze, 
wem solch Gewirk zustehen ; auch 
solle solche Kelsch und Feder- 
riten nicht verkauft werden bei 
Verlust der Waaren, desgleichen 
keinem als mit einem StUel 
breiten Federriten zu wür- 
ken — vergunt sein.< Akten 17. 
Jarhd. Federspulen, Gänsekile. 

FEGEISEN. >Weilen ich ein 
solches Hauskreuz, ein so böses 
Feg eisen, ein so zänkisch, grei- 
nerisch Weib darneben habe.« 
Hom. S. Fegopfer. >Er wird 
stets müszen als ein Fluch der 
Welt und ein Fegopfer der 
Leute — sovil gewertig sein, dasz 
er an Ehr •— angegriffen werde.« 
Dr. G.Müller.Fea-a-a-agsand. 
Fast unverständlicher Ruf des 



Grobsandmannes in A. Sieh das 
Lied im Anhange. 

FEICHEN, das, betrügerisch 
gebackenesBrot. Augsb. Stdtr. 
>Swelcher daz veichen bachet, 
daz ist, swelcherleie brot daz ist 
anders danne als davor geschriben 
st&t, daz heizzet daz veichen.« 
lieber die Strafe des Schupfen s, 
die das Veichenbrotbacken 
nach sich zog siehS. cf. Schmell. 
I, 507. 

FEICHTE, die, pinus silvestris: 
>ein Clafifert Feichtholz 2 fl. 
45 kr.« »Lang Feichtholz.« 
Augsb. Akt 17. Jarhd. In den 
Stauden und an der bayerischen 
Grenze allgemein; in wirte^ib. 
Schwaben >Fiecht€. 

FEIERN. 1) In den Weber-O. 
kertoft wieder: den Stul feiern 
laszen, d. h. freiwillig oder un- 
freiwillig zu arbeiten aufhören; 
für letzteres oft gebraucht. Akt 
V 16. Jarhd. 2) In der Mezger- 
0. desgleichen: »mit dem Hand- 
werk 3 Schlachttag feiern« 
eine Strafe. 3)Uebefhaupt: ruhen 
laszen : >Und musz man den Hund 
zu dieser Kunst anweisen; er 
lernets nit gar bald, man musz 
damit nit feiren.« NatürL Zau- 
berei von Lang. S. 56. >In den 
Pfingstfeiern« hie und da in 
schriftl. Denkmälern Augsburgs. 
Feirding, Feiertag. Riess Aen- 
lich Freiding, Freitag. 

FEILEN, trödeln; Feilkauf 
in den Sdtr. und andern Schrif- 
ten ser häufig. 

FEIN vom Wetter; »feines 



Feindlich — Ferchenmarkt. 



167 



W. , feine Tage; feine warme 
Tage< in den Angab. Hofkalen- 
dem des vorig. Jarhd. oft. Im 
Biesz gilt fein oft für klein: 
>a feis Maüle<. 

FEINDLICH, foidle, in der 
Landvolksrede , imer wieder- 
kerend in Verbindung mit Ad- 
jektiven, denen esz Superlativen 
Charakter verleiht; überhaupt 
gleich dem gewönlichen : ser. 
Seh. gebraucht esz häufig : f o i n d le 
bschaula: ansehenswert. Feind- 
linger, ein groszer Betrüger. 
Riesz. 

FELCH, dünnes Hölzchen, oben 
mit runder Oeffnung, womit das 
gehackte Wurstfleisch in die 
Därme gefallt wird. Schmell. 
I, 627. 

FELD in Feidung, Feiding 
f&r Feld: »dasz d'F eidin g lau- 
ter Distla trait.< Seh. Feld- 
farre »hinfüro soll kein Feld- 
farr unter den gemeinen Fleisch- 
bänken feil gehabt — sondern 
auf dem Fischmarkt verkauft wer- 
den.€ Mezg.-O. 1549. Feldgelt, 
»Eschhaiion, Hürtlonu. F.< Fisch- 
ach. St. Die Adj. -Bildung mit 
— lieh begegnet oft: >Und hat 2 
Jaucharten Ackers v e 1 d i k 1 i c h, < 
cgm. 154; >veldeklichen V> 
Jauchart. < Mickhaus. Akt. 1683. 
Ich füre auch ein Zeitw. Felden 
hier an, das in der Kiedlinger 
Gegend (Wilflingen) üblich ist 
für >herumstreichen« von Bu- 
ben mit Mädchen, wie esz an 
Sonntagen der Fall ist. 



YENIE, die , Fuszfall mit Ge- 
bet. In dem alam. schwäb. cgm. 
168 (Eituale 14 Jarhd.) komt des 
öftem vor: > wanne man sol 
V e n i e nemen oder nit; alle Sams- 
tage und an dem tage, so man 
morn 9 lectien hat, so lat man 
die venie ze none — und da- 
man hin nnz ze ostern, so lat 
man die venie erst ze vesper.« 
f. 1*. > So mache der Convent eine 
straklange venie< f. 6*. >vnd 
son (sollen) sich strecken an ir 
venie üf ein tuch< f. 62*. > dar- 
nach strecket sich der Convent 
an ein venien und sprichet 
kyrie eleysonU f. 60*. u. s. w. 
Mhd.Wb.III,208. Schmell. 1, 629. 

VERBEHALT KN , zurückbe- 
halten. 

VERBESZEN , VERBSZEN, 
VERBSSEN? Im Wilmatshofer 
Dorfrechte heiszt esz: >Item so 
sollen zugleich Pauren und Söldt- 
ner jeder 2 Schwein verbssen 
und verhürtlonen, er hab's gleich 
oder nit.« >Auch (soll) ein jedes 
Schwein, so 12 Wochen alt, jeder 
Zeit verbst und verhürtlonet 
werden.« a. a. 0. »Junge Kälber 
so umb Johanni auszgetriben, 
nit V e r b e s z t, sondern von jedem 
4 Pfennig Hirtenion geben wer- 
den.« a a. 0. 

VERBIETEN stv. entbieten. 
»Wann ein Fremder allhier frevelt, 
sol er verboten werden durch 
den Stadtvogt.« Ordng. von 1647. 

FERCHENMARKT, uralter Na- 
me für den heutigen Obstmarkt- 
plaz. >Auf demFerohenmarkt 



158 



Verdecken — Verschlagen* 



neben des Egenbergers Haa8.> 
S. 323^ >Den F. erweitert« a. 
a. 0. Zur Erklärung möge das 
im Stadtrechte öfter vorkomende 
Farch, Schwein, dienen. »Von 
einem varhe,< >von zwain chlai- 
nen ver ehern« u s. w. 

VERDECKEN partverdackt: 
>umb ain verdakt Pferd,« >um 
einen verdacktenOchsen< >ver- 
dackt Becher,« ungemein häu- 
fig bei Festschieszen , Verloszun- 
gen, u. s. w. Mundart 25^. 

FERDEL, Ferdinand. Riesz. 

VEREREN einen, beschenken. 
Allgemein. Bei ärztl. Untersuchun- 
gen vor Gericht musten die Wund- 
ärzte >von den Rauherem ver- 
ert werden. < Ordg. 1647. 

VERFALLEN, >e8z verfällt 
sich«, von Gilten und Abgaben, 
cgm. 154 f. 21» und oft. 

VERFASZT, sovil als g e f as z t. 
>Also was der Vetter auf diese 
Urteil nicht verfaszt.« S. 207. 
VERGATTERN , versameln. 
»Als die Pönyier vermist wurden 
und die Ritter zusamen vergat- 
tert und vermengt, brach Ale- 
xander < u. s. w. cgm. 581 f. 15*. 

VERGICHT in Kindern ist der 
»hinfall endSiechtumb.< cgm. 
601 f. 105^. 

VERGWANDEN swv. etwas 
heimlich bei Seite schaffen und 
verkaufen; in Oberschwab. d'Kaz 
vertragen. 

VERHANZELN swv. Kinder 
schlecht erziehen ausz Affenliebe. 

VERHEIEN swv. 1) zerstören, 
2) herabstimen, jemand, mis- 



stimen. »Und sind verheiter 
worden.« S. 402»' Sieh H. 

VERHÜTEN swv. Wache hal- 
ten, hüten hochd. »Den Kaiser 
V. Tiere v.< S. 417^. 

VERKNOTSCHEN swv. runz- 
licht machen, sonst vertun, ver- 
grippeln. 

VERKRUMMEN swv. ärgern: 
die Sache hat ihn »verkrummt<. 

VERLECHZGEN swv. ausz- 
trocknen in Folge groszer Son- 
nenhize, von hölzernen Gefaszen 
gebraucht. 

VERLEGEN swv. gemeinschaft- 
lich betreiben , Webersprache 
>Ein jeder junger Meister — solle 
5 ganzer Jare einen Stul selbsten 
und mit keinem Knappen v er- 
lege n.< Akt. 17. Jarhd. 

FERLEN swv. Junge werfen, 
von derSchweinsmutter gebraucht. 
<Am 29. August hat die 8järige 
Schweinsmutter geferlet und 
gebracht 5 Stuck. < »Hat die 
funQärige Schweinsmatter ge- 
ferlet.< Mickhaas. Rechnungen 
1683. Grimm Wb. HI, 1581. 
Ferlig, eine Homviehkrankhuit 
bezeichnend, fand ich in Konsen- 
berg — Constanzischen Akten v. 
1776. 

VERLIEREN stv. >Bdf ver- 
loren Buben.« S. 236. 

VERLÜFFERN swv.? »Beb 
Fanen verlüffern.« Web. Bechn. 

FERNDEN swv. femeln. 

VERPFAMMELN swv. eine 
Sache, die man tragen wiU, kanm 
mit den Armen umfangen konen. 

VERSCHLAGEN stv. 1) Pfea- 



Y6|*8chlioken — Feuer. 



15«^^ 



ningfe umprägen, falscliiuünzen, 
Stdtr. 2) sich verschlagen: »wann 
sich einer verschlägt oder 
sonsten Abschweif macht und 
aoeztritt , auf einen solchen soll 
man unter dem Tor befelch ge- 
ben.« Ordg. 1647. 

VERSCHLICKEN, verschlucken. 
Schm. m, 433. »Und ir vallent 
vil in die Gruben und werdent 
verschlicht von dem zeitigen 
Bracken < Himml. Braut. 

VERSCHMOCHEN und VER- 
SCHMAUCHEN swv. leicht ver- 
drieszlich werden. 
»Drum mue§t beileibig itt ver- 

haucha 
Esz tat in gwaltig gar arg ver- 
schmaucha.« Seh. 

VERSIZEN fitv. die bestimmte 
Z#t vorbeigen laszen. »Man sol 
auch wiszen, wann man esz v er- 
st z, daz man sin nit git, so ist 
der hof verfallen < Man. f. 4^ 
und Stdtr. 

VERSTOSZEN stv. >]:)a8z sie 
in allen Oertem, Mittel und Enden 
des Waldes auflugen und lusen- 
ten: ob sich jemand verstoszen 
oder verporgen hätt.»^ cgm. 581 
f, 125^. 

FERD, FE ARD, voriges Jar; 
niederschw. feand. 

VERTÜMPELN swv. trübe 
machen. 

VERWEGEN, swv. >Er musz 
sich selber haszen und vil Fröw- 
den verwegen.< Geistl. Braut. 
>Wir wellen den Stein hinwerfen, 
und wollen uns sein verwegen.< 
a. a. 0. 



VERWISCHETS, ein Fangspü 
der Kinder, anderwärts heisztesz 
Fangetlis tun. 

VESPER, blühende s. Anhang. 
Vesperle, Zeit des Vesperbrotes. 

FESTOCHS, sog. Hoffartsnarr. 

VETTEL komt in Augsb. Schrift- 
werken imer im Sinne von 
Zauberei oder Hurerei trei- 
benden Weibern vor. 

FEUCHTE ARBEIT bei den 
Webern: strafmäszige Tücher, an 
feuchte Orte gelegt oder in nasze 
Keller und Winkel. Spinner und 
Weber wurden nach Befund schwer 
gestraft. 

FEUER. l)»DasheiligFeuer 
ignis persicus genempt oder pruna 
wird in seiner gemeinen Bedeut- 
ung genomen für eine jetliche 
nagende blater, die ein ru- 
fenmacht, «cgm. 144f. 8. 2) Wil- 
des Feuer heiszt der Bliz: >da 
haben die Lutherischen geflucht u. 
gewinst, dasz das wilde Fewer 
darein schlag. < S. 560». 3) 
Himmel fuir heiszt das Sun- 
wendfeuer (Simetsfeuer) in Ox- 
senbrunnen und beim >H. v er- 
hupf a<: (über den brennenden 
Holzstosz) riefen die jungen Paare: 
Flix flax, 
Dasz mein Flax 
Ueber 4 Fla waxi 
Das Beten um Flachs ist allen 
schwäbischen , besonders ober- 
schwäb. Sun wendfeuern eigen: 
eine Tatsache, dasz die Flachs 
und Leincultur schon frühe hier 
betrieben ward. 4)VeitsFuirle 
ganz wie das Himelfuir und 



460 - 



Feaeijucka — Fili. 



nur oft anderer Name. Beim Ein- 
samein des Holzes rufen die 
Buben: 

Heiliger St. Veit, 
I bitt di um a Scheit, 
I bitt di um 'n Boscha, 
Unserm lieba Herrgott a Fuir 
aufgloscha ! 

Oder: 

Heiliger St. Veit, 

I bitt di um a Scheit 1 

Wenn mer koins geist 

Stil d'r a ganze Scheiterbeig 1 

FEÜERJÜCKA heiszt im All- 
gemeinen dieses Veits- oder 
Simetsfeuer begen. 

FEUERSTATT für Haus, all- 
gemein; daher »2 doppelt aufer- 
legte Feuerstattgulden« oder 
schlechthin Feuer gülden; we- 
gen des F., den die Markgraf- 
schaft Burgau in Gersthofen und 
Langwaid ansprach, gab esz Zwi- 
stigkeiten; der Feuergulden 
war eine alte städtische Abgabe. 
Vgl. V. 1545. Vergl. den Feuer- 
schilling in meinem Volkstfiml. 
I, 30, 36: Herdschilling. Grimm 
Wb. ni, 1586. 16. Inder Steuer- 
Ordg komt als städtischer Be- 
amter ein Oberfeuerherr vor, 
daneben Feuerdeputierte. 
Feuer mauer. Allgem. Im Har- 
ter Inv. wird ein Feuerhund 
genannt. Bei S. werden (S. 373^) 
auch >aufrierige Feuerstat- 
te n< angefurt und ire Zal 2464 
angegeben für die Bewoner 
diser Häuser. Fuierkluften 
8wf.= Feaenange-Biesz. Bed.A. 



»S. brennt wie klaors Fair,« 
ser hell. 

FmERLING-, FÜDERLING- 
SCHNITTER oder Hoptschnitter 
heiszen die im Accord Jauchert- 
weise den Bauern die Saat schnei- 
den, zum Unterschiede von den 
Taglönem. Stauden. In Fid er- 
lin g bauen, im Accord bauen, 
Augsb. Schmoll. I, 518. Darf vil- 
leicht an F u d e r erinnert werden : 
bestimtes Masz. 

VIERDUNG, Teil eines Pfan- 
des: »do wag diu semel mder- 
halb pfund und ainen vier- 
dunch,« »zwo pfund und einen 
vierduncb Semelbrots.« Stadtr. 
>3 pfundminnerainetY ier dang.« 
Beilage 15. Jarhd. Mhd. YTb.III, 
307^ Viertelmeister bei den 
Färbern in A. sieh Mais t er. 

VIERER: 1) in der Weber- 
sprache, eine gute Ali Barchanta, 
warsoheinlioh mh der Zal 4 als 
Stempel, ftnlich dem geblaichten 
und angeblaichten Drei er. »Ver- 
dig, heurig Dreier.« Weber- 
Rechng. 2) Die Gemeindever- 
steher der Landschaft emals; 
im Fischacher und Wilmatehofer 
Dorfrechte ist der Walmodoa so 
am weiszen Sonntage za geeobehen 
hatte, näher bestirnt. 

FIGGLEN swv. mit stumpfem 
Meszer vergebens etwas dnroki- 
schneiden wollen ; esz gehört wol 
zu ficken (SchmelLI, 619.), was 
allgemein schwäbisch reiben 
heiszt. Fickm&le, eine Sehald; 
Fickele oderFicke, daaselbe. 

FILZ in der Red.-A : »Wol 



FindeUdndet — fisch. 



m' 



einen subtilen Yerweisz und zar- 
tes Filzel liaben 2 hl. Engel in 
derHimmelfiBurt Christi den lieben 
Aposteln gegeben. < Homo S. 
(d. h: einen Yorwurf: warum 
stet ir dal) >Nach gegebenem 
JdeinenFilz, ihr Kleingläubige, 
WSS förchtet ir euchU a. a. 0. 

FINDELKINDER wurden zu 
St. Margaretha, St. Nikolaus, zur 
Horbruck, zum U. Geist-Hospital 
in Verpflegung gegeben. Dise 
»Samlungen« musten sich gegen 
bischöfliche Entschädigung zu 
Findelhausdiensten herbeilaszen. 
Vergleich v. 1551. St. Ulrich 
hatte durchaus kdi^e Verpflicht- 
ung, die häufig in den Maierhof, 
in die Gästen, in des Kanzlers 
Wonungen gelegten 'Kinder auf- 
zunemen. In A. gibt esz ein Fin- 
delgässchen. 

FINGER. Die Strafe des Fin- 
gernemensan Meineidigen und 
Fluchern kam im alten A. vor. 
>Dann wer füxfäzlich einen Mein- 
eid tut oder Eidesstatt anglobt 
und demselben nicht nachkombt, 
dem sollen die Finger genom- 
men und er der Statt verwisen 
werden.< Poliz. 0. 1553. Ein an- 
deres rechtsaltertümliches Ver- 
faren komt in den Akten vor. 
>Wan einer umbracht wird, dasz 
man den Täter nicht gleich fin- 
den oder zur Hand bringen kann, 
solle man einen Finger oder 
sunst ein Glied von dem Entleib- 
ten aufbehalten , zu einer Prob 
wan der Täter einkombt.« Ordg. 
1647. Der eilfte Finger, penis: 



»Markgraf Joachim hat das Fie- 
ber und war dazu am elften 
Finger krank.< S. 296*. 

FINSTER. >In der finstern 
Fredt«, siehG. In der finstern 
Stuben, eine alte A. Wirtschaft. 
In der Astr. t^S^. und öfter 
heiszt esz: »därumb (wegen des 
Sonnenglastes beim Schnee) so 
hatten die alten lütovinster, so 
sie lauszen wollten, < »dem die 
brüst we tut, der sol lauszen uff 
dem vinstern arme« f. 33*, 
d. h. am linken A. Dänisch .ist 
venstre = link. 

VINTÜSEN und VINTAÜSEN 
swv. schröpfen; allgem. in d. Ader- 
laszbüchern, französ. ventouser. 

FIRLE FERLE, Anfang eines 
Abzälspiles der Kinder. Esz ist 
sicherlich ein Anklang an den 
alten Tanz, der beginnt: firlei, 
firlefei stm. Mhd. Wb. III, 327. 

FIRMEREI, die, infirmaria, 
Krankenstube: >da wart gebawt 
die firm er ei von newem.< Frank 
83. Mhd. Wb.III, 327^Firmerie. 

FISCH. Die Fischer zunft mit 
iren Vorgeem war in A. von nicht 
geringer Bedeutung. Järlich an 
Weihnachten musten die Fisch- 
geschau er die Fische des Fisch- 
grabens, so in Kästen waren, 
besichtigen, mit Erlaubnis der 
Bürgermeister. Dem Fischgra- 
benwarddersog.Fischgraben- 
schlieszer beigegeben. Nach 
dem SOjärigen Kriege gab esz 
2 Fischmangmeister. Fisch- 
waid, Fischgerechtsame. Die 
Fi^chwaid zu Gersthofen, oder 
11 



162 



Visierep ^ Fleck. 



auch Fischbesuch genannt, 
komt in Vergleichen des 16. Jar- 
hunderts öfters vor. Nordisch 
veida auch = fischen. Esz gab 
in Augsburg einen Fischmarkt. 
In den Denkwürdigk. S. 29 stet: 
»Fort mit ihnen, dem Fisch- 
markt zu, — auf den Fisch- 
markt d. h. an den lichten Gal- 
genl< Beim Fischerwirt, eine 
alte Wirtschaft. Fischertör- 
lein, Fischergässlein, Fisch- 
grabenmüller, waren lauter 
bekante Pläze. Im Harter In- 
vent. erscheint ein Fischlöffel. 
Fischgrätlin in der Weber- 
sprache. > Welcher aber guetten 
grettischen Barchet wirken will, 
der mag den rechten Burschat- 
grat und Fischgrettlin wol 
würkhen: doch dasz die unter 
1200 Fäden nit haben, höher mag 
sie wol würkhen. < Weber Akt. 
1650. 

VISIERER, Eichter, ein stadti- 
sches Amt. Vergl. Mhd. Wb. HI, 
330^ Visierruten regelrecht 
zu machen, davon handelt cgm. 
740 f. 30 AT. Ztw. visieren. 

FISOLEN,Bohnen. Mindelheim. 
Fasolen anderwärts. 

FIZEN swv. und anfizen, in 
Burgau: mit einer Rute bestrei- 
chen wie da und dort in Schwa- 
ben Eander am Eindleinstag tun, 
dabei Nüsse, Kuchen oder Zelten 
betteln. Pfeffern, sieh Wb. z. 
Yolkst. hessisch >dutteln«, alt- 
bayerisch >kindeln<. 

FLACHS, der, in Flachstanz; 
im Kleiderbüühlein S. 53 wird 



von einem Schlitten gehandelt, 
an dem ein F. angebracht sei? 
Ob eine Malerei ? »Mö g e n's n e 1 1 
s'Fläxle reiben?« sagt die 
Flachsbrecherin und schüttelt dem 
vorübergenden Herrn des Trink- 
geldes wegen den Flachs, dasz' die 
Anglen abfallen, eine allgemein 
schwäbische Sitte, sonst Vor- 
'säen genannt. Das Flachs ro- 
sen in Ponnenbach zu Gersthofen 
komt als Gerechtsame vonAugs- 
burgem in älteren Vergleichen vor. 

FLAOEEN (flagge) swv. echt 
Augsb. sich faul hinlegen: >mü9- 
der! iez bi-n-i echoe so miod: i 
bf so fräe , wenn i h&9m komm, 
idzt flagg e me gleii mei nest.« 
Seh. sagt : der backsteinkas fl a g g t 
mier Überzwergs im mag9.< S.9. 
Von Orten: dao flagget Wald 
und Tufifahausa d.h. ligt,onealle 
Nebenbedeutung. 

FLAMMWAGEN, der, komt in 
Treibjagd-Beschreibungen häufig 
vor im Harter Bentenbuch und 
iuMickhauser Rechnungen y. 1687: 
>N. fürte den Flamm wagen 
zur Fürung der Flamme.« 

FLARGEN f. pl. starker Auss- 
wurf, Unrat. Fläm. obpflz. 

FLECK swm. »Baindt und 
angrige Flecken< Mickh. Rech- 
nung. Allgem. Strudelfleok, 
eine Art gefällter, gesottener Fla- 
den. Fleck Siedler, der Tier- 
Eingeweide zubereitet. Grrimm, 
Wb. in, 1746. »Narren seind also 
jene Soldaten, die stets beim 
Hasenwirt im Quartier ligen und 
welche der nächste beste Fleck* 



Fl«ii»oh — Flofls. 



1«8 



Siedler mnsz mit Herz yersehen, 
weiiigsteiis um S Kreuzer. < Gou- 
lin. Fleckledieb 1) sclierzhafb 
för Schneider 2) eine alte Augsb. 
Maske an der Fasnacht. DieEin- 
disr schrien ir zu: 

FkUadieb 

H&st d'Mädla Ueb! 
Ztw.h inzuflecken, hinzuflicken . 
»Dahat A. eine lange Bede ange- 
hept — darnach flecket An- 
tenor auch hinzu etc.« Troj.Krg. 
42^ Fleckens taub, eine Art 
Meltau. >Der F. kernt ange- 
flogen.i Augsb. Kai. 1747. 

FLEISCH, spr. flesch, echt 
altaugsb. Im Stadtrechte erscheint 
>Flaischmanger, Fleischhänd- 
ler< Glosse zu f. 12*. Schm. I, 
599. Flaischhäckel, a. a. 0. 
In der Mezg. 0. v. 1549 wird den 
Fleischt rage mein besonderer 
Paragraph gewidmet, der an- 
hebt: »Nachdem bisher durch die 
Fleischtrager — in der un- 
tern Mezg 3 und 3 Knecht, in 
der obem 1 und 2 Knecht — so 
alle Schiachtag das Fleisch tra- 
gen, etwas unsauber mit den 
Fleischtragern und iren Kit- 
teln umgangen , darausz diser 
Stadt vil Nachreden entstan- 
den sind« u. s. w. Im Wei- 
tem wird ire Tracht, Auffur- 
ung, Belonung näher bestimt. 
Schürze und Kappe sind beson- 
ders genannt. Fleischumgelt- 
amt, eine städtische Behörde. 
Auszer dem höchst wichtigen 
Amte der Fleischgeschauer 
gab esz die den auszwärtigen 



Mezgem verhaszten F16schka- 
z e n , untergeordnete städtische 
Beamte, welche aufzupaszen hat- 
ten, ob kein fremdes Fleisch ein- 
gefört werde. Bildlich komt 
Fleischbengel in Predigten u. 
in den ire Zeit gaiszlenden Ge- 
dichten und Betrachtungen neben 
Venuskinder vor, sobeiConlin 
und im Hom. S. 

FLIEDEL, der , Laszeisen, Ader- 
laszinstrument. >Man soll sich 
bewam dasz Niemand auf den 
Armen lasz, er würde darvon 
sterben, lam oder ungehörent: 
wann die Schlag mit dem Flie- 
del, die sind wider dieFluszder 
Frauen.< cgm. 016 f. 14^. >Diser 
Kopf soll gesazt sein an schYa- 
pfend Fliedel.« a. a. 0. Schm. 
I, 585. 

FLISPERN, flüstern. 

FLITSCH, mit gedentem i, zum 
ünterschide v. bayer. Flltschen, 
leichtfertiges Mädchen. Das Wort 
ist bayerisch. Ursprungs. 

FLITTERL. »Seid nicht so 
blind wie Fliegen, Mucken und 
Flitterl, welches närrisches 
Thierl mit Gewalt dem Liechi 
zufliget.< Homo S. 

FLOHEN, FLÖHNEN, >äg- 
flä9t,< abgeflohet, im Spil über- 
vorteilt. Wertachtal. >Und dem 
Kind soll man flöhnen.« cgm. 
601. f. 98», 

FLÖRLE, allgäuische Tracht, 
schmaler schwarzer Florstreifen, 
eine Art Halsbinde. 

FLOSZ, das, 1) das Flieszen, 
Flusz an^ Körper: >das Flosz 
11* 



164 



Flug — Voigöv, 



des hirnes« Astron, f. 37^ »Das 
FI08E der Augenc f. d8\ Der 
Voc. opt, 36, 33: lippitudo. 2) 
Flossmann, Stdtr. Flossstaig, 
eine berümte Stelle im Lecbf^lde 
in Urkunden, Vergleichen, Pfarr- 
orbarien der Strasz-Ortscbaften 
häufig erwänt. In Niederschwa- 
ben ist die Lantverschiebung noch 
nicht bei sz angelangt: Flaoz, 
Flaizer u. s. w, 

FLUG stm. fliegen, anflie- 
genstv, 1) »G^en den Ein fing 
der Yögel in die Kornböden.« 
Mickh. Bechgen. 2) Flugfener, 
oftFluckfener geschriben, komt 
vor furscintillae, mundartlich 
und in der Feuer 0. 1779. 8) 
Vom Gehölze : > so dass der H o 1 z- 
anfluch befördert wurde, so 
folglich wenigstens insolange und 
yill, bis dasz die angeflogene 
Boschen dem Yiehe ausz dem 
Maul gewachsen, < d. h. das Vieh 
kan durch Abfreszen nicht mer 
schaden. Klimmacher Pfarrbuch 
1784. »Mit feichten auch Tannen- 
holz angeflogen.« a.a.O. Grimm, 
Wb. I, 831. 

FLUTT£N, die, f. eine lockere 
lukse, dampfuudelartige Melspeise. 
In Elimmaoh werden sie vom b r i e- 
geten (gebrühten) Taige gemacht 
in 2 Pfannen abgeprägelt, yorher- 
get das Wargeln imMusmel. Da 
heiszen sie vorherrschend F lo tta- 
nudla. In Munderkingen, wie 
in den Stauden, sind sie eine be- 
liebte Speise. Auf dem Yorschlag- 
blatte des Augsb. Stadtr. stet 
»ain Sack fludan.« ? 



FOCHEZEN heiszen imAllgftu 
die weiszen Ereuzerbrote. Daher 
Yochezer oder Foohezer als 
Familienname. Mhd. Wb. HI, 357*. 
Schmell. I, 607 ff. 

VOGEL in Vögelspil, was 
ein Tausch- oder Ki|uft(pil ge- 
wesen ist, wol mit Singvögeln. 
Im Kleiderb, stet der jungeSchwarz 
mit einem Vogel in der Hand; 
dabei die Worte: >Hui Buebenl 
welcher kauft oder gibt ein? S. 
103. Vogelmauer in A- Vö- 
gele, ufmVögele.heiszt yoUdi- 
tümlich IzHshausen ob SigertS'- 
hofen. Vögel^bächle, Vö- 
gelehölzle, Fischacher Flur- 
namen. 2 BogenVQgel. Har- 
ter Inv. 

VOGLEB, cohcubinarius, Bueb. 
cguL 686 f. 63^ 

VÖLLIG, »sein völlig AH«r 
erreicW.< Web. Akt. Voll et, 
vollends, wie allet u. 8. w. 

FOBGHEL, die,Forelle.SchmeU. 
I, 560. »An Lätare sind hye die 
Forchlen der Statt vor dem Top 
im Graben all vergifft worden.« 
S. 550». 

VOBDEB, das, Vorrang beim 
Tanze. » Auf gemeiner Statt Tansr 
haus ward ein Tanz gehalten, bei 
welchem dem Bischoffe, als er 
das F Order hatte, 2 Heraoge 
aus Bayern erenthalben vortans- 
ten.< Gass. 

VOBDEBSAMST, praecipue, 
bevorab, in Akt. oft. 

VORGJfeEB, der, 1) Vorstand, 
Leiter, »unser lieber Herr Jeans 
ChriatuB macht Petrus su eintin 



FcM^^IgfU^ ^^ Fofrt. 



les 



t^IntoB nndVorgeer unter den 
12 Boten.« cgm. 259 f. 7^. >£in 
Briester wird genennt durch St. 
Panlnm ain Eünig, ein Begierer 
ti. Vofgeer des Volkes. > Augsb. 
KombolL 4^. 2) tn Augsb. hatte 
Jede Zunft ire Vorgeer, 2 oder 
4 u. 8. W., welche die Angelegen- 
heiten, Einlaufe, Auszfertignngen 
SU besorgen hatten. Heute noch 
tebt der Name für die Zunftobem 
' fort. Auch die Schulen hatten 
ire Vorgeer. Beisp. in Schrift- 
werken sind vom 16. Jarhd. ab 
zalreich. Auf einer Mezgerstuben» 
Tafel stet: 

Das erst Maisterstück hat gmacht 
Iii der neuen Mezg oft gedacht, 
Des Vorgehers Sohn wol erkannt 
Ist Abraham Burkart genannt. 

Ebendaselbst heiszt esz: > da- 
rin (in der Mezg. Zunftstube) 
die Vorgeher gar fein ruhig 
still ire Handwerkssachen 
machen.« >Doch mögen die 
erbam Vorgeher von Zünften 
ire Pott, Zusamenkünffc und Schenk 
altem Brauch nach doch be- 
scheidenlich halten < Der Stadt 
Beruf 1543 f. 3*. Gass.: Vor- 
gänger. 

FORGGUNG, ein Waszer-tJn- 
geheuer? Krokodil. >So finden 
wir doch nit Forggung, wan 
sy sind alle von dem Waszer ge- 
flohen. Do sprach der hl. Vater 
Helenus: gehab dich wol, lieber 
Vatter, ich gewinne uns gute 
Forggung. und do sy zu dem 
Waszer komen, d6 ruft der Vat- 
ter Helenus mit luter Stimme 



sinen Forggen ze band: und 
zehand d6 kam das üngehewer 
herausz üsz dem Waszer» Do ess 
erst seine Stimme verhört und 
nayget seinen Bücken.« cgm. 372 
f. 162. >D6 sprauch der hl. Vat- 
ter zu dem Krokodillen < a.a.O. 

FORM in den Ritualien: >sol 
sich der Gonvent strecken auf die 
Forme der Stul.< hs. 15. Jarhd. 
Vergl. Streckung. 

FORST. >Der rauhe Forst« 
von weitem Umfange mit seinem 
Hauptkeme zwischen Horgau, 
Aystetten und Adelsried, wo auch 
der uralte Forsthof ligt. Die 
umligenden 22 Gemeinden hatten 
gegen Forstzinsen den Wald 
im Pachte. 3 Fräulein Heilritter 
(Heilratinen, Herberg.) von Aystet- 
ten hatten armen Leuten den 
Wald geschenkt. Sie hieszen 
eingeförstete Leute und ire 
Forstzinsen oder ir Pachtgeld 
heiszt urkdl. Vorstmüet. Her- 
berger's Schwabmünchen. Der 
rauhe Forst von Biburg er- 
scheint urkdL Wichtig ist auch 
der Streitheimer Forst zwi- 
schen Rott u. Zusam. Streit- 
heim, Streitheimer Wald, 
-Forst komt in Schwaben häufig 
als Waldname vor. S t r e i t ist wie 
Hart allgem. = Wald. Nach dem 
SOjärig. Kriege erscheinen in A. 2 
F r s t h er r en, d. h. Aufseher über 
die Stadt. Waldungen. In einem 
Vergleiche v. 1609 erscheint so- 
gar Bischof Heinrich als Forst- 
herr (Jagdinhaber). Forsthaber 
ein vogteiL Gefall in Ulm. 



166 



Fortnne ■— > FreihochMten. 



FORTUNE, die. »Aber auf 
dem Waszer soll man nit Messe 
lesen, von deswegen, dasz die 
Fortunen dei Wasszers machen 
das Scliiffbewegen.< Augsb.Messb. 
1484 f. 2\ 

VORZEICHEN, das, atrium. 
Stauden. Schmell I, 635. 

FRANZOSEN, die bekante 
Krankheit von den Augsb. Chro- 
niken imer erwänt. Statt der 
vilen Stellen einige auf Augsb. 
sich beziehende. »Hye band sie 
auch gebauwen 2 Häuser far die 
armen Kranken an Franzo- 
sen.< S. 377^ >A. dom. 1493 ist 
die Plag der Fr. hye aufgestan- 
den. < 261^ >A. 1495 kham gen 
Augsburg ein unbekhannte Krank- 
heit hiesz man die Platem oder 
Franzosen.< Horm. 1834 S. 
148. Die Formen :>MalfranzoB, 
Maylfranzos, Bösfranzos 
oder wilde Warzen im cgm. 731 
f. 170. Maister Jos^Grünspeckh 
von Burghausen hat a. 1496 eine 
Abhandlung über. den Male- 
f ranz OS an den Rat zu Augs- 
burg eingeschickt, a. a. 0. f. 220. 

FRASZ, VRASZE, VRAÜSZE, 
gulae, hiesz ein altes Adelsge- 
schlecht von Wolfsberg bei Steine- 
kirch, seit dem 12. Jarhundert so 
genannt. 

FRATT adj. wund, aufgeriben. 
>Da ward er gar haisz weinen, 
dasz im die Zeher gedurkelt 
hatten seine Wang, dasz sie im 
fratt wurden» < cgm. 361 f. P. 
> Wenn aber Kind f r ä d sein oder 
werden von Harn und Swaisz *- 



so halt man's tmoken.« cgm. 601 
f.ll2\ Frettig, >2lö8chte8 wead 
der wiat a fröttigs glidU 
Seh. 71. 

FRAÜLEIN, FARENDE, Hu- 
ren. »Er (der Henker) sol auok 
aller varndenFraeulin phlae- 
gen, unde swaz den bürgern an 
den gebristet daz sol er richten.« 
Stdtr. f. 22V »Er sol auch ellin 
varnden Fr eulin ^ der Stat 
triben, daz si tages oder nahtes 
keine bösheit in der stat tun mit 
unchüsche, niwan daz si ir lip- 
nar därinne kauffen.< ä. a. 0. 

FREI in folgendem Zusamen- 
hange (landschaftlich): >und wenn 
i hoikom hau-n-i düst und frei 
'n gsunda abbadith.» Soh. >Noi, 
noi, desz will i frei it hau.« Seh. 

FREIEN swv. für Freibank er- 
klären. >Item die lehnbare Mez-. 
gerbank gefreiet und gemeiner 
Stat für eigen überlaszen wor- 
den.< Akt. 1602. 

FREIHEIT, allgem. in Augsb. 
Drucken und hs. far Vagabun- 
den. Freiheits gesellen Uefiea 
in die Wette um ein Barchetstuok. 
Horm. 1834. 143. Freiheita- 
knaben, Freihirten häufig. 
In Augsb. ward auch das lied 
vom Freihet gedruckt s. An- 
fang des XVI. Jarhds., dessen 
Inhalt bekanüich Gegenitnnd 
eines Fasnachtstuckes ist. 

FREIHOCHZEITEN in der Pol. 
0. 1735 S.21: »Und weilen anoh 
bishero ein sonderbarer Misbraooh 
mit denen Freihochaeiten ein* 
gerissen, und hierin imer einfla 



Franng — FreiMi. 



167 



dfts «ödere übertreffen woUen, 
dadureh sich dann junge angende 
Eeleate alsbald in Sdiolden stecken 
und hemachmalen den Wirt in 
langer Zeit nicht bezalen können, 
ak werden den von derGemeind 
erster Class oder dem dritten 
Stand zwar endlich noch die 
Wein- und Freihochzeiten 
▼oratattet, den andern aber gänz- 
lich abgeschafft.« 

FREIUNG , locus asyli in A. 
anszgedent. »Daz closter von St. 
Ulriche hat daz reht, swaz ein 
man tut, der dar geflohen ku- 
met, so sol er fride haben vnde 
h&t daz closter in gewalt ze be- 
haltenne dritage.< Stdtr . > S wer 
in ein ieglidie Kirchen gevlohen 
kumet, umbe swelhe schulde daz 
ist, der hat fride därinne.i — 
>Ein ieglich biderber man hie ze 
Auspurch hat daz reht, ez sin 
Chorherren, dienstmann oder bur- 
gaer, swelh man in ir hüs ge- 
flohen kumt, daz si dem raten 
und helfen< u. s. w. Die Frei- 
ungen in den Höfen des Bi- 
schofes und der Eapitelsherm 
komen urkdl. oft vor. > Abt G o s z- 
win von Thierheim hatd. 23. 
Weinmonats seine Kirche und 
Stift von der Gewalt und Juris- 
diktion aller Amptleüte in der 
Stadt, sonderlich des Stadtvogts 
und Burgermeisters und der Ge- 
richtsboten, wie auch der Waibel 
abgelöset undbefreyet, da- 
rüber im a. 1267 ein versigelt 
Brief zugestellt worden, daher 
auch die Freyung im selbem 



Kloster iren ersten Ursprg. 
hat; Dietritih v. Both, sein 
Nachfolger ist der 1. gewesen, 
so die Uebelthater im Klostei^ als 
in einer Befreyung aufgehalten, 
nit lenger dann 3 Tag.< Gass. 
>Diu münze hat auch daz reht, 
swelh man entrinnet in die münze 
oder vnder daz Dach vor der 
münze — der sol fride da hän.« 
Stadtrecht. 

FBESZ - in Zusamensezungen: 
Freszglocke, Mittagsstunde, 
pöbelhaft. Freszgoreu.Fresz- 
wolf, Vilfrasz. Freszgütlein. 
>Andere hatten Schlöszer und 
Lusthäuser auf dem Lande. Lez- 
tere, die meistens nur das Recht 
der Sölden oder Höfe hatten und 
dergleichen man in Göggingen, 
Inuningen, Bobingen und vilen 
andern Dörfern findet, die nichts 
eintrugen, auf welchen esz aber 
oft lustig genug zugieng, nannte 
man Freszgütlen; sie haben 
iren Ursprung meistens in diesen 
Zeiten. < 16. Jarhd. Paul v. Stetten 
ErLS.111. Conlinhatdas Wortspil: 
»Soldaten, die lieber zu Fresz- 
burg als Preszburg in Garni- 
son ligen, verdienen nichts. < 

FRETTER, FRÖTTER in der 
Augsb. und Burg. Weber 0. die 
zwar gelernten aber des Hand- 
werks doch unfähigen Weber, auch 
Jesus mar tyr er genannt. Die 
Burg. Weber 0. hat: >e8z sollen 
auch allhier alle Stimpler und 
F r ö 1 1 e r bei dem Handwerk gänz- 
lich abgeschafft sein.« 

FREZENswv. neben Verfre- 



i6d 



Fremdenfeu^i' r-* Frid^nsfest. 



zen:^.zxir Fütterung verwenden. 
>So ist mit 3 alten Schwanen 
andb '. den Jungen — dises Jar 

V • :f f r e z t worden. < Mickh . Rech- 
nungen. 16. ÖTarh. »Mit den Bossen 

V e r f r e z e n. < a. a. 0. >Ueber Mit- 
tag gefrezt« a.a.O. Im Mem- 
minger Stadtr. heiszt f retten 
swv. Vieh ausztreiben. 

FEEÜDENFEUER in A. üb- 
lich. S. 511». >An St. Gilgentag 
haben die Fürsten auf dem Frohn- 
hof ain F reudenfeuer gemacht 
und sie selb darinn getanzet. < 
S. 526. Esz erinnert disz an die 
Simentsfeuer oder Sunwendfeuer. 
Grimm Wb. IV. 1417. Freuden- 
schüsze bei Hochzeiten und 
Taufen sind allgemein schwäbisch 
üblich. Das'JMemminger Stadtrecht 
verbietet die Freud enschüsze 
bei Hochzeiten. 

FREUNDSCHAFT wie allgem. 
oberdeutsch: Blutsverwandtschaft. 
S. gebraucht das Wort unzälige- 
mal. Kind und Fraindschaft, 
Vater und Freundschaft. Das 
Adject. freundhold = comis, 
benignus, humanus. cgm. 201 f. 
56* : >und ward nicht gesprochen 
fründhold, sunder grob und 
bewrisch.< f. 57*: Sunder daz 
sie sin fründhold und warhaft 
und ofifenbar.< Grimm Wb. IV, 185. 
• FRICHT, das, (i) sing, neben 
dem ser üblichen diminitivum: 
das Frichtle. >'s Fricht< 
ntr. >'s Fricht ausz den Zä- 
nen,« >ausz den Augen< u. s. 
w. >Ma möcht ja falla schier 
ins Fricht.< Seh. Allgem. im 



Wertachtal bis vUn {f«g^ dM 
obere Donautal. Esz bedeutet die 
Fraisen und komt im Beeirke 
Schwabmünchen als amtlicher 
Auszdruck vor. leh halte ess ta den 
beiden Wurzeln frih n. fris, ^ 
urspr. zucken, KOsamei^aren be- 
deuten. 

FRID6ERG , die bayerische 
Stadt bei Augsburg, spilt in As. 
Geschichte eine grosse ^Rolle. Das 
Fridb erger Tuch hätte stück- 
weise 24 Ellen, cgm. 740 f. 13. 
Die Fridberger Pflegsgejaid- 
ten erscheinen in Akt. v. 1672. 
In volktümlichen Reimen komt 
das Fridberger Schlosz vor. Sieh 
WaszervogeL 

FRIDBOT, der, mandatum pa- 
cis. >Wann zwaien oder merem 
von Obrigkeit wegen ein Friden 
geschafft wird, wegen strittiger 
Sachen, sollte unter ihnen ver- 
tragen werden, so hört derFrid- 
bote auf, esz sei denn dasz der 
Fridboth in den Vertrag ein- 
verleibt werde. < Ordg. 1647. 

FRIDENSFEST, Kinderfri- 
densfest, ein Hauptfesttag des 
Jares für die ganze protestan* 
tische Schuljugend in A. Am 
16. Aug. zur Erinnerung an den 
westphälischen Friden. P.v.Stet- 
ten, Erl. >An dem Tage, da die 
evangelischen Kinder — das Q-e- 
dächtnis deswestphälischen 
Friden 8 feierten.« Dem voran- 
ging am 8. August das grosse 
FridensfestzurErinnernng an 
die Wiedererö£&iung der prote- 
stantischen Schulen. Die Kinder 



rVoÄ"^ Früti|f. 



169 



«füllten neae Eloider uni maclien 
iD8ge9ämt mit Lcnrem und Eltern 
kldne AwssAuge. Das Jär einmal: 
Daft Fridensf e st wäre nicht be- 
gangen 
Wenn nicht ein Hünlein nach Ver- 
langen 
An dilem Tage wird verzert. 
Auch pflegt man jezt mit Schmalz* 

brezgen 
DesJars einmal sich zu ergözen. 
Da sucht man ausz das allerbest 
Zumal ämEinderfriedensfejst 
Dasz man den Kindern macht ein 
Freud. 
FRON begegnete mir in folgen- 
den Zusamensezungen: Fron- 
bote, ein bischöfl. Botenamt: 
»soverr er aber durch den Fron- 
pöten persönlich nicht betreten, 
soll eine soilich fürpott zu sei- 
ner gewondlichen Behausung ge- 
8chehen.€ Bischöfl. Straf 0. 1^. 
Bekant ist der alte Fronhof 
auf der Pfalz, Tumelplaz bei Bür- 
gerfesten, Märkten, Fürstenspilen. 
Die von Augsburg durften , ob- 
wol der F. Eigentum der Bischöfe, 
ir Volk darauf yersameln, tur- 
nieren, stechen oder andere ziem- 
liche Kurzweil treiben. Nach 
einem Vergleich von 1456. Der 
F.* hiesz auch schlechthin der 
Herrenhof. Frontage heiszen 
die Festtage in asket. Schriften 
ausz den Augsburg. Druckereien: 
»Das ist als vil gesprochen, wer 
aufwachet zu meinen Frontagen 
und eret meine hl. emphahung.« 
Die 7 Pforten. Fronwald, Her- 
renwald, Herrschafts wald: »in den 



Fronwäldern soH mai\. die 
hirsche suchen. < cgiA. 289 t löd^. 
Fronwismäder in dör tUli- 
ringer Flur. Ueber solche Oi^ 
benennungen sieh K^ein, Sam- 
lung. 13*. 

FROSCH mitgedentem ü; sieh 
0. Bei Klimmach und Birkach ist 
derFroschbach s.g. wegensei- 
ner Unzal von Fröschen , welche 
die Schwabecker fangen. Daher 
Frosolibacher Feld. Frosch- 
bacher Aeckeru. s. w. Frosch- 
lache eine uralte Wirtschaft, 
emals bei St. Ulrich gelegen und 
bei Wallfarem und Augsb. Kir- 
chenbesuchern ser beliebt. Jezt ist 
sie in der Wintergasse. Fr ö sch- 
iin heiszt im Feuerbuche cgm. 
356 f. 173* ein Belagerungsgerüst. 
Frosch nennt man den Sattel- 
bogen bei der Violine. Red. A. 
in der Burgauer Gegend: >Der 
Frosch häts a maol probiert 
und ist mit samt da Hosa ins 
Wasser gsprungai zu einem ge- 
sagt, der den Mut nicht hat etwas 
schnell auszzufüren. 

FRÜNÖRTEN, gentaculum. >f. 
eszen.i cgm. 685 f- 71*. 

FRUT, FRÜOT adj. gesund, 
wacker, sQhön: >d6 sprach hin- 
wider ir tochter frut,« cgm. 402 
f. 71*. Mhd. Wb. m, 389. 

FRÜTIG, acer, strenuus, emsig. 
>Ich hett mich das zu dir nit 
versechen, dasz du als f rutig 
werest, du ein Nacht zwai ver- 
mechtest,« sagt die Frau zu irem 
Manne , nachdem er einen aben- 



170 



Fuclis — Fürerin. 



teaerlichen Beischlaf gehabt. S. 
316.Vrgl. Mhd. Wb. lü, 390. 

FUCHS, ein Pelzwerk vom 
Fuchse: > Seiden grobgriener 
Jangger mit Erbl und mit Fuchs 
gefuetert.< < Seiden, Tobinener 
Ueberrock mit Erbel und 3 Sa- 
metinstrichen prambt und mit 
weis s emF u ch sgefietert «Fugg. 
Inv. In A. gab esz einen Fuchs- 
winkel. Fuchsbrett: »laszt 
uns diesen Habemarren nochmer 
transchieren und über das F u c hs- 
brett ziehen, beschauen was jme 
koste die Dienstbarkeit der Welt.< 
H. S. Fuchsschweif. >So 
lange der Musikant, der Prediger 
auf der Kanzel in 6 moUi singt, 
so lang er nur die Oren kizelt, 
das parebo domino singet, nicht 
eingreifPet, sondern den Fuchs- 
schweiff brauchet: ach das ist 
eine liebliche Musik !< H. S. 

>Blasz gefuxter Ballach.« 
Hart. Inv. (fuchsfarbig). 

FÜCHTIG adj. nicht guter Laune, 
wol von Bayern eingebürgert: 
»warum bi§t denn so fuchtig 
woara?« Seh. 

FUDER im Augsb. Stdtr. >Von 
jeglichem fueder salz es einen 
phennich.< f 6^ >f ueder wins<. 
a. a. 0. >frenkisch fuder.< f. 
16*. »von dem welschen fue- 
der.« f.. 17». 

FÜEGEN, sich, swv. >Wann es 
ihnen gefüegte, wann es inen 
fuegt.< ürkdL 

FÜGGER. Red.A. »esz machen 
wie 's Fuggers Hund.« Sohmell. 
I, 516. 



FÜGGEBN 0wy. tansohen mit 
kleinen Gegenständen wie Eindar 
tun; ganz Wirtemb. HausL I, 329. 
'Im Aargau bedeutet esz stelen; 
Fugger, Eaufinann, Betrüger. 
Die Fuggerei, das Fngger- 
gässle in A. 

FÜLLUNG in der A- Baa 0. 
häufig: auch nhd. >SatBlöober, 
Pfeiler,Bögen,Füllungen,Wand- 
kästlen.« 

FÜLLWEIN: >und uff ain je- 
des Fasz 2 Masz Filwein ab- 
zogen.« cgm< 95 f. 1*^. 

FÜRBRECHEN stv. erumpere. 
»Sobald die Papisten obgedaoh- 
tes kaiserliche Auszschreiben zu 
Händen gebracht, ist der Eifer 
bei jnen dermaszen alspald für- 
gebrochen.< Dr. G. Müller. 

FÜRBINDIG, praecipue. >Die 
Spanier sind auch für bündig 
gut Schützen mit langen Rap- 
pieren.< Elucid. 1543. 

FÜREN swv. sättigen, >'8f ur et«, 
sättigt, besonders von guten, fet- 
ten Speisen gebraucht. »Wann 
wer sein Knecht zärtlich füret, 
der macht ihn ungehorsam.« cgm. 
402 f.93^ fuerig adj. sättigen^. 

FÜRERIN. Esz gab in A. 8 
Hebammenklassen, 1) die vier 
Lernenden, 2) die 9 besoldeten ge» 
schworenenHebammen, 3) dieiFft* 
rerinnen, wozuausz vorgeo&el- 
deter 2. Klasse die geschicktesten 
und erfarensten von den Herren 
Doktoren und Obfrauen dem 
löblichen Bauamt zur Anname 
nach Gittbefinden vorgeschlagen 
wurden: 2 katholische und 2 



Für&ng •— Fort 



171 



pKOtettaatisohe. Bei inen prak- 
üarten die Lernenden. Die 
ilteste Furerin im Amte be- 
■Qirgte die einlaufenden Geschäfte. 
Angsb. Hebamm. 0. 1750. K ö n i g- 
fftrer rieh K 

FÜBFANG,praeoccupatio. >Von 
ainer Jeden Person, über welche 
man öffentlich Malefiz tut halten, 
mnsz der Kläger zum Für gang 
oder Für fang dem Reichsvogt 
geben 10 Taler. < Ordnungen v. 
1647. Das Stdtr. f. 36». »ünde 
müt auch wizzen waz der Für- 
' V an ch ist an iegüchem' vihe : von 
dem rosse drizzig phenningei 
n. e. w. »Wer aber ob daz selb 
unrecht vertig guot in disem ge- 
richt ieman mer verbieten weit, 
der mag das voltuon, ob ezdem 
ainen klägel nsz gieng, daz es 
denn dem andern behaft sie ze 
berechten t, vnd der jeglicher sol 
den für gang vergewissen, alz 
mäniger der ist vnd in der wise, 
alz vor geschriben stat.« Mem- 
minger Stdtr. S. 250, 251. Vrgl. 
Schmid 210 der noch 2 and. St. 
des Bachs anfart. »Es ist auch 
recht, wer schädlich lüt hie facht 
oder her jn das gericht antwürt, 
der sol auch den Für fang ver- 
gewissen mit Mannen zwaintzig 
pfund haller.« a. a. S. 252. 

Gen. furvanges. f.86». Stdtr. 

FÜRFANE, Flitterstat. 

FÜBGEN, den ersten Ausz- 
gang nach dem Wochenbette 
machen; ich erinnere an das nie- 
dttrschwäbische fürerkomma, 



schwanger werden von ledigen 
Weibspersonen. 

FÜRGÄNG, praecipnus. ^Der 
in dem Goldschmid und Maler- 
werke fast für gang and künst- 
lich ist.« Brief Peatingers 1609. 
PabL des h. V. 15. 16. S. 51. 
Anmrkg. 7. 

FÜRGNEST, fürnischig adj. 
vorwizig, f ir n i e s c h in den Stan- 
den. >Du bift na seil so vür- 
gneast gwea.« Seh. <Dennlueg, 
siesind garvürg^eascht dunt.< 
Seh. >Aber sein unnütze fürni- 
sch e stolze Hoffnung hat in ver- 
fiert.< Publ. d. bist. V. 13. 14. 
S. 49. bair: fürgneiszt 

FÜRPASZEN swv. auflauem: 
> weilen er, Hans Widmann, für- 
g e b a 8 z t und geschlagen. < Mickh. 
Strafbch. 18 Jh. 
FÜRSAMB , Harter Fluchname. 
FÜRSPANGEN, Frauenschmuck. 
Häuüg in A. Urkdn. >Seneka, 
spricht er, hab erkant einen weisen 
gelerten Mann, der mit fleisziger 
Lieb also gefangen was, dasz er 
an seiner Brust hieng einer Frauen 
Fürspangen.< cgm. 601 f. 6*. 

FÜRSTÜMPF adj. vorne stumpf, 
gebogen. > Schlugen im ein f ur- 
stumpf en nagel durch die band, 
der was vast dick.< cgm. 138 f. 
124*. Die bayer. Godd. haben da- 
für imer pulwächsin. 

FURT hat sich in Schwaben 
noch da und dort erhalten. In 
der Wilmatshofer Dorf 0. komt 
eine Granizfurt vor. Im Gilt- 
buche V. St. ükich f 48»: eine 
Wagenfurt und Fiachwaszer 



172 



FürtTäehtig — 0. 



Auflzepaugsb. ist Dietfurt bei 
Sigmar. Ottenfurtin der Baar; 
Nekarfurt bei Boihingen; im 
Furt neben Furtgraben bei 
Waldsee; L an genfurter, Wolf- 
egger Wald. 

FÜRTRÄCHTIG adj. ? bedacht. 
>Und darin soll die Besecherin 
fürtächtg sein, den Kindern zu 
reichen, was jme Not ist und zu 
benennen, was sie betrübt. < cgm. 
601 f. 98». 

FÜRTÜCHER, leinwatene, oft 
in d. Fugg. Inv. 

FÜSZ in Weidenfusz, ein 
Masz sieh W, >Mit dem Fuesz 



8toszen,€ eine feohiiftHertftni- 
liehe Sitte in A. Ein vometner 
Augsburger hat bei Einname 
der Burgersteuer Gheld unterBöfala- 
gen und Gass. erw&nt, da» er 
am £ck des Perlaoher Plazes Mi 
bei Fackelschein hingerichtet tror- 
den neben dem durchlöcher- 
ten Block, wo die armea Sün- 
der einstens verwaret wurden und 
wo heutiges Tages ade allein 
mit dem Fusz hinstoBzen 
müszen. 

FÜTTERN swv. »DenRörkasten 
am Brunnen ausfüttern.«^ Mick- 
haus. Rechgen. 1567. 



G 



1) Gotisches G ist schwäbisch 
wieder G. Im Anlaute: gaggs: 
Gang, gib an: geben, giutan: 
gieszen, gultheins: guldig, gol- 
dig. Im Inlaute : m a g a n : mögen, 
amare, ligan: ligen, augo- 
na: Auga. Im Auszlaute: vig: 
Weag, veg: W&g,Waog, gurges, 
dags: Dag Aber hier musz 
man bemerken, dasz dise ausz- 
lautenden G, wenn sie gleich 
harter auszgesprochen werden, 
als im Bayerischen und Ober- 
pfälzischen, stets Yon einemHauche 
begleitet sind imd damit gleich 
gh werden; einem feinen Ore 
wird nicht entgen, dasz Dag, 
Fraog (fr&g), Drog u. s.w. hin- 



ter dem g noch einen leisen Hauch 
vememen laszen. Esz scheint, in 
dem Volke ligt noch eine^Annng, 
dasz einst das Wort mit dem g 
noch nicht zu Ende war. Sowie 
aber ein Zusaz hinzukomt, und 
esz inlautend macht , wird . aas 
wieder zu einem g, wie fraoga, 
daga (elucescere),Drögleu.8.w.. 

Ueber die in Schwaben ver- 
schiedene Auszprache dee Wortit 
Gunkel: Kunkel; Gamillen: Ka- 
millen; Golschen: Kölsch u.B.w. 
und änliche fremde Wörter, in 
deren Schreibung schon frühe g 
erscheint, sieh E. Weinhold 
Gramm. § 211. 

2) Augsburgische De 



G. 



178 



g für j im Anlaute: Gen- 
ner: Jinner. Cgm. 480 f. 1. cgm. 
786 l 5* und andere. Das Volk 
Ifßnt ^isz nicht mer. In der Ober- 
pfalz ist anlautendes j imer g. 
£«x wäre sanderbar, wenn got. 
j mer zu g sich geneigt hätte, 
Ifrarend heute der Gaumenlaut 
g in manchen Mundarten zu j 
wird. Hieher gehört, dasz in vilen 
Wörtern, wo inlautend got. tj 
Stande, z gerscheint, sei esz dasz 
-atj oder -itj oder -utj zu 
Grunde ligt: verlechzgen (fla- 
ha^an), verhizgen (fhitjan), 
blizgen(tblitjan)Sb8t.Blizger, 
jnzgen(tjuhatjan),wieächzgen 
zu ahatjan; subst. Aechzger. 
Daran reihen sich Wörter mit g 
deaen kein j zu Grunde ligt, fer- 
ner Verba, die sich villeicht auf 
ableitendes -igon zurückführen 
laszen; endlich solche in denen 
oh vor z als g hinter z auftritt 
und zulezt gar ganz unberech- 
tigte g hinter z, s, st, seh. £ei- 
spile: saifzga, swv. seufzen; 
Saifzger. Gorzga,gorgsen, yo- 
mere vom Naturlaut. Bluzger 
8ieh B. P f ü z g a, pfuchzen ; p f ü z- 
ger, Schrai; Brezge sieh B. 
Lezg und Leczg von lectio. 
Mezger neb.Megser;schmaz- 
gen, Schmazger laut küszen; 
beffzgen, Beffzgerle, bellen, 
Beller, von kl. Hunden, kraunz- 
g a, y. gefrorenen Schnee ; L e f z g e 
(lebse urkdl.) Lippe. Wefzge, 
Wespen; Stefzg, Stift, Bleistift, 
in der Confirm. Eempt. komt ein 
Flum. >im Stuiffzgen« vor. 



Ganzger, Gänserich (Weissen- 
hom) und Gagzer (Burgau) in 
Rottenb. Gänzger, wenn nicht 
g organisch und zu ger stet wie 
in Breyger u. s. w. Hieran 
reihet sich g nach seh , st , s : 
gloschgen, glosten, Wetsch- 
gersiehW. pflatschgen, pfat- 
schen, pflatschen ;hinterfürsch- 
ge, oderhinterschgefür: hin- 
ter für sich. Binsgen, Binsen. 
Strasze. Riesz. Allgem. Vrgl. Wein- 
hold, Gramm. § 260. 

Uebergang des j in g im In- 
und Auszlaute ist schwäbisch- 
augsburgischen Denkmälern yil- 
fach eigen; allgemein wird das 
Gesez gegen die Alamannische 
Gränze hin. Vigilg (vigilia, V. 
singen). S. 182^ Gilg, St. franz. 
Gilles, Egydius; Lilg, Lilie; rp- 
ter Gilg, gelber Gilg, weiszer 
Gilg, heraldisch, cgm. 92. St. 
Otilgenaltar, cgm. 480. St. 
Ottilg ist mundartlich überall 
üblich. Aquilegien bei Gass. 
kniegeln, knien. Oft erscheint 
beides, i und g: Leigen, Laige, 
Laie, Maige, Maigenanken 
sieh A. Wichtiger ist die Er- 
scheinung des g für i in den Verb. 
8aian,serere, f naian, f draian 
u. s. w. Garten sogen cgm. 736 
f. 7^ negen f. 9^ >übernegt 
mit rutten.« cgm. 436 f. 55». s i g e 
sei, dregen, drehen in den We- 
berakten. Auch nicht einmal nach 
langen Vocalen wie imMhd. hält 
sichj, sondern get zu«g über. 
Mhd. bruej en, aqua fervida pro- 
fundere heiszt brüegen, brüeg- 



174 



G. 



ter Daig. Ich erinnere an das 
niederschw. Briegs, abgebrühtes 
kleines Viehfutter, statt : B r ü h e ts . 
Brüge, tegung, Brühe, Daü- 
ung. Astr. >Belial schrygt dem 
Salomo zu.« cgm. 345 f. 630. 
>schirga fuir auf. < Füszen. Vgl. 
Rumpelt, Gramm. § 138. S. 268. 

3) Umgekert wird g zu i und 
disz ser häufig: Maid, Maidle, 
niederschwäb. Madie, ausz Ma- 
gedle? Daneben komt freilich 
landschaftlich Eindsmaddh vor. 
Maidburg, allgem. und in dem 
Augsb. cgm. 736 f. 71». Gejaid, 
's wild Gejaid< allgem. in den 
Stauden. Urkdl. bei S. Gejaid 
462. Gejaider 1670. Pflegs- 
gejaider sieh s. v. Fridberg. 
>Traid u. Korn«. S. 117». Wenn 
man umgekert nicht lieber an- 
nemen will , dasz , wie oft , auch 
hier g einfach auszgestoszen ward 

^ oder dasz ai gar schon ursprüng- 
lich in der Volkssprache vorhan- 
den gewesen sein mag neben dem 
schriftlichen -agi, -egi. Vergl. 
mein Wbl. 32. 2. Gramm. I, 3. 107. 
Rumpelt 262. 2. Schleicher, Sprache 
158. Hahn, mhd. Gramm. 37. 
Schmell. Gramm. § 470. 

4) Ebenfalls einen Auszfall des 
in- und auszlautenden g haben 
wir im Schwäbisch-Augsb. , dem 
schon Beispile im Mhd. vorausz- 
gen. Bei Tag tritt dise Erschein- 
img am häufigsten auf; schon 
mhd. tälang. GallatS (St. Gal- 
lustag) sorgada (g), trS (gen), 
t r ö t (trägt) Seh.; s c h 1 ö t (schlägt), 
glea(ga), »imDreckdinnglea.« 



Seh. gnu5 (g) U.S.W. In Nieder» 
Schwaben unbekant. Bayern wird 
wol nicht one Einflosz auf die 
Westlechleute hierin geblieben 
sein. Die alten Formen Z wl, Zwei 
(Zweig) haben sich in Augsburg. 
Schriften erhalten: >grfines zwei« 
cgm. 601 f. 9l\ >ain «wje von 
dem bom«. cgm. 2fi7£ ftT^ 9«ltpeii 
daz zwye zu afnen bdpten.« 
a. a. 0. >er stackt daz zwye in 
daz grab.« a. a. 0. ölzwye f. 
92^. Uralter Auszfall des g in 
Auspurg »disiustat Anspnrg«, 
>phund Auspurger« im Stdtr. 
und Manuale 1318 öfter. Aere- 
sing, Eresing heiszt nrkondl. 
Argesingen , Ergisingen. 
Schmarenzell urkdl. Schmegin- 
celle, Schmergincelle. Hei- 
renbuch :Heigirnbuch. Hbnsal : 
Honsolgen 1310. Predien, 
morne, mornens mit ansz- 
gestoszenem g. Vrgl. Wisinhold 
§ 212. Schmell. Gramm. § 478. 
479. 

5) Berechtigtes (altes) g hat 
sich im Augsb. Schwäbischen er* 
halten in Schweglpfeifer, nie- 
derschwb. Schweabelpfeifer; 
in Schwigbogen in A. «onit 
Seh wibb gen^jasogarSchmid- 
bogen S. 283r Schmell. in, 52S. 
Roigel, Raygel cgm. 812, hat 
sein g noch; esz musz einem al- 
ten Raigari entsprechen; wire 
urspr. h, wie die nhd. Schreib* 
weise vermuten liesze, da gewe- 
sen, 80 lautete das Wort jest 
schwäbisch Augsburgisöh R<§gel 
(Strasze), Re ag erstanden), Bai- 



G — GibiBoh. 



176 



gel niedenchw&b., wo esz aber 
B&9gel heiszt. Ayger, Astr. 
beruht auf altem Nom, sing, a i g i 8 
noch jezt bayer. >a 'n ar< ein £i. 
Dingten in Web. Akt. fururspr. 
g : tingere, tinctura. Ursprünglich 
und nicht eingeschoben ist g in 
den heute noch üblichen Super- 
lativen: z'untergist, z'ober- 
gist, z'hintergist u. s. w. ne- 
bm mündlichem und urkund- 
Uchemz'untergo8t,z'obergost, 
sHiintergost, z'niedergost, 
s'mittlergost, z'vordergost 
u. 8. w. zu den Positiven unterig, 
oberig, niederig, hinterig, vor- 
jderig u. s. w. stend, wohin auch 
das ming, ding, sing für 
meinig, deinig, seinig im Allgäu 
gehört, wo die Tiroler sagender 
deinig Vater für dein Vater 

iL 8. W. 

Uralt sind die allgem. nieder- 
Schwab, imd zerstreut augsburg. 
schwäbisch. Superlative : g r a i g s t, 
maiggt neben haiggt; jene 2 
entsprechen einem f grahista, 
m a h i s t a, was schon im Gotischen 
nicht mer da ist. 

6) Ueber den uralten Wechsel 
von h und g sieh H. Die Schreib- 
ung gg für k und g für k sieh E. 

7) G erscheint in Spei gel, für 
allgem. schwäb. Speidel, Keil 
z. Holzklieben, Sigel für Sidel. 
Allgäu, >Sigelruhe<. Appa- 
digh, Appetit. Jegesle! eu- 
phemist. für 6 Jesusiel Ueber 
die Rieszer Mundart, n einzu- 
schieben vor g am Ende, sieh N. 
Ueber den Wechsel von T und G 



in der Eindersprache: tlanz, 
Glanz; tlauben, glauben u. s. w. 
an einem and. Orte. 

8) Die Auszlaszung des gewon- 
ten Vorschlag g in brunga, 
braocht, geaba, gesza, daü 
(getan) troff a, Zifer, Traid, 
Eros ist allgem. schwäbisch. S. 
schreibt stets: mitausztrukten 
Worten. f. 458^ ff. zusamenkert 
cgm. 92. Christi purd (Geburt) 
f. 25». an unser fräen purd f. 28*». 
bornf.292. Das Str. hat ho er en 
und g eh er en (zugehören). Vgl. 
SchmelL Gramm. § 485 ff. Mein 
Wbl. 32. 3. 

GAB adj. landläufig von Mün- 
zen. Vrgl. nhd. >gang und gäb<. 
>5 Pfund gäber Augsburger 
Pfennige.« Urkd. 1328. Ahd. ist 
käpi: acceptus. »Wer aber daz 
Silber so gaebe waere, daz.< 
Stdtrecht. 

GABELN swv. > Weilen sie hin- 
zugesprungen , mit den Händen 
im Gesicht herumb gegabelt, 
so habe er sie mit den Händen 
zurückgestoszen.« Mickh. Strafb. 
1772. Gabelmänner, Gebelen- 
Mann, Geblen Mann heiszen 
bei den Prozessionen die den Fa- 
nenträger durch Beihilfe mit Ga- 
beln unterstüzen musten. Schu- 
sterbruderschaft-Buch 1718. Ga- 
be Ireite ri n b. Conlin, spöttisch, 
für Sympathie treibende Weiber, 
Hexen. Ebenso Gabelfarerin. 

GÄBEB, Gabriel; ein Mezger 
Stichelname. A. 

GÄBISCH, link, dumm, ver- 
kert. >Gäbisch ist schwäbisch 



176 



GackeleügohMT" ^Sgen. 



und gibisch ist gabisch. < Lech- 
leute. 

GACKELEIISCH adj. buntfar- 
big, wie >g8cliecket<. 

GÄCKER, GÄGKER fjär Ge- 
äcker, das, die Eichel- und 
Buchenkem-Mast in den Wäl- 
dern. Mickh. Rechnungen von 
16.— 18. Jarhd. haben; >Um Ge- 
ä c k h e r oder Winterwaid uff den 
hölzern. < 1569. >Einnemen umb 
Gägker oder Winterwaid auf 
den Hölzern < >Item einer Ge- 
maindt zu Annriedt ist das Gäg- 
ker oder Winterwaid auf der 
Herrschaft Hölzern, so weit sie 
Trieb und Tratt» haben, verkauft 
worden.< 1567. Die Form Ge- 
äckerich v. 1636. Schmell. 1, 25. 
Auf dem Hertfelde heute noch 
üblich. 

GADEN, das und der, 1) Kauf- 
laden ; im Stdtr. häufig, besonders 
Web er kauf laden: >bringetQin 
burger gewant.her, der weder ze 
gademe noch kelr stät.« f. 12». 
>daz niemen kain gewant sniden 
sol wan der ze gademe oderze 
offem kelr stät.< f. 12^ Kra- 
merkaufladen: »alle mezgere 
unde alle Krämer die ze ga- 
dem stänt.i f. 13». Der plur. 
gädmer erscheint im Stdtr. ne- 
ben >kelren , ehr amen , tischen 
f.47^ Gloss. »Kelr oder Gädmert 
Verkaufsgewölbe, f 63'*. Glosse. 
Dazu gehört Gadenmann, >kein 
mezger, kein G. , kein üfleger.« 
f. 14^ 2) Zimmer, Gemach 
überhaupt: »darnach gienger ze 
sinem g a d e n. < St. Ulrich's Leben 



V. Albertus. Schon frühi^, als 
in Boden, Faden scheint in 
Augsb. Schriftwerken m mit n 
getauscht zu haben. In manchen 
Teilen Sckwabens hat sich das 
Wort ganz verloren: in der mit- 
lem Nekargegend kan ich mich 
nur an >Weabgäta< ennnem, 
eine volktümliche Anlenang 9^ 
Garten, weil Ga den unverständ- 
lich ward. In der Augsb. Land- 
schaft blüt Gaden und Gadem 
noch überall. Zusajnensezungen 
wie spisgaden sogar spisga r- 
den sind nicht selten. Blaub. 
Lagb. Th. Paracelsus heigz^ die 
Baderstube: Scher gaden. HL 
f. 48. 3) Im l^immacher Fredigt- 
buch .stet: »Besteige den unter- 
sten Gaden des hl. KreiuMa.« 
S . 2 1 . In diesem Sinne von S 1; p c k- 
werkist Gadem noch allerwarts 
im Augsburgischen üblictu Pie 
Bau 0. hat »Gadem gru^4f u. 
Boden u. s. w. 

. GÄGERN swv. vil schwaaen^ 
G ägerer: Vilschwäzer, nujc vom 
Manne; das Weib schnä()4ret 
und ist eine Schnäddere.. 

GAGGELSACK? Im KJeider- 
büchlein S. 14 stet: 
Vertrau wisz wem: 
Das ratt ich Dir! 
Denn der Welt Gagglsaok ligt 

vor dir. 
Das G a c k e 1, cimex griseus, graue 
Wanze, stinkend, bei Schm. II, 
13 wird wol nicht herbeigesogen 
werden dürfen. 

GAGGEN swv. stottern von 
dem Gaggen oder Gagsen der 



Gägg^n, #^ Galgen. 



177 



Hennen hergenomen. In Günz- 
^^nrgi gaggele; Sbst. Q;%g- 
goUr. 

GÄGGEN 8WV. eszen wie Kin- 
der, welche die Speisen verschleu- 
dem, sieh oben drielen. >Du 
8^8 S^%^ ^^ wilde Saul< Stan-^ 
den. Besonders wird esz beim 
Obszteszen gesagt. 

GAISZ^ die, in Zusamensezungen 
als Flurname nicht selten : G a i s z- 
berg, 1) Fischacher Markung; 

2) bei Hart; spr. Goischberg; 

3) Goiszeler, Waldberg. Eine 
kleine fruchtbare Hochebene, eine 
Art Bergrücken bei Günzburg 
heiszt »u£f 'mGoiszle«. GaisK« 
bockgässle; am mittleren Lech 
Lit. A. 499 ist ein Gaiszbock 
angebradit am Hause, eine Art 
Warzeicheu; dabei stet: 

Ich Ziegenbock ein Mann der Gaisz 
Trag Homer grosz, die ich wol 

weisz, 
Du siehst mich an und spottest 

mein: 
Sieh nur dich an, so grosz sein 

dein. 1815. 
Auf dem Hertfelde heiszt esz 
von einem der keine Gegenliebe 
findet: >ungeliebt sterben 
wie Gaiszbock.< Ein Spottlied 
auf die Schneider in Günzburg 
heiszt : 

Schneider, Schneider brenn de nett 
Die Supp ist hoisz, 
Schneider nimm deine N&del in 

d' Hand 
Und spring auf d' Goisz. 

In Behlingen lautet ein Haus- 
Stichelreim: 



Eeiter goisz 
Mach d' Suppa hoisz 
Schütt's über da Disch 
Mach Leaberwügt. 
Hab er gaisz heiszt in Mindelh. 
der Wachtelkönig, in Günzburg 
Schneiderstichelname. G a i s z k u- 
geln sieh >die Buzenbercht« 
im Anhange. Das adj. gaissin 
komt in den Augsb. Kalendern 
des 15. Jarhd. oft vor: *brottüs 
gaiesiner und schäfiner milch 
nüchtern eszen.« »Gefügel und 
gaissin und schäffin ist gesund 
zueszend.< Astr. f. 10^ ll^ Vgl. 
schäfin, schäfis Fleisch noch 
im Zusamtal. 

GAISZELMEIER nach S. 31ö» 
ein alter Bäckerspizname in A. 

GAISZELSTAB stm. Gaiszel- 
stecken. Im Mickhaus. Strafbuch 
von 1605 wird einer um 5fl. ge- 
straft, weil er »auf einen andern 
mit dem G. geschlagen«. 

GALGEN für Galagan, das. 
>S6 snide Galgen in den mund 
und schluck die spaichelen.< Astr. 
29^ Bei K. von Megenb. stm. u. 
St. f. Sieh Pfeiffer's Germ. 1863. 
S. 301. 

GALGEN, der. »Es ist hie ein 
gewonhait, wenn ain Bischof von 
Augsburg fürstlich ist eingeritten, 
dasz man darnach den Galgen 
abräumet und die todten Cör- 
pel begräbt; das ist ytz auchbe- 
schechen am 18. Februari und 
sind gefunden worden 230Häup- 
ter.< S. 192^ Das Lebendig- 
begraben unter dem Galgen 
kam in Augsburg öfters vor. 
12 



178 



Gallatag -^-Ckilhis. 



>A. 1427 wurde Peter von Hall, 
ein Krämer, Notzüchtigung hal- 
ber, auf des Stadtvogts Urteil un- 
ter dem Galgen lebendig be- 
grabe n.< >A. 1505 wurden eine 
Eöchin und ein Mägdlein wegen 
Mords beim Galgen lebendig 
begraben.< >A. 1436 wurde 
eine Frau, so ein altes Weib un- 
der der Christnacht - Frühmesse 
erstochen, lebendig beim G. 
begraben« u. s.w. Gass. Feld- 
und Flurnamen mit Galgen zu- 
samengesezt sind überall zu fin- 
den. Das Galgen feld bei A. 
wurde gerne zu Truppenmuster- 
ungen und Exercitien benüzt. 
Gass. Eine Ga lg enwis erscheint 
im Giltbuche cgm. 154 f. 44». 
G al gen holz bei Günzburg. Gal- 
genfrist, allgem. Galgenreue: 
>das ist einG. sprach zujmeder 
Tod.« Lied v. Tod und jungen 
Mann. Augsb. b. Modhardt. Im 
H. S.: >die Welt, diesen verrie- 
benen Galgenvogel verjagen.« 
Galgennäze, allgem. In Bocks- 
berg trägt folgender Ruf : »Hell- 
auf! an Galgen nauf!« Prügel 
ein. So riefen 7 Verbrecher von 
Bocksbg., als man sie hinauszfürte. 
Ortsstichelei. Red. A. der ist fal- 
scher als Galgenholz. A. Mein 
Wbl. 32. Galgenstrick imKin- 
derreime (Stauden) : 
»Vögele, Vögele wick, wick, wick, 
Um 'n Kreuzer Galga strick 
Und um 'n Kreuzer Bändel dra 
Dasz i mei Vögele hänka ka.< 
Du Galgenstrickl Schelte. 
GALLATAG, eigentlich Gala- 



vom arabisch-romanischen gala, 
gale (Ghali) Schmuck, Pracht. 
Weig. I, 384. In den alten Augfsb. 
Hofkalendem sind esz Festtage 
des Jares zu Bren der Verwand- 
ten, Schwestern u s. w. Sr. fürstl. 
Durchlaucht, des hochw. Bischofs 
> Andachten und Gallat&g im 
Homung«. »Den 6. Februar ist 
G^allatag wegen dem hohen Ge- 
burtstag Ihrer hochfürstliohen 
Durchlaucht, Frauen Schwester,« 
> Diesen Monat ist kein Galla- 
tag.« Kirch, u. Hofkai. 17M. 

GALLUS , St. Die nahen Be- 
ziehungen Augsburgs sn St. G. 
St. Otmar bezeugt das uralte jezt 
abgebrochene Galluski rohlein, 
mit seinen halbmytischen Bildern; 
das Gallusbergle undGallns- 
pläzle; sowie das St. Otmars- 
gässle. Der St. Gallentag war 
von besonderer Bedeutung im 
Augsburger reichsstadtischen Le- 
ben: >da pfleget man allwegen 
Huren nnd Buben aus der 
Stadt zu gebietten.« A. 1470 ward 
»dem bösen Gesindtlein, als Huren 
— welche die Michaelis- oder 
Herbstkirchweihe überall allhye 
sein durften — die Statt räu- 
men durch den Waibel gebotten 
und solches ward von Alter Zeit 
hero alle Jar gehräuchlich 
gewesen; aber damals innerhalb 
10 Jaren nicht beschechen.« Grass. 
Nach S. f. 287^ hat »ain rat hye 
beschloszen, dasz von Eren wegen 
hinfüro St. Gallentag nitm^die 
Statt sol öffentlich werden Ter- 
botten und au8geriefft.€ St. Gal« 



Galonen -• G&ngelwagen. 



179 



i* 



lastag war aach für die Weber 
Ton Bedeutung: »die Ziechen soll 
man all weg aufhören zu St. Gal- 
lien tag zu würckhen und nit 
ynderrichten bis uff den obersten 
Abent daran nichts würkhen, allein 
▼«rachlahen.« Web. lO. v. 1549. 
An St. Gallentag trugen die 
Stadtdiener lange Gerten durch 
alle Gassen mit dem r i c h t s a m e m 
Register und forderten jeden bei 
Eidespfiicht auf, seine Steuern 
»paar zuerlegen<. a. 1399. Chro- 
niken. Bed. A.: »Diesen Mägd- 
lein ist es aber in ihrer Ehe übel 
ergangen, denn sie muste erfa- 
ren, dasz sie einen Mann bekomen, 
der beschaffen war wie St. Gal- 
lust a g im Bauemkalender : dort 
ist ein brumender Bär gema- 
let. < Conlin. 

GALONEN, die, Tressen. Wei- 
gand Wb. I, 387. *Auf Kleyder 
und Mäntel güldene, silberne oder 
seydene Spiz, Borten, Schnüren, 
Schlingen und Ga Ionen.« Kleid. 
0. 1668. »Satteldecken mit einer 
silbernen Galonen.< a. a. 0.< 

GAMEL, die, 1) eine junge ar- 
beitsscheue, 2) eine grosze sich 
kindisch gebarende Weibsperson, 
Augsb. Riesz, 3) eine dazu übel 
beleumundeteWeibsperson. Günzb. 

GÄMELICH adj. froh, hüpfend, 
freudig aufspringend, ȟnder den 
waren schwarz Affen, die gaben 
den Leuten gar gämelich Yor- 
spil.< Himml. Braut. In Nieder- 
schwaben kenne ich das Adj. als 
vom jungen mutigen Rosse ge- 



braucht. In der Bedeutung von 
geil im TN. 6246 ff. 
Secht da hebt sich denn ein Mb 
Ulider siuer Kutten witt 
Gar ein gemelichen strit, 
vom Prediger beim Anblicke einer 
schamlosz angekleideten Weibs- 
person. Ahd. gaman, Freude; 
Adj.gamenlich und gemmen- 
lich. Gudrun 466, 4. Der Stamm 
wird gam- sein, der auch dem 
gampen u. s. w. zu Grunde ligt. 
GÄMPISCH adj. agilis; beson- 
ders wild springend von Pferden, 
»a g. Hengst.« Günzburg. 

GANG, der Vor- und Nach- 
gang in der Kirche, bei Pro- 
zeszionen : »sovil aber die Fraven- 
personen betrift, ist des Vor- und 
Nachganges halber bethedingt 
und verglichen worden, dasz bei 
den Kirchgängen am ersten und 
zum fodersten die Junkfrauen fol- 
gen.« cgm. 1581. Die bedeck- 
ten und unbedeckten Gäng- 
lein in Augsburg spilen in den 
Chroniken eine nicht unbeachtens- 
werte Rolle. Gang weg hiesz 
edem Fuszweg. Gangsteig: 
»dein Wort o Herr ist ein Lucem 
für meine Tritt und ein Liecht 
für meine Gangsteig.« Ehren- 
fest 1699. S. 47. Gangsteig, 
Harter Flum. Inv. 

GÄNGEL WAGEN, der, eine Art 
Warzeichen üiA. Am obern Gra- 
ben Lit. G. 314 ist ein alter Mann 
im Gängelwagen abgemalt; da- 
bei stet: 

Mein Kind ich lerne noch 
Doch lehr ich dich zusrleich, 
12* 



180 



Gans — - Garn. 



Wie man so recht wandern soll 
Geschickt zum Himmelreich. 

GANS, in den Stauden: Gaus 
U.Gaus er er, Gänserich, Gongs, 
AUgäu, wasauf äschlieszenläszt; 
änlich ist sauft in Ulm (sanft), 
wenn nicht falsche Yolksmytologie 
dahinder steckt. Die Landschaft, 
die Gaus spricht, sagt im plur. 
Geis; die andern Schwab. Ges. 
cgm. 650 f. 35^ hat anser gangs, 
ansela gengslin; klingt fast 
alamanisch. Gonlin: »Anjezo 
tauget das gebratene Kitzel des 
groszen Isaacs nur auf ein Bauern- 
hochzeit , der Zeiten nennt man 
es nur ein sauberes tractament, 
wann es wild hergehet — und 
schnadert man nicht lieber als 
bei gebratenen Hagelgänsen, 
Trappgänsen, Leffelgänsen, 
Schneegänsen, Meergänsen, 
Kropfgänsen u. s. w* Gans- 
graischle dim. was bayerisch 
Gansjung, sonst Ganspfeffer 
heiszt, vgl. Enten graischle. 
Esz soll edem in A. auch Gans- 
gschrai gelautet haben. Gänse 
komen in einer Urkd. 1456 als 
Brückenzoll vor. >Wegen des 
BruckzoUs dafür man Gänse ge- 
ben hat.< Beim Wasserturm in 
A. ist der alte Gansbühl, bei 
dem Göggingertor das G ä n s e c k. 
St. Martinstag heiszt Gass. ein 
Gänsefest. Bekant sind die 
Eieszer Gänse (Deinigen). 
Redensart: >Des könnet seil no 
d' Rieszer Gäns.< Seh. In den 
Stauden hat sich ein Lied >Mueszt 
off da Gansberg steiga« anhe- 



bend, schon lange eingebürgert; 
das Yolk ersezte das etwas un- 
verständliche Gamsberg da- 
durch. Bei Werner v. Zimmern 
komtvor: »den wilden Gänsen 
etwas klagen.< >Denn wo nit 
Leuth sein, sezt man die Gans 
auf denBankh.< Schelte: Gans- 
galle I dumer Mensch! 

GANTER neber G leger, Un- 
terlage von 2 Balken , worauf 
Weinfaszer gelegt werden, c an- 
ter ins. Schmoll, n, 68. 

GANTNEN, GANTEN, ver- 
gantnen wienhd. »Gut, Haus- 
rat vergantnen« allgem. in 
Augsb. Schriftwerken. Die Gant: 
>dasz in den öffentlichen Ganten, 
so durch den Gerichtswaibel in 
der Komschrandt auszgerufen 
werden, allezeit demjenigen, wel- 
cher das lezte Gebot vor dem 
Ave Maria Geläut getan hatte, 
die vergandteSach solle bleiben.« 
Gass. Gantner ) der die Gant 
auszruft und vomimt »Gandner 
über farende Hab.« Akten. >Da 
etwas Verbotenes verkaufft soU 
werden, soll es durch die ge- 
schwomen Käufler undUnterkau- 
fel oder Gantner mit Recht be- 
schehen.« Ordnungen v. 1647. 

GAPSEN swv. nach Luft 
schnappen. 

GARN, 1) in der Weber spräche 
manigfaltig verwendet. Faal^ 
gSra, FaulgSrasieder. Die 
Garn sie der hatten ire eigeüen 
Vorschriften und waren den Ge- 
schaumeistern der Weber un- 
terworfen. »Leipsiger Qira 



(Garnier — Gassen. 



181 



sieh über die Auszsprache oben 
4>. Gharle, angesponnene Spin- 
del. Borgau. 2) In der Waid- 
mansprache: »das Wachtelfangen 
mit dem Ruf- und Steckgarn 
solle abgestellet 8ein.< Vergleich 
V. 1642. >Der Lerchengarn 
und Hochzeugs befugt. < a. a. 0. 
— Deckgarn. > Den Hunden in 
die Aecker mit dem Deckgarn 
folgen. € a. a. 0. Das Schnepfen 
mit Schnepfen garn komt in 
den Mickhaus. Strafbüchem öf- 
ter vor. 

GARNIER, Tasche, ital. car- 
niera. .>Hett Raymund Fugger 
vor im in ein Earnierl in et- 
liche Biechlach und Brief zu 
einander klaubet.< S. 463". »Bu- 
sen, Earrnier (zum Acheln da- 
rein klauben).« Wirtb. allgem. 
Ausschrb. 26. Jan. 1566. Reysch, 
16, 85. 

GARSTIGS FIEBER, volkety- 
mologisch ^gastrisches F. 

GARTEN swv. Gartenbrü- 
der stm. in den Augsb. Schrift- 
werken allgemein. Bei Gass. er- 
faren wir, dasz esz beurlaubte 
Landsknechte, Cameraden der 
Straszenräuber und Mörder ^^a- 
ren. Eigentümlich ist doch nach 
disen Schriftstücken besonders 
Gass. dasz sie dise Leute mit 
den Wiedertäufern zusamen- 
bringen. >Ayn Rat hie hat den 
merer Teil der Gartten-Brüe- 
d e r n und Wiedertäufern die Stadt 
wiederumb erlaubt. < S.410^. >Auch 
allhye in den Winkeln und Gär- 
ten hatten die Wiedertäufer 



Yersamlongen, daher sie den Na- 
men Gartenbrüder bekamen. 
Gass. Volketymologisch: Gart- 
köch bei Gass. das zu Gar — 
gehört. In der bischöfl. Straf 0. 
komt vor : > die G ar t s t u rm(gloke) 
anschlagen.« f. 31*. In derselben 
Ordnung wird den gart enden 
Knechten dasHausieren abgestrikt. 

GÄRTNER stm. 1) ein doppelt 
gekrümmtes Auszreutmeszer.Publ. 
ds. bist. Ver. 15 u. 16. S. 107. 
116. 2) Der Goldkäfer oder Gold- 
schmid. Haldenwang. 

GASSEN, die, in Augsb. hieszen : 
Alte-, Lange-, Kezer- od. Zwerch-, 
St. Anna-, Kirch-, St. Georgs-, 
St. Afira- oder Becken-, Winter-, 
Dominicaner-, Hall-, Weisze-, 
Weite-, Heilig Kreuzer-, Marien- 
stem-, Karmeliter-, Klinkertor-, 
Kapuziner-, Stein- oder Juden-, 
Schmid-, Klebsattel-, Johannes-, 
Kohlen-, Wind-, Arbeitshaus-, Blät- 
terhaus- Gasse u. s. w. Gäss- 
len sind: das Kuh-, Schön- 
felder-, Loch-, langes und kurzes, 
Mezgergässle; das Gässle zum 
süszen Löchle, das Gässle Hunds- 
fott ker um! Hespele-, Pilger-, 
Meister- Veits- , Krezen-, Lugins- 
land-, das kurze und lange Sach- 
sen-, Stoigäszle, das >ser enge< 
Burger-, die 3 Pfaffen-, dazu das 
äuszere und innere Pfaffen-, 
Schuh- Gässle in, Sau- oder Sau- 
gasse, Fischer-, Mädloch-, Jer- 
gemer-, Sechser -Gässle, in lez- 
terem sind die Fabrikweiber, das 
Domprobst-, Philippfagger- oder 
Armenhaus-, das Blei-Gässle, Kar- 



182 



Gast — Gatterer. 



rengassel, schon cgm. 223. Brand- 
gasse im Felde von Osterbuch. 
Augsburg. Archiv. Femer Waisen-, 
Zeug- , Heiliggrab- , Apotheker-, 
Spingier- oder Josefs-, Marga- 
rethen- , Käuzen- , Custors- , Pa- 
radis-, St. Otmars-Gässle u. s. w. 
Die Gassennamen in Burgau: im 
Hexazipfel , Tellergassle , Koch- 
gasse , Käpelisgasse , Kapuziner- 
gasse, Blaichgasse, Mülgasse, beim 
HoUaosa, beim Schweda u. s. w. 
InGünzburg: Hexagässle (Spott), 
Kappazipfel , Kapuziner - Gasse, 
Küehtor, am Bach. Gassen- 
hauptleute neben Lieutenants , 
Aufseher eines Stadtteils, ein städ- 
tisches Amt. Feuer 0. 1761. Noch 
heute in Bamberg 'üblich. Gas- 
senknecht hieszen die Bettel- 
vögte im alten A. , welche die 
Straszen sicher halten musten. 
»Dasz ihre Statt- und Gassen- 
knecht in der Stadt ungern — 
die Wirtshäuser (wegen der Ex- 
cesse) besuchen zu laszen.< Pol. 
0. 1553. Stich- und Gassenkauf 
bei der Schusterzunft verpönt. 
Gassengericht, öffentliches Ge- 
richt in Elze, das die Markgraf- 
schaft Burgau übte. Im cgm. 
201 f. 101» heiszt esz: >in einer 
guten Gassen oder in einer 
guten Statt,« Bildl. >Und dasz 
Barger in der ehlichen Gemein- 
schaft, denn in der Gemeinschaft 
der Gassen (Bei).< »Das Hus 
ist die erst Ordnung der Elich- 
keit und ist vor der Gassen.< 
GASTstm der Fremde; in den 
Stadtrechten der Schwab. Städte 



Ulm, Memmingen, bevorab Augs- 
burg wird bei Verkaufen, Käufen, 
Zöllen imer der Bürger, der 
Gast und der Jud sorgfaltig 
auszeinander gehalten. Gast- 
mei Sterin hiesz im Kloster Nie- 
derschönefeld die Oberaofseherin 
über die Pflege der Gäste und 
Fremden überhaupt. (1316). 

GÄSTEL, stm'. Spenzer. Strasze. 
In Günzburg: Jang'ger. Müze. 
Ich möchte das Wort zu vasti, 
got. (gvastja) halten, freilich ein 
merkwürdiger üeberrest. Dem- 
nach ist ga-weste anznsezen? 

GATTER groszes, weites, Gat- 
ter kleineres Gitter. Fenster 
durch die reines und unreines 
Waszer geschüttet wurde, musten 
»mit eisernen Gattern aus- 
zen, der Mauer gleich oder eben 
vergattert werden.« Bau 0. 
> Solche Fenster mit engen ge- 
strickten Gattern beschlies- 
zen.< a. a. 0. Eiserne Korb- 
gitter komen in der BauOrdn. 
öfter vor. Auf den Toren war 
je ein Schuszgatter. Von dem 
Gatter auf dem Weberhause 
hatte den Namen der 

GATTERER, jeweiliger Weber- 
hauswirt. Der Gatterer soll je- 
den Beschautag an dem Gat- 
ter auf der Stiege zu dem Be- 
schautennen sten, und die ire 
Waaren zur Schau bringen gegen 
Entrichtung bestirnter Gebüren 
ein- und auszlaszen. Er moste 
femer die Weber vor den Sis 
oder vor die deputierten Herren 
und Beisizer laden. Bei dem 8i- 



Gaoggen — Ge, Ga. 



188 



Ben moste er anfi^arten , bei der 
Türe der Amtsstube sten und die 
Parteien berein und binauszlaszen. , 
Esz gab auch einen Gatter- 
knecbt, der besonders die Eom- 
wal ansagen muste. 

GAUGGEN swv. auf dem Rücken 
•tragen. Gau g g e Rücken, Rücken- 
korb »auf d'Gaugga nema.« In 
Münster borte icb den Reim: 
Stork Stork Scbnibel Schnabel 
Mit der langen Heugabel; 
Heunt oder mäare 
Bring mer 'n Mezze kaerel 
Kanst a nitt vertraga 
Na wirf n über da Graba 
Und kägt 'n nitt vergaugga 
N& wirf 'n über d'Stauda. 

GAÜMANN stm.? Landmann? 
>Eein Burger sol mit keinem Gast 
keine Gesellschaft haben an dem 
Salz ; kein G a u m a n n, noch kein 
Aufleger sollen keinem Gast sein 
Salz verkaufen < Urkd. 1303. 

GAÜTSCHEN , niederschwä- 
bisch umlautend gaütschen 
swv. schaukeln. Gautsche, 
Gaütsche, Schaukel, besonders 
die herköm liehe für Jung und 
Alt errichtete G. an der Jakober 
Kirch weihe, die jezt Schogga 
heiszt. >Gautschenbettstätt- 
leint Publ. des bist. V. 16. 17. 
S. 110. Im Aargau heiszt gaüt- 
schen Waszer hin- und her- 
bantschen und davon Waszer 
zum Wein mischen, von bösen 
Wirten gesagt. VrgL mein Wb. 
33. 50. Das Wort Guts che, 
Kutsche ist dasselbe was Gaüt- 
sche. Benngutsche bei Gass. 



GAWIND, G AIWIND (Weiszen- 
hom), tiefe Schneestellen, Schnee- 
wehen, Schneewand »Ein grosz 
Gechwind.« S. 409. »Dieweil 
gleich dazumalen das Wetter mit 
ungewönlichen Gehenwinden 
und kalten Windsbräuten über 
die Massen ungestümm ward.< 
Gass. Niederschwaben: Winds- 
wehet. 

GAZE swf . Schöpflöffel. Oberes 
Schmuttertal. Ich erinere an 
altbayerisches Gaze, Becher, 
Krug. Im Fugg . Inv. sind > G ü e s z- 
gäzl oder Vaszl< aufgefürt; fer- 
ner ein »plechens ÖllgäzeU. 

GE, GA sowol Vereinigung 
als Verstärkung anzeigend, 
häufig in dem bischöfl. Augsb. 
Gebiete. Im wirtemb. Schwaben 
beobachtete ich esz: ist bei 
weitem nicht so häufig, cgm. 601 
hat noch f. lO*». und oft >ge- 
lauben< '»gelat< für glatt >gelat 
anligen< von Schuhen, f. 14». 
wolgespeisenne Kost. f. 100*. 
>Kaspül< Spülicht, >Sam hett 
ein Koch mere brüh und kas- 
ptül zusamengosseni. f. 11». ge- 
rauben cgm. 480 f. 24^ gelaue 
Winterszeit. Gass. >geschwül.< 
Augsb. Hofkai. 18. Jarh. Die 
Strasze und die Stauden lieben 
das ge- besonders: ma giszt = 
man iszt ; Pferde sampt Gs chi f f 
und Gschirr. Durchausz in den 
oberdeutschen Mundarten gilt 
gsehen, gsea nur vom Gesichts- 
sinne: i gsi nett, meine Augen 
sind erblindet. Gesuchte (Sucht), 
Astr. 38^ Gespür, vestigium; 



164 



Gebleck — Gehäcui. 



Gefür, Auffuren, ghauffet. 
Gspat, Spaten. >Um ein gspat 
zu Schlosz Notturft zue geprau- 
chen.< Mickh. Rechgn. Gmate- 
rer, Märtyrer. Strasse. G saftig 
allgem. für saftig. Gefiber im 
cgm. 144 öfter. SiehobenGäcker. 
Gmidsz, einZwang, >'nGmie8z 
drausz macha« mündlich. Die 
glinke, die grechte Hand, 
landläufig in Gundelf. Gspont 
für Sponten u. s. w. Ueber die 
weiteren Beispile sieh im Folgen- 
den. Die Betonung des e findet 
sich noch hie und da, in der Re- 
gel aber wird esz nicht gespro- 
chen und in volktümlichen Schrif- 
ten auch nicht geschriben. Vrgl. 
Schleicher, Sprch. 220. Weinhold, 
alam. Gramm. § 298. Die folgen- 
den mit ge- zusamengesezten 
Wörter werden mit verschluck- 
tem e gröstenteils gesprochen. 
Weigand, ^Tj. I, 394. 

GEBLECE, das, zu blecken 
oben. 
Bald komst derhea wie d' Sau 

im Dreck 
Nao komt der Bua mit sein Ge- 
bleck. Seh. 

GEDUNKEN imp. >uns ge- 
dünkt fasti, esz feit noch ein 
biszchen, fast wäre esz recht. >üm's 
Gedunken< = um ein kleines, 
d. h. zu vil oder zu wenig. 

GEFÄRT, Beigeschmack, übler, 
am Weine. 

GEFECKT, >Spezerei und Ge- 
fekt.> S. 321*. 

GEFRISEN, congelare. cgm. 
626 f. Sl\ 



GEFRUR. >DarchdieGefrar- 

Zettlen vor Hüb und Sohüsz 
^ und LebensgeCar zu Zeiten be- 
waren.< S.W. > Warnt macht man 
die Teufelischen also genannten 
Passauerzettel far die Ge- 
frur als meistens in der Christ- 
nacht, da man «nterwehrender 
Ghristmess auf die Greuzweg 
hinauszget, allda den Teufel pan- 
net und in einem darzu gemach- 
ten Craisz mit ihme die 2«ettlen 
petschiert und erschrekliche Ten- 
felsseegen darüber spricht, die 
hernach geeszen, oder bei sich 
getragen, gefroren macht, dasz 
weder Stich noch Hüb noch Schusz 
ihme eingehet. < a. a. 0. 

GEFÜR, Auffurung; sieh Feg- 
opfer. 

GEFÜRGRLET, aufs kleinste, 
>aufs Düpfle< , sonst: »aufs 
Firgele, Fürgele hinanss.i 

GEHÄCE, das, kleingehacktes, 
gebratenes Fleisch als Fülle zum 
Backwerk. Urspr. das feinge- 
schnittene Weizen- und Haber- 
stroh als Futter. 

GEHÄNG, das, Lunge, Leber 
samt Herz und Nieren des ge- 
schlachteten Tieres, zum Verkauf 
auszgehängt. ü r g ' h ä n g und 
Urbhäng. 

GEHAU, Ghäule, der auszge- 
hauene und bereits angeflogene 
Waidplaz.F r a u a g'h a u(Stauden). 

GEHÄÜS , das. In den Fisoh* 
acher Statuten heiszt esz: »Soll 
kein fremdes Geh aus ohne 
Yorwiszen der Herrschaft hie — 
eingelaszen werden.« >Aiieh sollen 



Geheien — Geige. 



166 



die Jng eh eü seien keine Macht 
noch Gerechtigkeit haben — Vieh 
anszznschlagen. < >Bie I n g eh e u- 
■ eten, so denFleckhen bewonen<. 
Die Wilmatshofer Stat. haben: 
»Soll auch Niemand, wer er sei, 
one Vorwisz^n der Herrschaft 
und Gemaind ainiches farendes 
Oehäust in sein Haus einzu- 
iMsen, unterstehen. Da esz aber 
bescheche und ein Schaden vor- 
hinein solchem Gehaust wider- 
fdre, solle der in Allweg, so das 
G e h ä u s aufgenomen , solchen 
Schaden zu ergözen, auch darob 
zu halten schuldig sein, das er- 
meldete Geheusz ein Gemaindt 
mit Gaiszen oder andern Dingen 
nicht beschweren.« Das Geh aus 
ist eine Anzal Taglöner, die in 
kleinen Nebenhäusern wonen, dem 
Hofbauem aber so zu sagen leib- 
eigen sind. >Zu Ghäus nemen,< 
in die Miete nemen. Um Zus- 
aiarshausen. Vrgl. Schm. II, 248. 
In Frischlings wirtemb. Hochzt. 
iet Gehaus gebraucht fürfürstL 
Palast. 31. 

GEHEIEN mit dem stark, sonst 
«w. part. ghia, ghija, >ihett'n 
ghia uff da mist<. Seh. Subst. 
das Ghei; >wa8 haogt denn iaza 
mit deim Ghei?< Ich verweise 
auf mein Wb. s. v. Disz Wort 
ist allen oberdeutschen Mundarten 
^gen. In Lindau (alam.) ist das 
abbekeia ser üblich. >Beim 
Schrinar Schindar ist hüt a mü- 
rar vom dach abbekeit, eshett 
'm aber nint d6.< 

GEHEIF, gehab, enganschlies- 



zend. Stauden. >Ünd nim i iahn 
reacht k eif ins Aug.« Seh. 

GEHEIMEN, die, städt Amt. 
>die Geheimden< oft für Ge- 
heimer Rat. Im Augsb. Kai. 
V. 1769 stet: Geheimer und 
Einnemer ;Geheimeru. Pfleger ; 
Geheimer und Hospitalpfleger 
u. 8. w. Geheimes Strafamt 
siehBlauhimelamt. Geheimes 
Pläzlein: 1) Abtritt, 2) Stellen 
amLechufer, wohin das La üble, 
d. h. der Abtritt getragen vferden 
muste. 

GEIGE, die, 1) ein weiszes un- 
gesalzenes an beiden Enden spiz 
zulaufendes ovales Brot, das gerne 
zerrieben wird. Geigenmus, ein 
unvermeidliches Mus ausz di^em 
Brote an Hochzeiten . Jezt abgend. 
Zusmarshaus. Gegend. 2) Das be- 
kante Strafwerkzeug. In A. kamen 
liederliche Personen unter Ober- 
aufsicht der Amtsknechte in die 
Geige, wurden durch die Gassen 
gefürt; die Justiz übende Jugend 
riefdabei: Geig auf! Geig auf! 
3) in Zusamensezung: Geigen- 
turm in Schwabmünchen, Gei- 
genfeld Oberschönefeld. 4) In 
Kinderreimen : 
Im Unterland ist a Haus 
Dk schauget 3 Jungfera rausz; 
Die erste spinnt die Seida 
Die zweite reibt die Geiga 
Die dritte macht das Türlein auf 
Und laszt die liebe Sonne rausz. 
Liebe Sonne kom bald wieder: 
Schatta, Schatta leg di nieder. 
Groszaitingen. 



186 



Geil — Gelb. 



A Biflsgeiga n. a Bassgeiga 
Und a Rumpelfasz 
Und a Rührschaufel, 
Und a Millsuppa 
Mit der Heugabel 
Haii-n-i no m9 gesza 
Bei der Nacht. Reinhardsbausen. 
GEIL, spr. g&ol und goil, 
fröblicb , auszgelaszen . Geiler 
Montag: >Item vom gaylen 
Montag Nachmittag zur 4 Uhrn 
bis auf den Aschermitwoch — 
soll nit Schul gehalten werden<. 
Schul 0. 1575. »Welche Narren- 
fest am 12. Tag des Homungs, 
den der gemeine Mann den 
geylen Montag heiszet — ge- 
übet;< »Am gaylen Montag 
wurde ein Scharpfrennen getan.« 
a. a. 0. >Am gailen Mäntag 
zeinbis die gewönlichen pfründ.< 
Pfründ 0. 1462. >Am gaillen 
Mäntag.« Frank's Annalen 80. 
Im cgm. 201 f. 123 ff. wird die 
Lere für die Erzieher gegeben, 
die Jungen >von gailen und 
schnöden Reden abzuziehen. < 
»Darumb sind die Jungen ze su- 
chen und ze straffen von gailen 
Reden.« f. 128^ Daselbst: >Sun- 
dern von Jugend auf soll man 
lernen die Kinder, dasz sie die 
G a i 1 u n g unterwegen laszen.« 
f. 123^. >So wurdent sie begriffen 
in der Gail< f. 224. >Dasz sie 
werden abgezogen von der Gail.« 
a. a. 0. >Die Jugent ist bereit 
zu der Gail< f. 130^ >Zu der 
Gail und waichung des Flaisches 
Valien.« f. 132». u. s.w. In Günz- 
burg sagt man von übersüszen, 



fast aneckelnd süszen Speisen 
>des hat'n goila G'BdunlE^h.« 

GEILEN swv. hüpfen, springen : 
>gleicherweisz als sich do geilen 
undfrewen sind die rechböcklein 
und die steinbocklein.« Augsb. 
Messbch. 1484. 

GEIST, >HeiliggeiBthau- 
ben,< eine Art Augsb. Flügel- 
hauben. »Heiliggeist Spital- 
hölzlin.> Mickh. Mrkg. Augsb. 
Beschrbg. 

GEIWIZ, der, Kibiz. cgm. 312 
(1461) geybyz. Einderreim in 
Warmsried: 

Geiwiz, wa sizgt? 
Im Moos. 
Was frigt? 
'N Frosch. 

Geiwizen heiszen die Ben- 
ninger. In der Rottenb. Gegend 
ist Geifiz ein lebhaftes, wag- 
halsiges kleines Mädchen; Gei- 
fizwegle, ein kleiner, schmaler, 
geßlrlicher Fuszpfad. Mein Wör- 
terbl. 34. 

GEIZIG in der Red. A : >die 
Geiziga fallet um wie an alt's 
Testament.« Um Burgan.. 

GELÄGER. >Von Holz gelä- 
ge rn in der Stadt bei der Zim- 
merleut, Drechsler und Bildhaaer 
Häuser < Bau 0. 

GELBadj. »Des ersten andern 
hl. Eristag ze weyhenächten xe 
Inbis ain Suppflaisch, Eraut and 
Flaisch, einen gelben Hirsch, 
ein Sulz.< »Ze Inbis die gewön- 
lichen Speis, darzu gebraten«, 
ain gelbs Mus, jedem ain Said- 
lin Wein8.€ PMnd 0. ▼. 1462. 



Gelegeler — Genaden. 



187 



Gelbtpiziger Neid. Gonlin« 
»Das Theresele war vor diesem 
wie Milch und Blut, aber von der 
2ieit an, da sie ein Kind getra<- 
gen, sihet sie wild aus wie ein 
gelber Jud.< Gonlin. >Da sie 
dooh gar keine aus den Schönen 
gewest, denn sie sähe aus wie 
an gelber Jud.< a. a. 0. 

GELEGELER >g 1 ä ge 1 e r M ä< 
der sich nicht weh tut. Stauden. 

GELIMP, > er hett gnug G 1 i m p s 
und Ursach dazu.« Frank 112. 

GELLIG adj. in mag eng el- 
lig. >Ich bin zornig und magen- 
gellig, hitzig , kriegerisch und 
xnissehellisch.« cgm. 595 f. 37*. 

GELTVIEH, GALTVIEH, un- 
firachtbare Kühe. Zusmarshausen. 

GELÜNG, das, die Lunge in der 
alten Mezgsprache. Mezg. 0. 1549. 
Ein Kalbsgelüng mit aller Zu- 
gehörung; item ein Hammel- 
gelüng samt Leber und Herz « 
a. a. 0. 

GEMACH, das heimliche, 
eine Stelle am Lech, wohin die 
Abtritte getragen werden musten. 
S. 86^ u. Bau 0. In Mickh. Akt. 
1567 ist haimlichs Gemach 
crwänt för Abtritt. 

GEMAIT adj. wie mhd. >Diese 
war die gemaitest (Tochter) 
Yon Leib und die schönst von 
Angesicht.« cgm. 252 f. 165', 
>ünd hett darab (Pferd) grosz 
wunder, wann es was fast schön 
und gemait.< cgm. 581 f 10^ 
In einem alten Augsburg. Reime 
>wie man weihen solU heiBztesz: 



Nit plazend an ein also blind 
Nünpt nit ein schönen und ein 

gmaiten 
Der nichtz künd noch mög ar- 
beiten. 
Sub. das Gemalte. >Des Gemal- 
ten singen.« Memming. Stdtr. 
sieh mein Wbl. S. 96. »Frei und 
gemalt.« cgm. 812 f. 32». 

GEMÄRK, das, ein Abzeichen. 
»Wurde verordnet, dasz denjeni- 
gen Bürgern , so des gemeinen 
Almusens zv genieszen begerten, 
ein Bettelzeichen oder Ge- 
märk an die Klayder gehefft 
wurde.« Gass. 

GEMEGEZENswv. >Wieeraber 
(Tobias) ein Geiszböckel im Haus 
hat gemegezen gehört, welches 
sein Anna nach Haus gebracht 
hat « u. 8. w. Coulin. 

GEMERK, das, Gedächtnis: >ja 
loset, i hau halt gar kein Gmerk.« 
Seh. Allgem. schwäbisch. 

GEMEST ? in Web. Rechnung. 
>Dem Blettersötzer vom hundert 
blaw und gemest 5 hllr. Vom 
Gemest eins Fadens 4 hllr.« 

GEMOLGELET part. fleischig, 
corpulent. Seh. 

GEMÜLLE, das, Auszkericht: 
>won sy oft (Maria als Tempel- 
mädchen) den tempel fürwet 
und den estrich und das ge- 
mülle hinausztrag.« cgm.^ 257. 
f. 89. 

GEMÜS, das, l)Moo8werk an Bäu- 
men, sumpfigen Böden. 2) DasGe- 
miesz, das Müszen. Stauden. 

GENADEN swv. 1) den 13. 
August genadete mich Gott mit 



188 



Genesoh — St. Georg. 



dem 12. Kind, einen Sohn Na^^ 
mens Abraham.« Elias Holl von 
Wajjrenseil 1818. In d' Gnaod 
gan, in die Kirche gen an Ab- 
lasztagen. Stauden. »Die gnaden- 
reich e Sarch,« d. i. ein heili- 
ger Leib, oder Beliqnien. Ehren- 
fest S. 58. Gnadenfeld, Flur 
bei Günzburg. 2) Abschid nemen. 
F. P'abers Pügerb. 

GENEITEN swv. nicken. »Dear 
gneitet nett beas.« Stauden. 

GENESCH , Spinat. Lindau. 
Binätsch, Franken, Wirtemb. 

GENIESZ, der, Genusz, Anteil. 
>In Allem gleich enG.haben.< 
Akten. >ünd ain solichs weder 
von Lieb, Laid, Gab, Schankung, 
Geniesz, Verlusts u. s. w. Bi- 
schöfl. Straf 0. f. 10». 

GENIST , die , das Aufkomen 
ausz Krankheiten, Genesen. >Sol 
sein, dasz die Säugamm aus den 
6 Wochen komen sei, bis zu den 
zwelffen; also je nachener nach 
6 Wochen oder nach 12 die Säug- 
amm in jrer Gneist, je löblicher 
esz an jr ist. Darum sind sienit 
ze loben, die 2 oder 8 Kind ab- 
saugend. Die Zeit jrer Gneist 
soll nit ser früh gewesen sein, we- 
der dem Kind, noch zu Anderem.« 
cgm. 601 f. 99*. >Zeichen aber, 
die da bedeuten Gneist oder 
sterben — da sol man merken 
die Farb.> f. 114*. Adj. genist- 
11 ch: »Die (Kinder) weisz oder 
rot sind bei den Durslächten, die 
seind genistlich.« a. a. 0. und 
oft. Bei Schm. U, 706 fi; stet 
nur die adj. Form genissig. 



GENNEN swv. Einderspile 
treiben. 

GENBEITEN, spr. gereite, 
entgegen reiten, bes. beim Braut- 
abholen. Stauden. 

GENZEN in engenzen swv. 
von Ganz, das (^anze zerteilen, 
zerlegen: >Wird aber das Holz 
engenzet, swan ez engenzet 
oder zerbrochen wird, so sol 
ers dennoch vor dersellen nacht 
ousziehen.< Glosse z. Augsb. Stdtr. 
f. 15*». >Wer einen Kochherd oder 
Feuerstätte an eine gemeinschaft- 
liche Maur machen will, der solle 
soweit die Feuermaur gehet, einen 
halben Maurstein, aber oben auf 
dem Kümmich auf das Wenigst 
ein Viertel eines Maursteins an 
solcher Mauer gegen seinen Nach- 
bar unz ergänzt und unausge- 
brochen ligen laszen.> Bau 0. 

GENUL, GNÜEL, Verwirrung 
im Handgemenge und Reden. 
Se hand a Mette und a Gnual 
Als wärents in 'ra Judaschuel. Seh. 

St. GEORG, der Ritter, er- 
scheint ser häufig in ,dem alten 
Bistum Augsburg als Kirchen- 
heiliger. In Augsb. selber war 
der St. Georgenhof. Die Ge- 
orgengasse und das Georgen- ^ 
gässle. Volküblich Jergemer- 
gässle. Der Elucid. von 1548, 
Augsb. Auszgabe sagt: »Etwui 
so die Teutchen kriegen wolten, 
ruften sie Herculem an, wie jei- 
under St. Georgen den hL Rit- 
ter.« St. Georg ist Patron dar 
Ritter. In Fischach komt ein 
Flnmame: Gergenhols vor. 



Geradaffer — Grerümpel. 



189 



Ein Fiigger-Eiröhb.Wald»Geor- 
genhölzchenc komt in Mickh. 
Granzbeschreibungen vor. (50 
Janohert.) 

GERADÜFFER, cL h. gerad 
ha^nfkomend , heiszt beim Lin- 
daner Schiffer der Unterluft 
Vom üntersee, Nordwind. Os ter- 
Inft NO.Wind. SO.Wind ist 
der Klnser. Pfe, SW.Wind. 

GERAFFEL, das, strepitus. 
>Under welchen Yon stund an 
ein Geraffel yon Pergamo und 
grosz Geschray erhört ist worden.« 
Trojanisch. Krieg. 45^. Schmell. 
m, 69. 

GERÄSP, das. »Der Han förch- 
tet die Wespen und so man ime 
ein Geräsp von Weinreben in 
Form eines Rings um den Hals 
legt, soll er nicht mer krähen.« 
Gockel. S. 14. 

GEREN swm. 1) Zwickel im 
Kleide, besonders im weiblichen 
Unterrocke. >Da erschain im Ma- 
ria gar in ainem schonen kchlaid, 
das hett 3 geren, die woren all 
Hberschriben mit gülden Ave Ma- 
ria.* cgm. 164 f 20^. 2) eine 
schräg ansteigende Anhöhe, eine 
spiz auszlaufende Berghöhe. Vgl. 
mein Wbl. 33 ff. Meyer 0. N. v. 
Zürcherkanton 84. Schmell. II, 62. 
Der Hauser Geren bei Dillingen. 
Public, des bist. V. 1836. 67. Im 
roten Geren beiHorgau; Mit- 
tel geara, Holz gear ab. Schöne- 
feld. Rotengerenwisen, Forst 
Biburg. Gearahölzle, Wilma- 
tingen. Geara Wald bei Hart. 



Geren schlauwi8en,Depshofen. 
Gerenfeldschlau und Geren, 
Waldberg. Mein Wbl. 33. 

GERHENLE? eine Pflanze: 
»Venchelwurzen u. Gerhenlen- 
würzen, auch tüUensaumen, ven- 
chelsaumen und eneiszsaumen.< 
cgm. 601 f. 100^ 

GERISEL, das. »Das lezte Vier- 
tel — verspricht — Regenge- 
ries el< — >sezet sofort mit Re- 
genger iesel und rauher Luft.< 
Hofkai. 1751. 

GERNER. »Dem Gern er für 
den Gumber 22 kr.« Web. Rech- 
nungen. 

GERSTEN swm.G ersten- od J[a- 
berschleim in derPfründO. 1462: 
»Zu dem Nachtmal ain Gersten 
und aber ain Milch.« »Ain Ger- 
sten in ainer Milch und ain 
Milch darzu.< a. a. 0. Adelung: 
Der Gersten, ein Gericht von 
Mel, Eiern und Milch in der 
Pfanne gebacken. Vrgl. Schmell. 
U, 66. 

GERT in Weberrechnungen? 
>Item von einer brait Gördt 
3 hll. Von ainer Spinnetgördt 
1 hell. Von ainer schmala Gördt 
u. s. w. (bei den Blättersezern). 

GERUMPEL, das, Lärmen zu 
rümeln gehörig. >Von lieben 
rümlet dir der bauch.« Altes 
Loszbch. hs. 
>Im Earrengässlein , allwo man 

beim Nüebcr anzutreffen hat 
Ein frisch und guetes braunes 

Bier, das mehr Kraft gibt denn 

mancher Plump el 



190 



Ges&ls — Gesolmii. 



Der in dem Bauch wenn man ihn 

trinket 
Erreget Lermen u. Gerumpel.« 
Kai. 1747. 

2) Ein Durcheinander von alten 
Gerätschaften. > Darnach ist er 
sie (die Domherrn im Chore) mit 
zornigen üppigen bösen Worten 
ankörnen, und ihre Biecher hin- 
und hergeworfen und ain krim- 
pel darmit gemacht.« S. 561». 
Grimpelmarkt. >Grimpeln ist 
auf dem Fronhof den Bürgern 
erlaubt.« Vrgleich 1602. 

GESÄLZ, das, eingesottener, 
syrupartiger Früchtesaft. >Solch8 
Pulvers prauch die Saugamm mit 
jren Kosten, das sie ein Wein 
daran giesz, und dunk ein Brot 
darein als in ein Gesälz < cgm. 
601 f. 100^ Maulpeerselz. 
f. 108^ Bayerisch Salzen f. Das 
Wachholdergsälz. Zusmarsh. 
und sonst. 

GESÄSZ, das, 1) »der Stul oder 
Seszel oder Gesesz ist in der 
Spize desHimels septentrionalis.« 
Regiom. 1521. 2) >DieErmel und 
Gses mit Panzer.« Kleiderb. 8) 
»Stallung, Garten und Gesäsz, 
die Plankenmülin genant.« cgmi 
2517. 

GESCHANKTÜM, das, Ge- 
schenk. 

GKSCHAÜ, die, spüt bei den 
Agsb. Zünften die hervorragendste 
Kolle neben den Yorgeern, Busz- 
meistem u. s. w. Nach dem 
SOjärig. Kriege gab esz 9 F 1 a i s c h- 
geschauer, 4 Unschlitge- 
Bchauer, 2 Br»ntweinge- 



schauer, Geld^iBBohaviBr, 6 
Brotgeschauer, 4 Wollin- 
Gwandg schauer, nach der 0. 
y. 1549 gab esz 7 Geschau- 
meist er bei den Webern, die 
bei jeder Conzessionserteilulig vom 
Meister 1 fl. erhielten: Hfl. fielen 
indieBüchse. 4Biergeschaaer, 
2 Weingschauer u. s. w. Je- 
des Gewerbe muste sich disz 
woltätige städtische Amt gefallen 
laszen. Sogar dem Stadtziegler 
wurde der gebrante Zeug nebst 
Kalk bei jedem Brande geschaut. 
Bau 0. In der Memminger Feuer 
0. V. 1765. S. 6 komt ein Bau- 
sch auamt,B au schau obmann 
vor. Bei der Geschau stand 
oben an der Geschanmeister. 
DieGeschauwalen, Geschau- 
mal er komen oft vor in den 
Akten. Natürlich spilte die We- 
bergeschau die Hauptrolle. Die 
groszeWebergeschanwal&nd 
jedesmal den 28. Dez. statt. 1) 
>Erstlichen ist ein Aofisohreib* 
zech: da werden diefeyrenten 
Geschaumeister au%e8chriben, die 
f eyret sein und die feyr et wer- 
den: beederseits lutherisch and 
katholisch. 2) Musz der Gatter 
(er) ansagen zu der Wal bevorab 
denen die abdanken. Die Par- 
they die ein Bixenmeister erwellt, 
die hat den Vorzug. Die Un- 
kosten auf die Winterrechnung. 
Den nesten Rats tag nach der 
Wal werdt der Gesohaumeisters 
Bericht eingegeben. Nach dem 
ersten Ratsdag nach dem newen 
Jar müssen sie schwören.« Naeh- 



Geioheel — Geeohlag. 



191 



her Makeit mit 14 Personen: die 
Bixenmeister sizen den Beisizem 
zur rechten; auf der linken Hand 
die Kellermeister: dabei der Hand- 
werksdiener. Geschaumalzei- 
ten in Söhnst. Akt. Die Geschau 
derS^andenwaaren, eine nicht 
imwichtige Einrichtung. Her- 
kömliche Redensarten sind: Für- 
legung an die Geschau Ar- 
beit so an die Geschau gehört. 
Uffhörung der Geschau (uff 
Jaoobi).« Alles was der Geschau 
gemäszist. An die Geschau wür- 
ken (1549). Die Barchetge- 
schau (fängt nach Bartholome 
an), Geschautage, Geschau- 
pfennige, die schwarz Ge- 
echau. Abschauen. 2) Besich- 
tigung des Hauses und des Hofes, 
die in Oberschwaben dem Hoch- 
zeitstage voranget : uffgschaob. 
In Lauchheim uff gschab. In 
der Zusmarshauser Gegend komt 
die Braut oder der Bräutigam 
dahin wo Haus und Hof ist; die 
Braut sieht in der Regel den Hof 
ein; gibt ire Mitgift blosz an 
beim 2. Besuche, was man glaubt 
und den Aufsaz beginnt, d. h. 
das Heiratsgut wird schriftlich 
gemacht und die Hochzeit fest- 



GESCHEEL. >Das viereggende 
Holz uff 4 Seulen wird das Ge- 
scheel genennet, welches mit 
einem Müllerstaub-Leim wol ver- 
kleibetist, damit das Griesz nicht 
herauszrinne « Faulhaber 

GESCHEIBS, genitivisch. Adv. 
ringsum. S. hat: »Und haben 



dasselbs gescheybs herum 6 
Meilen Wegs alles verprannt.« f 
84». »Und ist mit dem hoohwir- 
digen Sacrament und mit dem 
Hailtum gescheibs um die Statt 
gangen. < f. 47*. >2 Meil weit ge- 
scheibs um die Stadt.< f 116V 
»Gescheybs um hat er alles 
Vieh genomen.i f. 156*. »Dernach 
sind sie gescheybs um das 
Tanzhaus gerennet.« f 296*. »Die 
Menge stand vor des Rats ge- 
scheybs in einem Haufen.« f. 
216^. >Mit einem breiten Saum 
gescheybs um.« f 530*. u. s.w. 

GESCHENDIG, unverschämt im 
Begeren. 

GESCHLACHTE, die, Schlach- 
tete. 

GESCHLAGEN part. in Ver- 
bindungen wie 1) »du wärigt ja 
a geschlagner Mä,< herb vom 
Unglück heimgesucht. 2) Anhal- 
tend fort: I wart schon schiar 
agschlagne Stund. < Seh. »S'Ma- 
növer hat dauret 'n gschlagna 
dag.« a. a. 0. 

GESCHLAG u.-chtung d. Lo- 
che, muste von jedem Hausbesizer 
gemacht und unterhalten werden. 
>Ge8chlag und Geschlach- 
tung. Bau Ordg.: »damit ein Je- 
der wisze wie weit er die Bach- 
mutter in dem Grund laszen, und 
also sein Geschlacht darnach 
machen solle«. »Welcher Burger 
oder Inwoner an den Lechen zu 
geschlachten hat, dem solle 
von dem geschworenen Amt ernst- 
lich und bei Straf zweier Gulden 
anbefohlen werde. Das Ge- 



192 



Geschmalg — * Geschwank. 



Schlacht nicht dem ebenen Bo- 
den gleich zu machen, sondern 
wenigstens einen Baum über den 
Boden herauszgen u. auflo chen; 
die Schwingen aber über diesen 
Baum noch wenigstens 2 Schuh 
hoch überstehen zu laszen und 
solche entweder mit Brettern und 
Latten zu verschlagen, damit Nie- 
mand so leicht in den Lech fal- 
len kann. < »Diejenigen hingegen 
so vor ihren Häusern auf Reichs- 
strasz ob ihren Geschlachten 
über den Lech einen s. v. Pri- 
vetsiz haben sollen die Säulen 
desselben hart an die Geschlacht 
sezen.« 

GESCHLERF, ntr. profanum 
vulgus. 

GESCHLIERIG adj. was ge- 
näschig. Seh. 

GESCHLIFFIG adj. scharf ge- 
schliffen. >Und hauet mit g's ch 1 i f- 
figaSeagasa alles entzwei. < Seh. 

GCHLOSZ, der Nierenbraten. 

GESCHLÜNGEL, das, Einge- 
weide der Tiere. Biesz. 

GESCHLÜTTER, das, Schnee 
mit Regen, was böse Wege macht, 
in anderen Gegenden mulzig. 

GESCHMACH adj. >ünd i hätt's 
gschmöcher one di.« Seh. 

GESCMALG, das, 1) Durch- 
einander von Speisen: >Mach 
kol so Gschmalg nett!< >Ein 
verschmalgtesEszen.< Schmal- 
ger, der die Speisen durcheinan- 
der schüttelt, rürt oderzusamen- 
wirft. 2) Durcheinander vom 
Reden. 



GESCHMAÜKLAT, lieb, fein. 
>Denn lueg 's ist gar a feindli 

gschmauklats Sohnekla, 
Und hat so feine roasaräate 

Bäckla. Seh. 
GESCHMEIDIG. > Aubz gemeiner 
Handwerkskasse einen g e b o h m ei- 
digen Trunk anstellen.« Web. 
Akten. 

GESCHNÄFTIG, vorwizig. 
»Drauf reiszt jm Gott a Rippa 

raus 
Und macht a g 8 ch n ä f t i g 8 Eavle 
drausz. Soh. 

GESCHNAPPEL, das, Bet- 
nobblerei. 

GESCHNATTELWEBK, profa- 
num vulgus, was sonst G^schnoadl- 
werk heiszt. Ich verweise auf 
Gschnoid durcheinander gewor- 
fenes Grosz- und Kleinholz etc. 
Mein Wb. 37. Auf Gschnoid 
b. Frauenzell. 

GESCHNATTER , das , Ge- 
schnader. 
Die Maria, die Säbel und die 

Kätter, 
So währt einen halben Tag ihr 

Geschnatter. 
D. h. sermonem fEiciunt, im H. 
Simplex. 

GESHNAZET, spiziges Gesioht 
habend, mager, dünn = s o hm al- 
ba ket vom Krankenlager her. 

GESCHOSZEN, 1) rappel- 
köpfig. 2) Geschoszen, ge- 
schupft Brot, von dem die Rinde 
wegget, nicht anligt. 

GESCHWANK, »er heiszet Sa- 
tan an Geschwank.« egm.402. 
f. 78*. 



C^ohwapplet — Gespat. 



198 



. GESCHWAPPLETfiurtübervoll, 
SL B. ein Hafen, die hole Hand 
IL 8. w. ; das seltene Verb, s e h w a p- 
peln, fast überlaufen, ligi zu 
Chrande. 

GESGHWÜLia adj. schwül: 
>da8 lecte Viertel neiget sich auf 
geschwüUige warme Witter- 
inig.< HofkaL 1772. 

GESEGNET, GSENGNET, das, 
1) Auszschlag, Einderkrankheit: 
>daB Gesegenet kumpt in Kin- 
dern, so die Natur ausztreibt das 
überhitzig Blut von inwendig des 
Leibes auswendig und kumbt zu 
Zeiten unter dem Angesicht.« cgm. 
601 f. 112^ >Hüt dich , dasz du 
das Gesegnet nithin und wider 
hineintreibest.« a.a.O. 2} Geseg- 
nets heiszen die an gewiszen 
Festen kirchlich gesegneten Brote, 
Wein, Fleisch u. s.w. Dafür ist 
Günzburgisch und niederschwäb. : 
>Gweichts« gebräuchlich. In 
der Zusmarshauser Gegend ist 
Gseng Gottl imer eine Dank- 
formel. Beim Empfange sage ich: 
Gelts Gbtt! der Geber: gseng 
Gott! Beim Trinken sagt der 
Trinkende: Gseng Gott! Con- 
lin: >Nicht Gott, sondern der 
GsengGott hat sie also erleuch- 
tet.« Von einer Trinkerin. 

GESELLENBROT. >1 Stück 
peuteltuch zu Gsellenbrot hat 
24 Ellen; zu Herrenbrot zwi- 
fach, zu Speyszbrot 51 Ellen. < 
cgm. 740 f. 13». ? 

GESIND. ImElimmacher Pfarr- 
buche ist das uralte Sprichwort 
T<»& Gesinde also gegeben: 



Oeconomica: Was desfahls der 

Pflug gewinnt, 
Friszt nach dem allgem. Sprich- 
wort das Gesind: 
Hierwegen dann pro utilis hinan- 
fällig nihU. S. 53^ 
Gesind heiszen auch in den 
Schusterakten As. die G e s e 1 1 e n. 
In den Schriften ist das dimin. 
Gesindle üblich. Im Fugg. Inv. 
werden Gesunde schiss ein, 
grosze, aufgezält, femer Suppen- 
schissein für's Gesunde. 

GESOD, GESOTT, das, klein 
geschnittenes Viehfutter. S.f.22*: 
>Haben müszen ihre Häuser, mit 
Stro gedeckt, abdecken und ent- 
plessen, und es zu Gsod ge- 
schnitten, damit sie das Vieh 
emeren.< Gass. sagt a. 1481 sei 
das >Gsod8ch neiden erstmals 
allhie aufkomen.« Gsothaber: 
>Was aber ihr Gemüs von Gsott- 
haber, Visis und andere Rauch* 
mel belangt. < Poliz. 0.81. G s o d- 
stuel. Seh. u. (1642) Mickh. Akt. 
>N. hat 6 Tag auf Schlosz Not- 
turft Gsot geschnittisn.« Mickh. 
Rechn. 1567. >2 angerichte 
Gsodstüel.« Hart. Iny. Gsod- 
messer 1610. Gsod heiszt auch 
im Zusamtal die Fülle for Würste. 
GESPAT, das, Spaten: »Um 
ein Gspat zue Schlosz Notturfb 
zue gebrauchen. < Mickh. Rechn. 
1667. »Zur Verbeszerung eines 
alten Gespates.« 1623. Gespat, 
in den Stauden allgem. üblich, 
für den glatten scharfen Spaten 
zum Wasen- und Grabenstechen, 
zum Unterschiede v. der Krumm- 
13 



194 



Gespreiszt — Gesundstem. 



schaufei, was sonst in Schwa- 
ben schlechthin Schaufel heiszt. 

GESPREISZT was gestarzt, 
gesperzt — affektiert. 

GESPÜR, vestigium. Volkübl. u. 
im H. S. »lieber ein böses Ge- 
spür geniKlimmacherPrdgtbch. 

GESSERTSHAÜSEN 0. N. ausz 
urkdl. Gozhereshüsen. 1270. 
Gozzerhüseh,Gözzershüsen. 

GESTÄTTELE dimin. >Ein 
Weinschreiber verkaufte die alten 
ümgeltbücher den Krämern für 
Maculatur zue Gestättelen.« 
Gass. Gstattel, Düte, niederwb. 
Gu gge. Nördl. 

GESTECHLETS Waszer. »Man- 
delmilch, die zieh man ausz mit 
gestechlotem Wasser.« cgm. 
106 f. 110». ? 

GESTEN, stv. zu sten komen, 
kosten. >Ain müU diegestaind 
in auch bei 3 Gulden. — die tä- 
vel gestund bei 200 gülden. — 
der grosz fanen gestund zema- 
len 14 fl. — das prustbild ge- 
stund den kuster 8 fl.« Franks 
Annalen. Bei 0. Ruland häufig. 

GESTERR adj. stärrig , bock- 
beinig. 

>Sost bigt so grätig wie derSaul 
Und ggtärrer als a Judagaul.« 
Seh. Dau sind so koinzig gsterra 
Schwänz.« a. a. 0. 

GESTOSZEN part. ein unter- 
sezter Mann. »Aeneas rothaarig, 
gestoszen, wol beredt, grusz- 
bar.« Troj. K. 67^ >Aiax Oileus, 
gestoszen, kräftiger Glidmas- 
sen.« a, a. 0. >Diomede8 stark 
gestoszen, herrlichs Leibs.« 



f. 68». >Und händ auch (die im 
Aries Gebomen) einen gestous- 
zen krummen Üb.« Astr. f. 14*». 
und cgm. 736. (obtusus.) Ge- 
stoszenes n. Speise. Gonlin: 
» der Eehmann traktierte sie 
fast alle Tag mit Gestoszens.« 
»Ein guter Soldat musz seine 
Feind zu keiner andern Speis la- 
den, als auf ein Gestoszens.« 
a. a. 0. 

GESTRÄÜSZ, daa. 1) >Wer 
ainrewmer, einGestreysz oder 
ein Mürmelen in dem hub oder 
machet.« cgm. 402 f. 129. 2) 
Wald. Gass. 

GESTRAZ, röm. Ursprunges, 
ein Fort daselbst. Publ. ds. bist. 
V. 13. 14. S. 91. Gestraz 
gilt von der Nachbarschaft als 
dumm und beschränkt. Spöttisch 
fragen die Röthenbacher: >ma 
moint, du seiischt von Gstrazz? 
Der Gestrazzer antwortet: >die 
Gstrazz er sind scho ao Leut 
wie d'Röthabacherl« 

GESTRECKTERLINGS adv. 
auszgestreckt. 

GESTÜL, das: >er macht das 
G e s t i ei« zu der Glocke.Frank 104. 

GESTÜP, das. Staub. >Wanii 
unser Sele ist gediemütiget in dem 
Gestüp, unser Leib ist zu der 
Erden gelymet.« cgm. 206 f. 173*. 
>Mein Gott, leg sie. als ein Ge- 
stüp vor des Yeindes Antlut.c 
f. 187» u. öfter. 

GESUNDBRUNNEN warenbeim 

Klenker und Wertaohbmckertor. 

GESUNDSTEIN > goldene Agans 



GerandHoh — Gieszen. 



195 



JDti^ Kreuz oder in Gold gefaszte 
€^gand8tein.< Kleid. 0. 1668. 

GESÜNDUCH, adj. für gesund: 
>Buge8andliclienZeiten.< Yer- 
l^leich y. 1494. 

GETRANG, gedrängt, »ser ge- 
jirange Predigt.« Dr. Müller. 

GETRÜMMEL, das. >SoAenea8 
^pider die potschaft geredt, hat 
«iehein grosz Getrümmel er- 
liebt.< Troj. Krg. 15^. 

GE WÄLTIGEN, mit Gewalt 
verhindern. L. Bern. 

GEWANDSTEINE in der A. 
Bauordg. »Wollte Jemand andere 
Steine als z. B. Gewand- und 
Speichelstem machen laszen« u. 
a w. 

GEWASZ, scharf, heftig, vom 
•Ctewitter: >d6 kam ein grosz ge- 
wasz witter von groszen winden.« 
-egm. 247 f. 11^. Mit Anszfall des 
hh. Schmell. IV, 15. 

GEWELING adv. warsch. für 
gwelings, d. h. mit Wellen 
Icämpfend. >Nach mitnacht ward 
der wind so heftig, daz die anker 
Bit huelten und mosten gweling 
fium mit dem Sturmwind. < Luc. 
Bem. 10. 

GEWICHT, das, Geweih. >Ein 
fluchtiger Hirsch mit seinen Ge- 
wichtern.« H. S. 

GEWIFELT part. Im Fugg. 
Invent. erscheinen: »leinwatene 
leilacher mit gewifeiten und 
Andern porten, « > leinwatene Für- 
Leng mit gestrückten und ge- 
"wifelten Porten. « Ist wol nichts 
als gewürfelt darunter zu ver- 
4rten? Die Weber 0. v. 1549 hat 



gewürflete Ziech. >Item es 
mag ein jeder wol ain g e würf- 
le ten oder. vergleisten Ziech- 
stul haben.« 

GEWÖLB , das. 1) wie nhd. 
Yerkaufsladen besonders bei der 
Weberzunft. >In den Gewölb- 
stein bezalen.« Web. Akt. Esz 
ist eine Art Miete. Gewölb- 
zins wird dasselbe sein. Die 
Rechnung darüber fürte der Ge- 
wölbschreiber. DasSt.Anna- 
gewölb mit einem Gewölb- 
schreiber. 2) Das geheime G ew ö 1 b- 
le, Stadtgewölble, Straf- 
gew ölble: alles ein und das- 
selbe bezeichnend." Mit dem G. 
wurden leichtere Polizeivergehen 
gestraft. Gewölbl-Straf , oft 
in den Weber Akten. >Ein bür- 
gerliches Gewölblin« Mezg. 
Akt. 18. Jarhd. >Mit VerschafiFung 
auf den Turm, in ein Gewölb 
oder in die Eisen abstrafen.« 
Pol.O. DasStrafgewölblegalt 
härter, denn das Bürgerstüb- 
lein. In einer Ordg. v. 1647 heiszt 
esz: > Winterzeit aber, da es gar 
kalt ist, (soll man) der Wacht be- 
fehlen, diejenigen, so man ein- 
zieht, nicht in's Gewölblin zu 
legen, sondern in's Stüblin.« 

GEZEUG , das , in dem Augb. 
Messbuch öfter für Alles was zum 
Messelesen gehört. >Mit dem 
rechten Gezeuge, den die Kir- 
che gezezt hat.« f. 2^ u. s. w. 

GIESZEN swv. Gieszbretter 
urkdl. z. Langeneifnacham groszen 
Weiher. Giesfaszstn. das Gefass 
13* 



196 



Gift — GlaBse 



zum Begieszen der Hände des 
Priesters vor der hl Messe, in 
der Sakristei; die Handlung heiszt 
Aufgieszen. »Damach so get 
der briester zu dem Gieszfasz 
seine hennde zu waschen, c Augsb. 
Messb. 3^ 

GIFT: im Sinne von Mitgift 
stet mir ausz schwäb. Akten kein 
Beispil zu Gebot, wöl aber in 
folgendem Zusamenhange: >Essol 
auch mit Namen kain unser Bur- 
ger noch Bürgerin dechain ir 
Gut, wie das genannt ist, weder 
vermachen , verschriben noch 
kainerlei Ordnung, Gift oder 
Gemächt damit tuen.« Memming. 
Stdtr. »Und sol dennocht desselb 
gemecht, verschriben Gift und 
Ordnung gegen den Geltem we- 
der Kraft noch Macht haben. < 
a. a. 0. 

Handgift. >ümb handgiff- 
ten.< »Wir habent auch me ge- 
sezt, dasz kain unser Burger, er 
sei rieh oder arm, zu den Wihe- 
nächten nement mer h a n d g i f f- 
ten, so usserhalb seinem aigen 
hus, da erinne seszhaftist.« a.a.O. 
GIGELN swv. hüpfen vor Freude, 
>'s Herz g igelt mir im Leibe,« 
oder » deam hät's gigelet.« Günz- 
burg. >Dear hat 'n G i g gl. < a. a. 0. 

GILER zu Franz Pfeiffers An- 
merkungen, im Eonrad von Me- 
genberg S. 804: >Wan die in 
Wirdigkeit gesazt sind, die ha- 
bend vil zu tnttler undGiler, 
und die do redundsind was 
in gefellet« cgm. 208 f. 51*. 
»Und ob sie sollichen Giler 



globund sind, sokumptdas, dass 
sie nicht tun sind nach dem 
Rechten und Vernunft « a. a. 0. 
>Wie vil mer sye Giler haben, 
die sie mit dem Lob wellent 
verkeren.« a. a. 0. 

GING£RL,GANGERL mBckm, 
scherzhaft für: baumeln am 
Galgen. Einem Verbrecher be- 
gegnet auf dem Wege zum Gal- 
gen ein spiznasiges Weib, die in 
nach der Sitte auszbitten will. 
Der aber kert sich ab und sagt 
zu sich selbst: far fort, mach 
gingerl gangerl, sie h4t ein 
spizig Nasen. H. S. 

GISGHEN, und GIREN, garen 
V. Weine. 

GISIDISI n. alte Burg bei Hett- 
lingen. Ueber d. Erld. sieh unten 
Zisa. 

GISPEL, der = Gipfel an Bä«. 
men. Stauden. 

GITTER,- derBodensaz deraiMs- 
gesottenen Butter. Günzburg. 

GLASZE, GLOSZE in der 
Waidmannssprache? >De8Hirssea 
Glosze ist grosz und kecke und 
hat zupflen und hanget an ein- 
ander und zu den Faisten Bchley- 
mig, dicker, dann eine Spanne 
weit. So ist ein Hindengloee 
sinbel und klein recht als einer 
Gaisz und gaglot. Wa du das 
gros Glosze und das Dick fin- 
dest, so wisz sicherlich, das« es 
ein hirsz ist und macht jn wol 
ansprechen fEir ein Hieno.« >Und 
(die binde) lug an das gloeie 
auf dem schnee oder in dem rei- 
fenden Sande nnd Ertrich, •!■ 



Glatthinweg — Gockel. 



1»7 



ioh vorsohriben hon von dem 
GloBze wie das geschaffen ist.« 
Cfm. 289 f. 106. 107. 

GLATTHINWEG, mundartl. 
glatt aweggh. Luz, Tagbch. 
66. YergL Glatterdings, ganz 
wid gar. 

GLAZEND. >Weiber mit Bar- 
ten bis auf die Brost, auf dem 
Haupte glatzend.« £lucid. >Pau- 
lus war klein von Person, bucklet 
auf dem Kucken, glazet auf dem 
Kopf, langnaset im Gesicht. < 
Oonlin. 

GLOCKEN und gazgen von 
den Hennen, cgm. 581 f. 80». 

GLOCKE. >Die dunsamlautende 
Glocken, mit welcher man zu ge- 
wissen Tagen denThumbherrn 
sum Pres enzgeld (läutet), da- 
her sie gemeinglich die silbern 
Glocken genant wird.< Gass. 
Im Fugg. Inv. erscheint khl ek- 
let oft: >41einwateneKü8zziechen, 
der groszem mit weiszkhlök- 
kelten porten.« 

GLUB, der, Rize, Glumse in 
der Wand. Sieh k lieben. 

GLÜCKSELIG. 1) günstig vom 
Wind. »Und der Wind lüfite 
glücksäligzumSchiffen.i Troj. 
K. f. 7^ 2) Auf der Strasze und 
in den Stauden lautet der Grusz : 
Glückseligen Morgen f. guten 
Morgen! 

GNÄSCHING adj. naschhaft. 
Biesz. Nördl. 

GNÄSTIG, vorwizig, vorlaut. 
Mindelheim. 

GNOSSEN, comessari, Völlen, 
Vocab. cgm. 685 f. 31^ 



GOCKEL. Holzgookel heiszt 
in der Mindelheimer Gegend der 
Schwarzspecht. In den Stauden 
gleichfalls üblich; der Reim: 
Jaggele 

Hast mier nix im Saggele? 
Ja a Wolkele: 

Kom, i gibs 'm Holzgockele. 
Go ekele, Hau, in den Stauden. 
DieBremburg auf dem Schalken- 
berg bei Wilmatshofen versank. 
Das Volk erzält, »man hatte den 
Go ekele noch drei Tag höm 
schreia.< Göckelestal bei Dü- 
lingen. Eine Ortsneckerei ist: 
z'Hennahofa ist der Go ekele 
verreckt; kannst Henatreter wea- 
re, ist die Antwort. In Rein- 
hardshausen hörte ioh: 
Z'Reatshausa ist a Mädle 
Dia ist gar a so fei; 
Dia schuibt a Goggele beim 

Hennaloch nei 
Beim Daubaloch rousz. 
Därusza hockt a schwarz Käzle 
Des paszt uff a Maus. 

Ein Gockelspi 1, sieh im An- 
hange. Gockelerhof in Augsb. 
>Göckel aufreiszen<, dieAu- 
gen aufreiszen: 

»Der Nazele reiszt Gockel auf^ 
Asz gieng ear ufm Pläzle drauf. < 
Seh. Günzburg. 

Vrgl. unten Gul. ImGocke- 
lius S. 19 ff. heiszt esz: »Man 
hat auch etliche Sprichwörter von 
dem Hahnen, indem man von 
den Vertunischen und im Frasz 
und Schwölgerei lebenden Men- 
schen zu sagen pflegt, dasz sie 
sich über des Gockelhanen 



198 



Göckelmann — Gold. 



hungrigen Magen und ge- 
fräszgen Bauch beklagen. 
Ep springt auf wie ein zorniger 
Gockelhahn. Der Gockel- 
hahn spilt den Meister auf sei- 
nem Mist. S. 20. 

GÖCKELMANN spöttischer Bei- 
name König Ruprechts, als er a. 
1402 unverrichteter Sache ausz 
Italien heimzog. In Augsb. ward 
das Lied auf in gemacht: 
Der Göggelmannist komen har, 
Was hat er thon? 
Er hat eine leere Taschen bracht, 
Das ist wahr. 

Augsb. Chr. Zapf, Biblioth. I, 41. 
GÖGGINGENbeiA. Davon be- 
nannt: Gögginger Mauer, 
Göggingertor, Gögginger- 
tor-Turm, jezt abgebrochen. 

GOLASCHEN,jezt schwäb.urspr. 
höhmisch Backwerk bes. in Lindau : 
>oder seind ihm die böhmische 
Golaschen eingefallen?« (dem 
verlornen Sohn.) Conlin. 

GOLSCH pl. die Go Ischen, 

Barchentart , Bodentuch. G o 1- 

80 h engschau, sieh Memming« 

Stadtrecht u. Leonhard's Chronik. 

Nach der Burgauischen Web. O. 

mnste jeder auf die Golschen 

tmd Leinwath sein Zeichen mit 

der Oelfarb aufstechen, niclit 

mit Rötel und Kolen. Jn der A- 

Web. 0. von 1549 wird der La^i 

-^on ainem Golschen fe8tge8ezi>- 

^olschenstul Golschenradi- 

^8z war G. eine g-a^^JZ geringe Af^ 

^on Leinwand. 

^OLD, das. i) Ooldfastei»^ 
j, ^e, fand ic], ^^^ ^'^jrer. codd. häu-^ 



figer denn in schwab.' >In der 
goltvasten« im Advent; >inder 
G. des Advents.« »Zu aller Zeit 
Goltvasten« cgm. 62 f. 2*. 5*. 
6^ u. R. w. 2) Goldschmid 
heiszt in der Kindersprache der 
Goldkäfer (carabus auratus)^ 
den die Buben auf die Hand se- 
zen , etwas drücken und dabei 
sprechen: 

Goldschmid, Goldschmid 
Schlag mir au Oell 
Oder i verwürg di 
An Leib und Seel! 

In Klimmach und Birkach 
heiszt esz: 

Goldschmid, Goldschmid 
Gib m'r a Gold 

Oder i stil dir dein goldena Huet \ 
8) Gold inZusamensezungmii 
Flurnamen ist nicht selten : Go Id- 
wisen, Reinhartshofen ; Golda- 
w e i d a, Langeneringen. Das Adj. 
goldin und guldin komt in 
folgender Bedeutung vor: 1) die 
güldinen Reiter hieszen die mit 
übergüldten Borten und Schnüren 
umhängten Stadtgardisten auf 
dem Walle, Goldreiter auch 
genannt. 2) Goldener Tag, der 
Tag nach der Hochzeit, warschein- 
lich von Altbayem eingebürgert. 
Vrgl. Schmoll. IL 34. 3) Bekant 
ist der goldene Saal imRath- 
hause. 4)^Goldeiiö« Stüblein 
hiesz emals auch di® Mezgerata- 
ben. Mezg. Akt. 6) >^^^«®? ^ 

Pfriendtner und Spi^^®^' 

man allen den g'^^ 

geben.« Web. ^^^^^^'"^ 

Sumer 1520 ganz ^^«« ^^^' 



denen 
ildin Guldi 



200 



Göie — Gras. 



könden keine Gotsp fennige 
nit annemen.« Vrtrg. von 1647. 
»Gottlob geac in den Stauden, 
eine Art Taufsclimaus 8 Tage 
nach der Taufe; dabei sindHeff- 
amme, Yater, Mutter, Paten: alles 
ist lustiger und guter Dinge. Ich 
mache hier auf das Tuttlingische 
oder überhaupt altwirtembergi- 
sche >Gotlobeten feiern< auf- 
merksam. Nach disem TutU. 
Wiedergenesungsfest hinterlaszen 
die scheidenden Freundinen etc. 
ein Geldgeschenk. Gottsnamen- 
krämer heiszt in Augsb. einer 
der schlechten Zuspruch hat. 
G ottesackerblumen, weisze 
Haare;Gottesackerpfeifer,d. 
Husten. Gottesgwalt im Klei- 
derb. S. 85: >Adi 19. Dez. 1547 
am Morgens umb 5 Yr traf mich 
Gottes Gwalt(Schlagflusz) auf 
dem Rechnen.« > Griff mich Gott 
mit seim gwalt an, des man 
nennet den schlag.« L. Rem. 27. 
In den Stauden hörte ich den 
Reim: 

Gruesz di Gott 

Pfüet di Gott! 

Das sind 2 harte Wort. 

Aber beim pfuet die Gott, 

Nao müesz mer fort. 
Gottvater- oder Dreifaltig- 
keitshüte. Rottal. 

GÖZE, swm. Heiligenbild, wie 
noch allerwärts Oelgöz, langer 
Mensch, von den Jüngern bei den 
übrall angebrachten Oelbergen 
an Kirchen, hergenomen. Gass. 
redet vom »groszen steineren 
Oötzen Cisä Bildnis,< > ein Port 



mit vilen Heiligen und Götz en,c 
> einen neuen Gözen schnizea 
laszen.< >Silbeme Gözen und 
Heilige.« >Unsere Bauren aber, 
welche sich noch zur römischen 
Kirche bekandten und irer Gö tz e n 
forchtend — haben disselbenge- 
flechnet.< u. s. w. In Franks An- 
nalen stetGot dafür: >derprach 
den Got von dem creucz.« 

GRABEN, der. In A. gab esa* 
einen obem, mittlem, untern Gra- 
ben, einen Jacober-, Blaich- 
N eu e r-, B i s c h el - bei Schwabeck, 
Moos-, Hunolds-, Gränz- 
Graben. Auf unserer lieben 
Frauen-, FischÄr - Graben, 
wo des Fischergraben -Knechts 
Amt war. >Einen Graben auf- 
tun< auszschlagen und graben. 
Stauden. 

GRAS, das, in Grasgülten, 
Stift und G. im Gegensaze zu den 
Getraidgülten. Klimmach. Pfarrb. 
Grasgüllt u. Grasgelt. Mickh. 
Akt. 1569 u. 1610. Grashupfer, 
Heuschrecke. Grasstecken heis- 
zen in den Stauden die Holz- 
bengel an denen der Bursche das 
Gras auf dem Rücken heimtragt. 
Ztw. grasen. »Die Venediger, 
als die gerne um sich grasen.« 
Gass. »Und die nach irem Ge- 
fallen wermen und grasszen 
kunten.« ? Horm. 1834 S. 151. 
Tänze, Lieder von Gras er inen 
V. Grasen u. s. w. sind schwä- 
bisch- volktümlich, z. B. 
Mädele gang nett in's Gras 
Sonst wird dein Schürzele 



Gratmöken — Greinen. 



201 



W«rt no bis d'Sonna scheint 
17ao gang mer drei. 
löh erinnere nur an: Bald gras 
i am Nekar. Ein anderes Lied 
vom Reiter und von der Gra- 
mer in in meinen Schwab. Volks- 
Uedem Nr. 2. 

GBATRUCKEN wie nhd. >So 
halb man es binden vom Nack 
dorch den Gratrugken fürab.« 
4sgm. 601 f. 106^ >Da8 Grat- 
pügklin.« f. 112*. 

GRÄTSCHEN swv. gratteln, 
mit krummen Beinen gen; grät- 
sche n k i g t, krummbeinigt. Vrgl. 
SchmelL II, 124. 

GRATTEL, 1) die Füsze, 2) 
der Tuchfleck, Kreuz der Bein- 
Ueider zwischen den Füszen. 
Der Boppabartel 
Mit der langa Grattel. 
Behlinger Hausreim. 

GRATTELN swv. allgemein für 
1^ en überhaupt. >Haogt da Gmuids- 
YOgt no itt graddla seo?« Seh. 

GRAULERCHE in dem Schnell- 
«prechspild. Eonder ausz den Stau- 
den: Drui gleiche Grauler- 
cha, one zu atmen so und sovil- 
mal zu sprechen. 

GRAUNERISCH: >Es hat aber 
der armen Närrin weit felge- 
schlagen, dann sie ist bald darauf 
von ihren Eltern gezwungen wor- 
den, einen zwar reichen, aber al- 
ten häszlichen, tölpischen und 
graunerischenLimmel zu hei- 
raten. < Conlin. >Wann es ja sein 
soll, so gebt mir dann den alten 
groneriflchen Greiner nur her.« 
«. a. 0. Sieh greinen. 



GRAÜNZENßwv. 1) knarren von 
Wagen auf gefrorenem Schnee. 
3) weinen von Eondem. Nördl. o. 
allgem. 3)v. neuen Schuhen a.s.w. 

GRÄUSELN, gruseln in der 
Eindersprache. Man gräuselt 
das Kind bis zum Nacken oder 
Kinn und sagt in den Stauden: 
>Gräusele Mäusele in's Gur- 
gele nei.< 

GRAUSLICH, furchtbar, >gran- 
sig« sonst. >Wild und gräuB- 
la< V. e. Brunst. Seh. 

GRECHT, GERECHT d. h. zn 
recht gemacht, verrichtet, fer- 
tiggemacht. S. 312^: > Wenn man 
im Chor da mit dem Gesang 
k r e c h t ist. < In der Strasze heiszt 
>gre9chtd< sein Hauswesen gut 
verrichten. 

Im T. N. 13545: 
Und in sie gieszen swebel u. Bech 
Damit so werdends nimer grech. 
Daneben gerech. 10749. 54Ö. 
In Niederschwab, grea, fertig: 
mk mar send grea gsei. 

GREIFEN stv. >Damach hat 
Achilles, der eben in seinen lez- 
ten Zügen grif.« Trojan. Krg. 
Schmeller II, 105. f 28». In einem 
Kinderreime heiszt die Wortver- 
sezung : 

Basannele, Basannele 
Schlag uff und stand a Liecht! 
Es gat a Haus im Geist herum 
1 greif er furcht me ä. 

Grif, der, R. A. 
>I haun's im Griff 
Wie der Mezger im Stich.« Stand. 

GREINEN swv. 1) Vomgefror- 
nen Schnee, so die Räder darüber 



202 



Gred. 



faren, heiszt esz : >lieunt g r a i n t's 
a maol« , was sonst g raun- 
zen ist. Stauden. 2) Von den 
Schweinen: grunzen. »Und jeg- 
Kclaer Ritter zu im nam ainSaw 
und macht sie greinen so er 
öftest macht, wann ich erkant 
wol, dasz die helfant das grei- 
nen fast forchten.« cgm. 581 f. 
118*. >Die Reitenden grym pten 
die Säw; die erhörten das Grei- 
nen der Säw und begunden zu 
fliehen.« a. a. 0. f 118^ >Vor 
seiner kchamer geleich (höret 
er) als die sawe grynnen.« 
cgm. 164 f. 15*. »der schrai und 
grinn recht als ein schwein.< 
cgm. 402 f. 72^ 3)>widergrinen 
alseein grinenderhund.« cgm. 
419 f. 36*. 4) weinen, von Kin- 
dern und auch von Erwachsenen, 
ausz Schmerz weinen. 5) zan- 
ken. >Sie greint und er schreit : 
das ist ein Eilend.« H. S. >Mit 
irem Humsen und Greinen und 
Zanken.« a. a. 0. >Da ist das 
Schreien, Raufen, Zanken und 
Greinen alle Tag.« a.a.O. >Ein 
zänkisch, greinerisch Weib.< 
a. a. 0. 

GRED, die, Staffelhaus; in 
den Stadtrechten Schwabens all- 
gemein, üeberlingen hatte eine 
Gr e dt. Chr. v. 1577 hs. inFrauen- 
feld. Dafür erscheint urkundlich 
Gradhaus. In Meersburg war 
die Gredbrücke bis andasEu- 
gelwehr, Schiffstelle. Mone, Zeit- 
schrift 15, 60. Im Memminger 
Stadtrechte: >vmb dasgredlon<. 
Wir habendt gesezt, daz von 



Salz, von anderm gut der stat 
noch ainest als vil gredlon ge- 
ben sol alz vor.< Gredtzoll, 
Lagergeld für die Kaufmanns- 
Waaren im Memminger Kauf- 
hause, was Gredlon. In Blau- 
beuren war ebenfalls die Gredt, 
»das Wägen in der G.< Reysch. 
St. R. 342. Die finster Gred 
(Gräbd?) Begräbnisstätte in A. 
erscheint in der Geschichte der 
Stadt unzäligemal. Da war eine 
Freiung > swaz ein man tut, der 
dar geflohen kumt. als er uf die 
grede kumet, so sol er frid ha- 
ben.« Stdtr.f. 11*. >Die Grabstein 
— auf der finstern Grat wur- 
den schnurgleich — eben ge- 
macht.« Gass. >Und leit Alb. 
Gossenbrot üf der vinster Gred 
zu unser Frauen.« cgm. 92 f. 
25*. »Und leit ach uff der Gred 
bei irem Mann.« f. 27*. >Und 
ligen zu St. Ulrich begraben uff 
der gret.« f. 30^ Nach dem 
Festkalender > gehet die Dom- 
Clerisei durch die finstere Grädt 
in die St. Johann'spfarr.« Die 
Finstergret und den Freithof 
reinigen« erscheint in Urkdn. so 
V. 1552. In einem Vergleich von 
1602 heiszt esz: »Die Finster- 
gredt soll dem Domcapitul nächt- 
licherweil zu sperren freigelaszen 
und doch dem Rat darzu ein 
Schlüssel gegeben, wie auch von 
dem Rat das Pflastersand darauf 
ligenden eisznen Gitter auf der 
Hechten Gredt von wegen der 
Zech in dem alten Stand erhal- 
ten werden, sonsten aber kein 



.^ 



Gret — Griesz. 



203 



Teil dem andern anf der Hech- 
ten Gredt etwas baaen.< 
* In dem schwäb. alam. Rituale 
egm. 168 ansz dem XIY. Jarhd. 
Icomt Gred oft vor für die ge- 
flunten Altar- nnd Chorstufen. 
>ünd son (sollen) zwo swestern 
mit zweien kerzen üf kerzstaln 
g&n für die grete.< f. 44*. >So 
8ol sie die novizien meisterin fü- 
ren nnz an die grete vor dem 
att&r.< f. U\ 2. >Und stände üf 
die grete gen dem kore.< f. 52^ 
»An disem Tag sol man einen 
fSrhang spannen für die grete.« 
f. 53*. »So sol der das ampt tut 
TOT dien greten stän, der vor- 
dem.« f. 44^ >Die knstrin sol 
den bahnen nf die grete legen.« 
f. 64«». n. 8. w. Eine hs. XV. Jh. 
>Salomi8 tron was gesezt anf 
6 gred, also über 6 gred ist Ma- 
ria erhöhet, sie vberget die gred 
der Patriarchen nnd profeten.« 
Mein Wbl 36. 

GRET allgem. neben Great. 
1) für Margareta. Spöttisch Bau- 
rengrettl. Conlin. >Ich füre 
mein Gredel 'Geliebte) znm 
Tanz.« a. a. 0. 2) unterer Ueber- 
SQg des Kopfkissens, 'ö) >Und 
miar — band d'Greath und 
d'Noath.« Seh.? 

GRETISCH. GRÄTISCTT, adj. 
IfretischerBarchet.gretiicher 
Zwüch n. s. w von Grat, in der 
Webersprache. >Item es sollen 
mm forohin kein anderer Gratb 
gemacht werden — daii» der 
rechten Vierwrhifftigen Gerath 
wie Ton Alter her — dann man 



an denen tueclien keinen andern 
gratt haben will dann den rech- 
ten vierschifftigen Gratt; wel- 
cher aber gueten grettischen 
Barchet würkhen will , der mag 
den rechten Burschatgratt u. 
Fischgredlin wol würkhen: 
doch dasz die unter zwölfhundert 
Fäden nit haben.« Web. Akt. 

GRIBES GRABES, verwirrend, 
durcheinander , unverständlich 
machen. Vrgl. Kriwes. 

GRIEBE swf. kleine quadra- 
tisch geschnittene und auszgesot- 
tene Speckbröckelchen. Gruiba, 
Nördl. >Mein Gebain dorret als 
ein Grieb.€ cgm. 2f)0 f. 193*. 
>Mein pein sind erdorret als ein 
düre g riebe.« cgm. 127 f. 25*. 

GRIECHEX, die, kleine blaue 
Zwetschgen, was die Cyper- 
zwetschgen anderwärts sind. 

GRIESZ , das , Steingeröllc, 
Sandmasse »Am Griesz« in 
AugsVj. der Plaz vor dem Htof- 
finger Tore, wo der St Ja^j^ibs- 
spital war. Lechgriesz. Gans. 
Griesze heiszeri die zalreichen 
Grieszbänke (hm Lttahn. arige- 
schwemtes (ßtiriAUt: int disz htZ' 
tere bewachsen, oft mit d'jfi an- 
grenzenden Wäldern verwüchn«*«, 
nennt irihn esz A u e n. ^»(ßri^iHZ 
ist in Oünzburg, eine Jn«el am 
Kapj>'5n7jpfel in der -Vähe von 
der M ord tiMa^iht S t a a r e n - 
f^Tiftnz *'})"mU\\¥, bei ^ßhxizhnrui. 
OV>erhalb und mtUjrhulh Törk- 
heim iirt ei« urkundl. Grie«/. 
> Jier Wejr ward in ^l^tr H4,a/Jt mit 
Ki«<;l«teinerj. ati«/>;rhalb a(/er mit 



204 



Griesssteine — Grübeln. 



Griesz, nach Art der Statt Rom 
gepflastert und beschüttet.« aa.O. 
Das Griesz, eine Hamblasen- 
krankheit: >da8 grüse, das in 
der blauter wirt.< Astron 17». 

GRIESZST£INE, gute, in alt. 
Müllero rdnungen. 

GRIFER. »10 Stück Gryfer 
und wallin duch, man heisst es 
Loden.« Gass. ? 

GRIND spr. Gred, pöbelhaft 
für Kopf; in manchen Gegenden 
gut gemeint: 
>Gang schneuz d'r und lueg nach'm 

Kind 
Und hink itt allaweil daGrind.< 

Seh. 
»Wie halt die Weiber alle sind 
Wau meinet dasz nach iahrem 

Grind 
A jedes (Ding) fabriziert sein 
mu8z.< a.a.O. 

Wiegenlied: 
Heia popeia 
So wieg i mei Kind! 
Und wärist du gröszer 
Na schlüeg di an Grind. 
Und weil du kleinmonzig bist 
Und no nett waiszt was gschla- 

gen ist, 
So wieg i di. Stauden. 

Zwiscliet zwei Tanna 

Dau gät der kalt Wind, 

Dau fuert der jung Deufel 

Da n alta beim Grind. Stand. 

Madie komm gschwind 

I nimm di beim Gred, 

I lasz di nett faro 

Bisz d'äara weg sind. Günzb. 

Du B ü f f e 1 g r i n d ! rohe Schelte. 
Grind,£rbgrind, Scabies, y er- 



grinden swY. »In Sunden ver- 
grindete Leprosen.« Klimmaeh. 
Prdgtbuch. 118. Unverschämter 
Grind schippel. Schelte. Oon- 
lin. Gefürnester G. Auf ge- 
buzter Grind, a a. 0. 

GRITSCHE, die, swf. heiszt in 
den Stauden eine Art Wülmaose, 
Haselmäuse 

GRÜNEN, d. h. groano einem 
altern grainan entsprechend; 
gedeihen, blühen, wachsen. >Ma 
ka nimma groana, mamuew der 
Obrigkeit z'vil zala.« KUmmach. 
>gronend erhalten werden.« S. 
595*. »Und Glaub ist bei inen 
gronet und pflanzt worden.« 
a. a. 0. 376^. In der Regel nur 
von Kindern gebraucht, wofür hie 
und da d r i e n vorkomt. Ein halb- 
bayer. cgm. 201 hat ser oft grü- 
nen, was einem gronjan neben 
grainan im Alten entspricht. 
>Darumb zimpt allen burgern 
durch des Gutes willen der Kin- 
der, daz die Kinder grünend 
sind mit der grösz des leichnams.« 
f. 107^ >Wann der man ist mer 
grünend der Vernunft.« f. 108*. 
»Grünen mit allen tugenten« v. 
Frauen, a. a« 0. >Grünen mit 
beschaidenheit und frumkeit.< 
120*. Mein Wbl. 37. 

GROSZMORDLIGHadj. ser grou. 

GROSZ mit einem Kind gen. 
S. 398*. 

GRÜBELN, 1) vor Schauer fro- 
ste In. A. 2) grübeln; wartchein- 
lieh bayer. Umlaut, der fast dem 
u in der Auszsprache nahe, wie 
der vom Fremden for reines % 



C^ben — GngeL 



205 



fshaltene nhd. Umlaut von &; 
i w&r, ich wire; i dät, ich täte 
«. 8. w. In Günzburg ist grü- 
beln = gr&oseln; sieh oben. 

GRÜBEN komen in Mickhaas. 
Grftnzbesohreibnngen neben Pfä- 
len (sieh oben), Öldern, Bne- 
eben u. s w. oft vor: zwischen 
K.bis NS. Grueben,— 1 Grueb 
zeigt den Farweg nach etc. — 
yon der Grueb schaidt wieder 
der Farweg bis zu einer Grüeb 
— schaidt die lezt Grueb N. u. 
K. — von dieser Grueb ist die 
Hark an Holz hinumb — zu der 
ersten Grueb noch 8 Grueben 
und 8Kreuz. — >Den Berg hinauf 
ist ain Kreuz, ain Buech, wieder 
ain Kreuz, zwo Grueben, ain 
Ereuz, wieder 5 Gruoben — 
dabei 8 Gruoben, so die Herr- 
Bchaft schaidt« u. s. w. Red. A. 
>Du füllst mir mel Grub itt 
aiisz.< d. h. du stest nicht für 
mich ein, besonders beim Ster- 
ben. Zusmarshauser Gegend. 

GRÜESZ, GRÜESZZEIT in der 
Waidmannssprache. >Der Haas 
darf auch im Frühling in der 
Orüesz zum Lust und Kurzweil 
gesezt, doch weder Wehr noch 
Hochzeug gebraucht, noch in sol- 
cher Grüeszzeit der Haas ge- 
schossen werden.« Vergleich von 
1609. 

GRÜLZEN swv. eructare, neben 
rüpzen cgm. 686 f. 55^ 

GRUMMET, GROMMET, Gro- 
met neben Omet und Aumet, 
«Ugem. für Ömd. 



GRüMPFIGadj. in der Buzen- 
b er cht, sieh Anhang. 
Wollt ir auch böse sein, faullen- 
zen und nichts tun, 
Grumpfig und muffig sein, als 
wie ein pfiffigs Huhn? 

GRÜNDEL, >ein neu Wasser- 
rad oder Grund el.« Bau 0. 

GRUSEL, Gans in der Kinder- 
sprache. 

GRUSTEN, swv. neben 'rum- 
g r u s 1 9, geschäftigen Müszigang 
treiben. Grüstkamer, wo alles 
regellosz durcheinander herum- 
ligt: >dä ist a Saustall in deara 
grüstkamer.« 

GUCKE, GÜGG stf. Düte. Günz- 
burg. Gstattel. sieh oben, scheint 
mer dem Riesz eigen zu sein. 
Mein Wbl. 38. 

GUGEL, 1) Trauermantel bei 
vomemer Leute Leichenbegäng- 
nis in A. wie in Constanz u.s.w. 
Gugler, eine Art Leinwand zu 
Gugeln. Gemäsz des Färber-Eides 
hatte jeder als Umgeld oder 
Sigelgeld in die verordnete 
Büchsen zu legen >von einem 
hieigen Gugler, Schetter, gan- 
zen oder halben Mittlem ein 
Pfennig.« Web. Zftakten. 2) Gu- 
gel (lat. cucullus) ist in Otteis 
121 neuen Liedern 1534 Nr. 2 
als Refrain benüzt: 
Und hast du Gugel fanden; 
Wir hän die G u g e 1 z wegenbracht. 

In den Nonnenkloster-Ritualien 
>sol ein swester begraben werden 
in einem rogk undGugelen und 
weilen oder cucullen.« cgm. 
78 f. 21^ 



206 



Gugelhopf — Guggeisle. 



GÜGELHOPF, das bekante 
Backwerk; niederschwäb. Kho- 
gelhopf. Der Name deutet auf 
eine hohe aufsteigende Form hin. 
Herr von Gugelhopf hiesz 
eine bekante Stadtpersönlichkeit 
in Augsb. Er trug einen Zopf, 
in den Händen einHäfelein, eine 
Gestalt wie der Münchner Fi- 
nessensepperl. Sein Genosse 
war der Knöpflefreszer und 
der dappet Näze. Dazu komt 
noch die dickköpfige Zwergge- 
stalt, »Frau Schmaiserle< ge- 
heiszen. Endlich gab esz den Jak- 
kele, einen halbtollen Menschen, 
zu dem sagte man: Ja ekel, der 
Boden bricht! 

Die Höchstädter werden Go- 
gelhopf geheiszen, weil sie in 
einer Flasche einen solchen ge- 
backen und in nachher nicht 
mer herauszbringen konten, bis 
endlich der hochweise Rat auf 
den Einfall kam die Flasche zu 
zerschlagen. 

Vom Gugelhopf getdie Red. 
A. »Aha , bei dem hat der Gu- 
gelhopf auch nicht weiter ge- 
reicht, < d. h, dem ist's ergangen 
wie dem Peter in der Fremde. 
Conlin sagt: villeicht hat ihm 
(den verlornen Sohn) gelust nach 
einem Bayerischen Gogel- 
hopf oder hat er ihnen Mucken 
gemacht wegen eines bayerischen 
Wespennestes. 

GÜGGEN, GUCKEN swv. schau- 
en, sehen, lugen. Schwaben hat 
Gegenden, wo nur lue gen und 
wo nur guggen vorkomt, daher 



die Türme Luginsland und 
Gugginslandj, Guggenberg, 
der Hof auf dem Leitaberg ob 
Schwabmünchen. In Günzburg 
und Umgegend heiszt der imp. 
imergugg sih oder sih guggl 
Guggerle, kleine fensterartige 
Oeffnung , Lücke , so dasz man 
gerade mit dem Kopfe hinausz- 
sehen kan. Urkundlich v. 1647 
ist das G.u gg er le bei der Wer- 
tachbrücke. >Das kleine Gug^ 
gerli zu Wertachsbruck mag 
man etwas frühers öffnen, auch 
spater zueschlieszen , wegen der 
Arbeiten wie auch des Bads, doch 
dasz man die Leut wol kenne.« 
Guggerle war eines Mezgers 
Spizname. Guggelen sagte 
man gerne für das Durchschauen 
durch ein Guggerle. Gugger- 
hirele, das oberste Dachfenster, 
von dem ausz man die weiteste 
Auszsicht hat. In den Stauden 
hörte ich ein Rätsel: 

Was ist das: Der Gu^gausz, 

der Gangausz, der Wolleaber 

und der Hizgeaber? 

(Kleines Fenster, Gucker. Türe. 

Ofen.) 

GUGGEISLE, ein gebrannter 
Stein 10" lang; 5" breit; 5" dick 
bei Feuerungen, Einmauerungen 
V Öfen, Nischen, Gewölben. Bau 
Ordg. >Dasz zu jeder Esz ein 
eigener und besonderer Kümmich 
von einer genügsamen Weite von 
Guggengeislen solle gemacht 
werden.« Feuer Ordg. 1781. In 
MickkauB. Rech gen. v. 1709 ebenr 



Gugger — Gnnkel. 



207 



falls. >De8gleichen sollen die Kut- 
ten und kümmiche alle mitsamt 
deren Schluff oder Schlund bis 
XU dem ersten Ruhabsaz von 
Maar oder Biegelstein oderGug- 
geiszlen gemacht werden. < Bau 
Ordg. Schmelz - Trieb - Eszküm- 
miche musten zum wenigsten mit 
einem Guggeiszle ausgemauert 
werden. Bau. 0. 
. GUGGER, GUCKER, Kukuk. 
Stauden. Tänze: 
Der Gugger im Wald 
Schreit all weil Diendel halt I 
Des Ding hat mi gfrait 
"Weil der Gugger so schreit. 
Der Gugger duet jugga 
Ear juggt uff 3 Füesz : 
Jaz kan er nimme jugga 
H&t da Schnabel einbüeszt. 
Vrgl. das Lied vom Gugger im 
Anhange. 

Ratsei: Der Gugger schreit 
nicht vor Jakobe. 

Nein: er schreit kukuk. 

Stauden. 

Die Ha wanger heiszen Gug- 
ger; sie wollten einst einen G. 
im Saatfeld fangen, damit er nichts 
schade, trugen daher 4 einen 
Mann hinein und nagelten , dasz 
nichts verdorben werde, Bret- 
lein auf ire Solen. 

GUL, swm. Han. »Dieser Vogel 
wird von den Teutschen ein Hahn, 
Haushahn, Gul, Güggel und 
Gockelhan genennt. < Gockelius 1. 

GUMPE, der, ein weites rundes 
Porzellan - Gefäsz. Spül- oder 
Schwenkgumpe, deren man 
sich edem an Kafe- und Thee- 



tischen zum Abspülen der Tassen 
bediente. Journal V. u. für Deutsch- 
land 1784. Oktb. S. 252. Mein 
Wbl. 38. Gumper und Gum- 
pen, der, gurges. Kinderreim: 

N. N. Hemetlenz 

Schmeisz in d* Günz 

Zui da Lumpa 

Fall in Gumpa. Rottal. 

A. B. C 

D* Kaz leuft im Schnee, 

H&t's Fidla voler Lumpa 

Jaz springt se in Gumpa. 
Gumpiger Donnerstag vor 
der Fasnacht, sieh Wb. z. Volkst. 
Stauden. Verb, gumpen, salire, 
hüpfen. 

Es schneit, es schneit 
Dasz Baura kheit 
Es lumpet, es lumpet (d.h. flocket) 
Dasz d'Hirta gumpet. Allgäo. 

In einem Augsb. Drucke, Anfg. 
16. Jarh. komt gumpen vor = 
Excesse in der Ehe machen von 
der Frau: 

Diesselb die kan vil böser List 
Sie dein nicht achtet noch schonet, 
Des gumpen hat sie gewonet 
u. s. w. 

Femer: 
Dasz Menge komt in dieEefrum 
Und feit etwa gar pald von Kreuz 
Gumpet auf alle Ort beseits^ 
Wer ist aber schuldig daran 
Zum mererteil böser Ehemann. 

GUMPTER in den Weberrech- 
nungen: »dem Gern er für den 
Gumbter 22 kr.< >Zu dem 
Gumpterzu machen 3 fl.« 

GUNKEL. 1) Kunkel in Zu- 
samensezung: Gunkelhans.Nie- 



208 



Günliche — Gutterer. 



derschwaben hat kh; die Stau- 
den g. In Sigertshofen war wie 
überall auch eine Gunkelstuben- 
Ordnung. Die v. 1700, 19. Dez. 
im Pfarrbuche enthält folgende 
Punkte: die Gungelhäuser 
seind bei Tag und Nacht abge- 
teilt. Esz gab grosze G. und 
mindere G. für Töchter und 
Mägde, die getrennt sein mus- 
ten. Die kleinen |Mägdlein mögen 
bei Haus bleiben. Die Buben 
sollen in ire eigenen G. gen und 
nicht zu den Mägden, sondern 
ihnen auszweichen. üebertretung 
kostet 30, Ehrabschneidung da- 
selbst 45 kr. 

Die Brautgunkel holen war 
und ist jezt noch beliebte Hoch- 
zeitsitte. In Ochsenbrunnen holt 
man nach demMale^g^gen3oder 
4 Ur aus dem Hause der Braut 
die zierlich angelegte Gunkel, 
daran hübsche Bänder guldbe- 
schlagene Wirtel und Spindel. 
Man stellt sie auf freiem Plaze 
des Ortes nieder und der Tanz 
darum beginnt. Eine grosze Kanne 
bei Reichen mit Wein, bei Armen 
mit Bier gefüllt macht die Runde. 
Die Kanne hiesz im obigen Flecken 
>Fuchs.« >DenFuch8 wieder 
füila« war der Jluf. Der Tanz 
mit Trunk dauerte etwa eine halbe 
Stunde. Sieh Wickele. 8) Herbst- 
zeitlose, Colchicum auctumnale: 
Nachtgunkel. 

GÜNLICHE , die , in Schwab, 
codd. >Dii sizzest zu der zesm 
Gottes deines Vaters in der gün- 
liche.« 201 f. 213 >Got wird erha- 



ben über diehimel und über alle 
Erden dein günliche.< f. 177*. 
>Zwar sein heil ist mit den , die 
in fürchten und sein günliche 
wonet in imser erden.« f. 187*. 
u. s. w. 

GÜNZ, die, hat in Günzburg 
ein Seitenwaszer, genannt >Büza- 
günz«. 

GURGELN swv. »den Mund 
und die Kelen beschirmet man 
mitMagranöpfelsafft, in den 
Mund halten und damit gegur- 
gelt — auch unzeitige Maulpeer 
damit gegurgelt.« cgm. 607. 
f. 114*. 

GURRENHÜTTE, die, enMdiger 
Fohlenhof b. Ulm. Publ. des hist 
V. 6. 7. S. 53. 2. 

GURT, die, 1) Gängelband für 
kleine Kinder, die das Laufen 
lernen. 2) wie nhd. »ain zwirnet 
Übergurt.« S€ul. 0. 

GURWATEL, die, berüchtigte 
Weibsperson. Riesz. 

GÜTENTAG, Mitwoch, in e. 
Schwab, augsb. Kalender v. 144& 
cgm. 397 f. 12*. In Frommann's 
Ztschrft. y. 260 ff. habe ich ein 
altes Passionswochen-Gtebet mit- 
geteilt, wo der Montag nach dem 
Palmtag >Quontag< hdsst. 
Quontag, Gutentag ist der 
Wuotanstag, Guodenstag. Halt- 
aus, Jarztbuch. 42, 45. Frisoli 
I, 385«. Schmoll. H, 533. 

GUTFERTIGER, 2, nach dem 
SOjärigen Kriege, niederes stftdt* 
Amt. 

GUTTERER, bes. für Sauer- 
bronnensohlaooh. Ztw. »'• hMii 



Gnzelen — H 



209 



guttret inn wia im a Schlauch. < 
Soh. Gütterlescheiszer spöt- 
tiaoh för Apotheker, änlich wie 
Beckelebant scher für Barbier. 
Solche Wortbildungen liebt die 
Angsb. Mundart. 

GUZELEN neben GUTELEN 



allgem. fnrConfekt, besonders in 
der Kindersprache. 

GVATTER: >'«Gvattergwin- 
nen< zu Gevatter bitten. 

GWÄG >im G. gen< sich hin 
und her bewegen. 



H 



1) Das gotische rein anlautende 
H verbleibt H auch im Schwäb- 
ischen. Wo esz im Gotischen 
unrein anlautet, also vor 1, n, 
r, w, fällt esz ab. 

Doch zeigt die Mundart öfters 
unechtes h im Anlaute, so beson- 
ders an der Vorsilbe er- (altes 
nr, OS, ir, ar): herb er md, her- 
koren, herstorben, im Lieder- 
flsale. Schmid 250. cgm. 144: 
herbreittern = erbraiten =: 
brait machen: »dann von wegen 
derayrdotterherbraittert und 
öffiiet die porös.« Heardäpfel 
imd£ardäpfel;Eardschmid- 
leund Heardschmidle; vgl. E. 
Mer gegen Oberbayem hin. »Let- 
tige Herd< cgm. 289. Wer einen 
Romanen deutsch reden hört, dem 
f&Ut sicher auf, dasz er beim Zu- 
•amentrefifen zweier Yocale oder 
an Wörtern, die mit einem Vo- 
cale beginnen ein h ein- oder vor- 
sezt. Die Venediger Alpen haben 
dise Erscheinung gleichfalls. Vrgl. | 



Schmell. Cimbr. Wb. § 79. — 
Wichtig ist das Haddel = Mist- 
jauche, in den Straszen-Ortschaf- 
ten bis hinein in die Stauden üb- 
lich, das von Altbayeru sich ein- 
gebürgert, wo esz ädl lautet 
(Schmell. I, 26). Haddelgrube 
ist nichts anderes mit seinem h 
als eine volktümliche Anlenung 
an haddeln, sieh unten. »Hiler« 
für Hier bei Gass. HoblaterTör^ 
lein a a. 0. Femer besten neben 
einander allgemein Heifant und 
Elefantbein in den codd. und 
mundartl. Helfabol. Haischen 
und ai sehen, (Almosen.) Urkd. 
1559 und cgm. 402. Heremiten. 
L.Rem. Hainhofe n u. Ainho- 
feu, Hämerling u.£merling. 
Strasze. Haber und aber, sieh 
unten. Hoidex u. adex, edex, 
lacerta agilis. Vrgl. haikel und 
e c k e 1. Eine versteinerte, uralte 
zerstreut schwäbische und ober- 
pfölz. Erscheinung ist huzza 
gaü = inHaimgarten gen, altes 
14 



210 



uzzana gkn. Schon das Psalt. 
Windsb. hat h erb e s = hereditas. 
Vrgl. Frommann's Zeitschrift I, 
290. 10. n, 75. 9. IV, 281, 27. 
V, 287, 13 und 368. 

Anlautendes h wechselt auch 
mit k wie in Kobel und Hobel? 
»Kobelwagen neben Hobel- 
wag en< sieh unten. Ferner in 
den Ortsnamen auf -hofen und 
-kofen, auf -ham und -kam. 
Sollte etwa k ausz gh (ge-h) wie 
in keien (geheien) entstanden 
sein? -kam würde seine Bestäti- 
gung in Kemnat finden. 

Die Endsilbe -heit got. hai- 
dus, Wesen, wandelt h in k auf 
dem Wege der Angleichung, wenn 
ein Gaumenlaut vorherget. Die 
Mundart hat esz allgemein. Die 
•codd. vom 15. Jh. ab lieben k in 
disem Falle: tragkeit, gerech- 
tigkeit, endlikeit, gewond- 
likeit u. 8. w. cgm. 201. Der 
mer bayerische cgm. 456 hat stets 
-heit. Frommann's Zeitsch. IH, 
110 ff. 

In fremden Wörtern fallt an- 
lautendes h manchmal weg; so 
schreibt der cgm. 168 omelie 
(Homilie), Ippolitusu. s. w. Der 
Name Ysop, swm. hat wie im 
Got. allgem. volküblich h. Mund- 
artlichverliert auch her, hin, haim, 
hein sein h; huszlaü von Spei- 
sen: übrig laszen für den später 
komenden neben husza, hinna 
u. s. w. gehören nicht hieher, esz 
ligt hie - usza, hie-inna zu 
Grunde. Schmell. Gramm. § 500. 
Mein Wbl. 88. 1. 



2) An- and auszlautendes h 
bleibt entweder a) als solches, 
oder b) esz verschiebt sich in 
reines g oder c) föllt auch ganz 
ausz. 

a) In Niederschwaben nnd im 
grösten Teile des schwät. augsb. 
Gebietes ist die weiche Spirans 
h im In- und Auszlaute, wenn 
kein t folgt, kaum mer in der 
Auszsprache hörbar. Die Augs- 
burg - Ulmer Strasze hat noch 
Spuren, aber durchausz keinen 
Nasenlaut bei folgendem n, wie 
Niederschwaben. Disz spricht 
hea, sea, gschea, jene sea, 
gschea u. s. w. Beide haben 
Schwear, Hear (höher), Wei 
(wihoahd.) n. s.w. aber in Fällen, 
wo t folgt, ist alt^ h, auch all- 
gemein im Auszlaute, als h zu 
vememen: Truhh, Vihh; hh ist 
die wiszenschafbliche von Schmel- 
1er eingefürte Schreibung des h, 
das dem alten h entspricht. An- 
ders ist esz in den Stauden imd 
den sog. Straszen-Ortschaften. Da 
finden wir auch im Inlaute vor 
erhaltendem, selbst aber abge- 
tretenem w, die scharfe Spirans 
hh: gsehha (sehen, vom Ge- 
sichtssinne) , gotisch saihvan; 
gschea hha, ahd scehan, gr6- 
ahhta z. geraihtjan, fertig 
gerecht machen, im Hauswesen 
den»Ferker<machen; Greahht- 
m ach er, bayerisch Gschafitlhu- 
ber. Zeahha, Zehe und zehn, 
leih ha, lihan, leihen; weihha, 
wihan; Weihhwa8zer;Fläahh 
mhd. vloch; gähh, ahd. g&hi, 



211 



rauhh, rauh; schi6hli,8cliiech, 
»«chiecher Kerle!« Schelte; Hea- 
obe, Höhe. Anheachone, An- 
höhen; Bihhl, Bühl; Reahh, 
Bah. BnzEenberhht in A. sieh 
Anhang; nähhner neben näh- 
her; Handxwehhl, Handtuch; 
•«hu^hh, got. BkohB. Dahh, 
Bamednla, Dohle; sieh D. zeih- 
ha, zeihen; nohhat, darnach. 
Immenstadt. Schluahhbaoh u. 
S o h 1 n a b a c h bei Birkach. Flum. 
C^en Füssen hin ist fauhha, 
(i&han) üblich, wo allgem. schwb. 
fanga sty. erscheint; gegen 
Bayern hin swv. Eigen ist hh in 
heahha, jihht, hihht, sonare 
alam. eacha, sieh m. Bemerkg. 
in Knhn's Zeitschrift XII , 451. 
AUgäuisch sind: Dihhl, Dib- 
bele, Deichel, Deil, Deiluug sonst 
flchwäb. augsburg. Ztw. dihhl a 
>a waszer heardihhla< durch 
Boren herleiten. Immenstadt, 
Sonthofen. Heulihhel, Hacken 
1. Heu herauszziehn, auch nieder- 
•chwäb. -liahha, Heuliahher. 
Yrgl. Schmell. Gramm. § 495. 
Schriftwerke bezeugen diseAusz- 
sprache: »himelspechendes 
leb6n.< cgm. 402. Hecher beiS. 
und cgm. 312 f. 31^. ahd. hehera, 
sieh meine Erkl in Euhn's Zeit- 
schrift Xn, 451 ff. Allgem. ist 
Wal eben (Itali), ebenso Gma- 
chel. Dinkelspichel cgm. 310 
f. 102». stechlin nagel, cgm. 
206 f. 117». Stacbelschieszen, 
GasB. verfaucha (fähan) cgm. 
372 f. 170». Siben vollen ö ehern 
(Aehren) cgm. 206 f. 56»». siben 



mager öcher. a. a. 0. Nach« 
ner. a. a. 0. emphächen, em- 
ph&chung cgm. 140, wo auch 
siehe, imper. stetneben 1 ei eben. 
>An geweichten und ange- 
weichten Örtem.« Troj. Krieg 
50\ die Weich, Weichwaszer. 
ürkd. 1385. Eräuterweichin 
S. f. 69V Weichbischof f. 180». 
Weichkessel S. f. 583. geli- 
ehen f.l78. Fichwey 1 177». >da8 
Tor erhöchen< f.l74^ Speche 
machen, Poliz. 0. 1553. Bei che 1, 
Horm. 1834 S. 147. Handzwe- 
ohel, a. a. 0. Gechwindt S. 
409. gechlingenf. 219V Rech- 
bock f. 1 13»». >Z ä c h, dick koren« 
cgm. 402 f. 162*. Auf faJscher 
volktümlicher Anlenung beruht 
das yilf ach angelente S y n f 1 u c ht 
im cgm. 523 f. 1»». VrgL Wein- 
hold § 222. 

Dise Auszsprache des h, die 
der ursprünglichen nahe komen 
dürfte, wird teils den bayerischen 
Ostlechleuten , deren Nachbarn 
die Straszen-Ortschaften und die 
Staudenleute sind, teils der ört- 
lichen Beschaffenheit jener Ge- 
genden zuzuschreiben sein. Die 
starken Nebel des Wertachtales, 
die rauhe halbe Bergluft mit den 
yilen Nebeltälchen in den Stau- 
den, nimt die Atmungsorgane der 
Bewoner mer in Anspruch, än- 
lich wie in Holland. Schwei- 
zerisch-alamanischer Einflusz nach 
dem 30järigen Kriege dürfte hier 
weniger als im niertal und son- 
stigen Oberschwaben anzuschla- 
gen sein. Ich bemerkte auch im 
14* 



212 



H. 



Donantale bei Sigmaringen bis 
Riedlingen einen Anflug von der 
harten d. h. nrspr. Spirans beim 
Landvolke. 

b) Dem uralten Geseze gemäsz 
erscheint g für h oder hh, was 
die Altbayem gerne dürchfüren: 
gschegn, gsegn. Schmell. Gr. 
§ 492. In Inlaute tritt meistens 
vor s , im Auszlaute überhaupt 
gerne g auf: >seinen Neg8ten.< 
Holzmann, z'n ä g s (z'nax) Nachts ; 
näg8(näx), gestern Abend. Stau- 
den. Vrgl. Gwäx, nix, Fux, Ox 
in der nhd. Auszsprache. Zwug: 
>den zwug er ir fuesz.< St. Ul- 
rich cgm. 402 f. 16^. Dazu halte 
ich das niederschwäb. z w a g n e n, 
den Kopf untertauchen im Was- 
zer; weg st, wächst S. 305*. End- 
lich betroglich, bedrohlich, 
cgm. 144 f. S\ Vrgl. Hahn, mhd. 
Gramm. 87. Fromm. Ztschrft. V, 
368. Schmell. Cimbr. Wb § 80. 
Vor wurzelhaftem s, t zeigt sich 
g nie; da tritt imer ch, d h. hh 
ein. Rumpelt, Gramm. 262 § 186. 
Ein g ausz nicht wurzelhaftem h, 
vilmer erst ausz w entstandenem 
h, erscheint in kniegen, genu 
flectere, als ob altes kniuhan 
für kniuwan zu Grunde läge: 
>d6 knieget er nyder.< cgm. 
872 f. 161S gneigt (ganigan) 
inclinare, darf nicht hiehergezogen 
werden. Vor t erscheint wie wir 
oben erwänt haben, wieder hh 
(oder ch): genug: »genüchtig- 
keit.« cgm. 205 f. 22^. >Mit 
grosser genücht.« cgm. 206 f. 
61*. Ich fore hier auch ein volk- 



tümliches hhfur w in bauhhen 
an: bauen b. Illertissen ; wo an- 
dere Gegenden b a u b a aufweisen, 
c) Merkwürdigerweise begegnet 
harte Spirans auf gleichem Grund 
und Boden neben weicher, d. h. 
unhörbares und somit abgewor- 
fenes h. Lezteres, nämlich vor 
s, st, t, z die Spirans auszzu- 
werfen, ist im Nordischen und 
Sächsischen altes Gesez. Esz lonte 
sich eigens dem Geseze nachzu- 
spüren, da Schwaben unendlich 
reich an mundartlichen Schat- 
tierungen in disem Falle ist. 
Einige Beispile; Deil, Delling 
zu Deichel, allgäuisch Dihhel, 
sieh oben; Hoazig, Hochzeit; 
n ä s t, nächst ; S e a (Säch) ander- 
wärts Sä, am Pfluge. L&ahh ne- 
ben Läa, Loh, lucus. Nätrüle, 
Nähtrüchlein (Augsb.); Fäsnat, 
N a mm a dl (g) , Nachmittag ; 
Naobür, Nachbar; Deisel nie- 
derschwäb. Del sei, ahd.dih8ila, 
temo ; d er n 6 darnach; n ä a n an- 
der, nacheinander; Nännder, 
das, Nachmittagsbrod undanrei- 
mats got. Väarunder, Vor- 
mittagsbrot. Nämacha, nach- 
machen. Wie bua, buant (sieh 
B), so erscheint ein d9 (hh): 
du sing d9I u. s. w., im plur. 
d9ent >gelt's d9ent!< wo man 
freilich Eintrit des h erwarten 
sollte. Von dem uralten Geseze 
vor t, st u. 8. w. hh abzuwerfen 
in nit, kneSt, (Knecht) b!ta 
(beichten) u. s. w., wie esz in d. 
Baar ob Rotweil bis an den Hen- 
berg üblich, fand ich im bayeri- 



H — Habern. 



213 



«dien Schwaben nur Spuren. 
Sohriftliche Denkmäler bezeugen 
die Regel: >die am nansten 
imd.< cgm. 681. >den nesten 
tftg.c cgm. 345 f. 61^ DieFisch- 
aeher Stat. haben na st, näst- 
kimpftig, näst Landgericht. 
Pferrkarra, -füra. Mezg.Akt. 
den hosten stapfei. cgm. 215. 
t 19^ Er tag für Erchtag cgm. 
467 f. 32*. Vrgl. mein Wbl. 38. 
89. 8. Gramm. I*. 456. 481. From- 
vuam z. Herbort 179. Mhd. Wb. I, 
594^. Ich ziehe hieher denvolks- 
tüml. Perlachberg, -tura; 
bald hört manBerlaberg, bald 
(landschaftl.) Bearlaberg bald 
seharfBerlachberg. Das h, hh 
am Ende könnte zu ahi, sieh 
-Iah gehören, wo auszfürlich über 
«olche Zusamensezungen abgehan- 
delt ist. ZuLohh, Lo, hkQ = 
lucus, Wald zu stellen, ist zu 
kühn, da Analoga fehlen; altes 
lahhi, incisio, noch in läch- 
baum, schwäbisch erhalten, als 
Granzbaum, dürfte mit Vorsicht 
lierbeigezogen werden. Zu der 
urkdl. Stelle (s. v. P.) vergl. >in 
Perlegio< 1067. 29. Juni. MB. 
38, 1. >in Berlaico« 24, 107. 
»den turn üf Berlaich.i St. R. 
Darf bayerisches Lautgesez in 
Betracht komen , so ist loh, lu- 
cus unfelbar anzunemen, ja Bu- 
lach im Schwarzi^alde lautet ur- 
kundl. Buolo: und Perlach mit 
Bu lach in Münchens Umgebung 
dürften Beweise abgeben. 

8) üeber die weiche Spirans h 
nach K, P, T im Schwab, sieh bei 



jedem einzelnen Buchstaben. YrgL 
R. V. Raumer, Asp. Gesammelt. 
Schriften S. 44. § 49. 

4) Das Stadtrecht schreibt die 
Spirans imer mit h. 

H scheint in Schnellsprech- 
reimen der Kinder beliebt zu sein : 
He, ^i, ^o, ^a, ^um 
Hans ^aot Mnder's Heara HaxiÜL 

Holz 
Hundert Hieisa ^dra ftuesta. 
Stauden u. allgem. sonst. 

HAB, HABE, die, Viehstand, 
Vermögen in Vieh, ganz ober- 
schwäb. >Hab an Boss und 
Vieh.« Confirm. 9 u. oft. Nieder- 
schwab, kent das Wort so nicht. 

HABEN in der Red. A. >de8 
ding will was hö,< braucht 
Mühe bis esz zu Stande komt. A. 

HABER in der Eindersprache; 
wenn sich die Kinder verstecken 
und man sie auffindet, heisztesz: 
haber, haber iazt! 
Ob etwas anderes als aber mit 
vorgeschlagenem h , wie hie und 
da üblich? Weiszenhorn. 

HABERN ahd. habaro, der. 1) 
In der Pfründe 0. von 1543 komt 
als Speise vor: >gen Nacht ein 
hebrin Muesz und ein Haber- 
kern.< Haberbrot. 
>Ja umb ein Biszen Haberbrot 
Mancher verlaugnet seinen Gott.< 
Holzmann. 

2) Zusamengesezt Gs ottha- 
be r (sieh auch G). In der Pol. 
0. V. 1683 heiszt esz von frem- 
den Müllern: >was aber ihr Ge- 
müs vonGsotthaber, Visis und 
andere Rauchmel belangt, mögen 



214 



Habemarrenr 



sie es sowol als ihr Longetraid, 
sowie von dem Becken nnd Bür- 
gern bekomen, für sich verbran- 
chen u . 8. w. < Vom Mezen 6 s o 1 1- 
haber hatten die fremden Mül- 
ler 4 kr. dem Torschreiber zu 
entrichten. Torschreib. 0. 3) H a- 
berlegüter komen in den Pfarr- 
akten der Strasze vor; sie wa- 
ren domoapitlisch. 4) Als Ab- 
gaben erscheinen: Hnethaber 
in Groszaitinger Pfarrakt. Hnnds- 
haber: >ain schaff roggen für 
den handshaber.« cgm. 154 
f. 6*. >6 hnndmezenhaber« 
f. 6*. >handmesz.< f. 7». Maul- 
haber. >Yogtkom und "Maul- 
haber zu Währingen. < ürknndl. 
1282. Yogthaber, >die andern 
11 vogtbare Güter, jedes 2 Schaff 
Habermas z, den sie nicht wei- 
ter, als nach Augsburg zu fahren 
schuldig sein, wann wegen Kriegs 
der Haber etliche Jahr nicht 
gefordert würde, müszen sie den 
Yogthabern auf den Holzmarkt 
nach Augsburg f&hren und da 
S Stund rufen, ob jemand den 
Yogthaber haimen wollte, und 
komt Niemand, so mögen sie den 
Yogthaber niederschütten. < 
Gersthof. Weistum. Im Adels- 
tractat v. 1646 S. 40: >Die Stände 
verordnen Jagt u. F o r s t h a b 6 r. < 
>Den Forsthabern einziehen.« 
S. 71. Haidhaber hiesz der 
sogen. Haberzins, den die Leui- 
kiroher Bürger (1612urkdl.) und 
dieBewoner von Heggbach zalen 
aiusten , dasz sie die Haide als 
Domftao tnr Ooltur und Nosmig 



bekamen. Leutk. Ob. A. Beschrei- 
bung. 107. Das Alpirsbacher Yogt- 
buch: >das Habergeld git man 
zu St. Martinstag.« »Ewig un- 
ablösig Hellerzins und Habem 
genant Weischhaber n.<Reysch. 
Stat. R. 87. 65. Irgend wo in 
Schwaben ist die Red. A. üblich, 
wenn Kinder überflüszig in der 
Gesellschaft sind: >wart ich 
mach Euch eine Habergaus 
(Gkins)! Man zieht dem Mädchen 
den Rock über den Kopf und bin- 
det in oben zusamen. Das Wort 
Haberstroh in Red. A. wie 
>80 nex sein als H.< »Du bist 
dumm wie Haberstroh« u. s. w. 
was fast allgem. schwäbisch ist. 
In einem Tanze erscheint auch: 
Ming Yadder hot a Hüs 
As i§t mit Haber Stroh deckt; 
Und wenn i a mol hire 
Muesz 's Haberstroh weg. 

AUgftu. 
HABERNARREN. >Ey wol 
schöne Titul, praedicata u.Eren- 
namen haben nicht die saubere 
Weiber, und doch gibt es solche 
Haber- und Stocknarren, 
welche, wann sie nur von einem 
Weibe .hören, so spizen sie die 
Ohren wie der Schimmel, da er 
sieht den Habersack schüttlen, 
es schlägt inen die Puls, als woll- 
ten sie auf der Post reiten. O 
ihr Weibemarren I< >Wer disi 
tat, d. h. sich mehr um das Zeit- 
liche denn Ewige bekümmert ist 
ein rechter Haberntrr.« H. 8. 
>Wer also dienet one Lon, der 
ist wol ein i^edtterHab^rsarr.« 



Habargaisz — H&ffel. 



215 



H. S. > Wer .vergebens ambsontten 
vm den Schatten eine schwere 
Dienstbarkeit aof sich nimt, der 
ist wol ein torrichter Haber- 
aarr.< H. S. Mein Wbl. 39. 

HABERGAISZ sieh Gaisz. 1) 
kngfBssige Spinne. 2) Schelte 
AreinemutwilligePerson. Allgän. 

HABIG, der Häbige, der Be- 
sisende: >yon den Häbigern 
aber, d. h. von den Reichem im 
Gegensaze zu den Gremeinen, je 
von 260 fl. 1 fl. den Steuerherm 
jirlich gereicht.« Gass. In Zu- 
samensezung: hanshäbig >se8z- 
hafi oder haushäbig,« Hochzt. 
0. 1640. Haushäbige Studen- 
ten. Akt. 17. Jh. Zu Haushab, 
das ebenso oft vorkomt. > Der- 
gleichen Wahren zu ihrem Tun 
oder in ir Haushaben gar nicht 
la gebrauchen und verwenden 
können.« Poliz. 0. >In welchem 
die Brife dem Achilles die Toch- 
ter und ganz Haushaben befoh- 
len war.< Troj. Krieg 7*». u. oft. 
Haashabet, die (Eohlerwinkel). 
Bei Holzmann: >hau8sä8zig 
Leat.< 

HABNIGHT, der, eine Abgabe. 
»Die verheuratete Bürger, sowol 
ak die Witwer und Witwen sol- 
len zum Yorausz die Leibsteuer 
und den sogen. Hab nicht mit 
80 kr. 2 Heller; die ledigen Per- 
•onen beiderlei Geschlechts aber 
mit 24 kr. und 4 Heller bezalen.« 
Angsb, Steuer 0. 1779. Art. 8. 

HAGEBÄRTLE, dim.v. harte: 
HandbeiL Im Yolksmunde hat 
lioh harte fast ganz verloren. 



In Ellwangen begegnete mir noch 
Bärtling für Scharfrichter, das 
sich mit der Aufhebung des Stif- 
tes nach und nach verlor. Ein 
Hackblöckel komt im Harter 
Inventar vor. Heckel in Bern* 
heckel »wie auch soll gestattet 
werden der domcapitlische Maier 
zu Dietorf zu jezt habenden Ha- 
zen noch e. Yaselvich, nemlich 
ein Bernheckel hatte.« 1602. 
Hackerle pl. -en: Zäne der 
Kinder. 

HAFEN, der. Bekant ist der 
gedente Ruf des Hafenbinders: 
Ha-a-a-a-afenbind! wie der 
des Pfannenflickers : Pfannen- 
pflick! >Aufdem Hafnerberg« 
eine Oertlichkeit in A. Hafen- 
geld, eine Steuer: »5) so sollen 
auch alle und jede Brandeweiner 
one Unterschid und damit auch 
die erarmete Bierpreuer, so pran- 
deweinen an&ngen, sie mögen 
gleich auBz Getrayd oder nur ausz 
Heffenwaszer Brandewein bren- 
nen, schuldig sein, nicht nur all- 
järlich das sogen. Hafengeld a 
6 fl. bei dem Umgeltamt zu ent- 
richten.« Brantw. 0. 1746 § 6. 

HÄFELESUPPE, verkochte 
Schwarzbrot-Fleischsuppe, Wien- 
erisch: Bommadlsuppe.,franz. 
panade. Häfelegucker, der sich 
um häusliche Kleinigkeiten küm- 
mert. Hafen in der Red. A. »Mier 
ist's um's Lieba wie 'm H u n d u m's 
Hafa lecka, wenn nix drinn ist.« 

HAFFEL in der Weber Ordg. 
>Yon einem Faden 4 kr. und 
wann ein Gang falsch umschla- 



216 



H&ftlein — Haiio. 



gen 20 kr. Straff gegeben; da 
aber ein Underb äff el oder ein 
Gang zn wenig oder zu yil wäre 
— solle der verfallen sein.« >Mit 
diesem Wepfen oder neumachen- 
den Stuck des Unterhäffels.« 

HAFTLEIN, die, naob Scbmid 
253, eine Stecknadel« »Man 
bei auch ein Hietlin , darauf ein 
gülden Hefftlen fär zeben Gul- 
den;« >ünd der Schnitzer, so dasz 
best gewann, hett auch das Erenz- 
lin und Hietlin mit den Hefft- 
lin gewunnen.< Horm. 1834. 139. 
141. »Mit rotlecht und grünen 
Hefftlin, das umschläglih gelb, 
der Hut am Stülp weisz , das 
Enöpflin unter dem Federlin gelb. < 
Ins. 133 

HAFTUNG, die, Haftgeld. Nie- 
derschwb. Hafting, anderwärts 
Haftel- u. Haftelgeld. >Wel- 
cher Eehalt, er sei Knecht oder 
Magd, sich verdin£rt und darumb 
die Haftung einnimt und mit 
in den Dienst get< u. s. w. Min- 
delh. 0. S. 19^ Haftpfenning. 
Häufig, ist verhaft; vom We- 
berlerjungen heiszt esz: »er 
müsze erlich geboren und mit 
keiner Leibeigensohafb verhafft 
sein.« >Behafft, krumm und 
aussetzig.« Geistl. Braut. Ver- 
haften. >Die Juden seind oft 
abgefaumbt und listig, dasz sie 
unterstanden den einfältigen und 
ui/Verständigen Mann mit Ver- 
schreibungen, Yerseichnung ver- 
pfenden, verhefften und inan- 
der Wege dermaszen zu ver- 
knüpfen.« Ratsdekr. 1541. In der 



Flöszer Sprache heiszt esz: »sein 
holz heften andazstat.« St.R. 

HAG, der, Ortsfarre. Hai gel, 
Bissingen; er hat noch verschi- 
dene Namen in einzelnen schwäb. 
Landschaften. Dazu gehören wol 
die überall wiederkerenden Flur- 
namen Hagenäcker, Hagen- 
mad (Schwabmünchen), Haga- 
waid bei Günzburg. 

HAIM 1) in Haimet »ferrvon 
von dem haimet< Troj. K. 31^ 
2) Dazu gehören die adverbial 
gebrauchten anheimend f. 13^. 
anheymantf 52^.dahaiman d, 
daheim at u. s. w. a. a. 0. Un- 
organisches d u. t findet sich da 
gerne. 3) Das Wort Ha im gar- 
ten stm. ist in Schwaben nicht 
recht durchgedrungen. Nieder- 
schwaben kent esz für Besuch, 
Visite gar nicht. Im Riesze heiszt 
das Landvolk das abendliche ur- 
alte Zusamensizen auf dem Haus- 
bänklein so. In dem Reinhards- 
hauser - Waldberger Pfarrbache 
stet: >l8t (esz) aber Sonn- 
tag und gehöret zur Ehre Gottes, 
und nit zumMüszigang, spilen 
und haimgarten gehen.« >8o 
kombt, wir wollen anHaimgart 
gen,< sagt der Tod in einem 
Tanze. 1627. In den Straszen- 
Ortschafben bis hinein in die Stau* 
den heiszt jede Unterhaitang aof 
dem Wege die 2 oder merere 
Personen pflegen, Haimgarten. 
In Groszaitingen sagt man: >hal- 
tens 'nhoigart9« wo ess ander- 
wärts heisit: habt ir einen ga- 
ten Bat, ist die Unterhaltung 



Hftiiisel — HameL 



217 



fvt u. 8. w. Das Zdit wort haim- 
If arten komt ebendas. auch vor 
fnr reden. Ein Kind in Grosz- 
aiüngen erzalte, wie der Pfiarrer 
■in Sonntage (von der Kanzel) 
Iflkoigartet hat. 

HAmZEL, der, spr. hoizl. 
1) ein einzelnes Lamm. Kohler- 
winkel. 2) der S tiefe Iholzel, 
-kund, 3) die Holzstangen mit 
Qoerstocken, auf den Kleefeldern 
zun Trocknen des Klee's. 4) Nach- 
Iner (Bissingen). Schmell. II, 220. 

HALB zu «kltem halba, Seite 
gehörend, hat sich erhalten in 
Sqhwab- und Bayer halb, Gerst- 
koferhalb und noch oft in Urkd. 
des 16. Jhs. Halbscheid die 
H&lfte. In der Wehinger Mark- 
nng (Wirtemberg) sind Breit- 
kalb und Lüzelhalb, zwei 
Flurnamen. Das Volk hat kein 
Terstandnis mar von der alten 
Bedeutung, cgm. 258 f. 176^: 
»enhalb und hinderhalb der 
Donau.« Hai bauten im Hart. 
laTentar. 

HALER, die 2 Arme am Hinter- 
deiohsel. Strasze. Spr. halor. 

HALL in Halltor. A. Hall- 
gasse. Hallmeister. Hall- 
mäszige Waar. In dem Hall- 
«mt (Kaufhaus, Waareniederlage) 
mnsten die sogen. Hallpoliten 
▼orgezeigt werden. Esz gab eine 
Hall der Burgerschaft. 

HALSEN und HÄLSEN = 
flchwängern, komt im XV. Jarh. 
noch stark vor in mereren schw. 
«odd. ganz wie im Mhd. hi ei- 
sen, praet. HI plur. >DerColeri- 



cus begert vil zu helsen; der 
Flegmaticus begert nit vil zu 
helsen.« Rcgiom. 

HALTEN stv. 1) Vieh hüten 
one Zusaz, got. haldan, obser- 
vare. 2) >Ain schuol da man bie- 
cher halten lernt.« Luc. Rem. 5. 
3) enthalten, »sich in flecken 
— enthalten« = aufhalten. 
Dekret 1541. 

HALTUNG, Reliquien: »Der 
(C. Welser) mir all Kirchen- 
haltung — sechen machet« 
»Adi 21 dito kam ich gen St. 
Maximin da man St. Maria Mag- 
dalena hapthaar, eine wunderper- 
liche pix, ander vil und grosz 
haltung und gar vil köstlich- 
keit zaigt.« L. Rem. 11. 

HAMEL in Dreckhamel, 
Misthamel, Schelten, fast all- 
gemein schwäbisch für schmuzige, 
schlampige, erwachsene und nicht 
erwachsene Personen. Erzhamel 
erscheint auch hie und da. >Esz 
ist verlogen; sie zu dem Manne: 
Du Hennenvogt, du Misthamel, 
du Sautrog, du Haspelfreszer, du 
Küehdarm, du Zwibelselcher , du 
Kletzenprobst , du Besenlümel« 
u. 8. w. Conlin. Zum Hamel, 
0. N. >Die Augsburger Kirche 
vouHamelberg, jezt heiszet esz 
schlechthin zum Hamel.« Gass. 
Der Hamel tanz war bis vor 
noch nicht langer Zeit in den 
Straszen-Ortschaften üblich, piit 
den überall wiederkerenden Sitten. 
Das adj. hemling in h. Fleisch 
komt in Kai. und besonders in 
der Astron. oft vor. 



218 



HämerUng — Htiiilride. 



Ein Zeitwort b'hameln, ge- 
fangen halten, seheint alamannisch 
£u sein. Felix Faber im Pilgerb. 
gebraucht esz auch. 

HAMERLING, der, Emerling. 
Strasse. Aemerinch, Garm.Bur. 

HÄMISCH adj. hinkend, krank 
T. Yieh. >Damm die Menschen 
bezwungen sind worden, h a m i s ch 
Fleisch zu schlachten, damit es 
nit zu Hunger sterb.< S. 22^ Das 
A^'. gehört zu hamme swm. 
Hinterschenkel der Schweine, per- 
na, was bei Schmell. H, 191 
zalreiche Belegstellen hat. Ich 
kenne esz ausz dem Alpirsbacher 
Yogtbuche bei Reysch. Stat. R 
S. 88: >schlecht er aberainklain 
Swin, so soll er die Haminen 
damit geben. < Im Yolksmundelebt 
in der Tutl. Gegend (Wirtb.) das 
interessante bearhämmig, wo* 
mit eine Krankheit der Schweine 
gemeint ist, die in vollkommener 
Lämung des Hinterleibes bestet 
und die unheilbar ist. In den 
Augsb. Bruchstücken Ton Wem- 
her's Maria begegnet ham li- 
ehen, hinken. Greiff S. 18. Y. 
2U ff. : 

diu huf ime dorrote 
d4 in der engel druhte 
hin n&her ir sie ruchte 
seinem urchunde 
hamlichen do begunde 
der hailige patriarohe. 
HAMLE, Abrah&mchen. 
HlMPELX swT. 1) dahin lie- 
ehen, krinkeln; urtpr. gebeugt 
einhergen, hinken. 2) taglönen. 



Subst. Hämpler, Taglöner. Adj. 
hämpelig, kränkelnd. 

HAN, der, ahd. hano. >Item 
man hat um ein Han gelogen, 
und der die grösten Lugen hat 
tan, der hat den hanen ge- 
wunnen.< S.327».Hanenwinkel, 
Wehringer Flum. 

HAND. >Handfan oder Ma- 
nipel, den der Priester an der 
gelinken Arm tragt.« Augsburg. 
Messbch. f. 6». Sieh F. Hand- 
bsäz, das, Einfaszung des Hemd- 
ärmels Yorne bei der Hand. 

HANDGAUL zum Unterschide 
Tom Sattelgaul (der sog. ron« 
derhändige), jener der lued er- 
händige. 

HANDREICH, der, Stadtr. U*: 
>Swer chlainen hantreich tut 
in der mül, an swelcher hande 
dinge daz si , dem lol man 
des Ionen.« Das Wort hand- 
hilf, und handbietig im Het- 
ligenbr. Mirakelbüchlein besagt 
dasselbe. 

HANTGETAT, die,frisoheTat. 
>Lit ein Jude bi einer Cristenin, 
rindet man si bi einander an der 
hantget&t, sd sol man si bei- 
diu brennen.« Stdtr. 18^. >Tiit 
ein Jude ein diupstal eime Juden 
oder eimecristen: wirt er an der 
hantget&t funden, sA sol muk 
mit dem schuhe über in rihten.« 
f. 19*. >An der hantget&t fan- 
gen.« f. 81*. 

HANTFRIDE, der. a.a.O. f 28*. 
>8wer einen hantfride gttynde 
den brichet« t 48^ u. t. w. I>ie 
reohtsaltertfiaL Hand ab hau- 



Händiohen — Hans. 



219 



«Hg fknd in Schwaben statt. 
Darüber u. ftber das Fingers tu- 
len an der rechten Hand durch 
den £[enker , wie esz in A. Tor- 
luun, anderwärts Anszfürlicheres. 
HÄNBSCHEK, 1) Handschuhe: 
»an tollen auch die Weibsper- 
tonen diser Class keine mit Gold 
oder Silber vermengte Hand- 
sehen, Strumpf tragen.« Poliz. 
0. 1684. 2) Schelte für eine un- 
gesehickte Weibsperson. Adj. 
handb&rtig spr. hadbärtig, 
hab artig ungebärtig, allgemein 
in Oberschwaben besonders im 
AUgftu: 

>A'n ander wieder fiirchtig grätig 
Und gleich 'm na alta weib 
habärtig. 

Hinkft 's maul na wie 'n alter 

Schwed 
Und haust areacht's habärtigs 
gröd.< Seh. 

HANDLE! als Ruf = schnell, 
eilig. Oberschwb. 

HANKE swf. 1) >£& solle keine 
neue Färber- auch Cotton- D r u k- 
kerhänke oder Rechen in der 
Stadt EU bauen gestattet werden. < 
Bau 0. 65. »Alle Färber- und 
Cotton- Drucker-Hänken oder 
Becken sollen gegen Reichs- 
ftrasE herausz nicht weiter in den 
Tag erlaubt werden, als von 2 
Barchettnchbreiten oder 8' oder 
4f.< a. a. 0. 2) Sichelhenke 
und Pflegelhenke in einer 
Pfarrrechnung von Ettelried 1562 
boomen da die Zehenknechte 
«nd Drescher zu vertrinken 2 fl. 



40 kr. Im sogen. Kohlerwinkel 
villeicht auch sonst, wird ein 
kleines Pläzchen mit Halmen, das 
lezte Stück Ackers, am Schlusze 
der Ernte so abgeschnitten, dasa 
jeder Schnitter halmweise zu 
schneiden hat und wen der lezte 
Halm trifft, kriegt die Sau und 
wird auszgelacht. Darauf die 
Sichelhenke. Vor der Pflegel- 
henke wird auf Commando das 
Dreschen eingestellt und wer den 
lezten Schlag tut, kriegt gleich- 
falls die Sau und wird auszge- 
lacht. üeber Sau sieh MOGGEL. 
HANS bei Gass. »ein stolzer 
aufgeblasener Prachthans.< 
»Ein aufgeblasener Ha n s.< >Dasz 
derselbe Prachthans vor Zorn 
und Scham sich hett zereiszen 
mögen. < > Ein leichtfertiger 
Schnarchhans.« »Unruhige 
Edelleut u. verwegene S c h n a r ch- 
hansen.« >Des Gaplans Helfer, 
den man wegen seiner Herzhaf- 
tigkeit den Frischhans nannte. < 
Schillhans, Beiname eines al- 
ten Augsb. Befehlshabers. Bei 
den 7 Hansen, eine alte Augsb. 
Wirtschaft. Im Kleiderbüchlein 
stet vom jungen Schwarz: »Ich 
was Henszlin frischer Knecht, 
sprang über all Misthauffen.< S. 
137. Hansa täfele eine Art War- 
zeichen zwischen Fischach und 
Ried; nicht geheuer. Esz soll 
einer bei dem Brückle erschos- 
zen worden sein (Hans?); die 
ganze (xcschichte ist auf eine 
kleine Tafel aufgemalt. >H ans- 
ehen im Keller soll leben,« 



220 



Hape — HäringQ. 



sagt man bei dem Gesandheit- 
trinken auf eine schwangere Frau. 
Hansel männliche Puppe, auch 
Backwerk um St. Nikolauszeit, 
an Weihnachten den Kindern, an 
Kirchweihmärkten u. s. w. von 
Erwachsenen einander gegeben. 
Hanselmann im Kinderreime: 
Hanselema 
haot stifela a 

haot 's 9teagle uff der seita 
haot's ros verkaufft 
haot's geld Yer§pilt 
iaz ka - n - r nimma reita. Stauden. 
Mein Wbl. 40. 
Hänseln heiszt in Burgau ge- 
radezu: Kinderspile machen. Ur- 
alte und neue Tänze vom Hans 
und mitunter von der Gretl 
gibt esz im Volke vile. In den 
Stauden hörte ich: 

I und mein Hans 
Mier gehet zum Tanz 
Wenn Neama me tanzt: 
Tanz i und mein Hans. 

Der Hansel uff'm Holderbom, 
Die Gretl ist z'Buechela; 
D'r Hansel haot da Huat verloara 
D'Gretl muesz 'n suacha. 

Der Hansel uff'm Birabom 
D'Gretl ufiPm Head 
D'r Hansel haot 'n Pfiffis doa, 
D'Gretl haot 'n gheart. 

Die Günzburger heiszt man spott- 
weise >die Hannes.« 

HAPE, die, Maipfeife auszEls- 
berruten. In anderer Bedeutung 
sieh mein Wbl. 40. In der Ge- 
gend von Aalen: Häppi plur. 



H ä p p a n a. Im Kohlerwinkel 
>Happer< Pfeife ausz grünen 
Getraidehalmen oder Weidenholz. 

HAR spr. haor, haur, dim. 
h a ir 1 e. Stauden. G anz homerisch 
singt der Augsb. Schulmeister 
im Handkai. 1747 vom Har der 
Bäume: 

Der Herbst, das Alter in dem Jar 
Beraubt den Bäumen hoheHaar. 

Für das bekante verhaord, 
gebraucht das Mickh. Strafbuch 
stets: in's Haar fallen. 

Ein Tanz in der Fischacher 
Gegend heiszt: 

Z'Aretsried wie ma 'nei gaot 
dao ist de greagt näat 
dao haoret zwoi mand 
um a kloins jtüggle brädt. 

Im Kohlerwinkel houra = 
raufen. Auffallend, da ä dort ao 
gesprochen wird. Ist houra vil- 
leicht zu einem andern Stamme 
zu stellen? haor ig, gemein, 
filzig. 

Ein Harhof, im Giltbache 
cgm. 154 f. S2^. 

HARBET, ein schmales Kräns- 
lein um den Yorderkopf. >De8- 
gleichen sollen sie Berlin Krenz- 
lin oder Har b et bei Straf tra- 
gen.« »Berlin, Krenzlin oder Har- 
bet uff 6 fl. wert.< Ulm. Sitt. O. 
1Ö7G. >Mer, 86 hat mein sohwi* 
ger selig, meim weib all ir clayd^ 
girtel, seckel, pater noster, her* 
bett und dergleich gezierd — • 
verschafil.« L. Bem. 49. 

HARINGE spilen imSt.R.a.iii 
den Chron. eine Rolle. AufiiAllend 
ist das massenweise Verbrennen 



Htnoh — Hase. 



221 



denalbeii, mam Furcht tot der 
Seaehe. Ben Haringren schrieb 
HHA oft epidemische Krankhei- 
ten sn. 

HARSCH im cg^m. 206 f. 89^: 
>siehen mit dem har8ch,< >and 
faar ein harsch vor der an- 
dinrn nach.« ? Schmell. 11, 240. 

HABT , Wald , hat sich gern 
erhalten im schwäb. Waldnamen: 
Hinterm Hart, imHärtle. Lan- 
generingen. ImTannenhärtle, 
Wallfart bei lUertissen. Auf der 
Ebene 8. 0. v. Mindelheim ist 
ein Eichertwäldchen. Mein 
Wbl. 40. Hart, Waldfläche bei 
Wöhrishofen. Hartweg. Türkh. 
Urkde. 1540. 

HARTE, die, wol auf den Bo- 
den deutend, als Flurname bei 
Münster. Dazu dürften die Her t- 
wege zu rechnen sein, die in 
ganz Schwaben wiederkeren. 

HARTLEIBIG, verstopft im 
Leibe. Hart: »so die kinder 
den atem hart haben.« cgm. 601 
f. 97». 

HARZSCHÄFFEL in der Sai- 
ler 0. f. B\ 

HASCHER, bischer, singul- 
tns: >ist m'r ebbisz in oreachta 
hals komma, d'rum ho-n-i da 
bescher.« Sieh hecken. Inder 
Strasze Hösch; im cgm. 601 f. 
109*: »von Undewen und ho- 
ichen.« Obpf. hätscha. 

HASE. Die Treiber, Buben, 
mfen bei Hasenjagden: 
Has, Has 
Huarakerle! 



Die Kinder schreien beim An- 
blicke eines Hasen: 

Has, Has Langoar 

Leg mier voarl Stauden. 

In Oberschwaben: 
Has Has Langor 
Du gäbest 'n gueta Dampor! 

Das oben s. v. P angefärte 
P f a i h a s ! ist ebenfalls der Waid- 
mannssprache entnomen und wird 
zum Hünerhund gesagt. Hasen- 
örlein, eine Melspeise, Fladen, 
gefüllt oder nicht. >An dem 
schmalzigen Samstag (soll man) 
ir jedem ainen pfantzelten, 
sechs Euch lach und 12 Ha- 
senerlach mit sampt der ge- 
wonlichen Speisz« (geben) Pfründ. 

0. 1462. In Augsb. ist die ur- 
alte Hasengasse, in der Ja- 
cober Vorstadt. Hasenbröt- 
lein, juncus pilosus. L. Hasen- 
scharte allgem., anderwärts Ha- 
senmaul und Wolfsrachen. In 
Braunschweig erschien a. 1805 
eine eigene Schrift hierüber von 

1. H. G. Ottmer. 

Das Legenlaszen des Hasen 
ist auch in den Stauden allge- 
mein üblich gewesen, ist esz teil- 
weise jezt noch. In Münster 
heiszt die Sitte Hasagärtla. 
Man legt die Eier in ein Hag 
in dem Galten, pfeift, und die Kin- 
der springen heran und suchen. 
Der die Eier hinlegte, zeigt den 
Ankomenden das Holz, und sagt: 
siehst, grad ist der Has in's 
Holz nei! 

Das Häslespil, ein Kinder*- 
spil, üblich in Klimmach. Die Kin- 



232 



His — Haaen. 



der wälen König und Kaiser, 
beide müszen eine Stange an den 
Enden halten und eins om's an- 
dere schlüpft durch, wobei jedes- 
mal König und Kaiser sprechen: 

Häsle, Häsle duck de 

Unta gaot a Lücke, 

Unta gaot a Töarle n'ausz: 

Häsle, Häsle dao nausz! 
Das Lezte wird angehalten und 
gefragt: waohi, zum König oder 
Kaiser? König oder Kaiser müszen 
jezt machen, dasz sie Leute be- 
komen: wer am meisten bekomt 
zieht die Stange an sich und ist 
Siger. 

Ein Kinderreim auf den Hasen 
ebenfalls in den Stauden: 

Mahle, Mareile, 

Grang mit m'r in's Gras; 

Wie singet die Vögele 

Wie schnappet der Has. — 
Red. A. >Da8z inen Gott den 
Hasen tief in den Busen gesteckt 
hat.< G. Müller. >Dergleichen 
mit Hasenbalg (fQrchtsame) ge- 
fütterte Narren, sollen nicht heis- 
sen Soldat 4 sondern Salat, der 
mer Oel als Eszig.« Conlin. 

HÄS, ntr. Klejdung; xadv^, 
xaydvg.*^ Hegriom. 1812: >Gar 
bösz ist new hesz anlegen oder 
schneiden. < »Es ist aber gut in 
der Wäg tuch kaufen^ sich klei- 
den, new hesz anlegen.« >St. 
Ulrich sprach zu seinen Kam- 
merern: legt mir mein häsz und 
mein Schuch anl« cgm. 403 f. 31^ 
>Er hiesz jn schuch und häsz 
ymb sich gurten.« Bebenhaus. 
Passional f. 76 . Weiberhäsi. 



J. Frisohlin. »Wifling und linen 
Häsz.< Kiszl. BodeL 34. Häs- 
trüle, Kleidertruhe. Strasze. Im 
Landgericht Füszen : H e s s e r, pl. 
Im Riesz (NördL) heiszt Hees- 
geba, auszsteuem, e. Tochter, 
Son. Das Hesse in schwäb. 
codd. hie und da. Mein WbL 40. 
>Ir alte Häsz wieder anlegten. < 
B. Waldis I, 244. 77. (H. Kurz.) 
HASPELN swv. >Wie mancher 
Jungfrauen, wann sie die Geiger 
hört, springet das Herz im L^b 
auf; die Füsz bekomen gleioh- 
samb Federn; sie dreht sich so 
hurtig im Haus herumb, als wie 
ein Topf, sie lauft und haspelt 
die Stieg auf und ab als wie ein 
Karfrei tagsrätschen.i H. S. — 
Haspele, eine sich übereilende 
Person. A. Niedersch wb. Haspel. 
HATTELNswv. 1) indie Aehren 
schieszen und als Subst. H a 1 1 e 1 n, 
die Aehren selbst. 
Der Haber duat haddla 
Er ist schon in der Blüeh 
Und wird no oft haddla 
Bis i heirata dua. Stauden. 
2) Beim Gen die Beine übereinander 
schlagen wie der Tollfüszige ; h a k- 
ken ndschw. 3) stralenr. Rossen u. 
Rindvieh. Hattelgrube, Mist- 
jauchebehälter. Strasze. Lezt^res 
ausz dem Altb. ä d e 1, vrgl. Sehmell. 
I, 26 (Adlwaszer). 

HAUEN stv. und swv. lezteres 
mer der bayerischen Gräme zu. 
Red. A. »Wer über sich hauet, 
dem fallen die Span in die Augen.« 
Dr. Müller. >Wer den über, sich 
h o w e t, dem fallen gewonlich die 



Hftofen — Haut. 



22S 



ipenn in die ongen.i cgm. 486 f. 
5^. C^emeinsohwäbisch ist hau a; 
Standen: houa wie gegen das 
Allgäu hin = mit der Rute 
s&ohiigen. 

HAUFEN cnmulare. >]>a häuf- 
ten flieh beide Parteyen zusamen.« 
Troj. Krieg 25^. »Kleine Berglein 
und Hügfelein, da man wol siebet, 
dasi sie mit Händen g e h a u f f e t 
wordenl, so artlich in die Bünde 
BOBammengepacket, als wenn sie 
gedrehet wären. < Grass. >z'hauf- 
fende rennen. < Troj. Krieg 38». 
Subst. >zu Haufen fallen.€ 
oft a. a. 0. Häufeln, häuffla 
>£[raut, Gmmbira h.< allgem. 
schwäbisch = die Wurzeln mit 
Boden umziehen, kleine Erhöh- 
ungen am Stocke ziehen. H au- 
feng' hau, Fischacher Waldn. 
Der Haufa swm. Nabe am Rade. 
Strasze. 

HAÜNIG adj. lieb, angenem, 
gemütlich. >I hätt's dahuim so 
haunig guat. Jazt weinschmer 
a-n-ander ahaunige Nacht. < Scb. 

HAÜPELTSHOFIIN O.N. (Krum- 
bach), merkwürdig durch die 
Schenkwirtsstube, in der 3 Tische 
8 Freiungen bildeten; sie ge- 
hörten 3 Aemtern verschidener 
Herren zu. 

HÄUFTEN swv. enthaupten. 
>Wirt ein man gevangen, den 
man h a u p t e t oder henket ; haup- 
tet er den swer in danne bereit 
hat, der sol im geben ein swert, 
daz 5 Schillinge wert si.« Stdtr. 
22^ >Swer den totslac getat, den 



sol manhaupten.< f. 41^ Hop- 
statt, Richtstelle. Riesz. 

HAUREN swv. rufen. Mindelh. 
(regend. In Holzmann's Gedicht 
von der Theurung in Augsburg 
heiszt esz: 

Die in den Krieg ziehenden 
»Lieszen auch Weib und Kind in 

Trauren 
In Hunger ob einander hauren. 

(klagen?) 

Dann müszen sten in groszen 

Trauren 
Alle die ob Erden hauren. 

HAUS. Das Bettelhäuslin 
hinter dem Spital. Hausknap- 
pen heiszen bei der Weberzunft 
die verheirateten Knappen oder 
Gesellen, die auf deuKnappen- 
stul geheiratet und auch nur auf 
einem Stul arbeiten durften. 
Hau 8 wurm, ein Hausvater, der 
imer, wie man sagt, bei der Heck 
ist, da ist. Nothaus in A. sieh 
N. — Brechhaus od. Lazaret. 
In Mickhausen war ein berümtes 
Tanzhaus, und darin das P f eif- 
f e r h a u s (Musikantenplaz) Straf- 
buch. 

HAUT. >Diser Lobspruch ver- 
lezte die Oren SauPs dergestal- 
ten. dasz er auf Manier und Weis 
getrachtet hat den lieben David 
aus dem Weg zu räumen und 
auf die Haut zu legen.« Con- 
lin. In einem Tanze v. 1627 sagt 
der Tod: »Ich brauch nicht Küh- 
und Kälberhäut, ich bin jezt 
worden ein Sackpfeiffer und rueflf 
zusamen die Landleüffer.< Red. 



224 



Hawe — Hecken. 



A. »Von ander Laut Haat ist 
gut Riema 8chneida.< 

HAÜZINGER in der Knappen 
0. »Solle hinföro kein Maister- 
sohn oder Knapp neben einem 
Hauzinger oder Lehrenkneoht 
zugleich in einer Werkstatt nit 
arbeiten bei Straff 30 kr. von je- 
dem Verbrechen, dann es wird 
kainem Maister gestattet einen 
Hauzinger und einen Lehr- 
knecht bei einander zu haben. 
Es solle auch keiner, der jede 
Wochen nit 3 dicke Barchettuch 
wirkhen tut, für einen Knappen, 
sondern für einen Hauzinger 
gerechnet und belonet werden. < 
£sz scheint eine Mittelstufe von 
Arbeitern zwischen Lernknecht 
und Greselle gewesen zu sein. Bei 
Schmid stet: Söldner, Fremdling 
Auszländer (Böhme) u. s. w. 

HAWE ein Vogel, cgm. 312 
f. 31». ? 

HAXEN, die, eingebogene Füsze. 
Häxensessel. der solche Füsze 
hat. Dem Bayer sind alle Füsze, 
ob grad oder eingebogen Haxen; 
er hat überhaupt keinen Kopf son- 
dern einen Grind, keine Oren 
sondern W&scheln, keine Hände 
sondern Br&zn. Krummhaxe t, 
Adj. KohlerwinkeL 

HEBEN swv. >swer des andern 
kind gehebt het üz der tauffe.« 
Stdtr. f. Ö7». 

HEBGESGHIRR im Harter Inr. 
z. Aufheben d. Ketten od. Rie- 
men. >Fünf Kometer mit Heb- 
geschirren.« Hebtremel >die 
Schergen und Büttel namen den 



Hebtremel und Stangen.« cgm. 
138. f. 128*. 

HECHEL ein gefurchtetes ver- 
meintliches Strafwerkzeug , ho- 
stend in einem oben tellerförmig^ 
mit Eisen - und Drahtstiften 
versehenen Kirchenkerzenstock. 
>Wart, man sezt dich *auf die 
die Hechel oder du komst auf 
die Hechel« heiszt esz, wenn 
ein Bube unartig ist oder zur 
Beichte get. Günzburg. Uralt 
mytisch ist in der Buzenbercht- 
Reimerei: 

Wann ihr als wie ein Klotz 
Zu lang im Bette flackt und 

schnarcht, so will ich haspeln. 
Die D&rme aus dem Bauch und 

ihn hernach mit Raspeln 
Und Hecheln füllen ein. 

Offenbar Anlenung an Hecheln 
für Hachein, Acheln, Häk- 
kerlein. 

HECKEL, ein roher Mensch. 



HEGKEN swv. stechen, züngeln 
von Schlangen. >Das Lager ist 
voller vergiffter Schlangen, die 
das Volk hecken, beiszen und 
todten.« Klim. Predgtbnch. S. 23. 
>Da waren so vil Mews , das tj 
dem Herrn grossen ungemach 
tetten — und symitjren giftigen 
piszen und hocken tötten.« cgm. 
681 f. 186^ 

Hieher gehört der Hecker; 
die Kinder l&szt man in A. schnell 
und oft sagen: 

Heck er, du Bleoker 
Gang über drei Aecker 



Heckenmünzen — Heilig. 



225 



Gang über da Rhein 
Ker beim Furma einl 
Sieh Pfeiffer's Germ. 1863. S. 301. 
802: >Gitwar — ist guot vor die 
hechung der aiterwurmen.« 
Fnndgr. I, 836. Mhd. Wb. I, 607. 

HECKENMÜNZEN, l)8chlech- 
tes Geld. 2) Wo solches geschla- 
gen wird. > Silber aufkaufen, ver- 
fÜren auf die unzuläszigeu Hek- 
kenmünzen — ist ernstlich ver- 
boten und abgeschafft.« Poliz. 
Ordg 1683. 

HEGEENSTALL, ein unterge- 
gangener Einödhof, urkdl. von 
1240: Hetenstal. 

HEERGESCHRAI , das wilde 
Gjig. Burgau. 

HEFAMME im ganzen bischöfl. 
Augsb. Gebiete. Niederschwaben 
hat nur Hebamm. Hefamme 
ist uralte Form zu altem hafjan 
Btend. S. 547 und fast alle Augsb. 
Schriftwerke haben, wie die heu- 
tige Mundart, f für b. >Als 
den Hund die Heffamme vom 
Mutterleib empfangen, wie ain 
Kind, ist er aus den Händen ent- 
wischt. Solichs hat die H e f f a mm 
öffentlich gesagt.« S. 547. Amt- 
lich ward Hebamme gebraucht. 
Die Augsb. Hebammen Ord- 
sun g istumfaszend. Angehende 
Hebamme. Lernende Heb- 
amme, eine besondere Klasse: 
esz gab 4 lernende und 9 be- 
soldete geschworene Heb- 
ammen. Dazu komendie fardie 
auszu^rts wonenden und die für 's 
Blaterhaus angestellte Heb- 



amme und4Fürerinen, sieh F. 
Stadthebamme, Heb. 0. Heb- 
ammen sohild, den sie am Won- 
hause auszhiengen. a. a. 0. Die 
Lernenden durften das Stadt- 
wappen nicht darauf anbringen 
laszen. Nebeuhebammen a. a. 
0. Der Hebammeneid war 
beim löblichen Bauamt zu leisten. 
Mithebamme a. a. 0. Heb- 
ammenbücher, a. a. 0. Heb- 
ammensize oder Quatember- 
s i z e, Gerichtstage, an denen blosz 
eingelaufene Klagen u. s. w. vor- 
genomen wurden. Siz ist bei 
den Zünften das Gericht über- 
haupt. Die Heb. Ordg. verbietet 
nachdrücklich alles >Segen8pre- 
chen, unnüze Gewonheiten 
und Sprüchlein, sündliche 
Gebräuche.« Artikel 4. 

HEFHALZ, claudus, hinkend. 
Cgm. 685 f. 28^ 

HEIKEN, HEIEN sieh G. 

HEILIG. »Dasheilige Werk« 
kirchliche Akte, Taufe, Empfang 
des hl. Abendmales. Protest. In 
ganz anderem Sinne hat die Eichs- 
feldische Mundart den Auszdruck : 
der Rotlauf heiszt dort so. Die 
Heiligenfabrik, fabrica eccle- 
siae, Klimmacher Pfarrbuch. Der 
Heilige für Kirchen vermögen 
ist allgemein. Daher die Namen : 
Heiligenholz, Klimmach. Flur- 
Name, Heiligmad u. s.w. Hei- 
ligenkühe erschein en öfters 
nach gefalliger Mitteilung A. 
Steichele's, in Pfarrakten als kirch- 
liche Abgabe. Im Riesz sagt das 
Volk »helga Tag« für Feiertag. 
15 



226 



Heimberg — Henne. 



In Beteuerungen: >des glaub i 
heilig nett!« 

HEIMBEBG, Filiale von Fisch- 
ach, einer jener Orte, an die sich 
eine Beihe von Liedern und Tän- 
zen knüpft. 

I bin von Hoimberg, 
As jederma woiss: 
I hau Kraut und Nudla g'fresza, 
Drum bin i so foiszt. 

Z 'H i m b e r g ist a Spasz passiert, 
Der Goiszbock haot's verzalt, 
Dao band se gar a dumme Euah 
Zuem Bürgermeister gwält. 

Z'Hoimberg gang i nei 
Da knaklet die Zäun: 
Was wearet wol dia trauriga 
Hoimberger sei. 

HEINEN stv. und swv. weinen, 
besonders ausz Eigensinn weinen. 
In Niedersohwab. nicht üblich. 
>Heit war a laicht und dao ho-n-i 
furchterle g'hina.< Augsb. Hau 
stunda weisz gseufzet und beatet 
und gheinat. Seh. >yerheine- 
te Auga.« a.a.O. >Nachmals ein 
grOBz H e i n e n sich erhebt. € Troj. 
Erg. 33^ Häufig hört man h e e n e. 
Heiner, Schelte, neben Hei- 
nere. Kohlerwinkel. In A. heiszt 
ein Kinderreim: 
Heiner (oder Heinere) 
Branndaweiner 
Im Lumpaspitaol 
Wenn er (oder sie) gnuegheina will 
Heint 'r all Dag zehamaol. 

HEINLICH: cgm. 168 f. 18^ 
>heinlioh beten.c f. 46^ 

HEISZ, Mathias. VrgL Hiesel. 



HELFER, Hilfspriester, auch 
bei Katholiken üblich. Urkd.1635. 
»Pfarrer oder H elf er< b.Hochzt. 
1540. (Protest.) 

HELLAUF! Spizname der von 
Boxbei^ bei Wertingen : bei einer 
Execution sollen sie geschrien 
haben: hellauf, den Galgen all 
hinauf! Sieh Galgen. 

HELLER, beimlezten, emals 
beliebter Name für Schildwirt- 
schaften an der Strasze auszer- 
halb Etters. So in Günzburg, so 
in Rottenburg und München. 

HEMET, ntr. pL -er. Bei S. 
Badhemmet er, seydin hem- 
meter, Wammeshemmeter; 
hemetlaoh u. s. w. Hemde- 
Yererung an den Hochzeiten. 
Poliz. 0. 1683. 

HEMETSCHÜZ, in der Kinder- 
sprache Neckruf: 
Hemetsohüz, Hemetsohüi 
Gest in d'Schuel und lernest nix! 

In Bissingen hört man: 
Hemetscheiszer 
Leckabeiszer 
Widabinder 
Rossdreckschinder 1 

HENGSTE, plur. 1) eine Art 
hellroter Pflaumen (reine daude). 
Strasze. Stauden. In andern ober- 
schwäb. Bezirken sind eti sogen. 
Augstzwetsohget oder am 
mittleren Neoar 1 a n g e Z w et B eh- 
ger. A FasE vol Hengst nnd 
blaue Sohlea. Seh. 2) Stauden- 
hengst, Stichelname der Ton d. 
Stauden. 

HENNE. Hennadreissigti, 
m. ärmliche, niedere HoohBeii. 



Her •"• Hordstier. 



227 



OnNndi. Heiinadone,der, spilt 
in A. eine groue Rolle. ZnmHen- 
nadone heitst auf fden Gottes* 
aeker: >dean trägt man zum 
H.« iZvmjH. komen«: sterben, 
wie in München snmSt.Steffej 
koBMii, d. h. mm St. Stefan, oder 
n St. Christot za dessen Bilde, 
dts an Gottesäckern, Siechen* 
hiiiseni angebracht war als Mit- 
tel gegen den gäben Tod. Der 
Hennadone mag eine Persön- 
liehkeit gewesen sein, die sich 
dort aufhielt. In A. gab esz eine 
Stadtpersönlichkeit dises Namens. 
Seheiffele: >Wau alle Welt 'sLa- 
zierahant, und baldzum Henna- 
done gaut.« >'m Hennadone 
's Fneter liefrat.« Red. A. >Bi8t 
nicht a mal im Stand einer tod- 
ten 'fienn 's Brot zu nema,c 
Ton dummen lackelhaften Men- 
schen. »Laufst 'rum wie H en n im 
Reagawetter;< so d&chtlaos, 
wie der Niederschwabe sagt. >Des 
sind deine H e n n a ett 1 < nicht dein 
Eigentom. Dim. heele u.pulle. 

HER in hearemeil eineEin- 
derüebkosung in Weiszenhom 
etwa wie anderwärts: mein Lie- 
belei mein Schäzle! Hera, nach 
der altem Sprache, drückt die 
Bewegung, her die Ruhe ausz. 

HERAUSZHALFTERN swv. 
sieh ausz einer Verlegenheit ge- 
schickt herauszziehen. 

HERBST , der. Vom Mai ab 
heiszen im cgrm. 73 die Monats- 
namen also: der erst Mai, der 
ander Mai (Juni); der erst 
Äugst (Juli), der ander Äugst; 



der erst Herbst, der ander 
Herbst(Okt.), der erst Winter, 
der ander Winter. 

HERD,- der. 1) Vogelherd: 
»wollte aber Jemand Herde ma* 
c h e n und Eramtsyögel feihen, der 
ein Markvogler wäre, und die 
Kramtsvögel zum f ailen Kauf ver- 
kaufen wird oder wollte, die sol- 
len ihr Eramtsyögel Herde von 
einem jeden Bischoffen zu A. oder 
dessen Anwalt bestehen und mit 
ihrer Erlaubnis voglen.« Urkde. 
1456. L. Rem liesz a. 1524 ain 
Vogelherd in der Rosenan 
herrichten, darinn : >drei Netz mit 
dero Zuogehör. 12 Holzin, 6 Dra- 
tin Vogelhauser, die Einrichtung 
on Vogel und Voglersion kostet 
in Gold 29 fl.< S 62. Vogel- 
herdäcker, Flum. in Reinhards- 
hausen. Vogelheard, Waldberg. 
Waldname. Herdtgasse. A. 

2) Treibherd in der Feuer 
Ordg. 1731. Bau 0. H, 45. >Wel- 
cher Burger oder Inwohner all- 
hier in seinem Haus einen 
Schmolz und Triebherd oder 
Schmidesz zu bauen yerlangt< 
u. s. w. »Desgleichen sollen alle 
Triebheer de, Schmelzöfen und 
Essen gegen den Nachbar ihre 
eigene Maur von einem Riegel 
oder wenigstens halben Maurstein 
dick haben. < a. a. 0. 

HERDSTIER: nach altem Brau- 
che hat jede Herde iren Herd- 
stier; in den Vergleichen list 
man in einer Gemeinde von dem 
H. in der obern und in der un- 
tern Herde. 

15* 



228 



Hereinschleicheii — Herr. 



HEREINSCHLEICHEN swv. 
>ünd sowol durch die Dorf laut 
als hiesige Burgere und Schuz- 
verwandte, sonderlich auch durch 
der Stadtquarde Soldaten Weiber, 
alleweil fremd ungeschaut Mezg- 
fleisch. Brät und Wurst auf aller- 
lei heimliche und höchst sträfliche 
Maniern hereingeschleicht 
wird.i Poliz. 0. 1683. 

HERESEI, Kleidungstück in 
den Kleid. Ordgn. öfter: halb- 
seidene Zeuge, >polonete Here- 
sei.« 1683. 

HERKOMEN LASZEN, vorge- 
ben, behaupten. >Er läszt das 
herkomen.« 

HERR in der alten reichstädt. 
Yerfaszung ungemein häufig für 
alle möglichen Aemter. Die Hoch- 
zeitherren hatten die Ehesachen 
über sich zu nemen; Bau- und 
Handwerks-, Einnem-, 
Steuer-, ümgeld-, Proviant- 
Kriegs-, Taxier-Herren. A. 
Kai. 1769. Nach dem 30jär. Kriege 
gab esz zwei S ti m m i e r- (Wollen- 
visitation) , 2 Forst-, Eicht-, 
Zeugherren n. s. w. Den Ma- 
gistrats-Deputierten bei d. Zunft- 
festen z. B. bei dem Weberdänzel- 
fest nannte man da nur den gnä- 
digen Herren. Daidingsherr, 
Schiedsrichter. Luc. Rem 68. 
Schulherren hieszen die deut- 
schen Schulmeister und ire Wei- 
ber Schulfrauen. Das Herren- 
krönen in Augsburg. Esz war 
eine alte Sitte der protest. weibl. 
Schuljugend. Im Juli, etwa drei 
Wochen vor dem Rüetenfeste sag- 



ten die Mädchen: i darf heint 
zum herogreono. Die Schul- 
herren begaben sich etwa um 
7 ür zur Batfuszerkirche in den 
Gottesdienst. Bei der Rückker 
standen die Mädchen — esz wa- 
ren aber nur die beszern Fami- 
lien angehörigen eigens ver- 
treten — spalierärtig im Schul- 
zimmer, hielten breite Atlaszbän- 
der und umwanden den herein- 
tretenden Schulherm zur gproszen 
Freude desselben. Was habt ir, 
was habt ihr ? rief ein alter Schul - 
herr jedesmal. >Ja heint i^t 
's hesragreno, heint dond 
m9r Eu einfangel« sagten die 
Kinder. Geschenke an denselben 
fanden statt; dafür bewirtete die 
Schulfrau die Mädchen mit dem 
üblichen Kafe, Wein, Kranzback- 
werken. Nachmittags gemeinsamer 
Spaziergang mit der Frau Schol- 
halterin. Das Jar einmal, Mai: 
Nun tun sich auch die Kinder 

sehnen 
Dasz sie bald die Schalherrn 

krönen. 
Greif, Schulen S. 141. Herren- 
häuser eine Ortlichkeit in der 
alten untern Stadt. Herrenbach 
in A. Herramädle b. Münster 
in d. Stauden. Herrenbrot ein 
feineres Brot, Milchbrötlein. Her- 
renmasz in Giltbüohem oft,'S6 
cgm. 164 f. 8^: >1 schaff roggen 
Herrenmasz. <Herrenvorteil 
in der Schüzenspraohe : >an je- 
dem Sohiesztage wird ein Kram 
oder sog. Herren vorteil von 
2 fl. gegeben, wosa jeder Sohüse 



HerrUobkeit — Hexe. 



229 



24 kr. snlegt. Biser Kranz kan 
aber an einem gewonlichen Schiesz- 
tage nicht an weniger als an 5 
IBchüzen ansz der Kasse verab- 
folgt werden. < Schüzen 0. 1819 
§28. Herren gütle, yalgariter. 
MB. 28. 128 (1277) Herren- 
Wink e r, weisze breitrandige Stro- 
bllte der Feldarbeiter. Das Her- 
renbad im Gegensaz zum gros- 
sen B. in Wildbad nennt L. Rem 
28. Herrengeld, Steuern zur 
Unterhaltung des Ortsgeistlichen. 
(Kohlerwinkel )Herrgöttle(-w) 
Kruzifixbild, Feldkreuze u. s. w. 
Mein Wbl. 42. 'S Frearherr- 
gettle , Holzherrgett bei 
Günzburg. Staudaherrgetle, 
Tom Lande, bäuerischer Empor- 
kömling in der Stadt. Spelta- 
herrgetle, auffallend zartglie- 
derige dürre Person. A. Herr- 
gottskühle, Muttergotteskäfer- 
lein: 

Herrgotts küble 
Fliech über drui Stüehle 
Fliech über da Hhein: 
Lasz heint und moara 
Ckiet Wetter sein. Stauden. 

HERRLICHKEIT, Herrschaft: 
>die H. ausz den Händen gea.< 
seiner Macht entsagen. (Kohler- 
winkel.) 

HERTISCH a4j.? >Und als er 
heimkam, stiesz ihn an der her- 
tisch Zittern und bydmen, als 
das ihm alle seine Glieder er- 
8chlagen.< cgm. 402 f. 36^. 

HERTÜS. >Haben die Vinde- 
li z i e r für ire Gotter geeret Sonn, 



Mond und Herthumb d. h. die 
Erden.« Gass. 

HERVORSEGNÜNG, die, kirch- 
liche Auszsegnung der Wöchnerin. 
Im Klimmacher Saalbnche von 
1784 stet: >werden beiHervor- 
Segnung von jeder Kindbetterin 
6 kr. und 1 Schneller geopfert.« 

HERZinHerzblättle, Günst- 
ling: herzschlechtig eine in 
Mikh. Akt oft vorkomende Pfl^r* 
dekrankheit. 

HEULEN swv. allgem. für lau- 
tes Weinen der Kinder oder auch 
empfindlicher Erwachsener. 

HEÜSCHRICKEL, Heuschrecke, 
stm. S. in\ Heuschlickel, 
Strasze. Heuhüpfer, Mindelh. 
Heuspeicher in den Stauden, 
was sonst Heubarn heiszt, neben 
der Tenne. Heu markt, alte 
Oertlichkeit in A. Bildl. Hen- 
gaul, langfuszige grobgliederige 
Person. Heu wag, die, in Augsb. 
Heu zeichen, in der Heuwag 
notwendig. Mrkt. Ordg. 

HEXE. Gass. zält folgende Na- 
men ausz der Hexenzeit auf: 
Hennenflügel, Rappenfuesz, 
Hundsköpf, Heydexen, See- 
lendieb, Hellhund, Palikra- 
zen, Rossdr eck. Zerr endreck 
u. s. w. Hexengässle in Bur- 
gau und Günzburg. Hexenbeiz, 
ein sagenhafter Pelz am Barfüszer- 
turm, dessen sich die bekante 
Hexe bei iren Farten bediente. 
Nach der uralten Sage soll eine 
Hexe dem heranstürmenden At- 
tila bei der St. Afrakapelle, die er 
schon zerstört hatte, bevor er über 



280 



Hezenjimker '— Himelfeaer* 



denFloBz wollte, als uralte häsz- 
liche Gestalt entgegengeritten sein, 
•auf eben so häszlichem Rosde, 
«nter dreimaligem fürchterlichem 
Rufe: Zurück Attilal das soll 
Attila so in Schrecken gejagt 
haben , dasz er floh und Augs- 
burg blieb geschont. So die Sage. 
Einer genauem . Untersuchung 
möge esz vorbehalten sein, zu erfor- 
«chen, wer die Sage zuerst bringt 
und ob die Wemutter zu der 
fiexe in keiner Beziehung stet. 

Augsb. schwäbisch ist auch die 
Bed. A. bei einer Windsbraut: 
aiechst d'Hex nett fliega! 
Pu siehst ausz wie d'Hex am 
Barf üszertort wird zu einer zer- 
aausten Weibsperson gesagt. 

HEZENJÜNKER. Der junge 
Schwarz stet mit einem Falken 
auf der Hand als Jagdjunker da, 
dabei heiszt esz: >Adi 2. Okt. 
1516 war dises meine erste Klei- 
dung wider auf teutsch zw Augs- 
purg, da ich wollt werden ein 
Hezenjunker.< S. 83. Hez- 
wagen, Jagdwagen : >adi 6. Julio 
luos ich mich also krank und 
schwach uff ainem Hetz wagen 
gen Cöln füren.« L. Rem. 22. 

HIEIG adj. für nhd. hiesig 
allgem. in Augsb. Schriftwerken: 
»hyeig und fremd burger.« S. 
Id9\ >die allhieigen Sailer.« 
Sailer 0. u. s. w. 

HIESELN, hänseln. >MoIst i 
lasz mi hieseln« Stand. 

H1GELHA6ELFEZ A, gibt eine 
Art superl. Bedeutung: ser stark, 
s. B. Yom Donnerwetter. 



HHiLEN, sich, swv. hallen, ein 
Echo geben: >dds hat se yer- 
hillt.« Langenerringen. 

HIMEL. 1) Traghimel, in 
der Kirche: >unter einem sey^ 
diu Schirm, der gemeine Mann 
nennet esz einen Traghimel,« 
Gass. So heiszt er noch im Volke. 
In Denkmälern schlechthin Hi- 
mel: >8ie haben den Himel ge- 
tragen, darunter der Kaiser ist 
eingezochen.« S. 195^ >Und ist 
der Legat bei der Prozesz unter 
dem H. gangen.« 202*. >ünter 
den Thomherrn Himel.« t 
277^ >Da ritt der Kaiser ausz 
unter der von Augsburg H. nach 
alter Gewonheit und der Thom- 
herrenhimel.« 504*. »Und ist 
der Legat unter einem schlechten 
Himel schi^ halb spottweis ge- 
fürt worden.« 838*. >Im künfti- 
gen Gerichte Christi weirden we- 
der Gewelber — noch Kanzeln 
mit gedeckten Himeln sein.« 
Gass. Blauhimelamt sieh B. 

HIMELFEÜER, Sunwendfeuer, 
St. Johannesfeuer. Den schon be- 
kanten Tanz Philipps mit der 
schönen Neidhartin ausz Ulm um 
das Sunwendfeuer in Augsb. 
erzält S. also: >Naoh Pfing^n 
hat der römisch König und sein 
Sun Phüippus 10 Fuder Holz auf 
den Fronhof lauszen füeren und 
nach Ave Maria's Zeit ein Himel- 
fewr gehebt und Hersog Philipp 
und sein Adel zu dreimal um 
das Feuer danzet. Bas gelegt 
Holz hat 93 Zeyl an der Höhe. 
Hersog Philipp tansefe mit Ursula 



Himelizen — Hirn. 



231 



-FeidlMurtin etwa Hansen Bürger- 
meisters von Ulm Tochter. < f. 
962^ >I>a sind 2 Spanier auf das 
ttfinnet Hymelfewer hinanf- 
khimetf.« f. 611^ Himelhar, 
«pöttitoh roh, Nonne. Bedens- 
Art: der Himel biostet, esz 
wird bald regnen; der Himel 
Icomt, wenn man die Sterb- 
lakramente zu dem Kranken 
nringl». 

HIMELIZEN RWY. splendere; 
ügm. 686 f. 38». Heute noch in 
bayer. Gegenden and kaum schwä- 
bisch für blizen. 

HIMELZIGE , Begina. cgm. 
685 f. 17». 

■• HINAUSZSTAMPERN swv. 
einem höflich die Türe weisen. 

HINBAÜSCHEN swv. »Wenn 
nit gleich alles anf einander hin- 
gebansoht wird and davonge- 
bchlutert, so kann vil Plaz 
menagiert werden.« Reinhardsh. 
Pfarrbch. 

HINBETEN, hinauszbeten, 
Todtengebete beten, auch hie und 
da dem Sterbenden yorbeten. 
. HINDERE, HINTERE, der,po- 
4ex. >Hett ain grosse Taschen 
auf dem Hindern hangen, die 
fiel auf und wischet dann ein 
groszer Schwanz herausz.« Horm. 
1834. S. 146. >Und er schlug sein 
Teind in die hindern.< cgm. 82 
f. 146^ 

Alte Weiber und Enta 
Bchnaddret über da Sea 
Und wenn sie wend vertrinka, 
Nao recket se da Hindera in 
d'Heah. Stauden. 



2) Adj. >6 herr, ich beger daz 
dein heiliger fronleichnam sei 
mein hinderste pfründt, die 
ich nyezen und der ich Ewiglich 
geleben sol.« cgm. 78 f. 92» 

3) Adv. Bildung: »hinter- 
wertlingen zu einem lauffen.« 
S. 416» >Und würfen ihn mit 
dem Har hinterwertlingen 
one alle Barmherzigkeit, cgm. 402 
f. 188^ 

HINFÜRER bei Regiom. oft 
(1518): >ein lieger und trieger, 
ein Hinfür er, Mörder. < Der im 
Skorpion Geborene ist ein >Hin- 
fürer und ein ubelgethaner 
Mensch.« >Wer im Dracken ge- 
boren vrird, wird untreu und ein 
Hinfürer,« u. s.w. 

HINSCHWÖRfN, Gelöbnis: »dasz 
bei den ofifenen Gengen zu den 
Hinsohwörin und Hochzeiten 
den Vor- oder Nachgang haben. < 
Vergleich v. 1681. In Ulmer Ak- 
ten heiszt der festliche Ver- 
lobungstag >Tag des Hin- 
schwörens.i 

HINTERHALTEN stv. Unter- 
schleif gewären, ürkde. 1634. 

HIN WERF , der , Auszwurf 
»Ich pin ein Laster der Lewt und 
ein Hinwerf des Volks.« hs. 15. 
Jarhundert. 

HIRN spr. hira, §tira in Hi- 
raknatsche, Mohn. Riesz. Hi- 
ra wur st von Hirn u. Schweins- 
blut. Hirakappa bei Frauen 
und Ochsen; bei leztern ist das 
Riemenwerk am Eumet oder der 
gepolsterte Tuchfleck unter dem 
Joche gemeint. EohlerwinkeL 



232 



Hirschfaistin — Historie. 



Hirnschläpplen, eine Zier der 
Frauen am Kopfe. »Ingleichen 
mögen sie dieHirnsc^läpplen 
wol von gutem glatten Samet 
machen, doch dasz sie sampt aller 
Zugehör nicht über 2 fl. komen « 
Poliz. Ordg. 1683. »Die Hirn- 
schläpplein oder Visier, sollen 
von keinem glatten Samet, wol 
aber ausz Tripsamet und andern 
seydenen Zeugen gemacht wer- 
den, dasz keines über 1 fl. 30 kr. 
mit aller Zugehör koste.« a.a.O. 
Conlin : »unverständige Strohirn 
zu Würden sezen.< Hom. S. >Ist 
alles gleich wieder vergeszen: 
haben Kazenhirn: riecht alles 
gleich wiederum ausz.< >Morgen 
ist alles vergeszen :Eazenhirn!< 
>Du haugt koi hiral Schelte. 
Allgemein. 

HIRSCHFAISTIN, die, Hirsch- 
jagd. »Unkosten der Zehrung als 
Erzherzog Ferdinand uff der 
Hirschfaistin zu Mickhausen 
gewest.« Rechnung von 1569. 
Disz blosz bayerisch - Österreich, 
und seinen nächsten Gran zen an- 
gehörende Wort hat seine rich- 
tige Erklärung bis jezt noch nicht 
Igefunden. Grimm. Wb. HI, 1465 
hält esz mit Schweisz zusamen. 
>In der Faiszen.« cgm. 289 t 
103^ 

HIRSCHLING neben Rehling, 
Tannling im Illertale, bekante 
Pilze. In e. alten Augsb.MrktO 
komen Rohlinge u. Pilzlinge 
als Verkaufsartikel vor. Gramm. 
HI, 376. 782. 

HIRTEN heiszen in den Stau- 



den die Viehhüter der einzelnen 
Bauern, meist junge 12 — löjärige 
Buben. In dem Gersthofer Weis- 
tum erscheint ein Grosz- nnd 
Eleinhirt, natürlich ■ ist die 
Sprache von dem Dorfhirten: 
>Die Dorfgemeine solle einen 
Hirten bestellen; dem Grosz- 
hirten solle ein Mayer 15 Laib 
und diesem und demKleinhir- 
ten jedem alle Bach einen ge- 
wonlichen Zelten geben.« Der 
rechtsaltertüml. Auszdruck Hir- 
tenstab erscheint in Mickhaus. 
Akt V. 1567. Akermiete, Hirten- 
stab, 1569. Hirtenschüszel, 
Gesamtion des Dorfhirten. Im 
Sigertshofer Pfarrbuche 1598 stet: 
>In der Kreuzschlau haben die 
zur Sigertshofen Macht zu hauen, 
was das Haberfeld daligt, gibt, 
darausz indie Hirtenschüszel 
2 fl.< »GaU Albrecht soUaUeJar 
in dieHürdtenschüsisel zalen, 
dasz man in anmaden laut.« 

Zeitwort: verhirtlonen,birt- 
lonen swv. »Ungehürtlonet 
durchausz frei ledig gen.« Fisch- 
acher Stat. >Vereszet und ver- 
hürtlonet.< a. a. 0. >Item so 
sollen zugleich Pauren und Söld- 
ner jeder 2 Schwein verbssen 
und verhfirtlonen.< Wilmats* 
hofer 0. 

Das Stadtr. hat d. gemein mhd. 
Form hertaer f. Hirte. 

HISTORIE gebraucht cgm. 168 
öfters für Epistel und Evangelien 
des Sonntages, die >sannent&9- 
liohe historie Bprechen.€ f. 5^. 



Hizen — Hofieren. 



233 



HIZEN 8WY. erluxen >Der eng- 
liflohe SchweisE hat also geprendt 
und gehizQtt S. 468^ 

HIZLER, carnifex vel tortor. 
«gm. 685 f. 22^ 

HO, HO! Ruf für das Grosz- 
¥ieli. Birkach. Der Hunderuf: 
4*1 dal 

HOBEL, ooUis. cgm. 685 f. 31^. 
Sftddeutsch. In dem Pfreimter 
«gm. 530: >alle Berge und Ho- 
bele werden gedehmütigt.< f.&*. 
>Hobel u. Büchel< f. 121^ 

HOBEL WAGEN, Leichenwagen, 
eigentlich Deckel wagen. Im 
Servatius, Hpt. Ztschrft. V, 178. 
Y. 3421 stet: »und warf den bär- 
hob eldan«, d. h. den Deckel 
oder Erhöhung, was mit Hobel, 
collis, zusamenfällt. Schmid fürt 
Hoppelwagen an für Kutsche 
S. 281. Frisch I, 457* hat Hobel- 
wagen für Eobelwagen auch. 
Hobel und Kobel dürften also 
nicht Ton einander getrennt wer- 
den. Im Strafbuche des Weber- 
hauses — mündlich kan ich esz 
nicht nachweisen — stet >den 
13. Juni 1660 sind 10 Gesellen 
un je 10 kr. gestraft worden, 
dasa sie am Montage nach dem 
Quatember in dem Hobel wagen 
herumgefaren.< Sender f. 179: 
>Und bei St. Elizabeth Kapell 
hat man den Hobel mit ainem 
schwarzen wullin tuch ab dem 
Wagen gehebt. Da haben 4 Edel- 
leat seines Hofgesinds in schwar- 
ten Klagkleidern und kappen den 
Hobel genomen und ihn tragen 
zu U. L. Frauen Kirchen, da band 



sye in Mitten der Kirchen auf 
das Pflez niedergesezt.« — »Auf 
dem Hobel und schwarzen tuch 
ist gelegen ein weisz kreut^ und 
sein Cardinalhut.« f. 180» 

HOCH, spr. hoah; Höchespr. 
Heache. >Der hoache Weg« 
beim Dom. ürkde. 1629. >Hoch- 
holz aufm Moos oder Her- 
brechten< genannt, am Lech. 
Jezt abgegangen. H e a b e r g ä ck er, 
Stauden. Im hohen Meer, eine 
alte Augsb Wirtschaft. Hohen- 
reut, Wald N. Zacher. Urkd. 1246. 

HOCHGESCHOREN part. stolz, 
aufgepuzt, eitel. 

HOCHZEIT in Zusamensezungen 
sieh das 2. Wort. Hochzeit- 
sager in neben Leichensagerin 
in A. Wein- und Bierhoch- 
zeiten, Freihochzeiten cgm. 
2046. Nachhochzeit, auf dem 
Lande zugleich Zaltag der jungen 
Eheleute. Hochzeit-Sprüche, 
als unsittlich 1556 verboten. 

HOF, Fest, besonders Familien- 
fest. >Auf diesen Tag, da der 
Hof seiner Freundschaft war.< 
Horm. 1834 S. 131. Kindbött- 
höfe bei Conlin. Hofatlein? 
>Und aines tages was er gewesen 
an einem hoffatlein.< cgm. 
259 f. 11». Hofäcker bei Wäh- 
ringen. Fünferhof, Kaufb. Spi- 
talgut in Beckstetten Zacher 46. 

HOFIEREN. 1) mit Saitenspil 
ein Ständchen bringen . Der Stadt 
Augsburg Beruf 1541. 2) cacare. 
In einem Prozesze des Weber- 
hauses von 1787 heiszt esz von 
einem Webergesellen, er hätte in 



2a4 



Hofmaister — Hollhipper. 



die Hand hofiert und das Kot 
auf seines (Anklägers) Arbeits- 
stul gewoi^en. Ich halte das 
Wort far süddeutsch nicht voU- 
komen volküblich , denn o ist 
mundartlich unrichtig, esz sollte 
das Wort huofieren heiszen, 
d.h. tun, was sich gehört, zu Be- 
huf stend; dann in 2. Linie tun, 
was Not ist, d. h. seine Notdurft 
yerrichten. So könen wir das 
GöttingLsch-Grubenhagensche >sin 
b eh auf daun,< cacare, damit 
vereinen. 

HOFMAISTER. 1) der Fra- 
ter und Klostermaister von Nie- 
derschönefeld, daneben auch Hoch- 
maister. Hofmaister hiesz 2) 
der ülmer Hospitalpfleger; so 
lange die Anstalt noch halbgaist- 
liche Einrichtung hatte, war er 
blosz Maister. Ob. A. Beschrbg. 
S. 104. 

HOLDER allgem. schwäb. ge- 
genüber bayer. H o 1 1 e r. cgm. 402 
f. 126* >und schlugen jn mit star- 
ken holdern<d.h. Holderstöcken, 
Gerten. 

HÖLLE erscheint in Süddeutsch- 
land ser häufig als Ortsbezeioh- 
nung für Burgställe, Wälder u. s. w. 
Die Hölle in A. worauf das 
Pfärrle stet; in der HöU, bei 
Günzburg, Soldatengrab u. Berg- 
werkspuren; Höh, ein Stadtteil 
von Burgau ;Höllenäcker, Rein- 
hardshausen. Höllschlau (Stau- 
den), die Hölle bei Stettenhofsn. 
Ich ziehe noch auszwärtig^ Bei- 
8pile herbei, um leichter die rich- 
tige Erklärung zu bekomen: zur 



obern Hölle, ein altes Haus in 
Radolfszell; Höllenstein, 1) bei 
Stetten a. k. Markt. 2) Flur N. 
Mülh. Urbar. 8) bei Heidenheim. 
4) bei Tübingen. Höllensteig, 
Wald bei Erbstetten , neben H ö 1- 
lahau. Höllenweiher b. Tie- 
fenbach. H ö lld o rf, H ö Hg ä s s 1 e, 
Andelfing. Flur N. Höllgraben 
in Üeberlingen ; Höllen tal beim 
Riedental gegen Gleiszenburg ; 
Höllacker, Wendelsheimer 
Markung; Hol Iwan gen, üeber- 
lingen; Höh, Königseggwld. H ö 11- 
wald zwischen Goppel u. Buch 
u. s. w. In den meisten angefiir- 
ten Fällen ligt altes häli gäh, 
steil, zu Grunde, das sich nur 
noch volküblich in der Bedeutung 
schlüpferig erhalten hat. Die 
wenigen urkundl. Belege obiger 
Flur- u. Bergwaldbezeichnungen 
weisen imer h61- auf: Helun- 
stein und das einfachste wäre, 
die Zwikauersche ö -Schreibung 
zu streichen und e zu sezen. 
Anlenungen an Hölle mögen 
nicht selten mit unterlaufen, d& 
häli nicht mer verstanden wird. 

HOLLENDORF, abgegangener 
Ort zwischen Ried und Aretsried ; 
nur noch als Flurname lebend. 

HÖLLHAFEN sieh mein Wbl. 
44. In Mickh. Rechnungen 1642 
u. Harter Inv.: >Um einen Höll- 
hafen und Höllhafenkachel 
und um Einsezung dessen im 
Maisterhaus.« Sonst heiszt der 
Teil des Ifinterofens, worauf Kin- 
der gerne sizen Höll. 

HOLLHIPPER, der, Schmfther. 



HoUippenoren -— Hopfensaiger. 



286 



koUhippen, Zeitwort, in wir- 
temb. Eirokeii 0. oft. >Sind bei 
den Ho lippern in die Schul 
gefangen.« S. 889^. Adj. holl- 
hippieoh: >h. nnd skurrilische 
Übellen.« Ord. d. Univ. Tübingen 
1601. Bei Th. Paracelsus nicht 



HOLUPPENOREN. >lhrMund 
igt^n Bußzer Honigfladen, ihre 
Zungen ein süsser Latwergen- 
4Mhnij(, ihre Hand und Finger 
«ind von Markepan, sie hat hol- 
lippen Oren und ihr Nasen ist 
ein Zuokerflusz, ihre Augen seind 
ein 8Ü8ze Subsen.< Conlin. 

HOLZ. Borzenholz, Klaub- 
holz, Wegholz sind in den 
Schriftwerken einander entgegen- 
gesezt. Quatemberholz, eine 
Eeiehnis der Stadt an Gorpora- 
tionen oder einzelne Personen. 
>U n h 1 z, esz seyen Stock, Stau- 
den und Widen.< Mezg. Akten. 
Holzböden heiszen in den Stau- 
den herabgekomene Kleinholz- 
waldongeu , die nach und nach 
wugeetookt werden. >Au8 den 
ftbgetribenen Holzböden.« 
Klimmacher Pfarrbch. ImStdtr. 
komt das Hüstetter (Haustet- 
ter) Holz häufig yor. Brenne- 
holz, a.a.O. Holz apprechen, 
FlöszerFachauszdruck=:den Weg 
versperren durch falsches Anbin- 
den des Lechhokes. Stdtr. Nach 
dem dOjärigen Kriege komen 30 
•iädtische Holzmesz er vor in 
A. Für Wald ist Holz fast all- 
gemein gebraucht in der Zusamen- 
eezung, z. B. Egetholz, Hasle- 



holz, Heilingholz, Klimmach, 
Hintersholz (Döpshofen)^ im 
heiszen Reiterhölz lein, Flur 
N. Miokhaus. Akten 1610. Bis- 
tumsholz, 14. Jarhd. b. Mickh. 
>In denHolzstöcken u. Holz- 
stellen< heiszen 2 Oertlichkeiten 
im lllertal (in rillis sylvaticis). 
In der Torschreib. 0. 1722: Gült- 
Holz, Kohlenbauern. Buz- 
holz, Waldname. Zacher 240. 
In Klimmach sagt man für all- 
gemein Schwab, spalten: Holz 
verschlagen; anderwärts H. 
klieben. »Mit Pfannenholz 
abstrafen« rechtsaltertümliche 
Sitte in Mickhaus. Strafakten v. 
16. Jarhd. ab nicht selten. Esz 
war eine mildere Strafe für sol- 
che, die Geldstrafen nicht prä- 
stieren konten. Wegen Läug- 
nung der Schwängerung wurde N. 
zu 8 fl. gestraft, und der »Toch- 
ter noch dazu ein Tag das Pfan- 
nenholz angeschlagen.<1607. 
Ein Rätsel in den Stauden: (Borer.) 
Esz get im Holz 
Esz stet im Holz 
und scheiszt weisze Böllele. 
Holzhaus neben der Fuggerei 
für 82 arme fremde Blaterkranke. 

Holzbock und Holzkaz, ei- 
gensinnige Personen , Kinder. 
Holzbock hiesz Seb. Schertlins 
Fändrich. S. 553. Ebenso ein 
Kaufmann Jakob H. L. Rem. 18 

HONIGSCHEISZER, ein über- 
schwenglich süszlicher Mensch. 
Bald spricht man Hong, bald 
Hög; das Honik, Stadtr. 

HOPFENSAIGER, cola vel 



236 



Hoppassle — Hosen. 



aeigtuch cgm. 685 f. aO.V Die 
Hopfenwirte zu Erlingen ke- 
inen urkdl. schon 1672 vor. »Ei- 
nen Bauch haben wie ein böh- 
mischer Hopfensack.< Con- 
lin. Das Hopf enzopfen mit un- 
lauteren Absichten in d. Mem- 
minger Stdtr. yerboten. 

HOPPASSLE, dim. zu hop- 
pen salire gehörend: ein zwei- 
räderiger Wagen mit einem Pferde. 

HOPPEN, die, scheinen Er- 
höhungen SU sein: »dieselbe Hop- 
pen und Räudigkeit nennen wir 
jezunder Franzosen.< Gass. 
Bei Martin Müller S. 30 heiszen 
in der Dorfstechersprache Erhöh- 
ungen: Hoppen oder Burren. 

HORAX DAX ! Ermunterungs- 
auszruf. In Nieder schwb. ist hu- 
rex dex üblich. Mein Wb. 46. 

HORES MORES! aUgem. volk- 
üblich um Günzburg, ausz >hono- 
res mutant mores. < 

HORGLEN swv. sich auf dem 
Boden wälzen. 

HÖRN spr. hSra, hSara, dim. 
hörele; als Bergvorsprung ser 
häufig in Schwaben. »Auf dem 
Hörn« in A. »Zu oberst des 
Berglins , so man sonsten das 
Hörn nennet.< Gass. Hörele, 
ein hufeisenförmiges, in Schmalz 
gebackenes Eierbrot. A. Hörnle 
als Familienname. A. 1406 er- 
scheint ein Bürgermeister dises 
Namens. Hoarama heiszt im 
Reime vom Jäckele der den 
Mezger abtut, der Teufel. 



>Dr Hoarama soll da Mezger 

buffa, 
Der Hoarama mag da Mezger 
buffa« u. s. w. 

Im Kohlerwinkel allgem. für 
Teufel. Alte Formen h u r n, E i n- 
hurn, Einhürn begegnen häu- 
fig. Hornaff artocoper: horn- 
af vel krapffer. cgm. 685 f. 12^. 
Hornblasenszeit »zwisohenH. 
sich im Hause finden laszen.« 
Ordg.1647. DasHornabschnei- 
den, eine alte jezt abgegangene 
Sitte im Kolerwinkel und sonst. 
Im Frühjare bevor das Vieh auf 
die Weide gelassen ward, kam 
der Hirte mit einem G^meinde- 
rat; dafür bekam er ein Ei und 
1 Kreuzer. 

HÖSELWANG (hasil-) bei Ram- 
ming. Hesselberg,mitd.Fe8te. 

HOSEN in Hosensack, Na- 
belbruch; Hosabändel, b&ndel- 
formige Nudeltaigstriemen eigens 
gebacken in Schmalz ; nachher 
werden sie zum Ablaufen über 
ein anderes Geschirr gehalten. 
Hosalottle, vemaohlätngter 
Mensch; hie und da auch ge- 
mütlicher Bursche. O r ü n h 5 •• 
1er, grünhoset vom Frosche: 
»ist der Vater ein Flacher und 
Gotteslästerer bei dem et auch 
mitten im Winter donnert und 
hagelt, der wie eingrünhosen- 
der Frosch und Lackenmnsi- 
kant mit seiner Pfundgoschen den 
Himel anquakst.« Conlin. »Grün- 
h Osler.« H. S. Red. A. Vit Ho- 
sen zu waschen haben, in 
der Einbildung viles ni ton ha- 



Hotteln — Hnmsen. 



287 



\mL' »Heini frait mi dia 
Laicht aohoa, weil i keine 
schwarze Hosa hau«, ich bin 
gana unyorbereitet bei unvorher- 
gMehenen Fällen. 

HOTTELN 8WY. sohlecht rei- 
ten;. Hottele, Pferd in d. Kin- 
denpraohe. Hottagänle im 
Beime in den Standen: 

Martle, Mareile 
Dn znekersüsz Maule 
Leich mer det Zänmle 
Zorn Hottagänle. 

Hottd, hotto Gäule 

Mei Vater schlecht a Säule, 

Der Müller schlecht a roate Euah: 

Vater darf i itt derzua? 

Noi du dergt itt derzua 

*S ist so gar a beaseEuah. Std. 

HOBSLERIN, öffentliche Hure. 
Stdtr. Orig. Schmid Wb. 289 Ust 
Hubscherin, was in Abschrif- 
ten Yorkomt. 

HUDELN swY. > Jezt ist er sein 
Lebtag geschlagen, sein Lebtag 
ein armer Mann, die (s. Weib) 
wird ihn hudlen und ihme die 
Ka]»pen waschen.« H. S. 

HDDELUM sieh Sautreiben im 
Anhängte. 

HUDERLE neben Hubevle 
•ohft, dim. 1) Lamm. 2) guter 
dwmmer-^ 8) mürrischer Mensch. 
Riesa. Hnderleblut, roter, süs- 
zflr Tirolerwein. 

HUFEISEN in der Red. Art 
>ein Hufeisen verloren haben,« 
Tor der kirchlichen Einsegung 
niederkomen oder schwanger gen. 

HÜFTLE, das, in der Mezger- 



sprache das Schweifstück de» 
Ochsen 

HUI! Auszruf: >huy auf, Esel,, 
fort Eselin!« H. S. Conlin hat 
auch hu, hal Mein Wbl. 45. 

>Hui Buben, welcher kauft?« 
Kleiderb. 104. 

HÜIERLTNG,Heuerlingheis. 
zen die Buben vom 14 — 18 Jar^ 
die noch nicht mit den Erwach- 
senen tun dürfen. Behlingen. In 
^Wurmling. Heuliecher genannt. 

HÜITSCHERLE neben Hui- 
serle, FüUen. Riesz. 

HÜLE, die, ahd. huliwa, Re- 
genwaszergrube, Dorflache. Hüle 
bei Laugna; bei Geratshofen ist 
die Ochsenhüle. >Das erst ist, 
dasz das Waszer nit ein Ursprung 
hab üsz ainer Lachen oder von 
ainer hulben, wann die Lachen 
oder Hulben habend gemainlich 
stehendes Waszer.« cgm. 201 f. 
42\ Mein Wbl. 45. >Darinn was 
ein hülin, die stank und smakt 
gar ser.« cgm. 138 f. 50*», Ob hier 
Hole? Im Eohlerwinkel ist 
Hüle = Holweg. 
HUMEL, Langeneifnacher Wald. 
Hamelweiherle, Humelholz. 
a a. 0. Mein Wbl. 46. 

HUMPELET, die. >So gut sie 
bei Pfaffen, München, Thomherrn 
gefunden, — der Abgötterei ein 
Aufnemen zu machen, deren Hü m- 
pelei sich vorige Regenten in 
ihre Lungen geschemet haben."^ 
Dr. G. Müller. Schmoll. II, 197. 

HUMSEN swv. u. Subst. >Diese 
Frösche (Egypten) machten den 
Leuten mit ihren Molesten und 



238 



Hon — Hnngerberg. 



überdrüssigen H u m i e n und Sie- 
chen über d'Massen vil Üngele- 
genheit.« H. S. >0 giftige, teuf- 
lische, murrisclie, humsende, 
unverschämte Schnacken ! < a. a. 0. 
>])asz Gott erbarm, wer will einer 
solchen humbsenden, brum- 
senden, murreten, kurreten Orgel 
(Weib), einer solchen humb sä- 
ten Bremen oder Schnacken 
wiedersprechen ?< a. a. 0. Mein 
Wbl. 46, 

HÜN pl. hiener in den Schrift- 
werken. Hünerdärm kaufen in 
den Augsb. Auszrufen, sieh An- 
hang. Hünerberg, Dietkircher 
Flurname. > Wollt ihr auch — 
grumpfig und mufiBig sein, als 
wie ein pfipfigs Hun.« Buzen- 
bercht, Anhang. Im cgm. 601 f. 
10*: >mürbal8einhünlin,< d.h. 
weich gekocht Hünerer, der 
Geflügel, Schmalz etc. kauft Stdtr. 
Hun bei Yergleichungen: »prot 
sovil als eines hunes glidlanoh.« 
cgm. 817 f. 21*. Derselbe cod. 
braucht neben änlichen Yerglei« 
chungen > eines groszen phen- 
nings weit« f. 24> d* h. 00 
YÜ Gift, als in einer solchen £f. 
gen mag. (Mer bayerisch.) 

HUND. In Miokhaus. Rechgen. 
V. 1560 komt der Herrschaft ge- 
hörig »ein Fronhund nebst 
einem Swanen« vor. Hunds gra- 
ben >mit dem Sparren- und Lau- 
teriech zur W escherei und 
Heimlichkeiten dienstlich.« 
Gass. Buzenbercht: 
loh tu den Frommen niehts, die 
Bösen will ioh plagen 



Und sie in Lech, M&gdloch, 
Hunds graben Mistgrub 
tragen. 
Hundsschwani, rohe Schelte 
bes. für ledige Bauernbursche. 
Die hundischen Tag ind.Astr. 
oft Red. A. »Der Hund get 
im vorm Lieohie um,« et> 
was GeheinmisvoUes versten, mer- 
ken. »Er griff die Saeh doch hin- 
terfor an, weil er sich darauf 
verstet, wie dßt Hund auf den 
Mittag.« H. S. In der G^end 
von Füszen sagt man scherzhaft 
»du ghearst nel, wao d'r Hund 
nel gheart< d. h. zu den Oren. 
>Den Hunden l&uten< heiszt 
esz, wenn Leute unter dem Tische 
mit den Füszen gampen oder 
schlenkern. In den Stauden ha- 
ben die Kinder den Schnellspreeh- 
vers: >Neun junge Hund unter 
derBruck.< Hunds fud, die, ver* 
tragen, sieh Mockel vertrageii. 
Hundsfud ker uml ein Gtias- 
chen in A. In Happels »kadem. 
Roman schreien die Studenten 
Hundsvogt, Hundsvogtl 
In Bolsterlang »l&s>t man's 
'm Hund gelta.< Di^ B. bete- 
ten in der Kirche einst einen Bo« 
senkranz: auf einmal bUeben sie 
stecken und keiner wüste, wie 
weit sie im Rosenkraiii waren; 
da rief einer »dSs laot ma Ha 
Hund gelta« und sia fiengan 
wieder von vorne an. Sia mögans 
nicht hören. 

HUKGERBERG bei Wilmeta- 
ho£m und Oberschönefald; Flar 
N. In Schwaben häufig. Hun- 



Huppen — Hcwen. 



239 



gerb rannen- gibt ess überall 
(Baifsweil). Hnngerbrunnen- 
&der. Flur, Wehringen. Hunger- 
soli lau, Fisehacher Tobel. Hun- 
gerbaoh bei Amberg. Han- 
ge rtucb. »Das H. zu St. Mori- 
sen ist gemalt worden. < S. 241^ 
»A. 1518 ist dasH. zu St. Ulrich ge- 
malt worden.« f. 834*. Schm. H, 214. 

HUPPEN od. HÜTTEN, l)alte 
Kleider. Burgau. 2) Hütten, 
liederliche Weibspersonen in A. 

HÜPPENTRAGER. »Desglei- 
chen sollen alle Spilleut, H., Frei- 
hirten, und lächerliche üppige 
Spruch und Tanzleut der Wirts 
und Zunfthauser müszig sten.< 
Der Stadt Beruf 1541. 

HURE 1) in der Waidmanns- 
spriMshe: »Nun will ich dich leren, 
wie du ein Huren erkennen solt 
auf einem neugefallenen Schnee. 
Wa ein Hur gät , so get sie al- 
beg hinüber über den Weg und 
g&t rechten — als der Hirsz.« 
<sgm. 289 f. 107^ 2) Im Augsb. 
Elucid. 1643: Schwaben ist so 
ein unkeusch Volk, dasz es sel- 
ten zu rechtem mannbaren Alter 
kompt: gibt tu Hur n. In Ober- 
schwaben, im Allgäu musz das 
Hur- die Superlatiybedeutung 
abgeben: aber imer im üblen 
Sinne: Hurameszer, das nicht 
■chneidet, Huraborer, schlech- 
ter Borer, Huraholz, das sich 
nicht gern spalten läszt, Hura- 
bnb, unfolgsamer Bube, bes. der 
als Hirte schlecht Obacht gibt. 
Huramusick u. s. w. Huren- 
schnecke, kleine Schnecke. Hu- 



renschwanz im Mickh. Straf- 
buche. Injurie. Hurenwinkely 
in der Web. 0. verpönt. Hur ei, 
Ulmer Sitt.Ordg. 1574. Huren- 
schnabel, Schelte. Gonlin. 

HÜRLEN, rollen. A. 

HURNAUSZEN, ein KinderspiL 
Kleiderb. Vrgl. brieten. Roch- 
holz, Alam. Kinderlied. S. 452. 

HURTEN pl. 1} lange Back- 
bretter, worauf der Taig sizt, be- 
vor er in den Ofen kömt 2) 
Lange Obstdörrbretter. 8) die 
hurt stf. Flechtwerk von Reisern, 
H ü r d e^ namentlich um darauf Je- 
mand zu verbrennen. Wack. Wb. 4. 
143\ »Unde swem üf die hurt 
er teilt wirt umbe kezerie, da 
ist man im nihtes schuldic von 
als iner gevangen wirt under der 
gürtel.« Stdtr. f. 22*. >Wirt der 
bewaert, den sol man dem Vogte 
antwurten mit 1 i b e und mit gute 
unde sol er über in rihten mit 
der hurt.< f. 39^ »Sol er der 
Christenheit rihten also dasz man 
in üf der hur de brennen sol.< 
a. a. 0. 

HUSCH, HUSCH! Ruf bei fro- 
stiger Kälte. >Ist David gangen, 
80 hat ihn begleitet der Husch, 
Husch; ist er geritten, so ist 
hinter ihm geritten der Husch, 
Husch; ist er gelegen, so war 
neben seiner gelegen der Husch, 
Husch.« Conlin.Zeitw.hu8chen, 
sich. >Der Zeit huscht sich gar 
nichts mehr.« a. a. 0. 

HUSEN, Hausen, Fische. Stdtr. 
f. 12*: >ein ieglich burger der 
h ü s e n herbringet, der mack den 



240 



Hassecken — Hat. 



wol finden üf dem market nnde 
sol in des niemen irren, bringet 
aber ein Gast husen her, der 
sol des üf dem markte nit fin- 
den, äne des burggr&ven arlaap.« 
>ünderkeufel — ze bachen, ze 
haeringe, ze hüsen< u. s. w. 
f. 21^ Mein Wbl. 41. 

HUSSECKEN wie Rieszisch 
K a 9 a k e n, pallae, weibliclie Ober- 
kleider. >A. 1497 kam erstlich 
der Gebrauch auf, dasz die Bräute, 
welche mit einem langen Has- 
secken angetan — auf dem 
Haupt ein Schleier pflegten auf- 
zuhaben.« n. s. w. Gass. >Sonder- 
lich (den Weibspersonen) aber 
die gut atlaszene Rock und die 
Hassegen von Terzenell and 
andern dergleichen seydinen Zeu- 
gen zu machen verboten.« Poliz. 
0. 1683. 

HÜST U.HOTTI Furmannsruf. 
Gramm. IH, 310. 780. Sollte nicht 
hvist, wist, west vermutet 
werden dürfen ? Der Germane rich- 
tete das Gesicht gen Norden 
»wist« = West, d. h. links. 

HUT. Kopfbedekung. »Mein 
Gott! wie vielerlei Form und 
Modi der Hüthen haben sie nicht 
in wenig Jaren zugetragen ? Bald 
einen Hut wie ein Buterhafen, 
bald einen spizigen Hat wie ein 
Zackerhut, bald wie einen Gar- 
dinalshut, bald wie einen Schlapp- 
hat, bald einen zottigen, bald 
einen glatten Hut, da einen .Hut 
von Gaiszhaar, dort einen Hut 
von Kameelhaar, da einen Hut 
von Biberhaar, dort einen Hat 



von Affenhaar, da einen Hut wie 
einen Schwarzwälder Eäsz, dort 
einen Hut wie einen Schweitzer- 
kasz, da einen Hut wie einen 
Holländischen Eäsz u. s. w Wie 
vielerlei Form und Modi der Hut- 
schnüren haben sie nicht ? Bald 
eine härene, bald eine faden e, 
bald eine genähete, bald eine ge- 
strickte, bald eine taffete, bald 
eine geflochtene, bald eine ge- 
schlagene, hald eine runde, bald 
eine viereckige, bald eine silberne, 
bald eine güldene a. s. w.< Con- 
lin. HüetlisbSlen, einBuben- 
spil; esz gilt seinen Bai in eine 
der aufgelegten Kappen zu wer- 
fen: wessen Eappe getroffen wird, 
darf die andern werfen. Eisen- 
hat, uralte Augsb. Wirtschaft. 
HUT, die, Wache, Aufsicht. In 
A. gab esz eine Klenkertor- 
hut, eine Wertachbrucker* 
torhut u. s. w. Die Mezger be- 
saszen die Steffinger Stadthat 
und die P f e r d e h u t (Waidepläze) , 
sie hatten auf der Hat >Pferrich 
und Hüethaüsel.« Als städti- 
sche Dienste komen vor nach 
dem 30järigen Kriege: 18 Tor- 
hüter, Obst markt hü ter, 
Brothüter, Hüter auf der 
Lechhütten, woselbst noch 8 
Karrer Dienste taten; 2 Hütten- 
knecht, Hüttenschreiber, 2 
Hüttengegenschreiber. Die 
Steohhütte der Mesger in 
Augsb. 1549. lü dem (Gemeinde- 
recht von Sohwabmünchen komt 
der Hüter als wichtige Person 
vor. Der Vogt ist tohuldig, da» 



Huzeln — I J. 



241 



er demDorfe einen Knecht leihe, 
der f5r die ö£fentliche Sicherheit 
wrgt imd ein Hüter heiszt. Bie- 
sen schlägt die Gemeinde vor und 
der Yogt bestätigt ihn. Den H fi- 
ter der im Dorfe wont, ruft der 
arme Mann an, wenn ihm durch 
Biebstal oder andere Entfremd- 
img Not geschieht. Der Hüter 
iszt mit den Bauern, jeden Tag 
bei einem andern. Ist die Ernte 
rei^ so reitet der Hüter auf das 
Feld und holt sein Hut körn, 
indem er einen Fusz aufdieMark- 
ung des Ackers se^t, den andern 
in den Acker und auf- und ab- 
wärts schneidet, was er mit der 



Sichel erlangen mag. Herberger's 
Schwabmünchen. Schindhütte 
b Münster. Zeit der Viehseuche. 
In Ulm hiesz das Amt for Kir- 
chen- und Schulwesen Hütte, 
>auf die Hütten berichten.« 
Akt. 1671. Die uralte Stein- 
mezhütte in Ulm, nachher ein 
Schulhaus, heiszt Hütte. 

HUZELN pl. .gedörrte Birnen. 
Huzelzelten, Huzelkuchen, be- 
sonders zur Weihnachtszeit üb- 
liches Backwerk. Huzelbira. 
Huzelgsind bei Holzmann: 
Und gewönlich nur das Huzel- 
gsind 
Wird hingeriszen gfar geschwind. 



I J. 



Altes Jcurjses L 
1) Gotischem und althochd. 
kur x em I entspricht im Schwä- 
bischen vor einfachem, wie vor 
doppeltem Mitlauter wieder kur- 
see I; jedoch trit Denung ein 
in Folge von Hebung oder Be- 
tonung, wie bei a, e, u, o. Auf- 
DsUende Denung des wurzelhaften 
I begegnet an der Augsburg-Lin- 
daoer Strasze, amLechrain; des- 
gleichen an der Augsburg-Ulmer 
Btrasze fortlaufend entlang der 
Strasze über die Alb und, so vil 
ieh gefanden, bis nach Gmünd 



hin. Sieh oben S. 3^ Dem geden- 
ten BlSd pl. Bieder (folium), 
Ra z (Ratte), Schaf (Schaff, jxöl- 
zemes), FlSgs (Flachs), KSlb, 
Säz, Plaz, Schaz u. s. w. ent- 
spricht gedentes i in Fisch, 
Dlsch, frisch, adj., Brid (ta- 
bula), Sohm6gg9br!d(Blumen- 
bret), Gschir (Geschirre), Mist, 
Wisch (Lappen v. Tuch u. s. w.), 
Schiida (Schlitten), schilfern 
swv. schleifen auf dem Eise, Kin- 
dersite. Dazu komen die durch 
die Nase gesprochenen gedenten 
i mit folgenden m oder n: led 
(lind), mollis; Ledeblua (Lin- 
16 



^2 



I J. 



jdjenblüte), Eed (Band), Hemel, 
Schemel, Tremel u. s. w. Die 
Bayern sprechen aUe hochd. and 
gemeinachwäbisch gedenten a, i, 
u, e, Q kurz und die kurzen ge- 
dent ausz. 

2) Im Allgemeinen stet wurzel- 
haftes i mit reiner Auszaprache 
schwäbisch fest vor Gaumen- und 
Zanlauten; vor den ^fluezigen 1, 
m, n, r leidet die Auszsprache 
bedeutende £inbusze zu Gunstei^ 
des e. Wie Ked, Hemel, 
Schemel, mes, Wed, Bäar- 
wei^Hiuterwed, le nebenlels, 
ungesiUzen (Elimmach) , sogar 
s e m m e (siben) in Folge Auszfalls 
des b, per assimil. u. s. w. be- 
zeugen, ist ausz i nasales e ge- 
worden; auch Yorauszgendes n 
bewirkt Nasenlaut : neder u.s.w. 
Teils wird i vor r und 1 zu ie, 
unten. Endlich erscheint i vor n 
als ei: fein§ter (finster), Mei- 
ster (Münster, ü schwb. i) felf, 
0jinf,hei, hin,»maoheI?«(G8peI- 
gter, Gespenster.) Alamanischin 
der, Baar wird sogar en zu el, 
»Mel s c h ,< Mensch , Mädchen. 
EsB werden aber auch die £nd- 
ungs-i der Fron, de (dich), me 
(mich), se (sie) nasale e. Sohmid 
294. S. Schmell. Gramm. § 264 
Der cgm. 607 f. 156—188 hat 
stets se, de fiär sie, die. Mein 
WbL46^ Vrgl.alUäch8.m6:me; 
thd: te; se: ille, u. 8. w. neben 
mi, thi. Gramm. P. 282. 2. Im 
Allgafi erhält sich reines, ja fast 
zu ü übergendee i troz m undn: 
da« AJamanische duldet den 



Schwab. Nasenlaut nicht. G^nz 
rein tont i auch im Altbayeri- 
sohen: daskimma, Inf., kiminM 
Imp^r. vermag der Schwabe nie 
so rein zu sprecheu. Die nieder- 
sächs. Mundarten haben auch 
reines i sogar für e: MiB«ch. 

3) Eine starke Denang des 
wurzelhaften i entstand vor r, 
wie esz bei a, e, o, u wieder er- 
scheint. Niederschwaben hat das 
Gesez nicht. Hira (Hirn), Hira- 
schläpple, eine Kopfbedeckung 
der Augsb. Frauen; Hiradipp el, 
Schelte, dummer Kerl; Stira 
(Stime); allgemein acbwäb.. ist 
Bir pl. Bira, Birnen u. s. w. Da- 
gegen kennt Niederschwab, und 
spurenweise die Augsb. Landschaft 
eine in Folge des auszgeworfnen 
r entstandene Denung des i: Hin, 
St in u. s. w. Die alamanische 
Baar am Donauurspmng hat al- 
tesHirra, Birra, Stirra u.s.w. 
Ich füge bei, dasz in Augsburg. 
Schriftwerken des 15. Jhs. vor 1 
und r gerne ü fßr i erscheint: 
verdürbet, verdülggenu. s.w. 
hs. 144. 7. ürml und Ivbl nioht 
selten (armilo). 

4) Dise Denung ersoheint in 
einzelnen Landstrichen auch eo, 
dasz man stat gedeatem Hira, 
Stira: Hiere, Stiere yemimt. 
Die allgemein schwabisohen «nd 
suddeutschen Belege sind: miar, 
d ier, ier; femer Hiareoh, KiOT* 
sehe, Wiert u. Wiet, wiete, 
Ztw. Gschier^Bodabiere, Kar- 
toffeln, Kierba (Kirchwtth), 
Kiaroha (AUgftu) , iera (irrea). 



IJ, 



248 



Behmid 296. Sohriftliohe Denk- 
mäler: wiert (fit) ogm. 601 f. 
W». ogm. 786 f. 8». Wiert (caupo). 
Ulm. 8iU. Ordg. und in der Stat 
B«raf 1641. Kierche,Kierchen 
«gm. 480 f. 19*. cgm. 373 f. 145*. 
ftierbt f. a. a. 0. abwierft 
t 147». wieraer f. 153*. fiesch 
imMeer cgm. 608 f. 19*. stier bt 
f. 20». beschiermen, cgm. 480 
164*. mier. MB. 23, 531 ad 1329. 
• iend (sunt), dien (eum) cgm. 
480 1 82». 48*. geschrieben 
im, 8t. R. gehört streng nicht 
hieher. giener, jener cgm. 603 
t 40». verniemen cgm. 345 f. 
44^. wien das angang — sie 
bftitet, daz sie sin warniem. 
Avgsb. hs. 1447. niemant (ac- 
dpiunt) fienster cgm. 257 f. 
6». engiegen, ogm. 436 f. 10^ 
kiet, hiette auch mhd. Formen 
n. s. w. ; dise dürften nicht echt 
■ohwabisch sein, hierten, wien 
tqaem) u. s. w. häufig in codd. 
Vergl. Franz Pfeififer, Höf. Spra- 
che S. 8, der dise Erscheinung 
flsr bayerisch-österreich. Sprache 
sosohreibt. Ygl.Weinhold, Gramm. 
§. 102. 

6) Alter Ueberrest im Volks- 
munde und in volktüml. Schrif- 
ten ist das der Brechung ausz- 
gevrichene i und das stat des 
Umlautes auftretende i, im 
Mitielniederländischen vor n. 

a) i für gebrochenes e. 
•> Winden und wittern.< Stand. 
Heuschrickel, Heusohrecke. 
(?)8chmirzen swv. Niedersohw. 
f miza vom Brennen geschürfter 



Haut. Glirnig. Liderle, Le- 
derle, Anfang eines Kinderrei- 
mes. Stauden, nibeln, nebehi; 
Wich sei, Wechsel. Asch. Rö- 
merkessel. Schriftliche Denkmä- 
ler: schmirzen bei Holzmann. 
>als6 smyrzet es die.< Troj. £rg. 
81^ V er schmirzen, Mund A. 7. 
pfligt im Stdtr. pflig stete 
treul cgm. 312 f. 35*. pflick- 
lich, Troj. Krg. pfligikkeit, 
pflignus im codd. nüblig. 
Regiom. 1518. wichsein Stdtr. 
abgewixlet. Insign. 125. Nie- 
derschwäb. äwisle. Gelirnig- 
heit (des Hundes). Lang, Zau- 
berei. Liderin hosen im Klei- 
derb, gelidert hüt. Stdtr. Li- 
drin Sack, Feuerbach cgm. 156 
f. 101. Girsten, Gefill (fallen) 
in codd. Witter, cgm. 581 f. 
185*. Ze der Liechtmisse MB. 
23, 533 ad 1330. cgm. 736 f. 6». 
cgm. 168 f. 67*. 25*. Geliger 
und geleger in Chroniken oft. 
Im Troj. Kr. stet: beherbrigt, 
Beherbrigung (Herberge) f. 9». 
Vrgl. Kehrein, Gramm. § 58. 
Rumpelt § 111 S. 220. 

b) i für das ausz a umge- 
lautete e. Disz nicht echt süd- 
deutsche Gewächs stört die den 
oberdeutschen Mundarten ei- 
gene Klarheit in der Unter- 
scheidung des Umlautes und der 
Brechung in e bedeutend. Die 
allgemein schwäbischen Britt, 
Schiff und To adagribel, 
Irbl gehören wol nicht hie- 
her, sondern zu einer I Form. 
Schriftliche Denkmäler: zu altem 
16* 



244 



IJ. 



t skrikan u. skrakjan stet: 
»von dem erschricken ganz 
ellenklich.« Troj. K. Mitgroszem 
Schricken f. 2l\ 36*. »forcht- 
sam und erschrickig cgm. 601 
f. 99*. schrickig cgm. 581 f. 
135^ höwschricken cgm. 206 
195*. Heus ehr ikl S. lll^ Zu 
f satjan, sitan: >furchten u. 
entsizen.« Ulm. Sitt. Ordg. und 
Augsb. Dekr. Kein Entsitzen 
ob Gotteslästerung. Mindelh. Ref. 
u. s. w. Schwirmen, umher- 
schw.irmen Kleiderb. Schnir- 
kel f. Schnörkel. In derWirme 
(Wärme) cgm. 736 f. 138*. Wir- 
me. Eegiom. 1512. und oft im 
cgm. 601. wirlich zu wesan. 
Gass. Gegenwirtig, Gegen- 
wirtigkeit, cgm. 601 f. 9*. 69*. 
285*. Eirzen (Kerzen), nuz und 
gewir, Irb, Schirg, Hirman]n. 
MB. 24. 43. Jh. wichst, wächst; 
stirk, hochfirtig, myr, myr- 
griesz,hirt(durus),nirten sich, 
Girten u. s. w. in halb bayer. 
halb Schwab, codd. Disz G^ez 
greift in Niederbayern und in 
der Oberpfalz weit um sich. 
Schiff wechselt mit Scheff in 
Schwab, codd. Im Schwab, gehört 
Schö f f zu den selteneren Fällen. 
Gramm. P 149. 1. Vrgl. Wein- 
hold § 41. S. 24. Schmell. Gr. 
§ 206. Eehrein § 58. In Eben- 
weiler (Wirtemb.): irger, wir- 
mer, Hirbst, gwirma, hirter, 
schwirzer u. s. w. (Alamanisch.) 
ImAltsächs. gewärt der Heliand 
eine Anzal Beispile, dasz i fiir um- 
gelautetes astet. Gramm. P 236.2. 



6) Unmittelbar anschlieszend 
erscheint uneigentliches ialsAb- 
schwächung von a, wenn dieZu- 
samensezung des zweiten Wortes 
Ton auf das erste herubemimi, 
d. h. wenn wurzelhaftes a tonlos 
wird, was besonders bei den Na- 
men der Wochentage der Fall 
ist: Sonntig, Metig, De§tig, 
Aftermetig, Sampstig, Leab- 
tig u. s. w. Schleicher, Sprache 
162. Weinhold Gr. § 23 S. 25 ff. 
Vergl. im Troj. K man ig got. 
managei, multitudo. f. 23^ 36*. 

I erscheint ferner für a in Po- 
digram cgm. 436 f 8^ Endris 
sieh E. gemeinschwäb. Endres, 
Enderle; für e: oappillan 
cgm. 436 f. 10^ (capellänus) ; für 
u: Willmetshofen O.N. urkdL 
1343: Wuldmatshofen. Zacher 
14. Eingeschoben: Patanye f. 
patena. cgm. 736 f. 14^. Im Troj. 
K: Amazonier, Barbarier 
f. 33*^. und oft. Ueber i in eint- 
weder, was das Stdtr. hat und 
änliohe Fälle sieh Gramm. P. 
185. 7. i als Nachhall des 1 und 
r, der beiden Halbvokale, in 
Storich, Kelich (calix), Le- 
rioh u. s. w. sieh L und B. 
»Böse Fische in Pf iz igen nnd 
faulen Waszem.« Begiom. 1512. 

7) Von den fremden Endungen 
-ins, ium, besonders in Monata- 
Namen ist nur abgeschwächtes i, 
d.h. nasales e geblieben; allgem. 
Schwab, in Februare,Januare, 
June, Jule, Yicare, ETan- 
gele u. s.w. SchriftL Denkm&ler 
schreiben -i: EyangoU, Inventari 



IJ. 



245 



V. 8. w. >am Herzog auszSclile- 
n.< S. 1Ö7^ Kanarevogel. 
Lene (luieaX Kommede (co- 
mpedia). Caecille. 

8) a und e sten fftr i in Pim- 
panell b. Holzmann oft. P este- 
lenz, pestilentia S. 194^. In der 
Gegend TonFüszenNaumestag, 
Yoarmestag, Nachmittag, Vor- 
imttag. Eegper sieh K. Eer- 
sehe.Eerschwaszer.Brantw.O. 
Erdbödemf. -pidem. nemez, 
niemand. Luz, Tgbch. Und ganz 
aoszfallend : m ' r, d ' r(8uffigiert) *m 
(im); Ganerle sieh G. Ma- 
tdre, Eiter; närrsch; inHong, 
fut allgem. schwäb. Stdtr. h o n i k. 
lialsstark u. verstockt. S. 49^. 
Sovel, wie v9l; in den Zalwör- 
tem:zwanzg, dreiszg, vierzg 
u. 8. w. Hosto (Hostien), Fa- 
milie. Clan et (Clarinette). Min* 
§trant, Altardiener. Begte(be- 
etia), Schelte. 

9) Der Abgang des ü im Schwä- 
bischen ist in den Denkmälern 
angezeigt: Zirch, Tirk, Wolfs- 
mill (Müle), Birgen (Barg) u. 
8. w. Folgt m oder n, so wird ü 
dem i gleich wie ee gesprochen: 
greo (grün), Greole, ein übel- 
sichtiger Mensch. Schriftl. Akten- 
stficke schreiben dem entsprechend 
pfrend S. 220»> u. s. w. 

10) Die altertüml. Superlative 
mit -ost wechseln in den Denk- 
xnftlem und im Yolksmunde ser 
oft mit der 2. Superl. Form -ist; 
allgem. oberdeutsch ist jedoch 
derAuszfalldes i, selbst im Stdtr. 
dnrchausz. 



1 1) Die Ortsnamen J e d e s h e i m, 
Jettingen,JLrrsee lauten urkdl. 
Utesheim, Yttisheim; Uet- 
tingen, Ytingen, Uttingen, 
üotingen, Otingen; Ursin- 
gen, Ursinum, Yrsin u. s. w. 
Jengen, b. Eaufbeueren ist ur* 
kundl. Geningen sieh obeu 173^ 
Ittelsburg bei Grönenbach ur* 
kundlich Hittelsburg zu S. 
209^. 

Ähd. langes I got EL 

1) Gotischem ei entspricht 
schwäbisch wieder ei d.h. uralte 
Lautfortfurung hat allgem. schwä- 
bisch stattgefunden. Alamanisch- 
Allgäuisch bestet ganz dem ahd. 
und mhd. geschribenen i entspre- 
chendes i; äi ist den fränkischen 
und bayerischen Mundarten eigen. 
InAugsb. begegnen wir dem von 
Ostlechleuten wärend viljärigem 
Yerker eingeschleppten äi in der 
Jacober Yorstadt, die noch allein 
maszgebend für die alte städtische 
Sprache sein dürfte: baisza, 
beiszen, nur v. Hunde, got. b e i- 
tan; staiga, got. steigan; hai- 
redo, heiraten; baitscha, peit- 
schen; schnaibo, schneien; rai- 
ta, Plagiat bogen mit fremden 
Predigten u. s. w. Eigentümlich 
ist >'8 kailt mi,< esz verdrieszt 
mich. Subst. Glaigp®, Splitter; 
Blai, Blai§tift, Laista (die 
Leiste) Laistle, dim. Strait, 
Aifer, Zwaigle, der Aibai- 
laib, Mezg. Spizname. Glaiwe, 
Eleien ; B r a i s 1 e , Preisznestel ; 



246 



IJ. 



Baischle, Lungenzuwage vom 
Schaf; Schnaible, Vorderkopf 
des Kalbes im Gegensaz z. Arie. 
Ob vielleicbt hier ai Umlaut von 
au: Schna üble. Aisen, Eisen; 
Aia, Eis, glacies. Staiffhans, 
Mezgerspizname. Waib, Wit- 
waib, Rüermillewaib, Ali- 
waibersommer; Waichwa- 
d e 1, aspergillum. Laicht, Leiche, 
Conductus; Waidling, hölzer- 
nes Waschzüberlein; W aitschaft, 
Weite U.S.W, draia, drei; d er- 
glaichen, wail u. s.w. Laip- 
ding ist Schlagwort: Laipting- 
recht, -gelt, -brief. Im Riesz 
reiszt ai ansz Franken; in A. 
ausz Altbayern ein. In meiner 
Heimat, Wurmlingen bei Tübin- 
gen, hiesz ein Schmid einmal spöt- 
tisch »der Gailaisiner<f, d. h. 
Gaul-Eisen, Hufeisen, weil das 
a i, das er vom fränkischen Hohen- 
lohe mitbrachte, auffiel und lä- 
cherlich daüchte. 

Schriftliche Denkmäler bezeu- 
gen dise künstliche Pflanze der 
bayerisch-schwäbischen und frän- 
kischen Grenzlande. DieSermones 
Tauleri 1508 b. ,H. Ottmar haben 
baiten, warten, gebaiten f. 
212». >5 tag baiten.< f. 220^ 
Aisen, Aisenberg cgm. 2517. 
raicher man, Horm. 1834. S. 
125. Brunnentaychel S. 571». 
do staigt er aufs lectorium. f. 
215^ anderwayt a. a. 0. ain 
Saidlin weins, Pfränd.O. 1462. 
gait, gibt, a. a. 0. Gaiffer, 
Ehrenfest 1699. je verhayter, 
S. 873». hayraten in Web. 0. 



oft; die MB. 23,200 ad 1291: voc- 
tay (advocatia) u. s. w. >du fai- 
ger gaist.< cgm. 402 f. 45^ 49». 
>blecheme Sayer.< Hart. Inv. 
Der cgm. 603 hat: zaytlicn 
gut, underwaylen, under- 
waysen, layden, gelaych, 
vor Zaitten, Gotlaydent 
Menschen.Glaichsner, spay- 
en, mit Flayszliehe, Gaitti- 
keit, Nayd, gespayset, Ways- 
heit, maidet. Gonlin: Saite 
(Seite), Bail, Orfaigen, man 
tanzt nach der alten Lairen, 
hobeln undfailen, Schaitter- 
haufen u. s. w. In Beinhards- 
hausen schrieb ein Pfarrer des 
vorigen Jhds. in sein Pfarrbuch 
wail, erlaiden, traiben, 
blaiben,Kirchwaihe, Waich- 
bischof u. s. w. In der Har- 
pfen Davids, Augsb. 1659. IV. 
pslm. 8: >er füllt Spaich- und 
Malter Jein.« Spihhari, Spei- 
cher. Kegiom. hat oft wait- 
schwaiff4g. 

2) Das alamanische Allgan 
hat noch mhd. und ahd. i für 
göt. ei. Ob Schwaben i in der 
Auszsprache gehabt und esz zu 
ei umwandelte, oder ob ei ur- 
sprünglich, was ich annemen 
möchte, in der Mundart sich fort- 
erbte, will ich nicht sicher ent- 
scheiden. In wiefern die folgende 
Stelle beiGass. zu verwerten ist, 
mögen andere urteilen: ich sehe 
nicht ein, was für ein Ereignis 
so plözlichen Umschwung sollte 
hervorgerufen haben. Von 1500: 
>umb dise Zeit begundten die 



13. 



24t 



AugdWger Ire S]^rac1i zu än- 
dern und etwas yerständ- 
lieber zu reden, also dasz sie 
SU unserer Zeit bei Regierung 
Xaiseif Ferdinandi ganz änderst 
rieten dann die Alten. Dann 
dm diselben vor diesem in Ausz- 
gpfMinhg des i und u das Maul 
weit Aufsperrten, brauchen sie 
jekunder daför ei und au im 
S<&hreiben und Reden, und sagen 
nüt halbem Mund allein für 
allan, auch für ach.< Ueber 
di'sÄ Thema sieh Weinhold, Gr. 
§. 99. Schleicher, Sprache 183. 
Rumpelt, Gramm. S. 234^. Rapp 
in Fromm. Ztschrfb. II, 106. 

3) Altes i in Subst. so von Ad- 
jektiven abgeleitet sind, erscheint 
noch häufig in sciwäb. codd. des 
14. 15. Jhs. der cgm. 601 f. 97 ff. : 
Kelti, Engi, Stilli, zarti- 
halb, Groszi u.s.w. Sinweli, 
Re^om. 1518. Saumsali. cgm. 
872f. 158^ Oedi,Wiesti;Stren- 
g i f. 160»». 182». Pfeiffer , Hof. 
Sprache 21. 

4) Für ahd i = got. ei in Adj .End- 
ungen treffen wir im 14. und 15. 
Jhd. in Schwab.', noch mer aber 
in bayer. codd. ei: hulzein, 
Bteftelein, selbst kunigein, 
Ingoist. Reime 1562. Ebenso in 
^tturalen Endungen d. h. in 
urspr. subst. Zusamensezungen, 
wie -eich, -leich aber mer in 
bayer. codd. 

5) Eine grosze Auszdenung hat 
im Augsb. Schwäbischen das ausz 
altem -lln abgeschwächte dim. 
le, le, lä. Brätle und Salätle. 



Esele. Botle. Breäsdd^ (Bi^^ 
samlein). Tesperle (nachtnittägL 
Zwischenbi^ot). Verschreckerfe 
machen, das Zimmer übersohliai- 
gen; Stärle, Bierle, Birötle, Ach- 
terle (Brot sieh A) , SchAzel^ 
Schäfle, Wägele, Erezele (TeufeÄ, 
Kindersprache), Täüble^, träübltf, 
Schmalzwägle, Greasele (Ki^sele), 
Süpple, Öfele, Kerwischle. Bu- 
zele, Bimperle, kleines Kind. 
Bäzzele, Bodensaz der ausz- 
gesottenen Butter ; Memmele, 
Scheckele, Kazenname; Spile'. 
Gstäddele, >9 G. Güozelen.c 
Schriftl. Denkm. Bast und ft Ind- 
ien (Rinde). Gschirle (Todtew- 
aschen-Behälter). Troj. Krg. 28*. 
Pfeyle und Spieszle f. 37». Än- 
lin f. 57^ Schiszle S. f. 183^ 
Erkerlin, Wägele. Troj. Krg. 
Gesindle (oft), Neüs Bädle, 
Burgerbädle Gass. Gemächlein 
Gass. Züchtige Tänzlein an St. 
Mich. Kirchweih. Gewölbte 
Gänglein, Neidbädlein. Närr- 
lein. Gass. Z ü b e r 1 e mit Fischen. 
Gass. Ein Müsle (Mus), ein 
Drenkle, cgm. 601 f. 105 u. oft. 
Mäglin, rugklin, Tropflin, 
Hed erlin, verklaibts Häflin, 
Gemächlin, Zümpflin, Spiz- 
lin der Nase a. a. 0. Pfaffen- 
gesindtlein. Müller. Eich- 
hörnlin, Astlin, Aichelin, 
B er gl in. Insig. >Mit rotlecht 
und grünem Häfftlin, das Um- 
schläglin gelb, der Hut am 
Stülp weisz, das Knöpflin mit 
dem Federlin gelb.« S. Güt- 
lein vertrinken, oft bei Lang. In 



248 



IJ. 



den Stauden machte man sich 
bis heute lustig über dieBimini- 
Üva, welche die Augsb. Arbeiter 
mitbrachten. 

6) Für i hat cgm. 168: ie; 
Wienacht, oft. Wiewaszer 
sprengen t2i\ Wiechtag, adij. 
wiechtaglicher Gesang u. s. 
w., wobei ich ein wie n ig als 
gegen d. Donau, Ulm zu üblich, 
anfure und urkdl. ebenso oft durch 
Wien ig belegt ist, z. B. cgm 
402 f. 1&>. Vrgl. Jochams Be- 
merkung, in der Bavaria II, 2, 
S. 815. § 7. Andererseits begeg- 
net das schon ahd. feng für 
fieng oft, so bei Luc. Rem. u. 
s. w. S. hat Gemeyl für Ge- 
mäl f. 425^ 

Got. äi ahd. mhd. ei, ai. 

1) Üeber ai vor, h, r, w siehE 
S. 133^. Ich füge femer an : altes 
&i (saivala), das niedschw. noch 
fortlebt, hat sich unorg. in schwb. 
augsb. codd. erhalten; cgm. 603 
f. 4»: sailig. unsailig f. 10'. 
ewige sailigkeit f. 24'. So sind 
ir sailig. cgm. 437 f. 108. Dem 
got. saivs entspricht im cgm. 
267 f 14': Sew: so vergaut der 
seuw u. s. w. Vrgl. Gramm. I*. 
185. 7. Ich hörte auch Wibele 
zu adh. wewo; ai mit folgend, 
w — i; sonst kenne ich kein 
Beispil. 

2) Dem di im Got. vor den 
übrigen Consonanten entspricht 
&9 und ki oderoi; die alte Öster- 
reich. Grafschaft Niederhohenberg 



hat äe; Altwirtemb. imd Ober- 
schwaben oi. Das Schwab. Augsb. 
Gebiet teilt sich in beide: doch 
herscht oi vor gegen Füeszen 
äo , was dem Bayerischen und 
Englischen änlich ist. Loib, 
Loible, Doppelloible (8 kr. 
Laib) got. hlaifs engl. loaf. 
Oid, aiths got.juramentum, engl, 
oath. Doig, Doigkar, Taig; 
Oi, Ovum. Moigter, Maister; 
Oiszle, Pustula; El oid, engl, 
cloath; Goisz, gaiteins,Boiff, 
der Raif. Eingwoid, viscera; 
Soiff, engl, soap; Loidwesa 
u. s. w. Loitsoil, Leitseil; 
broit, breit >Broitfeld.< Goil 
sieh G. >a goils Esza;< hoil, 
hail, unversert. Ztw. woicha 
(waichen), solch a, zoichna, 
hoisza (haitan). In Elimmach 
hörte ich boisza, dieAehren an 
der Garbe abschlagen. >Wo 6 
Drescher sind, wird nicht b o i s z t< 
a. a. 0. was auf baiszen weist ; 
niederschwb. haben wir baosza, 
Sbaosza. In den Stauden meint 
man den Ton oft auf o also oi 
zu hören: kloider. Der Würz- 
burger Franke hat in disem Falle 
ä: lad, fläsch u. s. w. Bei Füszen 
u. i. Riesz: Loab, Doag , Goasz, 
Moasz , Roasz ^ Load , Moaster, 
Loatsoal, zoaga, hoasz, broat 
(brait) u. s. w. Weinhold S. 79. 
Disem Geseze folgt je nach der 
Gegend, zwai, zwei, zwoa. In 
Zusamensezungen bleibt aber, 
mündlich und in Denkmälern, 
i statt ai, oi, oa: zwimädig, 
ZwiroBsler; Zweirössler ist 



IJ. 



249 



der HAlbbaaer «un ünterscldde 
vom Söldner; zwi gnädig, Zwi- 
jlrling, zwif eltig Stdtr., än- 
lich wie Trispalt der Strafe, 
Mesg. Akt. DrifusZf Reinhards- 
bansen und Harter Inv. Zwien 
(sgm. 402) bayer. z b i e n erscheint 
auch in codd. Oder müszen wir 
för die Znsamenseznngen die adj. 
Fbrm zw in ansezen? 

Folgt auf altes ai m oder n, 
80 trit Näselang ein : hol, h o i m 
(baims) , Hoigarta, sonst: in 
d' Einker ganga; oim, dat. 
ainnamma; got. loim, 1) ahd. 
lim, glnten. 2) leim, limus; 
Hotz, Eoiz sieh s. v. kloi, 
Stoi, moTgt, kolz, loitscha, 
lofna, boilinga sieh B. Groi- 
na, Boint, oIs; ei ja, ei noi! 
Dem entsprechend: klo9, >9 
klods ghett« ein Kind geboren 
haben. Loom, loönö, Boönt; 
in Diedorf ganz an der Stauden- 
gränze: alloe, '/' Stunde davon 
allol Sieh Mundart S. 10. Mein 
Wbl. 47. Das AUgäa, in Ermang- 
lang des Nasenlautes, spricht für 
41 mit folgendem m und n: ui. 
Hnigarta, hui, heim« klui, 
Stui(Stain), Luim, Gmuid, Bui 
(Bain) Schmell. § 154. 

8) In einzelnen Ortschaften des 
Kohlerwinkels sprechen die Leute 
weder oi, noch oa, sondern ein 
ei mit Hineilen auf i. Maszge- 
bend ist Geist oderG9ist;.dise 
Yerschidenheit ist so auffallend, 
dasz die umwonenden Ortschaften 
damit das Gespötte treiben. Ich 
möchte fast an änliche Erschein- 



ungen in der Volkssprache an- 
knüpfen, die von Pradikanten 
aasz der Fremde eingeschleppt 
wurden. 

4) Altes äi in den Zeitw. va- 
Jan, sajan, f drajan (drahan), 
lautet bald wie ai, z. B. in den 
Stauden , bei Oberschönefeld: 
saie, maio, naie , draie; in 
Deubach (Duiba) schon säo, mäo, 
näe , dräa; in Günzburg: saia 
u. s. w., worüber die Bühler mit 
sä 8, mäa etc. sich lustig machen. 
Schriftliche Denkmäler haben: 
weyen: >ab dem Turm weyen.< 
S. f. 82*». >Der wind hat heuser 
umgeweyt.« f. 94**. Regiom. 
1512. 1518: sew|en,segen; wey- 
en d (flant venti). Das Hart. Doc. 
Bch.: > das Sommerige zu mayen.« 
Der cgm. 480 f. 10*>: Semän, 
Sämonat; seen, cgm. 419 f. 216. 
Disz helle reine e für ai begeg- 
net heute im Augsb. Flesch^ 
Fleschkazen; nrkdl. Suppen- 
flesch, Sweineflesch,Pfründ. 
0. 1543. Hans Fleschmann. 
cgm. 154 f. 9\ In der Baar ist 
fleschig=: schwammig. Ferner 
's w echt, flatventus, nee, meo, 
sed u. s. w. 

5) Für ai b^egnet in schwäb. 
Denkm. 6 und e. In der alama- 
nischen Mundart ist esz häufiger. 
Felix Faber hat neben oi: 6 
und e för ai. — In Hälg für 
Heiligenbild hat sich neben älf 
in ganz Schwaben ai zu ä, 6 ver- 
ändert. > An dem holligen creiz. < 
cgm. 419 f. 216\ Mathei amolf- 
ten. f. 216^ Im cgm. 736 von 



250 



I J — J&ckel. 



f. 70 an treffen wir in dem Pil- 
^erbüchlein eines Angsburgers v. 
1444: Schwosz, Scliwaisz; 
Moster; allerlo; G68z;brod 
<brait); Klod; T61(Tail); Woz; 
gegoslet; Hoden (Haiden); 
Floschu.s w. Jasogar schrob 
fürschraib, x^raet. rot, belob, 
sogar roten, beloben u. s. w. 
Im clm. 12275 z. Terenz, Andr. 
U, 2 sten die Glossen: G sehr 6, 
tumultus, a i nl 6 n, solitudo n. s. w. 
Der cgm. 601 f. lll»: »haidel- 
peer oder h61peer<. 

6) In zusamengesezten Wörtern 
nimt das erste Wort den Ton 
anf sieb, das zweite mit ai wird 
tonlos und sinkt zu e, a herun- 
ter, besonders in Tail: Voartel, 
wolfol cgm. 419 f. 216: wolfel, 
wolfal cgm. 436 f. 79»». wolfel 
ebenfalls bei S. 305»». In -halt: 
faulkat, krakat u. s. w. Mit 
an an der, allgem. in ürkdn. 
MB. 23, 45 ad 1814. Schmell. 
Gramm. § 155. Ebenso wird 
-ha im an Ortsnamen zu o: Alta, 
schon Althen. MB. 23. 6^ 541 
(1330). Mein Wbl. 47. 

7) Das Stadtr. hat tregt und 
trait. cgm. 601 f. 87». Gailen- 
bachO. N. urkdl Gaglenbach. 
1296. aynsinnig f. eigensinnig. 
Meid cgm. 601 f. 2^ n. s. sieh 
G. Das Wort Reinhart und 
Leonhard lautet Reat — in 
Reetshausd u. Leort, L6art 
als ob, wie bei Rein- Rain- 
Reginhart, einLegin-Lagin- 
Lainhart zu Grunde läge. 

8) Ueber ai fär u, uo sieh ü; 



ebendort über mundartl.ai für evL 
iu und au. Da» Stdtr. schreibt 
fast imer ai, wo esz gotischem 
ai entspricht: ain, haimsuche, 
mulstain, a inigen; ebenso die 
alten Ordnungen z. B. Mezg. O. 
Yon 1549, welche alle alten ai 
beibehielt. Weinhold § 94. Die 
Augsbttrger Bruchstücke Wern- 
her's haben regelrecht altes ai: 
Yollaiste; gaiste; genedi- 
chaite; hailichaite u. s.w. 
Pictorius hat ey = ei, i : ei = &i. 

Ueber j sieh oben G. 

lAGHSEL , die , Achsel. Die 
Yorsezung des i scheint alama- 
nisch allgäuisch zu sein, wo auch 
iepper (ebber, etwer) iasza 
(itan), i erger (ärger) üblich 
ist. Darf vielleicht an das Hel- 
goländische iäs erinnert wer- 
den? Bei Frommann Ztsch. IU, 
264. 99: iätn eszen. 

JACK, Nuszjäck, Bomjäck, 
spr. bdjäggh der Nuszheher. 

JÄCEEL niederschwäb. dim. 
Jäggele, Jäggl, Jakob, im be- 
kanten Einderreime wie allgem. 
in Nord- und Süddeutschland. In 
einem Tanze der Stauden: 
Der Jäggele auf der Scheiter- 
beug 
Mit der blaua Pfeiffa, 
Z'Aobets tuet 'r d'Henna rousz 
Morgets tuet Vs grei£ftJ 

Jaggele gang nausz in's Hols 

Hack da Baum um! 

Wenn da hoikomst kriegst a Rür- 

millesupp 
Und 'nRumptnnp. Stauden. 



Jager — JakoK 



251 



Ein Kinderreim beim Fangen 
heisit: 

J&ggol nimm da Stiggel und 
treib da Heggel mit 'm Stiggel 
ann 'm Klea nonsz! a. a. 0. 

AIb Gaunern am e erscheint 
0. 1700 — 1710 ein Duttel- 
Jackel. In dieselbe Zeit fallen 
nachfolgende Namen laut der 
Angsb. Malefizakten : G u g g e r 
(auBz Bürkenhardt), S t ix en- oder 
Eramerbartel. Strohveitel 
Eesclerhans. Schindermi- 
chel. Grill oder Korperle. 
Spillipple. Kragen (Weib). 
Schmaraggel (Weib). 

Conlin: >Der im Zwilling ge- 
borene wird eine so harte Stirn 
bekommen, wie der grosze Ham- 
mer in der Schmidten, der haiszt 
Jackel.< 

JAGER. Nach dem SQjärigen 
Kriege waren 2 städtische Jäger 
im Amte; der erste in der Au, 
katolisch; der zweite zu Stetten- 
bofen, katol. »post mortem Aug. 
Gonfess. in perpetuum.< Die Jäv 
gerhäuslein bei A. waren als 
Kneipen verboten: »Dasz das 
Zechen und Zehren ob denen 
innerhalb 2 Meilen umb dise 
Stadt herumb gelegenen schwä- 
bischen Dörfern in denen J äg er- 
h&nslin, ob dem obern Ab- 
las z und bei dem Ulrikanischen 
Zoll — unrecht verbotten sei.« 
Erneuerte Poliz. 0.1683. Jäger- 
gässleinA. Der Jägerhansel, 
zwischen Rosshaupten u. Hopfen, 
eine Art wilder Jäger. Erinner- 



ungen an Wootan. Ein altaa 
Liedlefh in A.: 

Madie h&gt dei Bettle gmacht? 
NoI, i ho 's vergesza. 
Gelt du bigt de ganze Nacht 
Bei deam Jäger g'sesze? 
Wenn du willst 'n Jäga hawa 
Trägst 'n Huet u. silberne Schnalla, 
Silberne Schnalla und 'n Hut 
Gfallet no deam Jäger guet. 

JAICHEN swv. jagen, treiben. 
Wearst sea, ma jaioht mit Sack 

und Maus 
Eis allebaid zuem G5ta nousz 1 Seh. 

"Bei Breszlau hammer glei dia 

Preusza 
Im Gschwindschritt in a Lacha 
gjaicht. a. a. 0. 

JAKOB. 1) >Swelich man in 
Gots verte varen will, über mer, 
ze Rome, ze Sant Jacobe — 
der kauffet silber wol — unde 
liät chain galtnusse darumbe.< 
Stdtr. >Die J&kobsbrüder (in 
Augsb. Chroniken) sollen die Tor- 
wärtel one Erlaubnis eines Bur- 
germeisters im Amte nit herein- 
laszen, sondern ihre Brief und 
Testimonien, so sie von St. Ja- 
cob erhalten, von inen begeren, 
dem Burgermeister bringen, all- 
da Beschaids erhalten, es mag 
inen ein Tag oder Nacht bewil- 
ligt, und wie gebräuchig auf das 
alt Pilgramhaus beherbergt wer- 
den.« Ordnungen v. 1647. 2) An 
St. Jakobs tag wurde, als der 
festgesezten Zeit, laut Mickhaus. 
Rechnungen dem Baumais t er 



352 



Jäniorn — * J&ren. 



und seinem Weibe der herge- 
brachte Trunk gegeben. < 1684. 

3) Die Jakober Vorstadt in 
A. neben Jakobergasse, Ja- 
kober strasze, obere und un- 
tere Jakobermauer, Jakober- 
torturm, Jakober Wall, Ja- 
koberbrunnen, u. s. w. Die 
uneigentliche Zusamensezung wie 
in hl. Kreuzertor-, -Lehen, 
-gasse ist zu bemerken. Wein- 
hold, Gramm. S. 286 Anmerkg. 
Am 23. Dez. 1730 ward ein Rats- 
dekret über einen alten heid- 
nischen Gözenkopf erlaszen, 
mit welchem an dem Jacober- 
tor nach älterem Gebrauche 
und Herkomen jeden Samstag 
Abends von der Wachtmannschaft 
und dem Torschreiber allerlei 
mutwillige Possenspile und ärger- 
liche Vorstellungen gemacht wur- 
den, womit diser Unfug verboten 
und für die Zukunft gänzlich ab- 
gestellt wurde. Gullmann V, 16. 

4) Jakober, Jakobiten, eine. 
1352 bestender Clubb, in der dem 
Spitale zugehörenden St. Jakobs- 
kapelle als Bruder- oder Ge- 
sellschaft tagend, um aller 
Ordnung Umsturz zu untememen. 
Herberger's St. Jakobspfründe 
S. 4. »Habensich eine groszeAn- 
zal Bürger — zum öftemmal in 
der Kirche zu St. Jakob in der 
Vorstadt gen Aufgang gelegen, 
zusamengerottet , als dasz man 
sie schon öffentlich die Jakobi- 
ten genennet. < Gass. Red. Art. 
>Wenn des nett glaubst, fraog 
'b Basillis Jakob von Jerusa* 



lern, 's Stigelreiters Klaos von 
Doarabira.< Burgau. 

JÄMERN swY. in der Red. A. 
»'s haot alles gjämeret naoch 
der Predigt« , d. h. alles war 
sichtlich ergriffen. »'S ist zum 
jäm8r8^€ esz ist ergreifend. Dem 
Allgäu zu häufiger. 

JANKER , Männeroberkleid, 
Kittel ; M ü z a in Günzb., mit Um- 
laut Jenker, Jenken nicht sel- 
ten. Schmid 297. >Zuich d' Stie- 
fel und da Janker a.< Seh. In 
dem Fugg. Inv. >Ein glat same- 
tin Frauenjangger ohneErbl 
mit Mader gefietert.« >Ein von 
schwarz Damaschg mit Seiden- 
porten prämbten Frauenjang- 
ger ohne Erbl mit Kehlmäder.« 
>Ein Seiden grobgriener Jang- 
ger mit Erbl mit Fuchs gefie- 
tert,< u. s. w. 

JAR, das. In Ottobeuren get 
der Reim: 
Hott am pfaol 

Dasz itt gaot wid voar 'm Jaor. 
Ich kan den Sinn nicht ge- 
ben. Jaresersizer heiszt in 
der Augsb. Schuster 0. der Ler- 
bube, der die bestirnte Zeit er- 
sizt, d.h. lernt. Jaordag heiszt 
in Schwabmünchen der Lezetag 
am Schlusz der Strick- u. Spinn- 
stube. 

JAREN, GAREN swv. u. »tv. 
gjäord: >n&mlich die Moste da- 
mit sie nicht verjären sollten 
— mit einem rohen Speck bis 
auf den Früling trüb zu erhal- 
ten. < Gass. Zu ahd. jösan sty. 
mhd. bösen, g&schen, gasten» 



Jast ^-" Ingen. 



263 



gisten-AaBBiürliclLersieliFromm. 
Ztsehrft. n, 319. 10. HI, 319, 10. 
681, 132. Prof. Kern in Stuttg. 
lohrieb in einem frühem Pro- 
gramme anoh über disz Wort 
lieben 6 i § t Bichmischt ; (Schiller) : 
ebenso über Jäst. 

JAST, Zorn, Eile. Sonthofen. 
Immen fitadt. 

JAÜ, JAÜ in der Jadensprache; 
Beim in den Stauden: 
Eize, Eaze, Ke 
Sdialmachel 
Haben nix zu schachera 
Jan, Jan, Jan 
Bei da Juda ist der Brau (ch). 

JAÜN, ntr. eine Reihe Feld- 
garben. Schmid. Memm. In Ober- 
fKshwab. heiszt eine Strecke Hanf- 
land, das man liechen will, so; 
ess werden die Felder in 3 — 4 J. 
abgeteilt. Strang, eine der Länge 
nach, jochartige Menge Hanf oder 
Stroh u. s. w. In der ersten 
wirtemb. ZehentO. y. 1678 heiszt 
eaz: »sollen die Grarben alsdann 
gleich an einem andern Jon oder 
Samleten wieder daraufzalen.« 
In der (regend um Tübingen 
(Warmlingen) heiszt eine Wein* 
bergabteilung Jo, Jon dim. Je- 
le; Jaü; Joner, Famil. Name. 

JAUNZEN swY. ächzen; sonst 
a u n z g e n niederschwäb. > Also 
giengen dieLeut für und horten 
in jaunzen und giengen hinzu 
und fanden den Pfaffen.« Horm. 
1834. S. 155. 

IBEN, der. Bogen ausz Eben- 
holz. >Mit Armbrosten und I b e n.< 
G. Y. Ehingen. 22, 16. 



IDERLE in dem uralten Ein- 
derreime (Stauden): 
Iderle, Ederle lasz dir sagen: 
Nach der Gutsche fart der Wagen. 
Weller Wiert siedt des Bier ? 
WeUer Beck bacht des Brot? 
Dear sei auf der Stell maustod. 

JEMAL und diomal, hie und 
da. Stauden. 

JENUESER BIRET im Elei- 
derbüchl. neben spanisch. Eappen 
und Lombardisch Sayon. S. 32. 
Bernisch Biret (Verona) S. 51. 

ILGERN swv. stumpfwerden, 
besonders von Zänen. >Und die 
zen der Kinder sein worden il- 
gern.< cgm.483f. 75^ InRosen- 
pluts Spruch von Nürnberg komt 
ilgen vor. »Yen dem sein zen 
gen in gar ser ilgen.« Fromm. 
Ztsch. I, 258 , wo auf ahd. ilki, 
ilgi r= fames et Stridor dentium 
bei Graff I, 245 verwisen ist. 
Femer Ztsch. II, 250. 5. Esz wird 
wol an igeln oben S. 25** dazu 
gehören. Schmid 298. 

ILLE und Nille, eine Kopf- 
verlezung ob eines Falles. Sieh 
unten Nille. 

IMME, die, Biene; ich hörte 
irgend in Schwab. Beine dafür. 
Immen-Nest, wie bayer. Wes- 
pennest, ein Backwerk mit Zibe- 
ben und Rosiaen. 

INGARNAT adj. fleischfarbig. 
>Adi 28. Mayo 1555 luesz ich 
mir nachstend Elaid die Färb 
ingarnad genant , machen. < 
Kleiderb. 113. 

INGEN, häufige Endung von 
Ortsnamen. Ich habe die Orts- 



264 



Inse — Johannes. 



namen nach iren Aaszgäaigen,.so 
weit sie das bayerische Schwaben 
betrefifen, Eusamengestellt und ge- 
funden, dasz jene auf -in gen 
nebst jenen auf -hofen sich bei- 
weitem in der Merzal befinden. 
So habe ich auf -in gen, wozu ich 
auch die wenigen auf -lingeu 
zalte, c. 130 gefunden, auf -hofen 
187. inen zunächst kernen die 
auf -heim mit 103 und die auf 
-ried mit 94; nahezu die Hälfte 
bilden die Auszgänge auf -ach 
und -wang, nämlich je 50. Yer- 
hältnismäszig in der Minderzal 
eten die -hausen, -stetten, 
-dorf,Burg,Berg,Tal,Boindt, 
Schwendt, Kirch, Egg, See, 
B, w. besonders Zelle. Darausz 
get hervor, dasz ein groszer Teil 
der heutigen Ortschaften, nämlich 
die auf -Ried auf emaligem 
Waldboden sten, dasz aber die 
maisten Ortschaften von den er- 
sten Besizem iren Namen ent- 
lenen, denn die auf -in g e n, - h o- 
fen und -heim sind grösten- 
teils mit Eigennamen znsamen- 
gesezt. Interessant wäre esz, auf 
einer Karte dise Namen bemerk- 
lich zu machen , esz würde sich 
ein Schlusz ergeben, wo urspr. 
Waldboden, dann wo die -haim 
oder die -in gen oder -hofen 
snsamengedrängt sich vorfinden. 
Weiter könte man dann unter- 
suchen, ob nicht die Bevölkemng 
selber je nach den Ortsbenennun- 
gen sich mer oder minder ver- 
schiden erweist. Nur bemerken 
will ich noch, dasz -haim, -In- 



gen und ^hofen teilweise anch 
-ried in Bayern sich vorfinden; 
die auf -wang in Mittelfranken 
und Oberpfalz, wo die -Ingen 
höchst selten sich vorfinden. In 
der Oberpfalz gibt esz über- 
ausz vile Ortsnamen auf Stein, 
hier im bayer. Schwaben kan 
ich nur eine kleine Zal aufweisen. 

mSE, Sonde, chirt]ffg. Werk- 
zeug. »Dasz man dieselb gelieder 
mit kainen Insen berure.« cgm. 
736 f. 6^ >Noch also dechain 
ding, das man mit Insen musz 
tun.< a.a.O. >Die Andern mit 
Insen brennen f. 8*.* 

INSIGEL in der waidm&nnisch. 
Sprache: >Wenn der Herd nass 
ist, und der Hirsz wirft den Schuh 
ganz von ihm — das ist ain gut 
Zeichen und das haiszet des Hirsz 
Insigel; das ist davon, dasz er 
denGrim und das Ffidemlein und 
Nasziein und das blende — and 
alles das was ein Hirsz getuon 
mag, darinne stat gemelte, davon 
ist es genannt des Hirsien In- 
sigel, wann man alle Dingk 
dorinne sicht.< cgnu 289 f. 106^. 

JOHANNES, St. St J. Freit- 
hof in A. Johannisgasee. 
St. Johannesfeuer sieh Si- 
metsfeuer^ A. 1566 im J«ni 
wurden ob des Türkenkrieges 
alle Tänze, Reihen, SlJohannia- 
feuer eingestellt. St. Jokan- 
nes Minne ward in ganiScbw»- 
ben getrunken. Münsterlin sagt 
Ggm.218 f. 276: »aus dem Fläseh- 
lin St. Johannes m trinken 
geben.« Im ReinhardshaiUL Piarr- 



Johannes. 



265 



«tet^: >Der an der Bochr 
zepit vibHohe und überblibene St, 
Jobanniswein gehöret dem 
Pfarrer und niosz selben der 
Mesn^er in Pfarrhof bringen.« 
Das Minnetrin]cen kt im Schwä- 
bischen allgemein üblich gewe- 
sen und teilweise jezt noch an 
den beiden Johannistagen, den 
24. Juni und 27. Dezember, dann 
amNeujar, amSontagLätare, end- 
lich bei jeder Hochzeit. Darüber 
gibt mein Yolktüml. II Belege. 
Die beiden ersten Zeiten fallen 
gerade auf Sommer und Winter- 
Sunwend, in den höchsten und 
niedersten Stand der Sonne und 
der desfallsige Minnetrunk ist 
ein leztes von der Kirche erhal- 
tenes IJeberbleibsel jener groszen 
heidnischen Feier der 2 Haupt- 
abschnitte des Jares. des gemein- 
samen Opfermahles; dasz hier 
^6 dort ein Johannes auftritt 
ist Zufall; mit Absicht benüzte 
in aber die Kirche. 

Als selbstverständlich musz gel- 
ten, dasz dabei des Sonnen- oder 
Zeitgottes Gedächtnis geert 
wurde, neb^iher aber auch der 
andern Gkötter. Zingerle's 
Deutung des Minnetrinkens über- 
haupt auf Freyr und Freyja 
nnterligt merfachem Bedenken 
ufid bestet auch in engerer Be- 
fchränkung nur dann zu Hecht, 
wenn Freyr auszschlieszlich in 
dem Täufer oder dem Evangeli- 
sten gleichen Namens gesich^iii 
ist und zwar für alle Germanen, 
was nicht der Fall. Sie leidet 



um so mer Einsprache, als bei 
andern Stämmen, wie in der 
Oberpfalz nach Herrn vonSchön- 
werths freundlicher Mitteilung 
das Minnetrinken auf 8— 9 Zeiten 
im Jare verteilt ist, bei verschi- 
denen Anläszen stat hat, und 
teils nur weltlich, teils nur kirch- 
lich, bald in engerm bald in wei- 
term Kreise geübt wird. Mit 
Einem Worte, die Feier der 
»Sun wen de« ergab sich in den 
frühesten Zeiten der Völker, wo 
der Sonnengott einziger Gk)tt 
war, ist aber allmählig mit dem 
Auszweichen in Abgötterei zu 
einem Feste aller Götter und 
Menschen geworden, wobei jeder 
Stamm jenen Gott voranstellte^ 
der im als Stammes- und somit 
als Hauptgott galt, in dem Sinne 
nämlich , in welchem jezt noch 
die verschidenen Völker ire be- 
sondem ,Schuzheiligen vereren. 
Somit ist St. Johannes nicht 
Stellvertreter eines bestimm- 
ten allgemeinenGottes, son- 
dern der Götter überhaupt, 
d.h. desStammgottes jede» 
Stammes; er istTräger und 
Auszdruck der Zeit. 

Der Minnetrunk an N^ujar 
auszer sonstigen Tagen je nach 
der Gegend wie an Laetare 
ist lediglich weltlicher Brauch^ 
der neben dem kirchlichen am 
27. Dez. fortbestand, ein Brauch 
der Liebenden und Gatten, und 
kan erst in den lezten Jarhun* 
derten auf disen Tag verlegt 
worden sein, da er anderwärts 



256 



Joppe -— Irzeiip 



an den altem Festen Stefani — 
26. Dezbr. — und Dreikönig — • 
6. Jan. — haftet. Er gilt dem 
Gotte der Liebe und Ehe, wie 
jener bei Hochzeiten nnd will 
man in auf Fr e y r beziehen, so kan 
man es^z ton. Ygl.U 1 r i ch 8 m i n n e. 

JOPPE , die, Juppe, Oberkleid 
des Mannes; sieh Janker, Ga- 
stel. Red. A. >Dem hab ich eines 
in die Joppen geben,« d.h. an- 
gehängt. H. S. Bei Conlin: »das 
Jüpple oder Baurenbrüstle.< 

JÖRG ; noch eine Erinnerung an 
den Bauren- Jörg ist: »wart ich 
will dir den Jörgen singen.« 
niertal.Oberschwb. In einem Ein- 
derliedlein ausz den Stauden: 
Hans J orgele, 

Hans J ö r g e 1 e , Guets Mörgele ! 
Und 's Tägle bricht an! 
Nui Strümpfle 
Nui Schüele 
Stand auf und gang nal 

'S Jörgele get's Bergle nauf, 
Laszt a Fürzle fara 
Der Schneider komt hinta drei 
Mit Naudl und Fada. 

JOSEF in dem Liede > Josef 
lieb er Josef mein« vom Mönch 
von Salzburg, allgemein in ganz 
Schwaben bis zu Anfang dises 
Jarhunderts bei der Weihnachts- 
krippe in der Kirche üblich; jezt 
noch im Fränkischen nicht yer- 
schwunden. In A. war ein St. 
Josefsgässchen. Beim Jo- 
se fl e, eine alte Augsb. Wirtschaft, 
Boteneinker. In einem Liede ausz 
den Stauden: 



Juhe! Juhel Der Wald ist grean 
Jezt hau-n-i koin Josef meal 
Ear weard schon mea komma 
In 'ra beszra Zeit 
Wenn's Buttermill reanglet 
Und Weinberle schneit. 

Ein Kinderliedlein ausz den 
Stauden: 

Heiligs Josefle, 

Nimm 's Gäule beim Zaum 

Füer 's Heilig Marile 

Zum Feigelebaum! 
Memmingen: Jodl. 
Josefle hiesz emals, warschein- 
lich protestantischerseits der Hy- 
sop in Augsb. 

IR, THR: >Auch soll der Som- 
merbier allein auf die kalte Thr 
gebraut und gesotten werden. < 
Bräues 0. 1773. 

IRDEN und erdin von Thon- 
geföszen; in Niederschwb. Xthe 
(— v) mit r-Auszfall; der bayer. 
Gränze zu: eaddene häfa. La 
Fugg. luv. >8 erdtene häfen.« 

IRR in einem alten Augsburg. 
Drucke: >Wie ein junger G«ell 
weihen 8oll< c. 1500--1510 stet: 
»Guter Anfang irrer Anfang 
Also man vor Zeit ein Lied sang.« 

ntZEN swY. »Diesen Herman- 
num hat Stcfanus YHI. disz Na- 
mens , der erste deutsche Papst 
geirzet, d. h. fär Du, Eaoh 
ge8ohriben.< Gass. Von J. Cisar 
heiszt esz in dem bayer. ogm. 
226 f. 4^ ff. >diser kaysar poU 
auch den Teutsohen die ear, das 
allermeniglich sy hinfhran ir- 
ritzen nnd nioht tuisen: waim 



Isel — Juden. 



257 



vor der Zeit nyemandt nie ge- 
jrrixt ward.« Augsb. Chr. 1634. 
ISEL, insula. »An dem ober- 
sten Eck der Stadtmauern, man 
heisztesz gemeinklich über der 
l8eL< Gass. In einem Schreiben 
der Bundesfltadte wird der Ort, 
worauf Lindau stet, öfter Isel 
genant. 1452. >Holz an der 
laeU ülm.Urkde. 1494. Schmid 
801. Inselwirt in Augsburg, 
emals. 

ITELMANN ? in einem Abzäl- 
Kinderspile : 

EnöUele, Bollele, 
Itelma, Waszermä, 
Ofawfsch, Pfannawisch 
Da bisch. Stauden. 

JU, der Ruf: 

D& danta im Tale, 
D& schreit der Fux ju! 
Junger sei still, 
I ka 's beszer asz du! 
JUBILIEREN swv. einen mit 
geringem Gehalte vom Amte ent- 
laszen; Jubilation, Entlaszung. 
Altangsb. 

JUCHZEN swv. jauchzen. >Soll 
auch meniglich alles Juchzen, 
plerren, schreiens — in der Gasse 
und in den Häusern gänzlich 
entlialten.< Der Stadt Beruf 1541. 
JUCKEN. >Nerysz ist zweier- 
lei: ainer ist an Jucken 
und peiszen, und hat Schi epen, 
der ander ist mit Jucken und 
Beiszen.« >S6 aber der Nerysz 
mit gröszem Jucken ist und 
Schüpen.< >S6 aber die Raud 
Jucken ist, so päd man das 
£ind all tag.< cgm. 601 f. 103^ 



lll^ »Rosenöl in die Wunde ver- 
treibt den J u c k h e n dar ausz. < 
cgm. 562 f. 26». >Sie (die Salvai) 
ist auch vil gut wieder das Juo- 
khen.« »Das ainen Menschen die 
Wunden juckhen.« f. 27». In 
mereren Gegenden hieszen die 
Haselmäuse Juokmäuse oder 
Juckerna von irem Springen, 
Hüpfen. 

JUDEN. In A. der Juden- 
berg und Judenbrunnen. 
Judenga'ssen in allen altem 
Städten. Der alte Judenkirch- 
hof; die Judenbastei. Ilsung 
auf dem Judenstein. MB. 24. 
1,116. Juda weg von Fischbach 
nach Depshofen. Nach einem Er- 
lasz von 1614 musten in A. die 
Juden zu irer Auszzeichnung 
gelbe Ringe auf den Kleidern 
tragen; die Hofjuden vom Chur- 
fürsten und Kaiser waren ausz- 
genomen. Der ewige Jude lebt 
noch allerwärts in der Volks- 
überlieferung; man kan eine 
Reihe von Ortschaften und Häu- 
sern herauszbringen , wo er ein- 
gekert, wärend des Ave-Läutens 
um Mittag seine staubigen Schuhe 
und Kleider abschüttelte und 
auszruhte; im Illertal zeigt man 
Tische, um die er imer herumge- 
laufen, beim Einkeren, weil er 
blosz wärend des Zwölfeläutens 
Ruhe hat. Red. A. »Den Juden 
get der Bock an.i Conlin (vom 
Gewinne) >Zudem sind die Wei- 
ber betrogen, als ein siebenzig 
järigerJud,< H. S. Gelber Jud, 
sieh G. >Ich habe ein Weib, war 
17 



258 



Jtingfe — JasBele. 



mir um ein Judenpfenning 
fail.« H. S. »N. verharrete in der 
ünbnszfertigkeit, wie ein Stock 
und mer dann ain harte» Ja- 
denherz « Conlin. >DerimSkor^ 
pion Gebome wird sein, wie ein 
Judenkersohen, wenn man 
dise nnr ain wenig anrürt, so 
wird's bitter.«- a. a. 0. 

In den Stauden singen Jnnge 
und Alte: 
Und wenn mei Muoter a Jüdin 

war, 
Und mel Yater a Jud; 
So war mel Schwester' a Juda- 

kin d 
Und i a junger Jud. Fischach. 

Jud treib auszl 
Treib deine 7 Sau ausz 1 
Nimm oina beim Fuesz 
Dasz se heint Nacht verrecka 
muesz. 

Juda reafla sieh R. 

JUNGE , der , in der Sail. 0. 
1687: »mit welchem Wört- 
lin (Junge) diejenigen, so 
erst ausz den Lerjaren kö- 
rnen und noch keine Werk- 
statt zu füren getrauen, ge- 
nennet werden.i Jungmei- 
ster, Schust. Ordg. Jüngling- 
schaft im Kai. v. 1747 hs. 
So hegt die Jünglingschaft 

der Zeit 
Yil Unlust und Beschwerlichkeit. 



JUNGGER »beim J.« eine Art 
Burgstal bei Birkach; sagenhalt 

JUNGFRAU, 1) die eiserne, 
spuckt bis heute noch im Volke, 
beim Gansbühl soll sie aufge- 
stellt gewesen sein. A. 2) Auf dem 
Lande spricht der Bursche beim 
Tanze das Mädchen, das er ken- 
nen lernen will, so an: >Wie 
Jungfer, möcht 's nett geara 
Du weara? 3) Jungfrauhöfe, 
Abendkränzchen der schönen 
Augsburgerinen: »Wir hetten (bei 
der Maskerade) 2 StattpfeifEer, 
kamen zu etlichen Jungfrau- 
höfen, da hett man uns nitt 
ungern, wir tanzten und spran- 
gen wie die Eölber.« Kleider- 
buch 145. 

In einem Augsburg, cod. stet 
hinten: 

Man sagt und ist khain Aben- 
teuer 
Dasz das junk fraulich Flaisch 

heuer 
Sei so bösz zu überkhomen 
Als umb Weihnachten OLoe warme 
Sonnen. 

Junkfrau Lieb, Rosenplue und 

Lautenklang 

Ist gar guet und wehrt it lang. 

JUSSELE dim. Spässlein, so 

Kinder machen. YgL Schmid 902. 



K C 



259 



K C. 



Beines gotisches k hat sich im 
Sflbw&biBeiien nicht erhalten; esz 
gut den Weg der Lautverschieb- 
u&gin nachweisbaren Abstafangen 
teils vor- teils rückwärts. 

1) Im Anlaute. 

a) Unmittelbar vor einem Yo- 
Oftle ist k aspiriert, von einem 
Hauche begleitet und lautet wie 
kh: Ehachel, Ehälb, Khagen, 
klioinz^ khalt, Ehamer, 
Ehammen, khampeln,Ehan- 
ten, khapfen, Ehappe, Ehap- 
per, Ehar (got. kas, vas lat.), 
Eharrer, Eharfreitig, Ehäs, 
Kiiagperle, Ehasten, Ehan- 
dein, Ehaüfler, Ehauzen, 
Ehaze, khael, Eheibs, khei- 
len, Shelle, Eheller, 
Ehern, Ehorze, Ehesper(ce- 
nud),Ehe8zel,Ehetten, Khez- 
zer, Kliieer, Ehind,Ehimich, 
Ehirche, Ehobel, Ehugel, 
Ehüste, Ehozzen (swm. vestis) 
khüzaböllelen u. s. w. Vrgl. 
▼. Räumer, S. 69 oben. Schmell. 
Orattmi. § 515. 516. 

b) Ausz dem Komanischen ein- 
gebürgerte Wörter unterligen 
demselben Geseze. Zu den be- 
reits genannten wenigen füge ich.: 
Shabis, Ehabas (gabnsia), 
Ehalfakter, Ehalmaüsen, 
Ehanterei , Ehapada§ter, 
E'happannen, Ehappazener, 



Ehalopp, Ehartaus8e,Ehar- 
ter, Eharten, Ehajtraun, 
Ehamillen, Ehölsch, Ehut- 
sche, Eholler, Ehunkel u. 
s. w. Doch schwächt esz sich 
mer in ö, bevorab im Augsburg. 
Gebiete: Gamillen neben Eha- 
millen, Gampfer, Gunggel, 
Gutsche, G oll er, Gölsch, Gar- 
nier. Esz findet sich fast allge- 
mein Schwab, rein G in mereren 
romanischen Wörtern neben kh: 
Ehalopp u. Galopp; Golter 
und Eholter, Gugel u. Ehu- 
gel, GoUer u. Eholler, Gung- 
gel und Ehunggel, Ehölsch 
und Golschen; ja sogar Ehar- 
rabalde und Garabalde, in 
Oberschwaben. Vrgl. Weinhold 
§ 211 S. 179 und 180. Derselbe 
fürt altes Eimma für Gemma 
u. s. w. § 205 an. Die Stauden- 
leute und die Straszenortschafben 
sprechen reines hie und da, 
unrein anlautendes g imer 
aspiriert wie gh, ja fast wie kh 
ausz: Ghruiba , Ghrattel, 
Ehrattel, Ghraben, Ehra- 
ben, Ghras, Ehras, khreacht, 
khreiffa u. s. w. Folgen- ■ 
des r mag nicht one Einflusz 
sein. 

c) Noch eine Stufe weiter als 
zu kh get der Alpenbewoner in 
der Schweiz, Tyrol, Bayern: er 
17* 



260 



K C. 



spricht kch. V. Raumer stellt 
ausz Stalder § 50 die wichtigsten 
Beispile zusamen. Um uns den 
Procesz, welchen k durchmacht 
recht zu veranschaulichen, müszen 
wir die bayerischen codd. mit 
den schwäbischen nemen. Jene 
schreiben bald kch bald ch, les- 
teres unzweifelhaft für kh. Der 
Tegernseer clm. 19454 (X Saec.) 
hat cholpo, pondere clavae. 
obrosten cküenig. MB. 23. 1. 
182 ad 1289. Wernher's Augsb. 
Bruchstücke: chosen, c binde, 
chetene, chorder, diche, 
chundech, chundende, star- 
che, chunne neben kint, kin- 
delin; vor Liquid, ciain, craft, 
criset u. s. w. Das Stdtr. hat bald 
ch, bald k, bald c: kain und 
chain, künch, clager , cla- 
gen, chomen, kaufen, chost, 
kamer, korherren u. s. w. 
fürchumen, anchumen in 
Greififs Anhang z. L.Rem. 1671. 
cgm. 128 f. 136 fif. chospar, ge- 
chrönet, bechlait, bechla- 
gen, charchar, pechümer, 
(sogar Fechfeuer) neben kch üel, 
erkc*hukent, jnckchund, 
hüpfend ;erbaichken, erwaichen, 
gedenkch , kchreuzigung, 
ennkchel, kchirch. cgm. 95: 
Chain, Kain, Abels Bruder, cgm. 
206: chindelbett, chislin, 
chewer, chomen. cgm. 33 f. 
51*: ehesten, Kastanien, cgm. 
300: lankchen Gatera) , be- 
dekhund, chefschind, chra- 
niwiten, wolkchen, chraut, 
xshiszling, chrump, chrie- 



Chi seh U.S.W, cgm. 235: kchä- 
mel, Kamel; verdakchten Ka- 
mel; starkch, sterkchisten, 
chalperg, chlain, chrump, 
truckchnet, lubstechen, 
Pflanze (lubisticum) ;erkukchet, 
wurkchumb, Stärkehe, 
Schrikch (plur. die Schreken). 
cgm. 201: starchen werch, 
verwicheln. cgm.254:clokhet. 
cgm. 283 f. 6». cgm. 114: ge- 
chundet, trunohen, gewi- 
ebelt, cgm. 317: dikch, mock- 
chen« zugedakcht, ane- 
vank eh. cgm. 254: r inkehl eich, 
cgm. 164: kchürz f. 2». woll- 
geschikcht, f. 2^ junkch- 
frauenf.5*. kchunig.Frankch- 
reickkchetten f. 12^ yolkcb, 
kchräüter f. 15\ koheren. 
gsankch f. 34^ khot f. 38^ 
cgm. 114: glükch f. 2^. er- 
chuchkt f. 27^ Andere Stellen: 
Stuch, WeberhauB-Akt. Sarch, 
cgm. 402. schöne Sarchen. S. 
danch, ancher. Das Kleiderb. 
hat augenblich, warchen, 
gewircht , Blochheuser, 
Drakh, drakch tu 8. w. 

üeber die Schreibung ch auu 
c -f h sieh Rumpelt S. 264^. 

In all disen Fällen ist ch 
nichts anderes denn kh, koh aber 
fortgeschrittenes kh, das fast bei 
der Aspirata oh anlangen möchte, 
aber um eine Stufe zurückblieb. 
kch kam mir in echt volktüm- 
lichen bayerisch, codd. weit hfta- 
figer vor, denn in schwäbischen: 
aber auch nur in Yolktümlichen. 
So kenne ich einige ser abge- 



K C. 



261 



imzte vilgeleseiie codd. Eonrad's 
▼on Megenberg auBz dem 15. Jh. 
die ein wares Chaos von chk, 
tch n. 8. w. bieten: man sieht, 
der Sckreiber wollte der Mund- 
art gwecht werden; desgleichen 
bieten far die bayer. Mundart 
^e Nonnenklöstern entstammen- 
den Gebetbücher und Ritualien, 
sowie eine Anzal Benediktiner- 
Regeln auf der k Hof- u. Staats- 
Bibliothek für kh, kch gute Ausz- 
beute. Darausz ergibt sich der 
sichere Schlusz : die Auszspra- 
che des alten rein- und be- 
sonders unrein an-, in- und 
anszlautenden k hatte eine 
derGebirgsspracheänliche 
Aspiration, doch nicht indem 
Grade, daszman kch des Schwei- 
zers dafür sicher schreiben dürfte : 
ich würde die Schreibung khh 
wälen. Darum sagt der Verfaszer 
der Lautlere 15. Jhd. (S. 150^): 
>item die Silbe kch wird geschri- 
ben im Anfang der Wart und im 
Jtfitteln. im Ende: kchrankch, 
akcher, ekch, sakch, item ch 
wird am meisten zu lest< etc. 
sieh unten. 

d) Ist bei den alamanischen 
u. bayerischen (tirolischen, Öster- 
reich.) Gebirgsbewonem k nicht 
völlig zu ch vorgedrungen, so 
finden wir disz an der Augsb. 
L in d a u er Strasze, amL e c h r a in, 
in den Stauden: kh lautet wie 
ch + h, so dasz nicht h, sondern 
k zu ch wird. Während der Ti- 
roler , der Schweizer das k mit 
starkem Stosz in der hintersten 



Kehle hervorbringt, sprechen eben 
genannte Landstriche k ebenfalls 
in der hintersten Kehle , stoszen 
aber nicht: ch ist also die dritte 
Stufe. 1) khh, kh, 2) kch, 3) 
ch. Vrgl. 1) ph, 2) pf, 3) f. Fer- 
ner 1) t, 2) z, 3) sz. Beispile des 
ch:Chhlemma, Klimmach, Orts- 
name; chhlopfa, klopfen, pul- 
sare; Chhlaofter, Klafter, 
Chhlolpferdag, chhropfet, 
kropfig, Chhind, Kind; Chhap- 
pe, Kappe, Chhalb, Chhachel, 
chhoiniz, keinnüzig; Chhal- 
fakter, Chhalt, Chhamer, 
Chhäppele, Chhar,Chharrer, 
Chhagta, Chhagtraü, Chhaze, 
Chhell, Chhear, Chhette, 
Chheszel, Chhlage, Chhlam- 
häkch9, chhlauba,Chhlauen, 
Chhlaos, Chhlea,Klee;chhlie- 
ben, zerchhloba, Chhlüz, 
Chhneacht, Chhnieling u. 
s. w. Die flüszigen 1, r, m und n 
bewirken eine etwas mer aspi- 
rierte Auszsprache. 

Disen Uebergang des kh zu 
ch sucht V. Raumer S. 49 mit- 
telst physiologischer Zerlegung 
des gekrazten Aelplergutturals 
zu ermöglichen. »Mittelding 
zwischen Verschlusz und 
Halbverschlusz d. Organe.« 
S. 50. Vergl. ferner S. 48« und 
54 (ch, kh). Rumpelt S. 266* 
Meine Beobachtungen legen auch 
die Bemerkung Rumpelts, als ob 
die Talleute keinen gutt. Hauch 
mit k verbinden S. 256 als un- 
stichhaltig dar. 

Esz fragt sich, wie haben die 



262 



K C. 



Schreiber der sogen, ahd. Denk- 
mäler den Prozesz des got. säch- 
sischen k in iren Schriften ange- 
deutet? Zwischen Yocalen hat 
der üebersezer Isidor'g hh; nach 
r und 1: c -f- 1^ d. kh. Kero hat 
im Inl. zwischen Vocalen kh; 
nach 1, n, r: eh d. h. kh. Eben 
das unsichere Herumgreifen der 
Denkmäler bald ch, bald hh, bald 
hch (Tatian) läszt einen Schlusz 
auf die alte, d h. auf die Ausz- 
sprache tun , wie sie noch heute 
dem süddeutschen, alam., frank, 
und bayerischen Volke gemäsz 
seiner . Bodenbeschafifenheit ei- 
gen ist. 

2) Inlautendes gotisches k 
ist teils kh — wofür urkundlich 
ch gilt — teils gg, und disz lez- 
tere vorwiegend. G 1 o g g e n, 
gnaggeln, zitternden Schrittes 
gen ; r e g g 1 e n , herumstreiten, 
Regglereien Subst. Spiggel, 
eine Oertlichkeit bei A., urspr. 
= cuneus. Singgel, Flüszchen 
bei A. Röggle, Brotart. Augsb. 
Boggeln, Boggelmann,Gog- 
gel, Göggel (Augen), hoggen, 
Hoggerle, sog gen, kränkeln; 
Soggerin; Schogge die Ja- 
cobi-Dult Kautsche. bieg gen, 
weinen; flaggen, Schlegger, 
Schmalzbuggel , Mogglen, 
Mo g gier, heimlicher Bösewicht 
Gaggele, £i; Moggel, Euh; 
verhonaggeln; Birggach, 
Migghausen, Stiggel und 
Stichel. 

Schriftliche Denkmäler: yi er- 
egget cgm. 201 f. 216». egg- 



stain cgm. 603 f. 25^ brugge*- 
haien MB. 23. 1158 ad 1282. 
ZudenbruggenStdtr. Schlag- 
brugghen, Chron. 1634. Wer- 
tacherbrugge , Strauans- 
bruggen Str. Eügg (en) cgm. 
92 f. 17^ üf dem rugge Stdtr. 
bugglen 1581 und cgm. 257. 
G 1 o g g e, allgem. in Augsb Schrif- 
ten: Sturenglogge, Söldner- 
glogge bei S. und im Stdtr. 
lingger kor cgm. 168. zwig* 
gen, von kleinen Hunden , die 
den Hirsch verfolgen, cgm. 419. 
41\ Guggel, Gtass. und sonst. 
Tirggen oft in Chron. Glog- 
gengieszer, in den Poliz. Ord. 
ruggen, Astr. und cgm. 480 f. 
22. Der Name Swigger v. Aich, 
urkdl. häufig, gwiggen, claudi- 
care; kergger, Horm. 1834 S. 
132. bauggen S 508^ böggen 
cgm. 97. Salzfergger in Akten, 
ȟber egg(e)< cgm. 92 oft. zwei 
wegg (en)'a. a. 0. Kasaggen 
1668. mukggen cgm. 206 f. 185. 
>ein hoher Sehn eggen anss 
gebachenen Stains.« Chron 1634, 
Roggenbnrg 0. N. urkdl. Im 
Anhange zu L. Rem. S. 129 komt 
nachete leut vor (nakt). Vrgl. 
Weinhold, Gramm. S. 176. 178. 

Für Tirkondliches kh im In- 
laute laszen sich ebenfalls eine 
ganze Anzal Beispüe aufbringen. 
In einer volktümlioh geschribe* 
nen Chronik von Augsburg bei 
Horm. 1884 S. 116 Btet: ge- 
sterkht,hankht,8chankhtent 
dankhten, Klenkhertörlein, 
Markht, verschrankht, Be» 



K €. 



Mt 



len: Biac.kkea,Haok6nbüx«n. 
"Vr^. Schmell, Gramim. 617« Die 
tl>«aiftniaoh« Sckreiibung gg bei 
WeialiDld § 217 Eeigt havscäiaif 
Booh 4ab a I te k n r ze Auseftpradie 
d«i Yoeal0«n wieW a g^<9, b a d d9, 
gi^««8», KhabbdB (Hegau). Die 
•ogan. -Strassae, der Lechrain und 
ÜB Stauden haben ggh, «emlich 
iteük aspiriert bis gen Erumm- 
bftek« Burg bin: man meint fast 
kb d. k. ch zu hören. Ueber al- 
tes *fli flieh Weinhold , Gramm, 
f S12. Mittelniederländisch be- 
giagnet gh k&ufig. Gramm 1, 600. 
K^irein, Gramm. § 225. 

AuffiskUend weich wie g wird k 
im Inlaute ob Saulgau, Eben- 
weÜBr, in der sog. Goge gespro- 
eke»: Birga, Birke; denge, 
denken; die Dirga, Türken; 
T-iiege, Decke u. s. w. 

Was besüglich des P und T 
(sieh S) beim schwachen Verbum 
traf -Jan gilt^ dasz j die volle 
lattviTersohiiebimg nicht zulaszt, 
iflt AUidi für k erweislich : w ec k en. 
Wach; decken, Dach; vrak- 
JAB, recken; freilich stet rächen 
Beben Ti&kjan ; su c^ e n wird got. 
S4&kan erfordern, wie rufeni, 
kropaa, wegen des mangelnden 
IfoUaies. In der Tuttl. Gegend 
sagt das Yölk Milkh, Milggh 
und das Zeitwort heiszt mel- 
eiken, inidit wie allgem. schwäb. 
aielkk^D, melggen. backen, 
BeclDer. stecken, stechen. 

8) Im AAiszlaute ist got. k 
ebenso gg, ggh, kh, lezteres wie- 



der mit stasker AspicatkMi in 'dm 
Stauden: Auszdrug-gk, -kk; 
Eindruggk; Yolkk, y«Lggh, 
aw^a^gh (Wemhold % 209^ 
Situ«kh, Mnggh, lankeh, 
lAA^gk, besonderis in der Greni-^ 
gegend bei Asok, Bömerkessel 
tirolisch aspiriert ^ kirankkt, 
krankket u. s. w. 

Schriftliche Denkmäler: hin- 
weg ktr e i b e nXShron.:16^. w e g k 
Luc. Eem. 65. bankh. Cfaron« 
0633. hinwegk. a. a.O. Waid" 
werkh. Yolkh cgm. 206. Kü- 
nigg, Osw. 2160. DasStdtir. hbt 
gemein-, schxift- und mhd. mark> 
marc, Yenedik undVeinedi^j 
totslac und totslak; mao, 
mak; schuldic, honik u. s.w. 
Die £nd-€h in Sareh, starch, 
marck u. s. w. sind in jeder ahd. 
und mhd. Lautlere behandelt. 
Rumpelt S. 259 findet -ech im 
Auszlauie, kh/ oder kXj interes- 
sant; in den obeideutschen Mund- 
arten ist esz Geeez. Ich mache 
noch auf mitAelaiederdeutsches 
lustigh, bergh, Gramm. I, 500 
aufmerksam ; ebenso «uf das Not- 
kerifiche strigh, rogh n. s. wc 
Weinhold S. 182. 

Den Auszlaut ch anlangend, 
überlasse ich andern zu beur- 
teilen., m weit die bajer. Laut- 
lere 15 saeo. Wert hier katc >item 
ch wird am maisten zulesi der 
wart genuzt — soch, swach^ 
gsmach, ist einsilbig, hert, 
deutlig, wann allain sie kain 
vollkommene sprach hat, sondern 
mit Zusezung der andern Silben 



264 



K C. 



oder puchstamn — s aoh gsmach ; 
die puchstamn g, s, m, n — nicht 
ainsilbig , sondern mit dem ch 
wirtz ainsilbig und ain wart.« 

4) Auszfall des orgjani- 
sehen k sowol in einheimi- 
schen als eingebürgerten 
fremden Wörtern. Unter den 
jezt üblichen Auszlaszungen be- 
merkt man die mit altem Subst. 
-leik znsamengesezten Wörter: 
stattle's Oat (stattlich), wärle 
(warlich), t ä g 1 e (täglich), e 1 1 1 e- 
maol (etlichemal), gl ei (gleich, 
subito), huimla (heimlich, All- 
gaü), weler (welcher), zimle, 
gmächle , reatle (rötlich), 
faindle, vergeaszle; das all- 
gaüische üwealtle ungeheuer, 
bei Superlativ - Bezeichnungen ; 
umenschle u. s.w. Das übrige 
Schwaben kent nicht so vile 
Auszlaszungen wie das bischöfl. 
Augsb. Gebiet. Femer : B u a f i n k, 
Buastab (got. boks) mill (mi- 
luks got), Millewaib u. s. w. 
Eierweih, Eirchweih; allgem. 
Die Beispile mi, dl brauche ich 
nicht zu nennen. Mein Wbl. 28. 2. 
Yrgl. muse, musica. Disz sind 
einige Beispile. 

Schriftl. Denkmäler: Latug- 
ken cgm. 601 f. 100^ Der Orts- 
Name Friesenried heiszt urkdl. 
Fridrichesried 1312. fändri^ 
öfters in Chroniken, bustab 
cgm. 736 f. V*. Swel die cgm. 
168 f. 12». an welem tage f.ö*. 
Refental, Refenter, Beben* 
tal für refeciorium. 

6) Unorganisches k und 



Wechsel des organischen 
mit andern Mitlautern. 
Pictagoras cgm. 811 f. 68*. 
Hekenstal u. Hetenstal sieh 
H. Einigemal fand ich das in 
bayerisch, codd. so volktomliche 
Schalkjar fürSchaltjar. cgm. 
127 f. 13*. Mikwochen cgm. 
424 f. 200^ Dazu vergleiche 
Mi gg de, Schwab. Augsb. für 
Mitwoch. Doch dürfte Mit- 
woch und Mi gg de nicht zu- 
samen gehören, da füglicher das 
norwegisch. Mekedag erklärend 
hiehergezogen werden mag: esz 
ist der grosze Tag, der Wodans- 
tag, worauf schon Schönwerth 
aufmerksam machte. Das stark 
aspirierte kh, (kch) wird für g, 
hh gesprochen in mangker, 
mankcher. mankher. Stauden, 
Lechrain; Schwabmenkhe, ur- 
kundl. Mantichinga u. s. w. 
Der Hofkai. v. 1751 schreibt stets 
Trucksäsz. 

6) Für k erscheint in schriftL 
Denkmälern g: gesmag, egm. 
486 f. 22*. Glogen cgm.92f.2(y». 
Für g ein k: junk cgm 601; 
auch in der heutigen Stratzenspra- 
che: junkh, junkch. Das ausz 
dem volktüml. lat. astricus, 
Steinboden, Pflaster, genommene 
ahd. astrih, estrih, mhd.e8te- 
rich, estrich geschribene heu- 
tige Estrich lautet nicht selten, 
so in einer Sigertshofer Urkunde 
16. saec. E s t er i g >ob der Stuben.« 
Sender f. 194». uberschweng» 
lieh, u. Storgen. Yrg^ Wein- 
hold § 214. 



Kabis — Kalb. 



26S 



• 7) Bekrellfttng des k, noch tf- 
flprünglich in ka, fSand ich in 
krocht, klink, >za der kreoh- 
ten und klinggen Seiten.c S. 
l 199*. ka sieh oben G. VrgL 
Weinhold § 206. 

KABIS , Kopf kol , Tom mittel- 
ht gahnsia. Mein Wbl. 48. Ka- 
batkraut, cgm. 601f. 115^ Ka- 
bas (das) und Rüebeskraut. Te- 
gems^ Kochbüchlein . adj.gabas- 
sin. a. a. 0. Käbbes, Hegau. 

KACHEL, die , 1) Scheibe von 
gebrauter Erde; Kachelofen, 
ein ausz solchen Scheiben aufge- 
tester Ofen. In der Mindelh.Kef. 
BL 16* ist das Hanfderren in sol- 
chen Kachel- und Kochöfen ver- 
boten. 2) Irdene Schüszel. Allgem. 
8) Bierkrüglein >a Kachele 
Bier« 1 Seidel, echt Augsb. än- 
lich dem Digele in Nürnberg. 
Bildlich gilt: alte Kachelt von 
alten Weibern , rohe Sprache; 
hangt wol mit dem obscönen 
Kachel, vulva, zusamen. 

KAGEN und KAGEN, Rippen, 
Hark an den Dorschen der Kraut- 
köpfe. Stauden. Anderwärts Kr o- 
speln und Knarfeln. (Rot- 
tenburg.) 

KAINZ, KOINNÜZ adj. 1) 
nichtsnuzig:>koIzeKegper< un- 
genieszbare, schlechte Kirschen. 
Stauden. 2) verschlagen, bösartig, 
Tersutus. »N. hat den Schul- 
meister in Mickhausen in offner 
Verhör an seinen Eren angetascht 
imd gesagt, er sei kainnüzer 
al« Judas.< Mickh. Strfbch. 1612. 
8) unwol: >mi9r i§t's koinz.« 



Stauden. Sonst sagt man dafELr 
>miserabel.< >fast koinz« 
ser krank. 

KALB stn. Anstellkälble, 
das zurückgebunden, angestellt 
wird. Groszaitingen. A kühis 
Kälble, zum Unterschid vom 
verschnittenen >Oechsle«. In der 
alten Mezger Ordnung von 1549 
komtvor: >lPfund Kalbfleisch 
ohne allen Anhang 5 Pfenning. 
Kalbskopf, Kalbkrösz,Kalb- 
wämst, Kalbsgelüng mit aller 
Zugehörung. < >Heurige und f e r n- 
dige Kälber.« Harter. Invent. 
Echt Augsburgisch sind die käl- 
bern en Vögele, kleine ausz 
dem besten Teile des Kalbscble- 
gels geschnittene Stückchen 
Fleisch eigens zubereitet. Red.A. 
»Aussehen wie ein geschundenes 
Kalb.< S. 391^ Kalbskopf: 
>au88ehen als wie gepuzte Kalb s- 
köpf in vita S. Oedi.< Conlin. 
Kalbmoises , Schelte, neben 
Kalmuck: dummer Kerl »Kalb- 
moises, wellen Nama hangt ?< 
Seh. Kalmesnäzi, dummer Kerl. 
A.Kalbele,Kalbin=Kalbe.Als 
Flurname: Kälblfelden, Klim- 
mach. Pfarrbuch. Kälberberg 
bei Fischach. Kälberhöfle, Ort 
in Augsb. Zeitw. kälbern swv. 
jungtun , kindisch spilen ; ober- 
schwäb. dem kälberet der Holz- 
schlegel uff der Bühne, d. h. hat 
Glück one sein Zutun. 

Kälberhaut bei Holzmann: 
Vor Zeiten tanzt man nach der 

Trummen, 
Und Ledersoln, das ist abkommen ; 



266 



Ealchmeaxer — Kasimen. 



In Oren klappert es zu laut 
Wann man klopft auf d^Eälb er- 
baut 

KALCHMESZER, 2, nach dem 
westphal. Friden; ein niederes 
Stadt. Amt. 

KALFAKTER , ein wenn auch 
nicht böszwilliger Hin- und Her» 
trager von anderer Reden , und 
in Folge dessen Unruh- und Ha- 
derstifter in Ehen, Familien u. 
8. w. Nicht selten denkt man sich 
auch einen yerschloszenen , ge- 
heimnisvoll munkelnden Menschen 
darunter. In den Prozeszakten 
des Weberhauses wird ein Geselle 
bestraft, weil er Bedenken trug, 
auf Luginsland zu gen, indem, 
wie er sagte, >merenteils Kal- 
fakter da seien.« Ajidere wur- 
den gestraft und mit 24 Stunden 
in's (^ewölblin bei Waszer und 
Brot angesehen, weil sie die Frid- 
berger >Kalfakter, Horiabrü- 
der und Wallachen< hieszen. 
Akt. V. 16. Sept. 1786. 

ICALLEN swY. pralen, schreien. 
>dö lief David dar und zoch dem 
rissen sein swert ausz unl sprach: 
ich hän dir dein kall-en gelait 
und dein geschrai.« cgm. 206 f. 
148*. Schm. II, 288. Nord. kaUa. 
Graff IV, 883. 

KALMÄUSEN swv. Ealmäu- 
ter stm. sieh Stümpfieren. 

KALT. 1) sieh verkalten: sich 
verstecken; in's verkalta gau: 
Yersteckensspilen bei Kin- 
dern; wol zu gehalten. 2) Conlin: 
mein liebe Alte, 
Daa ist gut far's Kalte 



Hilft's dir nicht, so sohadets nicht ! 
meine liebe Alte 
Das ist gut iur's Kalte. 

Alte, liebe Alte 
Schüttelt dich das Kalte, 
So komm' Hans Nickel und 
brenne dich. 
So schüttelt dich das Kalte nicht. 

KAMER, die. 1) EineStro- u. 
Futterkamer komtin der Feuer 
Ordg. V. 1731 vor. 2) Comtoir 
des Kaufmannes >Fuggers Kä- 
me r< Kleiderb. 3) Schaz-: »wan 
die münze in sine (des Bischofs) 
Kam er beeret ;< daher >viztum 
unde kamaerere« bischofl.Amt. 
Stdtr. >Getraide nach dem Ka- 
merfusz und dem Weydenfusz« 
häufig. Witw. u. Wais. 0. 1778. 
3) Ein Mickhausisch-Fuggerisches 
Geföngnis heiszt >w als che Ka- 
mer.< >Al80 hat man ihn etlich 
Stunden lang in der welschen 
Camer aufgehalten. < Strafbch. 
1611. > Straffet ihn (wegen Eren- 
Antastung) zue Armut halber in 
der welschen Camer zuligen.« 
1606. >Mit der welschen Ca- 
mer abstrafen. < 1607. Ein Lied- 
lein in den Stauden heiszt: 

Schmidhamer 

Mach in die ober Kamer 

Lass de unter 

Rumpia, bumpla. 

KÄMMEN, der, 1) Kammhaara, 
Pferdemähne. >1S. alta Hengii 
da Kamma gsiazt« Soh. »DaK. 
stellt ear wie a Sau.« Seh. 2) in 
der Weberspraehe: >£rtUiGh von 
einem breita Z iechkamma ja 



Kampeln — Kappe. 



267 



Fadttis SO kr. Von eiBem achmala 
Ziechkama. Von einem braiten 
Barcbet und mittler £amma. 
Schmale Barchetkamma. Von 
einem blauen Kamma ailfer. 
Ton einem gewirfleten Z ie c h 1 e- 
kaanma-c Bl&ttersezerlon. 17. Jh. 

KAMPELN swv. prügeln. 
T7nd onsre Eoathe wead ma 

kampla 
Sie möget schreia odar stram- 
pfla. Seh. 

KAMPFRADER wol zu Kamm 
gehörend. Zinkenrader innerhalb 
der Müle. Kammrad. Sigerts- 
hofer Mai. 0. 

KANTEN im Fugg. Inv. Zin- 
nerne Güeszkandlen, grosze 
Zapfkandlen, glatte Kand- 
len (nach Innsbnicker Maszen), 
sinnerne Oelkandlen von 3 
Drinckhel. Franggen Kandel 
{?),prantwein kandeleu.s. w. 

KANTEREI, die. >DesKay8ers 
Kante rey< , bei S. oft. >Nach 
dem Seelampt hat der Bischof 
▼ön Triest das Ampt von Ü. L. 
Frauen gesungen, mit des Künigs 
Kanterey, Busamen, Zingen, 
Orgien. < S. 279. >De8 KayserKan- 
tarei, Trumether und Orgien.« 
>Und in der Kantarei lauter 
alt, gestandene, ernsthaft per- 
8on€ n 8. w. 

KAPAT ASTER, volketymolo- 
gisch für Kataster, änlich Ar- 
restant für Adstant (Schul- 
gehilfe), Regillion f. Religion; 
in d'Allmacht falla furinOn- 
macht falla. (capitastrum.) 

KAPAUNEN, die, erscheinen in 



alten Speiszetteln und Chronikem 
als Waydkapannen, wolfeile 
und gemästete K. , änlich wie 
Waidgänse und gemästete 
Gänse. 

KAPELLEN in Augsb. St. An- 
tonius-, St.Antonin-, St. Bar- 
bara-, St Elisabeth-, St. Gil- 
gen- oder Egydi-, St Lam- 
precht- od.Hofkapelle, St.Mi- 
chael-, Maria Schneecap eile, 
Schmerzen-Kapelt or u. s. w. 

KAPFEN swv. schauen. Kapf 
stm. Schauort. >Es wart nie 
kain Mensch so grosz kapfen 
auf einem wol turmenden Haus 
— als himelslichs herkapft auf 
einem wollydenden Menschen < 
cgm. 480 f. 25*.^ Kapf haus 
amphitheatrum , spilhaus. cgm. 
685 f. 7^. Das Wort Kapf, wozn 
unser heutiges gaffen gehört, 
hat sich in mereren schwäbisch, 
auszeraugsb. Bergvorsprüngen er- 
halten und ist nichts anderes, als 
Uebersezung des augsb. Lugina- 
land. Der obere und untere 
Kapf bei Neufra (Rotweil). Das 
untere und obere Käpfle bei 
Möhringen a. D. Kapfhau, 
Wurml. Wald. Tuttl Kapfle, 
ein Bergkopf bei Derneck. Rauher 
Kapf, im Schönbuch. Schmid, 
Pfalzgraf. 65. Kapfanges bei 
Tuttlingen. Kapfenburg. Riesz. 

KAPPE, cappa, byrrus, Graff 
IV, 355. 1) Liturgisch: pluviale. 
>S6 sol der das ampt tut am 
balmtag in einer sidinen kap- 
pen in den kor komen.« cgm. 
168 f. 54^ »An der uffart so die 



268 



Kappe. 



tertie ende hat, s6 kom der prie- 
Bter in den kor mit einer sidi- 
nen kappen.< 'f. 63». >S6 der 
Opferstock gesegent ist, so sol 
der pries ter die sidinen kap- 
pen von im legen und sol die 
kasl anlegen.« f. 61^ »In der 
liechtmess, so die tertie gesun- 
gen wirt, so sol der priester in 
einer sidinen kappen in das 
kor komen.< f. 67. > An dem tage 
vnser frowentult ze miten ogsten, 
so diu tertie ende hat, so solder 
priester in einer sidinen kap- 
pen in den kor komen.< f. 70». 
u. 8. w. Von St. Martins cap- 
pa heiszt esz cgm. 6f. 187: >sine 
kappe furtent die künige von 
Frankrich do noch allezit an so 
sü zu strite solten faren: dovon 
wurdent die cappelläni genant, 
die der kappen hütent.< Mein S. 
Martin 8. 9. 2) Kappen und 
Klagkappen auf dem Hucken. 
8. 254^ 3) Eine Art Reginahaube 
der Weiber in Memmenhausen 
heiszt Stellkappe. Die Spiz- 
kappen grosze mit äuszerst fei- 
nen Spizen versehene regendach- 
formige Hauben im Mindeltale 
(Winzer), die man nur an den 
höchsten Festtagen, am Grün- 
donnerstag, noch tragt. Sie sind 
jezt äuszerst selten. Die Gim- 
penkappen, Storkennester 
auch genant, sind schwarz. 4) 
Nach der Mezger Ordg. v. 1549 
erhielten die Fleischtrager: > Klei- 
der, Kittel mit Ermein und an- 
gen&ten Kappen über den Kopf, 
die vorne ganz über die Knie 



gen, sie auch über solche Kap- 
pen kein Huet aufsetzen und 
ainig anderes Kleid über den 
Kittel anlegen, c 5) In der Bau 
Ordg. »Wo aber eine Gasse eng, 
so solle der Nust abgeschnitten 
und vornen entweder mit einer 
Kappe und mit einer Zungen 
verwahrt werden. < 50. Die Kap- 
pe oder Schlund des Waschkes- 
sels gegen sich, d*h. gegen seine 
Mauer richten, a. a. 0. und öf- 
ters. Kappen Zipfel, >dieFug- 
gerei im K. , peninsula in sub- 
urbio S. Jacobi pro habitatione 
laborantium pauperie civium aed- 
es centum et sex complectensc 
Pinacotheca Fagg. 

Der obere u. untere Kappen- 
zipfel heiszt der obere, untere 
Teil von Groszaitingen. Kappen- 
zipfel hiesz ursprünglich ein 
schwarzer handbreiter Tuchstrei- 
fen über Brust und Schulter vom 
Hute ausz, Klagbinde. Esz ist 
ein Ueberbleibsel der bereits im 
14. Jarh. üblichen Schweifkappe. 
Schapprin , eine Müze mit auf- 
wärts geschlagenem Rande über 
welchen ein langer Streifen Zeug 
niederhieng. Bavaria IP 8. 832. 
Red. A. »Das aber hab ich wol 
an ihn vermerkt, dasz durch et- 
lich Herren des Rats die Sach 
soll laut worden sein welches 
einer dem andern beschuldigt, 
grobe Kappen darüber ein- 
ander angehenkthaben, und 
mit Worten hart an einander ge- 
wachsen sind.« Chron. 1684. 



Eappelaere -— Karrer. 



269 



Kappeneck inA. Die blaue 
Kappe, die dem Klenkhertor 
Bunaclist ligende Bastei. 

KAPPELAERE im Stdtr. »Swe- 
me man diu phemiinge versieht, 
86 sol man dem kappelaere 
geben Y Schillinge phenninge.< 

KAPPER, Kaspar. Mein Wbl. s v 
. KAPUZINER heiszt das vom 
Regenwetter halbrötliche Heu 
oder der IQee an den »Hoin- 
zen< auf dem Felde. AUgäu. 

KAR, die, got. kas, lat. vas, 
eine Schüszel besonders z. Bra- 
ten: »Braotisz kar< und zum 
Datsche sieh D. »Glas zierte 
Milchkärlen< im Hart. Inv. 
Millkärle , Strasze. Milch- 
kärle stürzen sieh Klaosatag. 
Im Voc. opt. 19 Vn, 82: Löf- 
felkar, cochlearium parapsis. 
8. 20. YII, 99. Im oberen Donau- 
tale (Hundersingen) ist das Kar 
gleich Heubarn in Niederschw. 
neben der Tenne. Bodenkar, 
dasselbe, nur etwas tiefer. Adj. 
karig, kairig, kärig: 4kärig, 
d.h. der untere Scheuerraum hat 
4 Abteilungen. 

CARDÜMEL »Priamus, wel- 
cher eben in dem Cardumel 
der Uneinigkeiten doch ihrer 
Barmherzigkeit eine Fruchte da- 
von gebracht hat.< >Wie Hektor 
den Cardumel erhöret — luffe 
er.« Troj. Krg. 44*. u. Chron. 1634. 
KARFREITAGSPROCESZIO - 
NEN, allgem. vom 17. Jarhd. an 
durch die Jesuiten eingefürt, so 
in Rottenb. a. N. In A. war die 
erste a. 1603. 



KARLING im Stdtr. oft: unser 
Karolin. Schm. 11, 329. >Man sol 
auh wizzen mer, swelich burgaer 
Silber kaufen wil des er bedarf 
hinze kaerlingen, ze franken« 
u. s. w. >der sol kaufen hinze ke r- 
lingen vierzig mark.« Karoli- 
n e n p 1 a z, -strasz, ob. u. untere A . 

KARMELITER Gasse, -Gäss- 
chen, - Mauer ; Pläze in A. 

KARRER, ein städtischer nie- 
derer Dienst in Augsb., eine Art 
Dienstmanns - Institut. A. 1691 
eingeteilt in 4 Rotten :Lindauer, 
Venediger, Nürnbexger und 
Weberhauser. A 1700 d. 20. 
Febr. wurden die Venediger 
und die Lindauer in eineRott, 
die Nürnberger und Weber- 
hauser ebenfalls in eine Rott 
zusamengeworfen. Jedem Teile 
lagen ob zu versehen seine ge- 
wiszen Orte, Stätten und Sbras- 
zen. Eingriffe , Uebervorteilung 
unter den Rotten nötigten den 
Magistrat, eine Rotte zu machen : 
esz waren im Ganzen 24 Männer. 
Ire Ordnung: 8Ur Morgens und 

2 Ur Nachmittags hatten die 
Karrenzieher bei Strafe bei der 
Wäg einzutreffen. Versäumnisse 

3 kr. per Viertelstunde. Unnötige 
Geschäfte, wie bei Hochzeiten, 
Leichen etc. waren verboten; in 
iren Arbeiten nichts auf andere 
schieben. Fluchen und Zotten - 
reiszen zalt Straf 10 kr. , imer 
das doppelte. Untreue im Ausz* 
liefern des Trinkgeldes zog et- 
liche Tage Entlaszung nach sich. 
Sie hatten ebenfalls 2 Buchsen- 



270 



Earreten — Säts. 



meisterdie >anzuschaffenuiid 
auf die Fubrleut acht zu 
geben hatten.« Alle Feieraben- 
de gewiszenhafte Abrechnung. 
Bei Todesfallen hat der neue der 
Wittwe 8 fl. zu verabreichea. Bei 
der Wag gab esz nach dem west- 
phäl. Friden 12 Karrenzieher 
und 8 Tor dem Weberhans, 6 an 
der Fronwag. 

Die Karrenzieher des We- 
berhauses musten neben andern 
Waren die Baumwolle abfuren, 
damit umgen, packen, trocknen, 
abschneiden u. s w. Erlasz von 
1691. Nach dem westph. Friden 
waren im niedem städt. Dienste 
1 Hof karr er, paritätisch. Bau- 
gewölbkarrer. 3 Karrer ob 
der Lechhütten. 2 Bachkar- 
rer. Ein Karrengässchen in 
Augsburg. 

KARRETEN von ital. carreta, 
Kutsche. >Ferner werden ihnen 
hiemit die kostbare, gezierte 6ut- 
Bchen und Karreten verboten.« 
Kleid. 0. 1668. Schmell II, 322. 

KARTAÜSE in der Red. A. 
»Derowegen will ich dich zahlen 
und bei derCartausen nemen.« 
H. S. Vrgl. Schm. 11, 333. 

KARTEN in der Red. A. >A. 
1466 hatte ein Mezger vonKehl- 
haimb vil böser Karten gegen 
Rat und Gemein ausgeworfen.« 
6a SS. 

KARTER in der Weberzunft: 
>Sie müszen eine Bürgschaft y. 
10 Pfd. fOr etwaige Handwerks- 
scbäden leisten; dürfen keinen 
Borohdnt karten, der ausierhalb 



der Stadt gewirkt ist; auch kei- 
nen, wo Kernwol, Kartwol 
oder böse Woll eingetragen ni 
oder der des Meisters Zeichen 
nicht hat. Sie mUen ire Zeichen 
mit Oel darauf sezen. Vom Lem- 
knecht nur 1 Pfd. nemen, auek 
erst nach einem Ys Jar einen 
Lemknecht das Tuch ausberai- 
ten laszen. Jedes Tuch muszr er 
vorher schaben. 0. v. 1549. 

KARTESCHEN swv. in der al- 
ten Webersprach«: >Nemlich wie 
eine gespult, die andere gespon- 
nen, die dritte das Garn abge- 
wunden, die vierte gekarte- 
schet, die fünfte gewürket, die 
sechst die Wepfen eingezettelt « 
Web. Umzug Beschrbg. 11. 

CARWETTEN: > Reitschul oder 
Carwetten erlernen.« >Er8t ler- 
ne ich den Stock, hernach Gar- 
wetten springen.« Wann der 
Hund das Trablaufen kann, so 
läszt man ihn frei, und weilen er 
über den Stock schon springen 
kann, so hält man ihm den Stoek 
vor, aber nit so hoch wie sonstea 
und wann er darüber gesprungen, 
so fahrt man gleich mit d«m 
Stock über ihn herüber und hält 
ihm denselben wieder vor und 
das immer geschwinder und sagt 
immer dazu: carwet, earwet, 
oarwetl und wann er das reoht 
kann, so lernt er den Kalopp«« 
Lang, natürl. Zauberei 1740- 

KÄS, der, in den Aktm 
komt der Edamer und Par^ 
mesaner Kfts öfter vor; den 
Edamer K machte man ia ] 



Kasperle — GMakbl. 



271 



mtkgea Tortreffliolb Im Stadtr. 
FfllcUw komt Schw»yk&8 vor. 
Jm Hart. lav. nnd aack 12Eäar 
<^ft#lt er genant, käsweisz, so 
weisz wie die Wand. Red. Art. 
»ilTBif Käswasaer kann nichts 
iMaere* kommen ,< d. b. komt 
«Aen etwas Beszeres nach. Im 
Yegemseer Eochbüchlein — 
mm, SohlnsK auf schwäbische Elö- 
st«r darf gemacht werden — er- 
saMnen an Georgi Speiskäsz 
als Abgabe (Dienst), nm St. Leo- 
nardi die Legerkäse. Eäs- 
•«ppe. a.a.O. Käsprüe. Eäs- 
krapfen. Mandelkäs. Eäs- 
gilten an Weihnachten etc. 
komen öfter vor. Eine Wemdin- 
gisoh-Oettingische Urkunde von 
1480hat: »Zwelif Eäse nfWeih- 
aacbten, Zwelif Eäse uf Östren, 
80 Galtkäse und ein Fasnacht- 
hun— ; 3 Eäse uf Weihnachten 
nnd 3 uff Ostern, c Laber's Ge- 
B^biahte v. Wemdingen 1836. 2. 
H«ft 156. 157. A. 1546 henkte 
man in A. einen Verbrecher, der 
ob seiner Manier Eäs zu Stelen, 
aUgemein unter dem Namen 
Sohabenkäs bekant war. Chr. 
1634 S. 423. 

EASPERLE emals in A. V« 
von einem Eronentaler, 40V* kr. 

EASTENgewÖBlich für Schrank. 
Den Easten hüten wie noch 
iMuto: nicht benüzt daligen, von 
Kleider» >Da wolt sie mein Elaid 
-— dbs ich auf Weibnehmen ma- 
ciMn liesz nun sehen laszen und 
wolt Sit langer den Easten 
MeieiLC Eleiderfo. 



>I>ie Schwalben rufen: 
Wann mer fortgen 
Wann mer fortgen 
Sind alle Eisten u. Easten vol; 
Wann wir wiederkomen 
Wann wir wiederkomen 
SindalleEistenu. Easten leer: 
Die Weiber hont alles verfizelet 
verfazzelet; drum hend se so 
braite Arsch.« Einderr. Elimmch. 
Das Eastenmesz, amtliches 
öffentliches Fruchtkastenmesz im 
cgm. 154^ »2 Schaff Koggen Ea- 
stenmesz.« f. 2*. >4 Schaff Ha- 
ber Eastenmesz.« f. ll^ >Alles 
Eastenmesz.« f. 21. 22^ Gilt- 
kornkasten in A. Fuszenka- 
sten b. Bett. Furttenbach. Ea- 
stenholz bei Türkh. römisch. 

CASTRON, Gast r au, in A. 
allgemein üblich für Hamel- 
fleisch. » Darunder ain Castrone 
oder Schweine fies eh. < Pfründ. 
0. oft. 1543. >Rieb oder Eraut, 
und eine seh weine oder E a s t r o n- 
flesch darunder. < a. a. 0. In 
der Mezg. Ord. 1549 : >ltem der 
Eastron soll von Joannes Son- 
nenwenden an bis auf St. An- 
dreastag gestochen nach dem Ge- 
wicht, nicht nach dem Stück on 
allen Anhang das Pfund 3 Pf. 
hergeben werde.« >Item Hamel, 
Castron oder Schafköpf sollen 
zu 5 Pfenning gegeben werden.« 
>Ea8tronbäuch.< a. a. 0. 

CASÜEEL, casula: >S6 die 
none end hat, so sol derpriester 
in der casukel komen für den 
altär.« ogm. 168 f. Ö9». Sonst >die 



272 



Eäther — * Eaze. 



»Casel anlegen.« f. 60*. >m der 
casel ze dem altär gen.« f. 63**. 

KÄTHER allgemein Katharina. 
>Potz Wetter alleKätterI< Seh. 
Käth erlin von Ulm hiesz in 
Augsburg eine grosze Karren- 
büchse. Gass.Katharinengasse 
und Katharinengässchen, A. 
Die schnell Käthrei, allgem. 
Durchfall. 

KATRISWANKurkdl.1263 für 
heutiges Ketterschwang bei 
Kaufbeuern. 0. N. 

KAÜDERN swv. Kauderer, 
Kauderei. 1) mit Getraide wu- 
chern, was kippern ist. 2) Mit 
Flachs handeln, a) >Kauderer 
undFürkeufel.« Poliz 0. >Eigen- 
willige Steigerungen, Aufschlag, 
Monopolia, Fürkauf, Kauderey- 
en, üeberbott und heimliche Ver- 
schleichung in die Häuser oder 
Winkel. < Poliz. 0. >ünd deswe- 
gen alle, Kauderer und heim- 
liche Uffkeufler bei Verlier- 
ung der War, abgeschafft werden 
sollen.« Verbot des Kaudems 
28. Dez. 1602. Reysch. XII, 589. 
b) Auf- und Fürkaufen oder K an- 
dern in*s Flachs. Wirtb. Ordgn. 
Schmoll. II, 281. 282. Schmid307. 

KAÜFLER hiesz 1) der Taxie- 
rer und Auszrufer bei Auktionen, 
bürgerliches Gewerbe; 2) der mit 
alten Kleidern handelt. 

KAUN stm. Schümel an ver- 
dorbenen Eszwaaren, besonders 
aber Getränken. 

KAÜNIZIG, verdorben, mer 
Anlenung als Ableitung [v. Kann; 
stet SU kainnüz, sieh oben. 



BLA.UZEN swm. verwirrter Fa- 
den. Kauzengäszle vor dem 
Frauentor, wo einst (1578) Kon- 
rad Both's Zuckerfabrik stand. 
Daneben ein altes K. 

KAZE wie Hund, Henne, 
Gockelhan spilt in der Volks- 
sprache eine grosze Bolle. Die 
Eigenschaften diser Haustiere ge- 
ben leicht Gelegenheit zu Ver- 
gleichungen. Im egm. 311 £ 46*. 
heiszteszvon denFraoen: > recht 
als ain geschunden Kaz, die do 
hett ayn wayoh glat hör und ayn 
rauch flaisch darunder.< >Wann 
slo ff ender Kazen lauffen die 
meüsze selten in den mandt.< 
cgm. 289 f. 107*. 

»Das gehört der Kaz,c d. h. 
das darfst du wegwarfen. A. . 

Auf die Frage was? heisztess 
in den Stauden: 
D'Kaz ist del Bas 
Der Hund ist dein Vetter 
Sie genget mit anander in d'Bläi- 

ter, oder friszt 17 Schlötter. 
Blätter: die äuszeren Krant- 
kopfblätter zum Viehfutter abge- 
brochen. Ebendort gilt in der 
Kindersprache der Sohnellsprech- 
reim: 

Unser Kuderkaz, Eas 
Haot Junge ghett 
Auf der Roll auf der Rill 
2 grad wie iare Junge. 

Um Burgau sagt man spasshaft : 
»I meim Leaba ho-n-i koin sol- 
ches Spektakel gseaoha, wia in 
deam verflochta Meister: dao 
ist derBachofii uff der Kaz dro* 
ba ghockt« In Weinenttein ist 



Kehl — Kelle. 



273 



fiblich: iaz soicht d'Kai links, d.h. 

eis get hinta hottt = schlimm. 

Am Kasentiachle eszen müs- 

leo, Kinderstrafe. Allgem. 
Schnellsprechvers (Stauden): 
D'ESz l&nft über d'Spän 
Bscheiszt d'Spän, 
Haot d'Spän beschisza. 

Lieder: 
Tonika 

3ei8zt der Kaz da Wedel S 
]Rea§t 'n in der Pfanna 
Lasz me ao a Bröckele langal 
Stauden. 
Abc, 

D' Kaz lauft im Schnee 
'S frierts an a Boi 
Gaot geara me hol. Stand. 
Kaze heiszt auch der uralte 
mytische Branch »die Mo ekel 
Tertragen.« 

Einige Rätsel: 
Wao sizt d'Kaz im Heu? 
Wao sie da Schwanz rauszstreckt. 
WiA sizt d'Kaz im Heu? 

Haorig. 
Kleine Anhöhen mit steilen 
Weglein heiszen in ganz Schwa- 
ben: Kazensteigle. Bei Mick- 
haus, und Beckstetten ist ein Kä- 
sen steig. Kazenloh,Gnt,urkdl. 
1340. Im Kazenstadel in A. 
wurden die >Kazen<, die Bela- 
gerangs - Maschinen , aufbewart. 
Kazenberg nanntedas Volk das 
Schlosz Kaltenberg. Gass. Ka- 
ze n 1 o h, ein bischöflicher Bauern- 
hof , früher zum Amtslehen der 
bischöflichen Kam er er gehörig. 
In Augsburg war ein Kazenhof 



und ein Kasengässchen. Ka- 
zensattelweiher. Wemding. 

KEHL, KAEL adj. adr. abge- 
schmackt, eckelhaft : Kälappell 
rohe Schelte. >D'Schassör dia 
band am käl§ta taü.< Seh. 
Mer allgaüisch. 

KEI6ISCH adj. zu K e b s e, nicht 
aber zu keiffiscli = zänkisch, 
stend. »Nu was Jepte ain c h ei b s 
chind und was einer von cheibi- 
8 eher art.< cgm. 206 f. 125*. 

KEIBS, Kebse. >Der hett siben- 
zig Keibschinder.« cgm. 205 
f. 122. Mhd. die kebes; ahd. 
chepis, neben kebese, ahd. 
chepisa. 

KEICHE, zukeichen, herb 
atmen gehörend ; Klosterge- 
fängnis: >wie er deswegen 
bei seinem Prior angeklagt und 
in die Keuchen geworfen.« H.S, 
Allgem. > Saget der Predikant: 
was hast du in unser Disputation 
zu reden: Nur mit im der K ei- 
chen zu!« Kleindienst. Als Schul- 
gefangnis öfter in A. Schriften. 

KEILEN swv. »Beherziget — 
die Strafe — die ihr den Sonn- 
tag nicht heiliget, sondern au 
demselben füret und traget, wa- 
schet und zwaget, hoblet und fai- 
let, bauet und keilet, nähet und 
stechet, hauet und brechet, lai- 
met und flicket, klecklet und 
stricket, fischet und hezet, schlei- 
fet und wezet, heftet und bindet, 
dreschet und wiudet, hämmert 
und klopfet, puzet und ropfet 
u. s. w.< Conlin. 

KELLE, f. kleine Gaze; sieh 
18 



274 



Keller — Kern. 



Q. imGegensaz z. Schäpfle. Im 
Fugg. Inv. komen vor : 6 S c h e p f- 
kellen, 1 Faimbkell, 2 grosze 
Kellen zum Fischen. Nieder- 
schwäb. Schöpflöffel, Schom- 
löffel u. 8. w. 

KELLER spr. Ke9r, Keorle, 
Keorhals, — loch. Der Weber- 
hauskeller oder Gewölbe, d.h. 
die Niederlage der zur Geschau 
komenden, zu stempelnden Tücher 
war in 2 geteilt. Darüber ward 
derKellermeistergesezt. Seine 
Verpflichtungen sind im Eide 
enthalten; desgleichen die seiner 
Bürgen. Die Kellermeister 
musten schwören gelerte Eid zu 
Gott dem Allmächtigen, dasz sie 
den verordneten Herren des We- 
berhauses bei alljärlichem Ge- 
brauche mit Auflegen der anver- 
trauten Kellers chlüszel und 
Ellenstäb in iren Kellern, und 
das bestimte ümgeld ausz den 
Barcheten, so inen schnittweise od. 
stückweise verkauft werden, ge- 
treulich einziehen wollen ; siesol- 
len getreu und gehorsam sein 
den Weberhausherren ; die Waren 
bewachen, gutschlieszen, Bürgern 
und Gästen gute Ellen geben. 
DieKellerme ist er waren vom 
Magistrate beeidigt; musten alle 
Loden, Rupfen des Marktes un- 
tersuchen, ob richtiges Masz da 
sei und dann auf jedes Stück 
ein Rädlein drücken. Vom Ge- 
schaugeld, das sie einzuliefern hat- 
ten, bekamen sie den 3. Teil, musten 
auch das Geschaumädle, das 
die Zeichen aufdrückte, bezalen. 



Kellermeisterbürgen musten 
schwören, alles Schadhafte durch 
Schuld des Kelleimeisters >ausz- 
zurichten,« d. h. zu vergüten. 
Kellerzins, Kellerbazen, Ab- 
gaben wegen Nuznieszung des 
Kellers, komt auch in Mezg. A. 
vor. Esz gab 2 Kell er sehr ei- 
ber, die halbjärUch 5 fl. hatten. 

KELLERIN, Wartfrau b. Wöch- 
nerinen, daher in Chroniken u. 
teilweise heute noch da und dort 
üblich: Kindbettkellerin. Auf 
eine uralte Site deutet die Stelle : 
>Es ist wol Gewonheit an der 
Fasnacht, das sich die Kel- 
lerin kleidt mit der Frowen 
claydern; das wert aber nit lang; 
aber das ist über jör Gewonheit.« 
cgm. 311 f. 47**. >Mit mir ward 
mein Kelerin, gleich darnach 
mein Kinds- und Undermagt 
— krank.« L. Rem. 

KER, der, Reihe, Ordnung des- 
sen, was regelmäszig wiederkomt. 
K e r a u s z, was den Schlusz macht. 
Keren, allgäuisch fürben; ein 
nied. Amt waren die>Schrand- 
kerer,« paritätisch. >St. PauH 
Kehrst ag.< ürkdl. 1517. Za- 
cher 279. 

KERN, spr. KSero, enthülstes 
Getraide z. Kochen: »Ain Keren 
in ainer Milch und ain Milch 
darzu.< Pfiründ. 0. 1492. >Ziun 
Nachtmal ain Suppflaisch, ein 
Keren in einer Milch.« a. a. 0. 
oft. In der Pfründ. Ordg. von 
1543: »ain gesotten Emerkern 
in Milch oder em Carsten in 
Milch.« »Gen Nivobt ein hebrin 



Eerrein — Keszel. 



275 



Mos und ein Gersten oder E mer- 
kern in Milch.< >Gen Nacht ein 
liebrinMus und ein Haberkern 
in Milch. < 

Kern wolle scheint eine 
tohleohte Wollart gewesen zu 
lein: > Item welcher würkhte Bar- 
ohant von Staub, Eartwoll oder 
Kernwoll oder sonst pöse WoU. < 
Ordg. 1549. Ked. A. >Aha, des 
ist a-n-anderer Eeara, haot der 
Müller gsait , wie er in 'n Maus- 
bolla bisza haot.« Burgau. Staud. 

KERREIN, die, carena, carana, 
qnadragena. Im cgm 736 f. 40^. 
>Und sind da 1000 jar Aplasz 
and als vill E er ein.« >Zu dem 
nil Cottember im jar 1000 jar 
i^las und als vill k errein.« 
»Item auf dem hohen Altar findt 
9ian 48 jar Applas und als vill 
kerrein alle Tag und das dritt 
Teil Vergebung.« f. 43' u. s. w. 
Vrgl. Schmell. II, 321. In einem 
. Wemdinger Statut v. 1446 heiszt 
eBz V. Mörder: sol er zurBeszer- 
ung thon vollbringen 50 Pfd. 
Wachs, ein fart gen Aach, ein 
fart gen Eynsideln zu U. L. 
Frau u ein Earr en.< Chron. 2.52. 

EERZE , die. Sebastian- oder 
Apostelkerzen oft in Mickh. 
Kirchenrechnungen. 16. 17. Jh. 
Mettenkerzen a. a. 0. Eer- 
senmaister hieszen in Burgau 
die Zunftvorsteher. »Bei den ge- 
schworenen Eerzenmai Stern 
anzeigen.« »Mit der gesezten 
Kerzenmaister Wiszen sind 
imer wiederkerende Formeln in 
den Zonftbüohem. Eerzstal: 



>es sigent messer oder swert, oder 
ander waufen, stecken oder Stein, 
Maussen, Euplan, kerzstalod. 
ander Ding.< Memm. Stdtr. 

Im Tegemseer Kochbüchlein 
komen, wie in schwäb Elöstem, 
folgende Eerzen vor, die man a. 
1536 brauchte: Mettenkerzen, 
1909. Herrenkerzen, 3250. 
Stal- u. Pfisterkerzen, 3400. 
Laternkerzen, 3250. Rückseite 
des Einbanddeckels. 

KESPER, die, Eirsche. Stau- 
den. Die »Walder« heiszen die 
Kesperschn eller; bei Prozes- 
zionen drückten sie den Vorbei- 
ziehenden des Nachbarortes die 
Eirschensteine in's Gesicht 
Stichelname. 

EESZEL in der Red. A. »Ees- 
zele brenn dich nicht I wenn 
Einder etwas Heiszes greifen 
wollen. Im Homo S. erzält der 
Prediger am Sonntag Quinqua- 
gesimae auf der Eanzel bei Heil. 
Kreuz folgendes : »Mein Fasnacht- 
spil, so ich heutiges Tags mit 
dem blinden Narren »Vorhabens 
bin anzustellen, ist das >b linde 
Maus elf an gen. < In diesem 
Gespil, (wie sie selbsten wol wis- 
zen) verbindet man einem die 
Augen . stellet ihn mitten in ein 
Zimmer, drehet ihn etlich Mal 
umb und umb, endlich laufen 
alle davon. Einer schlieft ihm 
unter den Armen, der ander un- 
ter den Füszen durch, da stupft, 
da zupft einer, alle treiben das 
Gespött ausz ihme. Dieser blinde 
Narr dappet ungefähr in dem 
18* 



276 



Ketten — Kickeriki. 



Zimmer hemmb, einen zu fangen 
und zu erraten, wer er sei. Wann 
er bald an der Wand, Stuhl, 
Bank, Tisch oder Ofen anstoszt, 
schreien die Andern: Kessel 
umb! Kessel umbl Mit wel- 
chem sie ihme vor dem Schaden 
warnen: Gehe zurück, kehr umbl 
rusz dich bei demKeszel nicht 1< 
Nachdem der Prediger allen er- 
denklichen gfarlichen Fasnachts- 
mutwillen hergezält, ruft er ausz : 
>Kessel umbl Kessel umbl 
kehre umb, kehre umb, gehe be- 
hutsamb, merk auf, rueszigedich 
nichtl Kessel umbl da ist eine 
verdächtige , böse Gesellschaft 1 
Kessel umbl gehe nicht hinzu, 
rueszige dich nichtl Du schwärzest 
dein Gewiszenl JungeLeut, Manns- 
und Weibsbilder, Kessel umbl 
gehet von weitem nicht hinzu U 
So get es fort durch die ganze 
Predigt. Keszelmarkt in A. 
Oertlichkeit. 

KETTEN im Hart. Inv. l Baum- 
ketten, Aufbrüchketten (An- 
spannkette), alte Küehkettena 
u. 8. w. Kettengässchen. A. 
Die eingeketteten bauchartigen Be- 
hälter auf beiden Seiten des Holz- 
oder Heuwagens heiszen Bäuche 
und die Ketten >Bauchketten,< 
seltener Holzketten neben den 
Bauchsailern. Grosaitingen. In 
Reinhardshaus. »Bauchschlin- 
gen,< die Wagentücher. »St. Pe- 
ters Ketten< für Kettenfeier in 
den alten unbeweglichen Kalen- 
dern, cgm. 97 f. 12*. Ketten- 
wambasin Agnes, Familie N. 



MB. 23. 105. Das Kettenbeis- 
zen, eine bekantlich allgemeine 
Site, ward im Dez. 1790 in A. 
verboten, nachdem esz seit Ural- 
tem üblich war. Wenn junge 
Bauersleute das erstemal im Le- 
ben in die Stadt kamen, zog der 
Torwart die äuszere Schlagbaum- 
kette vor, worein der Neuling 
beiszen oder sich mit einem Trink- 
geld bei der Wache und dem 
Schreiber loszkaufen muste. 

KEZER komen im Augsburger 
Stadtrechte vor in Verbindung 
mit izohensun, merhensun, muz- 
zensun, viertaeter.< f. 50». n. a. w. 
Darunter sind im Mittelalter die 
Sodomiten verstanden. Eine 
Notiz in Schulthais' Collect. Coik- 
stanz, hs. »a. 1464 wurden 2 Ket- 
zer gefangen, die mit einander 
Ketzereien getriben hatten.« 
»A. 1629 hat man N verbrennt, 
dieweil er Kezerai trieb mit 
K ü e u n d R o 8 s en.< Feigele, FÜ8z. 
Chr. Auf Grund diser Sünde, die 
mit dem Feuertod gestraft wer- 
den muste, geschahen so vile 
Kezerverurteilungen, die mit Glau- 
benssachen nicht im entferntesten 
etwas zu tun hatten. Esz wird 
auch zur Erklärung des Wortes 
das italienische caociare = verfol- 
gen, französ. chasser auss dem 
lat. captare (captus) besonders 
mit donna verbunden gerne vor- 
komend, nicht allzuweit abaten. 
Diez, Wb. 79. 

KICKERIKI heiszt der Yolkih 
wiz die gespenstig^ Burg bei 
Aspach. Borg- und Batlald 86. 



Kien — Kind. 



277 



KIEN: > war gar ein ungehobel- 
ter Kienstock.« Chron. 1634. 

KEENZEN, KIANZEN, swm 1) 
fettes Unterkinn. Allgem. schwäb. 
»Und baot 'nKiaza kugelrund.« 
Seh. Hohenlohisch Ko e z a; bayer. 
Kianzl. 2) Kückenkorb. A. 

KIESER in A. allgemein emals 
üblichf dieBrotkieser, Brant- 
weinkiesern.s. w. >DieBrant- 
weinkieser sollen wöchentlich 
wenigstens einmal bei allen und 
jeden Branntweinem ohne Unter- 
schied eingehen.« Alte Instruk- 
tion am Schlusze der Branntw. 0. 
Besonders lag inen ob zu schauen, 
ob keine Methschenken , Hucker, 
Sailer — mit Branntweinschank 
Geschäfte machen. 

KIMICH, KEM^CHstn. Kamin; 
siederschwb. kemm9t. >DieGü- 
bel auf den Häusern und hohe 
Kümmich.« Gass. »Ward der 
Kim mich erkloben.< S f 238». 
»Anrieht- oder Veränderung 
eines Kümichs.« Bau 0. >An 
Kümmichen.< Feuer 0. »Ge- 
mauerte Yorkümmich.« a.a.O. 
>Kümmichkerer. « a. a. 0. 
Nach dem westph. Friden waren 
2 Kimmichkerer amtlich auf- 
gestellt. 

Die Kinder rufen in A. wenn 
sie den K. sehen: 
Kimikerar, kreidaweisz 
Hoat'a Säckle vola Laus 
Kan 'rs nitt vertraga 
Lad *rs auf 'n Waga. 

KIND in folgendem Zusamen- 
hang: Kinderfreszer eine 
Schreckgestalt der Kinder in A. 



auf Bildern mit Kindern in der 
Tasche und Korb, neben der 
Buzenbercht ser gefürchtet. 
Sieh Anhang. >Kindsweysz 
gen Augsb. komen.« S. 253*. 
Kindsvertunerin im H. S.: 
Kindsabtreiberin. »Die erste 
sagte: N. undN. haben einander 
lieb, die ander: sie buhlen, die 
dritte: sie sei schwanger, die 
vierte: sie sei eine Kindsver- 
thunerin.< Vrgl. >die Maria 
(Geliebte) sei schwanger gewesen 
und habe das Kind verthan.« 
a. a. 0. Kindischmann in 
Mickh. Akten 1680. Esz wird einer 
Alters halben seiner Pflegschafts- 
verwaltung entsezt, weil er »ein 
alter Kindischmann worden.« 
>Das Kindle ins G*rüble le- 
gen« , ein Kinderbalspil , sieh 
Anhang. >Eine unrechte Kind- 
bett« hiesz in A. eine Frühge- 
burt haben, neben Gä Igele. Bei 
Vergleichungen und in einem 
ärztl. Berichte v. 1534: >Gelauf- 
fenes Blut, so grosz als ein Kinds- 
kopf;« wie heute noch üblich. 
Das Augsb. Warzeichen »die 7 
Kind« bleibt einer besonderen 
Abhandlung vorbehalten. Siben 
Kinder im Keime: 
Dort dinna sizt a Frau 
Mit siba kleine Kinder: 
Was hätt se geara? 
Was hätt se geara? 
A Gläsle vola roata Wein 
Und a Stückle Wegga drein. 
Stauden. 
Die Kinderzeche, ein altes 
Dinkelsbühler Schuljugend-) 



278 



Kinn — Kirche 



wol urspr. Sommerfest. Vrgl. 
das Augsburg. Kinderfridensfest. 
Montag und Dienstag vor Mar- 
garetha hiesz esz: >heute ist die 
Kind er zeche.« Vom protest. 
Schulhause ausz gieng der Zug 
unter Musik; die Kinder festlich 
geschmückt mitFanen und Krän- 
zen, in der Mitte der junge schwe- 
disch gekleidete Oberst zu Kos. 
Vor im und nach im seine Schwe- 
den, 4 Tromler, Hauptmann und 
Landsknechte. Der Zug gieng 
zum Wörniztore (von der 
schwedischen Belagerung bekant) 
hinausz und zurück zur Kirche 
und zulezt zum Rathause, wo der 
kleine Oberst seinen Spruch tat. 
Beim Schulhause löste sich der 
Zug auf, um des andern Tages 
das gleiche zu tun. Bewirtung 
der Lerer und Schulkinder ver- 
stand sich von selbst. Wie vile 
Kinderteste iren Ursprung in der 
Reformation oder im schwedisch. 
Kriege haben wollen, so auch 
disz; in der Tat sind esz ange- 
lente, weil nicht mer verstandene 
alte Sommer-, Winter- und Frü- 
lingsfeste. Yrgl. das Rieten fest 
in Augsb. , das Rutenfest in 
Ravensburg u. s. w. Die Kin- 
derzeche beschreibt Nr. 2 S. 
21 ff. mit Zeichnung, die Garten- 
laube V. 1864, wo auch der Spruch 
des Obersten mitgeteilt sich 
findet. 

KINN, das, in dem rechtsalter- 
tümlichen Yerfaren. >Das Schin- 
dermeszer unteres Kinn sezen.« 
A. 1462 wurde der Kramersonft- 



meister unredlich gemacht wegen 
Unterschlagung. Am 19. Tage 
darnach ward im ausz Gnaden 
unter dem Erker des Rathauses 
auf einem Stvile aizend das S c h i n- 
dermeszer vom Henker un- 
ters Kinn gesezt und ist so 
unredlich gemacht worden. Gass. 

KIRCHE. In A. gab esz folgen- 
de Kirchen: Dom-, Englisch 
Fräulein-, Gottesacker-, 
Hl. Kreuz-, Maria Stern-, 
St. Gallus-, St.Georgen-, St. 
Margaretha-, St. Marx- (in 
der Fuggerei), St. Maximi- 
lian-, St. Peter-, St. Seba- 
stian-, St. Stefan-, St. Ul- 
rich und Afra-, St. Ursula-, 
Barfüszer-, Hl. Geist-, Hl. 
Kreuz-, St. Anna-, St. Ja- 
cob - Kirche. Eine Kirch- 
gasse. »Kirchenbruchstra- 
fen<, seit 1582 in den Händen 
der geistlichen Obrigkeit. Kir- 
chenfeld. >In der Fasten besun- 
derlich giengen die Priester und 
Brüder mit dem Kreuz um die 
Kirchen und Kirchenfeld.« 
cgm. 402 f. 16*». 

Kirchbräat, ein altes Almo- 
sen in Groszait. an die Armen, 
die blosz einen Krautgarten oder 
Gemaindtail hatten ; FauUenzer 
wurden dadurch erzogen. 

Kirchgang, ordentlioher : 
Heiratstag. Nach Mickh. Akten 
von 1607 wird einer gestraft, weil 
er sein Weib >vor dem ordent- 
lichen Kirchgange geschwän- 
gert.« 



Eizenbollen — Kläre. 



279 



Kirclienmaas, der kein Geld 
hat. Altaugsb. 

Kirchweihen. 1) Jörgen- 
Kirweili. 2) St. Ulrichs Kir- 
weih. 3) Michelikirweih. 4) 
die Jakoberkirweih. Die erste 
mit der Dult verbunden, fiel ge- 
gen den weiszen Sonntag in der 
Zeit. Daher >unter der Dult 
gen«, unter den bedeckten Buden 
einhergen. Die St. Ulrichski rch- 
weih ist jezt eingegangen. Die 
bedeutendste ist entschiden die 
St. Jakober Kirchweih, ein 
echtes Augsb. Volksfest, wo be- 
sonders seit Alters die Gärtner 
ire besten Produkte, besonders 
Rieaenrettiche liefern. Die Gaut- 
^ohe oder Schogge darf nicht 
vergeszen werden , an der die 
Jungen und die Alten ire Freude 
haben. Die Michaeliskirch- 
weih ist uralt, so dasz manver- 
Bucht hat sie in die Zeiten der röm. 
Golonie hinauf zu datieren. Aller 
Warscheinlichkeit nach wird die 
£nt6tehnng in die Zeit der Ein- 
weihung des Domes zu sezen sein. 
Paul V. Stetten. Erl. 79. Im Ausz- 
rufe (sieh Anhang) heiszt esz: 
Auch sieht man an Kirchweih en 
der Zanbrecher gar vil. 

Liedlein: 
Kirchweih bleib do , bleib do, 
Kirch weih bleib do! 
Will dir a Küssle geben 
Dasz di kanst niederlegen: 
Kirchweih bleib do! 

Und d'Kirchweih ist heur u. feard 
D'£[irchweih ist alles weart 



Kirchweih bleib dao, bleib dao! 
D'Fasnacht komt ao. 

D'Kirchweih ist chomd 
D*Kirchweih ist dao, 
Kirchweih gang nimma 
Bleib alleweil daol Stauden. 

Der sogen. Kogelhopf, Gug- 
gelhopf heiszt in Birkach 
Kirchweihknupf. >Kir chwei- 
kegler, Kirchspiler, Kiroh- 
weihschützen.« Conlin. 

KIZENBOLLEN swv. impers. 
graupeln. Allgaü; neben kiza- 
böllelen; kiseln (Behlingen), 
risla (Stauden). Mein Wbl. (ku- 
zabonelen.) S. 54. 

KLAGEN swv in Trauer gen, 
d. h. Trauerkleider anlegen; nie- 
derschwäb. draura. »Was Her- 
renfasnacht, da klagten in sein 
Fraind mit Binden umgeschlagen 
um ain Hut. Das was vor zu 
Augsburgnit gesechenwor- 
den« S. 317». Die Klage, öf- 
fentliche Trauer und Trauerbe- 
gleitung: in der Klag gen. >Die 
Klage auf den Boden werfen.« 
Kleiderb. Im Fugg. Inv. komen 
vor >lange u. kürzere Klag- 
schlair.tKlaggelderind.Conf. 
Kempt. >Vor sog. Klaggelter 
bei denen Pflegämtem werden in 
gemeinen Strittsachen von dem 
verlierenden Teile bezalt.« S. 50. 

KLAMMHACKEN , Klamm- 
haoka, Günzb. eine Schelte für 
einen rohen Mann, für einen 
Grobian. 

KLARE , die, Kraftmel, weisze 
Stärke; Kläremacher, bürgerl. 



280 



Elaubauf — Klaus.' 



emaliges Gewerbe. Klare Brief 
und Sigel hieszen die von einer 
rechtmäszigen geschwomenHand- 
werksgeschau auszgestellten Do- 
kumente. Web. Akt. 17. Jhd. 

KLAÜBAÜF, ein Kinderschre- 
cken, in ganz Oberdeutschland 
volküblich bis nach Tirol. >So8t 
legt der Klaubauf Ruatha ei.< 
Seh. Drohungen mit dem Kl. all- 
gemein. Ztw. chlauben. Stand. 

In Depshofen riefen die Tau- 
benkobler: 
Tauba 'rousz! 

Die besta chlaub i 'rousz! 
Dia koinza lasz i liegen. 

Ad. klauberisch, >ein räu- 
berischer und kl. Gesell. < Conl. 

KLAUBHOLZ in Mickh. Akten 
imer wiederkerend. 

KLAÜENSCHMALZ, Fett von 
auszgekochten Klauen, zum Lam- 
penpuzen u. s. w. gebraucht. 
»Klauenschmalz zu den La- 
ternen weiszna.« Web. Rechgn. 
Frisch I, 520^ 

KLAUS, der. klausen swv. 
Mein Wbl. 51. In ganz Schwa- 
ben haimisch. In der Strasze, 
Groszaitingen , komt der Klaos 
schwarzgekleidet mit Ketten um 
den Hals und rasselt in die Stu- 
ben , wo die Kinder aufsagen 
müszen: ausz dem Katechismus 
u. s. w. Die Eltern werden über 
deren Gehorsam gefragt. Unter 
Hasseln und Schellen schüttet der 
Klaos Nüsze, Obst etc. auf den 
Boden, was man herkömlich 
>'8Milchkärle8türseii<hei8zt. 



Daher dasKlaosagSn oft blosz 
heiszt >man musz stürz a.< Die 
Lebzelten bäoht der Kl. schon 
14 Tage oder 3 Wochen vorher 
auf dem Kirchturme oben oder 
im Glockenhause; davon dieBed. 
A. in der Kinderspr.: 's riecht 
schon, d. h. der St. Nikolaustag 
ist vor der Türe In den Stau- 
den, in Klimmach hat der KL 
eine Kuhaut über sich gebreitet 
und ebenfalls Ketten um Hals 
und Leib. Die Brote heiszen 
Klausazelta in vilen Gegen- 
den. >Nusz und Klausazelta.« 
Seh. In der Gegend von Otten- 
beuren werden am St. Nikolaus- 
tage für Kinder Brote gebacken 
in Gestalt eines Mannes. Diso 
Klausenbrote werden, sagt 
man den Kindern, in dem Seh el- 
menhäule gebacken, wohin auch 
das Muotes zieht. Burg- u. Bat- 
feld GUI. Eine ganz merkwürdige 
Klausensite ist in Oxenbrunnen. 
Da kent man nur den Klao- 
senzug von 10 — 20 Burschen 
halb und gan^ vermumt. Sie üben 
eine Art Haberfeldtreiben; 
halten vor den anrüchigen Häu- 
sern und rufen brummend und 
heulend: ü, ü, ü! wie wild ist 
desl wemmaHeiretlis tuet und 
itt heiretl Kurz aUe Vergehen 
gegen Zucht und Ordnung etc. 
werden gerügt. 

Im Allgaü ist das Beschenken 
der Kinder am St. Kl äs tag echt 
katolische Sitte; bei den Pro- 
testanten dagegen >komt das 
Christkindle«. 



Elansenweiber — Elieben. 



281 



In Bringen heiszt ein Ein- 
derreim: 

Heiliger Niklans leg mir ein 
Aepfel, Bira, Nusz, 
Des macht miar koin Yerdrusz 
Und was noch mer: 
Verhau du miar mei Ärschle 
Nett so serl 

KLAÜSENWEIBER, privile- 
gierte Personen bei St. Stefans- 
stift. Klausner heiszt der Ein- 
zelbauer zwischen Reinhartshofen 
u. Klimmach; da war der Siz eines 
Klausners, dabei ist eine Kapelle, 
der hl. Justina geweiht. 

KLECK , der , Risz im Holz, 
Stein. >Und sachen durch die 
Fensterklegk hinaus hairolich 
was der Boffel thet.< S. Sßb^. 
Sohmell. 352. 

KLEE in kleegelb; eine be- 
liebte Farbe emals; ich erinnere 
an die Kleesämaröck in der 
Bottenb. Gegend , die man blosz 
an hohen Festen trug. >Eine 
schöne junge Dirne in einem grü- 
nen und kleegelben Kleide.« 
Handkai. 1747 f. 4. 

KLEIBEN swv. kleben; ahd. 
kliban, Graff IV, 542. >Mit ei- 
nem Knieling mit Erdrich ausz- 
gefüllt, klaibet den Zaun.« 
>ünd klaibt über den Graben 
hinüber für die klaibte Zaun 
starkh.« Buxheimer Chronik von 
1680 in Frauenfeld f. 27^ 28». 
Li Niederschwaben nur >Dreck 
kl&aba< wie Kinder im Kote der 
Strasze oder Lern arbeiten. D r e ck- 
kl&aber, Maurer, scherzweise. 
Klaiber, Ravensb. 0. 14. Jh. 



KLEIBSEN, KLEISBEN swm. 
Splitter, Spelt. >Auch ist ze wis- 
zen, so Kind anvahen umzekrei- 
sen auf der Erde; so sol man ein 
Geläsz machen von lindem Leder, 
damit sie kein Kleibsen ein- 
reiszen noch sonst kein Schaden 
emphahent.« cgm. 601 f. 98*. 
>Mi druckts und zwickts imMa- 
gs, rum, als wäre lauter K 1 e i s c h- 
pa drinn.« Seh. 

KLEINAITINGER , die, wer- 
denbeschuldigt, sie hätten ander 
Kirchweihe die Ur der Kirche 
gestellt, damit esz nicht Nacht 
werde; einen Ochsen den Turm 
hinaufgezogen, damit er das Gras 
abfresze, das droben wuchs. Sie 
haben einstens den Wisbaum mit- 
zunemen vergeszen, bringen in 
nicht zur Scheuer hinein , weil 
sie in überzwerchs legten und 
sägten in ab; steckten einstens 
Nadeln, damit eiserne Stangen 
wachsen u. s. w. 

KLEMM adj. rar, selten, ge- 
sucht, wie fäsig. Landschaft. 
>ünd obwol selbmals das Getrayd 
sehr klimm war — also dasz 
ein Schaff Waitzen auf dem Markte 
21 Groschen gölten.« Gass. 

KLENKEL, der, >die eyseme 
Schling oder hack, da an der 
Klenkel hieng.« Frank. 

KLIEBEN stv. zerspalten. >Mit 
den alten z er kl ebenen Thür- 
men.< Gass. neben »geklobene 
Grunveste.« a. a. 0. Kliebaxt, 
Holzaxt Staud. Nordisch klyf. 
Griech. yXvqjny^ lat. glubere. Red. 
A. >Dear läszt sich kleiba um 



282 



Elimmach — Klopfen. 



1 Kreuzer« oder >dear schändt 
d'Laus um 'n Balg« von Geizigen. 
KLIMMACH, spr Klemme. 
In der Umgegend ist die Red.A. 
wenn das Bierglas wieder zur 
Neige get: >'s i§t scho mea leer, 
sait d'Wierte vo Klemme und 
igt ä der Loiter de Keller 'nab- 
'gstiga.« 

KLINKERTOR, -türm, -gas- 
se, -Mauer in A. 

KLOBEN, 1) greifender Hacken. 
>M«r umb 3 Mauerschliesz- 
globen am Zehendstadel 9 kr.« 
Ettelrieder Pfarr-Rechg. Kloben- 
macher und Nagelscbmid. Fi- 
, zion 75. 2) ein Bündel Werg be- 
stend ausz 24 gebundenen Häm- 
pfeln oder Docken, wie mai> 
solche auf der Breche bindet um 
sie auf die Bluimüle (Walk- 
müle) zu bringen. Allgaü. 

KLÖCKELMANN häufig im 
Man. Z.B. > Item man sol ewich- 
lich geben Hainrichen dem Kl. 
acht Gottbrot in die Siechstu- 
ben < f. 2». 

KLOPFERTAG allgem. in den 
Stauden bald 3mal, bald nur ein 
mal üblich wie in Schwabmün- 
chen. Der Anfang des Reimes ist 
wie überall: 
Hollo, hoUo, Klopferta! 

In Fischach : 
Holla holla Klopfertag, 
Schüttle Bira und Aepfel ral 

Die Form Knöpflestag komt 
eben so oft vor. Kinder gien- 
gen in A. und Gegend an den 
Häusern herum und schlugen mit 



den Hämerlein an die Türen, 
sprachen dabei: 
I klopf, i klopf in des Haus 
Gibt ma mier a Küechle rauszl 
D'Küechlen tuet ma bacha 
DTfanna hör i kracha, 
Küechle rauszl Küechle rauszl 
Oder i schlag a Loch in^s Haus! 
Bekamen dieAnklopfer nichts , 
so schrien sie: 

Esz steht a Häfeie unterm Herd 
Ist Herr und Fro kein Kreuzer 
wert! 
üeber die Klöpflis nacht im 
alten A sieh den Auszrufzettel 
im Volkst. n, 453. Ferner oben 
sieh Pfann zelten 91*: >an den 
drei Donnerstagen nachten vor 
weihenn ächten genannt die kn ö- 
pflinsnächt.« In Burgan haben 
sie gar 4 Knöpflesnächt, und der 
Reim begint: 
Hoila, hoila Knöpflesnächt! 

In einem Totentanze von 1627 
sagt der Tod: 
Hort zue ihr König laszt euch 

sagen, 
Das Glöggel hat den Garaus 

geschlagen ; 
Heunt ist eure lezte Klopf 1- 

nacht,. 
Der Tod klopft: euch den Garaus 

macht. 
KLOPFEN in der waidmänni- 
schen Sprache: >in dem Wald- 
berger Forst haben 2 Waidgesel- 
len geklopfet.< Mickh. Akt 
1681. >Den 21. Febr. khlopfet 
der Jäger ferners mit 5 Schützen.« 
a. a. 0. >Gkhlopfet, aberniohi 



KloE — Knappe. 



283 



gescIlOBEen.« a. a. 0. »Am Klo- 
pfen geschoszen.« a. a. 0. 

KLOZ, der, im Gluckerspil der 
Burg. Kinder: 

Du bist der east, 
Du bist der ander, 
Dn bist der Kl5zl 

KLÜGK. »Ein Handwerksmann 
wird auch gewisz bei ihr (der 
Yorsoffenen Frau) nitt reich; des 
Weibes Kluck, Kluck, Kluck 
bat ihm Alles weggenommen < 
Laiig, natürl. Zauberei 55. 

KLÜCKERN, GLUCKERN, das 
bekante Kinderspil mit Marmor- 
kügelchen. Im Früjare sagen die 
Alten beim Anblick irer spilen- 
den Kinder: a, a, ha iaz komt's 
Friejar, d'Buabe kluggorot 
Bchoet A. 

KLUFT, Feuerzange. Klüf- 
tige leck; >als die Sonn die Säu- 
len aufzogen und klufftig ge- 
macht.« Mickh. Rechgn. 1776. 

KLUN8E , KLUNZE , Glumse, 
Spalt. »Und ist die Maur des 
Thuren allenthalb ganz geblieben 
ose alleKlunzen und alle Schä- 
den < S. 265^. 

KLÜPFEL in der heraldischen 
Sprache: >der vorder Oberteil 
des Schilts halbiert in schwarz 
und gelben nebeneinander, in 
schwarzen der Hammerstil gelb; 
der klüpfel weisz; im gelben 
der Hammerstil schwarz , der 
klüpfl weisz.« Insign. 123. Wel- 
ser'sches Wappen. 

KLUPPE, die, Zwangholz. Bild- 
lich: >Man möchte sie mit sol- 
chen Yerheiszungen allein auf- 



ziehen, bis man sie in die Klup- 
pen brächte, wie die Herren zu 
tun pflagen < Gass. 

KNABERN swv. an einem Kno- 
chen nagen, grosze, harte, trockene 
Gegenstände mit den Zänen zer- 
reiszen. 

KNAPPE, Webergeselle; die 
ledigen Knappen hatten die 
Kost beim Meister; die Haus- 
knappen nicht ; lezt. hatten von 
jedem Tuche ungleich mer Lon. 
Em. Wb. 0. 17 Jh.; der Knap- 
penstul >Beisiz auf den Knap- 
penstul.« Akt. Hausknappen, 
die kein eigenes Geschäft betrei- 
ben , für die Meister in irem 
Hause arbeiten. Fremd geler- 
nete Knappen. Esz gab eine 
Knappen 0. Alle halb Jar musten 
in der untern Stadt 3 neue Büch- 
senmeister (Knappenobere) und 
in der obern 2 gesezt werden 
ausz der Zal der ledigen Knap- 
pen. Sie musten das Quatember- 
gelt fleiszig liefern. Fremde K. 
und die ire Lerenzeit erseszenen 
K. sollten ire Zeugnisse bei der 
Büchse abgeben und die Statuten 
treu halten. Unredliche , herge- 
laufene, dem Weibe entronnene 
K. musten aufgetriben, d. h. 
angezeigt und eingebracht wer- 
den. Sakramentirer , Polderer u. 
s. w. musten vom Magistrate und 
von der Büchse gestraft werden. 
> Damit Erbarkeit, Zucht und 
Bescheidenheit desto mehr unter 
den Knappen geführt und ge- 
sehen werde, so hat ein ersamer 
Rat erkannt, welcher Maisterson 



284 



Knarschlen — EnecHte. 



auszerhalb seines Vaters oder 
Mueter Geschäft auch ein jeder 
Knapp über die Gassen, für das 
negste Eck bei seines Meisters 
Haus vor den Thoren , vor St. 
Ulrich auf dem Wein- und Brot- 
markt, unter den Kirchweihi- 
nen und offenen Jar- und Wo- 
chenmärkten , oder in ein Bier- 
oder Weinwirtshaus one Rock, 
Mantel, Kittel, Huet und 
Kragen gehet, und gesechen 
würdet — der soll aufs Weber- 
haus geschafft und gestraft wer- 
den.« Die Unredlichen wurden 
alle Quatember vor der Büchse 
auszgerufen. Vrgl. Hauzinger. Je- 
den Montag Nachmittag um 2 Ur 
durften die K. blauen Montag 
machen. Winters um 8, Sommers 
9 Ur Abends musten die K zu 
Hause sein. Eine eigene Ueber- 
einkunft bezüglich der Feste 
zwischen Maister und Knappen 
existiert v. 1566. Der Maister u 
die'Maisterin musten den Knap- 
pen »nit mer dann die 4 nach- 
benannten Fest gestatten mitzu- 
machen: den Dinzeltag, den 
Liechtbraten , St. Martins- 
tag und Fasnacht.« Dise Feste 
konten der Maister und die 
Maisterin selbst halten oder 
dem Knappen und dessen Weib 
ein gewiszes Verbrauchgelt ver- 
abreichen. Die Handwerks- oder 
Knappenlade, der Knappen- 
schreiber. Aufgestandener 
K. , der ausztrit. Web. 0. Ein 
Knappe, der nicht auszwürkt, 
d. h. Zeit nicht hält, aasztrit; 



>einen Knappen sezen.< a.a.O. 
Knäpplinstörlin beim Lugins- 
land braute a. 1510 ab. 

KNARSCHLEN swv. knirschen 
mit den Zänen. Riesz. 

KNAUPEL, die, Bocksbart, nie- 
derschwb. Hafamarget. Knau- 
pelthölzchen, alter Langeneif- 
nacher Waldname. 

KNECHTE hieszen 1) bei der 
Weberzunft die Knappen; Le- 
re n k n e.c ht, die Lerjungen ; »der 
Lerenknecht Kundschaft« 
Zeugnis vom Maister. >Item so 
ein Maister einen Knecht sezt, 
der ihm mehr dann ein Werkh 
würkht, alsdann soll derselb sein 
versprochener und bestell- 
ter Knecht heiszen bis uff St. 
Jacobstag one alle Fürwort. « 1 549. 
>Auszge8tandene Knechte« 
durften in der Stadt ein ganzes 
Jar nicht würken. 2) Bei der 
Schusterzunft kernen vor die 
Schueknechte und Abricbt- 
kn echte. >Soll jeder Schue- 
knecht bei seinen Religions- 
oder Glaubensgenossen auflegen.« 
Sehnst. 0. Die Schueknecht, 
änlich wie die Knapp enkneoh- 
te konten wandern von Iren 
Pläzen um Weihnachten, Stefans- 
tag, Sommerjohanni. Lonknech- 
te sieh L. 8) Kuttelknecbte 
bei den Mezgern. 4) Spett- 
knechte in der Memming. Feuer 
0. 1765: neben den Fnrlenten 
beim Auf- und Abladen haben 
sich des Rauchens zu enthalten. 
S. 13. >Der Wägmaistermit denen 
Spettknechten in der Wftg.< 



Eniding — Knopert. 



285 



8. 48. 6) Sohnlknechte, Pro- 
▼isoren, Lergehilfen. Strasze. 6) 
»Den AlenmueBenknechten 
soll befohlen werden guete Acht- 
ung zu geben, wenn sie etwa vor 
jung gehenden, stark müeszig 
gehenden Bettlern Gesind selbige 
herein in den Turm beim Spi- 
tole faren, dasselbst etlich Tage 
ligen nnd wieder hinauszziehen 
inlaszen.« Ordgen. 1647. 7)Hüt- 
ienknechte, 3 nach d. westph. 
Friden, städt. niederes Amt; eben- 
so die 2 Bachknechte, die 2 
Bangewölbknechte, 1 Fisch- 
grabenknecht, vier Markt- 
knechte, 6 Schrandknechte, 
vier Kasten- oder Gerichts- 
knecht,4Seckelknecht, Gas- 
tenknecht , 1 Mülknecht. 
Die Pfarrknechte hatten mit 
den Yerkündzetteln zu tun, wel- 
öhe sie von den Schulmeistern, 
Hebammen u. s. w. erhielten, die 
■ie entweder auf die Kanzel ge- 
ben oder an Kirchtüren anzu- 
sehlagen hatten; desgleichen ver- 
hielt esz sich mit den Yerlust- 
oder Fundzetteln. DieKranken- 
s eitel hatten sie w^en der 
Menge sorgfaltig zu prüfen und 
wo esz dringend notwendig schien, 
zn berücksichtigen, jedenfalls dem 
Prediger vorzuzeigen. Oefters als 
einmal von einer Person durfte 
kein Zettel angenomen werden. 
(Protest). Chron. 1634 S. 834 ff. 
KNIELING, der. 1) eine Wand 
bis ans Dach von schlechtem auf 
sog. Holzböden gemähetem Heu, 
anszen am Hause, im Winter meist 



zur Viehstreu verwendet. Stauden. 
Birkach. 2) eine Art Damm sieh 
oben k leiben. 

KNIESTIFEL, eine alte Rechts- 
site. Einem Bürger Begenhar 
ward für eine Hofstätte samt dem 
Königstum, als Lehen, befohlen, 
den Grafen Gotfrid von Hohenegg 
Herberg für sich und die Seini- 
gen, so oft sie nach Augsburg 
komen, zu ge wären und järlich 
ein Paar Cordawanin Stifel 
zu reichen. < Gass. 

KNIPFEL, Grobian. A. 

KNIPPEDEKNAPP imKinder- 
liede : 

I und mel Knippedeknapp 
Gang mar spaziera; 
Kom mar bis 3 nett hol 
Kom mar bis viera. 

Variante: 
Wemmar nemma lauffa könnet 
Kemmdr a-n-ander füera. A. 

Warscheinlich die Ehehälfte mit 
hinkendem Beine. 

KNISPEL bei Conlin: > es gibt 
vil grobe Knispel, vil grobe 
Gispel.« 

KNOLLFINK bei Conlin: (von 
den 9 Auszsäzigen.) >Da8 soind 9 
grobe Gesellen gewest, 9 un- 
manirliche Schlieffel, 9 ungeho- 
belte Gispel, 9 schlechte Limmel, 
9 unsittliche Knöpf, 9 vergeszene 
Maulaffen, 9 ungebärdige Schlam- 
pen, 9 unerzogene Knollfinken 
9 ungeschaffene Schenkel.« 

KNOPERT, partic. angebiszen, 
angefreszen. >Ihr seht eine schlech- 



286 



Knopf — König. 



te raue Muschel, eine knoperte 
Mißgeburt des Waszers.« Conlin. 

KNOPF, Schelte: »Du werest 
ein grober Knopf I< Chron. 1634. 
S. 431. 

KNÜLLA, Knollen. tK. und 
Schnulla.< Stauden. 

KOBEL, dasselbe was Hobel, 
Behälter sieh H. >Auf dem Ko- 
bel,< Oertiichkeit bei A. >Auf 
den 3 Köbeln« Dietkircher 
Waldname. Siechkobel, Sie- 
chenhaus bei d. WöUenburg Zur 
Henne sagen die Kinder in Beh- 
lingen: Tribfuesz, Trabfuesz, Kö- 
bele, kobb, kobb, kobbi 

KOG, »dukogeterKogU rohe 
Schelte. Isny. 

KOLBEN, der. >A. 1503 fiengen 
die Burger erstmals an, das Har 
kurz abzuscheeren und Kolben 
zu machen. < Gass. K o 1 b e t, glatt 
geschoren. >Die andern sagten 
mir, dasz er sein Kutten aus- 
gezogen und sich weltlich be- 
klaidt, auch sich gar kolb et be- 
scheren laszen.« Chron. 1634. 
S. 215. Zeitwort: »mit rennen, 
schieszen, kolben.« Trojanisch. 
Krieg f. 29*» >Mit trucknen Strei- 
chen über die Faust koIben.< 
Dr. Müller. 

KOLDERN swv. lärmen, zan- 
ken. >Hat angefangen zu kol- 
dern,< Mickhs. Strfb. 163. >Ist 
abermalen für's Haus chomen und 
hat gekoldert und gepoldert.« 
a.a.O. Subst. Kolderer. >Einen 
einen Kolderer heiszen.« Web. 
HauB Strafb. 1787. >Sonnen- 



und Mondkolderer< , bekante 
Pferdekrankheit en . 

KOLERWINKEL heiszt die Ge- 
gend von Streitheim, Adelsried, 
Bonstetten, Kruichen, Herets- 
ried, Marktbiberach u. s. w., ein- 
stens Kölerwonsize; einzelne Ort- 
schaften haben auch- eigene Si- 
ten und Sprache, so dasz die 
Nachbarn sie verhönen. Kol- 
berg häufig; bei Wilmetshofen, 
in Scheer. Kolbächel, Klimmach. 
Pfarrbch. 

KOMEN in abkomen, je- 
mands =:; losz werden. »Wie 
und auf was weg man dieses gro- 
ben Mönches mit Lieb abkomen 
möchte.« Chron. 1634 S. 212. 

KOMET, KÜMET, KUMLET. 
Fichkommet, Ackerkom- 
met. Hart. Inventar. Furkom- 
meter bei Hochzeiten, Leichen, 
Taufen sind die Kutschen, die 
stahlgrünen, blosz gestattet bei 
Landfarten — wenn dabei >die 
Fuhrkommet er« angetan wer- 
den. Poliz. 0. 1688. 

KÖNIG in Königstnrm in 
A. »Da ist noch heutiges Tages 
ein Turm der Königsturm ge- 
nannt, auf dem hohen Wege, 
wie man's heiszet.< Königs- 
schanze in A. im SOjär. Kriege 
bekant. Gass. Königsbühel im 
Sohwabecker Saalbuch 1481 : >von 
dannen bis an den kunigsbi- 
chel.< Zacher S. 239. »Der obrost 
Vogel, das Küniglein.« Zaun- 
könig, cgm. 812 f. 80*. Königs- 
kraut, Pflanze; von der Teuer- 
ung in A. Brachen Netlen und 



Constanz — Kopf. 



287 



Kftnigtkraat, Herren, das 
da war angebaut. Holzmann. 
Königfürer bei Gonlin: >and 
hat man mit harter Mühe die 
Königffirer — seind diejenige, 
welche allen s. v. Unrat bei nacht- 
fieher Zeit ansffiren — zu seinen 
Todtengribem gebrauchen mö- 
gen.« In Ulm heiszen sie Znm- 
p fei er (vgl. mhd. zump. penis), 
in Nürnberg Pappenheimer. 
Schmeller II, 307: Nachtkönig. 
König und Königinenfest 
in Kempten und Memmingen, ein 
nraltes Kinderfest sieh Anhang. 
Das Stdtr. von Memmingen lY, 
19 (Walch II, 283) beschränkt 
ess: >in den deutschen Schulen, 
den Knaben- und Mägdleinschu- 
len — so als Miszbrauch abge- 
•ehafft — sollen die Eltern nicht 
in der Stadt, nicht auf dem 
Lande Malzeit halten.« Am 
hl. Dreikönig tage kamen wie 
allgemein üblich auch Bettel- 
bnben als Könige und sangen 
das bekante Lied: Wir komen 
daher ausz aller Gefar. Die 
Straszberger waren die eifrigsten, 
sie kamen nach Groszaitingen u. 
Umgegend. Ein Spottreim: 
Die hl. Dreikönig mit iarem 

Steara, 
Sie freszet und sauffet und zalet 

it geara. 
Das Dreiköniganschrei- 
ben ward in A. wie in Constanz 
und sonst gegen Almosen von 
den Klostermönchen , in der Re- 
gel von den Bettelmönchen vor- 
genomen. Sie schrieben das 



übliche Kaspar etc. an die Türe 
unter Besegnungen. 

Ein Rätsel in d. Stauden heiszt : 
'S ist kleiner asz a Mäusle 
Und hat merFensterle als aKö- 

nigshäusle? (Fingerhut.) 

CONSTANZ, die Bodenseestadt, 
fast imer one >n<. Die »Co- 
stenzer phenninge< sind un- 
gemein häufig erwänt blosz als 
»Costenzer,< ganz wie Aus- 
purger, Rotwiler. »Zehen 
pfund Costenzer an dieStadt 
geben.« Memming. Stdtr. >Von 
ainem malter gerstun zwen Schil- 
ling Costenzer.« a. a 0. In 
den Stauden , wie fast allgemein 
schwäbisch, komt im Kinder- 
reime vor: 

Konstanz ligt am Bodasea 
Wear^s itt glau))t ka selber hingen. 

Eine Schnellsprechübung : 
Z^Constanz unter der Rhein- 
brück ligt a junge Rehleber, a. a. 0. 
Vrgl. Mein Wbl. 52. »Kosten- 
zer Kylwe« in der 2. Woche 
des Herbstmonats, cgm. 97. 

KOPF, der. 1) das bekante 
Aderlaszinstrument. >Das Laszen 
das man tut mit köpfen ausz- 
wendig an dem Leib ist gut« 
>Mit köpfen laszen wider das 
Kratzen.« Regiom. und in der 
Astronom, oft. 2) die Ulmer 
Krautköpfe scheinen im 15. u. 
16. Jh. eine beliebte Augsburger 
Speise gewesen zu sein. S. 99*. 
3) Als Waldname der Augsburg. 
Umgegend besonders eigen; da 
finden wir: Ablaszkopf, Hau- 



288 



Köpferle — Korbes. 



senkopf, Forrenkopf, Kapu- 
zinerkopf, Brunnenbach- 
kopf, Holzwartkopf , oberer 
und unterer Gränzkopf. For- 
raköpfle bei Groszaitingen und 
Währingen. Hartkopf b. Hart. 
4) Pokal, Becher (cupa, cu- 
pola, umgestürzte Kuppe) oft, 
selbst noch landesüblich da und 
dort. Grafif IV. 371. S. hat: ver- 
güldten silberin Kopf, crystallin 
Kopf, Becher und Köpf u. s. w. 
In der Rottenb. Gegend heute 
noch : K p f h a u s f. Küchenkasten 
Schüszelrame ; Schenkköpf, 
grosze kupferne oder zinnerne 
Krüge, Zeichen von Wolhaben- 
heit bei Hochzeiten. Hottenburg. 
Red. A. »Und wäre der Wege- 
lagerer hinder dem Kopf weg- 
gangen, wo nicht gleich eben 
in der Stunde, da er gericht wer- 
den sollte, seine andere Fraind- 
schafb für ihn gebeten. < Gass. 
>Da der Bischof den Kopf aus 
der Schlingen zogen.« a. a. 0. 
Schelte: Mezakopf, Meza- 
grend! Dickkopf. A. Bama- 
ko pf, in blosem Haar? A Adj. 
köpflingen. Frank. Rätsel in 
den Stauden: Wenn ist der Ma- 
ler one Kopf? Wenn er zum 
Fenster hinauszschaut. 

KüPFERLE dim. in der Bau 
Ordg. >Wer zu seiner Notdurft 
ein Brücklen oder Steg über den 
Lech machen will und er der 
Orten kain aigen Geschlacht 
hatte oder ihn sein Nachbar auf 
sein Geschlacht nicht wollte 
auflegen lassen, so mag er sol- 



chen Steg wol auf Köpferlen, 
aber auf keinen Pfal oder Saul 
sezen < 41. 

KOPPEN swv. zum Kapaunen 
machen. Volkübl. »dasz 16haanen 
gekhoppet und andere Gilt- 
hiener in Bereitschaft gehalten 
werden. < Mickh. Akt 1682. Adj. 
koppig, eine Pferdekrankheit. 
>Es ist auch dasselbig päd für 
die reidigen und koppigen ros.< 
cgm. 732 f. 32. 

KORB, der. Der K. der Buzen- 
bercht, gefürchtet bei Kindern, 
sieh Anhang Eisenkörbe, Git- 
ter an Fenstern, in der Bau 0. 
öfters. Red. A. »darfst da Korb 
traga, wenn ma da blinda Gaul 
zum Schinder fürt.< Burg. Yon 
einem gesagt, der zu nichts da 
ist, änlich wie das bekante 
»wenn man da Hund hänkt, 
därsch 's Loaterle traga.« 
Der berüchtigte Korb am Schnell- 
galgen: >Und dieweU auch die 
Becker (a. 1442) in solchem ge- 
meinen Elend täglich groszen 
Betrug mit dem Gewicht wider 
die gesezte Ordnung übten, liesse 
der Rat einen Schnellgalgen 
mit einem Korb zurichten über 
die Lachen auf dem Plaze zu St. 
Ulrich — auf welche die gesezt 
sollten werden, so solche Betrü- 
gereien im Brotbacken brauch- 
ten und waun sie also lang ge- 
nug dem Volk zum Schaospil 
darauf geseszen , alsdann in das 
unflätige kotige Waszer herabge- 
stoszen worden. < Gass. 

KORBES heiszt das al^geio- 



Korpus — Eozen. 



289 



gene Sohaf one Kopf und Hin- 
terteil. 

KORPUS in Burgan ~ Leib- 
geding. 

KORN, spr. KkQTQ, nieder- 
■obwb. K äa n n, anderwärts K o n n, 
in Schwaben oft fiir alle Getraide- 
Borten, orkdl. und mündlich. Af- 
terkorn, Mus ausz A., oderAf- 
tervesen. Das Kornhaus in 
A. a. 1505 erbaut; an s. Stelle 
kam später das Zeughaus. Korn- 
gült wie Habergült u. s. w. 
häufig. Stauden. Kornwurm. 
»Damit aber die Wucherer und 
Kornwürmer das Getraid nicht 
aUm hoch steigerten.« Gass. 
Teilkorn. cgm. 154. Bischöfl. 
Yogtkorn zu Währingen. 1282. 
Korngeschau als Zeitbestimm- 
ung. >Zu der Korngeschau.« 
ogm. 164 f. 12». 15». 20» >In der 
Korngeschau.« f. 38^ >Und 
Bol aime apt oder seim anwald 
mit 18 pferd von aime mittag zu 
dem andern über nacht mit eszen 
und trinken, futer und mall nach 
notdnrft halten undverzeren, wo 
es fueglich ist ; nemlich im h e r b st, 
im bauding, immayding und 
in der körn schau.« f. 20». >für 
das bauding in der Korn seh au 
und Fasnaeht.« f. 38^. Ein nie- 
deres städt. Amt war das der 
Kornschreiber und Korn- 
rürer; nach dem westph. Fri- 
den gab esz von jenen 4, pari- 
tätisch; von disen 10. Esz gab 
seit diser Zeit 16 Kornmesz er, 
2 Korn-Umgeldschreiber. 

Red. A. laz Kerle mach mi nu 



itt wild, sonst sag i diar was 's 
Koara gilt. Seh. 

Adj. >kornblau tuch.« Ott. 
Ruland. 

KOT, der, spr. K&et. Schau- 
fel kot: >um einen guten Weg 
zu erhalten, des Scheufeikots 
auszzuschlagen.« Fisch. Stat. Im 
Tegemseer Kochbüchlein heiszt 
der Nov. auch Kotmonat neben 
Allerheiligen- oder Wintermonat. 
Zeitw. bekodigen bei Conlin. 
Ankotigen. Seelen W. »Fauler 
Kotsack« Leib. cgm. 215 f. 97» 

KOTTUM, Cotton. »Feiner 
und roher K.« Weber Akten. 
Augsb. K. Ostindische Kot- 
tumtücher. a. a. 0. 

KOZEN, der, swm. Kittel, Jan- 
ker: >ein alter K.« >Für seine 
Ruhestatt diente dem hl. Vic- 
torius und für sein Unterbett der 
harte Boden, oder, so er gar 
sanft ruhen wollte, der Strohsack, 
für das Oberbett ein alter Ko- 
zen.« Ehrenfest 1699. >daz (die 
Gaiszeln) teten sy unter ainen 
Koczen mantel, der was nit 
von edelm gewant.« cgm. 3. 
»Englische Kozen.« 0. Ru- 
land. >D6 leget Sant Sebolt sein 
kozen auf das waszer und swamm 
darauf hinüber: wann er trug 
allweg ein härin hemd und ein 
kozen.« Alter Legend. Druck. 
1472 in Aulendorf. f. 186. Oft 
für Furmann's - Wolldecke. 
Közlen, Finnen im Gesichte. 
Oberschwaben. Die wilde Sta- 
chelbeere heiszt die Koz. Ober- 
schwaben. 

19 



290 



Enbekwedel -^ Erant. 



ERAGHWEDEL, alter gebrech- 
licher Greis, der sich durch kind- 
isches Gebaren lächerlich macht. 

KRAGELN swv. schreien; von 
Kragen, pöbelhaft für Hals. »A 
greaglete Stimm, a greaglets 
Lueder< Schelte in A. ea für ä, 
etat e, ist ünregelmäszigkeit. 

KBÄGGAHOFERFELD bei 
Memmenhansen. 

ERÄL , stm. Reisachhape , um 
Borzen zu hanen , Dächsei bei 
Rotweil. Meitingen. Eräl dürfte 
wol zu Eraiwl, Eraib^l (nie- 
derschwäb.) gehören, das als Flur- 
name für zackenartige Felder vor- 
komt. Ahd.chrewelu.cronwel. 

ERAMETBERWASZER, das 
Wachholderberwaszer. Poliz. 0. / 
Vrgl. Frisch I, 543»*. 

ERÄNEEN swv. »dises Muesz 
kränket mir meinen Magen.« 
Elisab. Bona, Angsb. Druck. 1624 
(Eeyel). 

KRANZ, spr. Kraz; nieder» 
Schwab. E r a n z. In der Poliz. 0. 
von 1735 sind verboten: die ro* 
ten Kränze auf den Hüten der 
Hochzeiter. Femer rote mit 
güldenen Schnüren oder 
Perlen umbwundeneEränze 
an dem Hochzeitfest selber. >Den 
von dem dritten, vierten und 
fünften Stand aber sollen allein 
grüne und keineswegs rote 
Eränze bei 15 fl. Straf zu tra- 
gen erlaubt sein.« InderHochzt. 
Ordg. V. 1532 : >Die 4 Jungfrauen, 
so dieErenzle auf derHoch- 
zeit ausgeben, die mag man 
zn beiden Hoohzeitmalen wol Ift* 



den.« lEs sollen aaoh weder der 
Braut noch jemandt — kain 
Eranz geben, der mit Perlen, 
guldin oder silberin mit Seyden- 
schnüren umbbondeB seien, denn 
allein dem Preytegamb, Gesten« 
u. s. w. »Denen vom Herren- 
stand — denen ein Eranz nmb 
einer Unze Gold umbwnnden ge- 
geben werden mag «^ sollen allein 
Eränze von grüner Eräatelwar 
ausgeteilt werdMi.<a. 8. w. Kran- 
zeljungfrauem. P. v. Stetiian, 
Erl. 196. 

In dem Fugg. Inv. Icomt vor: 
» ein gestrickkter Fürhang «mb ein 
petk sampt dem dazu g^ehöri^en 
Chranz.« >Leinwatene Fürhang 
mit den dazu gehörigen Chren- 
ze n.< AUgem. schwäbisoh ist das 
Backwerk, Kranz, Kransle, 
aneh Zopf geheiszen, von seiner 
Gestalt eines geflodhtoneaZ op fe s, 
kreisförmig. 

KRAPPELN nnd zappeln = 
sich abmühen; echt Angeb. Rede- 
weise. 

KRATSGHEN swv. soUepp- 
foszig einhergen. >Dn alter Er at- 
Boherl« Biesz. 

KRAUT in Krantnndeln, 
eine Art Eierhaber mit Erasi, 
beliebte Speise in den Siaadsn. 
Krautstrang, Abteilnng eaam 
Krautbeetes. >Bürzeln krüi.« 
cgm. 144. Schreikrant. Gonün. 
Krauthirten, *geld, Wihring. 
Pfarrbnch Krantwüra (-Wir- 
me) heiszt der Volkswiz die kar 
gelberger; sie banea und aeaen 
•er vil Erant. Krastachttier, 



Erasen — Elisen. 



291 



luiges Erautmeszer. Dillingen. 
Zwischen Biberach und Herets- 
ried ist eine Ortschaft, der man 
naehsagt, mansiededasErant 
nur auf einer Seite: dieHäu- 
ssr sten alle auf einer Seite der 
Strasse. In einer Yergleichung: 
Oleiidi wie ein Erautkopf ob 

dem Cragen 
Den Eopf sie kaum konnten er- 
tragen. 
Yoii Hungersiechen. Holzmann. 

KRAZENswY. >In diesem 1479 
Jare hatten die Bodiser Herren 
aoss Indulgenzen — 28,000 fl. 
sasamengekrazt.< Erazer, 
Krazeisen b. Glatteise, in Wurml. 
nur Ei seien geheiszen. Eraz- 
ohr, Name eines Hintersaszen. 
S. 206*. Eräze, kleine abgefal- 
lene Metallstüeklein. 

ERÄZEN, spr. Ereza swm. 
u. swf. 1) geflochtener Handkorb. 
2) Alles korbartig Geflochtene, 
bes. Eut sehen, a) >Einen run- 
den Er ätzen.« Fugg. Invent. 
»Item es sollen fürohin kain Mez- 
gav, Mezgerin noch ire Diener 
und Dienerin, weder Multem, 
Krezen, Schüssel noch ainichs 
ftüders Flaisch darein zu tun, 
esnnemen, bei Straff von 15 kr.< 
Mezg. 0. 1549. > Wann die Frauen 
und Dienstmägd mit dem E r e z e n 
auf den Markt oder in die Mezg 
smd gangen. < S. 361. >Al8 dero- 
halben etliche Soldaten einsmals 
auf ein Weib gestoszen , welches 
nach irem Gebrauch einen Ere- 
sen an dem Arm trüge, legten 
sie abbald Gtewalt an und bemüh- 



eten sich ihr den Erezen vor 
dem Arm hinwegzureiszen; diese 
wöhret sich mannlich, muste doch 
endlich, weil sie zu schwach wäre, 
iren Erezen dahinden lassen. 
Die Soldaten von der Beut aller- 
freüdig, eilen dem Wirtshaus und 
offnen den Erezen und finden 
darin einen Schunken Ton eines 
Weibs Eörper, darab sie dann 
erschrocken, den Erezen sampt 
ihrer Beut an andere Orte ge- 
worfen haben.« Denkw. 86. Red. 
A. >Dear tuet se um, wie 3 Oier 
im Ereza,« sagt man v. Bauer, 
wenn er noble Gäste zu bewirten 
sucht. Günzb. Burgau. b) »Ban- 
den mich in die Krezen.« Elei- 
derb >Ein Stattkrezen voll« 
(Semein). Greiff72. >Damach hat 
man den Enthaupteten auf ein 
Krezen (Eorbwagen) gelegt.« S. 
419^ Erezenwagen, Einder- 
wagen. Hupfinskrezle ein leb- 
haftes Kind; echtAugsb. Ereza- 
gässle vorderes, hinteres, in A., 
Erezenwinkel. Redens-Art. 
>Auf die Krezen schlagen,« 
Geld bei Seite tun, auf dem Markte, 
wie Dienstboten oft tun; milder 
für Stelen. >Krezenmachen 
und saure Milch« sieh den Feg- 
sandruf im Anhange. 

Krezaweible, ein weiblicher 
Waldgeist in der Nähe von Gri- 
moldsriedimsog. Krezahölzle; 
esz hockt am Brückle im Tal und 
ängstigt die Leute. Hat imer ein 
>Krezla« bei sich. Die Sage von 
korbtragenden weibl. Wald- 
geistem wiederholt sich oft; ich 
19* 



292 



Kreiden — Kreuz. 



erinere nur an dasKrata weib- 
le bei Tuttlingen. Volkst. I, 60. 
Für Rückenkorb, der geschlos- 
zen ist, komt auch das bayerische 
Kraxen vor. 3) >Demnach ist 
auch zu Rom selbst noch vil köst- 
lichere Gebaüwe in das Krez 
gangen und verstorben.« Gass. ? 

KREIDEN, Feldgeschrei, Feld- 
zeichen, Schlachtruf. S. 149 hat 
Krayden >mit der Gloggen.« 
Im Tro j . K. > nach gegebner G r a i- 
den.< >Kriegskreiden.<f. 25*. 
Bei G. V. Ehingen: Kr y dem. 
Mhd. kride, ahd. kradam, fra- 
gor, tumultus. Graff. IV, 696. In 
einer Constz. Chronik sogar Cr e y. 
Quellens, y. Mone 11, 53*. Bei 
Frank: >wan er west der krey- 
den nit ze nennen, also num er 
schaden.« Kreide nschusz in 
d. Ordgn. v. 1647: > darnach bei 
dem Tor, so der Brunst am nech- 
sten gelegen ist, Befelch geben, 
dasz man die Kreydenschusz 
thüe und hernach auf den 7 Pla- 
zel abdanken. < 

KRELLEN,einhauenmitd Kral- 
len V. Kazen; ahd. chrewelon ? 

KRENKE im cgm. 201 f. 40*: 
>daz sein Hals lenger werd denn 
eins krenks.« >und ob er hett 
einen lengem hals gehapt denn 
ein krenke.« Kranich? 

KREUZ, das heü. von Klim- 
mach, ein ausz dem hl. Lande 
gebrachter Kreuzpartikel; seine 
Schicksale, die im zu Eren an- 
gestellten Feste sind ganz volk- 
tümlich geworden. Die Bürger 
von A. stiften bis heute noch das 



ewige Liecht und haben Prozes- 
sionen nach Kl. gehalten. 

In A. ein oberes, mittleres und 
unteres Kreuz, Oertlichkeiten 
mit Kreuz ergasse. Hl. Kreu- 
zerlehen bei Währingen. Bei 
Günzb. ist ein Plaz »beim spa- 
nischen Kreuz«, Flurname; 
Herzog Alba sol hier Rasttag 
gemacht haben. Steinerne 
Kreuze als Markzeichen (Urkd. 
1564) und Warzeichen verübter 
Freveltaten, wie allgem. schwab. 
>Er sol auch in die Mark ein 
steynin kreuz sezen, dreier 
schuh hoch ob der erden da dann 
der totslach beschehen ist.< Wem- 
dinger ürkde. 1446. Im Saalbuch 
des Gerichts Fridberg von 1460 
(Raiser, Beiträge S. 18. Pfeiffers 
Germ. I, 85 ff.) stet: »Mein gnä- 
diger Herr hat von Fridberg aus 
zu gelaiten bis über die Lech- 
brückezum steinernenEreuz, 
gen Augsburg gelegen« u. s. w. 
Kreuz knechte 1629: >Ein 
Schreiber, ein Kreuzknecht 
oder Pfarrmesner ist anchans 
der Zech zu besolden und seine 
freie Behausung mus von der 
Zech (fabrica eocl.) besteaert 
werden.« >Der Kreuzknecht, 
wenn er verburgert ist, ist seines 
Dienstes ausgenomen für einen 
Burger zu halten, d. h. nioht n 
, übergehen bei der Aasteünng ras 
der Zech.< a. a. 0. Kreask4se 
hieszen emals in d; Donsuwörther 
Benediktinerkloster, d. h. in dessen 
Höfen zubereitete sohmaekhAfte, 
urspr. Bohweizerisoh» Eäie; one 



EJriechel — Enunm. 



293 



Feaer bereitet mit dem Wappen 
des Eloflten, ungefar 5 Pfnnd wi- 
gend. In mit Wein beneste Tu- 
eher eingesehlagen liessen die 
Kftee nch gegen 2 Jare anfbe- 
bftlten. DieEreazkäse bildeten 
Mieh eine Abgabe in Tegemsee. 
EoobbücbL Die üngerbanser ha- 
ben dem Erenz hereingeläatet : 
em waren Ifigthanfen. Red. Art. 
Eya: Nein, eszen ta ich von die- 
sem Banm nichts, Erenz über's 
Manll es ist verboten. Seh. 

Erensbrezen bei Gonlin: 
>Merket diese B^ebenheit wol, 
ibr Moller nnd Becken, und laszt 
die Sonn- nnd Feiertag in so 
groszem Respekt als euren Din- 
mltag, sonst werdet mit dem Ten- 
felnmdasErenzbrezen ziehen, 
welches beede in Ewigkeit tor- 
mentiren wird.« 

ERIEGHEL steinhart; esz hat 
gefiroren wie Eriechel, orspr. 
blan yor Frost, so blan wie 
blaue Pflanmen sieh G. 

ERIE6EL, >i han 'n an da 
Eriegel ghenkt.< Seh.? 

ERIE6SHERREN, 3, nach dem 
westph. Friden; eine städt Be- 
hörde in A. 

ERIEN >and kryet denhot 
niehts darinnen.« S. 194. ? 

ERISTENTÜM in der pöbel- 
haften Red. A. >Wenn du nett 
still bist, nao schlä i diar dein 
Eristatnm in'sG'sibht.« Günzb. 
Gegend. 

ERIWES, ERAWES in folgen- 
der Zauberformel, welche die 
Einder sprechen beim Spilen, um 



dem andern Unglück zubereiten: 
Eriwes, Erawes Hexawerk, 
Der Deufel stet am Berlaberg. A. 

ERONTÜCH eine mit Erönlein 
gezeichnete , bes. Tuchart. > Ge- 
bleichtes Erontuch.< Akt. Je- 
der, der Maister werden wollte, 
muste ein grobes, ein dickes 
und ein Erontuch weben. 17. 
Jarhundert. 

EROPFET, >eine andere hatte 
eine kropfete Nasen, also dasz 
man sie wollt für aussatzig hal- 
ten.€ hs. Die kropfigen Mäd- 
chen oder Buben, in Tänzen 
öfter. 

EROPHIN adj. zu Erepon. 
Akten. 

EROS, spr. Greas, Halskrause, 
Wolkenkrägen. Ereashansel, 
prot. Geistl. Augsb. »Er ea sauf- 
tue rin werden, d. h. etwas 
Mühsames untememen. 

EROSPEL, die. >Sein Eamm, 
eine Substanz , welche nicht ver- 
härtete Haut, noch Erospel, 
noch Fleisch ist.« Gockel S. 
Schmell. H, 395: Eruspel. 

EROT, Eröte. »A viater sauft 
asz wie a Erot.« Seh. Erota- 
schinder, kleines Brotmeszer 
der Enaben. Sie (die Spötter b. 
Anblick eines kurzgebliebenen 
Menscben) nennen sie spottweis 
punkete Krotten, Berchtles 
Garnerwaar, kleine Pumpernickel, 
kleine Spizkappen, Grillenreüter, 
Eartenmännel u 8. w. Conlin. 

ERÜMM adj. >an der krum- 
ben Mitwochen.« cgm. 168 f. 48». 
>Eine krumpe Buchen« als 



294 



>TVj ein kraaiaier Has.*iel l 
&zvigeB vu un.«^ den Tees- 
ich.'Bi — K> VST ick doehcwäs 
däbi^i« Teror&.> KLäiaiiL 117. j 

KruB. Wise bei KÜEssACfL. ; 
Ercm^r Hof. Fisdaehier FI. ; 
X. Krümp.XamefvreinfiSsrecke i 
des Fro«cfil}«ciie9. [ 

KÜBELREITEB hicssa die ■• 
weiche bei öffentlichen Spilea sof . 
f^wA licherliche Weise die ilten 
Tamiere nAchunten. P. t. Stet- 
ten. Eri 1«3. 

Allgemein ichwibis^ und in 
den Standen, besonders Tolktöm- 
lieh ift der Tanz: 
Beim Eübelwirt. heimKübel- 

wirt 
I>i keret dTomp« eL 
Und venn ae - s Geld venoSk hand. 
Xä schiebet se 's Gläale ein. 

Dafür Angsb. >Beim Dirgele 
Wirt. 

Wenn mel Moeter 's Kübele 

rürt, 
Xao geit sie mier 'n Butter. 
Sie streicht 'n aofn Beasastil 
Und schlagt mir*n aofn BnckeL 
(y iederrieden ) ! 
In den Standen heiszt ein Ein- j 
derabzälspil : 

Campas haot in Kübel gachiia 
Wie vil Nägel ear verbiaza 
1, 2. 3. du bist frei. 

KÜCHLE, das bekante schwäb. 
Backwerk, pastillus. Graff FT, 
360. Mein Wbl. 53. In der Ja- 
cobflpfründe: Qnatemberküch- 
lein und Fainachtiküdck- 



ieia: b«ide in 6«ld tpiter er- 
«en zs ? kr. od 20 kr. Unter 
F a f Tiaektküechle Teratand 
man oft ebte Malzeit, eine Ab- 
cabe. GÜL die ein Gleichberedh- 
tzf^er, L Bl C^pHeldierT oder 
Etobero' bei LAeasleoteEn zu 
etlie t i « od sa beanapnichen 
hasteL McHtena war ezz Etikott** 
«die. In Tefermeer Kochbüeh- 
kin kosen tot: einzogen e 
EiccUL prannte K. Milch K. 
HanbeteK. BeiCönlin: lehwäb. 
BanrenküeekeL Die Kne- 
ehelbaeher komen in der Mül- 
ler 0. T. 17d5 neben den Becken, 
Brauen. Melbenu Hadrem. Brani- 
weinezn. Drenüem od Zneker- 
baehem tot. Im Fngg. Iny. liet: 
ein Rohr zamKnecklemachen 
nebet Küechelspiesz. Am 
Liechtmesstage braute Jeder^ 
mann in Grotiaitingen ein Ideeht. 
Die Bnben «eiten öne Ere da- 
rein ir Liecht brennend nach 
Hanse zu bringen Wem ezz ge- 
lang, bei dem hiesz en: de am 
muesz ma Küechlen backal 
Einem ebbia küeckla, aaiz- 
koehen. bildl. böse (oder spöttii^ 
KÜCHLEIN wie hochd. im Kin- 
derrnm (Standen): 
Eia popeia sddaf t'Kü ekel- 
chen todi 
Leck mir kein Eier 
Und friu mir kein Brot! 
Ruinen wir dann die FederolMm 

ansz. 
Machen dem Bübchen ein Bett- 
chen draan. 
Eia popeifti daa iit eiM Not 



Enohl — Kuh. 



2»ö 



War Bdienki mir 'n Pfennig 
Uad Zsübnr and Brot. 
Y^rioMf mir mein Bettchen 
Und leg mioli aufs Stroh 
Slidit inioh kein Feder 
und beiszt mich kein Floh. 

KÜGHL, Küche« KuoheL 
»Lateinische Küche.« Apo- 
theke. Alt. 1) Kuchindieivst 
und Wiegelt, eine Abgabe an 
84. Ulrich, cgm. 154 f. 19^. 26. 
27 u. ». w. In Mickhansens 
Beohngn 16. Jhd. oft: Kuchl- 
dienet zu Geld angeschla- 
gen neben Hof- und Handdienst. 
2) Kuohengeld, Erleggelt, in 
den Web. 0. >Item et sol ein jeg- 
licher Knecht 6 Pfenning in die 
KnChen geben von einer jeden 
Wochen.« 1549. 8) Echt Angsb. 
ist der Knchenmichel, eine 
Art Eierhaber, ein Auflanf von 
Eiern, Mel, Milch, Zucker, was 
in Weiszenhom a Durranand 
(Durcheinander), im Riesz G m o g- 
glets heiszt. In Seuse^s Briefen: 
Tun wie eine Kuchen dirn. 
Kuchennuz (A.), niederschwb. 
Kuoheschmuz, einer der sich 
gerne in der Küche bei Mägden 
aufhält. ^ 

KUDER, 1) Bodensaz der ausz- 
gesottenen Butter. 2) Ein Kü- 
derle Zehentheu. Mickhansens 
Bechgen. 

KUGEL: >also kam ihm der 
Markgraf zwischen Kugel und 
Zu.« Frank. 

KUH. Kühloch ein altes 

. Wirtshaus. Urkundl Kühloch- 

mäber, Augsb. Kuhgässchen. 



a. a. 0. Kühbarn, >umb ein 
Thannen zu einem Khüparn.« 
Forstrechgen. 1664. Heiligen- 
kühe sieh H. >Wax und Kuh- 
zinsen.« £[limmach. PfSärrbch. 
Herrgottsküehle, Marienkä- 
ferlein: 

Herrgettsküehle 
Fliech über drei Stüehle 
Fliech über da Rhein 
Lasz heint und moara 
Guet Weaterle sei! Stauden. 

>A. 1431 verbrannte man 
einen auf einer Kuh, die hatte 
er lieb gehabt « Chron. 1634. S. 
108. A. 1532 ff. hiesz in A. ein 
Protest, geword. Geistlicher Ku h- 
hienl, weil er für sich und seine 
Familie eine Kuh herumfürte. 
Ein Herzog Wilhelm von Baiem 
tumierte mit dem tapfem Georg 
Rem, der einen schwarzen 
Stier auf Schild, Wappen und 
Helm fürte und fragte >wer ist 
denn diese schwarze Kuh, die 
so tapfer um sich stoszt? >Der 
Dank, sagte er, gehört der schwar- 
zen Kuh.« Gullmann I, 73. Das 
Schlaifen der Verbrecher nach 
dem Richtplaze auf Küh -Häu- 
te nkam in A. ebenfalls vor. Einen 
Fal vom 7. März 1585 an einem 
Doppelmörder, den man in Stutt- 
gart fieng, fürt Gullmann II, 141 
an, einen 2. v. 1588; der Ver- 
brecher hatte 30 Morde auf sich. 
S. 148. Das Zerreiszen mit glüh- 
enden Zangen war damit ver- 
bunden. 

Kuh melk er heiszt eine Art 
Mauerschwalbe, die sich gern auf 



296 



Kaien — EuUen. 



die ruhenden Kühe auf der Wai- 
de sezen , esz auf das Euter ab- 
sehen, wie das Volk sagt, in der 
Tat aber das Ungeziefer fangen. 
In Oberschwaben heiszt esz: >'s 
Kuahalter hö,< d. h. das 23V> 
Jar zurückgelegt haben, weil man 
da die Kühe abschlachten musz, 

KÜIEN, kauen. >Brot,Flesch 
k« nur von Menschen gebraucht. 

CHÜMBÜST-PÜTIGIN. ürkd. 
1282. MB. 23. S. 158. 

KÜMLICH = bequem. >Pyer 
und ain kummelich Trank.< 
cgm. 601 f 101*. Kumelich, 
sonst. Kömblich> geändert, ver- 
beszert und in eine kömbliche re 
beszere Ordnung gestellt.« Ma- 
rienlied. 1593. Vorrede. Dillingen, 
Maier. 

KÜN. >Der küne Bach oder 
Gang.< A. 1623 von Herzog Wil- 
helm in Abwesenheit seines Sones 
Maximilians in der Mehringer Au 
zu stechen befohlen, um der Stadt 
das Siebenbrunnenwaszer zu ver- 
meren. Gullmann 2, 144. 

KÜND. >Item sie haben sich 
gehalten für die Khunden und 
uns rechte Christen für die ün- 
c h u n d e n oder für die Fremden. < 
1385. Horm. 1834. 120. 

>Ain8 von den Khunden soll 
ains von den Fremden zur Ehe 
nemen.« a. a. 0. 

KÜNDSCHAFT , 1) Auszweisz, 
Zeugnis, auch eine Art Wander- 
buch, das derAnkömling bei der 
Weberzunft dem Altgesellen und 
dieser dem Vorgeer weisen 
mosz. »Und so der Fremde sol- 



ches Kundschaft pringt, als- 
dann soll er zugelaszen werden.« 
Weber 0. 1549. »Der Altgeselle, 
der umb die Kundschaft fra- 
get.« 18. Jh. >Eine Kundschaft 
auzfertigen « Auf der Kundschaft 
war in Kupfer der Ort der Ausz- 
stellung. 2) K. auf e. legen = 
auszspähen. 1647. K. einnemen. 
a.a.O. Ztw.yerkundschaften. 

KUPFERIG, blaurot im Gesicht 
vom Trinken. »Er handelt mit 
Kupfer, er hat ein Kupfer- 
bergwerk« d.h. eine versof- 
fene Nase, ist neu. 

KURREN swy. u. 8ubst. >Das 
Murren und Kurren der Israe- 
liten.« H. S. 

CURTISAN. >Und ist Mathaos 
Ehem in einer Schafhant ein Gnr- 
tisan geworden; und ist N. zu 
dem truzlichen Kurdisan gan- 
gen « S. 458*. 

KUSTBROT, das, imStdtr. öf- 
ters. In einem Augsb. Pergament- 
Blat 16. Jhd. noch iKustbrot 
bachen.« Schazbrot, Probebrot. 
Zu kiusan, Kieser. 

KUTSCHE, eine gemeine K., 
eine stahlgrüne K. >Ingleiolien 
soll ihnen bei Leichen^ Hochzei- 
ten — nur mit einer gemeinen 
K. in einer stahlgrünen K. zu 
faren erlaubt sein.« Polis. 0. 1688. 
Verdächtige K. musten bei den 
Toren angehalten werden. 

KUTTEN. 1) Bretter, to nm 
den äuszersten Teil des Herd- 
kamins festgemacht sind, worauf 
Geschirre sten. Katten und Ka- 
mine. Memm. FeaarOrdg. 1766. 



Kutteln — Ewittanz. 



297 



Scliädliche Fenentätten, Kut- 
ten eta a. a. 0. »An Eümichen 
Kutten, 80 jedesmal durch einen 
iiiqiarteiischen und nicht Ordi- 
narikomichkerer besieht werden 
«ollen.« >Bauchfange, Yorkümiche 
und Kutien.< Feuer 0. 1731. 
S) Im Fugg. Inv. erscheinen als 
»Baisskleider« : Schwarze glatt sa- 
meine Kutten mitGk)ld prambt 
und feyelbraun gülden stuck aus- 
geschlagen. — Mit Silber prambt 
und weiszen Atlas. — Mit atlas- 
senen Porten prambt; schwarz 
gemusierte Kutten, vom mit 
einem Wambes. — Mit Seiden- 
porten prambt. — Mit Atlasz- 
porten prambt. — Mit güldenem 
Geschling u. Seidenporten u. s. w. 

KUTTELN, die. In einem Zau- 
berspruche (bei Conlin) den man 
auf einem Zettel am Halse tra- 
gen musz, stet: 
Fieber hin, Fieber her 
Lasz dich blicken nimmermehr, 
Fahr derweil in ein wilde Au, 
Das schafiFt dir eine alte Frau: 
Sonst muszt du fara in Kutt el- 
fleck, 
Schau dann wie dir die Herberg 
schmeckt. 

Kuttelfusz, eine Speise, ge- 
suhste Knochen. 

KÜTTLER, fartor. cgm. 685 f. 
61^ sieh Knecht. J. Kunzel- 
mann, bürgerl. Kuttelknecht 
in A. Mickhs. Strfb. 1773 — 75. 

KUZLEN. >Beszer wäre esz, alle 
Tag sweimal das hölzerne Kutz- 
1 e n leiden bei den Türken. c Conl. 

KÜZEN swY. maculare: »tet 



sich mit kainer torheit be- 
kuzen.< cgm. 581 f. 75^ 
Schm. n, 347. 

KWACKEN, coaxare, sprich 
gäaxen. Die Seretshofer ha- 
ben den Stichelnamen G&eker, 
Käeggerd. h. Quaoker. Sie gien- 
gen einst mit dem Kreuz in Pro- 
zession in's Lechfeld, da hörten 
sie in einer Räet lache im Yor- 
übergen eine Unzal Frösche 
quacken, waren vor Angst ganz 
bestürzt, warfen Kreuz und Fa- 
nen in die Lache und liefen der 
Heimat zu. Ein Bauer von Pfaf- 
fenhausen gieng an einem Weiher 
vorüber, die Frösche quackten: 
acht, acht, acht! Der Bauer hatte 
12 fl. und war aufgebracht, dasz 
er nur 8 haben soll und warf 
voll Aerger den Beutel mit dem 
Geld in's Waszer mit den Wor- 
ten: dao zälets seil! DiePfaf- 
fenhauser hören das nicht gerne. 

KWARTAL in den Web. Rech- 
nungen: Weihnächtquartal; 
Fastenquartal, Pfingst-, Mi- 
chaelisquartal. Quatember- 
liche halbe Kreuzer, in Web. 
Akten. »Quatemberliche Un- 
kosten.« a. a. A. 

KWEZER, Münzpräger. >Unde 
dazu q u e z a e r unde der gesinde. « 
Stdtr. 

KWITTANZ, Quittung. »Schikt 
er sie — u. damit ein Quittanz.« 
G. V. Ehingen. > Gegen gebür- 
licher Quittanz etwas entrich- 
ten und bezalen.< Urkde. 1564. 
Publ. d. bist. V. 15. 16. S. 80. 
Quittumb, Ott. Ruland. 



298 



L. 



L hat einen doppelten Laut: 
weich und dumpf oder hell 
und scharf. Anlautend ist esx 
imer weioh, desgleichen nach 
einem langen oder betonten Yo- 
cale, Schmalz, Salz. Nach einem 
kurzen tönt esz wie 11. Je mer 
der vorhergende Vocal zur tiefern 
Auszsprache neigt, desto weicher 
wird das 1, bis esz sich zulezt 
zum wirklichen Yocale erwaicht; 
je tiefer n&mlich der betoute Vo- 
cal gegen den Gaumen zurück 
auszgesproohen wird, desto mer 
ist esz auch der Fal mit der 
Auszsprache des%lg^nden 1, wel* 
ches dadurch einen dumpfen, 
holen Laut annimt. Im Bayeri- 
schen erwaicht sich solches 1 zu 
i (j) und zwar am reinsten nach 
u: huiz (Hulz, Holz) u. s. w. 
Nach tiefem a schwankt esz 
zwischen i und e: man glaubt 
kalt, kaet = kalt zu hören. Der 
Niederländer wandelt esz in den 
Silben old, olt zu u, was sich 
ausz dem tiefem Laute des o 
erklärt, teilweise findet auch in 
der Schweiz änliohes stat; von 
Zug und Aargau kene ich esz 
selbst. Yrgl. Weinhold, Gramm. 
S. 162. Esz ist eigentümlich, 
dasz die südlichen romani- 
schen Sprachen diso Wande- 
lung nicht kenen, wirend doch 



im französ. 1 baldi, baldü wird. 
Sollte esz sich unabhängig yon 
der Nachbarschaft im Norden 
und Osten entwickelt haben 
oder fand Wechselwirkung stat? 

Wechsel des 1 mit r, n, schon 
den Ursprachen eigen (Bopp V. 
Gramm. P S. 35. § 20) ipiH im 
schwäbischen Lande , b«Torab 
im augsb. Gebiete eine nicht «n- 
bedentende Rolle. 

1) Im Anlaute wechseln fohl, 
sehn, sehr, kr, kl, pfl, pfir, pl, 
pr; sehn, sohl, sehr: sohle- 
bauchen und schnSbauchen 
zu altem slegibauohen (schlag) 
steud; an sniumo, das neben 
sliumo erscheint, darf nicht ge- 
dacht werden. Grafifll, l.Schlät- 
terling und Schnftttdrling 
(Behlingen) sieh S. Schräm o. 
SchlänzsiehS. Heusohliokel 
und Heuschrickel. kr, kl: 
krystieren und klystieren 
b. Luc. Rem »die doctores cry- 
stierten mich flux.« Krosiel 
und Elostel cgm. 780 f. 28». 
pfr, pfl: pflaumeiFreitUgund 
pfraumigerFr (Groszaitiiigen), 
dazu dw Ortsname Pf raunst ei- 
ten urkdl. Pflunsttttten, Lft- 
nigs Reichs -Aroh. spidL eed. 
III, 480. Franell und FlanelL 
Diso BeispiU -^ esi ÜMitn tioh 
deren weit mer auoelii -^ lind 



399 



sehen neben euumder irgendwo 
embehnisch: eine Form ist aug^b. 
aobw&bisdi, die andere nieder- 
echwäbisdi. Die Eindersprache 
dieüberal 1 f&rr zn sezen pflegt, 
▼olllieht disz anch im Anlaute. 
loh teile einen Angab. Reim mit: 
Ei Jdlgle lasz dein DIeispiz waggle 
Ffidel dnel dein Xäpple sattla; 
Nim am Alm del Ammelei 
Alles muesz heint lustig sein. 

CSonlin braucht das Wortspil 
>mer Schamlot (Zeug) als 
8ohamroth.< 

2) Im Inlaute wechseln in 
erster Linie 1 u. r; 1 und n 
ebenso oft. a) 1 und r: hal- 
bieren, Balbierer ist allgem. 
süddeutsch; Salyet, Serviette; 
s oh m al oz e n , schmarozen , be- 
sonders ausz des andern Krug 
trinken (Stauden); Dölpel, all- 
gemein stat des alten dörpel, 
ddrper: >einen über den 
Dölpel werfen« in der Arcan. 
Nftt. 1627 = zum Narren halten; 
lommerig und lommelig, 
muskelnd von abgeknickten Blu- 
menstengeln, Kerzen, federlosen 
Meszem etc. Das fremde Wort 
Kir ch e erscheint schon althochd. 
doch selten, als Chili cha. Kirch- 
heim ob Augsb. heiszt urkundl. 
1067: Chirichain; v. 1108: Ki- 
liobain. Leutkirch erscheint 
schon frühe als Chilichun; cgm. 
4a6 f. 3» (Lyrer): Lutkilch. f. 
66». Felkilch. cgm. 168 hat 
nur Kilche, in der Kilchen 
f. 24^ an der Kilchwitage, 
Kilchwijftrzeit f. 49^ 53^ Das 



T. N. hat Kilche, Kilwthe, 
Kilchmaiger. In der alaman. 
Grenzgegenjl sowol bayerhalb als 
schwäbischhalb erscheint nur K li- 
ehe, Kilbe, Kilbig yon Rot- 
weil an bis in die Schweiz und 
im ganzen AUgaü. Der 0. N. 
Ruderatshofen heiszt urkdl 
839: Hruoldishoya. Das Land 
Sargans im cgm. 436 f. 57*: Sal- 
ganserland. Margershausen 
0. N. urkdl. 1150: vüla Madel- 
gereshüsen;l5. Jhd.Malgers- 
hüsen. Herzog von Mel an (Me- 
ran). Feigele, Füsz. Chr. Wald- 
berg urkdl. Wertberk Viac. 
27^ neben Wartberg. Langen- 
eringen O.N. urkdl. Eringun, 
A r i n g a, hat ein 1 erhalten : L a n- 
generlinge u. s. w. Ich ver- 
gleiche das mittelalterliche C a r p i 
am schwarzen Meer, das alte 
KaXn»!. Thomas, Periplus des 
Pont. Eux. Denkschriften der k. 
bayer. Akad. X. Band. Das ein- 
gewanderte i^a^ff o; (Narde) heiszt 
urspr. nalada. Lassen, Indisch. 
Altert, m, 41. Ueber den Wech- 
sel von r und 1 im Griech. sieh 
Christ, Lautlehre S. 124. 125. 
üeber asiatische Dialekteigenhei- 
ten, Lottner in Kuhn's Ztschrfb. 
VII, 19 ff. Im Deutschen auszer 
Grimm sieh Hahn, ahd. Gramm. 
11. Mhd. Gramm. 24. Lauchert 
24. Weinhold S. 162. Kehrein I, 
§ 140. b) 1 und n: Fazenitle 
und Fazeletle sieh F. zorn- 
ling und zornin g. Riesz; häuf- 
len neben haüfnen, cumulare, 
wozu warscheinlich der Weissen- 



800 



L. 



steinische Flur N. Haifnet und 
Haiflet gehört. Obstler und 
Obszner. Förstne^ u. Först- 
ler. Die Bischöfl. Straf 0. hat 
f.24»>: Künstner für Künstler. 
Ortsnamen: Wesselbronn cgm. 
570 für das versteinerte heilige 
Wort Wessobronn (Altomün- 
ster). Rutenstat bei Nördlingen 
heiszt urkundl. Eudelstetten. 
Hermanstetten ist MB. 6,569 
und 22, 130; 23, 64—65: Her- 
molastettin. Vergleiche dazu 
das oberschwäbische Tettnang 
neben dem yolküblichen Tett- 
lang, urkundl. Tetinanc 882. 
Palermo heiszt in Augsb. Chro- 
niken Panormo u. s. w. üne- 
bele (Unebene) eine grosze ge- 
meinschaftliche Oedung und ein 
emaliger Waidedistrikt zwischen 
den Gemeinden Pfersee, Stadt- 
bergen, Eriegshaber, Oberhausen 
und Augsb., jeztFest- undExer- 
zierplaz. 

3) Im Au sz laute sind die 
Fälle des Wechsels von 1 und r 
ungemein zalreich ; im Augsb. Ge- 
biete besonders. Schlagwort für 
lezteres istDäedogribl, Toten- 
gräber; Todtengrebel bei S. 
f. 570^ Brigelmeister (Brei- 
ger-) Brautfurer, im Eleiderb. 
Flesohhäckel Stdtr. u. Mezg. 
0. 1549. Baumbig gel, Heher. 
Stauden. Lauf fei, Landlaüf- 
f el allgem. Yrgl. Schmell. Gramm. 
§. 122. Fuszgengel, Frank. 
Ständer und Ständel, Klei- 
derhänge. Zundel und Zunder. 
Hagelschwanz, Ochsenfisel, 



wenn man Hagen, das wirtemb. 
Schwab, ist, nicht nemen will, so 
verweise ich auf bayer. schwäb. 
Hagel, Heigel, Ortsfarre. Kla- 
ge 1, Memm. Stdtr. oft. Sau- 
rampfer n. Saurampfel, mhd. 
Sürampfer. Wb. I, 31, wofür 
häufiger das ülmisohe Guggauch 
erscheint. Zaireich sind die cör- 
pel bei S. Regiom. 1512. Troj. 
Krieg. Todtencörpel ebenso. 
Der btutige Cörpel u. s. w. 
Kif el (Kifer) >wadieZän herausz- 
getan.< Augsb. Mezg. 0. 1549. 
Holdelbluost, Astron. 7**. Mer- 
bel, Marmel, Glucker, SchuBzer- 
steinchen; allgemein süddeutsch. 
Rudel, Ruder, cgm. 257 f. IP. 
113*. »ain schiff an Rudel.« 
Kärkel f. 66^ P ran gel, auch 
bei Th. Paracelsus. Priol, Prio- 
lin häufig in Urkunden. Pan- 
teltier,pantel,panth6ra.G.Bur. 
Nib. ankel senkhen, hefte den 
ankhel cgm. 254 f. 7» (bayer.) 
Torwärtel, allgemein Augsb. 
Käuffel, Underkaüffel in 
Schriftwerken. Küchel froher in 
Augsb. üblich; in Mickh. Rech- 
nungen: Kucheldienst. Mir- 
tel, Mirtelöl, Myrten, ogm. 
144. üngel, Ungarn, die: »item 
a. Dom. 1679 ist der üngel in 
Oesterreich auferstanden.« Leit. 
bloszim cgm.225. (Ulrich Füterer.) 
Honigwefel cgm. 97 f. 22. Eoht 
volktümlich ist gpruil, Spreuer, 
ahd. spriuwir; bei Füszen: 
§pruibl, anderwärts ggpruiL 
»gfpruil haot ma 'mgsät < sieh 
streuen, ünzifer ondüniibeL 



L. 



301 



Raigel u. Raiger. Mörsel u. 
Mörser. Mörselstain T. N. 
Getäfel und Getäfer contig- 
natio. Frank. Täffert neben 
t&ffelt, part. pass. in Mickh. 
Bechnungen 1667 , wozu ich den 
oberscliwäb. 0. N. Tafertswei- 
1er Tergleiche, das Tafltswei- 
l6r gesprochen, nrkdl. aber Ta- 
gebrechtswilare geschriben 
stet. Tigerfeld auf derschwäb. 
Alb heiszt im Volke Tigelfeld. 
Zeitwörter: lottelnu. lottern, 
idlgem. bumpern und bum- 
peln, Naturlaut: klopfen. Conlin: 
Der Vater machte b u m p 1 e b u m p 
Gieng mit dem Schlegel um's Fasz 

herum. 
Kiederschwäb. bompern. Gräs- 
ze's Jägerbrevier hat S. 9, 39: 
Zemmel f. Ziemer. Im Kinder- 
reim Paul: Aor; sieh Peter. 

4) A u s z f a 1. Allgemein ist a s, 
asz als, sieh mein Wbl. 13. II- 
ga, Jilga S. W. Modwerfer, 
Maulwurf. Stauden. Augsb. All- 
gemein ist Eear, Keller. Das 1 
in sollen und wollen fällt in 
der Abwandlung besonders gegen 
die alaman. Grenze hin gerne 
ftusz: dem mond (müszet) ent- 
spricht send und wond. Die 
Abwandlung in meinem Wbl. S. 
10. cgm. 168 hat son, sollen: 
des T. N. ir s n d, w e n d, woUent. 
Das auszlautende 1 in allweil 
fällt gegen die bayerische Grenze 
hin weg oder wird j: 
Allweij jnng möcht i bleiba 
Allweij duggata soll^s schneibe 



Grad dachet uff de plaz 
Wao i siz mit meim schaz. 

Ettelried. 

Der 0. N. Grimoldsried heiszt 
einmal urkdl. Grimantsried. 
Viaca, Anhg. 20. Der Ortsname 
Hirschzeil (Irsee) heiszt urkdl. 
Herileszella. Hiltefingen, 
O.N. urkdl. Hiltelvinga 1239, 
Egatsweiler heiszt urkdl. Ei- 
gileswilare. 9. Jhd. Ichen- 
hausen urkundl. Ichelenhau- 
sen 1032. Der »zergangene< Wei- 
ler Enz weiler urkdl. Enzelwiler. 
1316. Hinzugesezt in: Schlegel- 
berg 0. N. urkdl. Siegeberg. 
Der Flusz Leiblach gen Bre- 
genz urkdl. Liubilunaha. 802. 
846. 850. 

5) Verdoppelung. Ausz Ij: 
Brisillenspähne, Familie u. 
s. w. Ib: seil, selber, ser volk- 
üblich und für bayer. Schwaben 
Schlagwort, gell, wachs gell. 
Conlin. Fürld: Willmetshofen 
0. N. urkdl. Wuldmatshofen, 
sieh oben S. 144**. Die schwach, 
mit -Jan gebildeten Zeitwörter 
haben niederschwäb. 1: zälen, 
wälen, schälen; im bayerisch. 
Schwaben 11: zellen, wellen, 
schellen. Eigentümlich ist Augs. 
Schriften des 15. und 16. Jarhd. 
11 auch nach gedenten langen 
Vocalen : Schall, Schalle, 
Spill, Wiederspill, Sack und 
Meli, Futter und Meli, Tall 
u. s. w. Echt bayerisch ist disz 
11 auch in Seile u. s. w. cgm. 
437 f. 100. cgm. 736 f. 2\ SelL 
Kehrein, Gramm. I, 144. Das 



802 



L — Lache. 



Schlagwort ist Mill, Mille- 
weib, Millesnpp, das Nieder- 
schwaben nicht kent. 

6) Der yocalisohe Nach- 
hall des 1, schon im Ahd. üblich 
wie üldm, Halom, Alsmaoso, 
MilichjEelich — leztere 8 haben 
freilich a, i und u schon urspr. 
nach 1 — ist echt Schwab. Augsb. 
sieh Näheres bei R. 

7) Die Umsezung von r und 
1 in Ilorle (Ulrich) üorlis- 
bronne bei Elimmaoh. d9 
uorle ruofe, vomere, allgem. 
V. Naturlaute. Bei S. üor lieh's 
Kirchen. geurblot=: gonrlaubt 
U.S.W. Inichelt u Inschlet. 
Chroniken. 

8) Das diminutive -el, woffir 
schwäbisch le, la stet, hat sich 
von den Ostlechnachbam bis tief 
ins Augsburgisohe herein ver- 
pflanzt. Sohmeller Qramm. 8. 
122 hält esz falschlich für einen 
Wechsel dee n und 1. 

L in Schnellspreohübungen der 
Kinder : Mari I leg da {anga Irada 
al Stauden. In Donauwörth: 
Lang mer da langa Xattanagel 
rauizl 

LACH diminutive plurale End- 
ung mit dem Begrif der Menge 
besonders des haufenweise Bei- 
samenseins: 1 ist der diminutive 
Ueberrest für -lin, -lein und 
ach ist altes ahi = lat. etum. 
Sieh mein Wbl. 95. Schmell. §. 802. 
Die alamannischen und sohwäbi* 
aohen Denkmäler haben das Wort 
Tom 13. Jarbd. »b nicht selten. 



Schon Grieshab. Predigten weisen 
grieszelach, semelaoh auf. 
Zu den in der Mundart 8. 81*. 
81^. angegebenen Beispilen füge 
ich: >KleineFischlach<,pisciou- 
los minutos b. Terenz , Andr. II, 
2, 52. clm. 12274 f 10»». (16.Jhd.) 
Die Pfründ. 0. v. 1462: Küech- 
lach, Hasenerlaoh. Frank's 
Annalen: zwei Zwilach, Stät- 
lach. cgm. 270: merlach, 
schiechlach, zopflaoh. ogm. 
402: Hemdlaeh, Disehlach, 
Sticklach, Eindlaoh. Luc. 
Kern: Trenklach. Die 2 Spiz- 
lach in dem C(>mpasz..Eegiom. 
1512. Der cgm. 601: ÄrmUch, 
Zepflach (Zäpflein), Aüglach 
f. 97»>. 104^ 105» cgm. 206 f 
101*:Mädlach.cgm.683:hünd- 
lach, catellL cgm. 808 f. 27»". 
körn lach in dem plut. kün- 
lach. Zimerörlach u. s. w. 
meiniu kindlach. cgm. 229 f. 
59*. schäflach cgm. 845 f. 85*. 
lemlach f. 108*. zwaigütlach. 
Wemding. ürkde. 1480. Sender 
hat vile Beispile, sieh Mundart 
a, a. 0. und f. 847*. >Diser Lu- 
ther hat da prediget und deut- 
sche bieehlach geschriben.« 

LACHE, Pfüze, als Flurname 
häufig: Küngslachen, Küns- 
lache urkundl. Laokafeld bei 
Memmenhausen. Vgl. das wiriemb. 
Schurlaohen (Buchau), Hnn- 
gerlachen (Braunenweiler), 
Gan6laohenäeker(£nBentaoh) 
in der Lache (Wald bei Bit- 
singen und Altenttaig, b. Adel- 
berg, Herberüngen» Seibnau il 



Lade "^ Luchen. 



SOS 



8. w. Braitlaehle, Laoker* 
weagäcker (Wurmlingen). 

LADE, die. 1) Totenlade, Sark 
in A. emak, heute nooh da und 
dort übliches Wort. 2) Die We- 
berlade. >Soll ein Knappe, so er 
längstens um 10 Uhr zu Nachts 
nicht zu Hause w&re, für jedes 
solches üebertreten 15 kr. bei 
Straff der Laden, da er von dem 
Meister alldort angezeigt wurde, 
gestrafft werden; zu dem Ende 
der liaister solch seines Knappen 
Üebertreten bei der Laden an- 
zuzeigen gehalten sein soll.« Wb. 
O. Daher >yorgcher, Kornpröbste, 
Geschwome u. L a d en m a i s t e r.< 
Beschaid y. 1751. Zusamensezung : 
Ladendächlen , Ladenfen* 
ster, Ladentüren >so gegen 
die Reichsstrasz auf gen < >Der 
Hausbesizer am Lech mag seine 
Mauer mit l'/t zolligen Brettern 
oder ßtrichläden wol be&i- 
den.< Bau 0. 

Ladenpudel inA., ein Kauf- 
mannstisch mit Schubladen, Fä- 
chern. Zu den Kindern sagt man 
in Behlingen, wenn sie fragen 
was man mitbringt: >A silbemis 
Nixle, a Beitaweile und a Warta 
li(g) und aLädle, wao mas 
n'el duet.< 

LADER, LADERIN. Esz gab 
im alten Augsb. Hochzeit- und 
Leichenladerinen. Die 
Tanz lad er bei Luc. Rem 47. 
In einer alten Hochzeit Ordg. 
»auch mag man den 4 Tanz- 
ladern und ihren Knechten von 
der Hochzeit Morgens wol ain 



Suppen und ziemlicherweifl Wein 
geben, wie dann der Brauch ist 
bishero gewesen; desgleichen die- 
selben 4 Tanzlader zum Hoch- 
zeit-Nachtmal — sezen und hal- 
ten soll.« 

LAFFE, die, Schnabel an Wein- 
und Waszerbitschen. Isny. Ober- 
schwaben. Yrgl. läppen. Ein 
Ztw. laffen komt ebenfalls vor. 

LÄQEL, lagena, in A. Schrift- 
werken 1) Oelbehälter, »von 
der lägelun zwai phunt oels < 
>bringet ein gast oel her, das 
sol er sampt kaufes verkanffen 
unde nicht minuer bi der Lag e- 
lun.c Stdtr. 2) Milchbehälter, 
>also dasz in solchem Geträng 
den alten Baurenweiblin und 
Maidien, die Milch, so sie fail 
hätten, aus den Lag ein ver- 
schütt.« Gass. 3) Fischlägel, 
allgem. 4) Weinläge 1. >Wein 
in Faszien, Lägein oder Fla- 
schen durfte der Pfalzprobst nur 
den Pfalzfähigen hinauszgeben.t 

LAIBEN spr. 1 o ib a, überlaszen 
von Speisen für den später kom- 
menden. Allgem. oberschwb. >Hät- 
tiyt miarwolwas loiba könna.« 
Stand. Niederschwab, üb er lau, 
üeberglaüs (residuae mensae). 
Die alt. Formen b. Schmoll. IL 
408 ff. Niedersächs. leven. >Der 
Handwerksbursche bittet um die 
Loibede und zeigt stat des 
Passes seinen Löffel. < Red. A. 

LAICHEN swv. jagen, treiben: 
>ünd hond da Yoarstand schier 
zum Teufel glaicht. Seh. Stet 
zu einem alten laikjan, spria- 



304 



— LMIg. 



gen machen: nA meine ErkL in 
Kohn's Zisch. XII, 451. 

LALLEN swv. ungezogen, mut- 
willig poltern, lärmen; daher 
Lalle. Strasze. In Behlingen sagt 
man Ton einem boszhafien Bä- 
ben: >Dear ist glallet nnd 
yerboszt.« 

LAMM, das, als Osterabgabe 
im Giltbache cgm. 154 f. 31\ 
Lämmern, das Hemd vom und 
hinten zu den Hosen heransz- 
hängen. IllertaL Anf dem Herts- 
felde>kälbern«. Tgl. d.March- 
taliselien Lämmerheller, eine 

out. 

LAND. Lander (im Allgäa) 
starke Dachschindeln stat der 
Ziegel; landrig, dürr, mager. 
Landflaisch nntorschid man: 
»Gering Landflesch.« Akt 1675. 
Landsbnben: 
Vor Gassentreter ench hüten 
Zolezt pin ich ench yorpieten 
Landzbnben, die im Land um- 

faren 
Dieselben sollen ihr sparen. Alt. 
Sprach Anfangs IG. Jarhd. in 
Angsb gedruckt. 
Landroasz bei Lindau: vom 
Than benezt. 

LANDSHÜT, die Stadt. >Was 
hilft es einen schönen güldenen 
Becher haben, und darinnen nichts 
als einen sauren Landshuter 
Wein?€ Conlio. 

Ein Spruch in den Stauden 
heiszt: 

Wao bist hear? VonLandshut. 
Ist's Broat ao guet? 
Hab itt rägsohnitta. 



Ist der Weag ao weit? 

I hab *n iU gmesn. 

Ist's Waaier ao tuf? 

I bin nett nei gwadda. 

Waorom bist ao tialäg? 

I hab gheirat. 

Was haost Terheiret? 

A 'n aUs Pelzk. 

Was ka'a? 

Ringle gieasm^ 

Wie vil giessta im Tag? 

E1&. 

Wie YÜ geift am hi Kreoaer? 

ZwöUa. 

I wünsch dir Gföek? 

I braneh koin Gln^ 

Bin seall so gachickt 

LANG stm. Frühling. Lech- 
brücke. Längs, bei Füsmu. 
Glenz, Glangs, hie nnd da in 
Schwab. Angab. ArmeibÜGliem. 

LANG, longns. In Fhimamen 
häufig : L a ng e w i s e n. Klimmach. 
Langans, eine lange Kegelban. 
Langstacklig, mit langenBei- 
nen. Allgaü. Auch altbayeriach. 
Lange Tag. »Die Jungfemhöf 
und Compagnien, die man ■onat 
lange Dag genennt.« JareinmaL 
L an g w a t, weifischer abgegange- 
ner Ort bei Türkheim, nnfem 
der Ettringer Ziegelhatte. Saal- 
buch Y. Schwabeck 1481: »Bfiohel 
mit Holz, genannt Langqnat- 
berg stoszet hereinwärta gen 
dem Dorf — und ausserhalb gen 
Langwat zu der Hab.« »Lano- 
wate€ XIL Jh. Steichele I, 334. 
Zacher 239. Langwate heint 
die Quelle der Biber im Wann* 
tale. (Wirtemb.) 



Lftpp -— Latsche. 



ao5 



LAPP, der. >Der arme Wei- 
berlapp.« CSonlin. Läppisch, 
n&rriaoh. Li den Chroniken heiszt 
die mythische Zisabergsage 
»ein läppisch gedieht.« Gase. 
»Dasi die Kirch auf dem Milch- 
markt Ton der Silyanenmilch ge- 
macht war worden, ist aber läp- 
pischer won.« Gass. >Liesze er 
2 Glockentüm von des leppi- 
schen Volks Almosen aufbauen.« 
a. a. 0. >Leppi8cher Aber- 
glaube.« a. a. 0. Ein verwe- 
gener Dieb, a. 1603 gefangen und 
gehängt, schrieb bei wiederhol- 
tem Einbrach ins Rathaus auf 
des Banschreibers Tisch: 
Meine Herrn sind rechte Lappen: 
Sie können den Higgihaygehayo 
nicht ertappen. 
GnUmann 2, 188. Mein Wbl. 66. 

LAPPEN swv. 1) oft trinken; 
l&ppericht, mit kraftloser Brühe 
überfuUtes Gemüse u. Suppe. Ton 
Hunden, Ochsen : Waszer 1 a p p a •= 
taufen Stauden. 2) >Dasz die Nar- 
ren etliche Stunden um das Haus 
herum gegangen, und keiner die 
l^ür hat können finden: sie tap- 
pen hin, tappen her, tappen oben, 
tappen unten, läppen hin, läp- 
pen her, läppen oben, läppen 
nnten; haben nie die Tür funden.« 
Conlin. 

LARIFAIU oft im H. S. 

LÄSZIN, das Aderlaszen; in 
derAstr. 80^: »4 Lessiueu sind 
in dem jaure, in den es besunder 
gat laussen ist: der erst an St 
Blasistag; der ander uff Sant 



Philipp u. St. Jacobstag in mai- 
gen; der dritt an St. Bartholo- 
maeustag, der viert an Si Mar- 
tinstag.« 

LÄSTIG adj. abgeschmackt, 
sieh öd. >a du bift lägtig!« >de 
lästiga eada Leut.« Stauden. 

LATERNE in dem halb all- 
gaüischen Tanze: 
Und aMa, dea nemma ka, 
Dea muesz a Furma weara; 
Und wenn 'r nemma schnöUa kha, 
N& spörrt man in d^Lateara. 

Die Lepzinger hängten einer 
blinden Kuh gemäss Batsbe- 
schlusz a Lateara an, und trie- 
ben sie zu Markte, damit die 
Juden nicht merkten, dasz sie 
blind wäre. 

LATSCH swf. 1) besond. weiner- 
licher, verzogener Mund, pöbelhaft. 
Aarg. latschen, weinen. >Des 
woisz i schd, drum halt dei 
Latsch, verzottlete Karfreitag^- 
ratsch 1« Seh. 24. 2) Schlaufe am 
Heusaile, womit der Wisbaum 
am Hinter- und Vorderwagen be- 
festigt wird. Ztw. anlatschen. 
Dietenheim, Ulertal. Auf dem 
Hertsfelde LSz. Niederschwäb. 
Schlaufft. Esz gibt auch Flur 
N. Letscher, Lescher? 

Lätschen = pflatschen im 
Allgaü. 

LATSCHARESONNTAG, der 
Sonntag Laetare; im Allgaü get 
alles ins Wirtshaus und iszt 
Schnecken und Stockfische. Esz 
wird da Stärke und Schönheit 
getrunken und abgetrunken. 

LATSCHE heiszen die von Mör* 
20 



306 



Latte -*■ Laufea. 



gen: sie gelten als dumme Leute. 
Latsch, adj. Mhläfrig, gienend, 
b^ groszer Hize matt. 

LATTE in dem Strafbnclie des 
Weberhauses. »Der ist über die 
Latten gangen«, yon Exceszen. 
Vrgl. niedersohw&b. »durch die 
L. gen« entfliehen; >über die L. 
hauen« Excesze begen. 

LÄTTELN, L&t tele werfen, 
kleine Steinplftttoben auf dem 
Waszerspiegel dahin werfen. Pfaf- 
fenhausen und sonst. Anderwärts 
flaigern, flözen, Sohiffle- 
machen. Sieh das Morgenbl. y. 
1816. Nr. 16—19. 

LATWERE, Astr. 2\ one g u j. 

LAUB in den Waldnamen Lau- 
ber und Laüber. Laübera- 
holz. Münster. Laubera, yom 
Bocke = Laub an den Hecken na- 
schen. Löberertail, Hölzlein 
in Mickh. ürkd. Hans Wegelin, 
Inhaber des Lob er feldes. cgm. 
2237. Lanbergasze yon Amer- 
badi nach Wemdingren. Lanb- 
taler, die sog. f^nzös. Ilgentaler 
labgekippte Laubtaler«. 
Akt. 1726—61. Ein Dekret yon 
1767 ward yom Rate erlaszen 
wegen »abgekippter falscher 
L aubthaler«. Kai. y. 1769.S. 30. 

LAUBE, LAÜBLE, allgm. L ei- 
bele. Abtrit, inA. seit demyori- 
gen Jh. nur mer als Schülersprache 
üblich, üeber die Ableitung sieh 
mein Wbl. s. y. Im Augsb. Stdtr. 
ist ausz dem XY. Jh. f. 22^ eine 
Randglosse, welche den Gebrauch 
des Wortes feststelt. >Wan si 
mit goties hilfe dinstat gemdret 



hat und der liute m^r worden 
sint, genüget niht, das man diu 
Laubline niwer an zwaien ste- 
ten in den Lech gte sol als yon 
alter an dem buche gestanden 
ist. Und habent diu Rätg^ben ge- 
sezet, daz man allin laubline 
niwer in dem Winter räumen und 
furben sol und sol iederman in 
den Lech heiszen tragen bi der 
naht und an chainem taga Sie 
habent auch gesezet, swan der 
rihter diu laüblin fürben sol, 
daz er daz niwer bi der naht 
tun sol und in dem wintor und 
sol bewaren, daz man es in die 
sträze niht schütte oder an die 
wende itt chlaibe. — S6 hftt je- 
der burger wol gewalt, das er zu 
einem laübline gewinne die im 
alre beste tügent.« Sp. 2. »Unde 
sol auch des leyblins niwan 
dri schuhe stän ob dem Leohe.« 
»Ez ensol euch niemen kein leüb- 
1 in haben, wan daz bedeckt u.« 
Gloss. l 59*. In den Web. Rech- 
nungen erscheint Sekret und 
und Preyet dafür: »item wenn 
man das Sekret oder haimlioh 
Gmachrommen wilL« »Hatman 
das Preyet gromt.« 

LAUFEN, LÄUFER, Lauf- 
gelt. Schw&b. ist laufen =gen 
überhaupt. Die »Laufe«, IHar- 
rhöe bei Kälbern, Stauden; nieder- 
schwäb »die Laufete« aneh 
yon Menschen. Lftufel, eine 
Magd, die nicht gerne axbaitet» 
dafür aber hernmBchlendem mag. 
Unterl&nfer, »wider daagepoi 
tond auch die Underlaftffer 



Lavf en -^ Lavifiarm. 



807 



und ünderlamfferin , die da 
petschsft fören zwiaohen Frauen 
und Maimea und die sie ein- und 
snnlawen.« ogm, 269 f. i. In 
der Mftle: »Ein jedlioher Boden 
soll in einer Malmulin eines hal- 
ben Zolles weiter sein, dann der 
Lauff er.« »So an einer jeden Mu- 
Uii solle der Boden anderhalb 
ZM höher sein — die Zarch an 
einer jeden neugebauten Malmüle 
solle ob dem Lauff er V» Zoll 
Höhe haben.« Sigertshof. Mül-O. 
'Der obere Mulstain, soneten 
dev Laüffer genannt.« Faulha- 
ber 1617. Augsb. Frank. Lauf- 
gfeld erhielten in A. solche, die 
maxik in den Krieg schreiben 
lieesen.« Ordnungen yon 1647. 
Laufende Knechte, die Ange- 
worbenen. 

LAUGEN swv. Zinn u. Kupfei^ 
Mlkigen; sieh ablieben. 

LAÜNZELE, Kazename, Lieb- 
•kosung. - 

LAURA, die, am Wagen das 
Yerbindungsholz der Leiter mit 
der ftuszersten Axe. Allgäu. Grosz- 
aitingen. 

LAUS in der Schelte: du bi§t 
a Lausbual der andere sagt: 
dtto dmne Laus seil r5! Laus- 
blume, Colchicum auctumnale. 
Pfiiffenh. Lauskaserne, scherz- 
weise altaagsburgisch fär Haar- 
beotel. Lauskerl I Schelte. 

Rekne susamen: 
Soiiullehrer arbeit mit Fleisz, 
DICaza flunget Maus, 
BVettelMt band Laus. Burg. 



Ein Lied indenStaadenliMizt: 
A Schinder und a Laus 
Die yoa^brei a-n-ander hrouse; 
Die Laus die ist so keek 
Und wirft da Sehinder in Dreok. 

Ein Einderreim: 
Der Schneider und a Laos 
Die foadret se a-n-andei^ tousz; 
Der Schneider nimt da Elaetab 
Und schlecht der Lails A Bip- 

pa-n-S. 
Dia Laus die keart se um 
Und schlecht da Schneider krum. 
Die schlecht da Schneidei^ auf da 
glinka Fuesz 
DasB der Schnöder zum Schin- 
der muesz. 

Mäggele, mägg mä 
A Schüszele vol Ha 
A Schüszele voll Laus 
Ist 'm Schneider sei Speis. 

LAUSMETTEN, Landes, bor. 
oan. Im ogm. 168 »man sol euch 
niemer gelüten ze lausmetti 
und nach dem tischsegen.« f 1*. 
»Swelch collect man aber an vä- 
het in der wochen, die sol man 
ze lausmetti anyähen.« f. 2*. 
»die antiphonas ze lausmetti.« 
f . 4^ »le lausmetti an allen 
sunnentagen.« f. 5*. 5^. 7*. u. s. w. 

LAUSNIKEL, Schelte: »Dieser 
Hauswolf, sein Weib , hat ihme 
die schmächliohste Namen gege- 
ben , unter andern hat sie ihn 
öfters einen Lausnickel ge- 
nannt.« Conlin. 

LAUSTERN swv. lauem, sonst 
scrutari, perscrutari. »Als er da 
20* 



Lautgarben — Lech. 



— gegen derMesz — auf unsere 
Eaufleute gelau8tert.< Gass. 
>Auch das Wiltprett au schieszen 
und umzebringen laustem und 
warten. < Herzog Ulrichs £rla8z 
1543 Reysch. IV, 78. Luysterer, 
explorator. Jun. Nomencl. >In- 
hians: hlustrenti.« Diut. 1,256. 
L AÜTGARBEN, Mesnerabgabe. 
AUgem. Elimmaoh. 

LAXIERKITTEL hiesz emals 
scherzweise inA. der Schlafrock. 

LAZ, stm. 1) Band wie mhd. 
Weigand, Wb. II, 15. >da warf 
im N. ain handzwechell mit einem 
Laz an Hals und zuckhten ihn 
herab.c 8. f. 811»». 2) Schieber, 
Yorschieber. Allgaü. 

LEBZÜCHT, die, Narung, Fort- 
komen. >Dasz alle Brief, darinnen 
einem ein Lebzücht verschri- 
ben gewesen — sollen cassiert 
und aufgehoben werden.« Gass. 
> Welche jr und dem Stattlin Frid- 
berg, als jrer Morgengab — und 
darauf sie die Leb zu cht hatte.« 
a. a. 0. Schmell. fort Leb- 
sucht auf. 

LE in dem merkw Ardigen 
Worte >Gunzenle<. Nieder- 
schwaben spricht ai in Burga- 
lai Birhtinle sieh mein Wbl. 8.v. 
Das Volk um das Gunzenlö 
herum müste, wenn esz das Wort 
noch hätte, Gonzalea sagen. 
Sieh oben E. S. 138^ Ich fare 
ausz Pfeiffer's Abhandig. Germ. I, 
81 ff. die Formen an: Concio- 
legis, Gunzelen. Conciole- 
gum, Cuncile, Guncile, Cont- 
selech, GunzenU, Günsel^ 



Gunzzille. Erklärung von S. 88 
ff. an. Bei Gass. Cunzilech >an 
dem Ort, so dazumal Conciolegum 
genannt wnrde und ser herrlich 
erbaut ward.< Ueber die unrich- 
tige Meinung, als sei eine Burg 
dagestanden sieh S. 88. a. a. 0. 
Dise Angabe vor Grusius. Bei Grass. 
stet noch Contzileoh u. Gun- 
zilech. Ueber scharfes h, hh der 
Lechleute sieh Lautiere von H. 
LECH, Licus. Im Stadtr. stet: 
>wie wit die Laeche sin suln.« 
• — »Der nächste Laech under 
dem berge, der da heizzet Lui- 
poldes Laech, der sol haben 
zwelf schuhe an der wit in. der 
ander Laech, der da heizzet 
Elessinges Laech, der sol 
yierzaehen schuhe wit sin. der 
dritte, der da heizzet des Ge a m v 1- 
ners Laech, der sol auch yier- 
zaehen Schuhe wit sin. der vierde 
der da haizzet des Rotig er s 
Laech, der sol saehzaehen schuhe 
wit sin.« Jezt zerfallt der Lech 
indenhintern, mittlem und 
vordem Lech. Der hintere 
und mittlere Lech hieszen die 
2 Arme des Stadtbaches, die sich 
beim ürsulakloster von einander 
teilen. Der vordere L., Brun- 
nenlech, entspringet inderMeh- 
ringer Au, 4 Std. von der Stadt. 
Der Ochsenleoh: gegen das 
Krankenhaus hin wird der Spar- 
renlech so genannt. Der Lan- 
terlech entspringt an der Land- 
strasze nachFridberg. 200S<diritte 
östlich vom Schwibogentore gibi 
der Stadtlech einen nor d wi rt a 



Leckerle'— Lehen. 



309 



genden Arm ab, der Sparren- 
lech genannt. Lechmeister- 
bach ist eine Fortsezung des 
Herrenbaches. Bei Gass. wird der 
rKlessinger oder Radlech er- 
iriat. »kömpt ansiserhalb des 
fiehmidbogens anss dem Lech 
in die Statt < In der Bronn. 0. 
Ton 1754 wird einSchwallech 
neben dem yordem L. genannt. 
Das Lechfeld begint süd- 
lich von Haunstetten, zieht sich 
am linken Ufer des Lechs hin 
gea Landsberg, w&rend esz am 
rechten Ufer bis an die Höhen 
▼on Mehringen und Eissingen 
flieh anszbreitet. Lechgaüer 
eimd die alten Licates. Gass. Die 
Lechhutte vor dem Schwi- 
bogentor. Gass. Lechhütten 
worden a. 1548 den Mezgem über 
den Lechkanälen erbaut, des 
SUen Gestankes halben. »Das 
Leohfelder Hea< in Chron. 
ölters 1684 111 »Waszerinden 
Lech tragen.« wie allgem. Li 
der Bau P.: Lechabläsze »hat 
das geechworene Amt alle Jar 
snr gewonlichen Zeit die Visita- 
tion sowol an der Sinkel, als 
an den Lechabläszen bei bür- 
gerlichen Gütern zu verrichten, 
bei welchen selbiges zum wenig- 
flten alle 8 Jar einmal dieLech- 
weitin der Bachmüttern in den 
BLeohen d. Stadt ebenfalls zu 
▼isitieren verbunden.« I, 12. 
Lechraumung (Müllerpflicht). 
Lech verwarn ng zu Yerhüt- 
nng des Hineinfallens. 51. 52. 
LEGK£RLE beliebter Augsb. 



Auszdruck fürLebkachen, Pfef* 
ferkuchen. — - Leck zelten und 
Leszelten sieh unten. Leckisch 
adj >So gar au 's löckischt 
unter all, und 'sdümmischtThiar 
dös wau's nua geit.« Seh. 

Legkerlin? Im Giltb. cgm. 
154 f. 7\ 7\ 8\ u. s. w. >Mer 
1 sack Roggen, 2 Legkerlin 
am 3. ikr 3 Legkerlin. Mer 1 
Aychacher Mezen lLegkerlin< 
U.S. w. od. istLeg-kärlin(kar) 
anzusezen? In den Stauden oft 
Leozelta. 

Hau a häusle aufbaut 
Und mit Leazelta deckt; 
lazt kommet die Narra 
Und freszet mors weggh. 

Leckmel T. N. 

LEDIG in der Red. A. »Le- 
dig sterba ist au ett verreckt.« 
AUgaü. Ztw ledigen, befreien, 
vacuare. Haltaus 1214 >Das ich 
nit sobald darvon ledigen 
möcht.« G. V. Ehingen 24, 10. 
ledigen, abledigen v. Kreuze. 
Bebenh. Pass. f. V* >Von Ge- 
bresten ledig t.< J. Frischlin. 

LEGMESSE sieh oben Dreis- 
zigist; die meist in der Gottes- 
acker-Kapelle unmittelbar nach 
der Beerdigung gehaltene stille 
Messe; in den Stauden, in Rein- 
hardshausen einst üblich, jezt sel- 
tener. Reinhardsh Pfarrbuch. 

LEHEN hat sich noch jezt er- 
halten »für längst gefallene Ver- 
hältnisse« in Flurnamen u. s. w. 
Lehha, Währing. Flur N. neben 
Erblecha. Lehn er: Halbbauer, 
der ein > Lehen < hat und mit 2 



310 



LeiboL 



Pferden ackert. Wertachtal. Alte 
verschwimdebe Benennangen : 
Holzlehen, Prugglehen, 
Pfeffer leben (1242). Zacher'f 
Schwabeck 81. 111. Im Gihbeii. 
cgm. 154 f. 1^ »von ainem kon- 
geliehen 1 Schaff Roggen ge- 
■tfichen.« Foretlehen 16*. 87*. 
Tischlehen, 29». Gaitela- 
lehenT^ Bnrgelbeckenlehen 
8». Greinerlehen 9*. Kngel- 
lehen 9*. sieh Kongellehen. 
>yerlehenter Man< häufig im 
Stdtr. Lehenbüchel b. Wie- 
dergeltingen. Lehen gntscher 
öfters in PoL Ordnungen (1785). 
Im Schwab münchnerD erf- 
rechte (Herberger Schwabmün- 
chen S. 20 ff.) stet: >Anch hat 
der Amtmann gute >Ga8tleh6n< 
deren eines 8 Schaff Kern gibt, 
»wof&r er einen guten Mari- 
stall« haben soll, um dem Bi- 
schöfe, wenn er auf- und nieder- 
ritte, >die Rosse zu stellen, 
so vile zu seinemSattel ge- 
hör en.< Bedürfte er ihrer zu tu, 
so soll er die Nachbarn bitten, 
dasz sie ihm die übrigen Roese 
stellen nach seinem Willen. Im 
Dorfe sind auch 2 bischöfliche 
Hoffischer. Komt der Bischof, so 
sollen sie ihr Hofhez nehmen 
und bis nach Erringen gehen und 
ihrNez einsezen bis herab in das 
Dorf, worauf dann jedermann 
fisdienkann. Den Fischern sollen 
dafür die »2 Klobell eben« im 
Dorfs Flax geben zurAuszbeszer- 
ong der Neze. Das >Garten- 
lehen« soll dem Bischof« wenn 



er in das Dorf komt , Kraut ger 
iivg geben. Wenn man an St. 
Georgentag die Lämmer zusa- 
menbringt, soll sieder »Tri ben- 
lehn er< hüten, damit sie der 
Bischof , wenn er köme , haben 
könnte. Wollte er reisen, so solite 
sie ihm der Triebenlehner 
nachtreiben bis nach Denklingan. 
Das >Schüssellehenc solidem 
Bischof, wenn er komt, in dem 
Amthof Schüsseln geben. Esz 
sind auch da 8 Seil eben, ¥on 
denen jedes 6 SchiHing gibt und 
2 Gänse, femer 60 Erb leben, 
von denen eines 22 Motzen Kern 
gibt und 24 Motzen Haber und 
2 Hüner. Im Dorfe sind 2 Mü- 
len, die man am Montag öftiet. 
Sie sollen sovil laisten als >2Erb- 
lehen.« In dem bisohöfl. Urbar. 
y. 1316 (Viaca 9): >item eet ibi 
(Geggingen) Betterlehen «ol- 
▼ens annuatim ducenta p i o a r ia. c 
Diso picaria sind die auf allen 
bischöflichen Bett erleben (wo 
die Betten fEir das biseköi Naehtp 
lager aufbehalten wurden) g^ehaf- 
tete Verbindlichkeit zur jftr lieben 
Lieferung von Fadenstrüngen, 
hier von 200. Ebendort heisit 
eez >bei Bembeuem mit Zuge- 
hörde wieder ein Beiher leben 
mit der jftrliohen Abgabe von 
12 picariis fili< 

LEIBEN, LEIB, LEIBDIKG. 
Im cgm. 154 stet: »Und ist In- 
verleibt auf die obengenannten 
Leib.« f. 86^ Und ein leben ist 
verleibt. 50^. >Ir beider Snns 
Leib und ak oft ein Leib ab- 



Leiche ^- Leikanf. 



Sil 



f^ 90 ioll aUweg der ilteet en- 
pliahexu«50^. >1 Lehen verleybt 
ga 6 Leyben, stet noch auf 2 
leyb.« 51* >Ift im allein auf 
seinen leib verüben. 54^ Ein- 
Terleibung. >A.lle8 von der 
G«i0tiüohen Böden erkaufte Ge- 
tndd tolle bei einer geistlichen 
Kanitki, Rentamt oder Schreib- 
«iaben mit Einverleibung des 
Jares, Monatstages richtig be- 
Mheinet werden.« Vergleich von 
1663. Leipding. idas L. ist 
auf iren Leib allein.« cgm. 154 
t 13^ Im Mindeltal Leibnist 
•ieh mein WbL Allgaü: Lid dm, 
»wer in der Miete hübet.« 

Leibig, adj. >Leibig und 
fletschig soll die Saügamme sein.« 
egm. 601 f. 99«. >Der Sanguineus 
ist leibig und faist.« Regiom. 
1618. In der Leibe, FlurN. b. 
GQnzburg. 

LEICHE, LEICHT beide ganz 
YerBchiden, volketymologisch zu- 
ssmengestellt. Mein Wb. s. v. 
»Mjenelaus füret Prothesilaum mit 
kenrlicher Leicht hinausz; esz 
riohiet auch Achilles dem Pa- 
troklo totenspil auf.< Troj. Erg. 
71^ In Bobingen ladet jezt noch 
der Todtengriber nach Zuschar- 
mng des Grabes die Umstenden 
ein: »Nach dem Kirch ist al- 
les eingeladen in die Lei cht- 
sapp.€ Die Leichensagerin 
in A. schwarz gekleidet, läutet 
SB der Türglocke des Hauses; 
aehaute man hinausz, rief sie: 
>N. N. ist gestorben. N. N. läszt 
bitten um 9 Ur in Gottesdienst; 



umlOür in die Lei cht.« Früher 
nämlich war, wie in Lechhaoten, 
der Leiohengottesdienet vor dem 
Begräbnis, adj. lieh ig, mortuus 
im Memm. Stdtr. in der Rechts- 
spräche: »die da vor gericht li- 
chig stand, von lebend getan 
habent.« 

LEIKAUF 1) sieh mein WW. 
8.V. »Und dieweil das Ley kauf- 
trinken für hochnachteilig und 
schädlich erfunden wird, solhin- 
furan kain Leykauf um aini- 
cherlei Waar oder Kauf getrun- 
ken werden; aber einen ziem- 
lichen Leikauf mit Geld zu 
geben und zu nemen sol hiemit 
unverboten sein.< Der Stadt Be- 
ruf 1541 bl. 4*. Weberhaus -In- 
schrift: Vier weisze Tuch schenkt 
man der Frauen zum Leykauf, 
thet uns nicht gereuen. 

2) Miet Pfenning, Geld, arrha^ 
das auf die Hand gegeben wird. 
Yerleikaufen swv. Angeld auf 
etwas Gedingtes, Gemietetes ge- 
ben z. B. beim Auf dingen der 
Dienstboten. >Item, ob sich aini- 
cher Eehalt zu ainer Herrschaft 
verdinget und den Leykauff 
empfangen hatte, der soll zuver- 
sprochner Zeit in den Dienst tre- 
ten « Poliz. Ordg. 1553. Lithüs,. 
caupona im Stdtr. >daz reht, als? 
davor geschriben stät sol man. 
halten umbe all pfaffen, die mant 
in lithüsern findet« u. s. w. 
In(Grässe's) Jägerbrevier 8. 16, 72 : 
Wolhin, wol hin zum Leithaus: 
Da schlägt kein Reis die Augen 



312 



Leim — Leonhard. 



LEIM spr. loim: > etliche alte 
Baum sonderlich alte Aychen und 
den Leim darinnen, auch das 
Feuer und Waszer angebeten.« 
Gass. Flur N. sind häufig, weil 
die >Leimgrube< der ser wich- 
tige Gemeindeplaz ist. Leim- 
grube, Acker bei Wahringen. 
>AufdemLaym.« cgm. 154f. 47^ 

LEIN WAT, neben L e i w a t, die 
welsche, erscheint in einem Ver- 
gleiche V. 1638. Das Adj. lein- 
waten oft im Fugg. luv. »Vil- 
leicht trägt derselbe Boden lau- 
ter wilde Trampel (Weiber), 
welche da Gesichter haben wie 
ein Allgayer Leinwand, so 
nur auf einer Seiten geblaicht.« 
Conlin. 

LEIREN, in den, groszes Grä- 
berfeld zwischen Nassenbeuren 
und Hausen. Steichele I, 302, 
der fälschlich auf hleo hinweist. 
Leirer, Gaunername. 1650. An- 
dere solche Namen :Eeszelil659. 
Schramenhansel 1677. Hen- 
nenhengst a.a.O. Yarfasti. 
Bazenbab(1702). Pfeifer-Hie- 
sel (1703). Pommerin (1705), 
Huren wirtin. 

LEISTEN, Streifen in den Bar- 
chetstofifen; in den Web Akten 
häufig. Groszlaistet, Elein- 
laistet vom Bettbarchet. Ein 
groBzlaisteter B. unter 12 
Leisten war gänzlich verboten. 

LEITE, bayr. häufiger, erhöhtes 
Fluazufer. Leitaberg heiszt das 
linke Wertachufer vom Sandberg 
an, T. Bannacker bis Türkheim: 
>Holz, so er (der Bischof) aus 



dem AllgöwiBchen Gebürgen oder 
Leitten auf der Wertach hieher 
bringen liesse.« Gass. Laut au, 
ebendaselbst mit der St. Alto- 
kapelle. Leitengaise inBe- 
benhausen. 

LEIZSCHBIRNBAÜM >dft man 
zält 1468, d& sazt erein leizsoh- 
birnbaum zu dem bronnen« 
cgm. 92 f. 81. ? 

LENDEN, landen im Troj. 
Erg. oft. hinznlenden; der 
Lend hinzuruoken, zu d. Lende 
hineinfaren u. s. w. 

LEONHARD, St. der schwä- 
bisch und bayerisch gleich be- 
liebte Yolksheilige. Die Anas- 
Sprache ist versohiden: Leot, 
Leatrit; Leart, Ldartrit, 
Lienert, -rit; in Yolmaringen 
(bei Horb, Wirtemb.) stand ein- 
stens eine Loekapelle, der 
Plaz heiszt heute Loedorf. In 
Burgan trägt man am Feste St. 
L. >'s Leartlec eine Holnohni- 
zerei mit der Prozeezion herom. 
Inchen)iOfen heiszt von seiner 
Wallfart geradezu St. Li enhard. 
In der Kirche waren auss ge- 
opferten Ketten EisenmsMen 
bis zu 2V> Zentnern als sogen. 
»Leartsnegeli zorüebungder 
Andacht der Wallfiarenden herum- 
getragen u. s. w. Baiser, Wi^ 
pen eta 101^ Lerd oder Leon- 
hard s n a g e 1 zu Buttenwisen hieei 
ein V« Zentner sohweres Bild 
(Göze); an der St. Leonhards- 
kirchweih wurde er von starken 
Burschen betend, oft kniend nnd 
rutschend in aufrechter Stellung 



LorChen. 



S13 



ntühBam um die Kirche getragen. 
Raiser's Viaca 1829 S. 6^. 

Im angfsb. und ganzen wir- 
iemb. Gebiete bis an die Alb wa- 
ren die St. Leonhardsritte; 
in Niederschwaben seltener, an 
niftnchen Ort^n weisz man gar 
nichts davon. Die gewönliche 
Site, wie sie in Blaichen im 
OHnstale Tor 50 Jaren s tatfand 
iriederholt sich überall. DiePfer- 
debesizer erschienen mit Getraid- 
säcken als Kirchenopfer. Nach 
der Benediktion gieng der Kit 
auf groszem Umwege mit den 
leeren Säcken nach Hause, wobei 
Allerlei' Unfug mit dem »Wett- 
reiten« geschah. In Billenhau- 
•en bei Krummbach verunglückte 
ein " Krummbacher Bürgersson, 
worauf von d. Polizei der >L e ar t- 
Tit« verboten ward In Ha- 
beris Weiler fand auch die Be- 
nediktion stat, in der Kapelle; 
in Hiltafingen ebenfalls; än- 
lich rit man am St Yeitstag 
nach Münster. (Klimmach.) A. 1403 
ward auf fireiem Felde vor dem 
Oöggingertor die St L e o nh a r ds- 
kapelle in A. mit groszem Turm 
erbaut. A. 1542 niedergeriszen. 
Esz ist eine eigentümliche Er- 
scheinung, dasz im bayerischen 
Schwaben und nicht blosz erst 
seit der SäkularsationSt.L. ausz- 
sohlieszend als der geerteste 
HeiUge der Landbevölkerung gilt, 
gerade wie in Tirol, in Altbayern ; 
dasz er aber in wirtemb. Schwa- 
ben mit St Wendelin auftrit, 
warend für Niederschwaben wie 



für die Oberpfalz der leztere vor- 
zugsweise als Viehpatron in An- 
sehen stet Eine andere Eigen- 
tümlichkeit ist hinwieder, dasz 
in Oberschwaben wie in Altbayem 
und Tirol die S. Leonhards- 
kirchen fast imer das Warzei- 
chen tragen, und dasz somit der 
Dienst des Heiligen, wie in Bayern 
so auch in Schwaben sich ganz 
gleichförmig auszgebildet haben 
musz: esz fragt sich nur, welcher 
der beiden Stämme sich zuerst 
disem Dienste zuwendete, um in 
sodann auf den Nachbar über- 
zutragen, denn darausz würde 
sich mancher Schlusz ziehen laszen 
auf das Verhältnis beider Stäm- 
me zu einander. Manche Mytho- 
logen wollen in diesem Heiligen 
den Gott Fr 6 oder Froyr er- 
kennen , weil beide in das Amt* 
eines Beisepatrons sich teilen, so- 
wie in das eines Gefangenenpa- 
trons, doch habe ich nirgends 
vernomen dasz zu Eren des Hei- 
ligen auch das Minnetrinken stat- 
finde. L. Rem ruft auf seiner Reise 
und in seinen Angelegenheiten 
S. L. imer an. 

LERCHEN. >Sich auf das Ler- 
chen begeben.« Poliz. 0. »Wann 
auch etliche Jar her einige faul- 
lenzende Burgern sich allein da- 
rum in das Lerchen losz schrei- 
ben laszen, dasz sie die erlaubte 
Zeit über ob den Dörfern unge- 
scheut zeren möchten, sonsten 
aber weder den Zeug dazu ge- 
habt, noch einen Vogel zu fangen 
begert.« Poliz. 0. Die Lerchen- 



SU 



LerhäofleF «■- Leze. 



pläze sind häufig in Vergleichen 
erwänt. Mit Hochgarn 1er- 
chen. 1G24. Lerchen-Neze, 
oder Nezlein sollten nicht zner 
denn 18 Klafter lang sein; die 
Zal bei keiner Partei 80 über- 
steigen (1618). Die hohen Ler- 
chen-Neze waren nur bestirn- 
ten Leuten gestattet. Die Pföle 
oder Lerchenpläz musten we- 
nigstens 200 Schritte von einan- 
der geschlagen werden. In einem 
Vrgl. V 1670 erscheinen als bi- 
schöfliche Lerchenpläze die 3 
zu den beiden Aitingen, Graben, 
Mittelstätten und Ottmarshausen 
u. 8. w. 

LEKHAÜSLER der blosz ein 
Haus, aber keine Güter hat: Tag- 
löner one Gemeindenuzen. 
Lechrain. Groszaitingen. 
* LERNEN Lernknecht, Ler- 
bube bei allen Zünften. Ein frem- 
der Lernknecht hatte beim 
Eintrit in die Lerjare (Ersizjare) 
10 fl , ein hiesiger Bürgersson 
12 fl. , ein hiesiger Maistersson 
6 fl. zu bezalen: gleich nachdem 
Einschreiben V>i ^t^ Ende eines 
Jares V«- Ein zu entrichtendes 
Lern gelt, das nicht par abge- 
stattet werden kan. Das Lern- 
geld bei den Sailem bei drei- 
jariger L er zeit betrug 10 fl. 
Nach Abtrit des erseszenenLern- 
knechtes muste der Maister 2 
Jare mit einem neuen Lemkneoht 
auszsezen. 

LETTENWIRT, beim, alte 
Augsb. Schenke. Esz gab noch 
»beim Lerhaus wirt.< >Beim 



bayer Wirt.< >Beim Paritäi- 
wirt.< >Bei dem Tarner.« >B. 
weiszen Rötsei.« Fähret, 
im Botenlädlein u. s. w. 

LEUCHTE, die, Herd. Krumm- 
bach. 

LEUMÜT stm. hliamunt. Sieh, 
mein WbL 59. Die Au^b. Steuer 
Ordg. hat Leumuth; ebenso G. 
Müller. >Den bösen leümdenirer- 
swaigen.« cgm. 566 f. 1B4^ Ztw. 
die »alleryerleumudten Här- 
terer.« ogm. 635 f. R >d6ward 
sein heilikeit verleumunt in 
weiten landen.« ogm 639 f. 10*. 

LEZE, die 1) Belonung, Trink- 
geld. >Und band nit ain heller 
zu Lezen gelauszen.« S. 522**. 
>Und (Maxim. I) schenkt uns da- 
rauf im Chore zu Lex in ein an- 
gerischen OchsesL € S. 340>». Ztw. 
lezen, zechen. >Er iat am firaind- 
lichs guts Mendlin gewesen — 
und mit ihm gen Nacht geetseu 
und mit jm gelezt.c S. 35S^. 2) 
Landwer, Schuzwerk. Dtlier der 
ftbgeg. Ort Lezen an derStraaie 
von Immenstadt naoh Kempten* 
Die Seiter von Lesen, teils von 
Lindau teils vom Stift Kempten 
abhängige Lehensleute. Leagra- 
ben, foBsa extremitatem s. finei 
claudens et defendens. Haltauv 
1262. >Allwo die Grenzen awischeii 
der LandTogtei Schwaben a. der 
Herrschaft Tettnang angefiaigeiiy 
bis an den Hag am Lerohenbergv 
demselben Hag naoh dem L etsoh* 
gr aben zu und solchem Letsoh- 
graben nach durch das Wuerdh 
am Hols.« 1594. Wegelin II, 150. 



Leeg — liedit. 



315 



L£ZG, leetio. loh före an die 
in A. übiiohen von Capuzinem 
far die Fnui^ gehaltenen Vor- 
trage im 2. und 8. Jarsehnt des 
Id. Jhds. »und sind an dieLez- 
gen gaBgen vil Frauen und Man < 
8. BS6\ »Eeiefa und Arme haben 
darnach der Lezgen mit einan- 
der zeche ntund sind die Frauen 
binder die Schul gangen. (Wei- 
berschole, noch heute.) a. a. 0. 
> Ain Mezger hat haimlich erfaren, 
das« sein Fraw auch an die Lez- 
gen ist gangen und hat sein 
Spech auf sie gehept.< a. a. 0. 
>Eomm her und sag mir die Lez- 
gen auf, was du gelemet hast.« 
886^. Einem die >Leczen sagen 
oder lesen.« Tauleri 8erm. 

LEZT in den asket. Büchern, 
Liedern: »an unserm lezten 
End.« Die 7 Pforten. Ein Lied 
Ton 1593 (Dillingen): 
Am lezten End 
Ich bitt, nicht wend 
Von mir in meinem Sterben 1 

LICHNEN swv. »Der Melan- 
cholische wird gelichnet dem 
alter.« Astr. 81«. 

LID, das, Lücke, Deckel. >Li- 
der- oder Ffahllöcher auf der 
Beiehsstrasz.« BauO »sollen be- 
deckt sein.« a a. 0. »DiePfal- 
Löcher auf Reichsstrasz zum 
Weineinlegen sollen änderst nicht 
vergönnt werden zu machen, sie 
werden dann mit starken eisenen 
Deckeln verwahrt, damit Nie- 
mand verunglücken möge.< 11,43. 
üeberlid, Augendeckel. Astron. 

LIDDIECH adj. »Welcher den 



andern bluetrisz, doch nit bain* 
Schrott, lam, 1 i e d d i ch oder mais- 
selwund, schlecht oder verwun- 
det,« u. s. w >ltem welcher den 
andern bainschrott, lieddiech 
h ä f f t e n d oder maissei wund oder 
jne bainbrüchig, letzig oder lan» 
schlecht oder sticht — ist die 
peen 5 Pfund häller.« Biscköfl. 
Straf 0. 18»>. 

LIDERN swv. prügeln. 
Z'Bibera 
Tuet ma ein' lidera. Oberschw. 

LIDLON: in der alten Rechts- 
praxis in A. gieng verfallener 
Hauszins bei Gericht dem Lid- 
Ion vor. >Dieweilen aber zweier- 
lei Lidion, nemlich einer, den 
man den Dienstboten schul- 
dig i s t, der ander umb gemachte 
Arbeit, so get das Dienstgelt vor 
gemachter Arbeit.« Ordgen. 1647. 

LIEB in asket. Schriften, be- 
sonders in den 7 Porten stet oft: 
>Ein Vaterunser in die Lieb 
nemen.« »Lieblich und gütlich 
vertragen.« Urkdensprache (1410). 
Lieplich versönen. Wemding. 
ürkd. 1450. 

LIECHT. Geschrenkte Li ech- 
ter. S 269^ Bei Liechtzeit. 
Feuer 0. und Brauer 0. 1731. 
Liechtnus Liechtmesse. >An 
unser L. Frauentag zu Liecht- 
nus gait man jn die gewonliche 
Speis.« Pfründ 0. 1462. Liech- 
mesz, Liechtmisz, oft in Schrift- 
werken. Das Stdtr . ze liehmesse. 
Memm. Stdtr. >Es sol auch nie- 
mand hie zu Memmingen ufif de- 
hain ander ZilMägd dingen. 



316 



Liederlicli — Ling. 



den uff un ser Frauentag zu L i c h t- 
mess.« Ein Liechtmeszaltar 
zu U. L. Frauen Kirche. Chron. 
1634.108. Das ewige Liecht in 
Elimmach, weit und breit bekant, 
weil As. Bürger esz seit lange 
unterhalten ; esz datiert sich 
dise Gabe von einer Prozeszion 
z. Elimmach. Heiltum her; sieh 
Elimmach. Liecht braten war 
eine Malzeit, welche die Maister 
iren Knappen gaben, um Mi- 
chaeli, weil dort schon das Ar- 
beiten bei Liecht anfieng. 

>Die Maister und Maisterinnen 
des Weberhandwerks sollen denen 
Webersknappen im ganzen Jar 
nicht mer, dann die 4 hernach 
benamste Fest als den Dinzel- 
tag, den Lichtbraten, St. 
Martinstag und Fasnacht nur 
zum Nachtmal halten.« 0. 17. 
Jarhd. Für L. stet bisweilen 
Liechtgans. Im Fugg. Inv. 
Messingene Liechtpuzer. 

LIEDEULICH 1) von Kranken, 
elend, schlecht daran. 2) >Dammb 
sol sich ein jeder briester nit 
lyederlich hindern laszen klein 
Sachen noch grosz.« Messboh. 1^. 

LIESEL. »die hölzerne Lie- 
se l< inBuchloe, sieh mein Yolks- 
tüml. II, 219 ff. Die Pelzliesel 
im Schiosze Deufstetten bei 
Dinkelsbühl, eine der vilen 8 
Jungfernsagen, die Panzer 
Borgföltig samelte. Freiherr von 
S ecken dorf, K. Kammerherr 
und Arohivsekretär in Stuttgart, 
dessen Eigentum Deufstetten ist, 
schrieb mir die Sage auf. Die 8 



Schwestern teilten das Geld; mit 
Schäffeln ward der Haufe gemes- 
zen; die jüngfste, Elisabet, betrog 
durch Bestreichen der SAoke mit 
Leim die 2 Schwestern and w«rd 
reich, ser reich. Im Winter gieng 
sie in kostbaren Pelsen, woher 
siePelzlieselhiesz. Sie vergrub 
ir vilesGeld, starb undmuszum- 
gen, bis sie erlöst wird. Sie get 
in Pelzwerk um und Mancher 
hat sie schon nächtlicherweile 
des Winters anter dem Schlosz- 
tore gesehen mit schwarzem Hals- 
tuche und Sohlüszelbund. 

LIGEN, 1) im Wochenbette 
ligen, >sie ligt.< Strasze. 2) 
von Zinsen, Schulden: »An alten 
verlegenen Schulden.« Miok- 
hausens Rechnungen 1569. Li- 
ger 1 i n g, Baumstamm 8 — 5" dick, 
14 — 15' lang, womit die Flösse 
zusamenbefeatig^ werden. Adj. 
>mit beständigen li gerhaften 
Krankheiten behafftete.« Alte 
Pfleg. 0. 

LINDISCH, Lündisch, Tuch 
von London, erscheint bei S. bl. 
882^ als Altartuch in der Kirche: 
>und alle Altar mit schwftrzen 
Lindischen Tiechem beddct.« 

LINDACH bei Zusmanhansen 
im Reime: 

Linda, Scheppa und An 
Laufet alle a-n-ander nao. 

LINDAU im Tolktüml. Reinie 
(Stauden): 

Lindau ligt am Bodasea 
Wear's nett glaubt kann*t sel- 
ber aeh. 

LING in Fischnamen: Seim- 



Linhut — Loden 



317 



ling, Pfrilling b. Send. f. 644% 
wo ftls Speise: Alet, Brechsen, 
Eschlach, Rotten, Bersicb, 
Sänglen, Plateislach ge- 
n«int sind 

LIliHUT, Lynhutt: »rauch- 
loeh lynhutt vel fewerloch, fo- 
mnen.« pgm. ^5 f. öö^ 

LINE, im Volke glinkh, 
greacht. DieLi nke od. Links- 
geiger heicnen die Gundelfinger ; 
ein verhönender Maskeneug der 
Lauinger nach G., wo alles links 
verrichtet ward , trug schlimme 
Früchte, denn die Blonzen, 
welche die G. denLauingem be- 
reiteten, rochen garstig. 

LINTGRABEN, Weiler, ürkdl. 
>ein boosgebuwen hat, daz dem 
Lintgraben< u. s. w. 

LIÜMT, L i u m d, fama in utram- 
qae partem. Str.: >einanliümt 
bringen.< »unliümt machen.< 
»beliumnnden.c >in liumunt 
bringen. < Memminger Stdtr. be- 
limden. Sieh Leumut. 

LIPPEL, Philipp. 
Wie der Acker so die Rueben, 
Wie der Maister so die Bueben, 
Wie der Jäger also die Jagd, 
Wie die Frau also die Magd, 
Wie der Philipp also der L i p p e 1, 
Wie der Praceptor also der Dis- 
cipel. Gonlin. 

LO, LOH, sp. L&9 als Wald- 
name. Grimm. R.A. 774 = Wald- 
aue, Wise. Loholz b. Nassen- 
fels. L&eäcker bei Elimmach. 
Weyherloch b. Zusmarshausen. 
Sparloch b. Schellenbach. S e e g- 
lohe 0. N. Sieglohe 0. N. 



Span loh, Wld. b. Mindelheim 
1579. Schleohalohtail, WiU» 
metshof. Flum Badlohtail. a. 
a. 0. Eazenloh bei Dietkirch. 
Hesselloh b. Ried (Neuburg). 
Lobach beiSeng. Schrailoch, 
0. N. Brantlae , Holzkopf bei 
Malgereshausen . Der weisze 
L ädgh au, St ein loh äker, Rein- 
hardshausen. Lädhaus b. Elim- 
mach. Läehof bei Mindelheim. 
Lohe hieszen 3 kleine Wäldchen, 
eine Art vorgeschobener Posten 
der Waldregion nördlich vom 
Eobel am Abfal des Breitfeldes 
gegen das Schmuttertal. Ich kenne 
im Wirtemb. c. 50 Flur- u. Wald- 
namen mit -loh. Die Ortsnamen 
mit -loh ziehen sich durch ganz 
Deutschland bis in die Nieder- 
lande hinein. Wol zu unterschei- 
den ist: Laoch-, in Lochdorf 
urkdl. 12.Jh.Lohdorf— Oster- 
lauchdorf, Westerlauoh- 
dorf — an derGränze v. Eaufb. 
und dem Mindeltal. ürspr. ä, 
volkstüml. au, ao, weist auf 
-lach, -Hchpaum = Gränze, 
Schlagbaum hin u. stet zu altem 
lekein, incidere. 

LOCH allgem. für Gefilngnis. 
Bei G. Müller; > hernach gen 
Loch gefürt und als Aufwigler 
und Fridensstörer beschuldigt. < 
Lochen, ein Loch machen. Ober- 
schwaben n a 1 o c b a , begraben. 
Neue Löcher machen, neue 
Schulden aufhäufen. 

LODEN allgem. ein ganzes 
Stück leinens oder woUens Tuch. 
Lodweber, Wollenweber. Nach 



318 



LoSEA — Lösien. 



4iner üriconde v. 1629 wurden den 
Hausarmen , katol. Bürgersleu- 
ten järlich Bween graue und 
zween schwarze Loden yon 
den Zechpflegem ausflgeteilt 

LÖFFEL, >mitdemgro8zen 
L. e8zen< zu Gast geladen eszen, 
einem groszen Gastmale beiwo- 
nen. — Im Hart. Invent. komen 
Fomblöff el, Fischlöffel, 
Schopflöffel , Bundkellen 
oder Löffel vor. A. 1457 an St. 
Jacobstag giht N. »all ihr Gut, 
Ligendes und Fahrendes, Löffel 
oder Löffelwerts< 15. und 16. 
Publ des bist. V. v. Schwb. u. 
N. 104, 97. 

In den Stand, hörte ich: 

So wie mein Löffel ist, 

So ist mein Stil, mein Stil, 

So wie mel Schwester ist. 

So geits ett vil. 

LOMBER, ein beim Bubenspil 
übliches in Knoten gebundenes 
gedrehtes Taschentuch; nieder- 
schwäbisch P 1 u m p f s a ck. Kiesz. 

LOMMER wird von Taig-, 
Dampfnudeln gebraucht, die recht 
luftig, leicht, porös sind. Elmch. 
lummelig in Niedersohwaben 
hangend, one Feder besonders y. 
Meszem u. s. w. 

LON in folgenden Verbindun- 
gen: Handlon,Holztchniter- 
lon. Mickh. Rechngn. 1560. Fur- 
lon von Wildpraii Potenlon; 
Hochzeiter -Für Ion. Miokhaot. 
Magdlon im Woberhans. Lon- 
garb en, Schönefeld. Urkd. 1476. 

LONER, AohsennageL 



LORENZ iü d. Red-A. »einen 
krummen L. maoheB€ unge- 
schickt 8. Gomplimente machen. 
Lorenziberg bei Leder. 

LORCHEN, Spottnrf der We- 
ber, besoitden voft Seite der Stu- 
denten früherer Zeit in A. Wsr- 
scheinlich auf ire bölenarügen 
D unken skdi bezioliend. 

LORKEN, LttrkM «wv. stot- 
tern. IllertaL Lerk«A, (Dsemer's 
Auszgabe d. Yonmar Iw.) balbn- 
tire; bei Fiauenlob: llrket, bai- 
butit; anderwftrta 1er p an und 
und 1 • r p 8 e n. Bohmenldrdi, Gun- 
delsheim. 

LORREIER f. Hooatrftiige auf 
der Wise. Ztw. lorr^i^n. Illfir- 
tal, Allgaü. Ja den StnuueDort 
Schlau. Ztw. anfaehlftuen. 

LOSER, L«ser, lieb oben 
>aufln8eii.< Loser »uft Die 
Oren aofl Seh. »Tnnd vira-Lo- 
ifer besser auf I« Soh. >HohnBche 
Lüsner.« Gonstans. ürkde. 1481. 
(Aufhorcher, Speher.) 

LÖSZELNswT. Zaub«r«i, aber- 
glaübisohes Zeug treiben, die Zu* 
kunft zu erforschen. ConHn: 
Wann manche mohtenntrtai kft&B 
Was sie bekomm vor ^Scktm Ifum 
Pasit sie was ia der Lös« eis* 

aaoht 
Der Teufel ihr vor Biendweric 
maobi. 

Sieh mein VolkstttmL I« S42 
Anmerkg. 2. SöbmeU. fl^ A)4. 
LÖäZENswT. l)aasddsnk »Also 
under demselben ist amaHi wtite a 
die Helena dem Menelao on alles 
lös 8 e nsngestellt word«n.c T.B^« 



L088 — • Luft. 



819 



2) >üm die Andromache hat man 
ang^hept zu lössen.« 52*. 

LOBZ, hlaats; 1) Baiiklofz, 
Meagferbanklosz in derMezg. 
Spraclie. Mezgerbanklosnng; 
die Biidte "vrorden verloezt. Sieh 
Bank. 2}LaflZ8tal, ein durch's 
Loez zugefallener Kirchenstul. In 
der Wfthringer Pfarr-Registratnr 
fknd ich eine Stnlordnung von 
1713. »Hatdiehinterla»zene Toch- 
ter — znm Exempel welche der 
Yerztorbenen Mutter Loszstul er- 
beben sollte, schon rorhinein ei- 
nen Loszstul oder Hauvstul, 
aolle kein Becht haben zu die- 
Kem 8tuL< »Es darf evng kein 
Hansstul mit einem Loszstul 
auch TicisshnkeinLosztsul mit 
einem Hansstul vertauscht werden. 
Wol aber ausz erheblichen Ur- 
sachen ein Hansstul mit einem 
«ndem Hansstul oder ein Losz- 
stul mit einem andern Losz- 
«tni.< a. a. 0. Neben denLosz- 
nnd Hausstülen werden dort 
Weibsstüle, Mannsstüle er- 
irint >Einen Stnl zum Haus 
machen < Red. A. a. a. 0. 

LOSZ, die, spr. loasz, Mutter- 
schwein; als Schelte: du Laosz! 
.d^s igt a L&esz! für unsitliche 
Weibspersonen. Allgem. 

LOTSCaaEN swm. Lumpen; 
lotsohig, zerlumpt , lumpig, 
sofalampig, schludrig. Allgaü. 

LOTTER, ein Bret vom Hin- 
tarofen an die nächste Wand, ein 
Biaklein, Ofabänkle sonst. »Auf 
^ li o 1 1 e r liga. < Mindeltal u.sonst. 

Letter, Jörgen, ein Giltmanns- 



name v. St. Ulrich cgm. 154 f. 
39^ Lotterbube. >Was ist ein 
Lotterbub? Der die Lent 
schmechet u. betreuget, ein thier 
das den todtschlag mit sich trägt. € 
Hanszuoht. 

LÜBSTÜGEEL, ligusticum, levi- 
sticum; Lübstukb. Reg^om. 1512. 
Liebstöckel; b. Kalw u. sonst. 
Leibstückle. Weigd.Wbn.48 ff. 

LÜCKEN, als Servitute sieh 
Erbe. In der alten Ulmer Dorf- 
stecherspr ache : > Die L u c k e n u. 
Laisz zwischen denen Burren.« 
Martin Müller S. 44. Schnepfa- 
l^ggfti Wld. bei Hart. Adj. luk, 
locker >Weilen die Erd lück- 
lich und weich. < Mart. Müller 
S. 7. »Die Moser lugg.< Felix 
Faber. 

LUDER als rohe Schelte in d. 
Stauden: >Du bist so a schwarz 
Luader wieMorau.« Luadrisch 
als Superl. gebraucht: 1. krank, 
1. grosz, L wenig u. s. w 

LÜEN swv. >Und geleich als 
ein hund hub er an schreyen, 
und lüen als lang, bis er in 
kurz darnach ain schämlich end 
seines lebens nanL< cgm. 402 f. d8\ 

LUFT. »Zu den Lüften« 
heiszt eine alte Taferne auf dem 
Walle in A., ein Tanzunterhalt- 
ungsort der Soldaten. Durch- 
luft, Durchzug, >dasz die Stu- 
ben iren völligen Durchlufft 
habe.« Furttenbach. Red. A. >Die 
Jugend musz Luft haben.« Gonl. 
Adj. >ich für all wegen luftig< 
Kldb. erluftigen,Ztw.Buxh.Chr. 
erlüffternv.Pestkleider. 0.1647. 



318 



LöSEA — Löszen. 



4iner ürkonde y. 1629 wurden den 
Haasarmen , katol. Bürgerslen* 
ten järlich sween graue und 
zween schwarze Loden von 
den Zechpflegem aussfgeteilt 

LÖFFEL, >mitdemgroszen 
L. eszen< zu Gast geladen eszen, 
einem groszen Gastmale beiwo- 
nen. — Im Hart. Invent. komen 
Fomblöffel, Fiscblöffel, 
Schopflöffel , Rundkellen 
oder Löffel vor. A. 1457 an St. 
Jacobstag giht N. »all ihr Gut, 
Ligendes und Fahrendes, Löffel 
oder Löffelwerts< 15. und 16. 
Publ des bist. V. v. Schwb. u. 
N. 104, 97. 

In den Stand, hörte ich: 

So wie mein Löffel ist. 

So ist mein Stil, mein Stil, 

So wie mel Schwester ist. 

So geits ett yil. 

LOMBER, ein beim Bubenspil 
übliches in Knoten gebundenes 
gedrehtes Taschentuch; nieder- 
schwäbisch P 1 u m p f s a ck. Riesz. 

LOMMER wird von Taig-, 
Dampfnudeln gebraucht, die recht 
luftig, leicht, porös sind. Elmch. 
lummelig in Niedersohwaben 
hangend, one Feder besonders t. 
Meszem u. s. w. 

LON in folgenden Verbindun- 
gen: Handlon,Hols8ohniter- 
lon. Mickh. Rechngn. 1560. Fnr- 
lon von Wildpratt Potenlon; 
Hochzeiter - F u r 1 o n. Mickhaut. 
Magdlon im Woberhaas. Lon- 
garb en, SchöneÜBld. Urkd. 1476. 

LONER, AohsennageL 



LORENZ in d. Red-A. »einen 
krummen L. maoheBc unge- 
schickt 8. Gomplimente machen. 
Lorenziberg bei Leder. 

LORCHEN, Spottnrf der We- 
ber, besonders vonSeite der Stu- 
denten früherer Zeit in A. Wsr- 
scheinlich auf ire hölenarügen 
Dunken sidi beziehend. 

LORKEN, LurkM tfwv. stot- 
tern. IllertaL Lerk««, (Dsemer's 
Auszgabe d. Yoraner ht.) balbu- 
tire; beiFmuenlob: lirket, bai- 
batit; anderw&rts lerpen und 
undUrpsen. Böhmenkircli, Gnn- 
delshcfim. 

LORREIER f. Heoatrftnge auf 
der Wise. Ztw. lorr^ien. Iller- 
tal, Allgaü. In den StrMaeiiort 
Schlau. Ztw. anfftchlauen. 

LOSER, L«8er, sieb oben 
>auflu8eix.< Loser auft Die 
Oren aofl Seh. »Tnnd nira-Lo- 
ifer beszeraufl« Seh. >Htiinliohe 
Lüsner.c Gonstana. ürkde. 148L 
(Aufhorcher, SpeheT.) 

LÖSZELNswy. Zanber«i, aber- 
glaübisohes 2eag treiben, die Zu- 
kunft XU erforschen. GonUn: 
Wann manche nioht w i Wtelm kft&n 
Was sie bekomm tot ^xkea Mann 
Pasit sie was in der Löttels- 

naoht 
Der Teufel ihr vor Blendwerk 
maobt. 

Sieh mein VolkstttmL I, S42 
Anmerkg. 2. SohmeD. 0^ (04. 
LÖäZENswT. l)«udöaMB. »Abo 
under demselben ist am tUsMnten 
die Helena dem Menelao on «Um 
15 s s e n sagestellt worden.« T.B^« 



Ltttel — M. 



321 



zu 'Möring'eti.c cgm, 154 f, 44**. 
■^In der langeti Lils^c Min- 
deltftL LtiBE, WÄhringer Wisen. 
Der Lutz, ein Wü Idteil » p*^r- 
Zellen weise aua^gelosÄt (in Min- 
delhejm). In den L i s z en gelegnen* 
Mickhs. Akt IGIO. Die Llsz in 
Bematsri ed , Auf d er L n s s h a 1 d- 
©n beim St. Mang^atrit (Füszen)- 



Feifele. Homi, »abgegrabene ur- 
bar gemachtö Moor gründe.« 

LÜTEL, LUZEL, Sauglapplein. 
»d'BearnstaTliitteL* A. 

LUZEL, Kafeliiael, eiueKafs- 
trinkerin. ^Dle alte Luzel beim 
untern Tor iiat 3 Kinder ^ wel- 
chen sie kümmerlich daa Brot 
Bchair&n.< Conlin. 



M. 



1) Altes m , an deasen Stelle 
später n auftrit, hat sich im Volks- 
mgude und iu Deukmälerti des 
15* Jhs. augaburgiseh-schwablscil 
erhalten. 

Die alten Formen Bodem^ 
Fadem, «jadem, Besem, Bn* 
sein leben mündlich noch zer- 
streut fürt. In Niederschwabeti 
ist m im Diminitivum erhalten: 
iBödemle nur noch von Haubeu'^ 
böden der baürifichen Tracht üli^ 
lieh; Fkdemle u nach fül ' 
Analogie: Kette ml e, Läd> 
Fearacbam, Fearsch 
ahd, feraana. Hie und da . v. 
demle. Mein Wbl. % 62. I 
Schriftliche DünkmÜler: ftf dri, 
erdbodem. cgiu. 736f. 17' pv 
dem cgm. r>81 f. 112^ frnchfc- 
^ barer B o d e ro, Gass ungeschlacht 
B tftt Bodeme gewesen, a. a^ 
Ho. Schetimit und Bö dem. a. 



a. 0. pesem, himmL Braut Mit 
Schaufel und Bäsem. a. a. 0. 
Ahd peaamo, pesmo^: scopa 
Gramm. R 625 Gadem b. 3. 
unsäligemal ; »der Bachstul hat 
3 Gadem hoch.* f. 570, ahd. 
kadum, camera. Bei dbem 
Worte erscbeint achon ser früh© 
n. -vadm cgro. B17 f. 53*, Bu- 
sem bei Dr Müller häufig; »die 
hügßtt ««ttbir wieder in B u s e m 
A a# a, 0. Das noch 
Wwt Barn — bei 
— erscheint auf- 

•öi. 601 f. 

jr härm. 

tior harn 



320 



Lüge — Lu82. 



LÜGE. Red. A. »Wenn dear an 
der erste nLuge verstickt war, 
nao dät 'r schon 4 Jaor nimma 
leaba.« Burgau. 

LÜGEN sieh oben guggen. 
»Do liesz Noe ainen rappen aus 
der archen und sandt den herausz, 
dasz er lugen solte.« cgm. 
205 f. 26»». 

LÜGINSLAND , der , in A. a. 
1430 gebaut. Sohieszen die ema- 
ligen Warttürme, besonders zu 
Anfang des 15. Jh. zugleich mit 
ansehen tlichen Bauten, Kirchen, 
Bathäusem, Glockentürmen, er- 
richtet als Zierden und bleibende 
Denkmäler ausz der Zeit der 
reichsunmittelbaren Verhältnisse 
in den Reichsstädten. Zu Ulm an 
der hl. Ereuzkirche war ein L. 
a. 1610 abgebrochen. Auch die 
Wilhelmshöhe hiesz so. Im Vocab. 
S, Galli ist Logs tat, cubile, 
specus; dasGraffll, 192 als Lot- 
stat und davon Grimm gleich- 
falls falsch in die Gramm. 111,4.6 
hinnam. In e. Ürkde. v. 1265 bei 
Mone Ztschrfb. III, 77 erscheint 
Lugun. >Der Lneg<: >sach ein 
Fix aus seinem Lueg.< cgm. 
254 f. 4»». (= Loch, Hole.) 

LÜIKEN, Wisen bei Schwab- 
münchen. 

LÜIXA, die, Groszaitingen. Die 
Axenstange , welche die Leiter 
mit der Lunne verbindet. Leis- 
sam, Laissam, Luixel, Lais- 
zing sonst. 

LÜMMEL. >Die Pfarremer 
L.< heiszen die alB Raufbolde ver- 



schrienen Bursche des Bezirks 
Horgau — Pfarrei genannt. 
Adj. glümmlet: »was 8ai§t du 
glümmlets bauravich € Seh. 29. 

LUMP; im Mickhaas. Strafb. 
wird einer gestraft, > weilen sein 
Weib sie Lumpen gescholten.« 
1773 — 75. Femer >mit ihre Vor- 
fahren sei es nur gelumpet.« 

LÜNGAWÜRST Name einer al- 
ten A. Tafeme; jezt Jakobsapo- 
theke. Leberwurstin München. 

LÜNNE wasLoner oben. L6- 
zapfa,Hertfeld. >Mer SLonen.« 
Hufschmidrechnung 17 Jarh. In 
einer Glosse IX jh. (DiutU, 172): 
luni, humeruli, qui in extremita- 
te axis fiunt, ne de eo rota laba- 
tur. Aarg. Lom, Lang, Lon. 

LÜPPELN, LÜPPEREI, Zau- 
berei treiben. In einem Beicht- 
spigel des XV. saec. cgm. 643 t 
50^ stet: >daz ich den gelaaben 
gevelscht hän mit segen ausspre- 
chen, 1 u p p e 1 n, zaubern, tauben- 
geschrai und darzu an trawm 
gelaubt hab vnd des alles nicht 
bestat ist noch bewart von der 
heiligen Christenheit. < — >Nit an 
L Upper ei glauben.« cgm. 402 
f. 17P. Vrgl. got. labi 

LüRTSCn im Kleiderb. 146: 
> 4 Ding last sich nicht verbergen, 
nemlichen die Lieb, der Hoest, 
das Fewr oder Waszer and der 
Schmerz , aber es was von Hmis 
aas lurtsch.« 

LUSZ, LÜSZ uralter allgem. 
Schwab. Flurn. Graslasz, Urkd. 
1440. »In der Liszen.« Türidi. 
Urkd. >M6rgibierTon8L&ss6n 



Lutel — M. 



821 



Sil Iföringeii.« cgm. 1^4 £. 44^. 
»In der lanifen Lüss.« Min- 
ddtel. LnsE, Wahfinger Wisen. 
Der L«8a, ein Waldteil, par- 
sellenweite «nszgelossi (in Min- 
drilwim). In den Liflz engelegen. 
Mieklii. Akt 1610. Die Li sz in 
Bemmtiried. Auf der L n sz ba 1 d- 
•n beim St. Mangstrit (Füszen). 



Feigele. Horm. > abgegrabene nr- 
bar gemachte Moorgründe.« 

LUTEL, LÜZEL, Saugläpplein. 
>d'Bearn8tailuttel.< A. 

LUZEL^Eafeluzel, eineEafe- 
trinkerin. >Bie alte Luzel beim 
untern Tor hat 3 Kinder, wel- 
chen sie kümmerlich das Brot 
schaffen. < Conlin . 



M. 



1) Alte« m, an dessen Stelle 
später n aafiarit, hat sich im Volks- 
mwide and in Denkmälern des 
16. Jlui. aagsburgisch-schwäbisch 
eriialten. 

Die alten Formen Bodem, 
Fsdem, Oadem, Besem, Bu- 
Bem leben mündlich noch zer- 
streut fort. In Niederschwaben 
ist m im Diminitivnm erhalten: 
B ö d e m l e nur noch von Hauben- 
böden der bäurischen Tracht üb- 
licih; Fädemle n. nach falscher 
Analogie: Kettemle, Lädemle, 
Fearecham , Fearschämle 
aM. Itaana. Hie und da: Gä- 
demle. Mein Wbl. S. 62. 1. 
Schriftliche Denkmäler: üf dem 
erdbodem. cgm. 736 f. 17*. po- 
dean cgm. 581 f. 112\ frucht- 
barer B ödem. Gass. ungeschlach- 
tsa Bade ms gewesen, a. a. 
0. SchOTrai und Bödem. a. 



a. 0. pesem, himml. Braut. Mit 
Schaufel und Bäsem. a. a. 0. 
Ahd. pesamo, pesmo= scopa 
Gramm. P. 625 Gadem b. S. 
unzäligemal: >der Dachstul hat 
3 Gadem hoch.< f. 570. ahd. 
kadum, camera. Bei disem 
Worte erscheint schon ser frühe 
n. -vadm cgm. 317 f. 53». Bu- 
sem bei Br Müller häufig; >die 
Lügen selber wieder in Busem 
geschoben.« a. a. 0. Das noch 
unerklärte Wort Harn — bei 
Luther Harm — erscheint auf- 
fallender Weise im cgm. 601 f. 
96^ und öfter mit m: härm. 
Mhd. und ahd. komt nur harn 
vor. Sovil ich bis jezt urteilen 
kan , scheint härm fast spezi- 
fisch bayer. codd. eigen; kinds- 
harm cgm 144 f. 7^ (schwäb.) 
Der bayer cgm. 317 hat: harm- 
stein, harmesrarb, weiszer, 
21 



322 



roter härm, kindsharm, harm- 
winde u. 8. w. Turm mit spä- 
tem m kent die schwäb. Mund- 
art nicht. 

Yergl. Schleicher, Sprache S. 
210. 211. 

2) Die gleichfalls ser alte Wan- 
delung des ursprünglichen n zu 
m vor Lippenlauten, der beszem 
Auszsprache wegen, erscheint in 
volkstümlich Schriftwerken, wie 
mundartlich , ungemein häufig. 
Yernumft, Zumft, lezteres auch 
urkdl. Hamf, samft, Hamfl 
(Handvoll), mumpf ein, denMund 
voll haben u. s. w Disz ist all- 
gemein süddeutsch. Schriftliche 
Denkm. : das mundartlich allgem. 
übliche Im bis z erscheint urkdl. 
und ist auch ahd. und mhd. — 
hamffwerk. cgm. 317 f. 66*. 
w eimb er , Augsb. Hall 0. 1786. 
amblik cgm. 140 f. 27*. Allgem. 
ist Nürmberg, Nürmberger 
Elen, auch in Ulmischen Ordgu. 
Mumpf el schon in Grieshbrs. 
Predigt. II, XX. vernempt, ver- 
nannt, sich versprochen haben, 
nemmet, 1301. Beliebt und in 
Schweiz. Schriften üblich ist das 
in Mickh. Urkd. oft vorkomende 
Leutenampt, Lütenampt. 
1683. Vrgl. Weinhold , Gramm. 
§ 167. Weigand Wb. II, 78. 

4) Altes -mb, -mp wofür spä- 
ter mm einstand — sieh un- 
ten Lautlere des N — hat sich 
in schwäbisch - augsburgischen 
Denkmälern und im Yolks- 
munde erhalten. Wampe got. 
yamba, venter; W&mpstlar, 



Sauberer und Verkäufer der Ein- 
geweide des gesohlaohteten Viehs ; 
eine niedere Klasse der Mezger. 
>Da Wampa vol hannc schwan- 
ger sein. Imben, Imble, Im- 
bastock. Kampel, peoten. 
Lamp, Lämple. kramp. Da- 
bei will ich bemerken', da» die 
bayerisohe Mundart alte« mb, 
mp durchausz gpewart hat, wä- 
rend die augsb. sehwäb. Fälle 
mit weniger AusEname (Imben, 
Kampel) von den benachbarten 
Ostlechleuten eingeschleppt sind. 
Doch hört man noch im Mindel- 
tale: krump. 

In den Schriftwerken erscheint 
Wampst neben Wanst und 
Wammen. >EinLamb8kr6atampt 
Wämpstlen.< >Gelüng, Rfiasel, 
Zeen , Troschel , Wammen.« 
Mezg. 0. 1649. Für Lemplin 
u. s. w. wird esz keiner Beleg* 
stellen bedürfen. An diaen Vor- 
gang lenen sich die YÜen Anas- 
wüchse vom mb, mp, wo de ge- 
radezu unorganisch und oft hin- 
lich zu nennen sind. Zu den oben 
B augefürten Fällen (& 40^) fi&ge 
ich noch: Kettamb (Mindeltal)« 
Schiszelramb, Harter Invent 
Nachkömbling, Wibr.Pftunrb. 
Gehorsamb, Ordg. 1647. Inder 
Chronik v. 1684. S. 1201 itei eine 
Art PasqniU , in dem die Fliok 
-b bis Bum Eokel wiederkeren: 
Das Evangelinm -— 
ist irr und thnm&, wa idi Idn- 

komb 
iit alles knim5, von dm Fiibel- 



828 



Zum Lutherthaaift, im Irrthiiin& 
Und Ketegerthnm^: ramma sum- 

maram, 
ess muesz wiederam& vom Lu- 

thertam& 
Zu dem Pab8ttham&: oder des 

Teufels 
per Denm sanctum. 

4} mm durch Angleichung ausz 
bm, nm, dm; semmar: sind 
wir; gemm9r: geben wir; häm- 
m9r: haben wir; hemm er, hät- 
ten wir, coig. ; wemmer: wenn 
wir; kemmdr: könen wir; 
Simmaoher, Simmachere: 
Sibmacher, Sibmacherin ; s e m n e : 
•ibne. YrgL Se mm e ringe für 
Sigmaringen. Der Ortsname Lam- 
medingen heiszt urkdl. Lad- 
medinga 1276. Ladmadingen, 
Lademundingen 1076. 6om- 
maso heiszen die Weber-6om- 
basinlen sieh B. Merkwürdig 
istSimmetsfuirfurSunwend- 
feuer, sieh S. 

6) Wechsel des m besonders 
mit Lippenlauten sieh oben 
B:39* Merbel, Merbelfarb, 
allgem. südd. Wolwerfer, tal- 
pa, sonst Mold-, Modwerfer. 
Mertig, Mertigkleid, Werk- 
tagkleid. Burgau. Machholder 
far Wachholder. Walmen für 
Walfen. Schwalme, Schwal- 
meneck f. Schwalbe. A. üeber- 
stilm ausz üeberstilpn, was 
bayerisch klingt; mao f. wä, u. 
mier f. wir sind bekant; lez- 
teref ist uralt. Wenn esz nicht 
fitlsoh gelesen, stet Mur f. Wur, 
Wtr = WMierstauung. Zacher 57. 



m schon urkdl. 1440 für n in 
mösmer. Türkh. Urkd. Bär- 
mele für Barbe le hört man im 
Riesz gegen Ellwangen hin; in 
lezterer Gegend get eiuNamoMi 1- 
le< für eine alte Jesuiten- Villa. 
Ich füge bei die 0. N. Ram- 
hof, Ramhart (Berg, b. Donau- 
wört) urkundl. Ran- wie Ram- 
mert für Rabenhart b. Rot- 
tenb. in Wirtemb. Ronsberg, 
die berümte Markg^rafschaft lau- 
tet nach L. Brunner's Mono- 
gn^aphieRumesberg, Ruomes- 
berg; urkundl. Inchenhofen 
0. N. heiszt a 1313 Imechin- 
hofen. Auf eigentüml. Weise 
bewart Bayern die gramm. Be- 
tonung in lebendig; diebayer. 
codd. schreiben stets lembdig. 
In der Günzburger Gegend sagt 
der gemeine Mann: des igt mar 
dutt-nem! für tout-meme. 

6) Das ausz mittellat. cam- 
phera, camphora genomene 
Gampfer, Kampfer, im 13. 
Jarh. campher, -ir, komt in 
Augsb. Denkm oft als capher 
vor: so cg^m. 601 f. 107^ u. s.w. 
Auszlautendes m für späteres 
falsches n erscheint in alaum, 
HallO. u. L.Rem, was auf seinen 
lat. Ursprung alümen hinweist. 
Der Auszfal des m in Arakre- 
za u. s. w. überhaupt nach r, 
sieh R. 

7) Die Näselung (sieh bei N), 
welche m bewirkt, ist echt schw. 
augsb. Das ahd. masa, macula, 
lautet augsb. mons, mos, plur. 
mose, wozuichdas maus: Maus 

21* 



318 



LöSeA — Lössen. 



dlner Urkunde v. 1629 wurden den 
Hausarmen , kaiol. Bürgersleu- 
ten järlich zween graue und 
zween schwarze Loden von 
den Zechpflegem aus^^eteilt 

LÖFFEL, >mitdenigroszen 
L. eszen< zuGhist geladen eszen, 
einem groszen Gastmale beiwo- 
nen. — Im Hart. Invent. komen 
Fomblöffel, Fischlöffel, 
Schöpflöffel , Rundkellen 
oder Löffel vor. A. 1457 an St. 
Jacobstag gibt N. »all ihr Gut, 
Ligendes und Fahrendes, Löffel 
oder Löffelwerts« 15. und 16. 
Publ des bist. V. v. Schwb. u. 
K 104, 97. 

In den Stand, hörte ich: 

So wie mein Löffel ist, 

So ist mein Stil, mein Stil, 

So wie mei Schwester ist. 

So geits ett vil. 

L0M6ER, ein beim Bubenspil 
übliches in Knoten gebundenes 
gedrehtes Taschentuch; nieder- 
schwäbisch P 1 u m p f s a ck. Riesz. 

LOMMER wird von Taig-, 
Dampfnudeln gebraucht, die recht 
luftig, leicht, porös sind. Klmch. 
lummelig in Niedersohwaben 
hangend, one Feder besonders v. 
Meszem u. s. w. 

LON in folgenden Verbindun- 
gen: Handion, Holzschniter- 
lon. Mickh. Rechngn. 1560. Fnr- 
lon von Wildprat^ Potenlon; 
Hochzeiter - F u r 1 o n. Miokhaat. 
Magdlon im Weberhaas. Lon- 
garb en, Schönefeld. Urkd. 1476. 

LONER, Acbsennagel. 



LORENZ iü d. Red.A. »einen 
krummen L. macheB« unge- 
schickt 8. Gomplimente machen. 
Lorenziberg bei Leder. 

LORCHEN , Spottn]rf der We- 
ber, besonders vofk Seite der Stu- 
denten früherer Zeit in A. War- 
scheinlich auf ire faölenartigen 
Dunken sksh beziehend. 

LORKEN, LurkM «wv. stot- 
tern. IllertaL Lerktf^A, (Diemer's 
Auszgabe d. Yoranev ht.) balbo- 
tire; beiFranenlob: lirket, b*l- 
butit; anderw&rts lerpen und 
und lerpsen. Böhmenkiroh, Qun- 
delsheim. 

LORREIER f. Heoftr&nge auf 
der Wise. Ztw. lorf^ien. lUer- 
tal, Allgaü. In den Stnunsenort 
Schlau. Ztw. aufftchlauen. 

LOSER, Laser, sieb oben 
»anfingen.« Loter auft Die 
Orefi mtfl Seh. >Tand nira-Lo- 
tfe^r beezeraufl« Soh. »Heimliche 
Lüsner.« Gonstani. Urkde. 1481. 
(Aufhorcher, Speher.) 

LÖSZELNsWY. ZanbMrei, aber- 
gläubisches Zeug treiben, die Zu« 
kunfb zu erforschen. GonliB: 
Wann manche nicht w iw trtaü laam 
Was sie bekomm vor «lAen Mtna 
PasBt sie was in der Löttelf- 

naoht 
Der Teufel ihr vor Blendwerk 
maelKi. 

Sieh mein Volkettad. I, 842 
Anmerkg. 2. SohmeU. H^ <04. 
LÖSZENswT. l)8nnlöfMi» »Ate 
under demselben ist am aHevntten 
die Helena dem Menelao on alias 
lös s e naugeetellt worden.c T.Bjg« 



Lose *— Luft. 



S19 



2) >üm die Andromache hat man 
angehept ro lossen.i 52*. 

L06Z, hlaats; 1) Banklot z, 
Mesgerbanklosz in derMesg. 
Sprsfche. Mezgerbanklosnng; 
die Binke iimrden verlöszt. Sieh 
Bank. 2)Lo8ZBtnl, ein durch'0 
Loez zogefttUener Eirchenstul. In 
der W&hringer Pfarr-Hegistratnr 
fimd ich eine Stnlordnung ron 
1713. »Hatdiehinterltfszene Toch- 
ter — zun Exempel welche der 
▼entorfoenen Matter Loszstul er- 
beben sollte, tchon rorhinein ei- 
nen Loszstnl oder Hant-stnl, 
eolle kein Hecht haben ta die- 
iüsm StaL< »Es darf ewig kein 
Hansstnl mit einem Loszstul 
anch TicissimkeinLosztsnl mit 
einem Hansstnl vertauscht werden. 
Ifoi aber ansz erheblichen Ur- 
sachen ein Hansstal mit einem 
andern Hansstnl oder ein Losz- 
•tnl mit einem andern Losz- 
8tni.< a. a. 0. Neben denLosz- 
nnd Hausstülen werden dort 
Weibsstüle, Mannsstüle er- 
wint >£inai Stnl zum Hans 
machen < Bed. A. a. a. 0. 

LOSZ, die, spr. loasz, Mutter- 
schwein; als Schelte: du Laesz! 
-d^ ifit a L&9Bz! für unsitliche 
Weibspersonen. AUgem. 

LOTSOHEN swm. Lumpen; 
lotschig, zerlumpt , lumpig, 
eohlampig, schludrig. Allgau. 

LOTTER, ein Bret vom Hin- 
ierofen an die nächste Wand, ein 
Biaklein, Ofab&nkle sonst. »Auf 
'm L o 1 1 e r liga. < Mindeltal u.sonst. 

L o 1 1 e r, Jörgen, ein Giltmanns- 



name v. St. Ulrich cgm. 154 f. 
89^ Lotterbube. >Was ist ein 
Lotterbub? Der die Lent 
schmechet u. betreuget, ein thier 
das den todtsohlag mit sich trägt.« 
Hanszucht. 

LÜBSTÜGKEL, ligusticum, levi* 
8ticum;Lübstuk b. Regiom. 1512. 
Liebstöckel; b. Kalw o. sonst. 
Leibstückle. Weigd.Wbn. 48 ff. 

LUCKEN, als Servitute sieh 
Erbe. In der alten Ulmer Dorf- 
stechersprache: >Die Lucken u. 
Laisz zwischen denen Burren.« 
Martin Müller S. 44. Schnepfa- 
lugga, ¥nd. bei Hart. Adj.luk, 
locker >Weilen die Erd lück- 
lich und weich. < Mart. Müller 
S. 7. »Die Moser lugg.< Felix 
Faber. 

LUDER als rohe Schelte in d. 
Stauden: >Du bist so a schwarz 
LuaderwieMorau.<Luadri8ch 
als Superl. gebraucht: 1. krank, 
1. grosz, L wenig u. s. w 

LOEN swv. >Und geleich als 
ein hund hub er an schreyen, 
und lüen als lang, bis er in 
kurz darnach a^i schämlich end 
seines lebens nam. < cgm. 402 f. 38*^. 

LUFT. »Zu den Lüften« 
heiszt eine alte Taferne auf dem 
Walle in A., ein Tanzunterhalt- 
ungsort der Soldaten. Durch- 
luft, Durchzug, >dasz die Stu- 
ben iren völligen Durchlufft 
habe.« Furttenbach. Red. A. >Die 
Jugend musz Luft haben.« Conl. 
Adj. >ich für allwegen luftig« 
Kldb. erluf tigen,Ztw.Bnxh.Chr. 
erlüffternv.Pestkleider. 0.1647. 



320 



Lüge — Lusz. 



LÜGE. Red. A. »Wenn dear an 
der erste nLuge verstickt war, 
nao dät 'r schon 4 Jaor nimxna 
leaba.< Burgau. 

LÜGEN sieh oben guggen. 
»Bo liesz Noe ainen rappen ans 
der archen und sandt den heraus2, 
dasz er lugen 8olte.< cgm. 
206 f. 26»». 

LUGINSLAND , der , in A. a. 
1430 gebaut. Sohieszen die ema- 
ligen Warttürme, besonders zu 
Anfang des 16. Jh. zugleich mit 
ansehentlichen Bauten, Kirchen, 
Rathäusern, Glockentürmen, er- 
richtet als Zierden und bleibende 
Denkmäler ausz der Zeit der 
reichsunmittelbaren VerhSltnisse 
in den Reichsstädten. Zu Ulm an 
der hl. Ereuzkirche war ein L. 
a. 1610 abgebrochen. Auch die 
Wilhelmshöhe hiesz so. Im Vocab. 
S. Galli ist Logs tat, cubile, 
specus; dasGraffü, 192 als Lot- 
stat und davon Grimm gleich- 
falls falsch in die Gramm. 111,46 
hinnam. In e. Urkde. v. 1265 bei 
Mone Ztschrfb. III, 77 erscheint 
Lugun. >Der Lueg<: >sach ein 
Fix aus seinem Lueg.< cgm. 
254 f. 4»>. (= Loch, Hole.) 

LUIKEN, Wisen bei Schwab- 
münchen. 

LUIXA, die, Groszaitingen. Die 
Azenstange , welche die Leiter 
mit der Lunne verbindet. Leis- 
sam, Laissam, Luixel, Lais- 
zing sonst. 

LÜMMEL. >Die Pfarremer 
L.< heiszen die als Raufbolde ver- 



schrienen Bursche des Bezirks 
Horgau — Pfarrei genannt. 
Adj. glümmlet: »was saift du 
glümmlets bauravich < Seh. 29. 

LUMP; im Mickhaus. Strafb. 
wird einer gestraft, > weilen sein 
Weib sie Lumpen gescholten. c 
1773 — 75. Femer >mit ihro Vor- 
fahren sei es nur ge lumpet.« 

LÜNGA WURST Name einer al- 
ten A. Tafeme; jezt Jakobsapo- 
theke. Leberwurst inMünchen. 

LUNNE wasLoner oben. L6- 
zapfa,Hertfeld. >Mer 3Lonen.< 
Hufschmidrechnnng 17 Jarh. In 
einer Glosse IX jh. (Diutll, 172): 
luni, hnmeruli, qui in extremita- 
te axis fiunt, ne de eo rota laba- 
tur. Aarg. Lom, Lung, Lon. 

LUPPELN., LUPPEREI , Zau- 
berei treiben. In einem Beicht- 
spigel des XY. saec. cgm. 543 t 
50^ stet: >daz ich den gelauben 
gevelscht hän mit segen ausspre- 
chen, luppeln, zaubern, tauben- 
geschrai und darzu an trawm 
gelaubt hab vnd des alles nicht 
bestat ist noch bewart von der 
heiligen Christenheit.« — >Nit an 
L Upper ei glauben.« cgm. 402 
f. 171^ Vrgl. got. lubL 

LURTSCn im Eleiderb. 146: 
>4 Ding last sich nicht verbergen, 
nemlichen die Lieb, der Hneet, 
das Fewr oder Waszer und der 
Schmerz , aber es was von Hmm 
aus lurtsch.« 

LUSZ, LÜSZ uralter allgem. 
Schwab. Flurn. G raslas z, Urkd. 
1440. »In der Liszen.« TüiAh. 
Urkd. >M4rgibteryon8Lftti6n 



Lutel — M. 



821 



Sil Ifdringen.! c^pn. 164 f. 44^. 
»In der lanifen Lübe.« Min- 
ddtel. LusE, Wahfinger Wisen. 
Der Lvsa, ein Waldteil, par- 
sellenweite auszgelosEt (in Min- 
daUieiin). In den Lisz engelegen. 
MiokhE. Akt. 1610. Die Lisz in 
Bamatiried. Auf der Lnszhald- 
en beim St. Mangstrit (Füszen). 



Feigele. Horm. > abgegrabene ur- 
bar gemachte Moorgründe.« 

LÜTEL, LUZEL, Saugläpplein. 
>d'6earnstanuttel.< A. 

LUZEL, K af ein zel, eine Kafo- 
trinkerin. >Dio alte Luzel beim 
untern Tor bat 8 Kinder, wel- 
chen sie kümmerlich da» Hrot 
schaffen. < Conlin. 



M. 



1) Altes m, an dessen Stelle 
später n anfbrit, hat sich im Volks* 
munde und in Denkmälern des 
16. Jlis. augsburgisch-schwäbiseh 
erhalten. 

Die alten Formen Bodem, 
Fadem, Oadem, Besem, Bn- 
sem leben mündlich noch zer- 
streut fort la Kiederschwaben 
ist m im Diminitivum eriialten: 
Bödemle mir noch tod Haaben* 
böden der bafiriscben Tracht üb- 
lich; Fädemle n. nach hhKher 
Analogie: Kettemle, Ladern li!. 
Fearacham , Fearschäml^; 
ahd. ffosama. Eie und da: Gä- 
demle. Mein WbL & «2 \. 
SchrifUidie Denkmäler: äf di«in 
erdbodeuL cgm. 7361 17* pr^ 
deia ogm. 681 £. 112^. fneosr 
barer B ödem. Gass UDg«0e;LiM:&' 
tea Bodeme ge m u m^ m. tu 
0. Scheans und hodem. a. 



a. 0. pesem. himmK Braut. Mit 
Schaufel und hkunm, a. a. O, 
Ahd. pe»amo. pnnmo - d'^ipa 
Gramm. P. 626 Gad#rm b. H, 
onzaligemal: >d^r I^a/^lmial hat 
'6 Gadem h^>ch.< f 570, aM 
kadam. cam^ra. K^ *\nt^n 
Wort*! «srm:\»0nn% %nhfm ^^ trn\m 
n- 'V^dm t'^rtt, H\7 1 f/1>* Ht' 
«em \ßfii in Hüiltsr kuttUy/, *4m 
Lägen n^.ffß^ mn4ffr ir# hnn*im 
giütchfA^^m < Ä- a, ^; 1/4* /•/''>» 
nn^kUrt^ W/^ Harn - >^ 
LnÜMsr ffarc* 4mi^«^r«t *>f 

Mh^ «iyl af.4. x//Mrt frvf ha/.'. 
Tfw, .V/T,. y;r, r/,;i |«* fff^Ar.t^ph 
kaA . n^,f.^,f.\ t,%fTt4 i^üA n^w»- 

IMT 'AJ^if *'J^, W7 Adrt t,%tt*^ 

it^.iu, •arÄ*,tir»r*. 



320 



Lüge — Lusz. 



LÜGE. Red. A. »Wenn dear an 
der erste nLuge verstickt war, 
nao dät 'r schon 4 Jaor nimma 
leaba.< Burgau. 

LÜGEN sieh oben guggen. 
»Do liesz Noe ainen rappen aus 
der archen und sandt den heraus2, 
dasz er lugen 8olte.< cgm. 
205 f. 26^ 

LÜGINSLAND , der , in A. a. 
1430 gebaut. Sohieszen die ema- 
ligen Warttürme, besonders zu 
Anfang des 15. Jh. zugleich mit 
ansehen tlichen Bauten, Kirchen, 
Rathäusern, Glockentürmen, er- 
richtet als Zierden und bleibende 
Denkmäler ausz der Zeit der 
reichsunmittelbaren Verhältnisse 
in den Reichsstädten. Zu Ulm an 
der hl. Ereuzkirche war ein L. 
a. 1610 abgebrochen. Auch die 
Wilhelmshöhe hiesz so. Im Vocab. 
S. Galli ist Logs tat, cubile, 
specus; dasGraffü, 192 als Lot- 
stat und davon Grimm gleich- 
falls falsch in die Gramm. 111,46 
hinnam. In e. ürkde. v. 1265 bei 
Mone Ztschrft. III, 77 erscheint 
Lugun. >Der Lueg<: »sach ein 
Fix aus seinem Lueg.< cgm. 
254 f. 4»>. (= Loch, Hole.) 

LÜIKEN, Wisen bei Schwab- 
münchen. 

LÜIXA, die, Groszaitingen. Die 
Azenstange , welche die Leiter 
mit der Lunne verbindet. Leis- 
sam, Laissam, Luixel, Lais- 
zing sonst. 

LÜMMEL. >Die Pfarremer 
L.< heiszen die als Raufbolde ver- 



schrienen Bursche des Bezirks 
Horgau —* Pfarrei genannt. 
Adj. glümmlet: »was saift du 
glümmlets bauravich < Seh. 29. 

LÜMP; im Mickhaus. Strafb. 
wird einer gestraft, > weilen sein 
Weib sie Lumpen gescholten. c 
1773—75. Femer >mit ihro Vor- 
fahren sei es nur gelumpet.« 

LÜNGAWÜRST Name einer al- 
ten A. Tafeme; jezt Jakobsapo- 
theke. Leberwurst in München. 

LÜNNE wasLoner oben. Lo- 
zapfa,Hertfeld. >Mer SLonen.« 
Hufschmidrechnung 17 Jarh. In 
einer Glosse IX jh. (Diutll, 172): 
luni, humeruli, qui in extremita- 
te axis fiunt, ne de eo rota laba- 
tur. Aarg. Lom, Lung, Lon. 

LÜPPELN., LÜPPEREI, Zau- 
berei treiben. In einem Beicht- 
spigel des XV. saec. cgm. 543 t 
50^ stet: >daz ich den gelauben 
gevelscht han mit segen ausspre- 
chen, luppeln, zaubern, tauben- 
geschrai und darzu an trawm 
gelaubt hab vnd des alles nicht 
bestat ist noch bewart von der 
heiligen Christenheit. < — >Nit an 
L Upper ei glauben.« cgm. 402 
f. 17R Vrgl. got. Ittbi. 

LÜRTSGII im Eleiderb. 146: 
> 4 Ding last sich nicht verbergen, 
nemlichen die Lieb, der Hneet, 
das Fewr oder Waszer und der 
Schmerz , aber es was von Hmm 
aus lurtsch.« 

LÜSZ, LÜSZ uralter allgem. 
Schwab. Flurn. Graslnsz, Urkd. 
1440. »In der Liszen.« Tüi^h. 
Urkd. >M4rgibteryon8Lft«ien 



Lutel '"^ M. 



821 



Sil Ifdringen.« egm. 1^4 f. 44^. 
»In der lani^en Lüse.« Min- 
ddtel. LnsE, Wahfinger Wisen. 
Der L«8a, ein Waldteil, par- 
seltenweite enszgelosst (in Min- 
driMm). In denLiflz engelegen. 
Miekh0. Akt 1610. Die Lisz in 
Bemmteried. Auf der L n sz ba 1 d- 
•n beim St. Mangstrit (Füszen). 



Feigele. Herrn. > abgegrabene nr- 
bar gemachte Moorgründe.« 

LUTEL, LÜZEL, Sauglapplein. 
>d'Bearn8tailuttel.< A. 

LUZEL,Kafelnzel, eineEafe- 
trinkerin. >Bie alte Luzel beim 
untern Tor hat 3 Kinder, wel- 
chen sie kiunmerlich das Brot 
schaffen. < Conlin. 



M. 



1) Alte« m, an dessen Stelle 
Bp&ter n anflrit, hat sich im Yolks- 
mwide and in Denkmälern des 
16. Jlup. angsburgisoh-schwäbisch 
erhalten. 

Die alten Formen Bodem, 
Fadem, Oadem, Besem, Bu- 
eem leben mündlich noch zer- 
etreut fort. In Niederschwaben 
iet m im Diminitivnm erhalten: 
B ö d e m l e nur noch von Hauben- 
boden der bäurischen Tracht üb- 
lich; Fädemle n. nach falscher 
Analogie: Kettemle, Lädemi e, 
Fearecham , Fearschämle 
aM. Itaana. Hie und da: Gä- 
demle. Mein Wbl. S. 62. 1. 
Schnfttiche Denkmäler: üf dem 
er db ödem. cgm. 736 f. 17* po- 
devl cgm. 581 f. 112^ frucht- 
barer B o d e m. Gass . ungeschlach- 
tem Bodems gewesen, a. a. 
0. Scheorai und Bödem. a. 



a. 0. pesem, himml. Braut. Mit 
Schaufel und Bäsem. a. a. 0. 
Ahd. pesamo, pesmo= scopa 
Gramm. P. 625 Gadem b. S. 
unzäligemal: >der Dachstul hat 
3 Gadem hoch.< f. 570. ahd. 
kadum, camera. Bei disem 
Worte erscheint schon ser frühe 
n. -vadm cgm. 317 f. 53». Bu- 
sem bei Dr Müller häufig; >die 
Lügen selber wieder in Busem 
geschoben. < a. a. 0. Das noch 
unerklärte Wort Harn — bei 
Luther Harm — erscheint auf- 
fallender Weise im cgm. 601 f. 
96^ und öfter mit m: härm. 
Mhd. und ahd. komt nur harn 
vor. Sovil ich bis jezt urteilen 
kan , scheint härm fast spezi- 
fisch bayer. codd. eigen; kinds- 
harm cgm 144 f. 7^ (schwäb.) 
Der bayer cgm. 317 hat: harm- 
stein, harmesrarb, weiszer, 
21 



322 



roterharm^kindsharm, harm- 
winde u. 8. w. Turm mit spä- 
tem m kent die schwäb. Mund- 
art nicht. 

Vergl. Schleicher, Sprache S. 
210. 211. 

2) Die gleichfalls ser alte Wan- 
delung des ursprünglichen n zu 
m vor Lippenlauten, der beszem 
Auszsprache wegen, erscheint in 
volkstümlich Schriftwerken, wie 
mundartlich, ungemein häufig. 
Yernumft, Zumft, lezteres auch 
urkdl. Hamf, samft, Hamfl 
(Handvoll), mumpf ein, denMund 
voll haben u. s. w Disz ist all- 
gemein süddeutsch. Schriftliche 
Denkm. : das mundartlich allgem. 
übliche Imbisz erscheint urkdl. 
und ist auch ahd. und mhd. — 
hamffwerk. cgm. 317 f. 56^ 
weimber, Augsb. HallO. 1786. 
amblik cgm. 140 f. 27«. Allgem. 
ist Nürmberg, Nürmberger 
Elen, auch in Ulmischen Ordgu. 
Mumpfel schon in Grieshbrs. 
Predigt. II, XX. vernempt, ver- 
nannt, sich versprochen haben, 
nemmet, 1301. Beliebt und in 
Schweiz. Schriften üblich ist das 
in Mickh. Urkd. oft vorkomende 
Leutenampt, Lütenampt. 
1683. Vrgl. Weinhold , Gramm. 
§ 167. Weigand Wb. II, 78. 

4) Altes -mb, -mp wofür spä- 
ter mm einstand — sieh un- 
ten Lautlere des N — - hat sioh 
in schwabisch - augsbnrgischen 
Denkmälern und im Yolks- 
munde erhalten. Wampe got. 
yamba, venter; W&mpstlari 



Sauberer und Verkäufer der Ein- 
geweide des gesohlaohieten Viehs ; 
eine niedere Klasse der Mezger. 
>Da Wampa vol haunc schwan- 
ger sein. Imben, Imble, Im- 
bastock. Kampel, peoten. 
Lamp, Lämple. krump. Da- 
bei will ich bemerken', da» die 
bayerisohe Mundart alte« mb, 
mp durchausz gewart hat, wä- 
rend die augsb. sehwäb. Fälle 
mit weniger Auszname (Imben, 
Kampel) von den benachbarten 
Ostlechleuten eingeschleppt sind. 
Doch hört man noch im Mindel- 
tale: krump. 

In den Schriftwerken erscheint 
Wampst neben Wanst und 
Wammen. >EinLamb8kr6aiampt 
Wämpstlen.< >Gelüng, Rfiasel, 
Zeen, Troschel, Wammen.« 
Mezg. 0. 1649. Für Lemplin 
u. s. w. wird esz keiner Beleg* 
stellen bedürfen. An diien Vor- 
gang lenen sich die YÜen Ansz- 
wüchse vom mb, mp, wo de ge- 
radezu unorganisch und oft hin* 
lieh zu nennen sind. Zu den oben 
B augefürten Fallen (S. 40^) fi&ge 
ich noch: Kettamb (Mindeltal)« 
Schiszelramb, Harter Invent 
Nachkömbling, Wibr. Püurrb. 
Gehorsamb, Ordg. 1647. In dar 
Chronik y. 1684. S. 1201 itei eine 
Art PasquiU , in dem die Fliok 
-b bii zum Eokel wiederkeren: 
Das Evangelium — <• 
ist irr und thum&, wa ioli Idn- 

komft 
ist alles knim5, von dm Fiiliel- 



823 



Zum LatherÜuuiift, im Irrthiiin& 
Und Ketegerthmn^: summa sum- 

marum, 
ess muesz wiedenim& vom Ln- 

thertumb 
Zu dem Pabstthumb: oder des 

Teafels 
per Denm sanctom. 

4} mm durch Angleichong ausz 
bm, nm, dm; semmar: sind 
wir; gemm9r: geben wir; häm- 
m9r: haben wir; hemm er, hät- 
ten wir, coig. ; wemmer: wenn 
wir; kemmdr: könen wir; 
Simmacher, Simmachere: 
Sibmacher, Sibmacherin ; s e m n e : 
sibne. YrgL Semmaringe für 
Sigmaringen. Der Ortsname Lam- 
medingen heiszt urkdl. Lad- 
medinga 1278. Ladmadingen, 
Lademandingen 1076. 6om- 
maso heiszen die Weber-Bom- 
basinlen sieh B. Merkwürdig 
istSimmetsfuirfürSunwend- 
fener, sieh S. 

6) Wechsel des m besonders 
mit Lippenlauten sieh oben 
B:39* Merbel, Merbelfarb, 
allgem. sudd. Wolwerfer, tal- 
pa, sonst Mold-, Modwerfer. 
Mertig, Mertigkleid, Werk- 
tagkleid. Burgau. Machholder 
far Wachholder. Walmen für 
Walfen. Schwalme, Schwal- 
meneck f. Schwalbe. A. Ueber- 
stilm ausz üeberstilpn, was 
bayerisch klingt; mao f. wä, u. 
mier f. wir sind bekant; lez- 
teref ist uralt. Wenn esz nicht 
&lMh gelesen, stet Mur f. Wur, 
Wtr=WMier8tauung. Zacher 57. 



m schon urkdl. 1440 für n in 
m ö 8 m e r. Türkh. ürkd. B a r- 
mele für Barbe le hört man im 
Riesz gegen Ellwangen hin; in 
lezterer Gegend get ein Name > M i 1- 
le< für eine alte Jesuiten- Villa. 
Ich füge bei die 0. N. Ram- 
hof, Ramhart (Berg, b. Donau« 
wört) urkundl. Ran- wie Ram- 
mert für Rabenhart b. Rot- 
tenb. in Wirtemb. Ronsberg, 
die berümte Markgrafschaft lau- 
tet nach L. Brunner's Mono- 
graphie Rumesberg, Ruomes- 
berg; urkundl. Inchenhofen 
0. N. heiszt a 1313 Imechin- 
hofen. Auf eigentüml. Weise 
bewart Bayern die gramm. Be- 
tonung in lebendig; diebayer. 
codd. schreiben stets lembdig. 
In der Günzburger Gegend sagt 
der gemeine Mann: des igt mar 
dutt-nem! für tout-meme. 

6) Das ausz mittellat. cam- 
phera, camphora genomene 
Gampfer, Kampfer, im 13. 
Jarh. campher, -ir, komt in 
Augsb. Denkm oft als capher 
vor: so cgm. 601 f. 107^ u. s.w. 
Auszlautendes m für späteres 
falsches n erscheint in alaum, 
HallO. u. L.Rem, was auf seinen 
lat. Ursprung alümen hinweist. 
Der Auszfal des m in Arakre- 
za u. s. w. überhaupt nach r, 
sieh R. 

7) Die Näselung (sieh bei N), 
welche m bewirkt, ist echt schw. 
augsb. Das ahd. mäsa, macula, 
lautet augsb. m o n s , mos, plur. 
mds9, wozu ich das maus: Maus 

21* 



324 



Machen "'— Mader. 



im bayer. Walde ziehe. Femer 
ist echtaugsb. mee,mer, iteram; 
wenn nicht ein Comparativ min- 
niza angenomen werden mnsz. 
I ma : ich mag, ist allgem. schwäb. 
Im AUgaü wirkt folgendes m 
keine Näselung — leztere kent 
das Volk dort nicht — wird aber 
im Auszlaute abgeworfen: da- 
hni (daheim), wo der Augsbnrg. 
Schwabe dahoi, der wirtemb. 
Niederschwabe da ho 9 spricht. 

8) Die hente mit haim ge- 
Bchribenen Ortsnamen lauten 
nrkdl. -hain: Blinthain, Ne- 
reshain, MB.23 VI». 540. Holz- 
hain 507. 1527 n. s. w. 

MACHEN. 1) >anyermacht 
Tuch< unverarbeitet Hart. Inv. 
2) >yermachen und verschrän- 
ken mit Floszholzen,< z. B. GkuBi- 
zen, Wege. Horm. 1834. 137. 8) 
mächein und basteln, Mä- 
cheier und Bästeler. Immen- 
stadt. In der Mache haben, in 
Arbeit haben; niederschwb Ma- 
chete. Miohele, M ä c h e le, bmni 
in's Kachele u. s. w. allg. schwb. 

MAD im Augsburgischen häu- 
fig, in Niederschwaben selten oder 
nie als Flur N. In Währingen 
die Mad, Wegmad,Mülemad. 
In den Stauden: Speltamad, 
Flaxmad, Oelmülmad. Baoh- 
m ä d e r b. Reinhartshausen, neben 
Sulzmad. Im Stroh- u. Buch- 
mad. Schönefeld. Urkd. 1875. 
(b. Ambach). Epfelmad (Siben- 
brunnen), Weyermad, Stook- 
mad. Das a^j- madig: zwi- 
m&dig. Hart. Inv. Miokh. Baoh- 



nungen. bn cgm. 811 f. 52*>: 
Mad schrecken: »ioktaohausz 
einem Loch springen M. oder 
hewschrecken.« 

MAD, Mädle, in Einds- 
mädh, Kindsmagd. Mädlafuse- 
leler, einer der sich lieber mit 
Mädchen, denn mit Buben unter- 
hält, von Kleinen und Erwach- 
senen gebraucht. Bei S. M&dlis- 
fraind-MädlisschnithiesELA. 
dasvonlnnensehneiden des Brotes, 
Bubenschnit aber der Anschnit 
Mädloch, vor Zeiten gewölbte 
unterirdische Ganäle mr Ableit- 
ung des Auszgnszwusers , des 
Unrates, der von Mägden hinein- 
geschüttet wurde. VrgL Andaücha 
P. V. Stetten , K. und H. Gesch. 
I, 86. Das sog. Medloch, »allda 
wird mit Dung und Mist zuge- 
machet, damit sich das Waszer 
anschwellen kann.« Bronnen Ord- 
nung 1754. 

MADE, got. matha, Wunn; in 
asket. Schriften ist ser Häufig 
Madensack für Leib, Leich- 
nam gebraucht. In einem alten 
Todtentanze : 
Flaisch, du schnisdar Madeiw 

sack, 
Wie vil hast du betrogen I 

MADER, Marder, Peliwerii 
vom M. >Da8 die Maosperaonen 
der Harrenstuben kbain bewer 
Fueter ak Stuckmäder g<ebra«- 
chen.« Vergleich der Bürger ud 
KiaufL1581. Ebend. werden atmek- 
mäder und Kealm&der da- 
ander fegenttberfwIaH; 



Uagea *— Mai 



326 



waren y. untergeordnetem Werte. 
>FiieterTonSteinmarder.< PoL 

0. »Sich Steinmardern Fue- 
tert bedienen.« a.a.O. »Sohaup- 
pen mit M&der unterfutteri.« 
a. a. 0. Edle Mäder. a. a 0. 
Köhlmäder, baldEeelmäder, 
■er üblich. Das Adj. mederin, 
aiderin, >8tackmäderin 
röckh mäderin Arm u. Hals- 
bänder« o. B.w. Vergleich ▼. 1581. 

MAGEN inMagafleack eine 
wollene Schürze tmter dem Hemd 
vom Hals bis über den Bauch, 
ITntersch&pper auch genannt, 
jezt weniger üblich. Zusmarsh. 
Oegend. >'n blaita Maga< mit 
Blähungen behaftet. Burgau. In 
Obergrünzburg übt man die Zunge : 
d^ (die Speise) maget den 
Bäumen und sacket den Butz 
= raümt den Magen und puzt 
den Sack. 

MAGELAGH plur. vasa, cyathi. 
magele b. Schm. H, 556. »Es 
sind gefunden worden 300 sil- 
berne Magelach oder kleine 
Becher.« S. 222\ 

MA6INKE, die, primula veris 
== Sohlüszelblnme. Grimm Wb. 

1, 1157. >I hau M. wunder- 
nett.« Seih. Niederschwäbisch B a- 
tingget pL -eto. 

MAL »Im herbst, im pawding 
im mayding,inderEomschau.< 
ogm. 154 f 1*. >N. gibt von ainer 
wismad genant die Ölmül an 
pawding 12 d. und am may- 
ding aneh so vilL« a. a. 0. In 
Gütbuche unxäligemaL 



Maitänze, häufig. In Ghrasz- 
aitingen loszte .man (3 Buben 
musten das tun) um den Plaz- 
meister. Der PL fürte unum- 
schränkten Oberbefehl. Der Tanz 
war auf dem Kirphplaz, wo auch 
der Maibaum gesezt ward. Beim 
Tanze machte die »Weinbit- 
8 c h e< natürlich häufig die Runde 
und der Plazmeister dictierte 
bald dem, bald jenem ein Glas, 
so dasz ofb einem Burschen der 
Maitanz teuer zu sten kam. Die 
Kleidung waren rote >Leiblen 
und weisze Schürze < 

A. 1723 d. 30. April steckten 
die Spilleute der Stadtgarde iren 
Oberoffizieren nach einem alten 
Gebrauch Maybaüme vor ire 
Quartiere. Einer derselben liesz 
den seinigen als übliche Galan- 
terie dortmaliger Zeit einer Ge- 
schlecht ersfrau vor das Haus 
stecken. Gullm. IV. 421. 

A. 1429 fieng auch Caspar 
Sommerer ein Mayenbadt an, 
dasz man in Zubern badete für 
dem Wertachbruggertor. Chron 
1634. 

In Web. Rechnungen: Dem 
Maiting das Quatembergeld 
30 kr. Dem Maiting Bietgelt. 
Des Maytings Ayd 1 fl. (?) 

Maikäfer in den Kinder- 
reimen : 

Mojakeafer predige 
Moara komt der Schwedige 
Moara komt der Zymprian 
Und möcht da Moikeafer au 
mit lan. 



326 



Maingrindel — Maister. 



Mojakeafer predige 
Moara komt der Schwedige 
Moara komt der Dilldilldum 
Bringt alle alte Weiber um. 

(Türkheim.) 

Mojaküele, siz aufs Stüele 
Dasz heint oder moara guet Wead- 
der wird. (Stand.) 

Maiwisle, Birkach. Flum. 

MAINGRINDEL 0. N. schon 
urkdl. 1150 so; Meyer, Zürch. 
0. N. S. 85. 

MAILÄNDISCHES Kelchtuech, 
Mickh. Urkd. 1624. 

MAISENHÜTTLIN , gefloch- 
tene, b. Furttenbach. 

MAISZEL in As. ürk oft, sieh 
oben Bainschrot. Eine Wunde 
maiszeln, häufig in Akten. 
Maiseiwunde vulnus profun- 
dum dictum vel ab instrumento 
chirurgico, quo vulneris altitudo 
pertentatur vel a turande quo 
stipantur vulnera ne praematurins 
coalescant. Haltaus 1337. pla- 
gula Chirurgis hodie dictaMei- 
sei so man in den Wunden drehet. 
S. 1338. 

MAISTER wie überall inReichs- 
städten allgemeinen Anrede für 
>Herr.< Guten Morgen Mai st er 
N.l Noch vor 10 — 20 Jaren bei 
Altaugsburgern üblich. In fol- 
gender Verbindung begegnete 
mir das Wort: >der Ma ister 
zu dem heiligen Geist. < Man. f. 
25». Siechenmeister, f. 26». 
Weihermaister. Sigertshofer 
Urkd. Siechmaisterin (Nieder- 
schönefeld) Nonne in d Infirmerie. 



Pfenningmaister hieszen die 
Kassiere. Zechma ister sieh Z. 
S. 464». Wasenmaister. Lech- 
maister — mit Lechmaister- 
bach — der in der Jakober- 
Vorstadt bei dem obern Baugarten 
wonte. Gemeiner Stadt Lech- 
m ai st er. Poliz. 0.1735. Er hatte 
Tagwerker unter sich und muste 
die Räumung der Leche be- 
aufsichtigen. In der Herbstab- 
läszin durfte er dem Maormüller 
6 Tagwerker auf 3—4 Tage bei- 
geben. Stubenmaister (der 
Eaufleute), der Stadt gar de- 
stookn^aister , Profos. Der 
fürstbischöfl. Hof' hatte: einen 
Fecht- und Tanzmaister, e. 
Haush^ofmaister, Küohen- 
maister, Eellermaister, Wa- 
genmaister u. s. w. Städtische 
Beamte: Stadtmaurermaiater, 
Pflastermaister, Zengmai- 
ster, Rentenmaister, Fisoh- 
maister, Brunnenmaister, 
Schaufelmaister, b. Fener- 
wesen und beim Leohraümen 
beschäftigt von der Belzmüle bii 
zum Ende der Schmidgaszen und 
im S parr enle eh: was er heraosz 
warf hatte der Lechmaister 
wegfüren zu laszen. Die Stäi- 
maister »haben allein dai^enige 
zu straffen, was in meiner Herrn 
oder der Handwerker Ordg. nit 
begriffen iBt< Ordg. 1647. Hall- 
maister. Stadelmaitter, der, 
hatte alle fremden und sfltien 
Weine bei der Ankunft derselben 
anzuzeigen; Angestellter des Si- 
gelamtet. Im Dienfto des Oi^i- 



Malefiz — Malig. 



827 



tab ttonden der Sehul- und 
Holsmaister Bei den Zünften 
hieM der geprüfte Gewerbsmann 
Stnokmaister. >Nea angeh* 
ende Stnckmaitter.« Sail. 0. 
SelimeU lU, 614 Die Viertels* 
m «ist er bei den Färbern mus- 
ten >dem wöchentlichen Siz auf 
dem Weberhanse mit Abrechnung 
der geschauten Tuch und Be- 
■tlmmnng der gebührlichen Rest 
fleissig abwarten, darinnen keinen 
f&r den andern unziemlich be- 
denken oder vervorteilen und 
inegemein alles tun und leisten, 
was getreuen Y. gebürt und ob- 
ligt.« Dekret y. 1600. 

Die Malst ersänger bluten 
in Angab, nicht minder denn in 
Ulm, Golmar, Straszburg u. 8.w. 
Im 16. Jarhd. gaben sie vilfach 
Lust- und Trauerspile. So 
wärend des Reichstages 1530, wo 
sie vor dem Kaiser eine stumme 
Komödie juifPurten. Z.B. erschien 
ein Mann mit krummem und ge- 
radem Holze auf dem Rücken, 
das er unwillig hin- uud herwarf; 
auf dem Rücken stand: Reuch- 
linl Erasmus von Rotterdam 
will die Scheiter gerade legen; 
kopfschüttelnd zieht er ab. Lu- 
ther komt, zündet das Holz an 
und get weg. Ein Fürst will 
löflohen und schlagt darein. Ein 
alter geistl Herr will löschen 
und gicszt die Oelflasche stat der 
Waszerflasche hinein und alles 
brent zusamen. (Carl Y. und 
Leo X.) Maistersänger-Co- 
mddienitadel, wo a. 1723 d. 



26. Nov. polnische Schanspiler 
gastirten. 

Die Maistermäler waren 
Zunftfeste; in der Mezgerstube 
stet auf einer Wandtafel: 
Damit hat er erlanget auch 
Das Maisterrecht und bald 

darauf ehrlich 
Das Maistermal geben gar 
herrlich. 

Maisterbraitin beim ge- 
schnürten Barchant, in den Web. 
Hausbüchern öfters Mitmaister, 
Zunftgenosse, in den Mezg. Akt. 
oft vorkomend. Maist er leben 
in Mickh. Rechngen >Ausz dem 
umschwebenden Maisterlehen.< 
1683. Ztw. maistern, aufmai- 
stern, vermaistern swv. 1) 
bezwingen, Herr werden, beson- 
ders bezeichnen die 2 lezten Wör- 
ter dasAufeszen von Speisen, be- 
zwingen; ersteres im cgm. 257 
f. 16*: >und namen stain und 
warfen an jn, das maisteret 
also ain Jüngling, der hieszSau- 
lus.< 2) einen Yerweis geben und 
zeigen, wie man etwas hätte beszer 
machen könen. 

MALEFIZ in Yerbindungen wie 
tM. Mezl M. Affl M. Loasz 
(Schwein)!« rohe Schelte. Grosz- 
aitingen. 

MALEN: »item so hab ich auf 
Giltbauren einmalen und ab- 
bachen laszen.i Mickh. 1567 

MAL IG adj. zu Mal, Spur, 
Zeichen, besonders Blutspuren 
der Märtyrer: rote mal im cgm. 
736 f. 42*: >wann es was eine 
andechtige Römerin , die was 



328 



Man — MantBohen. 



mälig ander Iren äugen, al86 
so sie der suchen laut wer.« f. 
41». Das Wort Mal für Eszen 
bei Hochzeiten erscheint hie und 
da: >zum Morgen- oder Nacht- 
mal laden. < Hochzeit 0. 1532. 

MAN ser üblich um Günzburg : 
wao igt ma denn nacht gwea? 
Ma i§t nacht gar itt furtganga? 
des woisz i nett, ma haot nacht 
d9-n-Affa ghett. Zurückweisende 
Antwort. 

MANDELN.pl stende Getraide- 
haufen. A. 

MANDLACH, ein geschloszenes 
Gut b. Rain; das M. Feld, ein 
Flur N. ebendaselbst. Steichele, 
Archiv I, 267. 

MANDOTEN, Oblaten. A. 

MANG, 1) Glättwalke von Pfer- 
den getriben. A. Die Stadtmang 
in A., emals in d. Schuh-, später 
in d. Steingasze. Auch zu Fisch- 
ach war eine Dorfmengin. Die 
Augsb. Weberhausmang war 
bedeutend ; die Vorstände hieszen 
Mangmaister. Sie musten einen 
Eid schwören , dasz jeder seinen 
Handel in der Mang und im 
Mang werk treulich auazwarten 
wolle, alles Wechseins, Verwech- 
selns , Auszleihens , Kaufens nn^ 
Verkaufens mit den Stucken und 
zum Mangen übergebenen Tü- 
chern — gegen Bürger u. Gäste 
— müszig sten. Bei solchen G^ 
Schäften sollen sie die Kauflusti- 
gen an die Eigentümer weisen. 
Schadhaftes, ungeschautes in die 
Mang gegebenes Tuch müssen 
sie vor's Weberamt bringen. Da- 



rauf sollen auch die Manggeiellen 
vor den Maistem ichwören. Je- 
der Malst er hat oneBeeteohimg 
alles Zugebrachte KU mangen und 
erhält dafür ■» bares Gteld. >Item 
die Mangmaister loUen auch 
keine geblaichte schmale Barchet, 
was Sorten die auch sind, nicht 
annemen, sie seien dann zuvor 
verstrichen und an der ordent- 
lichen Tuchscherer Gesohan ge- 
stüpfet worden.« Akt Ueber die 
Färber mang sieh F. 2) Kauf- 
haus. Fleisohmanger, Flax- 
manger. Str. Henermanger. 
Sieh Sohmell II, 599. 

MANGEL, Mangolfl. Beta. L. 
ImAUgaü: Manglet, eine rohe, 
landesübliche Speise, spinatartig 
zubereitet. 

MANN. Red.A. >z' Augsburg is 
ao no aMa, dear woiszt's nett,« 
zu dem, der auszforscheln wül. 
Burgau. Bei Furttenbach: rechts 
und links auf der Ofeilbank si- 
zen, nach des Feldmann'a Ge- 
brauch. Der steinerne Ma, e. 
A. Warzeichen. 

MANNSZEITIG, nubUis. A. 

MANTEL. >Heng den Man- 
tel naohwynnt.« ohn. 842 f. ISO*. 
Glossen. Manielflioker, Sti- 
chelname der KÖschinger bei In- 
golstadt. Sie fiiokten mit alten 
Flecken einen neuen Mantel, der 
noch nicht getragen wmr. Man- 
telen und M&ndelen, Klimm. 
Wisen. Pfirrb. 

MANTSCHENsii'V. l)anord«iii- 
lieh essen, sohmalgen. 2) onordABi- 



Mttf ^Idtrict 



829 



Hdh kodieii. Mantioltoreien, 
Böhm alger eien. 

MAB, weieh, mftrb, besonders 
Tom Gogelkopf. A. 
A« hia und daa "n Eirohweih- 

knopf 
BM in* KM *n mära Zopf. 
Seh. 49. Dao kauf i glei 'n mS- 
r« Kranx. a. a. 0. 

MABGELLER, die 8 Kirchen- 
patrone Marcellns, Marcel- 
linns^MarcellinariuB im Wei- 
te» Marzellstetten (Wertingen). 
Bei Kinderkrankheiten liesz man 
irgend eine Frau dahin wallfar- 
ten gegen Bezalung »um den 
8 Mareellern die Kerzlein 
anznsftnden.c Je nachdem ein 
oder das andere Kerzlein frnher 
abbrennt, mnsz das zn Hause ab- 
magernde Kind sterben oder komt 
davon; ein auch noch auf der 
Lefitkircher Haide zwar selten 
mer vorkomender Unfug. Die 
Entfernung der Marceller vor c. 
60 Jaren änderte nichts im Volks- 
glauben, jezt sind die 3 Bilder 
restaurirt an irem alten Plaze. 
Wird der kleine Patient mitge- 
nomen, so mun im irgend ein 
Bauer unterwegs ein Musz ge- 
ben, der heiszt derMuszbauer. 

MARGRANTAPFEL, Granat- 
apfel. A. Schmell II, 616. 
MÄRSAGE. >Siehi6Szen inainen 
Mftrsagen, ainen verlayter.<cgm. 
403f.l27^ >Lautmär werden.<P. 

MARIENGSIGHT, weinerliches 
Gesicht, protest. A. 

MARKT für Marke, Zeichen. 
»Es solle ein jeder Maister sein 



eigen Geacbauzeichen oder Markt 
haben, dasz er aufbtosze und nicht 
aufinale bei Straff von 60 Pfen- 
ningen.« >DasZeichen od Stapf- 
markt ausjswaschen, abzeichnen, 
nachdrucken — oder seine Waa- 
ren selbst gestupfen — verboten. € 
Erneuerte Web. Ordg. 17. Jarh. 
Markbaum, bemärkter Stein, in 
alten Gränzbeschreibungen. 

MARKT hiesz man nach Gass. 
die nächsten Dörfer um die Stadt 
herum, neben Plaz. Jar mark- 
te waren auf St. Georgen- , Hl. 
Kreuz- , St. Veits- , St. Ulrichs-, 
St. Margarethen-, St. Jakobs-, St. 
Michaelis-, St. Gallen -Tag auf 
dem Stadel. Dekret 1683 (Anti- 
müller). Wochenmärkte: am 
Montag ob dem Plaz bei St. Ul- 
rich und einerseits an dem Wein- 
stadel herab. Am Mitwoch vor 
der Mezg und gegen den Per- 
lachberg herauf. Am Freitag ob 
dem Fischmarkt vom groszen 
Rorkasten ob dem Perlach die 
ganze Weiszmalergaszen hinab, 
den ganzen Obstmarkt hinauf bis 
an das Hafnerbergle. Am Sonn- 
abend wieder vor der Mezg wie 
am Mittwoch. Markt. 0. 1735 
S. 4. Bei der groszen Tätigkeit 
der Gewerbe werden die vilen 
Plazbenennungen nicht auffallen: 
Brotmarkt, Kizenmarkt, 
Rossmarkt, Salzmarkt, Sau- 
Obst- u. Kesselmarkt, Vogel- 
markt, Fischmarkt, (wo der 
Galgen stand) sieh G. 

Markt knechte hieszen ge- 
wisze Taxieramtsdiener; bei 



880 



M&rmeln — Mms. 



Jedem Amtssiz waren sie zur 
AuBzhilfe der höheren Beamten 
beschäftigt, hatten bei Zalungen 
aufzuwarten. Bei der Mezg. Zunft 
kamen sie häufig vor. Auf einer 
Wandtafel der Stube stet: 
>Da wird man dir zugeben 
Erstlichen 2 Marktknecht, die 
dir fein den Plaz machen.« 
Nach der Mezg. 0. v. 1549 hatten 
die M. beim Fleischkauf, unter 
den Bänken, an den bestimmten 
Tagen »fleiszig Aufsehen,« 
ob kein ungeschaut, kein unge- 
rechtfertigtes und ungeseztes FL 
verkauft werde; ob Niemand ab- 
gewisen oder übernommen oder 
im Gewichte hintergangen werde. 
Beid.Anzeig vor den »Strafher- 
ren« durften sie niemands > we- 
der um Lieb, Freundschaft, Mieth, 
Gab oder ichts anders willen ver- 
schonen: desgleichen von Mez- 
gern oder Mezgerin, ihren Kin- 
dern oder Ehalten, ainich Geld, 
wenig noch vil , uit entlehnen, 
noch ichzit bei iu auszborgen. 
Auch hinfuro den Bürgern oder 
andern Leuten, one derselben 
Personen, Scheinbotten , ainich 
sied- oder bratflaisch, auch aini- 
chen Kalbskopf noch ingewaid, 
weder durch sich selbs, oder ire 
zugewanten, kauffen noch bestel- 
len sollen, in kain weisz. Alles 
getrewlioh und ungefärlich.« Die 
Marktmaister > sollen auch hin- 
faro, bei den Mezger ainiohen 
L e y k a u f nit trinken, noch sonst 
bei jnen nicht zeohent. Zu 
Mark, Markt stet märggeln 



oder märkeln, tanschflii mit klei- 
nen Sachen, wie Kinder, beeon- 
ders eben empfangene Gegenstftn- 
de wieder ausciaoBohen. 

MARMELN pl. Marmorki&gel- 
chen. Sieh Gluck er. VgL deut- 
sche Zeitung für die Jugend und 
ihre Freunde. 1786. 46.Stack. S. 
361. Bergm. Journal I, 8. Nro. 4: 
Schuizermühlen. Merbel- 
spil. 

MÄRRf Stute. >Fülliim&rr< 
landüblich. Sigertshofen Beh- 
lingen- 

MARTINSNACHT,featlioheZeit 
im alten A. Man beschenkte 
sich gegenseitig. Die Web. Zunft 
schenkte dem Tit. Depatierten 
in diser Zeit wie am nnseholdi- 
gen Kindleinstag Wertvollee, eben- 
so die andern Zünfte iren Yor- 
gesezten. A. 1557 den 18. dea 
Wintermonats ist ein Hans t^Sjg^ 
brannt : » solches hatten die Knap- 
pen, da sie schwermeten o. Mar- 
tin s nacht hielten verwahrlost« 
>Au8sehen wie eine gempfte Mar- 
tinsgans.« Gonlin. 

MARXBRUDEB. >Ich will niher 
hinzutreten und sosehen, was doch 
diser Narr bei dem Altar maohe, 
wie er herumgaukle und als wie 
ein toller Marx -Bruder hin n. 
her fuchtele.« Gonlin. 

MÄRZENBAD, beim, in A. 

MASZ,die. >Gebür der B öden- 
m&sz, wie solche dem Fast und 
Punzen nach auszgesohlagen.« 
Akt 1774. In den Stonden heisii 
esi: aMaosi verdrncka, trin* 
ken, alibayer. dermansa. 



Massgftngrlein — Maul. 



S81 



MASZGÄNGLEm, das, Mast- 
darm. >Da8 peuchlin sol man 
inen abwans streichen und das 
Maszgänglin berüren, so ver- 
lieb«id sieb dester mynder stul- 
gftoge noch Harnen.« cgm. 601 
f. 99^ >yon dem Maszgang, 
•o or Einden auszgät. Masz- 
gang gat Einden berfdr ausz 
dem Leib entweder von hertider 
Stül wegen oder von Zwang.« 
f. 110*. >So derMaszgang her- 
auszen ist, sol man Kind paden.« 
a. a. 0. >Wann es behalt den 
Maszgang inwendig, so er aber 
Ton des Zwangs wegen herausz 
g&t, so hält man das Kind warm 
— omb sein Maszgenglin.« 
a. a. O. 

MASSLAIDEN: >chain mensch 
sol lanszen alle die wil er die 
maszlaiden hat, daz in nit 
lostet ze eszen < Astron. 26^. 

MASSILSÜCHT, »darvon der 
mensch sin varb verliert < 
Aatron. 38*. 

MATERI, -e, 1) Eiter, allgem 
■chwäb. >Das darumb materi 
bis in meg komen.« >Matere 
lanft herausz. < Aerztl. Bericht v. 
1641. 2) >Die silberin taffei mit 
9 materi.« S. 226. Frisch I, 648^. 

MAUER in der Bau 0. I, S. 18, 
§43: >Eineyerbundene Mauer 
ist keine solche, wo nur etwa hie 
und wieder, und auf eine gewisze 
Distanz 1 oder 2 Mauersteine in 
des Nachbars Mauer beszern Halts 
willen oder auszVergunst einge- 
strecket sind, sondern, wo die 
Mauersteine durchaus gegen ein- 



ander hemm und hinum, hinter 
sich und für sich, item nach der 
Länge und nach der Quere wie 
eine Kette zusamenschlieszen und 
wieder einander ligen und einge- 
mauert sind.« Mauerbad in A. 
üngemörtelteMauern. Mess- 
buch. Bei Verglch. >ringer eine 
M a u r aufinachen. < S 390*. M a u r- 
scheiszer: die emaligen Stadt- 
soldaten hieszen spöttisch so, weil 
sie auf der Mauer wonten. Mauer- 
bänke in der Müle. Str. f. 16». 
»ire mürbenche und iriu bette.« 
Die Heidenmauer in Lindau. 
A. 1518 wurde ein Augsburger 
um 10,000 Mau erste in gestraft, 
weil er einem Herrn v. N. Her- 
berg abschlug. Chron. 1634. Ein 
anderer erhielt die gleiche Strafe, 
weil er bei e. Todesurteil nicht 
im Rat erschien. 

MAUGGET (Burgau), Mauch- 
let, niederschwb.= kleiner Vorrat 
von Obst, das Kinder im Heu, 
Strohsäcken verbergen, um ge- 
legentlich naschen zu können oder 
das sie reifen laszen wollen. 

MAUL in Maulstreiohe, 
Mickh. Strfb. 1608. >ein Maul- 
taschen geben.« a. a. 0. Red. 
A. >Wirt ihnen von dem Statt- 
pfleger mit groben Worten über 
das Maul gefaren.« Müller. 
Maultät schien, kleines rundes 
Backwerk von Zucker, Eier und 
Mel. Fragt einer: waorum? sagt 
der andere: »daorum, ums Maul 
'rum, daz d'r koi Bart wechst.« 
Günzb. Maulicht, adj. verdriesz- 
lieh. Augsb. »Du unbesonnenes 



S32 



M&alwerf — * Meank. 



FletschmauU« Schelte. GonL 
Ver maul äffen, swv. Conlin. 
iWolhaterdazMaul gebrümt,< 
o8 sibi distorsit f. 42«. dm. 842 f. 
42*. (Glossen 2. Terenz.) 

MAULWERF, talpa: »zumalen 
wir aber annocb blinde Maul- 
werff auf der Erden herumlcra- 
zen.< Ehrenfest 1699 S. 63. Münd- 
lich lebt Modwerf. 

MAUNSCHELN swv. verbor- 
gen handeln: Maunscheler, 
Jude; was mauschen, Mansche. 

MAUNZGEN swv. schreien wie 
Kazen. »dao hauts ui gschellat, 
gmaunzget wild, alsz ob ma 
halt da Truttatanz hielt. < Seh. 
Niederschwb. == sich oft und un- 
nötig beklagen ob jedem leich- 
ten ünwolsein. 

MAUS. 1) mus. Maüseturm 
in der Nähe des alten Mauerba- 
des. A. MauBgäszle, A. Maus- 
kater: >awer die maus entrin- 
net der klo des listigen und snel- 
len mauskater mit fleiszigem 
wachen.« cgm. 254 f. 6*. Maus- 
falle bildlich in einem Todten- 
Jkanze v. 1627: >Adiol ich fur'i 
(die Braut) zur Mausfallen!< 
sagt der Tod. »Maus loch- 
mach ent heiszt im lUertale b. 
Garbenaufgeben auf dem Felde 
das Loch, welches beim Stüien 
von der Gabel im Boden entstet. 
Red. A. Des ist a schlechte Maus, 
die koi Loch findt. Augsburg, 
ülmerstrasze. Adj. mausig. 
Etliche die machten sich fiut 
mausig 



Schalten die andern grindig, lau- 
sig. Holsm. 

2) Jeder Muskelteil am leben- 
den Körper bei Menschen und 
Vieh. In der Augsb. Mesger- 
sprache Herrenmans b. Och- 
sen am hintern Schlegel. Knie- 
maus am SchultersohenkeL Sp i n- 
delmaus am vorderen Schenkel, 
Nagelsbratenmaus am hin- 
teren Schenkel. In ftratL Berich- 
ten des SQjIrigen Krieg«e ogm. 
2047 : >am rechten Arm die gan- 
ze Mausz hinweggesöhotEen.« 
>Am linkhen Fussoberteil die 
ganze Mausz hinweggeschoezen. < 

a. a. 0. 8) >yon naohwürffen, 
wer der ist, es st mit Messern 
oder mitkuglen oder mit M aus- 
sen.« >wer der were, der dem 
andern hie zu Memmingen nach- 
wurfi mit Messern, kuglen, mit 
Maussen oder mit andern Beli- 
ehen wauffen.« Memming. Stdtr. 
4) In einem Feuerwerkbnoh cgm. 
356 f. 158*: >ein Belagerangs- 
werkzeug von gutem eichenen 
Holz z. Wasserarbeiten, wie ein 
Fischbeh&lter, das ist dne böse 
Maus, wann sie hat iwen legel 
und in jeglichem Zagel einen gu- 
ten Steigzeug.« Mausörlesteig 

b. Mindelheim. Baiser 1682 S. 28. 

MAZELET (— uu) aOj. sftss- 
lieh, ungesäuert v. Maien. 

MAZY OZ, du 1 e. rohe Schelte 
fär einen verzagten forohtiamen 
Menschen. Mazental, Birkaeh. 
Flurname. 

MEANK, spr. meekoh, «na tei 



MechMtek *— Mwiiiiingen. 



188 



«. fort tenfkende, trübselige, alte 
JamerbMe. A. 

MFiOHFiTSCH Tuch in Angab. 
«ad ühner ürkd. bei 0. Roland 
u. •. w. h&ofig. 

MEDEIE, die, nnmiBmata au- 
rea Tel argentea cum imaginibuB 
prindpam, quae omatujs causa 
appendontur et gestantur a mu- 
lieribua. Haltaus Wb. 1334 (Me- 
dftisren). »Güldene Baretlin sampt 
derMedeien.« >Perlen an Bugg- 
len, Steften, Arm-, Kahl- und 
Halsbanden, Ketten, Medeien, 
Hutschnüren.« Poliz. 0. Yrgl. 
iSamete Paret mit M e d e y e n oder 
Strauszfedem.« Haltaus a. a. 0. 

M£IGH£LE,Eelleresel. Strasze. 

MEIDEN, Mayden,der,Heng8t. 
DerBesizer des Sindhofes war 
verpflichtet fiir den Dienst der 
Herrschaft und der Pfarrei einen 
Meiden zu unterhalten. Disz 
Pferd muste gesattelt und zum 
Teil mit aufgeschlagenem Steig- 
bügel auf die Weide getrieben 
werden. Ward der May den un- 
tauglich , so ward er in den bi- 
selidflL Marstal abgegeben. Wal- 
tenhof. Weist. Herzog Stefan in 
Bayern versprichlb a. 1389 12. Aug. 
die >Branthöhen< dem Greuter 
nm wegen eines für Hermann 
▼on Freiberg -Angelberg gekauf- 
tan Maydens schuldigen 130 fl. 
bis komenden obristen Tag ze 
Weihnachten zu zalen. Zacher 15. 

MEIN. »Der mein ige,« sagten 
die alten Augsb. Eheleute. 

METT, Mait, mein Wbl. 96. 
»Da wurde» sie etwas hizigers 



und frechers, schryen überlaut 
mit groszer Ungestüm: nicht ein 
Meith, den Mönch wollen wir 
haben!« Chron. 1634 S. 221. 

MEINZELE? Eazenname. 
Stauden: 

Sinzele ist's und kaditsch (?) 
Suech das Haus um- und um 
Meinzele wao bigt? 

Memele, dasselbe. 

MELBELN nach Mel riechen, 
von halbgekochten Melspeisen. 
Melvögele, Schmetterling. Riesz. 

MELKEN , MELKER : bei 
Gass. ist einer >hölzemer M.< 
gedacht. Euhmelker, Schwal- 
be, sieh K. B o ck m e 1 k e r, 
Schelte. Bei Conlin schilt ein 
Weib iren Mann: Du Sauhalter, 
du Schmierkubel , du Wanzen- 
puffer, du Bockmelk er, du Ko- 
zenhackel , du Püffeisgesicht , du 
Beerentrampel! Du Hennenvogt, 
du Misthammel, du Sautrog, du 
Haspelfreszer, du Küehdarm, du 
Zwibelselcher , du Kletzenprobst, 
du Besenlimmell 

MELTER, ein kleines hölzer- 
nes Waszerfäszlein. »Bua, hol mer 
a M e 1 1 e r vol Eardöpfel 1* Füszen. 

MEMPFELE, dim. das Schwaif- 
stück vom Ochsenfleisch. 

MEMMINGEN spricht d. Volk 
Mengomo. Der Mengemer 
Mau istbekant. Yolkst. I, 448 u. 
514. In den Stauden hörte ich die 
Schnellsprechübung: itfemminger 
il/ezger, kom§t mir am üfigda 
zum ilfezga; mezgi§t mer am 
iMTigda. Das — eme erscheint 



334 



Mene — Mette. 



auch für -ah und au: Birkomo, 
Birkach . M a n n 9 m 9 : Mannheim. 

MENE, ein 2 oder 4 Gespan. 
Riesz. Allgem. Menet, menen, 
1) yiehtreiben. 2) eggen. Bnrgau. 
Mein Vater haot gackeret 
Und i hau 'm gment: 
Nao haot 'r mi geschüttlet 
Und i hau mi gschämt. 
Hätt 'r nett gäckret 
Nao hätt 'm itt gment 
Nao hätt 'r mi itt gschüttlet 
Und i hätt mi itt gschämt. 
Nao haot 'r halt gäckret 
Und i hau ^m gment 
Nao haot 'r mi gschüttlet 
Und i hau nu gschämt. 

Reinhartshausen. 

Bemähnte Bauern. Mickh. Akt. 
1700. TauglicheMehnen. Con- 
firm. K. Akt. Menebub, Hart. 
Inv. = servus junior et inferior, 
qui agit equos arantes. Frisch 
1, 228*. Grimm Wb. in, 488 (Enk). 
Minare hiesz das Vieh treiben, 
wie man sagt v. minae (cfr Apul. : 
asinos et equos sarcinis onerant 
et minantes baculis exigunt, wo- 
selbst auch seprominare, sich 
ausztreiben , se i>romener stet). 
Von minare haben wir ital. me- 
nare; span. menear, französisch 
m e n e r für treiben, i. e. das Vieh- 
treiben; esz bediente sich also der 
römisch sprechende Franke det 
Ausdrucks minare. Max Müller 
in Kuhn'sZtschrft. V, 20 ff. Mein 
Wbl. S. 63. 

MENT, euphem. für Sakrament, 
als Fluch. »I hau nie dau 'n 
meni, and hau nia gloga.< Soh. 



>I>ie meine haut Ui 8, 4 ment 
Alz Ungar und Grawata.« Wtzm. 
Adj. >i hau mi denn fürchUg und 
mentisch stark bockt.« a. a.0. 

MERBELSPIL , Spil mit Mar- 
morkügelchen. Der junge Schwarz 
wirft e. Anzal marmorner Schnell- 
kügelchen oder Kmppkaülchen in 
eine kleine Grabe mit den Wor- 
ten: »es gelt 2 Herbei, ich 
grad einschietzen.« Kleidb. 104. 

MES spr. mes, anfrachtbar v. 
Kühen; als rohe Schelte gilt: 
>du mese huor!« Du unfrucht- 
bares Weib! Strasz. mesgange, 
was sonst göltganga heisst. 
I ka nemmo hausa. 
Mei Küehle gaot mes 
Mel Weib ist scho ggtorba 
Mit der Schnupfdabaggnftt. Std. 

Sieh mänz b. Schm. II, 604. 

MESSE f. 1) Markt, »auf die 
schlechte M. verordnen die Herrn 
Bürgermeister im Amt das Glaidt < 
Ordg. 1642. 2) Liechtmetae. >An 
U.FrawenMess.« TürkkUrkde. 
1400. Messachel, d. h. Mette- 
Mantel (hakttl). Im ogm. 168: 
»An dem etchigen mitwooheny 
so man messe singen toi, tö toi 
der das am^ t tut &ne mittachel 
und sin geselle mit dem mett- 
buche Yür die vordem grete kö- 
rnen € >der priester &ne mitt- 
achel.< >S6 die oollecten end 
haben, to toi der prietter dit 
mettachel abziehen and von 
dem altftr gftn.< f. 69* o. t. w. 
Mesthof; Wembd. Chronik. J&- 
germette >tioh mit harter MUm 



Heszpfenxung -— Mezger. 



835 



um 10 Ur m emer J&germess 
«MB dem Bett enohwingen mö- 
gen.« H. & 

MESZPFENNING in der We- 
benpraohe: »and der fremd (beim 
WqpfFen)toldenMe8zpfenning 
feben nnd der Eaoffer nichts.« 
17. jb. dieMeizerhacken auf- 
neben oder blosz die Hackhen 
m Web. Rechg. oft.? 

MESZER. 1) in Strafbüchem 
As. »Wegen der Schüler — sol- 
len die schlechtere and ringere 
Yerbreohen als Raufen, Schlagen, 
Beitzen and andere leichtere, je- 
doch Meszerrncken, Stein- 
werfen an deigenigen Schülern 
flo 25 Jar and daranter und da- 
räber alt — begangen werden — 
bestraft werden mögen. t 1582. 
3) >Yon allem gehörnten und 
•ohmahlen Yieh gibt man auf 
gedachter Strasze vom Stück 1 d., 
wann aber solches denen v. Augs- 
burg gehört and sie wollen das 
an dem Schlegd oder an das 
Meszer für sie selbst und ihre 
Haiaer za brauchen — gibt es 
keinen ZoU.« Urkd. 1433. 

Meszerweible, eine Art Holz- 
weiblein am Türlesberg, im 
Bnrgstal. 

MEZ. In d. Ghron. Yon 1634 
beiszen die 8 Freundinnen Afrae 
TOT der Bekerung »die 3 M ez en.< 
>Gemeine Mezen,« Weiber- 
•ebelte. Fischach. >Amazonen in 
deatsoher Sprache aber ist es so 
▼ü gBNkgt als ohnMann Metzen.< 
Gaas. Mezenges chäftig, 
gaebaftelbubern, bayerisch. 



Im AUgaü gibt esz 3. Bergnamen 
beisamen: Mädeli^gabel, Me- 
zenarsch und Hochschiesz (Im- 
menstadt). Mezenauwisen bei 
Wemding, wo einst noch bis in 
disz Jarhd. herein das M e z e n a u- 
gericht gehalten ward, unter 
freiem Himel ; Vgl. L a n d s c h r a n- 
ne, die alte Malstatte von Grais- 
bach, bei dem uralten Plaze der 
Torsaülen. 

MEZGER: in Augsb. Schmal- 
mezger, Kuttler, Wämstier 
Rindmezger, Bratmezger, 
Jungmezger, — Wurstler, 
Schweinmezger. Mezger- 
knaben, die Mezgerjungen. Die 
Mezgerzunft hatte manche alte 
gute Site gewart. Echtes altes 
Volkstum, soweit Augsburg ob 
seiner Schicksale dessen fähig 
war, hielten die Mezger fest. 
Merkwürdig hatte auch von inen 
jeder einen Stichelnamen: Lan- 
dawande, Jamertal, Gock- 
5ck, Schlampele, Boppa- 
rädle, Schwimmer (v. Gange), 
Muoteler, Budel, Guschten- 
muffel, Gol lasch (von einem 
Schauspiler, dem er disz Flaisch 
lieferte herrürend), Maule, ur- 
alt. Der Siedig. Guggerle. 
Der Mangejaggl. Gspannd. 
Schlecker, Staberl,Biggluz, 
Buzle,Schnipfer,Zanle, Gä- 
ber, Aepfele (v. s. apfelroten 
Wangen), Gläsle (Schnapstrin- 
ker), Brezgastengel, Dreck- 
hans, Bettscheiszer, Josua, 
Yogele, Schmalzbuckel, Dat- 
telfürst, Schafnäs u. s. w. 



SS6 



MichaeL 



Der Mezgen waren esz 2 mit 
verschidenen bediensteten Leaten 
wie Mezgenhüter u. s. w. Ei- 
gentümlich ist, dasz den Mezgem 
in der Fasnacht diemascara zu 
tragen verboten war. Ordnungen 
1647. Mezger heiszen spott- 
weise die Lindenberger. Wie 
von einem Sigmaring. Orte erzalt 
man, die L. hatten ein Kalb mit 
lauter Brot zur Kuh» herangezo- 
gen; die herumgieng und Brot 
von Personen bettelte; daher der 
Name Bettler für sie aufkam. 
Als die L. die Kuh schlachteten, 
warf man inen vor, sie hätten 
einen Bettler gemezget und der 
Name Mezger machte inen bis 
heute vil Verdrusz, trägt neben- 
bei tüchtig Prügel ein. Eine 
Sprechübung in den Stand, heiszt : 
Weler Mezger wezt die besta 
Mezgameszer z'Augsburg auf 'm 
Bearlisberg? 

St. MICHAEL: MichaePs 
Abend war für das alte Augsb. 
von groszer Wichtigkeit. Vergl. 
den Turmmichel oben s. v. 
Turn. Eine Reihe von Chroni- 
ken gedenken uralter Festlich- 
keiten am St. Michaels - Abend. 
Gass. >Dise Göttin (Cisaris) haben 
sie vereret und jr zu Gefallen ein 
Jartag und herrlichen Ü m b g a n g 
gehalten an St.Michaelsabend, 
an welchem sie, nach altem Ge- 
brauch noch heutigs Tags auch 
die Kirchweih und Jarmess he- 
gen.« Eine ganz änliche Stelle 
fürt Herberger Burg- n B. Feld 
UlXX an, ausz einer Chronik ▼. 



1576, wo auch ErklftrangBYerBucke 
über mntmanhehee ZuBamenge- 
hören des Zisaknltes und des St. 
Miohaelsabendt zu finden sind. 
Wichtiger sind dia Notisen: An 
St. Michaelsabend , in der Naoht 
vom 28. auf den 29. S&jpL mosten 
d. Burgermaister mit hellen Liech- 
tem , die inen rargetngem ww 
den die Stadt durchreiten unter 
Tanz und Pfeiffentpil und Zech- 
gelage. Alte Reehnnngen dea 
XIY. u. XY. Jarhds., soweit sie 
erhalten sind, ftren gensu die 
Auszgaben auf für die Burger- 
maister, für die Pfeiffer, für den 
Tanz, f. den Wein nnd die Wache« 
kerzen, welche gebrancht Wurden. 
>13 Knechte« begleitete beim 
Umreiten >af St Michnelit'* 
naoht< die Bargermaister. Her- 
berger, a. a. 0. sagt: zu bedauern 
ist, dasz wir nicht wissen^ wei* 
eher Art die Stäbe waren, die 
beim feierlichen Umsmge getra- 
gen wurden. »Umb Wachs laden 
Kerzen den Bürgermeistern an 
machen und uu Stäbe.< lil8. 
>Drei Pfeiffern vom Taos t£ Mi- 
chaelis.« »Um Schmeer (?) aom 
Zug und 3 Knaben Tansker- 
zen zu heben.t 1469. Am finde 
des Mittelalters wird auoli dem 
mitreitenden Vogte eine Spende 
verrechnet. 

In Rechnungen des Mittelalter» 
komt vor: »Die Kirohwfliitt Mir 
chahelis.« >Zn Si. Miohele 
Kirchwey bin ab Engel wey hin. 
was.« 1890. 1494. Herb. Ze Saat 
Michels mesie. Stiidtr. Mi* 



VLigger «^ Molkenstelerin. 



837 



olielfeberg bei Ottobeoren; bei 
Ulm. 

MIGOER, Müdker, die, das 
Bmstimtlit, Henflcbmalz. Rücken- 
niiilit. »Andertens bezalen die Ju- 
de» Ton der Migger dermalen 
dtt Pfond vor 18 kr. Was da« 
üntohUobt gilt, sollen sie das 
Plimd Migger — uns bezalen.« 
Meig. 0.1774. »Das sog. Mücke r- 
machen« der Rindmezger. Das 
Yieh hat Mücker, Mangfalt, Wam- 
fwn, Tragsack, Kronfleisch, Leber, 
Unrat. Mezg. Sprache. A. 

MHiCHAR, der, Ochs, im Gegen- 
saie mm Stier. Füszen. Milch- 
berg in A. Milchmarkt. A. 
Milchkübel in dem Walten- 
bofer Weistnm: »Wenn zn dem 
Maier ein eszendes Pfand ge- 
bracht ward, so sollte er dem- 
selben in einem bodenlosen Milch- 
kübel (Melohder) zu eszen und 
in einem Strohsiebe zu trinken 
geben.« 

MILLISCHMALZBROT , eine 
Art Semel, aufgewaicht in Milch 
und Kiem, im Schmalze gebacken. 

MISCHLING ein Wagen Klein- 
holz, bes. für Arme. A. 

MIST in >Misttrampel nach 
der Mode gekleidet< ein Bau- 
renmensch. Conlin. > S t i n- 
kende Mistkrippen< gezier- 
ter Frauenkörper, a. a. 0. 

MITTEL in der Webersprache : 
's Mittel stuck; bei d. Mezg. 
's Mittel im Diech. Mittel- 
s ohaf t, Mittelstrasze. In Weiszen- 
hom ist die 2. Magd >die Mit- 
telmagd.« Speckmagd die 



Helferin der Küchenmagd , eine 
Von- und Zugeerin. Mittel- 
knecht. 1682. Mickh. 

MOCKEL: 1) menschenscheue, 
nicht umgängliche Person. 2) 
Der den lezten Streich beim Ausz- 
dreschentut, musz die Saumog- 
gel vertragen, d. h. eine Stroh- 
puppe oder Schmideschlacken etc. 
dem Nachbar, der noch nicht 
fertig ist, in die Scheune werfen. 
Wird er erwischt, so wird er, 
auf einem Karren rückwärts oder 
auf einem alten Gaule festgebun- 
den, durch den Flecken gefürt. 
Früher war ein Schmaus damit 
verbunden. Türheim. M o c k e 1. 
Herb. Burg- u. Batfeld 70. Das 
Spil der Kinder 75. 

MODELSCHNEIDER: nach e. 
Ordnung v. 1774 muste der Ler- 
jung als Bürgersson 14, als frem- 
der 16 Jare haben. Anmeldung 
beim Vorgeer : Bedingnis des Ler- 
geldes (50 fl.). Heuraten erst er- 
laubt nach Yerflusz von 5 Jaren, 
ab dem lezten Tage der Lerzeit 
gerechnet. Auf eigene Hand, in 
Winkeln (unerlicher Erwerb) zu 
arbeiten, war streng verboten. 3 
Jare in die Fremde; 2 Jare in 
Augsburg zubringen: Bedingung 
der Maisterconceszion u. s. w. 

MODISTEN , Kunstschreiber ; 
edem von den Lerem in A. ne- 
benbei besorgt. 

MOLDWERF, Molwerf, tal- 
pa. Riesz. Meld werf er, Burgau. 

MOLKENSTELERIN , Hexe. 
> Wider das Sacrament sünden 
die Ketzer und dye an dem glauben 
22 



338 



Molle — MosKkn. 



zweifeien und dye Unglauben an 
in haben als pilbizen und mol- 
ken stelerin.« cgm. 620 f. 122*. 

MOLLE. l)Möggi8z: das an- 
gebundene Stierkalb, etwas gros- 
zer: Bosch en und noch gröszer: 
Molle. 2) Castrierter Farre. >Nu 
gschnell liira, da Mo IIa buzt.< 
Seh. Im Gegensaze zum Hei gel, 
Zuchtfarre, Stadtfarre. Bretle 
mollel Schelte. Buchloe. Adj. 
mo IIa dum: drumfraug i, sei 's 
au molladumt 

MOLTEHANS mit der Rauch- 
urs chel: 2 uralte Gespenster bei 
Edelstetten am Wege nach Rohr. 

MONDBRÜCHE hieszen in den 
Augsb. Hof- und Eirchenkalen- 
dem alle Mondsverwandlungen. 
Oben stet: 1} Wochentage. 2) 
Heilige. 3) Mondbrüche. Esz heiszt 
da, wenn einem nichts fehle, 
brauche man durchausz keinen 
Tag des >La8 z ens< zu beobach- 
ten >noch auch sogar auf die 
Mondsbrüch selben weder Son- 
nenwende oder Taggleichen.« 
Grimm. Wb. II, 409. 

Mytholog. wichtig ist das Lied 
Y. Mann im Monde in den Stand : 
Madie Madie spinn, 
Dasz di der Ma nett nimtl 
Ear sperrt di unter da Hennabruk 
Und gibt dir lauter Waszersupp, 
Madie Madie spinn 
Dasz di der Ma nett nimtl 

Mädle Mädle spinn, 

Dasz die der Ma itt nimtl 

Ear fuert di uffit Bettelbrugg 

UndgeiidierUuterL&ppertapp. 



MONTAG, der gute. Sieh An- 
zeiger f. Kunde d. deutsch. Vor- 
zeit 1864. S. 14 ff. »Denen Mai- 
stersönen und Knappen solle zu 
ainer Ergözlichkeit alle Montag 
(dafem sonsten in der Wochen 
kein Feyrtag ist) Nachmittag, ¥rann 
esz 2 geschlagen, zugelassen und 
erlaubt sein, von der Arbeit zu 
gehen und mit Beschaidenheit 
einen guten Montag zu hal- 
ten. Wann aber ausser des Sonn- 
tags sonsten ein geboiner Feier- 
tag in der Wochen wäre, solle 
derselbe gehalten, dafnr aber der 
gute Montag eingestellt und 
unterlassen.« Web. 0. 18 Jh. 

MOOR. >Allen drap d'or und 
drap d'argent wie auch Gk>ld und 
silberne Moor oder dergleichen 
gestickte oder gewürkte Zeug.« 
PoUz. 0. 1736. 

MORDSCHLACHT, die ganze 
Gegend hinter der Stadtpfarr- 
kirche von Günzburg. >Der Ge- 
meindeteil i. d Mordsohlacht.c 
Ein Mord fei d ist zwischen 
Mümdling und Hoppingfen, wo 
auch die Dietwise ügt. 
MORNDIG, Moment, sieh mein 
Wbl. s. V. >unz an den morn- 
digen Sunnentag.< cgm. 168 f. 
8*. mornent nfich der Affart 
f. 28^ 41^ aber mornent n&ch 
St. Thomas tult. f. 61». 

MORSCH vom Obst, dms an- 
fiLugt in F&olnis übersngen. 

MÖSZLEN in den Stauden als 
Flum. Dim. ta Moos. >Mdsi- 
lerbronn, tawuidfln «. Mdss- 



Ifoaiart — Mvaunelii. 



389 



l%n,4 HifftLnr. Ifoiiknli, Bor* 
ionmtL 

MOS23ERT, muiiert: >eiiie 
UMimosierte GorpondiMohen.« 
9gBL 2918. gemusiertes Pfla- 
ftar, gemvflierte Arbeit egm. 
MC SM. 

HOCKEN; imcgm. 206 f. 196« 
kommi als Landplage in Egypten 
Hnndtmacken vor. 

MÜGLICH, oval. A. 

MOLE, in Chroniken Mill, 
^gmlOllenijaren.« In A. waren 
«ad nnd folgende M. : Schwall-, 
Xurtselih, Mauer-, Grai-, Tabaks-, 
Nm-, Ldi-, Oerstenrandel-, Säg- 
Müle. Alle am Siadtbaoh nnd 
süttepen Lach. — Bain-, (hin- 
terer Lech) Radirmüle am Spar- 
ren- und Ochsenlech; Bergmüle 
tonst Hirismüle am Schaff lerbach ; 
BAndelmüle am Herrenbach; Ge- 
wOrs-, Oel-, Spitol-, Kreuz-, Pfla- 
dar-, Bels-, >Gehemül u. Bi- 
sohofsmül.i Gass. Pentelmul 
oder Hermaaswank. cgm. 154 f. 
48». Mnlweg f. 89^ In der Bau 
Odg. sind folgende M&ller zur 
>Banmung des Lechs« verpflich- 
tet: der Spital-, Kreuz-, Pfla- 
der-, Beiz-, Maur-, Pulver- 
Müller oder Pulvermacher , der 
Schwahl-, der Kressels-, der 
Kliein-Müller Die Altwei- 
bermül beachten die Oberhauser 
md Leehhanser am Fasnacht- 
Dienstag nach A. Müleisen 
iMnUdiach: >der Schilt rot, darin 
Ibanweceh ein weysz müleys- 



Eine Schnellspreohfibung in den 
Stauden heiszt: 
iMbigter itfüller mal 9fiier «lel 

jlfuosmeL 
Ifel ilf uoter muosz mier maol mei 

ilfillmuoBz macha. 

üfillbua, mach d'Mlldür zua! 
ilfuesz denn i der JSfillbua mach 
d'Mlldür zua Bua sein? a. a. 0. 
>Die Zumüller und Karer< in 
Brauer 0. öfter. 
Kinderreim in den Stauden: 
Müller, Maler 
Glockastaler 
Biemabeiszer 
Hosascheiszer. 

MULL , unverläszige , eigen- 
sinnige, unfreundliche Frauens- 
person. A. Sieh Duramull, Af- 
famuU. 

MÜLLEN swv. die zän der 
Sünder haust duzermüllt: den- 
tes peccatorum contrivisti cgm. 
528 f. 2*. 

MUMMELN, murmurare. »Et- 
liche mummelten, dasz der 
V. Argon von den Augsb. Dienern 
verzuckt und erwürgt worden 
wäre.« Gass. »Sondern indem bei 
solchem Gezänk täglich mancher- 
lei Gemümmel furgienge.< a. a. 
0. »Dasz ein haimlich Gemüm- 
mel und besonders an der Schmid- 
gassen nnd unden an dem Maur- 
graben und Berg gegen demBer- 
lach herauf umgienge , wie man 
den Münch geuriaubt.« Chron. 
1634. 216. Im Troj. Krg. »hin- 
und wider murmeln.« Gemür- 
bel, Gemurmel. Mnmmeler, der, 



340 



Mumpfeln — Mösseasan. 



in der Eindersprache Name des 
Rindes. Vom Naturlaute. 

MUMPFELN swv. nrit ver- 
schloszenem Munde etwas kauen, 
gesagt von alten zanlbsen Leu- 
ten. M u m p f e 1, zusamengespizter 
Mund. Ln Eiesz ist Mump fei, 
Liebkosewort = du liebs Maül- 
chen, du liebs Eindl 

MUMPLAZ, Abtrit im Lager. 
Frondsberger Kriegs- und Male- 
fizrecbt. 

MÜNCHNER Pfenninge komen 
in codd. besonders in den Web. 
Ordgn. häufig vor. 

MÜNCH für Mönch in Flur- 
und Waldnamen ' öfters , allgem. 
schwäbisch. Münchhau, 1) bei 
Berg (Donauwört), 2) Langen- 
eifnacher Mrkg. urkdl. Mönchs- 
graben. Wemding. >Die sponsa 
Christi sol sein eine halbe Mün- 
chin.< cgm. 763 f 135». Esz ist 
aber ein gemein Sprichwort: was 
der Teufel nicht zawegen bringen 
kann, das richtet er durch einen 
Mönch aus! Chron. 1634. 

MÜNSTERHAUSEN 0. N. In 
der Antwort auf die müszige 
Frage: wohin gaogt? sagt man 
in den Stauden: 
Wao gao§t hin? 
Nach Burtabach in d'Spän, 
Nach Münsterhausen in d' 

Stecka, 
Wenn^s nett glaubgt, käst mi im 
A. lecka. 

MUNTER superlativisch : m a n- 
ter dumm =• ser dumm, mun- 
ter erber u. s. w. Allgaü. 

MÜNZE, die togen. Stadi- 



münze, ein Geldfltück a. 1622 
geprägt; später berüchtigt und 
verboten. 

MURREN von Spazen. Eine 
spöttische Rede in der Memmin- 
ger Gegend: ein Mader wollte 
nicht vom Bette aufsten; der an- 
dere rief: auf. d'SpS«a murret 
schadl Lasz no murra, se hend 
no kleine Köpfle.? 

MUSE neben Mdse (masaj, 
Mal, Flecken, bemüszet, (rei- 
1er V. K 

MUS, das; im cgm. 601 f. 99*: 
>Haber Mus er von Ayren-i 
Schönmelbsmus oder Wür^ 
kes Mus V. Kernen, Lieblings- 
speise in Klimmaoh. 

Ein Einderreim in den Stau- 
den heiszt: 

Vaterunser der da b^ 
Wao big gwese? 
Im Hemmel dobo. 
Was duet me dobe? 
Äckore. 

Wear äckoret? 
Wear hebt dd Pflueg? 
GkuDLg *nauf und lueg. 
Wear kocht 's Muea? 
Der Engel mit 'mgstnmpata Fuesz. 
Wear brogglt's ei? 
D'Kätrel. 

Wear fritzt '■ ausE? 
D'Kaz und d'Maos 
Laufet alle zwoie bei der Stabe- 
dfir 'naon. 

MUSEL , das Waiohe im Brot» 
Krume. 

MUSSENSUN im Stadtreohte, 
eine Schelte, f. 60». Mhd. Wb.n, 
181. Ich stelle das heatige mmeelii 



Musz — N. 



341 



dat irnoh als Schelte 
forUebt, dasa: in Bayern n. Ober- 
jMiliw»ben üblich. Schm. n, 642. 
Mtiienhart^ Mozart gehören 
attoh hieher. 

MÜSZ f&r Dominicas : 
Idi und mein Rasimns 
Oanget in d'Haselnusz 
I und mein Musz, Masz 
Qehet in d'Nosz. Stauden. 

MUT b. Gass. >Welche8 den 
Akonanen ein gewünschter Han- 
del ward, bei solcher Grelegenheit 
ihr Mütlein zu külen.« 

MÜT8CHEL, Kuh in der Kin- 
denprache, bes. Lockruf. 

MÜTT , das , modius , ein 6e- 
tnidemasz. >N. gibt von 1 Hub 
4 muthen habers, 2 Ortmezen, 
roggens in bawding.< cgrn. 154. 
4 muthen, 3 muthin habers 



u 8. w. Im Urbar Bischof Fried- 
richs 1316: »item in Geggingen 
— solvit XVI mutlas tritioi; 
20mutlas avenae.< ViacaS. 17*. 

MUXER zu muxen, sich re- 
gen, einen Laut von sich geben. 
>Du tuast koin Muxer falla 
lau.< Seh. 40. In der Baar 
(Trossingen) heiszt muxen die 
Köpfe zusamenstoszen, um zu re- 
den. Ahd. muchan, mhd. 
mucken, muchen, verstolene 
Laute von sich geben. (Aarg.) 
Schm. n, 649. 

MÜZEN, Oberkittel des Man- 
nes, sieh Kozen, Jangger. 
»Flohe Conradin in einem Reut - 
mutzen wie ein reisziger Knecht. < 
Grass. »Und 150 Sperreiter in 
Muzen von diser Statt.« a.a.O. 



N. 



1) Unter den oberdeutschen 
Mundarten hat die schwäbische 
das Nasalsystem am weitesten 
anasgobildet. M und N wirken 
nicht blosz auf den verbergen - 
dmi, sondern auch auf den nach- 
folgenden Laut ein, sei er ein- 
facher Yocal oder Diphtong, sei 
esi in Stamm- oder Bildungs-, 
oder Ableitungssilben, in beton- 
ten oder unbetonten Silben. Vor- 



ab ist eine besondere Erscheinung, 
wie sie in Bayern sich nicht zeigt, 
dasz alle Diphtonge one Unter- 
schid vor n, seltener vor m nur 
zu e und o , oe und öo werden 
könen, je nach dem e und i oder 
a, o, u vorherseht. Die Nasalier - 
ung greift selbst da ein, wo alle 
historische Berechtigung feit, 
wie in a, ä! ha? he! a ha! (ganz 
kurz), sieh unten 2. Doch ist 



342 



N. 



aui^b. sohw&bisch lezterer Fall 
weniger zalreich vertreten, denn 
in Niedersch^aben vom Fusze 
der Alb an. Beispile sieh unten 2. 

£inen scharfen Gegensaz hiezn 
bildet das Allgaü, wo strenges 
Aufheben aller Näselung vorwal- 
tet und zu disem Zwecke lieber 
das n anszgestoszen undvorsten- 
der kurzer Yocal verlängert wird, 
wie im Nordischen. Sieh unten. 

Eine eigentümliche Näselung 
nur dem bayerischen Schwaben 
eigen , doch auch von Ulm bis 
ins wirtemb. Oberschwaben rei- 
chend, ist das au für an — als 
ob an ursprünglich stände --« in 
gaüs: Gans ; sauft: sanft; rauft: 
Ranft (Brot) u. s. w. Im Bregen- 
zer Walde allgemein. 

Für Niederschwaben ist hervor- 
zuheben, dasz I und ü in Folge 
der Näselung zu el und au wer- 
den, sieh oben S. 242. 2. Für au 
ausz ün füre ich an: aüser: un- 
ser; aus ölig: schwindelnd, in- 
sanus, (unsels?) aümenschle: 
unmenschlich ; aüriebig: un- 
ruhig; aü dankbar: undankbar; 
zauft: Zunft; vernauft u.s.w. 
Augsb. Schwab, neben o dank- 
bar; zoft; vernoft; osor; 
oriebig; kost (Kunst); (nieder- 
schwäb. kaufit), bro§t neben 
braust; scho neben schau n. 
s. w. Ich erinere an die franzö- 
sische Auszsprache in Wörtern 
wie fin, Hage u.s.w. wie denn 
das Französische und Portugie- 
sische (Rapp) die Näselung eben^ 
■oser lieben , als die andern ro* 



mtnisehen Sprsohen sie Tsmei- 
den. YergL auch französ. Er- 
weichung dds 1 inu. S. 298 oben 

Wenn langweil ig neben la g- 
weilig, Langwid n^b.Ligeh« 
widh; Dank neben Dikoh; 
Hand neben Hadh, Saud neb. 
Sädh; krank neb«n krakoh 
undKrakohot a.s.w. «nflrii, so 
ist disB allgm. sohwäb., nur dftoder 
dort mer od. weniger sassgeptigt. 

Das Endungs-en in seinen ver^ 
schiedenen Yerwendungen (Sebm. 
Gramm. S. 124) gestaltet sioli da- 
gegen schwäb.-angsb. neben e wie 
allgem. süddeutsch oft, besonders 
von Augsburg gen Lindan nnd 
Ulm hin, zu hellem 4, wie im 
Nordischen, auch Bayerischen, 
besonders OberpftLnschen. Die 
schriftlichen Denkmäler schrei- 
ben a, wenn sie etwas volkiüm- 
lich gehalten sind ; stat der vilen 
Beispile einige: ein cod. August. 
V. 1447 hat tochtra (ganzahd.). 
Christa (Christen, plnr. n. aoc. 
sing.). Christalich, Christa- 
mensch u. s. w. 

2) Um Näselung zu erwirken, 
wird überausz häufig n einge- 
schaltet a) in Stamsilben, b) 
in Bildnngssilben. 

a) in Stamsilben: foet nnd 
faif t, Faust Ob das BeUingi- 
sehe rele, reele neben r6ohle, 
wihem, hinnire hieher geUii, wül 
ieh nicht entsoheiden. lels 
les neben le, Mse, 
Das g6e (gebm), gseneha (ge- 
sehen), gscheaehn (getdhelMnX 
hat niedersohwib. §<•, fti^i 



N. 



343 



g^sched snr Seite. Beispile las- 
wmt noh noch yile ansameln. Zal- 
r«ioh belegren läszt sioh disz Ge- 
MS auBz volkttunlichen schwäb. 
Sehriften. Zu Weinhold'sBeispilen 
S. .170* mögen noch folgende 
komen: gesenchen cgm. 589 f. 
10 und oft. cgm. 257 f 7» und 
oft. f. 9». 18». versenchen f. 10». 
qgm. 858 f. 2V Geschenchen, 
gesehen hen. cgm. 257 f. 8^ 
cgm. 786 f. 8* und oft. cgm. 858 
f. 1*. 3* und oft. beschenchen 
und geschenchen cgm. 856. 
sennfzen, seunfzer cgm. 402 
f. 68». cgm. 486 f. 18^. »traher 
und seafzger.< cgm. 450 f. 101. 
sftnfzen cgm. 188. cgm. 372 f. 
200». erseynfzenf. 167». funst 
Qgm. 188 f. 108 u. oft. grunft 
cgm. 402 f. 48*: >ain hol und 
grunft.« f. 44*: >au8 der tiefen 
grunft.< f. 44*» u. s. w. In einer 
Augsb. hs. 1447 : ansz: >in ainem 
fftLm grüsamen ansz, ein spis 
der wirme«; für asz, &sz, aosz, 
ftuss. fronlogken, fronsin- 
gen cgm. 216 f. 153^ künsch, 
Ogro. 188 f. 108. künsche, 
künschheit häufig in codd. 
Puntifar, Putifar. cgm. 206 f. 
Ö6». cgm. 811: meynster f. 8^ 
meinsterschaft f. 7^. hoff- 
meinster f. 28*. Pictagoras ein 
meinsterf. 58*. meinst, meist: 
»und sputen der meinsten au- 
geii.< f.4^ und öfter, heynrot- 
guts f. 68*. gnung cgm. 858 f. 
2*, was an das Handwerksbur- 
schen gnong: »wir haben^s Dorst 
gnong,« erinert. Angnes cgm. 



786 f. 67*. span zieren cgm. 
257 f. 15*. wyndhopf cgm. 812. 
und bei Sender. Schlechers Pe- 
stilenzbüchl. v. 1611 (Konstanz) 
hat Weinrauoh, thus u. Eins, 
glacies u. s. w. Eine eigene Er- 
scheinung ist die Nasalierung eines 
vorauszgenden m oder n, gleich 
als ob ein n in der Stamsilbe 
auf den genäselten Vokal oder 
Diphtong folgte: mä, mag: ich 
mag. Nes, Nase; Schofnäs, 
Mezg. Spizn. mose, maculae; 
ver^l. oberbayr. maus, Maus; 
no, noch, nur; ha? a ha 1 he? 
ne: dao bin ine nage, d.h. selten. 
Stauden. Me, de, se sieh I. ne- 
der, Schneider u. s. w. 

b) In Bildungssilben. Schlag- 
wort für bayerisch Schwaben ist 
nänch, näncher, am nänch- 
std oder auchnängte, sprich 
necher: der himmel aller- 
nenchst ist. Astron. f. 26*. je 
nachener cgm 601 f. 99*. nech- 
ner f. 7**. >ehe er der Kirche 
nechnet.« Troj. Krg. 12. dasz 
man jm zunanet f. 80^. Dasz 
sich der Tod um ihn nächnet. 
f. 82»>. jm nachnende f. 40^ 
Der Grezierschifif genechnet. 
f. 46*. Do sie nachnoten f. 402 
f. 68^ nachnet cgm. 448 f. 135». 
darnanch cgm. 426 f. 1*. Dise 
Ztw. nebst dornen, abdornen 
b. Send, f 805 befestnen, We- 
berbrief 1654; geweidnet (mit 
dem hl Glaub ) b . Pasquinus ; k 1 a g- 
nö, azno, vergleichno; ver- 
gantnd (Mindelh. 0.), kranknd 
sind wol Verba neutra, in denen 



344 



N. 



n organisch, wie im got. full- 
nan u. s. w. Ebensowenig blosz 
der Näselung halben (erscheint n 
in leichnam, das die altern 
Schwab, alam. Schriften noch als 
lichomen aufweisen; Obstner 
Bständner, Kornehrne (Mon. 
Antiqua), hewmonend cgm. 736 
f. 5*; des nächtens, noctu; 
Appenteker, häufig; z'aller- 
vedernst (vorderst). Chron. b. 
Horm. 1834; Nuibant, Türkh. 
Flurn. urkdl. Nuiba, Nüba. 

Ueber eingeschobenes n, im 
Imperativ plur. bei Verb, und IL 
plur. praes. handelt jede Gramm. 
Sieh Lauchert 15 u. mein Wbl. 
s. V. N. Esz ist eine allgemeine 
süddeutsche Gewonheit seit dem 
11. Jarhd. 

3) Wie ser der Schwabe auch 
dem Nasenlaut zugetan ist, so 
wirft er gleichwol öfter , um in 
zu vermeiden, selbst organisches 
n ausz. In unbetonten Silben ist 
dise Erscheinung allgemein, z. B. 
Tuged, Juged, Wäges am 
Pfluge, Säges, Sense; vollets, 
neabet, Aobet, Barchet,Alet, 
Fisch, mhd. alant; in den Zal- 
Wörtern: dausat, duzzet, der 
ächz eh et u. s w. Die schriftl. 
Denkm. haben: der achzehet 
cgm. 402 f. 13». eilets beiSend. 
f. 286^ mit Sturmeter Hand. 
Feigele. Der Dreizehet S. f. 
324^ Die nachgeet Nachtf. 94^ 
ungerattes Kind f. 426». Ständ- 
ligen S. f. 312^ Ravesburg f. 
Ravensburg. Der O.N. Warmis- 
ried heiszt urkdl. 1123: War- 



m u n d e 8 r i 6 1, in pago Aagastenn. 
Der 0. N. Egatsweiler urkdl. 
Eganteswilare 878. Hettis- 
ried urkdl. Hettinesried 858. 
Aletshofen urkdl. Allandes- 
höfen. Alentshüsen a. 1316. 
Hilbersberg urkdl. 1316: Hilt- 
prantsberg. In Adj. die alt 
auf eins, ein auszgen wird n 
bald auszgeworfen, worauf i zu e 
herabsinkt: goiszes fleisch, 
Schweines fl. oder i bleibt one 
Herabsinkung und Nasalierung: 
goiszis floisch, schweinis floisch 
u. s. w. Auch die Denkm. haben 
gaissis flaisch, leinis tuech. 
cgm. 140 f. 9'. Schmell. Gramm. 
§ 593. Weinhold 169. Dem bayer. 
Schwab, eigener Brauch ist bei 
folgendem r n faren zu laszen: 
erdgt, eero§t, Ernst; ebbis 
edrigts, etwas Ernstes. Sieh R. 
In betonten Silben fallt n ausz: 
ver nufft, bei Tauler, Serm. 1508 
Augsb. stets u. cgm. 601. fnff- 
zeha, fuffzgallgem. Lenmuet 
mit Anlenung an Mut, animns. 
In Gostanz fiel n schon frühe 
allgem. südd. ausz: Kostenz b. 
S. f. 318^ 27P. DieKoBtenzer 
Pfennige, urkdl. oft. Ein Famil. 
Name J. Gostenzer, in einem 
Neerolog v. St. Ulrich u. Afra. 
Lucas Rem in seinem Tagebache 
schrieb Eostnioe, slayiscb 
(=: Beinhaus, Anlenung); in Con- 
ventsbier z. Unterschide vom 
schlechtem Biere, fällt n gerne 
ausz. 

Das Allgaü vermeidet die Ni- 
selung und Termiielt sie durch 



N. 



M5 



all«riei Am ihilfe. Wo der Angsb. 
Sehwabe stpl, bol, allol, roi 
(Rtin), holzen, lolm, nois, 
gmold, noi(nam),koI, froind- 
18 IL B. w. and der Kiederschwa- 
bo ifehat, da spricht der AUgaüer 
«i: stui, bai, allui, rni, hui- 
len, nniz, gmuid, nni, klui, 
frvidle; user (unser), eis (uns, 
ftna, elsäsz.)* ei mit folgendem n 
wird mai odermi; änspe, espe, 
Wirtel, wird ei spe; Schein: Schi; 
Son: 8ü; schön: schi; braun: 
brau, brau; für daure, don- 
nern, sagt der Allgaüer dorr 8, 
'•dorret; Dorrer; oder'sdur- 
net, auch 's doaret u. s. w. 
schür schon; uwealtle: unge- 
heaer, superl. Bedeutung. 

4) Gutturales -ng erscheint 
wnnderlicherweise a) in M e d i n g, 
Montag; Feirding, Feiertag; 
Donsting, Donnerstag; Frei- 
ding, Freitag; Sonnding, Son- 
tag; femer in Feindling, -er, 
Betrüger; Preding, hoafer- 
ding, hochförtig; spizfinding, 
lornling, geizing, fürsich- 
ting, freundling, kurzling 
(neulich), ledin g, einfalting, 
rauschin g, grailings Gfriesz; 
loh vergleiche das Berlin g, Ber- 
lingen, Götz y. B. stat Berli- 
ohingen, in Soltau's hist. Yolksl. 
I. Sammig. S. 228 ; u. noch mündl. 
ebenso. Schriftl. Denkm. »heus- 
ling sizen und bonen den lieben 
Heiling.« MB. 24. 624 ad 1446. 
den zins und jamuz paidu vier- 
ding und heuring. S. 28. ad 
1862. listing, Astron. f. 22^ 



m o r gin g e wölken cgm. 900 f.59^. 
wolgevelling cgm. 239 f. ll^ 
preding, wirding, unsohul- 
ding cgm. 572 f. 122» u. s. w. 
ubering plut, cgm. 817. ubrin- 
gen feucht a. a. 0. heiling 
cgm. 114 f 67*. »mäszing in 
alleii dingen,« cgm. 736 f. 3*». 
zuchting cgm. 164 f. 61^ ent- 
schuldingen f. 108. Disz ist 
vorhersehend Kieszisch, b) Im 
Allgaü: Pin g, Pin, Pein; Wing, 
Wein U.S.W, o) Ingfart, Einfart; 
ming Vater; »i bin halt ming 
Vater« u. s. w. >Wo eine sott 
sing, sind hundert und ning; 
do muinä die narra, 's miosz o 
so sing.< Frommann I, 41 ff. 
gong, stong, long für schwäb. 
gaü, stau, lau. aderlong. 

Ping, wing u. s. w. sind au- 
genfällig ausz pin, win entstan- 
den, um den Diphtongen ei und 
dessen Nasalierung zu vereiteln; 
esz ist langes i wie noch im Nor- 
dischen. Dasselbe Verfaren findet 
stat in long, stong, gong, da- 
mit nicht nasales aü entstehe. 

Die Bildung -ng kan man 
formell und materiell deuten; 
jenes : wird in die Silbe -i g n ein- 
geschaltet, um den reinen i-Laut 
zu bewaren, welcher sonst durch 
Wegfal des g geschädiget würde; 
disz, indem man die Bildung -ng 
als alte Participialform gelten 
läszt, wie sie sich denn auch un- 
gezwungen bei feindling, für- 
sichting, rausching u. s. w. 
als annembar erklärt. Eine drite 
Erklärung bestände darin, dasz 



84« 



N. 



man die ursprüngliche Bildung 
mit in, got. eins annimt und g 
beitreten läszt ausz demselben 
Grunde, wie bei ping. Um so 
werkwürdiger ist daher ming, 
ding, sing; gong,stong,long 
u. s. w., denn esz dient zur Be- 
stärkung obiger Ansicht. F^ei- 
ting, Sonnting eto. möchte 
ich als plurale Form erklären, 
welche nun als Singular geno- 
men wird. 

5) N ausz wurzelhaftem M. 
Weinhold S.172. 173 bringt eine 
grosze Zal von Beispilen. Ich 
füge bei: preutigan cgm. 570 
f. 98*. cgm. 257 schreibt stets 
bilgrin; hain f. haim, ser häu- 
fig, frend f. fremd, südd. u. 
8. w. M für N: brämseln für 
brinseln, pränzeln = ustionem 
olere; Mesmer allg. für Mesner ; 
b. S. Furttenbach hat Mesner, 
sant zwei, santbander f. samt? 
Illereichen lautet urkundl. bald 
Eicheim, bald Aichein. Sa- 
lenwang und Salmwang u. s. 
w. Hieher gehörige Belege sind 
noch zerstreut unter M u. s. w. 
aufgefürt. 

6) a) N wird im Anlaute manch- 
mal abgeworfen: Arcisse für 
Narzisse; Apoleon f. Napoleon; 
cgm. 1279 hat für Nantes: An- 
tis; AngelstadtfürNangolt- 
stadt u. s. w. Weinhold § 199. 
Das Oberpfälzische weist vile sol- 
cher Beispile auf, — öfters aber 
noch vorgeschlagen, wenn esz 
nicht vilmer als wurzelhaft zu 
erachten ist: Nast: Ast; Nipf: 



Ipf; lnle:N&nle; Neber,Nea- 
ber: Eber; Nösch: ösch, Esch; 
Nigel:Igel; Ebel: Nebel; nad- 
le: artlich; Es sei: Nessel; Äge- 
men: Nägemen. In einer z. Bam- 
berg auszgestellt. Augsb. Urisde. 
MB. 24, 259: Nenstorf für 
Enstorf. 

b) Ebenso dient esz, wie im 
Bayerischen, zur VermeidQng des 
hiatus zwischen 2 Wörtern: wie- 
n-i; ma-n-i; des ist a-n-arbet; 
dua-n-i u. ». w., wofür der Ober- 
pfälzer w sezt. 

7) Altes organisches n hat sich 
erhalten in Sundar für Süden, 
nhd. >des tails der weite das 
da haiszt Sundar.< ogm. 786 f. 
V. 10*». Femer in Pfenning für 
Pfennig; dann in Inbisz; Er- 
neuerte Pfründe 0. cgm. 257 f. 
17*. neben Imbisz sieh M. Im 
cgm. 811 f. 35^: anbyss >2 an- 
bysz und Morgenbroi.« dner, 
ender, eher; wage loh nicht 
festzustellen; mit got. air, airis 
hat esz wol nicht« sa tun; 
vilmer stet esz zu aiva, Daner, 
aivjan, Zeit, Dauer haben, d. 
h. dauern. Hinwider onterUgten 
auch nicht der Assimilation in 
anbahte:»derapoBtlenanbaoh- 
te.< cgm: 419 f. 37* Im ogm. 
290 f. 75*: pfindigs FUnoh f. 
pfinnigs. 

8) Wurzelhaftes nd, got. nth 
nord. ndh wandelt tioh anf dam 
Wege der Assimilation in nn; so 
in Winnmüle (Strassenorta); 
sieh D. die echten nn (alt unjß, 
enne, «nne) erscheinen in wia- 



NadUkrt - Naeht. 



847 



•enn, wegenn, erftandenn; 
MB. 25 ad 1470; fabohe Analogie: 
fwisohenn, annB, annser 
m. «. w. 

9) EügeniAmlioh erseheint in 
kalb lobwib. kalb bayer. Urkdn 
lir ^am an Subst. (alt dnom) 
««g: reichtung cgm.259 f. 4^ 
dsrnngf 7*. BeiL.Rem: r eich- 
ton g u. wartcheinlieh haltung 
i baiHnm. Sieh H. Wogegen für 
-ung einumbanftrit, wonumb 
eg». 285 f. 1\ Sattumb des 
Baaoha f. 14P. wirkhumb f. 14^ 
fndrnmb. wüetumb des men 
t 17^. betrachtnmb a. a. 0. 
mitleidnmb f. 54\ anrufnmb 
f. 60*. entpfindumb f. 66*. or- 
nnmb f. 60^ n. s. w., was Schmoll. 
in gut. -nfni rieht. Eben&lls 
BOT bajer. ist das lemptig cgm. 
300 (14dl), lemptigs opfer; an 

1. golt f. 25*. quell 1. Was- 
s; i. Kind; in Christo all ge- 
lempiigt f. 84^ n. s. w. 

10) Andere Erscheinungen, wie 
Am Wegfallen der InfinitiY-End- 
mg: fnor wir, saoh wir, kam 
wir, rit wir, bei L. Rem sind 
aiobi eckt Angsb. sondern frän- 
kiich. Die vüen Abschwächongen 
■taxier Subst. in schwache mit 
en« n wie ess in Bayern zur wa- 
r«n Sucht ward, kenen nur die 
Grendente am Lech. 

NAGHFART e. alte röm. Stelle 
k Kmmmbach. Yiac. 39. 

NACHHOF. »Dos andern Tags 
nush der Hochzeit, wer einen 
Hacbhoftans haben will, der 
fliag solches wol tun, doch sollen 



der oder die Qastung und Mal- 
zeit-Haltung, auch des Pfeffers 
(oben S. 92) Confekt und Wein- 
geben in all weg mnszig sten.< 
Alte Hochz. 0. Zum nachhoff 
verclaydt um 8*/« elen fein grau 
Lindisch tuech u. s. w. L. Rem 
44 ff. »um 12 elen braun Samet 
zuom nachhoffrock.< f. 14. S. 
45. Am nachhofftag morgens 
u. aubeiids. 48. Auf Nachhof- 
t & n z en erhielt jeder Stattpfeiffer 
Vf Gulden. Hochzt. Ordg. 1540. 

NACHSCHLAG bei Mezga-ein- 
kanfen: »Item welcher Mezger 
den Nachschlag anneme und 
denselben wie man sich dessen 
Terglichen hette nicht täte, der 
sol um 30 kr. gestraft werden. < 
Mezg. 0. 1549. 

Im Bezirke Füeszen lautet 
nach in Zusamensezung Nau- 
mesdag, Nachmittag. >waogou|t 
(w& g&fit) do naumesdS na?< 

NACHT. Z'nax, Nachts. Stand. 
nSt, Baar. >ünde waert von dan- 
nen über yierzaehen nat.< Stdtr. 
f. 12^. >Sö sol er umbe den eid 
dri vierzehen naht frist haben. < 
f. 17*». TacitusGerm. cp. 11. Schmid 
398. In Zusamensezung: Nacht- 
buo, nächtlicher Abenteurer. 
Nachtmensch, öffentliche Hure. 
A. Das >Nachtdeckeni beim 
Wachteln verboten. Vergleich v. 
1642.Nachtkönig s. K.Nacht- 
schach sieh Schach. Stdtr. 
Nachtarbeit er, welche die Ab- 
tritte reinigen musten unter Be- 
fehl des Nachrichters. Ordgen. 
1647. In Oberschwab, horte ich. 



348 



Nachwachs -* Nakt 



wenn Jemand, als seltener Gast^ 
in der Kunkelstube erscheint: 
Hast d'Nachtfran itt gfurcht? 
Hast da Nachtrapp ittgfiircht? 
>N achtraben, welche diesselbe 
Nacht ganz mutwilliger und fre- 
venlicher Weis jedermann ge- 
schlagen, < d. h. Nachtschwärmer. 
GasB. In den Fischacher Stat. 
Bossnachtwaide; Tagvich- 
waide. Nächtliche Nacht- 
diebe. Augsburg. Dekret 1768. 
Nacht, gestern. Mindelh. Gegend. 
Nächtig. Seh. 

NACHWACHS (Schlagschaz, 
Münzungszuwachs) im bischöfl. 
ürb. 1316 (Kaiser, Wappen etc. 
66*) item de eo quod dicitur n o c h- 
wachs solvuntur 30 Schill, u. s. w. 

NACH WURZELE, leztgebomee 
Kind. A. 

NAFZÜNG f. und NAFZEN 
swv. gesproch. naffzga sieh 
G. 173* = entnicken, ein- 
schlafen. »Als der selig Mann 
Gottes St. Ulrich nach seiner Ar- 
beit verleichen wollt seinen mü- 
den Gliedern ein wenig Naff- 
zung.< cgm, 402 f. 53*. >Doch 
entnaffzet* sie ein wenig.« f. 
b&*. Dafür öfters nibba. Augsb. 
napfen, vergnaupen. Schmid 
398. SchmeU. H, 683. 

NAGEL in rechtsaltertümlicher 
Hede. >Wann man einem Söldner 
erlaube, soll man in fragen, wie 
lang er werde auszbleiben, item 
mit wem und wohin er reiten 
wolle, dasz er den Nagel ziehe, 
und wann er wieder komt, soll 
er sich wieder anmelden. < Ordg. 



1647. >Zin8- und GiHlente, die 
sich mit Tür und Nagel be- 
schlieszen.i a. a. 0. 1602. »Was 
Niet und Nagel hebt.< Mickh. 
Urkd. 1607. Nagelmagen im 
Strdtr. Verwandte im 7. oder 
lezten Grade. Grimm. R. A. 469. 
Wackemagel H. 208*. »Mak den 
der herre bestellen mit dnenna- 
gelmagen, die von der mueter 
unde niht von dem vater eine 
mage sin selbe sibenden.« Stdtr. 
f. 20*. f. 28*. 28»>. Die Verwandt- 
schaft nach den Hand-, Arm- n. 
^ Fuszgelenken gezält dürfte hier 
zum Verständnis erwänt werden. 
Nagel geld, eine Abgabe. Bein* 
hartsh. Pfarrbch. 

NÄGELE, Nelke, in e.Hoohst. 
Ordg. V. A. sieh Sehmid 400. 

NAHE got. n^ya, spricht der 
Augsb. nänch, comp.n&noher; 
superl.nänchste.Verb.n&ohne. 
>Nächent dem Tonne« tus. w. 
Gass. »raist auch in die naohin 
unK< L. Rem 11. 

NA JEN swv. genayet, pari. 
>dö lag genayet in derschosae 
Jesu der jünger.« cgm. 437 f 108*. 

NAKTER Tail, Dietkircher Fl 
N. »Zum nakten Arsoh<, ein 
Plaz, sieh Arsoh. Im Jare 1788 
machte in A. der nakte Mann 
im grauen Mantel AoÜBehen hinter 
der Domkirche. Patrouillen be- 
endeten den Unfug. Das so oft 
vorkomende schwäb. nackig ist 
grundfeilsch. Eigentümlich ist bei 
nakt der Anszfall des t got. 
nochnaqaths =nadu8; ahd.na- 
chat, -oi, -et: nachaton, Gnlf 



'BTam — Narr. 



349 



Ily 116. In der andern abd. Form 
Maohnt klingt altes V nach, eben- 
so im Angelsächsischen. 
- KAM , Ranb, neben Na um. 
B«ib in Luc. Rem's Tgb. oft : 
>Mit rab und n&m.< Seite 1. 
naam 169. 

■• KANNELE beliebter Name in 
dßt Kinderspraohe. Auch in 
Liedern: 

Nannele, Nannele 
Haost dein Bobbele no itt gmacht ? 
NoI, i had 's vergesza: 
I bin da ganea Tag 
Beim Schäfer dusza gsessa. 
Wenn da willst dem Schäfer gfalla, 
Mnesxt 'm grüene Schneie traga: 
Qrftene Schneie, a weisses Kleid 
Ist deam Schäfer all sein Freud. 
Reinhartshausen. 

NAPPERSCHMIDE , Werk- 
stfttte, worin Rören, Mörser ge- 
bort werden. Vrgl. meinYolkst. 
1,-160 Anmerkg. nahen, gena- 
b6n.mhd.=: boren. Wb. II, 282. 
näbr9, niederschwb. besond von 
Enten, die den Schlam anszboren. 
€Mt Diui m, 129: nagewer== 
Borer; dim.nagberlin. Schmell. 
ü, 686. 

NÄRLICH adj. Auf einer Tafel 
der Mezgerstube stet : 
Sechzehn Mezgerbänk närlich 
Des erfrenten die Mezger sich. 

NARR. Nach Paul ▼. Stetten's 
ErL 87 waren bekante Hofnar- 
ren bei Tänzen, auf Gemälden: 
Der Toni, der Huri, der Lenz- 
narr, der Onnz-Narr. Narren- 
farbe, blau und grün zusamen. 
la Liedem: 



A lustiger Bue 
Braucht oft a paar Schueh, 
A trauriger Narr 
Hot lang am a Paar. Stand. 

Red. Arten: »Dear ist a Narr 
in sein Sack.< »Da stach mich 
der Narr mit einer niederlendi- 
schen Junkfrau.« Schwarz 42. 
>Sichin Narrenkappen üben.< 
Theophr. Parac. In den schwab. 
Gloss. z. Terenz clm. 342: du 
bist kein narre nicht: haud 
stulte sapis. Wie überall war in 
Attgsb. das Narr enhaüsle. >A. 
1473 hat der Schwarz, Burger- 
maister hie das Narrenhaüs- 
lein auf den Fischmarkt lauszen 
machen, das man darein thete 
legen, wer grosze ünfur und 
Geschray auf der Gassen 
triebe.« S. 205»>. Nach f. 405 bei 
S. nannte einer den Tabemackel 
Narrenhäuslein. G^mäsz der 
alten Polizei Ordgn. kamen sol- 
che in's Narrenhaus, welche gegen 
die vorgeschribene Ordnung Ge- 
tränk im Wirtshause holen und 
auf betrüglichem Wege Fleisch 
Ton »auszwendigen Mezgern kau- 
fen. < Ferner sollen die Stadt- u. 
Gassenknecht einen >Föllerei< 
hegenden »fenklich annemen und 
in das Narrenhaüslin furen.< 
Poliz. 0. 1553. Ferner >die sich 
mit brennten Wein ungebürlicher- 
weisz überladen.« a. a. 0. Osen- 
brüggen, Alam. Strafrecht S. 112, 
6 sagt: »Das Narrenhäuslein 
in Augsburg, Eszlingen u. Sohaff- 
hausen war wol dasselbe mit 
Trülle.« Disz ist unrichtig. In 



850 



N&Bseln - NeidUo. 



all den genannten Städten be- 
standen TrüUe und N. neben ein- 
ander, so auch in Gonstanc, Rot- 
tenburg etc. Das Rottenb. Nar- 
renhaus, an der jezigen obem 
Necarbrücke emals, war für Leute, 
welche dumme närrische Streiche 
machten. Die lezten Eingesperr- 
ten waren 7 Bursche, die wärend 
Donner und Bus tanzten. Das 
bischöfliche Narrenhaüs- 
lein in Constanz war 18' hoch 
von hartem Holz , rot angestri- 
chen , auf 3 Seiten mit eisernem 
Gitter und Kupferdach, daran 
das bischöfl. Wappen. Wer über 
hohe und niedere Geistlichkeit, 
über Religion sich auszliesz, kam 
da hinein. Das Ravensburger 
Narrenhäuslein bei Eben. II, 
27. Reysher, Sammig. 8, 265 (ad 
1559). JuraControv. hs. inTuttl. 
S. 720 Frisch, Wb. U, 8\ Mein 
Wbl. 70. 

NÄSZELN swv. gerne trinken. 
A. 0. N. Naszenbeuren. 

NATHAN St., bildUch, bei 
Holzmann: 
Haben Pfandt gen St. Nathan 

▼ersezt 
Da sie verstanden sein zulezt. 

NATUREN swv. >ünd nach 
dem Planeten sind genaturet die 
Sanguinei.i >Der Steinbock ist 
genaturet als das Fuir.« Astr. 
f.22»».2ö». Forer hat genateüret. 

NAÜ, NAVE, Farzeug: >in 
einem bisgayer nave<. Luc. 
Remis. >portugalisch nave.< 
f. 160. plur. nave f. 168: fuoren 
•ie wieder auf iere nave. 



NAULEI ? Schelte: Du bist 
minder als der Nanleil FfMoaL. 

NEBEL inZus. Nebelkappe: 
»A. 1521 zu dieser Zeit der Pe- 
stiUenz hat der Bat die Nebel- 
kappen, damit man in der Klag 
das Angesicht bedeckte, und die 
unter dem Volke mer ßehre<^en 
und Entsetzen, dann Ergetzong 
machten, verbotten.« Gase. Die 
von Grünenbaindt bei Zvtmars- 
hausen hieszen Nebelstapfef, 
sie haben den Nebel mit Stangen 
herabstupfen wollen. Gegen Leni- 
kirch hin heisxt ein Waszer, Eaoh- 
ach, streckenweise Nibel; eben- 
so heiszen dort Bronneii und 
Teiche. Der N i b e l ga a erstreckte 
sich westlich vom 111 er ga«, von 
Leutkirch und Wang^ bis gen 
Memmingen hin. UiML Nlbel- 
gavia, — gauia. 

NEFF ausz Nepomuck. RJL. »Da 
bist a Kerle wieSt. N ef £, deam hend 
d'Spaza in's Fidlagnistet,« v.e.iaa- 
len Menschen* (BrückeDheüiger.) 

NEIDBAU in der Aogsb- Bma 
0. I, 11: »für einen Neidbtm 
aber wird gehalten, irann «kmt 
seinen vorhabenden Bau nfynr 
barlich zu seines Nachbarn Beila- 
den, otme dringende Not vomiai" 
met, oder au» solchem Bau gar 
schlechten oder gar keinen Knaco, 
der Nachbar dagegen an L«ft 
undLiecht einen grossen S^te- 
den und Abgang hat, also dossw 
Haus — gans unbrauchbar fHMc 
oder des andern Boashi^ — tick 
von Selbsten an den Tag Icfetf 
— Wo das sich nidii 



Nei|(ele ^ Neiqar. 



351 



»■o wird toleliesf&r keinen Neid- 
hmvL gehalten.« 

N£IQ£L£, dM, Best von Spei- 
■n und Getränken. Augsburg. 
Sohmid 404. 
NELLENBBUCE, Einöde. Eemp- 
teil. Sieh mein Wbl. s. v. 

N£M£N in Zusamensezung: 
auBinemen, 1) bei Hansverkäu- 
ftn etwas zurückbehalten ; 2) beim 
Qetraide in der Scheuer: aufhe- 
ben. Mickhausen. Zu S. 36^ oben. 

NEMEZNIZ , Niemand nichts. 
Lug. Tagebch. 1525. Nedmez, 
WnnnL neemis, etwas, Weilheim 
b. TuttL 

NENKEN swv. spr. neöke, an 
einer Sache imer etwas auszu- 
lezen haben. Allgaü. 

NERIS, eine Einderkrankheit. 
>NeryBz ist ain Geschlächte 
der Räuden und widerfört den 
Kinden umb das Haupt und An- 
gedoht den merem Tail. Nerysz 
istswaierlei: ainer ist on jucken 
und peisien und hat Schiepen. 
ünaoh des Neriss ist Ueber- 
flOsiigkeit des Plutes und anderer 
Feichtigkeit , die auszgetrieben 
werden von inwendig des Haup-^ 
tat auszwendig.« cgm. 601 f. 103^ 
>d4 kam in der neris an und 
wollt nicht recht rau8z.i Luc. 



NERTEN, nirten, nirgens. 
8. 89P. 

NEST, das. 1) wie hochd. im 
Liede: 

Jeit laut man in d'Yesper 
Da Yögel in d'Nester 



Da Bueba in's WirUbans 
Da Mädla ins Seh— haus Std. 
2) verächtlicher Name f&r einen 
bestimmten Ort, eine Stadt u. s. 
w. >In derVorstat (v. Antiochia) 
war ein rechter Buhplaz und 
Schlangennest desTeufels.i 
Ehrenfest 1699 S. 10. »Obwol 
dieses Born ein Asylum war vor 
I allerhand Personen , welche das 
1 Leben verwirket hatten, um da- 
I durch solchen Ort mitEinwonem 
i anzuhäufen, wodurch derselbe in 
! der Tat ein rechtes Baub- und 
j Wolfsnest konnte g^nennet wer- 
I den.« Web. Umzug. S. 15. 
Miar band zwar an-anand Hanbiza 
In des vertuiflet Nest 'nei- 
gheit. Seh. 

Wenn truzischt, kriegst 'a-n-an- 

dres Nest 
I lasz di sperra in Arrest. Seh. 
»Mei Neast ist glei vorUlem.« 
Mein Wbl. 70. Diebsnester, 
in den Burgermaister - Ämtern 
(auf dem Lande?) Erlasz 1767. 
Nester des Diebs- und Jauner- 
gesindels. a a. 0. 

NEU: >'s Nui< , Neumond. 
Mindeltal. Stauden. 

NEUJAB, ward in den Stauden 
und Umgegend mit Beimereien 
gefeiert ; 

Wünsch a glückseligs nuis Jaor 
'S Ghristkindle im krausa Haor: 
Glück in*8 Haus! 
'S Unglück oba 'nauszl Burgau. 

Wünsch a glückseligs nuis 

Jaor 
'S Ghristkindle im krausa Haor: 



352 



Neaelen — Nietenflesen. 



Dasz der F^lax und 'b Koara wol 

gnoi 
*S Glück in's Haus 
'S Unglück oba beim First nauaz 

oder: 
Bleib auszl Stauden. 

Einige Lieder ausz den Stau- 
den und Mindelheim: 
Guots Jaor, Guots Jaorl 
Dasz 's Koara graot 
Aepfel und Bira 
Was ma haot. 

Guots Jaor, guots Jaor 
Nimm da Budel beim Haor 
Nimm d'Kaz beim Stil 
Und gi mer recht vill 
Feigele erwänt eine Füszener 
Site: >16i53 an Neujar Abend 
ist das Herumfaren der jun- 
genGes eilen von unserm Herrn 
Pfleger Achaz von Leiningon ganz 
abgeschafft worden. < 

Flur- und Ortsnamen mit n e u- 
zusamengesezt häußg. Orts N.: 
Neuburg; Neuburg an der 
Kamel: Neuenried, Neuhau- 
sen (2), Neumünster, Neu- 
säsz, Neuschwezingen, Neu- 
ulm. Neuweiler. Die neuen 
Gänge oder Gang lein über den 
innern Graben spilen in der städt. 
Geschichte einigemal eine Rolle. 

NEUKLEN swv. Von neuen 
Gefäszen riechen. Vrgl. das lat. 
quo vas semcl imbutum, semper 
odorem servabit. 

NECSEN? »Dear neust's, dasz 
'b itt im Gleisz dinn gaot.< Seh. 

NEZ : >item wenn ein jung neu- 
gebomes Kindlein im Waszer — 



vel alibi oder Nezlin Tod ge- 
funden wird, solle mftn Bolehes 
durch die goBchworene Hebamme 
besichtigen laszen.< Ordnungen 
1647. Nczstadel för Jagdseng. 
Urkd. 1718. Zaoher 4^. 

NIEDER in Ortsnamen: Nie- 
der alt heim, Nieder dorf,Nie- 
derhausen, Niederhofen, 
Nieder rieden, Niederstan- 
fen. Niederstimm. 

NIEDERLEGUNG beiRegiom. 
1512: >das AUeloga Nieder- 
legung ist allerwegen 3 Wochen 
vor dem Sonntag Invocavit»< 

NIEDERSIZEN stv. in Untätig- 
keit zubringen. Niederschwäb. 
Verl igen. »Und in Herbergen 
also dahinden niedersizen.< 
G. V. Ehingen Leben. 

NIETENSEZEN ein Kinderspil. 
Der junge Schwarz stet vor einem 
auf der Erde gezogenen Kreis 
oder Zirkel, in dessen Mitte 8 
einer kleinen Bim oder einem 
kleinen Holkreisel änliche Spil- 
dinger ligen , nach welchen er 
mit einem andern dergleichen 
oben zugespizten Spilwerkseoge 
zu werfen scheint. Dabei stet: 
>setz mir ein , ich will dir ein 
Nieten sezen < Kleiderb. 166. 
Esz ist wol nichts anderes als 
das heutige Stöckelspil. Jeder 
wirft nach einem aufgeBteilten 
Merkzeichen meistens einem Spnn* 
ten oder einem Zapfen ausz dem 
Bierfasze oder auch einem Stein. 
Wer das Merkzeichen, bisweilen 
Taube genannt, trifft oder mit 
seiner Wurfylatte am nftohtien 



Kiesz — Not. 



355 



At den Torrang. Die Pfen- 
werden vom Sieger gesa- 
geworfen ob Münz oder 

Ins fällt u. 8. w. Niete, 

mes Bettreben Schmid406. 

IL n, 716. 

Z,iiitsbt8. AUgaüer Schelte: 
|t aieEl 

}fld&wäz ist niez! 
ein ganz Hans ist niezl 
tH ^wh k&t nü Laus! 
TEL, patmelis consobrina, 
amitina, niederd. Nichte. 
nber ain man eins biderben 
V wtbe eine huren heizzet 
me$ biderben mannes nif- 

Stdtr. f 60*. Glosse. Nif- 
t ßMM Dim. von Nifte, ge- 
1 N e f f e ; lezteres müste got. 
leiftzen für gnifa, wie ne- 

gnepos; nomen f. gno- 

leateres noch in cogno- 
rsip^hl f. yy€(piXti, nebel 
ebel n.8 w. OraffII,1052. 
US f. Geschwür , Eiterbla- 
L Kopfe n. s. w. Vrgl. nel 
I Diemer's Genesis u. Exod. 
"9, 89: = Vertex. Fedor 
B Pfiöiffers Germ. Vm, 471 
ol, nulle u. s. w. an. 
SE, Lanseier. Weigand Wb. 
8*- Nisziger Bua, der 

amf sich hält. Niszig, 
0. Kiszige Leicht, ein 
al>egingni8 one Gefolge. 

LE, die, die schnelle Ea- 
e. >Ei8er buo hout d'r heit 
Usht Orn-arbet g'machet, 'r 
.'itü'itle so stark« u. s. w. 



NOLLEN Bwv. saugen, zullen. 
Dear haot im Traum am Dauma 

gnollet 
Und haot *n arga Schnarchler 
ghollet. Seh. 

NONNE im Kinderreime von 
der Schnecke: 
Schneck, Schneck streck d'ädre 

'rousz 
Oder i wirf di in' Bronna 
Mit deina siba Nonna! Stand. 

Nonnenberg unweit v. Klim- 
mach, sagenhaft. Nunnenma- 
cher, Säwschneider. Gass. Non- 
nenhorn. 0. N. 

NORDERS: >Septembrionoder 
Norders.« Astr. 15^ Mhd.Wb. 
nordert ü, 407*, neb. w est er t, 
ostert. Ortsnamen: Norden- 
dorf; Nordheim (Donauwerd); 
Nordholz (Roggenburg); N o r n- 
heim? (Günzburg). 

NÖRGELN swv. 1) bei herber 
Arbeit schwizen. Riesz. 2) >n. und 
reckein« etwas ünangenemes 
wiederholt sprechen. 8) hinab- 
würgen, z. B. trockene Speisen. 
AUgaü. Nörgler, — erne, homi- 
nes, qui in minutiis versantur, 
morosi. Riesz. 

NÖRTEN, nirgends. >Damit 
die aufrierigen Inwoner nört- 
ten sich möchten rottieren.« 
S. 372». f. 408^. Von n-orten wie 
d-orten gebildet 

NORWEG im cgm. 206 oft: 
gen Nor weg ziehn, d. h. gen 
Norden (v. Asien ausz). 

NOT, spr. n&9t; niederschwb. 
naot. Nothaus 1) für prest- 
23 



356 



Kuben — Nusz. 



hafte und mit bösen Geschwüren 
behaftete Personen, an der Vogel- 
torstadtmauer. A. 1561. 2) wo 
man armen Fremden ein Nacht- 
lager gibt. Notnunft im Stdtr. 
oft = Notzucht. >Swer die not- 
numpht beget an maegeden, 
— daz man in lebendigen be- 
grabe. < f. 29^ rihten umbe die 
notnumpht f. a. a. der not- 
numphte zihen f. 30*. u. s. w. 
Notstal: > allermeist habe ich 
auch anderer gottseliger Leut, 
die noch tief im Notstal sind 
gestecket , hierinnen verschonen 
wollen. € Dr. Müller. »Notzug 
und Inzicht.< Vergleich 1582. 
Adj. notfest v. der Gesundheit, 
für die gewisze kranke Anfölle 
gefärlich sind , nicht kapitel- 
fest. Hochnötig, Furttenbach. 

NUBEN, Neubau, Nuibant, 
Oertlichkeit b. Türkh. >Die Forst- 
grenze genannt der Neubau 
(Nuiba) föngt beim Gern an und 
bis zum Pieburger.« Zach. 15. 289. 

NUDEL, 1) in dem Kinderliede : 
Mel Muoter kocht Nudla, 
Sind um und um blau, 
Sie sperrt m'rs in Easta 
Und will mV 's itt lau, 
Se geit m'r 'n Brogga 
Zuo da Heaner 'rel logga: 
Heale bibbi! 
Dean Brogga frisz i. 

Ueber die Zusamensezungen 
Heffanudla, Schlottanudla 
u. s. w. sieh unter dem 1. Wort. 
2) Fettes Kind. Ztw nudeln, 
ein Kind liebkosend herumbalgen. 



NUEPEIi, groszer Mund. Riesz. 

NUN im Handkai. 1747 hs. 
Wir teilen mit dem Tod die Zeit 

in der wir schweben 
In einem solchen Nun beharret 
unser Leben. 

VrgL das nein bei Felix Faber. 

NÜRNBERG in einem Tanze 
ausz den Stauden : 
Bin überall gewesen 
Als z' Nürnberg itt, 
Hau alles verfara 
Nur 's Heirata itt. 
>Um ein Nierenberger elen 
gülden tuch 9 fl. 10 kr.< Luc 
Rem 45. 

NUSCH, NÜST, Dachrinne. 
Stdtr. nusch. In Weberhaus- 
rechnungen stet: die Nüsch. 
Nüesch, die Niest keren. »Wei- 
ter gebeut ain erbarer Rat, dasz 
alle Nüsch, so auszerhalb der 
Haüser, Mauren, Wendel gemacht 
sind« etc. Angab. Nusterlasz, 
hs. (Archiv) 1588. Einen Nn st in 
Stüzen legen. Bau 0. In Miokh. 
Akt. >imThiergartennndanfd6m 
Hofanger Niest gelegt.« 1580. 
Die Formel in den emaligen 
Hausbriefen As. lautet: »Dasz das 
in N. gelegene Hans, Hofsach u 
Gesäsz frei sei an Mauern, Wän- 
den, Lichten, Nüsten, Trafen, 
benannten und unbenannten« u. s. 
w. Tr of, dasselbe. A. Schmid 411. 
Schmell. IT, 712. 

NUSZ obscön: vulva; Zeitw. 
nu8zen.0rt8n.Nu8zbühl(Wem- 
ding). Nuszmärte, imRieszall- 
gemein am Nikolaosabende. 



Nuael •— 0. 



867 



NUZEL, der, Schnuller, Schlo- 
xer. Stand. Daneben Dizel. In 
Grossaitingeii beiszt eine Näherin 
nur: d'Nnvelnaire , weil sie 



frühe Bekantschafb anfieng, da 
sie noch den Nuzel im Sacke 
hatte. 



0. 



1) Ausz spräche in betonten 
Stamsilben. Vor den Zan- und 
Lippenlauten spricht der Schwa- 
be im Allgemeinen o rein; vor 
den flüssigen m und n erscheint 
nasales o, sieh N. Vor r hört man 
stat des reinen o ein &, ein ganz 
gleicher Laut, wie für altes a; 
lieh A ob. 5. S&rg: Sorge; Mar- 
ge: Morgen; &rgla: vomere; 
D&rf: Dorf; K&rb: Korb; in 
den Straszenortschafben hörte ich 
reineres 6: Sorge, Morgen, 
Körb, T-orf, Stork u. s. w. In 
unbetonten Ableitungs- und Fle- 
xionssilben verschwindet reines 
o ganz; das augsburg. Schwaben 
wart esz aber in den sogen, al- 
tertümlichen Superlativen, wie in 
den sw. Verb. 11. Conj.; das 
Nähere ist unten zu ersehen. 

2) Quantität. Wie schon bei 
a, e, i angefürt wurde, dent das 
augsb. Schwaben die ursprüng- 
lich kurzen Stamsilben mit o 
derart, dasz man oo oder ooo zu 
hören vermeint, aber hier einzig 
vor Doppelconsonanz, wenn lez- 



tere gleich oft nur scheinbar ein- 
&ch auftrit. Gschmüz: 6e- 
schmunzel;Lüch: Loch; lücho: 
ein Loch machen; gnütscho, 
'rumgnütsche: in Speisen he- 
rumtalken ; h 5 1 s c h 9 : herumhum- 
peln, hatschen; GschlUsz in d. 
Mezgersprache ;Frosch, Fr 9sch- 
lache; Düdle, Pate; hüddle; 
Bockh, Bock; BlSckh, Block; 
Stockh, Stock; Rockh, Bock; 
hocke, imperat. = siz nieder. 
Döckhen, Docke, Einderpuppe; 
Gockheler: Gockeler, Han; 
Dotsch, was Datsche; Lutsche; 
Holz, Holz; g^zig: einzig u. 
s. w. Dise Denung kene ich als 
bis Gmünd und Ellwangen hin 
üblich, wo nicht blosz a, e, i eben- 
falls dem Geseze unterligen, son- 
dern überhaupt vil Aenlichkeit in 
den Lautgesezen mit dem alten 
bischöflichen Augsb. jezt bayeri- 
schen Gebiete zu finden ist. Der 
Ellwanger und Gmünder Städter 
spricht genau wie der an der 
Augsb. Ulmer und an der Lin- 
dauer Strasze Böckh, BlSfckh, 
23* 



358 



Roz (Roz), Köpf u. s.w. Wenn 
ich nicht irre, dent auch der Alt- 
bayer häufig vor einer Doppel- 
consonanz o; wärend ursprüng- 
lich o nicht gedent vor einfacher 
Consonanz gehört wird: grobb, 
Lobb: grob, Lob; Brodd: Brot 
u. s. w. Lezteres kan man in 
der alam. Baar zwischen Tutt- 
lingen und Donaueschingen all- 
gemein wamemen: Bodde: Bo- 
den; hobblo: hobeln; nobbel: 
nobel u s. w. A.uf alte ganz kurze 
Auszsprache läszt die so häu- 
fige Doppelconsonanzschreibung 
in Schwab. Augsb., noch mer in 
bayer. codd. schlieszen, wie Pof- 
fel, Pöbel; Hoff: Hof. cgm. 402 
f. 30»» und oft; Tolle: Dole,Ca- 
nal, noch in der Augsb. Feuer 0. 
V. 1731. Der cgm. 601 schreibt 
stets ÖU, Oel; Lott cgm. 206. 
Offen: Ofen b. Send. 

Eine andere Art von Denung 
ist nach Auszfal des h (ch) wie 
n5(h), d(5(h), wie allgemein 
schwäbisch, siehH. Ich ziehe hie- 
her auch die Denung vor r: kö- 
re, hör9, müre, möoro u. s. 
w. , was bei R näher erörtert 
wird; auch dise Erscheinung ist 
EUwangisch, Gmündisch u. wir- 
terab. oberschwäbisch. Auszfal des 
r, wie in Niederschwaben ist augfsb. 
Schwab, seltener. 

3) Bayern und Schwaben gen 
ser auszeinander in der Ausz- 
sprache des i, u, wenn m oder n 
folgt: hat der Bayer reines iund 
u, so schwächt der Schwabe in 
disem Falle i zu e und u zu o 



sowol in Btam- als in Bildungs- 
Silben: Meinong neb. Meining; 
Feldong neb. Feiding; Sohi- 
dong neben Schiding; Mar- 
kong, Stallong, Festong u. 
s. Wf besonders ist das aug^sb. 
landschaftliche h d d : Hund ; p f o d, 
§t6d, grod u. s. w. interessant. 
Auch schriftliche Denkm. bezeu- 
gen dise Eigenheit. Luc. Rem 
schreibt forkong, reichtong, 
rechnong, olaidong, belo- 
nong, SafiEran-Anlegong, nutz- 
ong, librong. cgm. 480 f. 82^ 
u. cgm. 257. wonder cgm. 437 
f. 108 und öfter wondreten 
wonnder cgm. 140 f. 82^ ond 
a. a 0. gewendet f. 72*. Son 
(Süne) f. 86*. uberwonden f. 
119*. Bei L. Rem: erfonden. 
Yor r überhaupt scheint o fär n 
schon frühe eingeriszen sn haben; 
esz ist uralte Brechung: forohi, 
n o t d o r f t. Vergl. Weinhold 
Gramm. § 88. 

4) Dem augsb. Schwaben ist 
vor dem wirtembergrischen die 
Warung des alten SnperL o und 
des o in der n. sw. Coig. eigen. 
Noch heute hört man vomLaad- 
vplkez'obergost, zhintergosi, 
z'hindergost, s'vedergOBi, 
E'mittlergoflt, z^theurost eto. 
Tom Anfange dises Jhs. fand ich 
obige Formen als volküblioh von 
einem Patrizier anfg^esohriben. 
Der Chronist Sender hat: lu 
oberost, zu unterost, zu fe- 
derest, deraltost, allerfeat- 
ost, der dreyszigest f. 172^. 
2W. 586*. 241^. 280*. 880*. n. z. 



859 



w. VrgL Gramm. P 967 fif. III, 
673 £ Mhd. Wb. n/487. In 
▼olktümliohen Schriften komen 
dise >Archai8men<, wie man sie 
la nennen pfl^, häufig vor. Ich 
ftre for die Superlativ-O and für 
die des sw. Yerb. n. Conj. noch 
eine Anzal Stellen an und tue 
eis nun mer, weil sich die bayer. 
und Schwab, codd. darnach be- 
stimmen laszen; die ersteren lie- 
ben die -ist Form: Ausznamen 
gibt esz imerhin. Ich stüze mich 
aber nur auf Denkm. v. 14. bis 
16. Jarhd. Das gesegnet Land, 
ogm. 246 f. 3^. Kossot mit den 
Inten 6^ wardgecruzigot 6*. ge- 
martrot 9*. dem behendesten 
leuffer 12^ werot 14*. ein ver- 
laimgoter Man 16*. es wurd ge- 
endet 17**. gepredigot 18*. aller- 
wyioster 18*. 21*. gemeldet ist, 
oft. erlediget 22^ dem behendo- 
rten loffel 24.\ eldost 29^. me- 
nem geealboten 36^. die sterko- 
ijben 41*. yermalgotten 49*. ge- 
■indot 60*. (gerechnot cgm. 15 4^ 
ebenso cgm. 402. 419. 736. 257. 448. 
460. 257. 445 eto ) gesegnet 54*. ge- 
hsiligot 55^ geriohsnot 36^. den 
«dhnödosten Tod 67*. krucgot57*. 
redost 68^ bestätiget 62^. hailigo- 
ster herr 68*. barmherzigket vnd 
warhait h&nd einander gegnot 
76*. in dem vier und dreiszgosten 
78^. gerechtott haben 79*. durch- 
lüchtigosten , allerwirdigosten 
berm 80*. gerainigot 89;^. ster- 
kosten 91*. gemartrot 94^. ange- 
bettot 106^ versiglot Brief S. 
382*. tausot 331»». gemerterot(St. 



Urs.) S. 352. unverwegerot. ver- 
mechlot 359*. foderot 360*. ver- 
samlot 370*. die zerriszosten Klei- 
der S. 392*. gewarttot S. 504*. 
Von allen obrigosten Eünig er- 
wölt sein. a. a. 0. 6*. vnd 
öbergosten über desselbigen Bo- 
schützungen erwölt 90*. fraind- 
lichost S. 458*. des Apollinis öber- 
goste Priesterin. Troj. Krg. 24*. 
Zum öbergosten verknüpft 30*. 
die ellerundrigoste ding = die 
Feszeln des Troj. Bosses. T.Krg. 
49^ Machten Agamemnonem zum 
obrigosten Hauptmann 57*. Sezet 
Priamus den Hektorem für einen 
fürgehenden u. öbergosten Haupt- 
mann 70*. e. obrigosten Eünig 
erwöhlen 78*. gewegot oder rut- 
tiert (Wappen) cgm. 92 f. 4*. in 
der zwo und zwenzigosten Wo- 
chen, cgm. 168. 2^. Bei de« 
neu so zu vordrigosten am 
Streiten wasen. Troj. Krg. 8*. 
dem eltosten. Man. bl. 1*. Die 
obrosten vier gewölb 26^ a.a.O. 
kostot und zimrotent. wandlet. 
Astron. 15*». regnott 16*». rechnet 
20*. anbettotend. Satumus ist der 
obrost planet, in dem obrosten 
trone 20^. der obrost gott. der 
tragost. der tragoste in s. lou£ 
Saturn, gewerotte 21*». bettot- 
tent. machet 22*». die mone ist 
die nidrost pianette 23*». und ist 
allersnellost an irem loufe; sie 
louft allemidrost. 25*. von dem 
achtoten himmel in dem obro- 
sten himmel 25*>. geordtnotten 
leben 28*». dorot (dorren) 30*. von 
der unverdowoten Spise 36*». ko- 



360 



chot 5^. an dem achtoden tage 
cgm. 168 f. 49>». gebettot f. 60*. 
gemanigfaltigot. cgm. 206 f. 171. 
gesegenot 172\ du beschamotest 
mich 178^. darum gesegnot dich 
Got imer 173*. den vnvermasigo- 
ten 79*. du gesegnotest. so wirt 
ich gereinigot 176*. Sie gesegno- 
tent mit irem mund 178*. erdie- 
matigot 82*. s. gesegnoter nam. 
regnot 184^. Sie sandotant dan- 
noch. Herr da gesegnost din erd 
187*. der obrost hat sie gestift 
188*. erfräwotest 189»». cgm. 402. 
besamnot f. 9*. samnoten 9*. sey- 
not 17*. gesegnothett 17^ d. wei- 
sesten pfarrer. 20*. prediget 22*. 
begegnet 27* u. s. w. Vgl. Schlei- 
cher, Sprache S. 160. Weinhold 
§ 284. u. § 357. 

Altes 6 an Imperativen und 
Yocativen hat sich häufig, beson- 
ders im Mindeltale, erhalten und 
zieht sich bis nach Ellwangen 
und Gmünd hin , wo esz freilich 
als k und nicht als reines ö er^ 
scheint, z. B. Bäbal&t Hans&l 
Sepperl&l Ebenso wird in Rei- 
mereien und Liedern ein 6 ange- 
hängt, um den Wörtern Nach- 
druck und Reim zu verschaffen, 
z. Beispil: 
'N Weag 'n weit6 
Und koi Ross zuem reitö u. s.w. 

Wen's alle Leut saget 
Nao sag i's halt 6 
DTrau Wirte igt schwanger 
Und d'KeUere 6! 

Da stet ö freilich mer für 
>auch<. Dafür habe ich häufig 



ä angeh^gt gefunden; wärend 
das wirtemb. Schwaben allein 6 
zu lieben scheint. Vrgl. WörterbL 
.z. Volkst. S. 72. 

Die Baar hat oft stat der In- 
finitive -en ein 6: sagd, frag6 
u. 8. w. 

6) Wechselt das der got. Bre- 
chung ad entsprechende hochd. 
in der schwftb. Auszsprache 
zwischen 6 und &9, so entspricht 
dem ahd. 6 got. &u, ao und &9; 
jenes ist niedersehwftbisch , disz 
augsb. schwäbisch; Gmünd und 
Ellwangen haben lezt ebenfiiüls: 
häech: hoch; äog; fl&eoh: 
Floh, pulex; l&e, silva, arbustum, 
ahd. 16h; &er: auso got.; räer, 
Ror; t&ed: tod; näet: N6t, ne- 
cessitas; r&et: ruber; br&et: 
bröt; l&esz,got.hlaut8;bläesz, 
ploz , nudus; gräesz, grandis; 
st&esz, ictus, 8t6z ahd. l&ess, 
Über, solutus; l&esz, Schwein; 
k&et, Kot; träest, solatium; 
&9§tare: 6stara; bläese, bla- 
sen; Schmell. Gramm. §384. Ich 
hörte in einer Gegend fläesz, 
für Flosz. Dise Beispile laut«t 
niedersohwäb. hao (ch), flach, 
naot, raot, braot, graosi, 
laosz, flaoss; rao (roh, von 
Speisen); abaosze, äbaosio (b6* 
zen); aostro, staosse n. s. w. 
und entsprechen ganz und gar, 
was Unkundigere weit weg wer- 
fen, dem altdeutsch, ao des Bha^ 
banus und einiger anderer Denk- 
mäler, wo haooh, naot, raor, 
laos u. 8. w. stet. 

Folgt auf altes got. in g, h. 



361 



^ P) ^ ^f T'^'^j 80 nei^t die lebende 
wie die Sprache der Denkmäler 
ftogsb. Schwab. 1) zu o etat Ha 
und ao hin; 2) zu S, das mir 
aber ein Mittelton zwischen a u. 
o zu sein scheint, a) z. B. st 5b, 
Staub, z. stuppa; 5g, plur. 5g e, 
der Wertach zu &ge, got. augo- 
na; ober5ga, Augenwimpern; 
oinögeter, ainaügig; r5ben, 
ruber, Baüber; im Eiesz r5ch, 
Bauch; neben th5, Thau; k5fe, 
k5ft, kaufen; Ogsburg, 5g s- 
burger, Augsburg; die Form 
Agustus ist schon uralt; Diet- 
rich, über die Auszsprache des 
Ctothischen S. 20 ff. Frö, Frau; 
am Lechrain allgem. globa, 15- 
fa. I5ffl (Füszen); weir5ch; 
himml. Braut, b) rab, Baub, b. 
L. Bern häufig; räb und naum, 
a4j* TÖbisch, rebisch; hapt- 
gnt, Stamcapital (Bern); ver- 
kifft a. a. 0. St. Lasarus häpt. 
a. a. 0. Der cgm. 92: junkfra. 
f. 1S^ Schongaer, a. a. 0. 
Pers. Name, hapt f 16*. ach 
(much) f. 17*. lab f. 22» ze uns. 
FrSen f. 28*. gehaen f. 26*. 
R a dS e r (Badauer) f. 29^. gr ä e r, 
blSer u. s. w. Weirach, Mess- 
buch oft; in agosto inUrkd. u. 
in dem Kleiderb, öfter, lieszens 
llffen, Frank 120. käff! Imp. 
ogm. 4^7 f. 108^ gelaben, ge- 
libet f. 110*. In der himml. 
Braut: junkfrä, laft, umbläft. 
schab f. Schaub, Mickhs. Bechg. 
cgm. 448 hat gelaffen, zuge- 
llffen f. 14P. wiräch cgm. 
786 f. 20*». Sender hat räch, 



Bauch ; EappSnenf. Eappaunen 
f. 100*. 306*. 

Der von einem Augsb. geschri- 
bene cgm. 736 entscheidet for 
die Auszsprache ao, au, ou = 
ahd. 6 got. &u: grouszer Hb, 
grousze bein f. 10*. Diegrous- 
zen Därme, f. 11*. Glieder, die 
von einander gestouszen wer- 
den, f. 123. grousz ding f. 13^ 
bouszheitf.l5^u.s w.grausze 
pitt cgm. 437 f. 124*. Astron. f. 
14^ u. s. w gestouszen, stousz, 
toud, routt, groasz u. s. w. 

Folgt ein m oder n, so wird 
der Schwab. Laut diphthongirt- 
genäselt auszgesprochen : Ide, 
laun; oder man hört einfaches 
o; was häufiger ist: drom, Traum, 
bom,Baum; zom,Zaum; schom 
Schaum ; p f 1 o m m , Pflaume. 
Schriftl. Denkmäler, cgm. 257 f. 
3: bom. bomwoU b. L. Bem 
oft. p öml in cgm. 92 f. 22^ b am 
pelzen. Begiom. 1512. auf dem 
dömen (Daumen) a. a. 0. 

7) Bestätigt wird dise Ausz- 
sprache durch den Umlaut von 
au: dem häpt, läff, läfen, k5- 
fen U.S.W, und dem hopt, 1 of- 
fen, k5fen, t Öfen entspricht 
genau der Umlaut e, d. h. oe; 
aber die schwäb. Mundart hat 
kein oe und o ebensowenig als 
ü: 5ga: ägle, egle, Äuglein; 
h5pt, häpt: heptle, häptle; 
t5f = tef8, kefa, leff, kriegs- 
löff. fred noch häufig volküb- 
lich: meifred, bes. gegen Kemp- 
ten hin. Fredenmacher, Hof- 
narr, Conz V. Bösen: Kleiderb. 



362 



— Ob. 



Fred, Seb. Ilsung bei P.v.Stet- 
ten, Erl. 49. cgm. 437. Ifrämi! 
töft ma? Füszen. aufgleff, 
fred bei L Rem. Folgt aber ein 
h, s, n. t, d, th auf got. au, so 
heiszt der Umlaut ea, wie das 
dem gebrochenen i entsprechen- 
de ea: räet: reatdr; h&9ch: 
heacher; gr&osz: greaszer; 
bräatfBrot, dim. breatle ;f lad: 
flea; raor: rearle u. s. w. 
Niederschwaben spricht in beiden 
genannten Fällen ai: raiter, grais- 
zer, laiffig, fraidig, kaiffig, haipt- 
le, haiher, braitle, braisamle u. 
8. w. Wo der Neckarschwabe 
ärle, häre (Lech, Eaufbeuren) 
hört, verstet er esz nicht; er hat 
nur airle und haira (hören). 
Folgt m oder n, so wird ea na- 
salirt: sehe 9: schön u. s. w. 
Blead: blöde; ead: öde, 1) un- 
gesalzen, 2) abgeschmackt von 
Menschen u. s w 

Die Wörter Heu, Gau (gavi, 
havi t) lauten niederschwb. hai, 
gai; augsb. bald ha, häa (Ztw.), 
bald hoi, hoi9 (Kempten zu), 
bald he, hee; ha hörte ich an 
der Schmutter; in Landsberg ist 
esz ebenfalls üblich ; ganz so G aü. 

Der Umlaut des 6 hat nichts 
Besonderes; er wird wie e allge- 
meinschwäbisch gesprochen. Dem 
Allgaü zu komt ö auf. Die Schrei- 
bung ö für e sieh oben E. 

7) Eine eigentümliche Erschein- 
ung ist ai für o und u, z. B. im 
cgm. 755: mairgen, besair- 
gen, wairt, vair, airden, tair 
u. 8. w., wo von späterer Hand 



überall o hineincorrigirt ward: 
sorgen, morgen, cgm. 631: der 
auf unsers herren sohaisz ent- 
slief. In einer Zweibrücker Ur- 
kunde steht ai und oi: wain- 
haft (wonhaft), gewainlich, 
erelois, sicherloisz, tiuwe- 
lois u. 8. w. Der cgm. 736 ent- 
hält die Reisebeschreibung eines 
Augsburgers in's heil Land von 
1444, wo ai öfters für o und u 
erscheint: getain: geton u. s.w. 
Abt Murer v. Weissenau schreibt: 
maindrigs, Morgens; Airdt, 
Ort; Ummendairf,Ummendorf; 
Eairn, Eeml mairedrigsten 
(Weg); Altdairf, Altorf- Wein- 
garten; Sairg, Sorge; March- 
dairf, Markdori, ON.; Hairn, 
Hörn; fair, vor; w airden, wor- 
den: Thair, Thor u.8.w. Eben, 
Gesch. V. Ravenab. 11, 247 (SQjärig. 
Krieg). In einer Urkunde Hein- 
richs von Schwangau von 1346 
(Horm. Hohenschw. Gold. Chr.) 
stet: sie haint: haben; derzuo 
hain ich und min erben, hain 
ze kofent geben u. b. w. Dise 
Formen haben niederrheinisches 
Gepräge, cgm. 358 u. 166. 

8) Die a Btat o in sargen, 
farcht, margenatern, erst- 
g eb a rn e r u.8.w. sind echt bayer. ; 
wo in Schwab. Urkunden Fille 
vorkomen, sind sie von bayer. 
Schreibern. 

OB praep. »bei Maistern ob 
dem Land.c >Die ältesten anJa- 
ren ob dem Handwerk.« Erneu- 
erte Web. Ordg. 17. Jh. Veraltet. 

Obnan, nach oben: »die dir 



ObCraiien — Ochse. 



368 



die apise machet obnan osz- 
¥Mm,< »die apis obnen oszze- 
bringen.« Astron. f 27^. (Avd.) 

OBFRAÜEN in der Hebammen 
Ordg. S. 85. >E8 werden nach 
bisherigem altem Gebrauch von 
dem Banamt zu allen Zeiten 4 
Frauen, 2 katolische und 2 pro- 
teaiantische zu Obfrauen und 
zween Medic. doctores aus dem 
hiesigen Collegio Medice, ein ka- 
tolischer — zur Hebammen Ord- 
nung und zurObsicht und Direk- 
tion über die Hebammen aller 3 
Classen yerordnet. Diese Ob- 
frauen und Herren Doctores 
sollen auf alle Hebammen fleiszige 
Aufsicht haben, dasz auf allen 
und jeden Artikuln der Ordnung 
richtig gehalten, das Hebammen- 
Wesen je mehr und mehr ge- 
bessert und die Lernerinen, ge- 
sohworne Hebammen und Fürer- 
innen dieser obrigkeitlichen Ord- 
nung gemäss dem Bauamt vor- 
geschlagen und bestellet werden. 
Für sich selber zwar sind sie 
nicht ermächtiget, eine zur Ler- 
nerin oder von einer Clasz in 
die andere aufzunemen, sondern 
sie sollen nur deren , die um^s 
Amt anhalten, ihres Lebenswan- 
dels , Sitten und Eigenschaften 
eich erkundigen sovil sie können, 
den Herren Baumeistern Nach- 
richt davon geben und welche 
flie für tauglich halten, in Vor- 
schlag bringen < u. s. w. 

OBEBSTE: der hl. Dreikönigs- 
tag. >üf den obrosten aht vor 
oder aht tag näh.c Man. f. 1*. 



>gebom am Oberst ze naht.< 
cgm 92 f. 28. >zu dem obero- 
sten tage.« ürkde. 1304. >am 
Freitag vor dem Christen.« 0. 
Euland u. s.w. Pfingstoberst. 
ürkde. 1619. 

OCHE, 1) span. Taler, real de 
ocho. Schmell. H, 123. »ain ochen 
und ain grosz<, >umb ain ochen.« 
Buland. 2) Oheim, »zu deinen 
Öchen solt du faren.« cgm. 206 
f 46^ 

OCHELE, das, 1) schmerzliche 
Wunde, 2) leichtere Fal- oder 
Stoszwunde. M. WbL 72. 

OCHSE. In Groszaitingen war 
esz Site, am Aschermitwoche 
den Ochsen zu schlachten. 
Zwei Burche liefen auf Händen 
und Füszen nnd stelten zusamen 
einen Ochsen vor. Den Bücken 
bildete eine Stange, am vordem 
Ende war ein Hafen als Kopf 
angebracht. Ueber disen war ein 
weiszes Kopftuch geschlagen, in 
der Regel ein Bett-Leintuch. Der 
Ochse ward herum^efart; bald 
erschienen verabredete Mezger 
und das Handeln um das Yieh 
began. Sie brachten schon Stricke 
mit. An mereren Pläzen ward 
Halt gemacht; aber der Kauf 
zog sich in die Länge. End- 
lich gieng er ausz und der Ochse 
solte abgeschlachtet werden. Der 
Straich auf den Kopf, der in 
Scherben zerfiel, zur allgemeinen 
Freude der Menge, beendete die 
Site und dann gieng's in's Wirts- 
haus, und die Kaufsumme wurde 
> versoffen«. 



364 



Oed — Ornat. 



In der Webersprache komen 
Tücher vor, Ochsen geheiszen: 
geblaichte und nngeblaichte Och- 
sen, vördige Ochsen u. s. w., 
warscheinlich vom Stempel, der 
einen Ochsen fürte, zubenannt. 
>Mein Weib hat vorhin einen 
Grind, halsstarriger als ein 
Steyermarker Ox.< Mast- 
oder Schieboxen in Mickhaas. 
Bechnungen oft. >An Schieb- 
oxen verblieben. < >an Seh. aus- 
geben < u. s. w. Oxenbrunuen, 0. N. 

Die alte Ochsenstrasze von 
Nordheim nach Landstrost, im 
Saalbuche: Heerstrasze. Man 
machte Ougststraszendarausz. 

Oxenstierna im Kinderreim: 
B^t Jaggele bet 
Moara komt der Schwed 
Moara komt der Oxasteare 
Wird 'm Jaggele 's Beta learo. 
Biesz. 

OED spr. ead, abgeschmackt, 
»ungesalzene , von Speisen und 
bildlich von Personen und deren 
Handlungsweise. Im AUgaü 
&d9m, >'si§tmi9rreacht ädom«, 
>e&dams gschwäzc. Oeden- 
berg, Flum. Klimmach. Pfarrb. 

OEL inOelberg&cker, Diet- 
kircher Flum. Oelhoinzen, Oel- 
kuchen. Jettingen. »Gegen den 
Ilatsdienem haben sie gesagt, 
seht wie stehen die 3 Oel ber- 
ger, die der Stuben hüten dort!« 
Ghron. 1634. 

OETTINGEB, eine Münzsorto. 
>Also lieszen die Herren ain Münz 
schlagen, nachdem die Oet tin- 
ger verboten waren.« Horm. 1884. | 



129. »und ist zuwiszen, dasz die 
Oettinger Pfenning verboten 
waren, an dem lezten, die waren 
gar bösz und hetten wenig Sil- 
ber an in; da sagt man dasz die- 
selben Oettingerals ungepragt, 
dasz noch kein Präg darauf ge- 
schlagen war.€ a. a. 0. — Ich 
erinere hier auch an den öt- 
tinger, Turm in Mümpelgart, 
vom dort eingesperrten Hohenz. 
Grafen Friz Oettinger so be- 
nannt. (1443i) 

OFEN, der, im Liede: 
In meim Haus, d& ist all's verkert 
Dear Ofa dear haot 's Grimma 
Der Heustock, dear fangt's Tanza a 
Der Esel lernet 's Spinna. St 

Ofa loch: »Diemusz ir Leaba 
in's Ofaloch nein betet ho< 
heiszt esz bei einer unglücklichen 
Ehe. Das Strafen um einen Ofen 
voll Stain kam a. 1538 mermali 
vor. Ghron. 1634. 

OFFENHAÜS, öffentliohet Haus. 
Sender f. 394 erzält von 8 Ulmer 
und Langenauermftdchen, die zu 
Augsburg ausz dem Dienst >in'B 
Offenhaus eingiengen.« In der 
Chron. v. 1684: gemain Haus. 

ÖLDEBN, Äldern, Erlen. Im 
Klimm. Saalbuche 1784: >Den69 
Pfall, wohin 66 schritt, der bei 
einer alten ölder stet« >I>en 
29. Marktp&U, der 56 Schritt 
fort bei einer ölder geschlagen 
stet« In Mickhaus, üricd. 1580: 
»etlich Ölderlen zu gelanden.« 
14 Ölderin Bafen. 1610. Ab- 
gestandene öldern. a.a. 0. 

OMAT, Aum et, Naohhaa, ömd, 



Or — Oster. 



865 



foennm seoimdain. Hart. Invent.: 
>98 Faeder Omat<. Oma de, 
Zeit des ömdens. 6m ad, ömat, 
ürkde. 1835. Adj. embdisch, 
>embdiBohe Wechselwis.« Mülh. 
ürb. 89. & ist iterativ. 

OB, rechtsaltertmL : Orenab- 
■ob neiden in A. A. 1694 ward 
eine Diebin yermfen, ir das linke 
Or abgeschnitten, sie mit Baten 
aniEgehanen nnd ir die Stadt ver- 
wisen. 

ORGEL in der Webersprache: 
>Von der Wecharbeit. Item wel- 
cher Wecharbeit nsz der Orgel 
wnrkhen will, nnd an die Ge- 
■ohaa, der mag wol zween brait 
Stuhl an die Geschaa and zwen 
nsz der Orgel brait oder schmal 
sich gebranchen.< Web. 0. 1649. 

In der Red. Art: >Des ist a 
Kerle wie Orgele, ear pfeift wo 
ma na dapft < wenn einer auf 
alles Antwort gibt. Burg. Gegend. 
Orgelkasten, pöbelhaft, eine 
Person von schwammiger Leibes- 
besohaffenheit. Orgeln = vomere 

ORT 1) im cgm. 154 öfter Ort- 
mezzen roggen. 2) Geldstück 
16 kr., in Mickh. Bechnungen 
Ort = V« fl. 1691. »so hab man 
einem jeglichen Schitzen von je- 
dem Schusz , den er traf, ein 
halbs Orth aines Guldens, wie- 
der aus dem Dopel.c Horm. 1884 
S. 141. anderthalb hundert orter, 
Ott Bnland. 3) Item ein Wöhr mit 
versilbertem Kreuz, Haggen und 
Orthband — erlaubt; hingegen 
die ganz silberne Kreuz, Haggen, 
Orthband und Sporen — ver- 



boten. < Zierd. 0. 1668. Brannt 
ein Ort von der Zungen. € cgm. 
206 f. 66^ 4) Spize, Ende, 
»dasz das tuch ferr für sein f&sz 
hieng und der ander Ort gieng 
im binden nach.< cgm. 402 f. 
130^ An dem Ort des Kreuzes, 
f. 138^ Zu dem Loch des Orten, 
a. a. 0. Das Ort, Wald. Mickhs. 
4) Ortle: Schusterahle ntr. 

Mad Ortbrunn, Grenzbeschrb. 
Zacher 56. 

OSTEB erhalten in Flur- und 
Ortsnamen; von leztem füre ich 
an: Osterberg (lUertissen) ; 
s t e r d o r f (Immenstadt); 8 1 er- 
ettringen (Türkheim); Oster- 
k ü h b a c h (Zusmarshausen), urkdL 
Osterkubach 1316. Osterhof 
urkdl. Osterhow (Wittislingen). 
Osterberg, Wald neben Lin- 
denbühel b. Germanicum. (Bai- 
ser.) Osterlauchdorf (Mindel- 
heim); Oster ried (Oberdorf); 
Oster Zell (Kaufbeuren) u. s. w. 
Ostendorf? (3mal). Der alte 
Osterbach war die landesher- 
liche Grenze zwischen Branden- 
burg und der emaligen Herrschaft 
Beilenberg (Illertiszen). Ostern, 
das Fest. In den Straszenort- 
schafben fand das Ost er singen 
der Ministranten stat: sie zogen 
von Haus zu Haus und leierten 
>vexilla regis prodeunt,« wofür sie 
Eier erhielten. Unter dem >be- 
rüchtigten Cammerer< ward zum 
Aerger der Groszaitinger das 
Ostersingen abgeschaft. >yor 
Jaren hat man an dem hL Oster- 
und Montag und nit lenger um 



366 



R. 



die Stadt herum bettlen, aber 
nitt hereingelaszen ; was sich aber 
heimlich hereingeschleicht , hat 
man am hl. Ostertag geschehen, 
aber den andern Tag hinauszge- 
schafft. < Ordg. von 1647. 

Osterf laden. »Die Gültayr 
sollen allwegen zu Osterf laden 
damit gebachen, und jedem 
Pfrüendtner ein Stuck 7on einem 
Fladen gegeben werden. < Pfründ. 
0. 1543. 

Ostergesegnets. >Als der 
Gotzdienst desselben Fest's voll- 
bracht was, so gieng Sant Ulrich 
haim; dasselbs waren besunder- 
lich 3 kostlich Tisch bereit: ainer 
im selbs und die er bei im wolt 
haben; der ander Tisch unser 
Frauen Pfaffheit, der dritt St. 



Afra Samnong. Und als das lemp« 
lin, trank, speck und anderes 
nach gewonheit des Tages 
gesegnet und von Jedermann 
genomen ward, darnach fieng je- 
derman an mit fireuden, eaxen u. 
trinken. Damach kamen vilSpü- 
leut, trumeter, pfeiffer und ander 
Spilleut in grosser meng und 
trumeten und pfiffen 3 mal nach 
einander. Nachdem alspald, so 
sungen die Chorherren ein re- 
sponsori und gesang und der hL 
Urstend ünsen Herrn und ward 
das trank jedermann geben, 
desgeleichen teten auch von St 
Afra Samnung.« cgm. 402 f. 19*. 
Osterstock in den Ritualien 
des 14. und 16. Jhs oft erwänt: 
bes. cgm. 168. 



P sieh B. 



Q sieh K. 



R. 



1) Im Anlaute. Laut mererer 
schriftlicher Denkmäler des 15 
und 16. Jds. scheint das r mit 
einem Hauch gesprochen worden zu 



sein: rhat, L. Rhem, rheiben, 
rhappe u. s. w. Am merkwür- 
digsten ist jedenfalls die AllgaA- 
ische im Bregenier Orensgebiat« 



367 



übHclie aspir. AuBzspraohe bring, 
bro88, hrappe, die ganz an al- 
tes liros, hr6m,hrorjan,hruo- 
fmn, lirinwan, hriot, hruki 
erinern, Formen die im sogen. 
Scbriftdeatschen seit dem 8. Jhd. 
f er seh w u nden, die aber imer noch 
fortleben; seit der Zeit in welcher 
wagen. Schriftdeutsch xl Mand- 
•rt in 2 Arme auszeinander gien- 
gen, hört h in Denkmälern auf. 
Scbmell. Gramm. §. 622 fort dise 
Erscheinung ebenfalls auf ausz 
G^egenden vor den Alpen u. bringt 
in s Handexempl. ausz d. Böhmer- 
walde brenne, hraudkopfet, 
(Band, raüdig), hrumpeln (stre- 
pitam facere) hross, breiter 
u. s. w. Ein scheinbar anlauten- 
des r erscheint allgem. schwäb. 
als üeberrest von her: 'rousz, 
Vein, 'rum, ra (b) u. s. w. M. 
Wbl. 73. 1. 

2) Den Wechsel mit 1 im In- 
nnd Auszlaute sieh oben L. 

8) Dem ganzen augsb. alt. Bis- 
tnmsgebiete ist der eigentümliche 
Nftchhal eines a oder e nach r 
eigen, mit Denung des vorher- 
genden Vocals ; rn, rch, rm, seit. 
▼or rw, rs, rz, rf, rb (ereb, Erbe, 
▼erderebe, weraf9, fareb, 
ganz ahd. farawa) sind esz vor- 
züglich die schon einem ausz 
dem halbvokal. Charakter des r 
hervorgenden WoUautgesez ge- 
mäsz im ahd. a einschieben; z.B. 
aram , brachium , param , sinus, 
snaram (turba). Gramm. I^. 612. 
Vrgl. 1. Das m büszt seinen Laut 
ein und wird in solchen Fällen 



n: 5ra, arm: Srekreze, Arm- 
korb; aremuet; geren, gerne. 
Der Waysz und Keren 
Gilt da seine Hfl. geren. Web. 
Inschrift, georo; käere, zäero, 
dura. Tum; wo bald konn bald 
k&enn anderwärts vorkomt. 

Im Elnderspil: 
Königs, Königs Töchterlein 
In einem tiefen Thuren 
Der Thuren, der ist gar so tief 
Wir müszen Stein abbrechen. 

Weiszehäera, Hira, Stire, 
Bir9,Doref,Kirech, Furecht, 
scharaf, Bereg, wie ülem. 
Gramm. v.Schmell. § 637. Stea- 
rale, eine Art Maccaroninudeln 
wäre, warm. Bara, Barn und 
merere andere. 

Ich fuge ferner schriftl. Belege 
bei: Sender hat: Koren, Koren- 
schneider f 39*. Ein Schaff Ko- 
ren f. 33*. Korenschrand f. 87*. 
Garen, Faulgarenweber, Färb. 0. 
Garensieder; Leipziger Garen; 
Arenprust S. f. 210^ Schirem, 
Frank, Annal. Erenst, erensthafb 
f. 494*. Markgraf Erenst von Ba- 
den f. 535*». Herzog Erenst f. 436*». 
Weiszenhoren f. 308*». 310*. Hi- 
renheim 0. N. Himheim f. 569*». 
(hirö). Zoren, zorenklich f 106*. 
560*. Thuren, Vogelturen f. 524*. 
Perlachturen f. 149*. Luginsland- 
turen 91. Sturengloggen. pitteren 
tod cgm. 345 f. 1*. harenstein. 
cgm. 601 f 111* >Aufs lezt 
schlug er sie mit einer Koren- 
gabel wund.« S. 206. Korenkast 
f.313* Zwirenfaden 1625. 

Ferner: Der Diane Zoren. 



368 



Troj. Krg. 6». Pulverturen S. f. 
306*. ungeren S. f. 299». Graf 
Eitelfritz v. Zoren 303*. Durch 
das Koren reyten S. 518*. Und 
machet ein grosz Ghiren (Gehüm) 
V. Hirsch, Horm. 1834. 150. Re- 
giom. 1518: »das Sternbild der 
Jungfrau auf jeder Achsel ein 
Steren, auf jeder Hand ein Sta- 
ren und an den Elaydem 7 Ste- 
ren.« P i r i ch a c h, urkdl. Birkach. 
Rais. Viac.9*. £richtag, Diens- 
tag, cgm. 736 f. 65». Erent, 
Ernte, »erent und stro gsot.« 
Mickhs. Akt. 1610. got. asan, 
ahd.aran, messis. Wintererent 
geschnitten, a. a. 0. In d. himl. 
Braut stet geren und garen 
(Garn) imer. cgm. 402 f. 30*. Die 
Steren f. 100». Erafurt, Er- 
furt. Insign. Berenhart cgm. 
480 f. 26*. Rumpelt macht auf 
die Schweizerische Einschiebung 
des e nach r aufmerksam; esz ist 
allgem. oberdeutsch.Gramm.S.246. 
4) Auszfal des r im In- und 
Aus zl ante , mit Denung des 
vorhergenden Yocals. Sieh die 
Beispile in mein. Wbl. 73. Dise 
Erscheinung ist niederschwäbisch 
weiterverbreitet, ar: Este: Kar- 
ten; asoh, Halbasch, Lam- 
as ch, Mezgemamen; Spiz und 
Sschspilen. Mader: wate: war- 
ten; yerzätlet: verzärtelt; St- 
ier artlich; StandSte: Stand- 
arte ; B S 1 1 e : Bartholomäus ; H o a- 
fSt, Hofart; GStahaus; Gät- 
1 i 8 w a r : Gartengewächse , Qe- 
müseart; er: hea: her; deti, 
dedda, dort (Lechbruck), was 



einem altem dert, dasvorkomt, 
entspricht; MSzablnemle, Mär- 
zenblümchen; LSat neben Leart, 
St. Leonhard; fSat:femd;keat: 
kert ; P f ea s che : Pfersich ; 
Schmeaz: Schmen. Li der G^ 
gend von Ffiszen liebt man die 
Formen wem (r). >GMald ibe'- 
windt.« Alte A. Devise, b. Horm. 
1834 S. 159; 15ai, lers, Ead- 
käuflere,ESd8chmidle,E5d- 
öpfel, hSazig;daachte, Toch- 
ter; ea(r) >hout ea?< dea(r), 
der; mee, mer, itenun ; mei- 
stens gilt das Abwerfen des alt 
8 entsprechenden r. ur: w9§t, 
Wurst, wirst; küsum: kurzum; 
küzweg; futt: fort, fort, >'s 
gaot so futt.« Eüiweil; Du§t; 
nüe:nur; blLzleiponeln; düft: 
dürfte; üsche; SchCi. or: 
Woat: Wort, Jaowoat; Oat: 
Ort, earter pL; DSta, Torten; 
Büat: Borte; 'b oadele§t: or- 
dentlichst; wie sie's gheat: ge- 
hört; Doaf, Dorf; FSdemteil, 
Währ, häufig Flnm. i: Kiach: 
Kirche; Hiach; Fist: First, 
HausgiebeL An sohriftl. Belegen 
stet das Wort Mider f. Marder 
obenan, als Luxusartikel; a4j> 
mäderlin. S. hat Donstag, 
Donnerstag; f. 248^ 207^. m6 
denn einmal f. 200*. na m6 f 
217». vil m6, kain m6 f. 170*. 
16 zedel md f. 1^8^ schon alt 
mS neben m§r. Ein Kleid des 
Herrn wird cgm. 445 f. 8* Glis- 
mSdter genannt, anf dendsten 
oder andern rechtag. Schm. Gr. 
§ 628. Mindelh. Ret zu aller- 



R — Runbunpele 



369 



TedernBtYom. Horm. 18S4.125. 
r weg in Ortsnamen: Diedorf^ 
11. nnd 12. Jftrhd. Tierdorf, 
Tyerdorl Hadern O.N.nrkdL 
Hmrdere, Haerdin, Haer- 
dare, Haerder. 12.Jlid. Wein- 
lioM Gr. S. 166. 

In doben, donten, düben, duBza 
bei Frank Ann. dnnien (94), 
doben, 116.daaBz, 117, istrnicht 
aii8X£re8t08zen wie in meinem WbL 
73. 5 stet, sondern ist da-nnten, 
da-oben, da-anszen anznsezen. S. 
t 363* danszen, doben 560^. 

Die Bayern sind dem r im 
AuseI. bes. feind, bemerkt schon 
Wackins 1713: >da8z sie Hea 
tagen Tor Herr, und Jammä 
TOT Jamer.« 

5) Einschiebung und Wechsel. 
Der Edelrieder (Standen) sagt: 
»i will di Modes lernen*« fdr 
mores, cgm. 439 £. 39. >der Geist 
wird verdnnkert.« Im Mickh. 
8trafbch. 1773 stet: sie habe die 
Karnal brav geschüttelt. Noch 
jeat Earnalle, Earnone allg. 
üblich. Ob Deizetle and Be- 
setle auch hieher zu zälen, weisz 
ich nicht recht; Armasen be- 
gegnet man auch hie und da; in 
einer Verordg. b. Reysch. w. 1523. 
17, 63. L Landsb.Nov. 1495.Xn. 
11. Armusenkasten.Auszschrb. 
▼. 1547. 31. Mai. r in Gramil- 
len allgemein oberschwäb. und 
achon in Schleher's Pestilenzb. 
1611. Eonstz. 

RABA spr. rabo, schmuziger 
geiziger Eegelspiler. 

RADELN^ADERN swv. trillen. 



1) besonders Schlitten: »Mein! 
magst redein mit mir, mnest 
mich aber nitt abwerfen.« Elei- 
derb. 2) beim Sailerhandwerke: 
>zn einem Gehilfen kann er einen 
nach Belieben nemen, zugleich 
auch einen Lerjungen zu ra- 
dern.« Sau 0. 1687. 

RATEN , der , Dachsparren. 
>ünde dehain schindeln noh ra- 
fen noh latten noh müseL« 
Stdtr. 15*. 

RAJEN, Reihen, Tour b. festli- 
Anläszen in A.; den ersten R. 
tanzte laut Chroniken bei An- 
wesenheit hoher Gäste der Bischof. 

RAIF. Der junge Schwarz treibt 
einen rollenden Faszraiff vor sich 
her: dabei stet: nun welcher kann 
den Raiff den Mauerberg baser 
hinabtreiben? S. 106. Eleiderb. 
Geraifflet: >Hingegen aber ist 
den Weibspersonen one Ünder- 
schid verg^undt, die silbernen 
Flaschen- oder Banzer- wie 
auch die Gusz- und Riemengürtel 
samteiner geraiffl et en Meszer- 
schaid oder Bestock — nit über 
25—30 fl. Wert haben.« ZierdO. 
1618. Raifröcke verboten. Pol. 
0. 1785. 

RAIGER, Roigel, sieh oben 
174*. Red. A. >ho-ni miaszo spai- 
w9, wi9 ra9g0r< = sich erbrechen 
A. Zeitw. raigeln: heit bin i 
zamagräagelt, habe ein fest 
geschnürtes, gebundnes Halstuch 
an. »Einen räogla«, drosseln: 
ear hat mi g'raeglet A. 

RAMBAMPELE dim. ein ansz 
Eirschenwaszer und Zucker be- 



370 



Rampfen — Ratha. 



reitetes Getränke ; gegen die Leut- 
kircher Haide hin landüblich. 

RAMPFEN 8WV. zusamenkra- 
zen. >Wa8 sagst du? Wasfrävels 
war das? mainstu dasz anderleut 
ihnen den Namen der Heiligen 
zurampfen? und unter diesem 
schönen Namen das Volk betrü- 
gen?« Pasquinus. >Sie aber 
rampften an allen Orten (d. 
Orden) hie und dort, verflucht 
und schedlich Lugin zusamen, 
hielten den bövel in groszem Zit- 
tern« u. s. w. a. a. 0. 

RANDEL, f. 1) rohe Scherze trei- 
bende Weibsperson, auszgelaszen, 
>mannsüchtig<. A. 2) Flurn. 

RAPP swm. Rabe, corvus. 
>Schwerzer dann ein Rapp.« cgm 
402 f. 72*. Kinderreim in den 
Stauden : 

Rapp, Rapp dein Haüsle brennt ! 
Schatt 'm nix, haog seall azündt. 
De! Mueter ist a-n alte Kuh 
Sie hanget an der Gloggaschnuer. 

Rapp, Rapp dein Haus brennt 
Dei Muoter hanget am Zwirafada 
Kagt mit 'r in d'HöU 'nafara. 

Rapp, Rapp dein Haus brenn t an 
Schutt a Tröpfle Waszer dra. 

Rappaschoisz, der sog. He- 
xenfurz, die welke Kapsel vom 
Boletus Pilz; oberschwabisoh 
Spindelwüza. 

RÄSZELNswv. zumadj. räsz, 
sieh mein Wbl. s. v. Der Back- 
steinkäs >r äs zeit iaz no 'rauf 
da Kraga.« Seh. adj. räsze Ru- 
then. H. S. 



RASPELN swv. zusamenraffen. 
Anna Dudel 
Schupf del Nudel 
Sperr del Meal in Kasta 
Komt der Baur im Hemet 'r5 
Und hilft d'r helfa raepla. St. 

»Wann sie in den Beichtstuhl 
kommen heiszt es rips raps, als 
wann ein Ratz über ein Schin- 
deldach herabrasplen däte.« 
H. S. 

RAT. In A. war der grosze 
(gemeine, urkdL) und der kleine 
Rat.< Gass. 

Ratsschaz, >al8 er Burger- 
maister und Ratgeber war, öffent- 
lich Ratschaz nam.< 1349. 

RATHA, St. Radegundis A. 
1290 war R. Magd im Schiosze 
Wollen bürg. Gegen Arme u. 
Kranke woltätig: brachte heim- 
lich das ir am Munde Abgezo- 
gene den Hungernden, wusch u. 
puzte die Kranken. Der Neid der 
Dienstboten machte sie verdäch- 
tig. Als sie einst wieder Almosen 
forttrug, ward sie angehalten und 
auf die Frage, was sie hätte, ant- 
wortete sie: warme Lauge und 
Kämme. So war esz. Einstens 
ward sie von Wölfen zerrissen, 
als sie eben dem Siechenhanse, 
dem nachherigen S iechenkob e 1 
bei WöUenberg, zagen wollte. 
Ire Yererung ist grosz: die Re- 
liquien diser Volksheiligen er- 
scheinen in Bergheim, dann in 
der Vituskirche in Waldberg. 
Vergl. Viaca 34. 85, wo eine rei- 
che Literatur verzeichnet ist. Bai 
S. f. 527: Ratha, ein kleiner 



Rau — Bebellionshügel. 



371 



Weiler mit der Kirche der hl. 
Badeg^ndis. Bei St. Radegun- 
äen oder St. Rathenkirchen. 
Gass. Radau er, Beiname Hans 
Langenmantels , Bürgermaisters 
1887. 

RAÜ in Bauholz: >80 nit in 
dieClafftem zu scheiten gewesen 
ist.« Miokhs. Urkd. 1610. Rauh- 
zaüne, schwache ümhegung von 
Baumzweigen u. s. w. R a u h s j» e 1- 
ta, Spähne. 

RÄUBERST ATT, Name einer 
Günzb. Vorstadt. Als Flurname 
im Raub er. (Wurml.) 

RAUMSEN. Bei Gass. heiszt 
682 >raumsendundschnawend« 
vom Wildschwein, das a. 1563 
in den Waszerturm sich verlief. 

RAUNZEN swv. weinen. A. 

RAUSCH zu Schmell. IH, 140. 
1) >Lorbeer, Rausch und Lor, 
8 strittige Waaren; dieLorbeern 
in die Zolltafel gesezt, die an- 
dern 2 frei < ürkd. 1603. »Vor- 
rat an Schmalz , Inslit , Getraid, 
Holz, Eolen, Rausch und was 
dergleichen Materialien sind.< 
Anti-Müller. S. 13. 2) Rausch- 
haus, Weberhaus. Rausch- 
knechte, Weber- und Färber- 
knechte. Den Rauschknech- 
ten fors Neujar 1 fl. u. s. w. 
Rauschgeld im Fugg. Inv.: 
ein langes Tafeltuch mit Rausch- 
gold eintragen. 

RAZE, 1) Ratte. Bekant ist 
die uralte Ueberlieferung , dasz 
St. Ulrichs Reliquien das Unge- 
zifer der Ratten und Mause ver- 
treibt. »AugspurgischBodem 



duldet keine Ratten.« Gass. Nah 
und fern erbat sich Hilfe; Rot- 
tenburg trug noch vor 60 — 70 
Jaren den Bischofsstab St. Ul- 
richs (?) durch die Felder in 
feierlicher Prozeszion. Der St. 
Ulrichstag heiszt in manchen Ge- 
genden Wirtembergs R a z e n- 
f ei er tag. »Und glaubten jr vil, 
dasz im Augsb. Gebiet durch die- 
sen Ulrich die groszenMeüsse 
oder Ratten vertriben werden 
Wie dann die Mönche daselbsten 
noch auf den heutigen Tag St. 
Ulrichs Erden den Auszländi- 
schen zu solchem Gebrauch, die 
grosse Meüss damit zu vertrei- 
ben, nicht one sondern Aberglau- 
ben zu schicken. < Gass. Der 
Razen graben, öffentl. Plaz. 
Memmingen (Karr er). 2) So ward 
mir alles Unziffer angnem, die 
Maykäfer und Razen band ich 
an Fäden und muesten mir zur 
Hand fliegen und kreisen. < Der 
junge Schwarz im Kleiderb. 99. 
3) Sogen, spanische Nudeln, ge- 
brühet in einer Kachel heiszer 
Butter als erste Lage, darauf eine 
Lage Parmesankäs. Beliebte 
Speise. 

Adj. razig im Liede ausz den 
Stauden '• 
I woisz no oins 
I hätt's bald vergesza: 
Die razig en Lueder 
Hend mar d'Stiefel g'fresza. 

REBELLIONSHÜGEL, e. alte 
Schanze zwischen Burgberg und 
Agathazeil. Raiser, Beiträge 1832 
S. 18». 

24 



372 



Eecheln — Reinhartshansen. 



RECHELN spr. r e c h a 1 e, wie- 
hern. Stauden. 

RECHEN swv. »Sodann aber 
die zeitigen platern mit abdor- 
ren wollend, so mag man's rö- 
chen mit haidepeem durn und 
mit Rosenplatern.« cgm. 601 
f. 115». 

RECHSNEN swv. im cgm. 568 
f. 244^: >ich rechsne, huste und 
speye au8z.< 

RECHT. >Einem ein Recht 
halten< auf der Pfalz. Chron. 
Einen Rechtsag ansezen. S. 
Einen berechten = richten, ab- 
urteilen. 

REFLE, spr. reafle, ober- 
schwäb. kleines Raff, geflochte- 
ner Rückenkorb. Ztw. reflen, 
schnüren, Judensite. 

REGELBAÜM. >da man zalt 
1455 iar, da sezt Gossenbrot ain 
reg el bäum zu dem tor.< cgm. 
92 f. 30*. (Kletterbaum?) 

REGELE in >Aescharegele< 
eine altfränkisch einherstolziren- 
de Weibsperson; der Mann hiesz 
Festochs. 

REGENBOGEN, eine Vorrich- 
tung bei symbolischen Auffart- 
Christi-Yorstellungen, fast in allen 
gröszem städtischen Kirchen üb- 
lich. >In dieser Zeit ist unser 
Herr im Regenbogen nach al- 
ter Gewonheit aufzogen worden.« 
»Das Loch, dardurch unser Herr 
im Regenbogen sollt gen Hi- 
mel zochen werden.« S. f. 558^. 
560^ >Er hat auch mit seinen 
Gesellen da verschloszen den Re- 
gen bogen, Engelfanen, und als 



was am Aufferttag zurHimelfart 
gehört und Monstranzen.« S. 557*. 

REGINELE, Reginahaube, 
einst ser übliche Tracht der 
Frauen : 

ündtrait sieiarReginahaüble 

So ist's zuem maola schea, mei 

Weible. Seh. 

Regina, Name der Chorglocke 
zu St. Moriz S. 22<>. 

REIBE, die und Beiber, der, 
kleinere Art von Schlitten; der 
Name jezjb noch üblich. Schlitten- 
f arten von 20—30 kleinen, schön 
gemalten Muscheln und Rei- 
ben, Schlitten mit Kindern von 
Hunden gezogen, welche Knechte 
an Schnüren fürten bei Tage, des 
Nachts mit Windliechtem durch 
Junge vorangetragen durch die 
Straszen — gehörten zu den ge- 
wönlichen Patrizierlustbarkeiten. 
Gullmann V, 131. 

REIBEN stY. bei Holzmann: 
Oft wünschten jr viU, esz sollen 
Tausend Teufel die Wucherer 

hüllen 
Und ihnen den Kragen reiben 
umb. 

REfBERLE: kleine Bartbürste. 
Augsburg. 

REIFEN swv. »Und reiffet 
und Kälte und regnet.« Be- 
giom. 1512. 

REINHARTSHAÜSEN, 0. N- 
in den Stauden: 
Z'Beetshause bin i geara, 
Dao glizget der §teara, 
Dao glizget dear Mond 
Wenn i auf Be^ishanso nefohom. 



Beischenau — Bichte. 



873 



Beotshanse igt e schene Stadt 
Pfl&{tret mit Holz, mit Holz 
Baobo geits nach dar Wal 
Aber so stolz. 

Beotshaase igt e schedne gtadt 
Pfläftret mit Stoi, mit Stoi 
Mädle geits naoeh dar Wal 
Aber so chloi. 

BEISCHENAU sieh S. SP. Eine 
Stichelei: Wer ist denn das 
verflachte Beischna - na - na- 
Bchna'ckel, Zipfelawang und 
Saulooh? Standen. 

BEISENBURG jenseits d. Wer- 
tach bei Türkkeim, bei einer 
Wifls; 6. Bnrgstal. Zacher 240. 

BEISTE, die, Büschel gebro- 
chenen Flachses. >49 abgehächelte 
Harr eisten.« Fugg. Iny. 

BEITENKOLB? Nach Gewon- 
heit als hye der Beytenkolb 
was amgän.< S. 252^. 

BEITEBE, Sieb, Getraidesieb, 
Boggen-, Fesa-, Haberrei- 
tere. Beitere komtoft als Flur- 
name vor. Strasze. 

BEITEBEI: >a. 1556 bewüUget 
Kaiser Ferdinand der Stadt A. 
wegen verdächtiger in dem Bur- 
ganischen sich erreigneter Bei- 
tere i e n und Plackereien« u. s. w. 
Akt 1555 

BEMLEB in d. Herald. Sprache 
des cgm. 92 f. 21*: »der schilt 
ist gel, darin ein schwarzer B em- 
ier, das ist ein stier.« Zu ramein. 
a4j* ramlig. 

BEMPEDEBEMF im Bätsei: 
Hans von Adria 
Haot Waszer vil 



Haot Haor am Bempedebemp 
Und koin's am Stil. (Aspergillum.) 

BENNWEG bei Türkheim. Za- 
cher 238. Bennwägelein, Benn- 
kutschen in Chron. oft. 

BENSEBN swv. halare, respi- 
rare. cgm. 685 f. 75». 

BENTEN oft im Giltbuche cgm. 
154 f. 21». 22*. n. s. w. Bin dt 
und Gilt S. 271». 

BEBEN swv. 1) »Alle die paum 
in dem weitten Wald waynten 
und grosz Zäher von inrerten.c 
cgm. 581 f. 124». >0 des unmensch- 
lichen verrörens seines pluts 
von seinem Herzen.« hs. 15. Jhd. 
2) >Ich spüre das ain hirsz ain 
Stangen auf dem haupt trug und 
aine g e r e r e t hett. « »Dabei merk 
ich, dasz er die stangenger er et 
hätt.« cgm. 289 f. 170^^ 

RETEBSCHE, Bätsei. >Wie 
Sampson in ein ret ersehe uf- 
gab. Als es nu Sampson ergieng, 
dasz in tdie chnaben zugeben wur- 
dent, so legt er in eine wilde r e- 
t e r s c h e für ; er sprach : rauttend 
ir von mir diese reterche in 
7 tagen!« cgm. 206 f. 129». der 
reterschen unterschaid. a. 
a. 0. 

RETUWA, ein alter volktüm- 
licher Tanz in A. 

BEÜSTERN swv. >wenig hu- 
sten, reustern.« cgm. 402 f. 87. 

BEZETLE, dim. eine Art Ge- 
schirrbret über Türen etc. Hei- 
zet 1 e in Niederschwab. Donau- 
werd. 

BHEINHANF. Sail 0. f. 6». 

BICHTE, Gericht von Speisen. 
24* 



374 



Ried -- Bitte. 



>Was aber Seyspeck oder ander 
Wurst sein, die sollen gekocht 
und etwa für ein Bi cht gegeben 
werden.< Pfründ. 0. 1543. »Es 
sollen auf einer jeden Hochzeit 
nit mer dann 4 Bicht oder Es- 
zen über einmal gegeben, darun- 
der ein Bicht von Fischen.« A. 
Hochzt. 0. 1540. >Den verhinder- 
ten Kranken mag nach des Bräu- 
tigams und der Braut gefallen 
von allen oder etlichen Bicht en 
und Eszen, desgleichen von dem 
Hochzeitwein geschickt werden. < 

a. a. 0. 

BIED sieh -ingen. Adelsried 
(Zusmarshausen), urkdl. Adelhar- 
tesried. 1309. Adelzried, Adlets- 
ried, Adlatsried. 17. Jhd. Stei- 
chele I, 9. Nefsried, urkdl. NefT- 
riet. 1291. Nefsriet 1316. Arets- 
ried, urkdl. Amoldsriet, 1209. 
Arrotsryed. 15. Jh. Heinriches- 
ried, abgegang. 0. 1316. Ephen- 
ried, jezt Herpfenried 1316. Bu- 
moltsried. Albachried, abgeg. 0. 
Valried 1365. Pipinsried, urkdL 
Pipinesriet, 11. Jhd. Bandolts- 
ried 1283. Strubenrieth 12. Jhd. 
Baiersried. Beichersried , urkdl. 
Bichersriet, 12. Jhd. Bumharts- 
ried 1239. Ingenriet, 14. Jhd. oft. 
Inginriet, 1263. Bazzenried, 
^^g^g' 0. lebt noch im Wirtemb. 
Oberland (Wangen). Groszriet 
1448. Erinsriet, urkdl. Amisriet, 
12. Jhd. Bieden, gesondertes Gut 

b. Aurbach. Bied bei Sibnach 
(Simna). urkdl. Traunricht 1282 
Biedgründwisin, Dietkirch. Fl. N. 

BIEMENSTECHEB im Stdtr. 



ist esz eine Art Glücksspil. >Swaz 
da vor umbe die kegeler geschrie- 
ben ist, daz Bol auch staete sin 
umbe dieriemens techer.« f.5K 

BINGE, gelbe: den Jungen 
ist gebotten worden, dasz sye 
auszwendig gele Ringlach sol- 
ten tragen. S. 95^. Nach Gase, 
musten die Juden, weil sie sich 
mit den Bürgern gar so gemein 
machten, vom Bäte ausz >gelbe 
Bing an den Elaidem auf die 
Brust geheftet, ihre Weiber aber 
spizige Schleier tragen.« 

BINGELBBOT das vom Laib 
hinten herunter geschnitt. Rank-, 
Bankeibrot (ragh). Renkhel, 
Mindeltal. 

BINTSCHUSTEB im Stdtr. >wa8 
rehtes die rintschahster ha- 
ben: ez ist der rintschahster 
recht, daz sie niht snln wirken 
wizmaler waerkes, nohdiewiz- 
maler rintschahster werk. — 
ez sol auh chain r. zestr&zzemit 
tischen stän wan an dem fr i- 
tage u. s. w. f. 14P. 

BIPS bei Holzmann: 
Der nam an etlich fedlin kneoht 
War rips and raps als schlecht 
nnd recht. 

BISLE, ein Absäzlein, Strofe, 
Zeile: Ea^t itt a maol e risle 
leset Groszaiting. In Warmling. 
Gsezle. 

RITSCaiEMEL, 2 Kipfblöcke 
am Wagen. Gbroszaiting. 

RITTE swm. > Aach bedarffent 
dis luite mer laassens — die da 
dicke den ritten hend oder ga- 
schwor.« Astr. 26^ dechain mensch 



Ritterszerung — Ror. 



375 



sol laonen, so es des ritten 
wmrtent ist.< f. 17\ >Scliäd- 
liohe ritten.« a. a 0. >zu rit- 
ten geneigt« Adj.rittig. »rit- 
tige lüten.« f. 27^ >Daz man 
niolit rittig werde.« f. 3^. 

RITTERSZERUNG : »wann 
firamde Tmmmeter und Turner 
Ton Fürsten, Herren und Städten 
alliier khomen und ein Ritt er fi- 
xer an g begeren, soll man jnen 
— ab demRathauseinen Trink- 
pfenning, wie von Alters her 
gebräuchlich ist, mitteilen.« Ord- 
nung. 1647. 

ROCH im herald, cgm. 92 f. 
16\ 23»: >Der Schilt weisz, da- 
rinn ein schwarz roch. Der schilt 
gr&n, darin ein weisz roch und 
oben ein schwarz Federböschlein.« 

ROD: >adi 9.Febr.l533 haben 
sie mir in hergesandt uff der 
Rod« (Luc. Rem.), d. h mit dem 
regelmäszigen Augsb. Boten oder 
dem Rodfuhrwerk. Die Rod- 
atrasze für Pack- und Furwe- 
aen gieng über Partenkirchen und 
Innsbruck. R o d g e 1 d. Sieh Schm. 
III, 169. 

RODLER b. Holzmann: 
Damit man kem des Jamers ab 
Ordnung unter die Tor man gab 
Kein Fremden man einlas zen soll 
Der in der Stadt nur bettlen woU. 
Sie globten an und hieltens nitt 
Deshalb man Rodler auf sie rieht, 
Die jnen, wa sie solchen kamen 
Was sie erbettelt hatten namen 
Stieszen sie zum Tor hinausz. 
Sie aber blieben drum nitt ausz. 



Kamen mit Stüzen, (xablen und 
Stangen u. s. w. 

Ire Eltern hetten sich verborgen 
Und musten uff die Rodler sorgen 
Die inen tetten vil zu leid. 
Alte, Junge Kranken on Unterschid 
Warfen sie da mit groszem 
Zwinknus 
In eilende stinkende Gefenknus 
u. s. w. 

Bei S. f. 398*: >dasKärlein ha- 
ben 4 Rodler zohen.< 

RÖGGLE, Mundsemel, gewön- 
lichen Schlages. 

Bö&ge» göi^cl Sie mor e röggle! 
A. Rögglaknöpfla, Späzlein 
ausz R. Die Butterrögglen 
waren am Rüetenfeste eine be- 
liebte Speise 

ROLL, die, Wald b. Währingen. 

ROMMELHAU, Waldn. Raiser, 
Oberdon. Krs. IL Abthlg. 66». 
Diser Name kert oft wieder. 

RÖMISCHES Brot, halbweiszes 
längliches beliebtes Brot. A. In 
Mickh. Beschreibungen komt esz 
an der Fugger'schen Tafel oft 
vor. Im cgm. 205 f. 23». heiszt 
der Paum im Paradise >das rö- 
misch Holz.i ? 

ROR in Ror kästen in Chro- 
niken u. s. w. für Brunnen. Stai- 
ne Rorkasten vor S. Ulrich. 
S. f. 318^ Der Rorkasten auf 
dem Weinmarkt, f. 325. Solche 
Rorkasten vor dem Weberhaus, 
auf dem Perlachplaz, zwischen 
der Judengaszen und der Kroten- 
au. Roralten, Gemeindegründe 
bei Währingen. 



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Bosenau — Buben. 



Red. A. b. Holzmann: 
Und wellicber in den Roren sizt 
Im pillicb auch ein Pfeiffen schnizt. 

Adj. kisig, rörig, sumpfig, 
V. Gottesacker. Furttenbach. 

ROSENAUbeiA.Rosenauer- 
berg, emals d. städtiscbe Schiesz- 
stat. DerRosenauerkrieg.Ge- 
rücbten zufolge, als ob Feindes- 
Yolk, gartende Enecbte komen 
liesz der Rat den 8. Mai 1556 
unter Scbertlin's von B. Comman- 
do 8500 Söldner werben und am 
Rosen auerberg ein Lager be- 
ziehen. Nach 4 Wochen, als kein 
Feind sich zeigte, entliesz man 
die Knechte mit Auszname eini- 
ger Offiziere und zalte inen den 
Sold. 

RÖSELET (-w) >darzu so ist 
erröselet, rout.< cgm. 736 f. 12; 
ebenfalls in der Astron. 18» von 
dem im Schüzen Gebomen. 

ROSS. Rosstrinkin, Plaz in 

A. S. f. 185»>. >Ihr (der alten 
Deutschen) Pferd waren auf ein- 
faltigest , weder an Form noch 
Schnelle, sondern wie die Bau rn- 
ross giengen sie schlecht den 
ebnen Weg hin.< Elucid. 1543. 
Rosslaüff — lang und breit, 
a. a. 0. Etlich achten es seind 
Rossleuff. 800,000 Schritt oder 

B. a a 0. 
BOSTSGHEITEB heiszen in der 

Bäckersprache die über Nacht in 
Backofen gelegten Seh., damit 
sie >auszgedörrt< gut des 
Morgens brennen.c A. 

ROT spr. roat; Roatlache, 
Ffuze von rotem Torfgrondwa«- 



zer (Lechfeld o. 8. w.). Bot fuch- 
set, >mit r. Leuten handeln« 
Regiom. 1512. Das Bötelauf- 
z ei ebnen der Tücher in d. al- 
ten Webersprache üblich. 

BOTTE in der YorhöUe beim 
Erscheinen Ghristi: »da ward in 
rechter Lieb vor Freuden gezaig- 
ter, da was süeszer Gesmak, da 
was Botten, harpfen allerlei 
süsz Spil8.€ >ünd wie ihr Hilf 
gehan möcht, und ich darzulies- 
zend machen Freund Freud mit 
Botten und mitPfiiffen and mit 
andern Saitenspilen.« cgm. 345 
f. 6^ 96». Der B Ott, Rhone >im 
Bottenc. L. Rem. 

ROTTLE > jezt gftnd miar r o 1 1- 
la ausz'm Gsicht.« 
Jazt lasz diar's rottelaverzela? 
Frisz rottela zu undschwäzitt 
vil. Seh. 

ROTWEILER Pfenninge ko- 
men im Stdtr. öfters vor: zehen 
phunt Rotwiler.« f. 6% ebenso 
im Memminger Stdtr. 

ROZ, der, in der Schelte: B9i- 
aff^ unreifer Mensch für die Ge- 
sellschaft der Erwachsenen. Bul- 
ben hiesz ehedem die Bnzen- 
bercht, auf Bildern ist sie mit 
roztriefender Nase gezeich- 
net. Zeitw. rozeln iwy. unter 
Schluchzen und Weinen bitten. 

BUBEN, die bayerischen 
sieh B neben sohwäbiBohen in 
alten Miokh. und Augsb. Speise- 
zetteln. In Frank's Augsb. An- 
nalen S. 107 (Steiohele, Archiv) 
stet: Herzog Albrecht lOg für 
Wien und lag eine Zeit darvor, 



Rüeten. 



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und gewann dürre R üblen, er 
mocht nichts geschaffen.« »Und 
teilen g^roszen Anschlag, da wur- 
den dürri Büeben au8z.< a. a. 
0. 117. »Dieses Geschray fieng 
einer gleich in dem Lufft auf, 
machte — wie man sagt — aus 
einer Rübe gleich einen ganzen 
Hafen vol.< H. S. 

Sarrer zält als Memming. Ge- 
wächs auf: Steckrüben, W e i s ch- 
rüben, werden nur süsz gekocht. 
Aach haben die Gemeinden zu 
Steinheim und Berg schon meh- 
rere J